35. Kapitel

Wer ist eigentlich Charly?

"Ich denke es wird Zeit, dass du aufwachst."

Hermine nahm diese Worte nur am Rande wahr - sie störten!

Also beschloss sie sie zu ignorieren und sich lieber wieder auf das Haus mit den vielen Zimmern zu konzentrieren, von denen sie eines nach dem anderen erkunden wollte. Das erste war bereits recht vielversprechend gewesen. Ein Raum voller Bücher, von denen sie zwar keinen einzigen Titel hatte entziffern können, aber genau dies machte es zu einem besonderen Reiz. Sie würde später dorthin zurückkehren und es erneut versuchen, nachdem sie die anderen Räume erforscht hatte. Von irgendwoher wurde sie gerufen - keine Zeit!

Sie öffnete die nächste Tür und betrat den Raum. Severus stand darin: "Du musst jetzt aufwachen", sagte er sanft.

Hermines Stimme erschreckte sie selbst: "Aber ich bin wach."

Erst jetzt erwachte sie aus dem Traum und erkannte, dass sie ihren letzten Satz tatsächlich noch im Schlaf gesprochen hatte.

Severus sah sie belustigt an: "Gut, jetzt bist du wach."

Hermine sah sich irritiert um. Dies war sein Schlafzimmer. Sie trug eindeutig einen Herrenpyjama und hatte die Nacht in Severus Bett verbracht.

"Du bist am Kamin eingeschlafen. Es ist nach allem was geschehen ist kein Wunder, dass du nicht einmal erwacht bist, als ich dich hinübertrug. Ich gehe davon aus, dass du in die Uni musst. Vielleicht wäre es nicht schlecht, wenn du das hier deiner heutigen Garderobe hinzufügen würdest."

Er legte ihr ein Unterwäsche-Set, bestehend aus schwarzem BH und Slip auf die Bettdecke. Hermine sah ihn irritiert an. "Woher hast du das?"

Er hob kritisch eine Augenbraue: "Glaubst du, nur Minerva kennt Verwandlungszauber? Du solltest dich mit dem Gedanken anfreunden, heute nicht nur in Männersachen aufzuwachen, sondern sie auch den Rest des Tages dicht auf deiner Haut zu tragen. Ist das ein Problem für dich?"

Hermine sah abermals auf die beiden Teile vor ihr?

"Das ist Unterwäsche von dir?"

Seine Stimme klang ernst, doch in seinen Augen funkelte es amüsiert: "Es boten sich seltsamerweise heute morgen keine Damen an, die mir ihre Unterwäsche zur Verfügung stellen wollten, also griff ich auf meine eigene zurück, um sie in etwas Passendes für dich zu verwandeln. Sie war gewaschen", fügte er vielsagend an.

Hermine lachte, und fügte dann ehrlich an: "Ich danke dir."

"Immer gerne, wenn dir gerade mal wieder danach ist, mein Feuer auf besondere Weise zu nähren."

Sie sah ihn forschend an. Das Feuer, das sie genährt hatte, waren wohl nicht allein die Flammen in seinem Kamin gewesen.

Severus blickte zur Uhr und fragte: "Wann musst du in der Uni sein?"

"Für ein Frühstück reicht die Zeit noch so gerade", erwiderte sie mit einem Lächeln, dann ließ sie das Lächeln verschwinden und sagte: "Schwimmen macht hungrig."

Severus Augen ließen keinen Schluss darauf zu, ob sie ihn mit dieser Bemerkung getroffen hatte.

Er erhob sich und deutete mit dem Kopf auf ihre Kleidung. "Während du dich anziehst, werde ich dafür sorgen, dass wir ein Frühstück bekommen."

Hermine sah ihm nach, wie er durch die Tür verschwand, dann strich sie mit den Fingerspitzen über den seidigen Stoff ihrer neuen Unterwäsche.

Ihr kamen Charlys Fragen wieder in den Sinn. Scheinbar hatte Severus auch die dritte Bedingung erfüllt, die ihr Kollege für so unendlich wichtig hielt. Severus hatte sie tatsächlich zum Lachen gebracht. Es kam ihr nach dem gestrigen Training nun fast unwirklich vor, dass sie in seinem Bett saß und sich nichts sehnlicher wünschte, als diesen Tag genau dort weiterhin mit ihm zu verbringen.

