Kapitel 31


Auf ewig

F
ünfzehn Tage später konnten die Wachen auf den Mauern der Stadt Galawaits beobachten, wie eine Delegation von Elben, Gondorianern, Rohirrim, Hobbits und Zwergen sich aus allen Richtungen der Stadt näherten. Sie würden zu unterschiedlicher Stunde, aber doch alle am gleichen Tag eintreffen. Die Boten hatten sich wahrlich geeilt und keiner der geladenen Gäste hatte sein Kommen verneint. Die Stadt war festlich geschmückt und im Palast war alles für die hohen Gäste und ihre Begleiter gerüstet. Die Segnung des Paares würden sowohl Priester der Galaner als auch der Elben vornehmen. Und selbst wer die Braut zum Altar führen und wer dann den Prinzen vom Eryn Lasgalen zum König krönen würde, war von Esranam genau durchgeplant. Er wollte dieses Fest zu einem Fest der Versöhnung beider Völker unter den Augen der vielen geladenen und der heimischen Gäste werden lassen. Nie wieder sollte ein böses Wort aus der Vergangenheit das neue Königspaar von Galen belasten und Schatten auf ihre Zukunft werfen.

Nefhithwen war in diesen Tagen von dem Trubel um ihre Person und den vielen Dingen, die dennoch von ihr an Auskunft und Entscheidungen verlangt wurden, jeden Abend sehr erschöpft in Legolas' Arme gesunken und er hatte sie verwöhnt und ihr neue Kraft geschenkt. Er mußte ein wenig darüber lächeln, wie viel an Vorbereitungen und Feinarbeiten von Nefhithwen verlangt wurden, obwohl Esranam hervorragende Arbeit leistete und scheinbar alles bestens lenkte. Legolas selbst war kaum eingebunden, denn er war in diesem Punkt doch ein Fremder, der die Gebräuche und Sitten der Galaner nur ungenügend kannte. Der junge Elb war, weil er kaum mehr etwas von Nefhithwen hatte, schon fast versucht gewesen, seine Geliebte zu entführen und sie erst wieder am Tag der Hochzeit zurückzubringen. Als er dies einmal gegenüber Esranam äußerte, als sie unter vier Augen waren, hatte ihn das entgeisterte Gesicht des Galaners schallend zum Lachen gebracht, was man bei einem Elben nicht oft zu hören bekam. Aber der Ratsherr erkannte rasch, daß dies nur ein verwegener Gedanke des Elben, zum Scherz geäußert war und fiel in das Lachen ein. In diesen wenigen Tagen war das Vertrauen zwischen dem Ratsherrn und seinem zukünftigen König gewachsen und Esranam hatte erkannt, daß der Elbenprinz zu seinem Wort stand und ihn wirklich als Freund und Ratgeber an seiner Seite haben wollte.

Die Gäste wurden in der Stadt von den Bewohnern freudig begrüßt und selbst die Elben aus dem Eryn Lasgalen, die von den Galanern an ihren Wimpeln von denen aus Lothlórien oder Bruchtal unterschieden werden konnten, wurden angemessen begrüßt. Die Pracht und die Anmut der Elben versetzte die Galaner in Staunen, aber viel mehr noch verzauberte sie die erdige, kraftvolle, warme Schönheit Elenas, Königin vom Eryn Lasgalen, und der sanfte, weiche Glanz von Arwen, Königin von Gondor. Während Aragorn zu seiner Gemahlin eilte, ihr vom Pferd half und sie stürmisch vor aller Augen küßte, zu lange hatte er auf sie verzichten müssen, war Legolas zu seiner Mutter getreten, hatte sie vom Pferd gehoben und wurde von ihr sogleich fest in die Arme geschlossen. Dann entließ sie ihren Sohn wieder aus den Armen, küßte sanft seine Stirn, nahm sein ganzes Glück, das aus seinen Augen sprach in sich auf und schob ihn dann sanft zu seinem Vater. Thranduil blickte stolz und liebevoll auf seinen Sohn. Zog ihn ebenso wie Elena in seine Arme und flüsterte ihm zu:
"Ich weiß, wie es ist zu herrschen, Sohn, wenn sie dir mal ganz furchtbar auf die Nerven gehen, dann komm nach Hause. Im Eryn Lasgalen, in den Hallen Thranduils, in unseren Armen wird immer Platz für dich sein."
Dann küßte auch er seinen Sohn und wandte sich seiner zukünftigen Tochter zu, die bereits von Elena und den Brüdern Legolas' begrüßt worden war. Legolas hingegen warf sich regelrecht in die Arme von Lómion und Eluchíl.
'Valar, wie sehr ich sie vermißt habe!
Lachend und gut gelaunt wurden nach und nach alle Gäste willkommen geheißen und in ihre Gemächer geführt. Der Palast war von Leben erfüllt, wie schon lange nicht mehr, und Gimli suchte einen unbemerkten Moment, in dem er sich Legolas nähern konnte und ihm zuflüsterte:
"Elblein, willst du nicht noch einmal einen Blick auf deine Überraschung werfen? Heute ist die letzte Gelegenheit noch etwas daran zu ändern."
Legolas lachte seinen Freund an und erwiderte leise:
"Wir treffen uns nach der kleinen Mahlzeit, die wir den Gästen jetzt vor dem Nachtmahl noch reichen werden."
Gimli nickte und verschwand vergnügt feixend, denn dieses kleine Geheimnis zwischen ihm und Legolas würde ihm immer erlauben sich im Stillen vorzustellen, was die Turteltauben dort wohl trieben und Gimli war nicht gerade keusch, wenn sich ihm die Gelegenheit bot, aber das mußte er ja niemandem verraten.

