Chap 37: Fight on II
"Aua..." stieß Anna schmerzvoll aus als sie wieder aus der Bewusstlossigkeit aufwachte. Ihre rechte Hand wanderte automatisch zu ihrem Kopf, der sich so anfühlte, als ob man kurz mit einem Hammer drauf geschlagen hätte, damit sie das Bewusstsein verlor. Sie blinzelte um wieder einen klaren Blick zu bekommen, um zu verstehen was passiert war und wo sie sich nun befand.
"Anna? Alles okay?!"
"James?!"
Endlich wurde er klarer und sie sah in die vertrauten Augen ihres besten Freundes und direkt neben ihm nahm sie auch die anderen wahr. Lilli, Remus und Sirius waren genau neben ihnen gewesen. Anna kam nicht umhin erfreut zu lächeln, denn zu sehen, dass es ihnen gut ging, war ein guter Anfang.
"Wie gehts dir?!"
"Mir?... gut... denk ich... und euch?!"
"Wir sind noch am Leben," antwortete Sirius grimmig über die gesamte Situation.
"Wo sind wir hier?!" fragte sie verwirrt als sie sah, dass sie sich in einem ziemlich kahlen und muffigen Raum in irgendeiner Burg befinden mussten.
James sah sich nachdenklich um, bevor er ihr kopfschüttelnd antwortete.
"Nicht in Sich-er...heit-Arghh-Mist..."
"James?!" fragte sie besorgt, als sie sah, wie er mit der Hand an seinen Kopf fuhr und die Augen zukniff.
"Was ist los?!"
Auch die anderen hatten sich zu ihnen hinabgebeugt um James vor dem freien Fall zu stützen.
"Kommt wieder... das dunkle Mal."
"Das was?!" fragte Sirius verwirrt und hatte sie wie Remus auch unsicher angesehen. Keiner von ihnen gab eine Antwort, mehr versuchte Anna James zu helfen.
"Warte..." Sie wollte nach ihrem Zauberstab greifen, bis sie entsetzt feststellte, dass er nicht mehr da war.
"Ohoh."
"Ohoh ist nicht gut," bemerkte James während er mit den Augen umher blinzelte, in der Hoffnung die Schwärze zu vertreiben.
"Die haben uns entwaffnet, richtig?!" fragte sie mit Blick auf Sirius, der ihr zunickte.
"Wohl als sie uns außer Gefecht gesetzt haben."
"Wo ist Patty?!"
"Keine Ahnung. Als wir aufwachten, war sie nicht da."
"Anna?!" sagte James schwermütig. Er wirkte als ob ihn diese Worte viel Kraft kosteten und tatsächlich konnte sie in seinen Augen etwas Schwarzes auflodern sehen.
'Das ist nicht gut'
"Erklärst du's Padfoot und Moony dann?!"
"Ja, ich-" Quietschend ging die Tür auf und alle 5 schreckten zurück, als sie sahen, wer sich da vor ihnen aufbaute. Wer hätte es anders sein können als Lord Voldemort persönlich, der sie mit seinen blutroten Augen durchstach, das Gesicht, eiskalt auf seine Opfer gerichtet.
"Ah, wie ich sehe wirkt es schon," zischte er triumphierend, sein Blick war an James geheftet, der in der Mitte der Gruppe stand und ihn mit missfallenem Blick anstarrte.
"Was wirkt schon?!" fragte Sirius leicht wütend. Ihm missfiel der Gedanke, dass Voldemort etwas wusste, was James IHM verschwiegen hatte. Er war sein bester Freund und er wusste auch, dass es da etwas gab, doch er hatte nicht gedacht, dass es mit Voldemort zusammen hing und wie schlimm es sein könnte.
"Das dunkle Mal, Black... das dunkle Mal. Hat dir dein bester Freund nie etwas davon gesagt? Oder hat er das bei euren Kumpelhaften Gesprächen zufälligerweise ausgelassen, dass er schon seit Jahren ein Geschenk von mir an sich trägt?!"