Doch natürlich war das nicht möglich. Sie musste in die Uni, und er musste ebenfalls unterrichten. Hermine seufzte leise. Nach den Schrecknissen des vergangenen Abends wäre es eigentlich eine Art Therapie, wenn er ihr auf seine unnachahmliche Art beweisen würde, dass sie tatsächlich noch lebte. Erneut seufzte sie, diesmal bei dem Gedanken daran, wie gerne sie seine Hände auf ihrer Haut spüren würde. Statt dessen zog sie Severus Pyjama aus, griff zur Unterwäsche und schlüpfte hinein, bevor sie Rock und Bluse überstreifte.

Als sie das Wohnzimmer betrat, schenkte er gerade Kaffee ein.

"Was werden die anderen denken, wenn du nicht in der Großen Halle erscheinst?", fragte sie vorsichtig.

Severus sah sie kurz an, bevor er sich setzte.

"Sie werden denken, dass ich auf das Frühstück verzichte."

Hermine nickte knapp und setzte sich ebenfalls. "Und wenn mich jemand sehen sollte, während ich das Schloss verlasse?"

Er zog eine Augenbraue hoch und schnaubte: "Hast du Angst, dass jemand bemerken könnte, dass du die Nacht bei mir verbracht hast? Wie ich dir schon sagte, ist es ohnehin zu spät diese Beziehung geheim zu halten."

"Es tut mir leid, Severus - ich ahnte nicht, dass Ginny mein Geheimnis so schnell ausplaudern würde."

Severus stellte die Tasse zurück, die er soeben zu seinen Lippen hatte führen wollen.

"Ginny...Weasley?", fragte er düster.

Hermine nickte betäubt: "Ja - natürlich...von wem warst du denn der Meinung, dass ich ihn über unsere Beziehung in Kenntnis gesetzt hätte?"

Severus Blick wurde düster.

"Ich sprach von Charles Grant."

"Charly? Ach ja...aber wen interessiert schon was er denkt? Er ist ein Muggel, und er..."

"Er ist kein Muggel, Hermine. Charles Grant arbeitet für das Ministerium. Er ist einer der wichtigsten Mittelsmänner zwischen den Muggeln und dem Ministerium - und zweifellos hat man ihn auf dich angesetzt."

Schlagartig verspürte Hermine kein Verlangen mehr danach, den Toast zu essen, den sie gerade noch mit Marmelade bestrichen hatte.

"Charles Grant ist ein Zauberer?", fragte sie schockiert nach.

"Ja, er arbeitet für das Ministerium", wiederholte Severus wesentlich gereizter.

"Aber als ihr euch in meiner Wohnung gesehen habt...keiner von euch beiden hat auch nur den Anschein erweckt, dass ihr euch kennen würdet!"

Severus schnaubte, dann sah er sie lange an, bevor er zu sprechen begann. "Das Ministerium hat dich nie aus den Augen verloren. Dein Kontakt zu Harry hat schon zu deiner Schulzeit dazu geführt, dass das Ministerium nähere Erkundungen über dich einzog. Sie wissen um deine Fähigkeiten und deine herausragenden Leistungen. Dein Weg war vorbestimmt - sie hatten alles für dich geplant, sie wollten dich in ihre Dienste nehmen und zur Aurorin ausbilden - unbedingt!"

Hermine legte den Kopf etwas schief und sah ihn ungläubig an. Es dauerte etwas, bis sie seine Worte mit der Vergangenheit in Einklang gebracht hatte.

"Meine Prüfung - die schlechte Note...du wolltest verhindern, dass sie mich einstellen...bei Merlin, das glaub ich alles nicht! WAS HAST DU GETAN?"

"Ja, ich wollte verhindern, dass sie sich weiterhin für dich interessieren. Ich hatte die Hoffnung, dass sie dich ablehnen würden, nachdem diese Prüfung dir misslungen war; aber ich wollte nicht, dass du dich völlig aus der Zaubererwelt zurückziehst. Als du diese Entscheidung getroffen hast, wähnte ich dich jedoch in Sicherheit. Aber die Note, Hermine - es war dein Fehler, deiner! Und du hättest die Chance gehabt ihn zu bereinigen, aber du hast den Kopf verloren! "

Hermines Stimme wurde jetzt ganz ruhig und gefährlich leise: "Den Kopf verloren? Da hast du Recht. Ich habe ihn verloren, weil ich plötzlich Interesse an dir hatte, weil ich nicht klar denken konnte, wenn du in meiner Nähe warst. Hast du mich damals beeinflusst, Severus? Hast du das?"