Es war am Morgen der Vermählung, als Nefhithwen und Legolas reichlich ungestüm aus ihrem Schlaf geweckt wurden, weil Legolas' Mutter mit einer Reihe von Helferinnen plötzlich im Schlafgemach stand. Legolas konnte nur ergeben beobachten, wie seine geliebte Nefhithwen von seiner Mutter entführt wurde und er allein in ihrem gemeinsamen Bett, wo sie erst vor kurzem, nach einer Nacht vielfacher Zärtlichkeiten, aneinandergekuschelt eingeschlafen waren. Es war noch sehr früh am Morgen und fast schon ein wenig mißmutig entstieg dann auch Legolas dem warmen Bett, um sich zu waschen und für die Festlichkeiten anzukleiden. Die Feier würde beginnen, wenn die Sonne im Zenith stand und er hatte demnach genügend Zeit. Er wollte gemeinsam mit seinem Vater und seinen Brüdern frühstücken und ihnen die beiden Frauen vorstellen, die ihre Begleiterinnen während der gesamten Feierlichkeiten sein würden. Esranam hatte seinen Vater Thranduil zum Brautführer auserkoren, da Nefhithwens Ziehvater nicht mehr lebte. Toben, als Vertreter der Menschen, sollte Legolas die Krone aufs Haupt setzen.
Esranam hatte lange überlegt, wer Legolas zum Altar begleiten sollte, denn beide Brautleute betraten den großen Platz, auf dem die Trauung im Angesicht aller Bewohner Galawaits und der Gäste auf den Stufen zum Palast stattfand, aus verschiedenen Richtungen. Es war Legolas' Wunsch, daß Narith ihn zum Altar begleitete und daß Glorfinniël und ihre Mutter Elana bei der Krönung Toben halfen. Das kleine Mädchen mit den wunderschönen goldenen Haaren, strahlend wie der Sonnenschein, würde auf einem kleinen Kissen den Kronreif tragen, den Legolas nach der Krönung statt der Krone tragen würde. Legolas hatte die junge Frau, deren Name dem seiner Mutter so ähnlich war, in den vergangenen Wochen näher kennengelernt und sie war ihm eine liebe Freundin und das kleine Mädchen sein Engel geworden. In einer Liebesnacht hatte er Nefhithwen seinen größten Wunsch verraten und lachend hatte er ihr von seiner Hoffnung auf eine ganze Schar solcher Engel mit ihrem herrlich seidigen braunen und lockigen Haar berichtet.
Und diese beiden Frauen, die Legolas in sein Herz geschlossen hatte, sollten die Tischgefährtinnen seiner Brüder sein. Er war sich sicher, daß sie sich gut verstehen würden. Narith sollte Eluchíl begleiten, sie würden sich trefflich verstehen, konnten sie beide doch so herrlich direkt sein. Legolas schmunzelte bei dem Gedanken und Lómion sollte Elana an seiner Seite finden. Elana war eine sanftmütige Frau und doch sehr willensstark, wie Lómion und beide würden einen schönen Kontrast bieten. Elana hatte mild dunkelbraunes Haar, das von Strähnen in der Farbe reifen Korns durchzogen waren und Lómion hatte tiefschwarzes Haar, das an den Schläfen mit einigen wenigen Strähnen von sanft weichem Silber durchwirkt war. Band er seine Haare von den Schläfen aus in Zöpfen nach hinten, wie es viele Elben taten um ihre fließenden, langen Haare zu bändigen, wirkte es, als würde er einen mit Silber besetzten Haarreif tragen.

