Kapitel 36: Wieder Zuhause

Bella:

Endlich war ich wieder zu Hause. Es waren zwar nur vier Tage, die ich mitbekommen hatte, denn die ersten drei hatte ich verschlafen, aber es war lange genug,

Ich wäre wohl aus Langeweile gestorben, wenn Edward nicht jeden Tag bei mir gewesen wäre. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass er auch nachts da war… Aber das konnte ja nicht sein. Doch manchmal im Traum hatte ich das Gefühl, dass er mich berührte.

Ja, so war es wohl, wenn man liebte.

Ich hatte jede Nacht richtig gut geschlafen. Keine schlechten Träume… Ich war erholt, und ich fühlte mich gut. Schon lange war ich nicht mehr so fit gewesen.

Mein Bauch schmerzte ab und zu noch, aber das war ja meine eigene Schuld. Wieso musste ich auch ausgerechnet beim Fallen die Hände vor den Körper nehmen, oder wieso hatte ich das Messer nicht einfach fallen lassen.

Oder fangen wir ganz von vorne an, warum hatte ich so wenig Selbstbeherrschung, dass ich das Messer überhaupt erst in die Hand genommen hatte?

Diese ganze Sache war mir mehr als unangenehm. Und sie stand noch immer unausgesprochen im Raum. Edward hatte mir versichert, dass keiner auf mich sauer war. Auch Alice und Emmet hatte mir das mehrfach bestätigt.

Aber ich würde mich noch entschuldigen bei ihrem Vater. Egal, was passiert war, das hätte nicht geschehen dürfen.

Ich schloss meine Haustür auf und war erstaunt. Hier hatte jemand aufgeräumt und geputzt, alles strahlte und auf meinem Tisch stand eine rote Rose. Mein Herz machte einen Satz. Es war nur eine kleine Aufmerksamkeit, aber sie machte mich so unendlich glücklich…

Ja, ich war glücklich.

Nur eine Sache dämpfte meine Freude ein wenig. Morgen war das große Spiel….und ich konnte nicht mitspielen. So gern ich es auch wollte, aus ärztlicher Sicht war es ein Risiko. Ich hatte versucht, Edward zu überzeugen, dass ich fit genug wäre, und die Nähte ja schon was aushalten würden, aber er hatte stur darauf beharrt, dass ich nicht mal in die Nähe eines Fußballs kommen werde. Selbst mein größter Bettelblick konnte ihn nicht erweichen. Gespielt beleidigt hatte ich ihm daraufhin die kalte Schulter gezeigt. Aber er hatte leider einen Vorteil. Er machte dann das gleiche Spiel mit mir, und ich ertrug es nicht, wenn er sich von mir abwandte. So hatte er gewonnen, und ich klein beigegeben.

Dafür hatte er mir versprochen, dass wir zumindest hingehen würden und ich Emmet anfeuern könnte.

Ich hatte im Krankenhaus eine lange Unterredung mit Emmet. Ich entschuldigte mit bei ihm dafür, dass ich ihm nicht voll vertraut hatte, und nur die halbe Wahrheit erzählt hatte. Im Gegenzug erzählte er mir von Rose – seiner großen Liebe. Ich war erschüttert. Sie hatte ihn verlassen, weil sie der Meinung war, sie hatte was verpasst…

Er liebte sie noch immer….und er wartetet.

Auch dieses Gespräch hatte uns wieder ein Stück mehr verbunden.

Als besten Freund würde ich ihn niemals verlieren wollen.

Alice und Jasper waren das Traumpaar für mich. Im Moment war sie leider zu aktiv für mich. Sie schwärmte jetzt schon von Shopping-Marathons, wo ich grad mal froh war, wenn ich zwei Stunden auf den Beinen war und nicht wegen Erschöpfung zusammen brach. Sie war sehr traurig, als ich für die nächsten zwei Wochen eine Absage erteilt hatte. Aber es ging einfach noch nicht…

Aber wir redeten stundenlang über Gott und die Welt.

Jasper war ein lieber Kerl…aber irgendwie hatte er etwas Besonderes und Geheimnisvolles an sich. Und bisher hatte ich noch nicht herausgefunden, was es war. Auch dass er die gleiche Augenfarbe hatte wie meine Freunde, irritierte mich. Sie waren doch gar nicht verwandt.

Ich hörte, wie jemand durch die Hintertür herein kam. Das konnte nur einer sein. Ich freute mich. Schnell lief ich in die Küche und warf mich in die Arme meines Freundes. Wie ich ihn vermisste hatte, dabei war er doch vielleicht nur eine halbe Stunde weg gewesen. Er hatte mich hier abgesetzt und war noch schnell nach Hause gefahren. Er wollte irgendetwas erledigen…

Es war wieder einer dieser Küsse, der mich Raum und Zeit vergessen liess.

„Na, Schönheit, hast du mich vermisst?" neckte er mich. Wie gemein von ihm. Er zog mich immer wieder damit auf, dass er mir so sehr fehlte, auch wenn er nur kurze Zeit weg war.

„Ich dich? Wieso sollte ich?" konterte ich frech. Was er konnte, konnte ich schon lange.

„Bella, du musst dich schonen. Lass uns ins Wohnzimmer gehen. Dort kannst du dich auf die Couch legen." Während er diese Worte aussprach, schob er mich schon zur Tür. Wieso musste er nur so verdammt liebevoll sein? Da hatte ich doch keine Chance gegen an zu kommen. Widerwillig ergab ich mich in mein Schicksal. Ich wollte mich nicht hinlegen, ich würde nur wieder einschlafen.

