Dumbledore wollte mit ihnen sprechen, bevor sie die Krankenstation verließen und Harry hatte diesem Gespräch mit etwas gemischten Gefühlen entgegengesehen. So wenig er sich mittlerweile vorstellen konnte, Draco nicht mehr an seiner Seite zu haben, so seltsam erschien es ihm trotzdem, vor Dumbledore neben ihm zu sitzen. Irgendein Teil von ihm hatte die Befürchtung, dass der Professor es so sehen könnte, als habe er sein Haus oder sogar ihn hintergangen.

Als Fawkes jedoch auf die Lehne seines Sessels flatterte, sobald er sich gesetzt hatte und ihn überschwänglich begrüßte, verschwanden die meisten seiner Befürchtungen und als Dumbledore ihnen Zitronenlimonade anbot, entspannte er sich vollkommen.

Dumbledore stützte die Ellenbogen auf seinen Schreibtisch, legte die Fingerspitzen aneinander und sah sie beide über den Rand seiner halbmondförmigen Brillengläser hinweg an.

„Gut gemacht", sagte er schließlich. „Sie beide haben eine wirklich schwere Aufgabe bestanden. Der Spiegel Raef ist trügerisch und auf seine Art noch vereinnahmender als Erised. Kaum jemanden gelingt es, sich aus ihm zu befreien."

„Ich glaube nicht, dass ich alleine hätte aufwachen können," sagte Harry. „Wenn Draco nicht gewesen wäre."

„Ich bin sicher du hättest es geschafft", sagte Draco. „Du hast bisher alles alleine geschafft."

„Alleine habe ich eigentlich noch nie etwas geschafft."

Dumbledore lächelte. „Viel wichtiger als etwas alleine zu schaffen ist es, dass man Menschen in seinem Leben hat, die einem zur Seite stehen, wenn es nötig ist. Und du hast es immer geschafft, solche Menschen zu finden, Harry. Auch jetzt wieder." Er sah zu Draco, der ein wenig unangenehm berührt aber dennoch geschmeichelt schien. Harry dachte, dass er es ganz und gar nicht gewohnt war, dass Dumbledore positiv über ihn redete.

„Wie genau konnte es eigentlich passieren, dass wir den Illusionen des Spiegels entkommen konnten?" fragte Draco.

„Raef ist dazu gescahffen, Menschen in ihren schlimmsten Ängsten festzuhalten. In deiner Version, Draco hast du dich gegen Voldemort aufgelehnt und Harry beschützt. Du hast sozusagen deine größte Angst besiegt. Und in Harrys Vision hat er es durch deine Hilfe geschafft zu erkennen, dass er sich in einer Trugwelt befindet. Es zeugt von großer Tapferkeit in Angesicht seiner eigenen größten Angst den Mut nicht zu verlieren und sich daraus zu befreien."

„Dass der Spiegel zerstört ist heißt allerdings nicht, dass Voldemort besiegt ist, nicht wahr?" fragte Harry.

Dumbledores Blick verdüsterte sich. „Nein. Es war nur ein Teil von ihm, das sich in dem Spiegel manifestiert hat, um diesen gegen Hogwarts zu verwenden. Nur eine Projektion. Der Spiegel ist zerstört und damit das Unheil, das er über Hogwarts gebracht hat. Aber Voldemort ist höchstens geschwächt."

Harry nickte. Eigentlich hatte er es bereits gewusst, aber die Bestätigung, dass Voldemort noch immer dort draußen war, darauf wartend, ihn endgültig zu töten, ließ ihn dennoch frösteln.

„Aber es ist noch etwas anderes, sehr viel Wichtigeres geschehen", sagte Dumbledore und sah zwischen Draco und Harry hin und her. „Wenn die uralte Feindschaft zwischen den Häusern Gryffindor und Slytherin begraben werden würde, wäre es für Voldemort sehr viel schwerer, wieder so mächtig zu werden, wie er es einmal war. Und in diese Richtung ist mit euch beiden ein sehr wichtiger Schritt gemacht."

Harry war nachdenklich als sie Dumbledores Büro verließen. Morgen würden sie beide wieder in ihre Gemeinschaftsräume zurückkehren und er wünschte, er hätte Draco fragen können, wie es dann zwischen ihnen weitergehen würde. Aber andererseits wollte er den letzten gemeinsamen Abend den sie hatten nicht durch eine Diskussion zerstören.

Es war bereits dunkel, als sie in ihrem gemeinsamen Zimmer ankamen und Draco schloss die schweren Vorhänge vor den Fenstern. Dann drehte er sich zu Harry um, der auf seinem Bett saß und sich ein wenig verloren fühlte.