Legolas wurde aus seinen Gedanken geschreckt, als es klopfte und ein Diener die Ankunft von Narith und Elana vermeldete. Legolas stöhnte leise auf, warum mußten alle nur so früh schon auf den Beinen sein. Und im Geheimen schalt er sich einen Narren, daß er nicht in der letzten Nacht seine Hände von Nefhithwen hatte lassen können, aber seine Stimmung erhellte sich sofort wieder, als er an seine Überraschung für seine Braut und ihre erste gemeinsame Nacht nach der Vermählung dachte. Wohlgemut machte er sich auf den Weg, begrüßte Narith und Elana mit einem Kuß auf die Wangen und führte beide zu der kleinen Bibliothek, in der die Familie gemeinsam frühstücken wollte, zumindest diejenigen, die nicht in hektischen Vorbereitungen gefangen waren. Legolas betrat mit den beiden Frauen, die sich ein wenig unwohl fühlten, die Bibliothek. Der Elbenprinz hatte lange auf beide einreden müssen, bevor sie sich seinen Wünschen fügten und nun sollten sie auch noch mit seiner Familie und den engsten Freunden frühstücken. Selbst die sonst so resolute Narith war verschüchtert. Legolas lächelte aufmunternd und schelmisch und schob die beiden vor sich in den Raum. Augenblicklich erhoben sich die Anwesenden und Legolas stellte den jungen Galanerinnen zunächst Éomer, König von Rohan und Gemahlin, dann die Halblinge, Aragorn und Arwen, Herrscher Gondors und schließlich seinen Vater vor. Beide Frauen machten ebenso wie bei den anderen Herrschern einen tiefen Knicks, aber Thranduil, der von Legolas über die beiden Frauen schon viel gehört hatte, trat auf sie zu, nahm sie jeweils an der Hand und zog sie wieder in die Höhe. Der Elbenkönig nickte den beiden Frauen freundlich zu und machte ihnen Komplimente zu ihren Gewändern. Dies war eines der Bedenken der Beiden gewesen, als Legolas mit seiner Bitte kam. Aber er hatte diese Ausrede nicht gelten lassen, denn ein passendes Gewand fertigen zu lassen, war ein kleines Geschenk an Narith und Elana für die Erfüllung seiner Bitte. Er hatte es sich nicht nehmen lassen, dabei sehr großzügig zu sein und sie sahen wirklich bezaubernd aus. Thranduil führte dann Narith an die Seite von Eluchil, sowie Legolas Elana Lómion zuführte. Überrascht und augenzwinkernd mußte er dann Lómion fast in die Seite boxen, bevor sein völlig sprachloser Bruder wieder zum Leben erwachte. Scheu lächelnd nahm Lómion die dargebotene Hand von Elana, führte sie zu ihrem Stuhl an seiner Seite und schob ihn ihr an, als sie sich setzte. Eluchíl war gleichermaßen verzaubert von Narith, aber wie es so seine Art war, ließ er sich dies nicht so deutlich anmerken wie sein älterer Bruder, aber Legolas war es dennoch nicht entgangen. Er freute sich, daß ihn sein Gespür nicht getäuscht hatte.

Die Stunden bis zur Vermählung zogen sich für Legolas endlos hin und sein Vater und Gimli sowie seine Freunde versuchten ihn abzulenken. Legolas hätte es nicht glauben wollen, wenn er es an diesem Tage nicht am eigenen Leib erfahren hätte, aber er war so nervös und ungeduldig, obwohl er und Nefhithwen doch bereits einiges gemeinsam erlebt und schon so manche schöne Nacht miteinander verbracht hatten. Seine Brüder allerdings merkten, wie Aragorn schmunzelnd zu Thranduil raunte, wenig davon. Sie waren selbst viel zu sehr mit ihren schönen Begleiterinnen beschäftigt.