"Padfoot!" versuchte James dazwischen zu schreiten, doch Voldemort schritt in die Zelle und auf sie zu. Er schien keine Angst vor ihnen zu haben, obwohl sie in der Überzahl waren. Wozu auch? Ohne Zauberstab konnten sie absolut nichts gegen den mächtigsten schwarz-magischen Zauberer ausrichten.
"Armer Black..., du dachtest, du hättest die perfekten Freunde, richtig? Aber ich muss dich enttäuschen... Anna White, das Mädchen, dass du so sehr liebst, hat dich verraten. Sie wusste es die ganze Zeit, hat die ganze Zeit über mit dunklen Künsten gezaubert und dich hintergangen. Hat dein Vertrauen missbraucht..."
"Was bezwecken sie damit?!" fauchte Anna los ohne ihren Freund dabei angesehen zu haben. In diesem Moment hätte sie es nicht gekonnt, denn so weh wie ihre Worte vorhin Cord getroffen haben mochten, Voldemorts Worte an Sirius gingen tiefer.
"Sirius hat mit dieser Sache nichts zu tun, also lassen sie ihn aus dem Spiel. Was bringt es ihnen ihn mit solchen Lügen zu bombardieren?"
"Lügen? Sind es denn Lügen? Oder ist es die pure Wahrheit, die du ihm verschweigst? Willst du die Wahrheit sehen, Black? Die Wahrheit, die deine Freunde dir verschweigen, die Potter dir verschweigt?!"
"Nein!" schrie Anna und stürmte auf ihn los, als er seinen Zauberstab auf den Haufen richtete und ein greller Lichtblitz sie allesamt blendete... Anna hatte es nicht geschafft ihn davon abzuhalten.
Lilli, Remus und Sirius schrieen vor Schmerzen auf als ihre Knie unter ihnen nachgaben und sie zu Boden sinken ließen. Ein hässlicher Stich hatte sich in ihre Herzen gebohrt und eine unglaubliche Qual loderte in den Nerven ihres gesamten Körpers auf.
Der Himmel war dunkel, zu dunkel. Allein der Mond warf etwas Licht in sein Zimmer, als der 12jährige James erschrocken die Augen öffnete. Etwas hatte ihn geweckt. Ein Geräusch, ein Gefühl. Er wusste nicht genau was, aber es hatte ihn wach gerissen. Er richtete sich vorsichtig auf und blickte sich um. Stimmen dröhnten aus dem Wohnzimmer. Frauen und Männer, die miteinander stritten, unter ihnen waren Mr. und Mrs. Ayenterro's Stimmen. Er stieg aus dem Bett und ging hinaus. Der Streit wurde immer lauter. Es mussten 5 Menschen sein, die sich hier stritten... Aber seine Eltern waren nicht dabei.
"Nein, verschwindet von hier. Es ist nicht hier, selbst wenn ihr das ganze Haus auf den Kopf stellt. Was nicht hier ist, kann nicht einfach hier auftauchen."
"Wir haben es aber hier ausgemacht. Der Zauber lügt nicht! Wir wissen dass ihr mit den Potters unter einer Decke steckt. Also raus mit der Sprache? Wo ist das BlackHeart!"
"Es ist aber nich hi-"
"Crucio!"
"Neiiiiiiiin!"
James war gerade erst die Stufen heruntergekommen als ihn der Schrei am gehen hemmte und zurückschrecken ließ. Dabei war er ungewollt gegen eine Vase geknallt, die klirrend zu Boden fiel und zerbrach. Noch ehe er sich versah packte ihn eine raue Hand und zog ihn ins Zimmer hinein.
Mr.Ayenterro lag keuchend am Boden, während Mrs. Ayenterro von 2 Männern festgehalten wurde. James Blick wanderte zu dem, der ihn hineingezogen hatte. Der Mann war groß und muskulös. Er sah aus wie ein Bodybuilder, der nach dem Motto: Mehr Muskeln, vielleicht auch mehr Hirn, lebte. Seine Augen waren tief und winzig, dafür hing seine Stirn sehr weit draußen und seine Mundwinkel waren hinab gezogen, als ob er niemals vorher im Leben gelacht hätte.
"Ist das euer Sohn?!" fragte er und rüttelte an James wie mit einer Raspel. Er versuchte sich zu wehren, weil das ein verdammt unangenehmes Gefühl war, doch der Mann packte ihn und drückte ihn fast schon zusammen.
