Ich bin untröstlich. Steinigt mich bitte dafür, dass es so lange gedauert hat bis das nächste Update kommt.
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich das in dem ganzen Stress, der in letzter Zeit geherrscht hat, vergessen hab und mein Internet noch dazu wieder mal rumgezickt hat grrr
Dafür kommt am Mittwoch dann schon das nächste Update.
Ich wünsche euch frohe Weihnachten!


Kapitel 35

Am nächsten Tag machte sich Hermine gleich nach Unterrichtsschluss wieder auf zur Krankenstation. Es war ihr egal, was Harry und Ron dachten. Immerhin war es ihre Schuld, dass es so weit gekommen war, was sie ihren beiden Freunden natürlich nicht mitteilte. Wer wusste schon, was Harry in ihre Gedanken hineininterpretieren würde?

Vor der Station traf sie auf Dumbledore, der sich mit Madame Pomfrey unterhielt. Er lächelte, als er sie bemerkte.

„Hallo Hermine! Wie geht es dir?"

„Ganz gut, denke ich. Wie geht es Professor Snape?" fragte sie.

„Er war heute das erste Mal wach", verkündete er erfreut, bremste Hermine, die sich schon fast an ihm vorbeidrängen wollte, aber gleich. „Trotzdem benötigt er nach wie vor viel Ruhe, um wieder zu Kräften zu kommen! Er schläft jetzt wieder."

„Ich werde ihn nicht wecken", versprach sie aufrichtig.

„Ich weiß", sagte er im Gehen und legte ihr die Hand kurz auf die Schulter.

Auf leisen Sohlen schlich sie zu Severus' Bett und ließ sich ebenso lautlos auf dem Stuhl nieder, auf dem bis vor kurzem noch Dumbledore gesessen haben musste.

Sein Gesicht war nicht mehr so totenbleich wie gestern und begann allmählich wieder eine normale Färbung anzunehmen, soweit dies bei all den blauen Flecken und Schnittwunden überhaupt noch wahrzunehmen war.

Wie sie so saß und ihn ansah, überrollte sie eine Welle tiefer Zuneigung, die ihr fremd und zugleich doch so vertraut war.

Wäre sie gleich zu Dumbledore gegangen, hätten sie das Unheil vielleicht noch irgendwie abwenden können. Ihre erneuten Schuldgefühle trieben sie fast zur Verzweiflung. Als ihr wieder die Tränen in die Augen schossen, fragte sie sich nebenbei, ob sie jemals in ihrem ganzen Leben so viel geweint hatte wie in den letzten Tagen.

Hermine legte ihre Hände vor sich auf Severus' Bett und senkte den Kopf.

„Es tut mir so leid..." wimmerte sie fast unhörbar.

Da spürte sie, wie sich ein paar Finger auf ihre legten und sich eine Hand sachte darüber schob.

„Professor Snape", flüsterte sie überrascht.

„Ich... es tut mir leid, ich... ich wollte Sie nicht wecken." Augenblicklich stand sie auf und trat einen Schritt zurück. Severus hatte ihre Hand festhalten wollen, doch dazu fehlte ihm die nötige Kraft.

„Es ist in Ordnung, Miss Granger", sagte er mit geschwächter Stimme.

„Nein. Nein, das ist es nicht. Es ist alles meine Schuld!"

„Hören Sie auf, so einen Unsinn zu reden!" erwiderte er aufgebracht und hatte sich in seiner Aufregung hochgestemmt. Ein fataler Fehler. Sofort schoss ihm der Schmerz wie ein Blitzschlag durch den Körper und ließ ihn aufstöhnen.

„Sehen Sie!" beharrte Hermine mit beinahe hysterischem Unterton. „Ich mache alles noch schlimmer!"

„Miss Granger!" zischte Madame Pomfrey vom anderen Ende des Saals herüber. „Wenn Sie nicht auf der Stelle aufhören, müssen Sie gehen!"

Hermine wurde still. Ihr Blick ruhte auf Severus, der die Augen fest zusammengekniffen hatte. Nach einigen Sekunden schlug er sie wieder auf und blickte Hermine ernst an.

„Miss Granger, was ich Ihnen jetzt sage, ist von äußerster Wichtigkeit: Ich weiß nicht, wann ich wieder in der Lage sein werde, an dem Elixier weiter zu arbeiten - "

„Aber dann sind wir verloren", unterbrach sie ihn.

„Nein, Miss Granger, hören Sie zu: Sie werden das machen. Sie werden daran weiter arbeiten. Ich werde mit Ihnen besprechen, was zu tun ist und dann werden Sie die entsprechenden Vorkehrungen treffen und die Arbeit weiterführen."