„Es wird mir fehlen mit dir zusammen ein Zimmer zu haben", sagte er und atmete leise auf, als Draco zu ihm herüberkam. Er blieb ganz dicht vor ihm stehen und strich mit beiden Händen durch Harrys Haar. Harry schloss die Augen und genoss die Berührung. Er fühlte, wie Draco seine Brille abnahm und hörte, wie er sie vorsichtig auf dem Nachttisch platzierte. Ein Teil von ihm wünschte sich, er hätte noch die Fragen gestellt, die in seinem Kopf waren, darüber, wie es mit ihnen weitergehen würde. Aber der weitaus größere Teil wollte einfach jede dieser letzten Stunden mit Draco aufsaugen.

Draco beugte sich vor um ihn zu küssen und Harry hob die Hände, um sie in Dracos Nacken zu legen und ihn näher zu ziehen. Er fühlte, wie sein gesamter Körper sofort auf den Kuss reagierte, der für den Moment all seine Sorgen davonschwemmte. Er konnte sich nicht vorstellen, das hier irgendwann einmal nicht mehr tun zu können. Es war ein so großes Geschenk, dass er Draco endlich so nahe sein konnte. Draco schob seine Hände unter Harrys Oberteil und dessen gesamter Körper erschauderte unter der Berührung. Er seufzte leise und ließ sich zurück auf das Bett sinken und Draco folgte ihm, bis er über ihm lag, auf die Ellenbogen gestützt und das Gesicht in Harrys Halsbeuge vergraben. Dort geküsst zu werden ließ tausend kleine elektrische Funken in Harrys Körper explodieren und er vergrub die Hände in Dracos seidigem Haar, biss sich auf die Lippen, um ein Stöhnen zu unterdrücken.

Er fühlte Dracos Lächeln. „Wir müssen leise sein. Sonst kann Madame Pomfrey uns hören."

„Ich weiß."

Dämpfungszauber waren auf der Krankenstation nicht erlaubt, was Harry in diesem Augenblick sehr bedauerte. Andererseits hatte es auch etwas extrem Spannendes, gemeinsam aufpassen zu müssen, dass sie leise blieben. Sie schafften es, die Decke über sich zu ziehen und sich ein wenig umständlich darunter auszukleiden und als er sich an Dracos warmen Körper drücken konnte und dieser ihn fest an sich presste, fühlte er sich wie in einem sicheren, warmen Kokon, wo ihm nichts und niemand etwas anhaben konnte. Es war wundervoll, einfach nur zu spüren, Dracos Hände, die über seinen Körper glitten, ihn streichelten und noch immer kennenlernten, zu hören, wie dessen Atem schneller wurde, wie sein Herzschlag sich beschleunigte, als Harry über seinen Oberkörper streichelte. Und irgendwann, als Harry glaubte, dass er es kaum noch aushalten konnte, tauchte Draco nach unten und nahm ihn in den Mund und Harry glaubte, dass er zerspringen würde, weil es sich so unendlich gut anfühlte. Er musste eine Hand gegen seinen Mund pressen, weil er sonst zu laut gewesen wäre und seine Hüften bewegten sich wie von selbst, auch wenn er Draco eigentlich nicht dazu drängen wollte, ihn tiefer zu nehmen. Er konnte nichts dagegen tun, dass es ihm fast sofort kam. Hilflos krallte er eine Hand ins Bettlaken, versuchte mit der anderen sein Stöhnen zu unterdrücken. Seine Hüften zitterten, sein gesamter Körper zitterte, als er sich in Dracos Mund ergoss.

Während Harry noch völlig neben sich war und sein Atem und wilder Herzschlag sich nur langsam beruhigten, war Draco wie immer, wenn er Harrys zum Höhepunkt gebracht hatte fast euphorisch, als er wieder neben Harry kam. „Das hat nicht lange gedauert, Gryffindor."

„Muss wohl an deinen ungewöhnlichen Fähigkeiten liegen, Slytherin." Harry lächelte. „Oder daran, dass das letzte Mal zu lange her ist."

„Soll das bedeuten du möchtest gerne öfter mit mir schlafen?" Dracos Hüften pressten sich gegen Harrys Oberschenkel und er konnte spüren, wie erregt Draco noch immer war.

„Oh ja", Harry drehte sich zu Draco, legte ihm eine Hand an die Wange und küsste ihn auf die Lippen. „Ich möchte jeden Tag mit dir schlafen. Ich würde dich am liebsten immer neben mir spüren."

Draco atmete zitternd aus und Harry ließ eine Hand an seinem Oberkörper hinabwandern. „Ich liebe alles was du mit mir machst, Draco."

„Harry…"

„Ja?"

„Könntest du bitte…" Draco brach mit einem kleinen Stöhnen ab, aber Harry brauchte keine weiteren Bitten.