"Lassen sie den Jungen in Ruhe!" brüllte John Ayenterro mit der Kraft, die er noch hatte, als er geschlagen am Boden lag. Für einen Muggel musste der Cruciatus-Fluch noch viel schlimmer sein als für einen Zauberer, denn ein Muggel hatte schließlich absolut keine Erfahrung mit der schützenden Magie.
"Nur wenn ich endlich DAS bekomme, weswegen ich hier bin, nämlich das BLACKHEART!"
"Wir sagten doch, wir wissen nicht, wo es ist!" sagte Monica schon verzweifelt. Sie versuchte sich nicht gegen ihre Peiniger zu wehren, denn James merkte, wie sie ihn mit angsterfülltem Blick ansah... Angst, wegen ihm?
"Ich warne dich, Ayenterro, treibs nicht zu weit! Wir wissen genau dass es hier ist... also wo ist es verdammt noch mal?!" Und wieder rüttelte der Mann an James als würde er es irgendwie dann ausspucken und damit wurde James bewusst, dass er Recht hatte. Dieser Typ hatte kein Hirn!
"Cansington," sagte der eine Todesser, der Monica festhielt. Es war eine Frau, ihre Stimme klang weiblich.
"Wir haben keine Zeit. Der dunkle Lord erwartet unsere Rückkehr."
"Hmpf." Er grummelte, unzufrieden mit dem, was er erreicht hatte. Er schob James dem 2. Todesser zu, der Monica festgehalten hatte, der ihn auch auffing und James mit beiden Händen an den Armen festhielt. Es fühlte sich an, als ob er ihm den Arm abreißen wollte, so fest drückte er zu und James kam nicht umhin zumindest etwas unangenehm zu gucken, wenn er schon keinen Schrei von sich geben wollte.
"Nehmt sie mit. Mal sehen, was der dunkle Lord dazu sagt! Er wird es schon aus euch hinauspressen... und..." Er fuhr ganz nah an John Ayenterro's Ohr, damit ihm seine Drohung auch nicht entging. "Wenn du Glück hast... dann tötet er dich schnell..."
Cansington baute einen Portschlüssel auf, der sie alle drei in eine dunkle Höhle führte.. Als sie dort ankamen wurden ihnen die Hände mit magischen Fesseln verbunden, dann bildeten sie mit den anderen Todessern in der Höhle einen Kreis um sie. John wandte sich nah an seine Frau und flüsterte ihr kaum für die anderen hörbar ins Ohr.
"Sag es ihnen auf keinen Fall, Monica. Ganz gleich was er tut, sag es ihm auf keinen Fall!"
"Aber-" stotterte diese mit fast schon glasigen Augen. James konnte sagen, dass sie verdammte Angst hatte, mehr als ihr Ehemann.
"Nein, Monica, bitte. Du weißt, was passiert, wenn wir es verraten. Du darfst es nicht und ich auch nicht... Ich würde eher freiwillig sterben, als es ihm zu sagen!"
"Dann gibt es keinen Grund, meine wertvolle Zeit noch zu verschwenden," zischte eine Stimme. Sie hörten Schritte, die auf sie zukamen. James sah, wie die Todesser zur Seite schritten und einen Mann platz machten, dessen bloßes Erscheinen eine Eiseskälte hervorrief, als ob der grausame Wind sein Schatten wäre. Es war das erste mal, dass James ihn leibhaftig sah, den dunkle Lord. Den, den jeder fürchtete, dessen Name so viele nicht wagten auszusprechen, aus Furcht, er könnte es als nächstes auf sie abgesehen haben. Doch der Potter-Sohn zeigte keine Furcht, keine Angst, keine Reaktion. Er blieb wie angewurzelt auf dem Fleck stehen.
"Avada Kedavra!" Der Todesstrahl traf den Mann überrascht und ließ ihn mit einem lauten qualvollen Schrei zu Boden sinken. Seine Augen waren weit aufgerissen, der Tot kam zu plötzlich. Monica nahm James in die Arme, drückte sein Gesicht in die andere Richtung, damit er ihren Mann nicht länger ansehen musste.
