„L und B treten in Aktion. Klingt irgendwie episch", murmelte ich vor mich hin, während ich in Gedanken verloren war.
„Ja… das haben wir uns als kleine Kinder immer gewünscht, weißt du noch Beyond?", fragte mich L freudestrahlend. Ich senke meinen Kopf und schaute auf meine Hände.
„Leider nein… wie gern wüsste ich es… mir fehlt meine gesamte Kindheit, wieso ich ins Wammys kam, wie ich aufgewachsen bin, wie ich dich kennengelernt habe, was für ein Typ Mensch ich überhaupt war… es fehlt einfach so viel…", gab ich bedrückt von mir und fing an, fester als gewollt, in meinen Handrücken zu zwicken. L legte eine Hand auf meine, drückte sie beruhigend und überreichte mir mit der anderen Hand meinen Kakao.
„Tut mir leid, ich wollte dich nicht daran erinnern…"
„Kein Problem, alles gut", antwortete ich, schnappte mir den Kakao und nahm einen großen Schluck.
„Aber Beyond, du hast Recht. Es klingt echt episch. Wir Zwei werden gemeinsam den Fall lösen. Das Versprechen wir uns heute, okay? Unser erster gemeinsamer Fall werden wir zusammen erfolgreich meistern, ja?"
L drehte seinen Kopf zu mir und blickte mir fest in die Augen. Was ich bei ihm sah, dieses Funkeln, diese Flamme, er wollte diesen Fall wirklich mit mir gemeinsam lösen. Er steckte mich förmlich mit seinem Enthusiasmus an, deswegen legte ich meine unterste Hand auf seine und drückte sie ebenfalls.
„Versprochen! L und B werden den Fall lösen!"
„Genial! Damit ist es beschlossene Sache. Ich rufe heute Watari an, damit er sich umgehend um alles Wichtige kümmert."
L wollte gerade aufstehen, als ich ihn am Handgelenk packte und festhielt.
„Moment, Watari weiß noch gar nichts von mir… wird er das wirklich einfach so hinnehmen? M wollten wir auch weiterhin im Auge behalten und wenn ich mich noch richtig erinnere arbeitet N aktuell in Japan an einem schwierigen Fall. Vielleicht ist es genau dieser?"
„Der große B zieht den Schwanz ein? So klingt es zumindest gerade für mich", neckte mich L, drehte sich zu mir um und kniff mir in die Backe.
„Nein, ich meine…"
„Keine Sorge Beyond, ich erkläre Watari alles, zumindest das, was er wissen muss. Bis M registriert hat, dass wir nicht mehr in L.A. sind, dauert es auch etwas und das mit N bringe ich heute noch in Erfahrung. Keine Sorge", beruhigte mich L und streichelte nun sanft meine Wange. Ich ließ in los, schnappte mir mein Toast und legte mich gemütlich auf die Couch.
L schnappte sich ebenfalls seinen Toast, schlurfte zu seinem Laptop hinüber, hockte sich, wie man es von ihm kannte, auf seinen Stuhl und kramte aus einer Schublade seines Schreibtisches ein altes Handy hervor.
Innerhalb nur einer Stunde hatte er einige Telefonate getätigt, E-Mails geschrieben und sich durch unzählige Internetseiten geklickt. Irgendwann habe ich es aufgegeben, seine Schritte zu verfolgen und schloss deshalb meine Augen.
„So, fertig Beyond! In drei Tagen geht es nach Japan. Bis dahin können wir noch meinen Plan durchführen, sonst hätte ich ja alles umsonst eingekauft… auch wenn ich nicht wild darauf bin."
Ich schreckte kurz auf, war ich wirklich weggedöst?
„In drei Tagen schon? Wow, das ging schnell… und wie hat Watari reagiert auf mich?"
„Das lässt dich nicht in Ruhe, was?", fragte L grinsend und fuhr fort:
„Er schien sogar froh zu sein, dass ich nun Unterstützung habe. Watari hat mir nicht nur einmal zu verstehen gegeben, dass es für mich vielleicht von Vorteil wäre, nicht so alleine zu sein. Es gab aber bisher keinen, mit dem ich gerne zusammen gearbeitet hätte und der mit meiner Art klar kam, also vermied ich es."
„Oh okay. Was meinst du mit "deiner Art"? Ich hoffe nicht dieses kalte, gefühlslose Ungeheuer welches nur monoton reden kann, wie damals?", fragte ich, obwohl ich bereits die Antwort kannte.
„Leider ja…"
„Dann werde ich es zu verhindern wissen! Das macht mich nämlich auch wahnsinnig! Du willst doch nicht, dass ich durchdrehe oder?", fragte ich mit einem gespielt bösen Blick und L riss die Augen auf.
„Das war Spaß! Ich hab es nicht so gemeint… kam glaube ich gerade bisschen blöd rüber, sorry."
L schmiss sein Handy wieder in die Schublade, klappte den Laptop zu, stand auf und machte es sich neben mir bequem.
„Also drei Tage haben wir noch für uns. Wir wollten vorhin eigentlich meinen Einkauf begutachten, aber irgendwas kam dazwischen…", sagte L sarkastisch, tippte mehrmals mit seinem Finger auf die Lippe und blickte unschuldig zur Decke.