Begierig rutschte er nach unten, Dracos Oberkörper entlang küssend und dann war es an ihm, Dracos Schaft in den Mund zu nehmen. Er hatte noch nicht besonders viel Übung und musste sich darauf konzentrieren, seine Zähne mit den Lippen zu bedecken, während er auf und ab glitt, aber an Dracos Aufstöhnen und der Art, wie seine Hüften sich bewegten merkte er, dass es ihm gefiel. Als Draco seine Hände in Harrys Haar vergrub und versuchte ihn nach oben zu ziehen, begriff er zunächst nicht.

„Harry, ich … ich komme", keuchte Draco und Harry beeilte sich, ihn tiefer zu nehmen. Es war noch immer ungewohnt, Draco zu schmecken, aber er mochte es und es machte ihn unheimlich stolz, dass er dafür verantwortlich war, Draco diese Gefühle zu schenken.

„Ich weiß", flüsterte Draco, als er wieder etwas zu Atem gekommen war. Harry lag bereits wieder neben ihm und streichelte seinen Hals, seine Schultern, fuhr mit dem Finger an seinem Schlüsselbein entlang.

„Was weißt du?"

„Ich habe auch nicht wirklich lange gebraucht."

Harry lächelte. „Nicht wirklich lange? Du bist fast sofort gekommen." Er küsste Dracos Halsbeuge. „Und ich fand es wundervoll."

„Harry?"

„Ja?" Harry hob den Kopf, weil Draco plötzlich so ernst klang, beinahe als habe er Angst vor etwas und sofort kehrten seine Sorgen zurück. „Was ist?"

„Ich glaube ich habe mich in dich verliebt."

Harry schloss die Augen und genoss die wunderbaren Gefühle, die plötzlich durch ihn hindurch strömten, wie warmer Honig.

„Ich glaube manchmal ich habe mich in dich verliebt, als ich dich das erste Mal gesehen habe", flüsterte er. „Und jetzt … jetzt liebe ich dich."

Am nächsten Abend im Gemeinschaftsraum war Harry froh, dass er den kleinen silbernen Drachen hatte, der ihm Gesellschaft leistete. Er hatte sich in seiner Hand zusammengerollt und rieb manchmal mit seiner winzigen Nase an Harrys Fingern. Nicht, dass es schlecht war, wieder im Gryffindor Gemeinschaftsraum zu sein. Er genoss es, Ron wieder in seiner Nähe zu haben und Deans und Seamus' kleinen Streitereien zuzuhören. Er lag auch gerne wieder in seinem vertrauten Bett. Es kam ihm nur so unglaublich leer und kalt vor, nachdem er jede Nacht dicht an Draco gedrückt geschlafen hatte. Außerdem wusste er jetzt schon, dass es ihm schwerfallen würde, einzuschlafen, weil er nicht wusste, wie er sich Morgen verhalten sollte. Gab es noch einen wirklichen Grund ihre Beziehung geheim zu halten? Oder würde sich tatsächlich herausstellen, dass Draco niemals öffentlich zu ihm stehen würde, ganz egal was geschah?

Das war es, wovor er tatsächlich Angst hatte, so sehr, dass es ihm die Kehle zusammenschnürte. Was wenn Draco ihn Morgen einfach nicht beachten würde, wenn ihre Beziehung weiterhin aus gestohlenen Momenten und heimlichen Zeichen bestand? Er fürchtete sich davor und noch mehr fürchtete er sich vor der Entscheidung, die er dann würde treffen müssen. Denn so sehr er Draco tatsächlich liebte, so sehr wusste er auch, dass ihm das nicht für ein Leben reichen würde.

„Vielleicht braucht er einfach noch mehr Zeit", sagte er sich, als er schließlich den Vorhang seines Bettes zuzog, seine Brille abnahm und den kleinen Drachen vorsichtig auf dem Nachttisch ablegte, wo er sich zusammenrollte. Er strich ihm noch einmal über die feinen Silberschuppen. „Remus hat so lange auf Sirius gewartet. Eine Weile Zeit kann ich ihm noch geben."

Davon, dass zwischen Remus und Sirius wieder alles in Ordnung war, hatte er sich heute überzeugen können, als er bei ihnen zum Tee gewesen war. Auch Cai erholte sich langsam. Er war nicht auf der Krankenstation gewesen, sondern Remus hatte ihn in seinen Räumen gepflegt, weil er sich dort sicherer fühlte. Zusammen mit Sirius waren sie mittlerweile wieder wie eine kleine Familie.