"James, du musst dir etwas merken: --" flüsterte sie ihm leise zu. Er hörte wie ihr Herz raste, wie die unverständlichen Worte viel zu leise ausgesprochen wurden, damit nur er es verstand, aber er konnte sich nicht mehr erinnern, was sie geflüstert hatte und dann...
"Avada Kedavra!"
Monica schrie als das Leben aus sie herausgepresst wurde. James spürte ihre Umarmung nicht mehr und sah schockiert zu, wie sie zu Boden fiel und mit geöffneten Augen liegen blieb, regungslos, tot. Seine Knie gaben nach und er sank zu ihnen hinab. Sie waren fort, er war alleine... Alleine... er wollte nicht alleine sein, wollte nicht im Stich gelassen werden. Sein Vater hatte ihm doch geschworen, dass er immer für ihn da war? Immer...
"Hey Champ," lachte Michael Potter als er seinen 5jährigen Sohn auf die Arme nahm und mit der anderen Hand fröhlich die strubbeligen Haare verwurschelte.
"Was hab ich doch für einen unglaublichen Sohn... Da kann ich mich ja zur Ruhe setzen, wenn du so weitermachst."
James lachte. Er war so glücklich gewesen seinen Vater zu sehen und zu wissen, dass er stolz auf ihn war.
"Nein, Pappa darf nicht gehen," kicherte der kleine.
"Pappa wird nicht gehen, Champ. Pappa wird immer bei dir sein und dich beschützen. Ich versprechs dir, Champ."
Tränen kullerten ihm über die Wange. Er hatte sein Versprechen gebrochen, er hatte ihn im Stich gelassen. Er hatte zugelassen, dass er alleine bei Fremden blieb.
"Avada Keda-"
Die Stimme des Zauberers verstummte. James sah ihn an, sah etwas anderes in seinem Gesicht aufleuchten. Nicht mehr das Gleichgültige, wie er eben noch aussah als er die zwei Menschen tötete. Er sah aus... als ob er gerade gewonnen hätte...
"Cansington," rief er, die Augen weiterhin auf James gerichtet.
"Ja, my Lord," meldete sich der Todesser, den James zwei blaue Flecke an den Armen zu verdanken hatte.
"Wer ist dieser Junge?!"
"Keine Ahnung, Er war bei den Muggeln dabei."
Voldemort wandte sich wieder seinem Opfer zu, das sich mit aller Kraft zusammen riss um auch ihm entgegenzublicken. Er würde keine Schwäche zeigen, niemals. Er durfte es nicht, er musste stark bleiben. Sein Vater würde noch kommen. Er hatte ihm gesagt, wenn er stark blieb, dann würde es immer einen Ausweg geben. Er hatte es ihm gesagt und er würde Recht behalten. Es musste einen Ausweg geben, er würde hier nicht sterben...
"Du siehst aus... wie dein Vater. Er wird sich bestimmt Sorgen um dich machen... Was denkst du?!"
Er schwieg.
"Cansington."
"Ja, My Lord."
"Weißt du, wen du mir da gebracht hast?"
"Nein, my Lord."
"Sieh ihn dir an... sieh dir seine Augen an, seine Haare, sein gesamtes Erscheinungsbild. Er ist seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten."
"...My Lord?"
"Potter... nicht wahr? Dein Name ist Potter? Du bist Michael Potter's Sohn."
Er schwieg weiter.
"Du willst nicht antworten? Soll ich dich wirklich zwingen zu sprechen? Was würde dein Vater dazu sagen, wenn ich es tue? Er will bestimmt nicht, dass sein größter Schatz das durchleben muss... Cansington?"
"Ja?"
"Bring ihn zurück zu seinen Eltern... Aber vorher... mein Junge... WIRST DU MIR ANTWORTEN!"
Er drückte seinen Zauberstab fest an James Brust, der von dessen Wucht zu Boden sank. Nur seine Hände stützten ihm vor dem endgültigen Fall auf den kalten Steinboden.
"Warum warst du bei den Ayenterros?! Antworte mir, verdammt!"