Wütend funkelte er sie an: "Das glaubst du? Glaubst du ich würde dich auch jetzt beeinflussen? Denkst du dein Kaffee enthält eine Essenz, die dich mir gefügig macht? Was spielte sich in deinem Kopf ab, bevor ich auch nur in deine Nähe kam? Wenn ich dich unter Drogen setzen würde, dann würde keine Minute vergehen, in der du nicht wie eine läufige Hündin darum betteln würdest, dass ich es dir besorge. Glaubst du ich bin so unfähig, dass ich dir etwas verabreichen würde, das mich jedesmal wieder darum kämpfen lassen muss, deine Liebe zu erringen? Das könnte ich einfacher haben - ich könnte DICH einfacher haben!"

Die Luft vibrierte vom Zorn in seiner Stimme.

Hermine schob demonstrativ die Kaffeetasse von sich und funkelte ihn ebenfalls wütend an.

"Ich hätte Aurorin werden können, verdammt - du hast mir das kaputt gemacht!"

"Wenn du Aurorin geworden wärst, dann lägst du schon seit geraumer Zeit unter der Erde. Kennst du nicht die Statistiken, Hermine? Was glaubst du, warum das Ministerium es nötig hat, ihre zukünftigen Auroren von der Schule weg anzuwerben?"

"Die Statistiken sagen nichts darüber aus, was aus mir geworden wäre. Auch wenn viele junge Auroren sterben, so ist nicht gesagt, dass ich dazu gehört hätte!"

Seine Stimme wurde ebenfalls gefährlich leise als er nun wieder sprach: "Die Folterung von Jungauroren sind jeden Monat ein gefeiertes Highlight bei unseren Treffen. Es entspricht der bildlichen Darstellung des endgültigen Sieges über das Ministerium, wenn man ihren neuen, noch recht unerfahrenen Abgesandten die Zungen herausschneidet, damit sie keine Lügen mehr verbreiten können - die Augen aussticht, damit sie keine Falschheiten mehr sehen - und ihnen mit glühenden Nadeln in die Ohren bohrt, damit sie keine Unwahrheiten mehr hören. Sie sollen während dieser Tortur lernen, dass es nur eine Wahrheit gibt...sich dem Lord zu opfern - und das tun sie...und glaube mir, sie sind vermutlich froh, wenn man ihnen schließlich das Herz mit nur einem einzigen Stoß durchbohrt. Ja, ich habe dich lieber versagen sehen, als dich bei einem dieser Treffen mit dieser speziellen Behandlung zu konfrontieren. Ich war froh, dass du in die Muggelwelt gegangen bist. Du schienst in Sicherheit zu sein. Doch das warst du nicht. Das Ministerium blieb dir auf den Fersen. Charles Grant verband seine Aufgabe Kontakte in der Muggelwelt herzustellen damit, dich für das Ministerium anzuwerben. Aber ich kam ihm in die Quere - der Orden des Phönix kam ihm in die Quere. Als ich ihn bei dir in der Wohnung sah und du ihm so eindringlich klar machtest, dass wir eine Beziehung hätten, da hoffte ich, dass das Ministerium sich als fairer Verlierer zeigen würde. Ich hoffte, dass sie Grant von dir abziehen würden."

Hermine bedeckte ihre Augen mit den Händen. Ihre Stimme klang erstickt: "Oh Gott, die ganze Zeit über war ich ein Spielball, ohne es auch nur zu ahnen. Du hast mich nur zurück in den Orden geholt, damit das Ministerium mich nicht bekommt? Was ist das für ein SCHEIß SPIEL!?"

"Ich wollte dich schützen", sagte er leise.

Hermine lachte lauthals, wenn auch nicht ehrlich.

"Schützen? Wie wäre es, wenn du damit anfängst, mich vor dir selbst zu beschützen? Ist dir eigentlich klar, dass du alles zur Lüge erklärt hast, was ich bislang für die Wahrheit hielt? Und all die Grausamkeiten, die du im Namen des Lords begehst...Charles Grant...das kann doch alles nicht wahr sein! Du hast alles auf den Kopf gestellt - alles!"

