Hallo, Ihr Lieben!

Heute ist es nun soweit – das letzte Kapitel geht online! Hört Ihr mein Herz rasen? Ich frage mich, ob ich alle offenen Fragen halbwegs zu Eurer Zufriedenheit beantwortet habe. Ob der Fall Gillian hiermit abgerundet wird – ob alles stimmig ist oder sich abgrundtiefe Logiklöcher auftun…

Ansonsten kann ich nur sagen: Dieses Kapitel fordert noch einmal alles von den Jungs und Bobby – wirklich alles. Bitte macht Euch auf heftiges gefasst... und ich hoffe, dass Ihr mir verzeihen könnt, was ich den dreien heute antue…

Übrigens habe ich erfahren, dass der Link zu Selinas genialem Cover zu dieser Story verstümmelt wurde... danke für den Hinweis, Lykaia!
Da das Cover aber gerade dieses Kapitel inspiriert hat, versuche ich es heute nochmal:

h t t p : / / s591. photobucket .com/albums/ss360/SelinaSN/SN%20Wallpapers%20for%20other%20Fanfictions/?action=view¤t=Vertraustdumir_&newest=1

Nehmt bitte alle Leerzeichen, die ich hier eingefügt habe heraus - ich muss diesen "Trick" verwenden, damit die Adresse vollständig angezeigt wird! Echt doof - aber so sollte es klappen ;-) Wenn nicht, meldet Euch!

Ich wünsche Euch nun spannende Unterhaltung!

Eure Ann

Vertraust Du mir? – Teil 35 –

Zunächst konnte Dean lediglich eine dunkle, schlanke Gestalt mit langen, lockigen Haaren ausmachen. Ein feuriges Licht schien sie zu umspielen, das seinen Blick fesselte und ganz allmählich immer mehr Einzelheiten preis gab.

Nur am Rande nahm er wahr, dass das Pentagramm, in dessen Zentrum sie stand, glühte wie geschmolzenes Metall. Ob dies ein gutes oder schlechtes Zeichen war – dafür hatte Dean in diesem Augenblick jedoch keinen Gedanken übrig. Er war ausschließlich auf sie fokussiert.

Sie breitete die Arme aus, als wolle sie segnen oder ihn willkommen heißen, und das Herz des älteren Winchesters hämmerte heftig in seiner Brust – jedoch nicht länger vor Furcht oder Anspannung, sondern vielmehr vor Verlangen…

Er wollte in diesem einen Moment nichts anderes als zu ihr treten und sie berühren.

„Gillian!" murmelte er wie in Trance. Da regte sich Sam in seinen Armen und lenkte seine Aufmerksamkeit für eine Sekunde ab – genügend Zeit für die Flammen, auch endlich ihr Gesicht zu beleuchten.

Das Gesicht eines Engels…

…verzerrt zu der hasserfüllten Fratze eines Teufels.

Dean wich instinktiv zurück vor dieser unverhohlenen Feindseligkeit – und übersah, dass Sams linker Fuß noch innerhalb des Salzkreises gelegen hatte. Den er durch diesen einen Schritt mit sich zog und dadurch den bis eben noch intakten Ring zerstörte…

Gillian stieß einen Triumphschrei aus und stürzte ohne jede Anstrengung über das weißglühende Pentagramm hinweg durch die Salzlücke auf die Brüder zu.

Dean schob Sam heftig von sich und sprang gleichzeitig nach der am Boden liegenden Schrotflinte, doch der Geist der Hexe flog an ihm vorüber zu der Stahltür – um heftig daran abzuprallen. Verstört drehte sie sich um sich selbst, als suche sie nach etwas, als ihr Blick dem des älteren Winchesters begegnete.

Der Hass war daraus verschwunden, und ihr Gesicht zeigte nichts als Verwirrung und leise Furcht, als sie fragte: „Wo ist der Rufer? Wieso kann ich nicht zu ihm?" Ihre Stimme hatte einen betörenden Klang, und ihre Augen fesselten Deans Blick, so dass er all seinen Verstand zusammennehmen musste, um nicht zur Tür zu gehen und Bobby zu bitten, sie für Gillian zu öffnen. Stattdessen fragte er zu seiner eigenen Verwunderung lediglich: „Weshalb konntest du aus dem Pentagramm entkommen?"