Er drückte fester zu und James war sich sicher, dass sein Zauberstab gleich seine Haut durchbohren würde, aber er sagte nichts. Er starrte ihn nur an, entschlossen, nichts zu verraten, obgleich er nicht mal wusste, ob es da überhaupt etwas zu verraten gegeben hätte.
"Imperio! Antworte mir!"
Es war ein unspürbarer Fluch, der ihn traf, der ihn in Besitz nahm und ihn benebelte. Ein komisches Gefühl von Schwerelosigkeit.
"Ich war dort, weil meine Eltern da waren. Sie haben mich zu ihnen gebracht."
Es schoss aus ihm heraus, ohne dass er etwas tun konnte, nein, er wollte nicht mal etwas dagegen tun, er wollte es genau so von sich geben.
"Warum haben deine Eltern dich dahin gebracht?!"
"Das war ein Versehen. Mein Vater hat vergessen mich abzuholen und meine Mutter musste sich mit ihm um diese Uhrzeit rum bei den Ayenterro's treffen."
"Was weißt du von BlackHeart?!"
"Nichts. Man hat mir nichts davon gesagt."
"Aber es befand sich bei den Ayenterros!"
"Ich weiß es nicht. Sie haben mir nichts gesagt."
Voldemort war sichtlich nicht begeistert von den Antworten, denn er grummelte als er den Zauber wieder von James nahm und sich seinen Todessern zuwandte.
"Bringt ihn weg... ich habe andere Methoden, das zu bekommen, was ich will. Die Potters werden ihr blaues Wunder erleben..."
James wurde hart von zwei Todessern gepackt und mitgezogen. Er wehrte sich etwas, aber nicht stark, denn die Nachwirkungen des Imperius-Fluches steckten noch in seinen Knochen.
Sanft glitten die Tränen an ihrer Wange hinab und tropften auf das heiße Pflaster der Straße nieder. Die Sonne schien unbarmherzig auf sie hinab, die Wolken zogen nur wenige Schatten über die Londoner-Innenstadt hindurch. Es war der Sommer vor der 7. Klasse. Anna lehnte an der Mauer, ihre schwarzen Augen blickten düster auf den Boden hinab.
"Hey," sagte Sirius als er es endlich geschafft hatte herzukommen. Aber ein Blick in Annas weinendes Gesicht reichte, damit er erschrocken zusammenzuckte. Er bekam eine besorgte Miene, beugte sich zu ihr hinab und sah sie von unten herauf an, da Anna ihren Blick partout der Erde widmen wollte.
"Sirius..." Sie hatte ihn erst jetzt bemerkt, nachdem sie aus dem Tagtraum aufgewacht war und wischte sich eilends die Tränen weg.
"Schon da?!"
"Schon? Bist du krank?!" fragte er verwirrt und kam nicht umhin an ihrer Stirn nach Fieber zu suchen.
"Sonst machst du mich zur Schnecke, wenn ich 10 Minuten zu spät komme."
"Lass das," sagte sie kopfschüttelnd und nahm seine Hand wieder hinab, hatte ihn aber dabei nicht losgelassen, sondern fest in ihrer eingeschlossen.
"Gehen wir."
"Sicher dass nichts ist? Ich mein... du weinst doch normalerweise nicht, wenn nichts ist?!"
"... Es ist alles okay... Wirklich..."
Sie atmete einmal tief ein, bevor aus dem verweinten Gesicht von eben, plötzlich eine strahlende Miene wurde. Händchenhaltend führte sie ihn mit sich in die Innenstadt hinein und begann auch wieder zu lächeln. Von einer Sekunde auf die andere, hatte sie sich verändern können oder besser, hatte sie sich verstellen können.
Die Londoner Innenstadt war im Sommer einfach wunderschön. Es mögen sich viele Touristen hier herum treiben, aber das war gut, denn Voldemort hielt sich zurück, wenn er sich so vielen Menschen entgegen blickte. Auch er war daran interessiert, die Zaubererwelt für die Muggel geheim zu halten und so verbrachten Sirius und Anna einen wunderschönen Tag in den Cafe's oder in den Läden. Sie war so glücklich mit ihm, denn obwohl sie sich schon seit Ewigkeiten kannten und seit dieser Zeit auch schon sehr fest befreundet waren, war das Gefühl, dass sich in den letzten Wochen vor dem Sommer entwickelt hatte, anders. Sie neckten sich auch weiter, stritten auch weiter über jede Kleinigkeit, aber das Ende sah nun völlig anders aus. Einander in den Armen zu halten, vielleicht auch nur zu kuscheln, war etwas ganz besonderes geworden. Etwas angenehmes, was keiner von beiden jemals wieder missen wollte.