Der Gedanke an Sirius und wie gut es ihm jetzt wieder ging, beruhigte ihn etwas, so dass er schneller einschlief als gedacht,

Auf dem Weg zur großen Halle am nächsten Morgen schlug sein Herz trotzdem wieder bis zum Hals. Die erste Begegnung mit Draco, nachdem sie auf der Krankenstation auseinandergegangen waren. Sie hatten sich mit einem Kuss verabschiedet. Wie würde ihr Wiedersehen sein?

Wie immer wanderten seine Augen zum Slytherin Tisch, als würden sie magnetisch angezogen. Dort waren Pansy und Blaise, aber Draco fehlte. Sofort begann er, sich Sorgen zu machen und seine Brust zog sich schmerzhaft zusammen. Aber wenn irgendetwas mit Draco nicht in Ordnung wäre, würde zumindest Blaise nicht seelenruhig am Frühstückstisch sitzen, oder?

Er ließ sich neben Ron auf die Bank des Gryffindor Tisches sinken, die Augen so fest auf den Slytherin Tisch gerichtet, dass er erst merkte, dass etwas nicht stimmte, als alle Gespräche um ihn herum verstummten. Eine Hand legte sich von hinten auf seine Schulter und er sah sich um.

Draco wirkte selbstbewusst und beherrscht wie immer und nur Harry, der ihn sehr gut kannte bemerkte das Flackern von Unsicherheit in seinem Blick. „Ist hier noch ein Platz frei?" fragte er.

Harry war für einen Augenblick sprachlos und Hermione reagierte, bevor er es konnte.

„Natürlich", sie rutschte ein Stück zur Seite. „Setz dich, Draco."

Draco glitt auf den freien Platz. „Hast du gut geschlafen?" fragte er Harry. „Alles in Ordnung?"

„Ja -ja", war alles, was Harry zunächst hervorbrachte. Inzwischen hatte in der gesamten großen Halle ein Tuscheln eingesetzt und die anderen Gryffindor starrten Draco a,n als sei er mindestens ein Einhorn, das aus dem Verbotenen Wald gekommen war um am Gryffindor Tisch einen Croissant zu essen. Wobei es die meisten wohl deutlich weniger überrascht hätte, wenn tatsächlich ein Einhorn in ihrer Mitte Platz genommen hätte.

Draco griff sich nonchalant einen Krug mit Milch und goss sich etwas davon ein. „Wir haben in der ersten Stunde Verteidigung gegen die dunklen Künste bei Professor Lupin. Ich dachte wir könnten zusammen trainieren."

„Natürlich." Harry fand endlich seine Fassung wieder und hielt Draco den Teller mit Toast hin. „Sehr gerne. Erdnussbutter?"

„Honig bitte."

Hermione beeilte sich, ihm das Glas zu reichen und bemühte sich dann, Seamus und Dean in ein Gespräch zu verwickeln, was ihr allerdings nicht wirklich gelang. Die beiden waren zu fasziniert von Dracos Anwesenheit an ihrem Tisch. Immerhin sagte keiner von ihnen etwas feindliches Draco gegenüber, wofür Harry sehr dankbar war, auch wenn er Lavenders und Parvatis hysterisches Flüstern fast genauso schlimm fand. Draco ließ sich davon jedoch nicht verunsichern und aß gelassen seinen Toast.

Bevor sie das Frühstück beendet hatten, tastete Harry unter dem Tisch nach Dracos Hand und drückte sie kurz. „Danke", flüsterte er und war erstaunt, dass Draco seine Hand nicht losließ.

Er verschränkte ihre Finger miteinander und so blieben sie auch, als sie gemeinsam zum Unterrichtsraum liefen.

Harrys Knie zitterten ein wenig, aber er hatte sich auch noch nie in seinem Leben so glücklich gefühlt.

######

Nachwort

Wow, nach beinahe 15 Jahren habe ich es also geschafft, diese Geschichte endlich zu einem Abschluss zu bringen. Ich bin total froh! In der ganzen Zeit habe ich immer wieder darüber nachgedacht und mich geärgert, dass ich so kurz vorm Ende abgebrochen habe. Allerdings wird es auch etwas seltsam zu sein nicht mehr im Hinterkopf zu haben, dass ich diese Geschichte noch irgendwann vollenden muss. Darum habe ich mir überlegt, demnächst einen Epilog und zur Weihnachtszeit ein Weihnachtsspecial zu schreiben, das in der gleichen Welt spiel wie „Herz der Dunkelheit" und „Auge der Angst".

Ich wäre total dankbar, wenn ihr mir einen kleinen Kommentar hinterlasst, wenn ihr diese Geschichten gelesen habt. Muss nix großes sein, aber ich werde mich auch in vielen Jahren noch freuen zu hören, wenn jemand diese Geschichte liest.

Vielen Dank an alle, die bis jetzt durchgehalten haben!