Sie lächelte ein feinsinniges Lächeln, das ihre Züge weich und weise erscheinen ließ und erwiderte: „Wie könnte das, was einst von Hexen erdacht, mir schaden? Es gibt mir Kraft, Dean – Kraft, um dich und die deinen auf ewig zu schützen…Öffne das Tor, und mein Rufer wird dir zu Willen sein!" Ihre Stimme klang sanft und betörend, ihr Anblick war atemberaubend - und der junge Jäger nicht mehr sicher, weshalb er sie noch vor wenigen Augenblicken hatte vernichten wollen…

Sam, der zwei Meter neben ihm entfernt an der linken Containerwand zu Boden gegangen war, rührte sich leise stöhnend und kämpfte sich auf die Knie. Wieder wurde Dean abgelenkt, und kaum hatte er den Blickkontakt zu Gillian gelöst, durchströmte ihn eine gesunde Portion Besorgnis um sich und seinen Bruder, der sich langsam aufrichtete und die Hexe furchtlos ansah.

Keiner der beiden Winchesters bemerkte, dass der Jüngere durch seinen Sturz gegen die Wand die äußere Salzlinie durchbrochen hatte.

„Lass Dean in Ruhe!" knurrte Sam mit eiserner Entschlossenheit, während er taumelnd versuchte, auf die Beine zu kommen, wobei er sie nicht aus den Augen ließ.

„Sammy!" – „Du!"

Nahezu zeitgleich erschollen diese beiden Rufe, der eine voller Besorgnis, der zweite urplötzlich wieder hasserfüllt, doch Sam ließ sich von keinem der beiden beeindrucken, sondern kommandierte: „Verdammt noch mal – schieß!"

Und endlich erinnerte sich Dean wieder an das Gewehr in seinen Händen. Er riss es blitzschnell empor, zielte kaum und schoss – doch Gillian war schneller. Voller Wut prallte sie gegen die Wände ihres Gefängnisses, um sich mit Gewalt zu befreien, so dass der Container erneut heftig erbebte.

Ihre Angriffe hinterließen riesige Dellen in dem zentimeterdicken Stahl.

Dean hörte Bobby draußen rufen, doch er konnte ihn nicht verstehen. Erneut schoss er und traf dieses Mal nur knapp daneben. Blitzschnell, wie es ihn jahrelanges Training gelehrt hatte, holte er neue Munition aus der Jackentasche und lud mit fliegenden Fingern nach.

Doch dieser zweite Schuss hatte genügt, um Gillians Wut ins unermessliche zu steigern. Sie ahnte, dass ihr Ende bevorstand und fixierte nun in ihrer Raserei Sam, der zwar immer noch etwas unsicher auf den Beinen war, ihrem Blick jedoch unbeirrbar standhielt. Sein einziger Gedanke war, sie von Dean abzulenken.

Da sie schrie mit einer Stimme, die so gewaltig wie ein tosendes Feuer erklang: „Du hast mich betrogen – du hast mich in diesen Raum gebracht, um mich von meinem Rufer fern zu halten! Ich vergehe, Samuel Winchester – doch nicht ohne dich!"

Und gleichzeitig stürzte sie sich wie eine Furie auf den schwankend dastehenden jungen Jäger, um ihm mit ausgefahrenen Fingern das Gesicht zu zerkratzen. Ihre Offensive ließ ihn erneut taumeln, und Blut rann über sein Gesicht – doch bevor sie ihn ein zweites Mal attackieren konnte, hatte Dean reagiert.

Ohne zu zögern warf er sich über seinen Bruder und riss ihn mit sich zu Boden, um ihn dort mit seinem Körper vor Gillians Angriff zu schützen.

Sam wehrte sich gegen den Griff, der ihn eisern nach unten drückte, und Dean flehte: „Ruhig, Sammy!" während er mit der anderen Hand versuchte, seinen bloß liegenden Nacken vor der nächsten Attacke zu schützen, als er spürte, wie ihm die messerscharfen Nägel der Hexe brutal die rechte Seite aufschlitzten und er schmerzvoll aufstöhnte.

Als Gillian merkte, dass sie nicht länger an Sam heran kommen konnte, schrie sie in ihrer alles verzehrenden Wut: „Ich vernichte euch beide!"

Trotz seiner Worte spürte Dean, wie Sam schwer atmend versuchte, sich unter ihm hervor zu arbeiten – warum war sein kleiner Bruder nur so verdammt stur? - was ihn nur dazu veranlasste, den Jüngeren noch fester zu Boden zu pressen und seinen Körper enger um ihn zu schließen. Gillian konnte doch nur noch Sekunden zu existieren haben – höchstens eine Minute! – und in dieser Zeit würde sie seinem Bruder nichts anhaben!