Endlich war der große Moment da. Legolas und Nefhithwen traten sich auf dem Vorplatz zum Palast gegenüber und dem jungen Prinzen verschlug es den Atem beim Anblick seiner Geliebten. Sie trug ein fast weißes, von silbernen Fäden durchwirktes Oberkleid aus Linnen, das mit einem weiten, hinten in einer kleinen Schleppe auslaufenden Rock ihre Figur samtweich umspielte. Es war von unzähligen kleinen Bändern an ihren Seiten locker mit kleinen Schleifchen gebunden und dort, wie vorne unter dem Saum und im tief ausgeschnittenem Oberteil blitzte der Stoff des lindgrünen Unterkleides hervor, der seidig glänzte und die junge Braut frisch und so jugendlich erscheinen ließ, wie sie war. Nefhithwen hatte dazu einen lindgrünen Schleier mit Bändern in ihr Haar geflochten, die einem Haarnetz gleich von dem Kronreif, den sie trug, gehalten wurde und bis zu ihren Füßen reichte. Das Obergewand, das einer Tunika gleich über dem grünen Unterkleid getragen wurde war von unzähligen Perlen und kleinsten, silbernen Blättern bestickt und es hatte in seiner ganzen Art die fließende und weiche Anmut sich im Wind wiegender Orchideen. Das dunkle Haar von Nefhithwen fiel in sanften Wogen offen auf ihre Schultern und ließ das Grün des Schleiers, der scheinbar über ihren Haaren schwebte, noch frischer erscheinen. Legolas nahm die Erscheinung seiner Braut tief in sich auf. Dieses Bild würde er zeitlebens in sich tragen, dessen war er sich gewiß. Nefhithwen betrachtete ihren Legolas sorgenvoll. Sie suchte in seinem Gesicht nach Zeichen dafür, daß sie ihm gefiel. Daß dieses Gewand in der Tradition seiner Heimat ihn freute. Aber in der langen Zeit, in der Legolas völlig in die Betrachtung seiner schönen Braut versunken war, konnte sie keine Regung in ihm ausmachen und ängstlich rang sie ihre Hände. Endlich kam wieder Leben in den jungen Prinzen und voller Liebe trat er zu ihr hin, küßte sie auf die Stirn und flüsterte:
"Ich habe noch nie eine schönere Frau als dich gesehen. Selbst der Glanz Galadriels verblaßt vor dir, Geliebte."
Nefhithwen konnte in seinen Augen seine Bewunderung lesen und ein glückliches Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. Gemeinsam schritten sie die Treppen hinauf zum ersten Absatz, wo die Vermählung stattfinden sollte und konnten sich endlich vor aller Welt ihr Jawort geben. Legolas wiederholte dabei nochmals seine Frage an seine junge Geliebte, wie er sie Minas Tirith gestellt hatte.
"Willst du meine Gemahlin werden und Prinzessin von Eryn Lasgalen, Nefhithwen? Willst Du meine Liebe und mein Leben für alle Zeiten? Verbunden sein mit mir solange wir leben hier in Mittelerde und in Ewigkeit mit dem Segen der Valar?"
Er wollte sie nicht nur mit den formellen Worten um ihre Hand vor allen Gästen bitten, sondern allen seine Liebe zu ihr zeigen und Nefhithwen küßte seine Hände und wiederholte ihre Antwort:
"Ja, Legolas, Prinz von Eryn Lasgalen und mein König von Galen. Ich will mich in deiner Liebe geborgen fühlen und für alle Zeit in deinem Leben sein, solange uns die Valar gewogen sind. Nie soll sich unsere Verbindung lösen von jetzt bis in alle Ewigkeit."
Die Priester sprachen die Segenswünsche. Danach trat Aragorn nach vorn, hob seine Hand und sorgte somit für Ruhe nach dem Jubel über das Jawort. Aragorn sprach dann zum Volk von Galen:
"Es ist Legolas' Wunsch, daß ihr hier und jetzt entscheiden möget, ob erneut ein Elbenprinz, wie einst Hûniest, euer König sein soll. Es war der Wunsch des Prinzen, euch die Entscheidung zu überlassen und nicht aus der Tradition heraus, als Gemahl eurer Königin selbstverständlich zum König gekrönt zu werden. Ich frage euch deshalb nun hier vor allen anderen Herrscherhäusern Mittelerdes: Wollt ihr den eurer Königin angetrauten Elbenprinzen Legolas, Thronerbe Thranduil Orophers vom Eryn Lasgalen, zu eurem König? Ihr habt die Wahl, aber merkt an, es ist eine endgültige Entscheidung, denn Nefhithwen ist eine Halbelbin und kann sich für ein ewiges Leben an der Seite Legolas' entscheiden. Bedenkt dies wohl und laßt nun eure Stimme hören!"
Nefhithwen, die liebevoll von Legolas umarmt an seine Brust gelehnt stand, wandte sich überrascht bei den Worten Aragorns um, blickte Legolas fragend an und flüsterte:
"Warum? Warum dein Zögern und diese Wahl? Geliebter, vertraust du mir nicht?"
Legolas nahm ihren Mund mit seinen Lippen gefangen, küßte sie zärtlich und fuhr sanft mit seiner Hand durch ihr Haar, dann erwiderte er:
"Nefhithwen, hast du nicht richtig zugehört oder ist dir die Bedeutung dessen, daß du eine Halbelbe bist nicht ganz klar? Ich habe dir meine Liebe nicht nur vor den Gästen für jetzt und in alle Ewigkeit geschworen sondern auch vor meinen Vorfahren und den Valar."
Die junge Frau blickte Legolas tief in die Augen, sie ließ sich fallen in seine Liebe aber auch in die Erkenntnis aus seinen Worten und dann erschien ein glückliches Lächeln auf ihren Lippen und sie flüsterte:
"Bis in alle Ewigkeit? Es sind nicht nur Worte, es ist unser Weg, wenn ich mich dafür entscheide? Ist es das?"
Legolas blickte sie sanft an, legte seine Wange an die ihre und sprach leise an ihrem Ohr:
"Ja, mein Engel, wenn du es so willst, aber ich würde auch mein Recht auf Valinor aufgeben, wenn du dich für das zeitliche Leben der Menschen entscheidest. Ich werde dich lieben und an deiner Seite bleiben, welches Leben du auch für uns wählst und wie lange es dauern mag, wenn die Valar oder die Götter uns wohl sind."
Nefhithwen löste sich von ihm und fragte angstvoll:
"Muß ich mich jetzt entscheiden, hier und sofort?"
Legolas schüttelte den Kopf, ein wenig traurig, daß sie es nicht gleich konnte, aber antwortete ohne zu zögern:
"Nein, mein Herz, dieses Entscheidung deines Herzens wird fallen, wenn du es wirklich willst. Es ist keine Entscheidung des Verstandes. Versuche nicht zu ergründen was das Richtige wäre oder welcher Gedanke an die Zukunft dich vielleicht mehr oder weniger ängstigt. Du wirst die richtige Entscheidung treffen, sorge dich nicht, und ich werde dir folgen, in welche Zukunft sie uns auch führen mag."
Die junge Königin hatte den Schmerz in Legolas' Augen gesehen, obwohl er so sehr versucht hatte, sie seine Trauer nicht bemerken zu lassen. Sie streichelte sanft über seine Wange und flüsterte:
"Ich liebe dich, Legolas, mein Herz, mein Leben. Ich liebe dich um so stärker, wenn dies möglich ist, für deine Geduld und deine Nachsicht, daß du mich jetzt nicht drängst."
Sanft küßte sie seine Lippen, wendete sich wieder in seinen Armen und fühlte sich erneut liebevoll an seine Brust gezogen. Elena hatte, da sie sehr nahe zu den Beiden stand, das kleine Gespräch Wort für Wort mitbekommen und flehte die Valar an, ihr nicht ihr Glück in der Ewigkeit zu nehmen und leise rannen unbemerkt Tränen ihres Schmerzes über ihre Wangen.