„Ja… irgendwas…", witzelte ich zurück und kniff L in die Seite, sodass er zur Seite zuckte und auf meine Oberschenkel fiel.
„Aus Beyond!"
„Ich bin doch kein Hund! Also ehrlich…"
„Keine Ablenkung jetzt, ich zeig dir was ich besorgt habe. Zuerst dein Zeug…"
L setzte sich wieder in die Hocke, schnappte sich die erste Tüte neben dem Tisch und leerte den Inhalt neben sich auf der Couch aus.
„Also ich habe hier eine schwarze Cargohose, ein rotes Kapuzensweatshirt und die kurzhaarige, braune Perücke."
Ich schnappte mir alle drei Teile und begutachtete sie, dann stand ich auf, zog mir das weiße Shirt aus und das rote Kapuzenshirt an.
„Wow, steht dir! Betont deine Augen", machte L mir ein Kompliment und sah mich strahlend an.
„Und es ist meine Lieblingsfarbe, genial! Gefällt mir echt gut."
Ich zog mir daraufhin die Jeans ebenfalls aus und hatte innerhalb weniger Sekunden die schwarze Cargohose an.
„Heiß", kommentiere L mein Outfit und ließ ein Pfeifen hören.
„Du hast echt Sinn für Mode… fühle mich damit sogar richtig wohl!", antwortete ich begeistert und ließ meinen Blick über mich schweifen. Als ich mich endlich satt gesehen hatte, ließ ich mich wieder auf die Couch fallen und blickte L mit einem frechen Grinsen an.
„Und was hast du für dich gekauft?", stichelte ich ein wenig, auch wenn ich es besser lassen sollte. Mir war klar, dass ihm das äußerst unangenehm war.
„Ach, nichts Besonderes…", versuchte er mir auszuweichen, doch ich griff nach der zweiten Tüte und leerte sie zwischen uns aus.
„Uuuh, eine schöne langhaarige, blonde Perücke, sogar leicht gelockt. Die wahr sicherlich nicht billig", kommentiere ich und griff nun nach dem Kleidungsstück.
„Oh wow, ein dunkelblaues, langes Seidenkleid? Zieh mal bitte an, ich will es an dir sehen!", forderte ich L auf und streckte ihm das Kleid entgegen.
„Ich weiß nicht, später siehst du es…"
„Nein jetzt… bitte", ich sah ihm tief in die Augen und er merkte, dass ich es ernst meinte. Ein tiefes Seufzen erfüllte den Raum, doch L stand auf, zog sich Shirt und Jeans aus und schnappte sich das Kleid.
„Hätte ich das gewusst, hätte ich mich vorhin nicht erst angezogen…", grummelte L vor sich hin und schmiss sich das Kleid über die Schultern.
Mit weit aufgerissenen Augen starrte ich L an, nicht im Stande nur ein Wort zu sagen. Ich griff wortlos nach der Perücke und hielt sie ihm hin. Er verstand, packte seine Haare unter das beiliegende Haarnetz und warf sich die Perücke über.
Ich konnte es nicht fassen! Die Person, die gerade vor mir stand, war gerade noch L gewesen, aber nun?!
„Unglaublich…", rutschte mir endlich ein Wort über die Lippen.
„Du siehst echt bezaubernd aus und ich würde dich gerne direkt wieder flachlegen…", sprudelte es aus mir heraus. Der Anblick der sich mir bot war schwer in Worte zu fassen.
„Beyond, bitte… rede doch keinen Unsinn, das muss doch total albern aussehen…", gab L enttäuscht von sich und drehte sich zur Seite, doch bevor er sich die Perücke wieder vom Kopf ziehen konnte, stand ich vor ihm, umarmte ihn liebevoll und drückte ihm einen leidenschaftlichen Kuss auf die Lippen.
„Du siehst wirklich scharf aus… und ich vermute, wenn du dich komplett fertig gemacht hast, wird es für mich sehr schwer werden, mich zurückzuhalten…", beichtete ich ihm und küsste ihn erneut.
„Danke… ich habe noch einen dünnen, goldfarbenen Gürtel mitgenommen, der passte so gut zu dem Kleid, ein dezenter Lippenstift, bisschen Schmuck, ein Ring und blaue Kontaktlinsen."
„Und du bist dir sicher, dass du ein Kerl bist?", scherzte ich nun doch und wurde mit einem bösen Blick bestraft.
L löste sich aus meiner Umarmung, schnappte sich die Tüte mit dem restlichen Zeug und verschwand Richtung Bad.
„Bin gleich fertig, dann können wir los, Schatz", brüllte er, noch bevor die Tür mit einem lauten Knall ins Schloss flog.
Ich ließ mich lachend auf die Couch fallen, trank den letzten Schluck Kakao und blickte zur Decke.
„Bin gleich fertig…", äffte ich nach. Das sagen doch alle Frauen und stehen dann Stunden vor dem Spiegel.
„Wer's glaubt, wird selig…", flüsterte ich und fing erneut an zu lachen.