„Halt still!" fuhr er Sam noch einmal an – als er bemerkte, dass sich die Lichtverhältnisse in dem Container veränderten. Er wagte, kurz den Kopf zu heben – als er die Maglite, die eben noch bedrohlich schwankend an der Decke gehangen hatte, von Gillian geschleudert auf sich zurasen sah. Und bevor er sich wegducken konnte, landete sie mit voller Wucht an seiner Schläfe.

„Dean!" hörte er seinen Bruder entsetzt aufschreien – und sein letzter, fast zufriedener Gedanke war: ‚Wenn er noch so brüllen kann, geht es ihm gut…'

Eine allumfassende Dunkelheit verschlang ihn…

…eine schwarze, bodenlose Ewigkeit, die seiner Existenz ein Ende setzte…

Sam war von der Geschwindigkeit der Ereignisse nahezu überrollt worden, nachdem Gillian ihm die ersten Wunden zugefügt hatte. Deans Sprung hatte ihn völlig überraschend von den Beinen gerissen, und anschließend hatte er nicht die geringste Chance, sich gegen die zum Äußersten entschlossene Stärke seines Bruders durchzusetzen. Und so musste er hilflos vor Wut miterleben, wie Gillian nun Dean statt seiner attackierte – bis er spürte, dass der Körper des Älteren, der bereit war, ihn mit seinem Leben zu verteidigen, todesgleich über ihm zusammenbrach. Er fühlte, wie ihm ein Schwall Blut über das Gesicht lief – doch es war nicht sein eigenes…

„Nein!" schrie er – und die Unmöglichkeit dessen, was soeben geschehen war, ließ ihn Kräfte mobilisieren, von denen weder er noch Gillian je etwas geahnt hatten. Nahezu blind vor Entsetzen und Zorn stemmte er den leblosen Körper seines Bruders von sich, griff nach der nur einen halben Meter entfernt liegenden Schrotflinte und suchte Gillian mit den Augen…

…sie schwebte etwas über dem Boden, etwa zwei Meter von Sam entfernt, und es war, als verlöre sie an Substanz. Der Flammenkranz um sie herum flackerte schwach und unstet – doch ihr Blick hatte nichts von dem lodernden Hass verloren. Vielmehr gesellte sich eine bösartige Zufriedenheit hinzu, als sie in höhnischem Tonfall erklärte: „Ich werde nun nicht länger sein – doch der, der dir das Liebste auf dieser Welt ist – ihn habe ich auf immer vernichtet!" Damit raste sie zu einem letzten Angriff bereit auf ihn zu.

Sam erschauerte – und schoss.

Die Steinsalzladung traf sie nur einen halben Meter vor ihm mit voller Wucht und ließ ihren durchscheinenden Körper in alle Himmelsrichtungen zerstieben.

-s-s-s-s-

Es war vorbei.

Gillian vernichtet.

Doch um welchen Preis?

Langsam, wie in Zeitlupe, drehte Sam sich um und wagte zunächst nicht, den Blick seinem Bruder zuzuwenden, als würde die schreckliche Wahrheit erst dann zur Realität, wenn ihm seine Augen bestätigten, was sein Herz ihm in schmerzhaftem Rasen bereits zuhämmerte.

Das heftige Pochen an der Tür und Bobbys laute Rufe ignorierend sah er schließlich doch den zerschlagenen Körper vor sich an. Die blonden, kurzen Haare waren blutverklebt, die rechte Seite, die schützend über ihm gelegen hatte, mehrere dutzend Zentimeter lang von vier messerscharfem Krallen brutal aufgeschlitzt, und die Augen – Deans wundervoll smaragdgrüne Augen, die manchmal voller Schalk blitzend, mal vor Wut dunkel und immer wieder voll Wärme leuchtend auf ihm geruht hatten – für immer geschlossen.

Für immer

Sam fiel neben dem Leichnam seines Bruders auf die Knie, und ein Schluchzen, das tief aus seiner Brust hervor drang, schüttelte ihn wie ein Wolf seine Beute.

Er bekam nur am Rande mit, wie sich die Flügeltüren des Containers öffneten und neben frischer Luft und zaghaften Sonnenstrahlen auch Bobby hereinließen.