Die Galaner aber ließen ein lautes Jubeln hören und riefen immer wieder:
"Lang lebe unser König Legolas! Lang lebe Legolas!"
Schließlich hob Aragorn seine Hand und es wurde sofort still auf dem Platz. Nun forderte Toben seinen Prinzen auf nach vorne zu treten und aus seiner Hand die Krone und das Recht der Herrschaft über Galen entgegenzunehmen. Legolas tat wie ihm geheißen, kniete vor Toben nieder und senkte sein Haupt. Toben setzte Legolas die Krone auf sein Haar und der galanische Priester, der bereits die Trauung gesegnet hatte, sprach nun auch über der Krönung einen Segenswunsch. Danach erhob sich Legolas, wandte sich an das Volk Galens und sprach laut und vernehmlich, mit einer Hand auf dem Herzen:
"In Liebe gefangen, in Liebe geborgen, auf ewig verbunden der Königin Galens, möge mein Streben allzeit dem Wohl des galanischen Volkes gelten. Das schwöre ich als Prinz vom Eryn Lasgalen, König von Galen, meiner Königin und meinem Volk."
Bei diesen Worten brach tosender Jubel unter allen Anwesenden auf dem Platz los und Thranduil war so stolz auf seinen Sohn, wie er es wohl nie in Worte fassen könnte.