"Wenn ich die Option gehabt hätte, dich in der Muggelwelt zu lassen, dann hätte ich es getan. Aber ich konnte es nicht, weil das Ministerium die Entscheidung längst getroffen hatte, dich zurück zu holen. Ich hatte Grant gegenüber einen klaren Vorteil. Ich kannte dich und du mich. So konnte ich schneller handeln, als es ihm möglich war. Er musste erst dein Vertrauen erringen. Es war für mich unerträglich als ich damals glaubte, dass er mit dir geschlafen haben könnte um dieses Ziel zu erreichen."

"Und du? Hast du aus diesem Grunde mit mir geschlafen?", ihre Stimme zitterte ein wenig, doch sie sah ihn fordernd an.

"Nein, ich habe mit dir geschlafen, weil ich es wollte...und nur falls du es vergessen haben solltest - du wolltest es auch!"

Hermine dachte nach. Ja, dieser erste Impuls war von ihr ausgegangen. sie hatte eindeutige Körpersignale ausgesendet, und es ließ sich nicht leugnen, dass diese zum größten Teil dazu beigetragen hatten, dass sie sich kurze Zeit später willig auf dem Fußboden wiedergefunden hatte.

"Ich muss gehen", sagte sie und schlang plötzlich fröstelnd ihre Arme um den Körper.

"Hermine..."

"NEIN! Ich muss jetzt gehen!"

Er schloss einen Moment die Augen, bevor er sie wieder ansah. Er machte keinen Versuch sie zu berühren und dadurch zum Bleiben zu überreden. Lediglich seine Stimme schien wie eine ausgestreckte Hand: "Bitte komm heute Abend zu mir."

"Wozu? Willst du mit mir trainieren? Was soll ich heute tun, Severus? Soll ich voller Inbrunst sagen, dass ich es liebe, wie du mein Leben manipulierst?"

"Ich möchte dir den See zeigen."

"Den See? Ich kenne den verfluchten See. Ich habe ihn gestern um ein Haar halb ausgetrunken!"

"Ich möchte ihn dir zeigen, wie du ihn noch nicht gesehen hast. Wirst du kommen?"

Hermine war irritiert, dass seine Worte so bittend klingen konnten, obwohl sein Blick jetzt kühl blieb.

"Ich weiß es nicht", sagte sie. Als sie seine Räume verließ hielt er sie nicht auf. Es gab nichts mehr zu sagen. Er wollte sie nach wie vor, auch jetzt noch, nachdem sie die Wahrheit wusste und er ihr endgültig nichts mehr vorspielen musste.

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Hermine würde heute improvisieren müssen. Die Unterlagen befanden sich in ihrer Wohnung auf dem Schreibtisch und sollten die Stütze für die heutige Vorlesung sein. Es lief dennoch reibungslos. Die Studenten waren motiviert und dies machte alles um so vieles leichter. Es war früher Mittag, als plötzlich die Sirene erklang. Sofort wurde es unruhig. Stimmen wurden laut, dass es sich sicher nur um eine Übung handeln würde, dennoch versuchten alle so schnell wie möglich zum Ausgang zu gelangen. Hermine mahnte zur Ruhe und spürte gleichzeitig wie sie selbst nervös wurde.

Erst als der letzte Student den Hörsaal verlassen hatte, trat auch sie auf den Flur. Aus dem rechten Gang am Ende des Flures drang Rauch. Die Sprinkleranlage war dennoch nicht ausgelöst worden. Ein Mädchen kam hustend und keuchend durch den Qualm auf sie zugelaufen. Hermine hielt sie fest und sorgte dafür, dass sie kontrollierte Atemzüge machte. "Alles okay?", fragte sie dann eindringlich.

"Ja", erwiderte das Mädchen und wischte sich ein paar verschwitzte Strähnen aus dem Gesicht.

"Gut", sagte Hermine, "dann nichts wie raus hier."

Das Mädchen nickte, doch dann schien sie mit sich selbst zu hadern.

Hermine begriff sofort: "Ist noch jemand da hinten?", fragte sie alarmiert.