Der Anblick, der sich dem alten Jäger bot, erschütterte ihn bis ins Mark. „Nein!" stöhnte er rau und war mit drei schnellen Schritten neben Sam. Mit einem Schlag um Jahre gealtert ließ er sich schwerfällig auf die Knie sinken und ignorierte die bösartigen Wunden, als er den viel zu jungen, leblosen Körper vor sich behutsam über die unverletzte linke Seite auf den Rücken drehte.

Ein leises Stöhnen antwortete ihm.

Und Sam und Bobby erstarrten…

„Dean?" wagte der Jüngere schließlich voller Angst und gleichzeitig unbändiger Hoffnung zu flüstern. Er rutschte näher an den geschundenen Körper heran, legte seine Hände sanft um das vertraute, nun blutüberströmte Gesicht – und blickte geradewegs in die vorsichtig sich öffnenden smaragdgrünen Augen, von denen er noch vor wenigen Sekunden gedacht hatte, sie nie wieder auf sich ruhen zu spüren.

„Dean!" Ein Auflachen und Schluchzen zugleich, und der Jüngere zog seinen Bruder in seine Arme, so dass dieser leise aufstöhnte, es aber ansonsten geduldig über sich ergehen ließ.

Der ältere Winchester war kein Freund von überschwänglicher Herzlichkeit, doch in diesem Augenblick war er einfach nur froh zu leben, zu atmen – und den warmen, lebendigen Körper seines jüngeren Bruders zu spüren, dessen Herz heftig gegen die Rippen unter seinem Ohr schlug.

Er unterdrückte den Schmerzenslaut, der ihm über die Lippen zu kommen drohte, als er eine Hand hob, um Sams Gesicht über sich zu berühren und heiser zu fragen: „Bist du okay? Ist sie weg?"

Sam nickte unter Tränen lächelnd, als Deans Hand kraftlos wieder herabsank und er sich erneut der fast wohltuenden Ohnmacht überließ, die diese verdammten Schmerzen mit sich nahm.

-s-s-s-s-

Die Schwärze und das damit verbundene Nicht-Existieren lösten sich nur ganz allmählich auf. Nach und nach sah Dean Bilder vor seinem inneren Auge – ein kleiner, braunhaariger Junge, der ihm eine Packung Corn-Flakes hinhielt, ein Mann mit Bart und vertrauten, braunen Augen, die ebenso liebevoll wie streng blicken konnten. Landschaften, die wie aus einem fahrenden Auto betrachtet an ihm vorbeiflogen, ein alter Schrottplatz und ein anderer bärtiger Mann mit einer Baseballmütze, der mit aufmunternden Worten versuchte, ihm etwas einzuflößen.

Dean verschluckte sich und hustete heftig – dann dämmerte er weiter vor sich hin.

In der ersten Zeit nach der absoluten Dunkelheit – waren es Tage, waren es Wochen – oder vielleicht doch nur Stunden? – vermisste er etwas. Sein Verstand konnte ihm nicht sagen, worum es sich dabei handelte…Oder um wen…

Doch nach einer Weile spürte er etwas. Eine Präsenz.

Jemanden, für den sich die Anstrengung lohnte, höher aus der Dämmerung heraufzusteigen und so zu riskieren, dass die dumpfen Schmerzen in der linken Seite, die ein ständiger Begleiter seines Daseins geworden waren, zu einem heftigen Brennen aufloderten.

Der Lohn für diese Mühe war der Klang einer Stimme. Leise und wohltuend, auch wenn er die Worte nicht verstand.

Und wieder versuchte jemand, ihm etwas einzuflößen. Doch dieses Mal war er darauf vorbereitet – er schluckte angestrengt, und der Husten blieb aus. Stattdessen nahm er zum ersten Mal seit langem wieder mehr von seinem Körper wahr als nur den brennenden Schmerz – er fühlte eine Hand in seinem Nacken, die ihn stützte, kühles Wasser an seinen Lippen, das er mit gierigen Schlucken seinen völlig ausgetrockneten Hals hinunter laufen ließ.

Und dann verstand er endlich, was diese Stimme zu ihm sagte: „Langsam, Dean - langsam. Nicht zu viel!"

Er konzentrierte sich ausschließlich darauf, die Augen zu öffnen – er wollte sicher stellen, dass der Mensch, dessen Bild er beim Klang dieser Stimme vor sich sah, tatsächlich bei ihm war – wohlauf und unversehrt. Er war sich nicht sicher, warum – doch er wusste ohne jeden Zweifel, dass die Antwort auf diese Frage unendlich wichtig für ihn war.