Unterdessen hatte Nefhithwen ihren Gemahl betrachtet und voller Bewunderung seine edle Gestalt und die hervorragende Wahl seiner Gewänder bewundert. Ihr Prinz hatte sich ein Gewand in galanischer Tradition anfertigen lassen, das dennoch durch einige Veränderungen im Schnitt die fließende Eleganz der elbischen Kleidung erkennen ließ. Er trug eine enganliegende, dunkelgrüne Hose aus feinstem Leder, die im Bereich der Waden mit Schnüren schmuckvoll umwickelt war. Dazu trug er feine, weiche Lederschuhe, die seinen katzenhaften Gang und seine geräuschlose Art sich zu bewegen nicht störten. Legolas trug dazu ein dunkelgrünes Hemd mit weiten Ärmeln, die nicht in Bündchen endeten sondern wie die Hosen kunstvoll an den Unterarmen von Bändern in Silber umwickelt waren. Das Hemd sonst war schmucklos, aber sein sanfter Glanz und sein fließender Stoff brauchten keinen Tand um edler zu wirken. Über dem Hemd trug ihr Gemahl einen silbernen Gehrock mit geschlitzten Ärmeln, wie sie in Galen häufig vorkamen und darunter blitzte das Hemd mit den edlen Bändern wieder hervor. Legolas trug diesen Gehrock nicht ganz geschlossen und so sah man, wie das Hemd seine starke Brust streichelte und über der Hose sanft seine Hüften und Beine umspielte. Der Stoff des Gewandes selbst war reliefartig durchwoben mit Motiven der Elben und der Galaner. Mattheit und Glanz ließen den Betrachter die Bilder und Muster erkennen und verliehen dem Gehrock trotz fehlendem weiteren Schmuck etwas einnehmend Edles. Nefhithwen liebkoste mit ihren Augen die Gestalt ihres Prinzen und wagte kaum zu glauben, daß dieser Mann in seiner Erscheinung fast überirdisch, nun ihr Gemahl war. Glücklich und voller Liebe beobachtete sie nun, wie Legolas sein Haupt vor dem Volk neigte, den Jubel etwas abflauen ließ und dann erneut zu Toben trat, der ihm die schwere Krone Galens wieder vom Haupt nahm und durch den Kronreif ersetzte, den ihm Goldlöckchen auf einem Kissen anreichte. Damit war nun das Haupt von Legolas gleichermaßen dem von Nefhithwens bekränzt. Das neue Königspaar stellte sich gemeinsam den Gratulanten der Gästeschar und des Volkes, bevor es zu den Festlichkeiten lud und die fünftägigen Feierlichkeiten beginnen konnten.