„Das kann ich nicht!" rief sie entsetzt aus. „Ich weiß doch gar nicht, wie ich - "

„Sie können das! Ich vertraue Ihrem Können. Und ich vertraue Ihnen..."

Hermine schwieg und saß wieder einfach nur neben ihm. Nach einer scheinbaren halben Ewigkeit räusperte sie sich.

„Was... was ist auf dem Todessertreffen passiert?"

Severus schnaubte nicht, wie er es sonst getan hätte und er wurde auch nicht wütend. Seine Augen blickten sie im Gegenteil eher traurig an.

„Miss Granger, Sie wissen doch..."

„Ja..." Es ging sie nichts an. „Ich werde Sie nun weiterschlafen lassen, Professor."

Am Bettende wandte sie sich noch einmal um. „Ich habe mich noch gar nicht bedankt. Wären Sie nicht gewesen, hätte Malfoy..." Sie schluckte bei der Erinnerung daran.

„Das war selbstverständlich."

„Nein, das war es nicht... Auf Wiedersehen, Professor."

Er sah Hermine hinterher, bis sie durch die Türflügel der Station entschwunden war. Seufzend ließ er sich noch tiefer in die Kissen sinken. Das Todessertreffen...


Sie waren alle schon um den Dunklen Lord versammelt, als er mit Lucius eintraf. Seltsam blickte er ihn aus seinen Schlangenaugen an. Severus konnte dem nicht stand halten. Immer wieder tauchte das Bild von Lucius und Hermine vor seinen Augen auf, so sehr er auch darum bemüht war, es zurückzudrängen.

Der Dunkle Lord ging langsam auf ihn zu und mit jedem Schritt verspürte Severus ein angstähnliches Gefühl in sich stärker werden, das dumpf im Untergrund seiner Seele vor sich hinbrütete.

Der Dunkle Lord sprach zu ihm. Er könne nicht glauben, was er höre. Er sei schwer enttäuscht von ihm.

Die Worte sickerten langsam in Severus' Gehirn. Er hatte das Gefühl, als wäre jetzt alles zu Ende.

Doch Voldemort sprach weiter. Wie habe er sich so verhalten können, dass die Gerüchte um ihn und sein Bündnis mit Dumbledore entstehen konnten? Wie würde die andere Seite erst denken? Würden nicht ihrerseits ebenso Gerüchte kursieren, dass er im Bund mit dem Dunklen Lord war? Wollte er den Dunklen Lord in Gefahr bringen? Ihn verraten?

Kaum hatte Voldemort all seine Vorwürfe hervorgebracht, schleuderte er Severus einen Crutiatus entgegen. Er hörte immer noch nicht auf, als dieser aufgrund der qualvollen Schmerzen zu Schreien aufgehört hatte, weil ihm dafür die Kraft fehlte.

Severus spürte seinen Körper nicht mehr, als wäre alles in ihm gerissen und gebrochen. Langsam schob sich die Fratze des Dunklen Lords in sein Gesichtsfeld.

Legilimens"

Schweißgebadet lag er in seinem Bett auf der Krankenstation. Er fragte sich, wie weit der Dunkle Lord in seinen Kopf vorgedrungen war und was er alles gesehen hatte. Mit Sicherheit hatte er unweigerlich am abendlichen Geschehen vor dem Schloss teilgehabt. Doch trotz seiner körperlichen Schwäche hatte Severus noch genügend mentale Kraft besessen, um sich gegen tieferes Vordringen zu schützen. Die Barriere, gegen die Voldemort in seinem Kopf stieß, kam so plötzlich, dass es den Dunklen Lord, der das Gefühl hatte, auf der richtigen Spur zu sein, noch rasender machte. Severus' Pein wurde mit jedem Sekundenbruchteil, der verstrich, stärker, bis er schließlich das Bewusstsein verlor. Das Nächste, woran er sich erinnern konnte, war das Gesicht von Albus, das er am heutigen Tag als erstes gesehen hatte, als er wieder zu sich gekommen war.

Und dann war da Hermine gewesen. Ihr Anblick und die Tatsache, dass sie sich die Schuld für seinen Zustand gab, taten ihm in der Seele weh. Gequält schloss er die Augen und schlief ein.


Hermine fühlte sich komisch, so ganz allein in Severus' Labor. Sie spürte Unwohlsein und Behaglichkeit gleichermaßen, und auch wieder diese fremde Vertrautheit.

Einerseits war sie stolz darauf, dass Severus ihr die Arbeit zutraute, andererseits jedoch lastete die Angst zu versagen schwer auf ihr.