Und so zwang er seine Lider auseinander – nur ein paar Millimeter – und blickte direkt in die braungrünen Augen eines jungen Mannes, der ihn voller Sorge musterte.

„Sammy?" flüsterte er heiser – und die Sorge wandelte sich augenblicklich in ein Strahlen, das ihm das Gefühl gab, die Sonne sei direkt ins Zimmer getreten.

Die Hand an seinem Nacken fasste unwillkürlich fester zu, als sein kleiner Bruder mit vor Freude zitternder Stimme erwiderte: „Verdammt, Dean – du hast dir wirklich eine Menge Zeit gelassen!"

Konzentriert versuchte der Ältere, seine Gedanken zu ordnen – und als hätte das Wasser sein Erinnerungsvermögen aufgefrischt, sah er eine lange Kette von Bildern: Der Container, Sam innerhalb des Salzkreises, Gillian in all ihrer Schönheit – und ihr unendlicher Hass, sein Bruder mit blutigen Kratzern im Gesicht und schließlich der fast tödliche Schlag mit der Taschenlampe.

Mit aller Kraft öffnete er die Augen ganz und sah Sam prüfend an. Die vier Kratzspuren auf seiner linken Wange waren so deutlich zu sehen, als hätte der Kampf erst gestern stattgefunden. Er versuchte, die Hand zu heben, um sie zu berühren, doch sein Arm hob sich nur wenige Zentimeter von der Decke, unter der er lag. Sam stoppte die Bewegung, indem er sanft seine Rechte auf Deans Unterarm legte und leise bat: „Bleib einfach nur still liegen, okay? Du hast eine schwere Gehirnerschütterung, und die Wunden an deiner Seite haben sich entzündet. Bobby hat dir ein Antibiotikum verabreicht – aber vor allen Dingen brauchst du Ruhe!"

„Bist du okay?" Zu seiner Zufriedenheit gehorchte seine Stimme ihm besser als beim ersten Versuch.

Ein Lächeln, das mit Schuld gepaart war, huschte über Sams Gesicht, als er erwiderte: „Alles bestens. Mach die Augen wieder zu."

Dean wusste nicht, ob er dem Jüngeren glauben konnte – aber es spielte keine Rolle – die Dunkelheit hatte ihn erneut eingeholt.

-s-s-s-s-

Als er das nächste Mal erwachte, vollzog sich der Übergang aus der Bewusstlosigkeit wesentlich schneller. Er registrierte, dass die Verwundung an der Seite nur noch in einem erträglichen Maß schmerzte und er sofort die Augen öffnen konnte. Ein leichter Schwindel erfasste ihn, dessen er jedoch schnell Herr wurde.

Ohne den Kopf zu heben blickte er sich um.

Er lag auf dem Rücken in seinem Bett in Bobbys Haus, und die Sonne schien durch das Fenster in den Raum, was darauf hindeutete, dass es früh am Abend sein musste. Eine leichte Decke war sorgfältig bis zu seiner Brust hinaufgezogen, die bis auf einen festen, breiten Verband nackt zu sein schien. Behutsam drehte er den Kopf nach der rechten Seite und erkannte neben sich Sams Bett.

Es war leer.

Doch bevor er weiter forschen konnte, erklang ein Stück von ihm entfernt eine ruhige Stimme: „Hallo, mein Junge! Schön, dass du wieder unter den Lebenden weilst!"

Langsam erhob sich Dean auf die Ellbogen, wobei er merkte, dass der Schwindel tatsächlich beherrschbar war – und erblickte Bobby, der auf dem alten Sessel am Fußende seines Bettes saß. Ihm zuliebe brachte Dean ein Grinsen zustande.

Er schob sich noch etwas weiter nach oben und lehnte sich zufrieden mit dem Rücken gegen das Kopfende des Bettes.

„Wie lange war ich weg?" fragte er den alten Freund und sah sich gleichzeitig suchend um. Der alte Jäger verstand den Blick und erklärte mit einem leisen Lächeln: „Sam geht es gut. Er ist unten und ruht sich ein wenig aus." Dean erwiderte nichts, doch an seinem Gesichtsausdruck erkannte der alte Jäger, dass das die Antwort war, die der Jüngere hatte hören wollen.