Stunden vergingen, das Fest war berauschend und die Freude aller fand ihren Ausdruck in vielen Tänzen, Liedern, vorgetragenen Gedichten und frohem Lachen. Legolas war schon vor einer Weile aufgefallen, daß seine beiden Brüder nirgends mehr zu sehen waren, aber die Festlichkeiten erstreckten sich weit über den Thronsaal bis in die letzten Winkel der Palastgärten und der Stadt. Es wurde überall und miteinander gefeiert, ganz ungeachtet der Herkunft oder des Ranges. Legolas hatte mit seiner Braut getanzt und auch mit den Freunden und Gästen angestoßen und seine Pflicht als Bräutigam und Gastgeber getan. Aber nun zu fortgeschrittener Zeit, es war schon lange dunkel, wollte er nicht länger warten und immer wieder seine schöne Braut an Gäste, die mit der jungen, strahlenden Königin tanzen und lachen wollten, abtreten müssen. Er wollte sein geliebtes Weib endlich in seinen Armen festhalten dürfen, ohne daß lachende Freunde sie ihm immer wieder entführten. Legolas schlenderte durch den Thronsaal hinaus auf die Terrasse zum Garten, wo getanzt wurde und näherte sich seiner Gemahlin, die gerade schwungvoll von seinem Vater herumgewirbelt wurde. Dann trat er ihren Kreisen in den Weg und löste kurzerhand seinen Vater ab, der lachend zurücktrat und seinen Sohn gewähren ließ. Legolas führte seine Braut im Tanz geschickt an die Treppen zum Tier-Garten und zog sie dann kurz entschlossen einfach mit sich die Treppe hinunter, um in einem unbemerkten Moment mit ihr rasch im Dunkeln zu verschwinden. Nefhithwen lachte und rief:
"Legolas, das kannst du nicht machen! Wir haben Gäste! Was werden Thranduil und Elena denken?"
Aber Legolas ließ sie nicht los und lachte nur. Als sie weit genug von den Feierlichkeiten entfernt waren, verhielt er seinen Schritt, zog seine süße Braut in die Arme, küßte sie liebevoll und öffnete ganz behutsam Band für Band das Oberteil ihres Kleides. Nefhithwen, noch völlig atemlos von dem schnellen Lauf, bebte in seinen Armen und gleichzeitig war sie plötzlich sehr scheu. Hier, so einfach im Garten, wo sie jederzeit entdeckt werden konnten, erschreckte sie Legolas' Begehren. Aber Legolas ließ sie nicht aus seinen Armen und flüsterte nur:
"Keine Angst, Geliebte, nicht hier, ich habe eine Überraschung für dich, aber dein Kleid, es wird zerrissen, wenn du es nicht abstreifst. Meine Arme werden dich warmhalten. Leg es ab, dein Untergewand ist Zier genug, liebe ich doch deine bloße Haut über alle Maßen."
Nefhithwen vertraute Legolas und suchte immer wieder seine Lippen während er ihr half ihr Gewand abzulegen. Er küßte dabei auch immer wieder ihre Schultern, ihren Hals und schließlich ihre Finger, hielt sie mit seinen Händen umfangen und zog sie dann in Richtung Tiergehege. Nefhithwen konnte sich nicht erklären, was ihr Elb vorhatte, als er sie am Gehege vorbei zum Waldsaum führte. Legolas nahm sie behutsam auf seine Arme, sie schmiegte sich an seine Brust. Leise flüsterte er:
"Schließ deine Augen, mein Herz, und laß dich überraschen."
Dann trat er in den Wald ein und nach wenigen Schritten durch dichtes Laub- und Buschwerk hindurch fanden sie sich auf der Lichtung wieder, die er entdeckt und zu ihrem Rückzugsort auserkoren hatte. Nefhithwen hörte einen Bach munter plätschern, hörte leise den Wind durch Laub rascheln und spürte dann, wie sie von Legolas auf ein weiches Bett aus Blättern gelegt wurde. Legolas ließ sich neben ihr nieder und sprach:
"Öffne deine Augen, Nefhithwen. Erinnerst du dich?"
Nefhithwen öffnete ihre Augen, setzte sich auf und glaubte sich in einem Traum. Jene Nacht auf der Lichtung im Eryn Lasgalen wurde in ihren Sinnen wieder lebendig, in der Legolas sich endlich ihrer Liebe ergeben hatte und alle Schrecken aus seinen Gedanken verbannte. Legolas richtete sich ebenfalls auf, nahm Nefhithwen in seine Arme und begann zärtlich an ihrem Nacken zu knabbern. Seine Hände streichelten liebevoll an ihren Armen entlang und umschlangen dann innig ihre Taille. Nefhithwen lehnte sich hingebungsvoll in seine Arme zurück und hob ihr Gesicht, bot ihm ihre Lippen. Legolas widerstand dieser Einladung nicht lange, sog begehrlich an ihren Lippen, streichelte sie mit seiner Zunge und forderte hartnäckig Einlaß in ihre warme Höhle. Er neckte und spielte mit ihrer Zunge, stieß sie zurück, wand sich um sie, um sich dann doch wieder zurück zu ziehen. Immer wilder wurde ihr Spiel und schließlich tauchte er tief in ihre Mundhöhle ein und kostete sie wie eine süße Frucht, von der er nicht genug bekommen konnte. Nach einer scheinbaren Ewigkeit ließen sie atemlos voneinander. Behutsam begann Legolas das Leibchen von Nefhithwen zu öffnen und schob ganz langsam streichelnd ihr die Träger von der Schulter über die Arme, bis es fast wie von allein bis zu ihrer Taille rutschte. Legolas hauchte zärtliche Küsse auf ihre nun entblößte Schulter und seine Hände fanden ihren Weg hauchzart, kaum daß er ihre Haut berührte, zu ihren wohlgeformten, feinen Brüsten, liebkosten nur mit den Fingerspitzen ihre Knospen, bis sie sich straff aufrichteten und ihn zu zärtlichen Küssen einluden. Nefhithwen schauderte unter seinen Berührungen, so leicht hatte er sie zum Brennen gebracht und sie fröstelte unter dem leichten Windhauch, der durch die Bäume strich. Legolas spürte dies, ließ sich niedersinken und zog Nefhithwen dabei mit sich. Vorsichtig drehte er sich so, daß sie nun unter ihm lag und er sie mit seinem Körper schirmte. Nefhithwen aber war seine ganze Robe zuviel, von der er noch kein Stück abgelegt hatte. Sie wollte seine Haut, seine Wärme spüren und so begann sie die Bänder seiner Weste zu öffnen, sie über seine Schultern zu schieben, und während er nicht von ihren Lippen ließ, schüttelte er das lästige Kleidungsstück von seinen Armen. Nefhithwen war dies aber noch lange nicht genug und sie nestelte sein Hemd aus seiner Hose und ließ ihre Hände kraftvoll über seine Bauchmuskeln streifen, bis sie sein Hemd soweit hochgeschoben hatte, daß auch sie seine Brustwarzen liebkosen konnte. Legolas stöhnte auf, ihre Berührungen setzten ihn in Flammen, und er wollte mehr. Rasch richtete er sich auf, zog mit einer Bewegung das Hemd über den Kopf und warf es weit ins Dunkel. Dann ließ er sich wieder neben ihr nieder und küßte ihre Haut bis hinunter zu ihrem Bauchnabel. Ihr Leibchen war ihm im Weg und mit einer leichten Bewegung riß er es kurzerhand entzwei. Nefhithwen protestierte, aber es war ein halbherziger Protest, denn seine Gier erregte sie und ihre Hände griffen in sein blondes seidiges Haar und zogen ihn wieder zu ihren Lippen. Zu lange hatte er diese vernachlässigt und diesmal wollte sie ihn kosten und atemlos machen. Legolas ertrank in ihrem Kuß, berauscht von ihrer Wildheit. Nichts war mehr von der ängstlichen, sich vorsichtig an ihre eigenen Empfindungen und Begierden herantastende Nefhithwen geblieben, dennoch waren ihre Berührungen nicht ohne Zärtlichkeit und voller Liebe, aber ebenso waren sie voller Gier nach mehr vom Geliebten und Legolas gab ihr alles, wie auch sie nichts vor ihm zurückhielt. In dieser Nacht erfüllte sich ihr Traum und sie schenkten sich für immer und ewig.