Er deckte mich zu und legte sich dann zu mir.

Sanft fuhr ich mit meiner Hand über seine Brust. Er war so kräftig. Es fühlte sich einfach gut an, ihn zu berühren. Aber sein Körper war kühl. Er erwähnte mal nebenher, dass das irgendeine Erbkrankheit wäre, und seine ganze Familie diese Probleme hätte. Ich hatte nicht weiter nachgefragt, und mich mit dieser Erklärung zufrieden gegeben…

Es bereitete mir ja auch keine Probleme….

Mir wurde sowieso immer heiß unter seinen Berührungen, so dass es teils sogar angenehm war, dass sein Körper etwas kälter war

Am Anfang konnte ich die Reaktion meines Körpers auf seine Berührungen nicht einschätzen. Aber Alice hatte mir dabei geholfen. Wir hatten lange darüber geredet, über die Gefühle zwischen zwei Menschen. Es war mir peinlich gewesen…aber ich hatte diese Erfahrungen ja nicht sammeln können… Auf jeden Fall war ich jetzt sozusagen aufgeklärt. Und ich war ihr mehr als dankbar dafür.

Ich schmiegte mich an seine Brust, und meine Augen wurden schwer. Mühsam versuchte ich wach zu bleiben….aber ich verlor den Kampf gegen die Müdigkeit. Mit einem Lächeln glitt ich in den Schlaf über.

Edward:

Sie hatte sich eng an mich gekuschelt. Die Kälte meines Körpers war ihr aufgefallen, aber sie glaubte mir die Geschichte mit dieser Erbkrankheit. Es war auch besser so. Sie sollte nicht wissen, was wir waren. Irgendwann mussten wir es ihr sagen…oder ich musste sie verlassen. Wir hatten vielleicht noch zwei Jahre, dann würde auch sie merken, dass wir nicht alterten. Bei dem Gedanken sie zurückzulassen, schrie es innerlich in mir auf. Ich würde es nicht können… Niemals würde ich die Liebe meiner Existenz verlassen können.

Aber ich hatte mir geschworen, sollte sie durch mich in Gefahr geraten, würde ich gehen. Ich wollte nicht, dass ihr irgendwas zustieß. Sie war mein Ein und Alles….mein Leben…der Sinn meiner Existenz.

Die letzten Tage im Krankenhaus war ich jede Minute bei ihr. Abends hatte ich sie verlassen, um den Schein des Menschen zu wahren, und keine Aufmerksamkeit im Krankenhaus hervor zu beschwören. Aber nachts war ich zurückgekehrt. Oft saß ich nur neben ihrem Bett und betrachtete sie. Doch manchmal konnte ich dem Drang, sie zu berühren, nicht widerstehen. Ich strich ihr sanft über den Kopf.

Wenn sie meinen Namen sagte, war es ein Glücksgefühl in mir, das ich nicht beschreiben konnte.

Das Monster in mir war fast vollständig verschwunden in ihrer Gegenwart. Selten versuchte es noch an die Oberfläche zu kommen. Es waren dann diese Situationen, wenn wir uns küssten oder sie mir über den Körper strich. Dann begehrte es auf. Aber ich hatte es immer unterdrücken können…

Meine Familie war stolz auf mich.

Und sie waren glücklich, weil ich glücklich war.

Morgen war das Fußballspiel. Sie hatte darauf bestanden, dass wir hingingen…denn spielen durfte sie noch nicht. Meine Bella, sie wollte so sehr morgen schon wieder Spielen. Ohne Rücksicht auf ihre Verletzung. Aber ich hatte sie daran gehindert. Meine Argumente waren einfach überzeugend….und wenn es nicht die Worte waren, dann die Küsse. Ich gewann immer…außer ich wollte verlieren. Ein Lächeln legte sich auf meine Lippen…

Ja, bei ihr konnte ich auch verlieren…und es macht mir rein gar nichts aus.

Carlisle und Esme würden morgen auch da sein. Noch waren wir uns nicht einig, ob wir ein Aufeinandertreffen verhindern sollten…

Sie hatte sich schnell damit abgefunden, wer unser Vater war. Sie schien mittlerweile auch Verständnis für sein Urteil zu haben…aber dennoch spürte ich, wie sie ihm innerlich vorwarf, was ihr geschehen war.

Wir würden es auf uns zukommen lassen,

Alice und Jasper waren dieses Wochenende nicht da. Sie hatte eine Vision gehabt, dass ein Fußballspieler Nasenbluten bekommen würde, und wollte Jasper keinem Risiko aussetzen. Sie hatten sich entschieden, in die Berge zu fahren, und mal wieder ausgiebig zu jagen.

Die Nacht schritt voran. Ich vergass die Zeit, wenn ich meinen Engel beim Schlafen beobachtete. Sie sah so glücklich aus…

Ich wollte keinen dieser Momente verpassen.

Nicht eine Minute ihres Lebens wollte ich verpassen.

Draußen ging langsam die Sonne auf. Noch ein paar Stunden, und ein neuer Tag mit ihr konnte beginnen.

Wie schön wäre es, auch mit ihr die Nächte zu verbringen? Dieser Gedanke drängt sich mir immer und immer wieder auf. Aber ich verschloss ihn jedes Mal wieder ganz tief in meinem Herzen. Darüber durfte ich nicht nachdenken….

Ich spürte, wie sich näher an mich rankuschelte….und ihre Augenlider minimal zuckten. Das waren die ersten Zeichen, dass sie bald aufwachen würde.

Kurz löste ich meine Umarmung und verwuschelte meine Haare.

Der Schein musste gewahrt werden….