Severus spürte jedes Mal, wenn sie mit ihm ihre Ergebnisse durchsprach, die Unsicherheit, die Hermine dabei aussandte. Früher hätte sie vor Souveränität nur so gestrotzt, aber seit sie sich für das Geschehen verantwortlich fühlte, überlegte sie zu viel und geriet in Nervosität, aus dem Eifer heraus, alles richtig machen zu wollen. Dennoch war in den vergangenen eineinhalb Wochen so gut wie nichts missglückt und Severus staunte erneut über ihr Können und ihre Fertigkeiten.

Was ihn selbst betraf, so wurde er immer unruhiger. Er hasste es, an dieses Bett gefesselt zu sein. Genausogut hätte er sich in seinen eigenen Räumlichkeiten erholen können, aber Albus dachte gar nicht daran, ihm dies zu gestatten.

„Du würdest ja nur wieder arbeiten, anstatt dich an die Bettruhe zu halten", sagte er jedes Mal, wenn Severus ihn darauf ansprach. Letztlich blieb ihm gar keine andere Wahl, als dem zu gehorchen, zumal Albus recht hatte. Er musste so schnell wie möglich zu seiner alten Form zurückfinden, um die Arbeit mit Hermine wieder aufnehmen zu können. Waren sie bis jetzt vorsichtig gewesen, so mussten sie es in Zukunft noch mehr sein.


Nach zwei Wochen Vertretungsunterricht in Zaubertränke war selbst Harry beinahe froh, als Snape wieder vor ihnen stand.

Der Vertretungslehrer, den Dumbledore eingestellt hatte, war definitiv einer der übelsten Sorte gewesen. Für jeden noch so kleinen Fehler hatte es Strafarbeiten gehagelt. Die Grenze, die bei Snape erreicht werden musste, damit dies geschah, hatte er immer als sehr niedrig empfunden, doch bei diesem Menschen war sie praktisch nicht vorhanden. Da realisierte Harry, dass sein Professor zwar streng, aber in den meisten Fällen durchaus fair war.

Auch Hermine erschien ihm sehr erleichtert, wenn sie auch nach wie vor einen etwas bedrückten Eindruck machte. Harry bemerkte die Blicke, die sie ihrem Professor zuwarf, hatte mittlerweile allerdings nicht viel mehr als ein Seufzen dafür übrig, wusste er doch, dass es unmöglich war, sie in welcher Weise auch immer auf dieses Thema anzusprechen.


Hermines Schuldgefühle waren in der Zwischenzeit abgeschwächt, plagten sie jedoch noch immer. Severus sah es jedes Mal, wenn er sie anblickte, in ihren Augen. Aber ganz egal, was er sagte oder tat, nichts schien diese Gedanken vertreiben zu wollen. Und es war das erste Mal, dass er sich bewusst eingestand, dass ihm ihre Gefühle nicht mehr egal waren.


„Hast du schon gehört?" platzte Ginny im gryffindorschen Gemeinschaftsraum in Hermines Gedankengänge.

„Was hab ich gehört?" fragte sie geistesabwesend zurück.

„Na, von dem Austausch!"

„Was für ein Austausch?"

„Oh man, du weißt ja gar nichts!" Ginny rollte übertrieben mit den Augen. „Der Schüleraustausch natürlich."

„Aha", sagte Hermine desinteressiert. Ihre Freundin sah sie erwartungsvoll an. „Also schön", seufzte sie und wandte ihr ihre Aufmerksamkeit zu, indem sie ihr Arithmetikbuch zuschlug. „Welche Schule?"

„Magic-Skoola Schott irgendwas...", murmelte Ginny.

„Magiskolan slott Olsson?" fragte Hermine.

„Ja, genau!" Ihre Freundin lächelte verlegen. „Hast du von denen schon mal was gehört?"

„Ja, ich hab mal darüber gelesen. Eine noch ziemlich junge Schule mit brillianten Lehrkräften. Schwerpunkt Heilkunde." Hermine wollte sich gerade wieder ihren Hausaufgaben widmen, als sie Ginnys verblüfften Blickes gewahr wurde.

„Was ist?"

„Gibt es etwas, worüber du noch nichts gelesen hast?"

„Sehr witzig", schmunzelte Hermine. „Darf ich jetzt weitermachen?"

„Klar doch." Ginny hatte sich schon in Richtung Treppe zum Schlafsaal gewandt, da hielt Hermine sie noch einmal zurück. „Ach, Ginny? Welche Klassen denn?"

„Die Fünftklässler. Zu schade, ich hätte gerne daran teilgenommen. Gute Nacht, Mine."

„Nacht!"

Dumbledore war wirklich mutig, in diesen Zeiten einen Austausch zu organisieren. Aber vielleicht war es das richtige, um den Trübsal aus dem Schloss zu vertreiben und frischen Wind hineinzubringen.