Sie hatten irgendwo an einem Kaffee platz genommen und sich zwei XXX-Large Eisbecher bestellt. Im Sommer schmolz das Eis unter der heißen Sonne regelrecht dahin. Anna hatte ihren Blick in ihre Eiskugel vertieft, während Sirius sein Eisbecher aufschmatzte. Auf halbem Wege hatte er bemerkt, dass seine Freundin offensichtlich keinen richtigen Bissen runter bekam und es machte ihn mehr Angst, dass sie es schaffte, in seiner Gegenwart totenstill zu sein.
"Anna, irgendwie glaub ich dir nicht, dass nichts ist..."
"Hm?!" fragte sie und wachte aufs neue aus ihren Gedanken auf.
"Sicher dass nichts ist? Ich mein... nicht dass ich es nicht gut finde, dass du grad bei Dumbledore wohnst, aber... ich frag mich halt warum. Ist irgendetwas vorgefallen?"
"Vorgefallen? Nein... nichts..."
Sie legte den Löffel zum Eisbecher weg und setzte sich von ihrem Stuhl auf seinen Schoss nieder. Sirius hatte gelächelt, als sie ihre sanften Hände an seine Wangen legte und ihn mit tiefem Blick ansah. Er liebte ihre Augen, sie mögen geheimnisvoll und unnahbar sein, aber es waren die einzigen Augen, die er kannte, die einem Menschen soviel Liebe und Zuversicht schenken konnten. Er brauchte sie nur anzusehen und wußte, dass alles was er tat, was von ihr unterstützt wurde, richtig war. Sie konnte hinter einem stehen, wie kein zweiter und sie schaffte es, Menschen die Hoffnung zu geben, die sie brauchten, wenn man selbst nicht mehr im Stande war, sich Hoffnung zu machen.
"Ich liebe dich," sagte sie sanft und beugte sich zu seinen Lippen hinab. Eine Weile lang sah er sie nur an. Er genoss es ihren Atem zu spüren, sie war so warm und vertraut. Ihr Duft war anders als die der Mädels, mit denen er bisher etwas hatte. Sie war dezent und roch nach frischen Frühlingsblumen.
"Lass uns den Sommer doch einfach genießen, so lange er da ist..."
Und ohne ihn auch nur zu Wort kommen zu lassen, hatte sie ihre Lippen auf seine gepresst und leidenschaftlich geküsst. Sirius hatte damit alles vergessen, was er eigentlich sagen wollte, was eben noch war. Er legte seine Hand an ihren Hals und drückte sie bestimmend und doch sanft an sich heran. Er erwiderte ihren Kuss, ganz egal, ob man sie dabei beobachtete oder ob es vor wenigen Jahren noch vollkommen absurd war, dass sie überhaupt etwas miteinander angefangen hätten. Er wollte sie einfach nur spüren, ihre Nähe bei sich genießen. Sie zu lieben war um so vieles schöner, als nur befreundet zu sein.
"Lilli-Schatz," hallte die Stimme ihrer Mutter wieder. "Warte hier kurz auf mich. Ich red noch mal mit dem Heiler."
"Okay, Mum."