Auf der Feier trat unterdessen Elena zu ihrem Gemahl, schmiegte sich in seine starken Arme, legte ihren Kopf an seine Brust und flüsterte:
"Sie sind gegangen."
Thranduil schwieg. Nach einer Weile frage Elena ängstlich:
"Es ist entschieden, spürst du es?"
Der Elbenkönig küßte zärtlich das Haar seiner Frau und erwiderte:
"Ja, Liebste, es ist entschieden."
Und mit einem Schmunzeln fügte er hinzu:
"Und du solltest dir momentan lieber Sorgen um deine Brüder machen, mein Engel, denn sie werden es ungleich schwerer haben als unser Sohn."
Elena seufzte:
"Ich weiß, aber es gibt nichts, was ich tun kann als zu warten und für sie da sein, wenn denn die Zeit gekommen ist."
Thranduil drückte zärtlich seine Frau und sprach:
"Wir werden beide für sie da sein. Hoffen wir, daß ihnen die Valar und die Götter viel Zeit schenken. Nefhithwen und Legolas haben von heute an alle Zeit der Welt."
Dann zog Thranduil seine Gemahlin auf die Tanzfläche und wirbelte sie schwungvoll im Kreis. Dieser Tag hatte soviel Glück gebracht und es würde noch lange anhalten, keinen Augenblick wollte er jetzt an die möglichen Schatten der Zukunft verschenken und so küßte er zärtlich seine Gemahlin und genoß mit ihr die Nacht, wie es sicher sein Sohn, aber auch Lómion und Eluchíl taten. Sie taten Recht daran.

Ende


Liebe Leser,

nun ist meine Geschichte zu Ende. Für alle, die sich mit dem Thema Gewalt an Männern noch ein wenig mehr beschäftigen möchte oder erfahren will, woher ich meine Grundlagen für gewisse Passagen in diesem Text habe, lege ich mein Glossar ans Herz, das in Kürze ebenfalls geladen sein wird.

Allen Reviewern danke ich sehr für Eure Worte, euer Mitfiebern und eure Ungeduld. Es würde mich ungemein freuen, wenn ich nochmals von Euch zusammenfassend Euren Eindruck von der Geschichte erhalte.

Auch alle, die bislang stumm blieben, möchte ich dazu gerne noch auffordern. Ich habe vor noch zwei weitere Geschichten zu schreiben, welche die Entwicklung der Freundschaft zwischen Legolas und Aragorn aufzeigen und letztlich die Vorgeschichten zu der nun beendeten Erzählung sein werden. Eure Reviews sind mir dabei Anregung und Wegweiser.

Aber auf diese Geschichten müßt ihr noch ein wenig warten, den zunächst werde ich das Schicksal des Ritter Balian von Ibelin weiterführen und damit eine Folgegeschichte zu KOH. Fiktive Romanvorlage zum Leben erwecken.

So und nun noch für alle, die gerne die Bilder zu dieser Geschichte sich noch ansehen wollen, da ich sie ja hier nicht einstellen kann, hier meine Einladung auf unter Albums/a310/sabaul/Roman20Alptraeume20I/ findet ihr die von mir geschaffenen Bilder zu der Geschichte.

Liebe Grüße an alle Leseratten,

Sabine