"Ja, Professor Grant. Ich hatte gerade bei ihm Physik, als im Chemielabor nebenan etwas in die Luft flog. Es gab einen gewaltigen Knall und als wir nachsahen, flüchteten bereits Studenten aus dem Raum. Sie hatten alle noch Zeit rauszukommen, genau wie unsere Gruppe, aber Professor Springfield ist bei der Explosion verletzt worden. Sie kann sich nicht bewegen und ich glaube, Professor Grant ist bei ihr geblieben...aber das Feuer..."

Hermine legte ihr kurz die Hand auf die Schulter. "Wie ist dein Name?"

"Lydia", antwortete das Mädchen knapp.

"Hör zu, Lydia. Du läufst jetzt zum Ausgang und erzählst den Feuerwehrleuten, dass hier noch drei Menschen im Gebäude sind."

"Drei?", fragte Lydia.

"Ja, ich werde Professor Grant mit Professor Springfield helfen. Lauf jetzt!"

Das Mädchen zögerte noch einen Moment und schien Hermine überreden zu wollen mit ihr zu kommen, doch schließlich lief sie los und rief: "Ich werde es den Feuerwehrleuten sagen."

Hermine zögerte ebenfalls nicht länger und machte sich auf den Weg in den verqualmten Gang.

Sie erkannte sofort, dass der Rauch sich langsam verzog, weil er nicht länger genährt wurde. Hermine erreichte die Tür des Labors und erkannte, dass das Feuer erloschen war. Charles Grant stand mit gezogenem Zauberstab da und brachte auch die letzte Flamme zum ersterben. Neben dem Labortisch lag Professor Springfield und hatte offensichtlich das Bewusstsein verloren. Charles' und Hermines Blick trafen sich. Ohne jegliche Hast steckte er den Zauberstab in seine Aktentasche, die er scheinbar zuvor hastig auf den Boden geschmissen hatte. Einige Bücher stopfte er ebenfalls in die Ledertasche zurück, und ein Notizbuch, das nun ein Eselsohr aufwies. Hermine kniete sich neben Professor Springfield, um nach ihr zu sehen.

"Sie ist inzwischen geheilt, allerdings konnte ich nicht zulassen, dass sie es mitbekam, wie ich sie versorgte. Ich musste ihr einen Schockzauber verpassen, damit ich sie retten konnte, ohne meine wahre Identität zu verraten. Es ist schlimm genug, dass...", er brach mitten im Satz ab und schien zu lauschen.

Auch Hermine hörte jetzt Schritte, die sich so schnell näherten, dass sie nur zu den Feuerwehrleuten gehören konnten, die zu ihrer Rettung eilten.

Charles Grant schloss eilig seine Tasche und kniete sich dann neben Hermine und sah bekümmert auf Professor Springfield.

Die eintreffenden Feuerwehrleute handelten schnell und nach Vorschrift. Ehe Hermine sich versah, saß sie neben Charles angegurtet in einem Krankenwagen, der sie zur Untersuchung in die Klinik bringen sollte. Professor Springfield hatte man auf die Trage gelegt, und sie wurde noch im Krankenwagen eingehend untersucht.

Hermine spürte Charly neben sich. Sie kannte nun die Seite an ihm, die er ihr bislang vorenthalten hatte. Alle seine Bemühungen um sie hatten nur dazu gedient, sie für das Ministerium abzuwerben. Charles Grant war ein Zauberer. Hermine schloss die Augen und atmete tief durch. Und dann fühlte sie, wie er ihre Hand ergriff und seine Finger in den ihren verschränkte. "Nein", fauchte sie ihn leise an, als sie ihre Hand zurückzog.

Charles lächelte sie schwach an: "Es hat sich nichts geändert, ich bin immer noch Charly - und ich stehe auf der guten Seite."

Hermine sah kurz zu dem Sanitäter, der dabei war, Professor Springfield vorsorglich eine Sauerstoffmaske auf Mund und Nase zu drücken. Als Hermine sich wieder zu ihrem Sitznachbarn wandte, sagte sie: "Es hat sich nichts geändert. Ich gehöre immer noch zu Severus Snape."

Charles ließ seine Stimme wie ein Seufzen klingen: "Aber sind Sie sich ganz sicher, dass er wirklich auf der guten Seite steht, oder ist es Ihnen inzwischen einfach egal?"

Er wollte keine Antwort auf seine Frage, doch Hermine wäre sie ihm ohnehin schuldig geblieben.

tbc