Das rothaarige Mädchen mit der wilden Mähne drehte sich zur Seite und sie blickte plötzlich schokoladenbraune Augen an, die voller Leid, Schmerz und Angst zu ihr rüberblickten. Die Tür zu dem Zimmer war nur einen kleinen Spalt weit offen, aber es reichte, damit sich beide sehen konnten. Sie wusste nicht wieso, aber sie lächelte. Er lächelte nicht zurück. Eine Träne rollte langsam vom Augenwinkel hinab über die Stirnschläfe aufs Bett nieder und je länger sie in diesen vom Leben verratenen Blick sah, desto lauter wurde das Bedürfnis hinzugehen und zu zeigen, dass es nicht stimmte. Ihre Mutter stand noch immer an der Rezeption und unterhielt sich angeregt mit der Empfangsdame über irgendeine Behandlung. Lilli hatte irgendeine Zaubererkrankheit und brauchte die Unterstützung des Heilers, damit ihre Mutter mit den Medikamenten zu recht kam, die sie einnehmen sollte. Das Gespräch war nicht wirklich interessant und das 12jährige Mädchen konnte sich tausend interessantere Dinge vorstellen, als mitten im Gang stehen zu bleiben und Löcher in die Luft zu bohren. Sie sah zurück zu dem kleinen Jungen, der seinen Blick nicht von ihr abgewandt hätte, der noch immer dieselben tränenerfüllten Augen hatte, wie vorher. Sie wiegte mit dem Kopf leicht schief um ihn besser zu sehen können und nachdem sie einen Blick zurück zu ihrer Mutter warf und festgestellt hatte, dass sie wohl nicht so schnell das Gespräch beenden würde, ging Lilli auf das Zimmer zu. Sie öffnete die Tür und schreckte zusammen als sie eine Krankenschwester bei dem Jungen sah, die den Verband am Arm erneuert hatte.
"Oh... deine Freundin?!" fragte die Krankenschwester überrascht und lächelte das Mädchen freundlich an. Sie legte den bandagierten Arm wieder aufs Bett nieder und packte ihre Sachen ein.
"Dein Freund hat Glück gehabt, kleines. Er hätte an den Flüchen sterben können. Diese Todesser heutzutage machen selbst vor kleinen Kindern nicht halt. Das Ministerium muss wirklich etwas gegen sie tun... aber er ist sehr tapfer..."
Sie lächelte beide stolz an und schritt dann an Lilli vorbei um die Tür zu schließen. Lilli lächelte angesichts der Tatsache, dass die Schwester sie gerade zu seiner Freundin gemacht hatte, obwohl sie sich gar nicht kannten.
"Hi..." stotterte sie leise und blieb an der Tür stehen. Sie wusste nicht so recht, warum sie das überhaupt getan hatte, warum sie überhaupt rein kam, aber es war irgendwie ein Bedürfnis da gewesen, bei ihm zu sein. Er sah noch immer so enttäuscht und mutlos aus, dass sie nicht anders konnte, als zu ihm herzukommen und sich ans Bett zu setzen.
"Ich... Ich bin Lilli... Ich geh nach Hogwarts... Aber ich bin eine Muggelgeborene Hexe, daher weiß ich noch nicht so viel von der Zaubererwelt. Du bist also von Todessern angegriffen worden?!"
Der Junge nickte, zumindest soweit es seine Schmerzen zuließen, dass er eine Reaktion zeigte. Seine braunen Augen hatten sie nicht mehr losgelassen, seitdem sie sich ihre Blicke im Flur getroffen hatten. Es war der junge James ohne dass Lilli es damals gewußt hatte.
"Ich hab von ihnen gelesen... von ihrer Brutalität. Meine Eltern lassen mich nicht alleine raus... Sie haben auch Angst vor ihnen. War es sehr schlimm?! Entschuldige, das ist ne dumme Frage. Natürlich war es schlimm, sonst würdest du ja nicht hier liegen... Tut mir leid, ich... ich nerve, oder?! Du sagst nämlich gar nichts... Ähm... Ich... tut mir leid, ich bin so neugierig gewesen. Ich wollte nur nicht allein sein da draußen und deswegen bin ich hier rein... Ich ähm... Ich geh wieder-"
Und gerade als Lilli von seinem Bett heruntergehoppelt war, spürte sie seine Hand, die ihren Arm berührte. Viel zu leicht und locker für einen Jungen.
"Nein," sagte er mit einer flehenden Stimme. Noch nie zuvor hatte sie jemanden mit soviel Angst in den Augen gesehen. Es war als ob er dem Tot entgegen gesehen hätte und als ob dieser noch immer da war und ihn bedrohte.
"Ich... Ich will nicht... allein sein..."
Lilli sagte nichts. Sie konnte nicht, denn dieser eine Satz, den er so eben geflüstert hatte, der hatte sich in ihr Herz gebohrt. Wer wollte schon gerne allein sein? Sie auch nicht, aber sie war es, die ganze Zeit über. Sie liebte ihre Familie, aber sie verstanden sie nicht, verstanden nicht das, was sie in der Zaubererwelt war und warum andere sie mieden. In Hogwarts hatte sie nur Diana an ihrer Seite und diese war nicht mal in Gryffindor. Lilli fühlte sich immer alleine, wenn sie in Hogwarts war, weil sie niemand hatte, weil man ihr mit Absicht das Gefühl gab, nicht dazuzugehören. Und sie wollte auch nicht alleine sein, sie hatte denselben Satz auch geflüstert, an dem Tag, an dem sie wieder von Melissa angepöbelt wurde. Sie rannte in die Toilette, hatte geweint und niemand war da. Niemand war ihr nachgerannt, niemand hatte versucht sie zu trösten. "Ich will nicht alleine sein," hatte sie damals auch gesagt, während sie an der Wand lehnte und ihren Tränen der Einsamkeit freien Lauf ließ.
"Ich lass dich nicht alleine," flüsterte Lilli zu dem Jungen zurück und lächelte. Sie wollte das damals auch von jemanden hören, von einer guten Freundin... von Anna? Weil sie Anna bewunderte, weil sie sie mochte und sie ihr sympathisch war. Etwas Winziges in ihr hatte immer die Hoffnung gehabt, dass Anna sich einfach ihr anschloss und ihre Freundin wurde. Aber Anna war damals bei Melissa gestanden und hatte sie keines Blickes gewürdigt, sie nicht mal angesehen, als Lilli gekränkt davon lief.
Lilli setzte sich an sein Bett und spürte, wie er ihren Arm los ließ. Seine Hand wanderte zurück ans Bett und alles was der Junge tat, war sie anzusehen. Er schien sehr müde und erschöpft zu sein, als er schließlich seine Augen schloss und irgendwie das Bewusstsein verlor. Es waren vielleicht die vielen Medikamente, die ihn schließlich in den Traumlosen Schlaf rissen. Lilli hatte ihn dabei nur zugesehen und gelächelt als er eingeschlafen war. Er sah friedlich aus... Nicht mehr voller Schmerzen, Trauer und Angst, sondern einfach nur... zufrieden.
"Ich will das BlackHeart!"
"Ich weiß nicht wovon sie sprechen!"
"Doch! Ich weiß, dass du es weißt! Sags mir?!"
"Nein!"
"Soll ich wirklich weitermachen? Es ist nur der Anfang. Wenn du es mir nicht freiwillig sagst, dann werde ich dich dazu zwingen. Ich kann es und das weißt du!"
"Nein, ich weiß nicht wovon sie sprechen!"
"Du elender Narr! Wie du willst! Ich werde so lange in den Erinnerungen deiner Freunde stochern, bis du es mir freiwillig sagst!"
"Wie soll ich etwas sagen, was ich gar nicht weiß? Meine Freunde damit zu belasten, bringt gar nichts! Lassen sie sie aus dem Spiel, verdammt! Sie wollen nur mich!"
"Ich hab das was ich will von White schon. Ich bekomme es von dir auch noch."
"Wenn ich es wüsste, würde ich es ihnen sagen, damit sie endlich alle in Ruhe lassen, aber ich weiß es verdammt noch mal nicht!"
"Ich will das BlackHeart! Ich weiß, dass du davon weißt! Ich weiß, dass man es dir gesagt hat! Also lüg mich nicht an, du verdammter Bengel!"
"Nein! Ich weiß es nicht!"
"Willst du es wirklich bis zum Ende fortführen? Du weißt was du damit riskierst? Was du verlieren wirst?!"
"Ich weiß nicht mal wovon sie sprechen!"
"Du hast es nicht anders gewollt!"
"NEIN, VERDAMMT! HÖREN SIE DAMIT AUF. SIE HABEN KEIN RECHT DAZU!"
"MEIN JUNGE; ICH HABE ALLE RECHTE DER WELT; WENN ICH ES WILL!"