„Hast du Durst?" fragte Bobby, wartete jedoch keine Erwiderung ab, sondern stand auf und hielt dem Jüngeren ein Glas mit Wasser hin, das Dean mit leicht zitternden Fingern entgegennahm und gierig austrank. Wasser wurde eindeutig unterschätzt - es schmeckte besser als ein gekühltes Bier an einem heißen Sommertag.

Als Dean ihn erneut fragte: „Wie lange?", erwiderte Bobby: „Zweieinhalb Tage", und der Jüngere pfiff leise durch die Zähne. In dem Moment hörte man auf der Treppe ein Poltern. Der alte Jäger schmunzelte und erwiderte auf Deans fragenden Blick nur: „Babyphon!"

Bereits einen Moment später wurde die Tür aufgerissen, und Dean blickte geradewegs in das gespannte Gesicht seines jüngeren Bruders, das sich bei seinem Anblick zu Sams typischem ansteckenden Grinsen verzog.

„Du bist wach!" erklärte der Jüngere zu allem Überfluss, und Dean erwiderte nur: „Bei diesem Krach kann ja schließlich kein normaler Mensch schlafen!"

Die Spuren von Gillians Angriff standen nach wie vor unverkennbar in Sams Gesicht – doch er lebte und schien gesund und munter.

Beide sahen sich einfach nur an und konnten nicht fassen, dass sie so glimpflich davon gekommen waren - und lediglich die Wärme in ihren Augen verriet ihre wahren Gefühle, bevor Dean bewusst bärbeißig brummte: „Gibt es hier eigentlich auch etwas zu Essen – oder lasst ihr mich verhungern?"

Bobby schüttelte lachend den Kopf. Diese Jungs waren echte Winchesters – und so war die Zeit der innigen Worte und Gesten zugleich mit der akuten Gefahr vorüber.

„Was willst du denn haben?" fragte Sam gutmütig, und der ältere antwortete wie aus der Pistole geschossen: „Cheeseburger mit Bacon. Und eine schöne, kühle Cola."

„Ob das eine so gute Idee ist?" meinte Bobby mit zusammengezogenen Augenbrauen. „Wie wäre es stattdessen mit der guten, alten Hühnerbrühe?"

Dean verkniff sich aus Respekt vor dem alten Freund jeglichen Kommentar, sondern schaute stattdessen mit einem flehenden Blick seinen kleinen Bruder an, der lachend entschied: „Also gut – Cheeseburger!"

Damit trat er an den Nachtschrank seines Bruders, nahm sich die dort liegenden Wagenschlüssel und fragte Bobby im Hinausgehen: „Für dich auch?"

Der Alte überlegte kurz, ob er wegen der verschmähten Suppe schmollen sollte – doch er fühlte sich einfach zu gut dafür, so dass er mit einem Grinsen nickte.

„Pass ja auf mein Baby auf!" schrie Dean dem Jüngeren noch hinterher und hielt sich anschließend mit einem unwilligen Stöhnen den Kopf, der die Anstrengung mit heftigem Hämmern quittiert hatte.

„Du bist noch lange nicht fit, mein Sohn!" klärte Bobby ihn mit strenger Miene auf und seufzte. Er wusste, was für ein unleidlicher Patient Dean war, wenn er erst einmal das Schlimmste überstanden hatte. Der Jüngere tat zerknirscht, nahm sich aber gleichzeitig fest vor, nicht länger als absolut notwendig in diesem verdammten Bett zu bleiben. Ihm tat jetzt schon der Hintern weh…

Eine halbe Stunde später saßen alle drei Männer im Schlafzimmer beisammen und verzehrten genüsslich schweigend ihre Burger, bis Dean sich mit einem zufriedenen Seufzer in die Kissen zurückfallen ließ.

„Ich hätte bestimmt noch einen zweiten geschafft!" erklärte er harmlos, doch Sam erwiderte nur trocken: „Damit es dir heute Nacht so ergeht wie mir vor drei Nächten? Nein, danke! – Übrigens – was hast du mir da unters Essen gemischt?" fügte er beiläufig hinzu und nahm den letzten Bissen.

Dean sah schuldbewusst aus, doch es war Bobby, der antwortete: „Ein Brechmittel – und es war meine Idee."

„Na – vielen Dank, es hat hervorragend gewirkt!" meinte Sam mit leisem Sarkasmus.

„Ohne das hätte die Hexe dich umgebracht…" erwiderte Bobby ernst.

„Ich weiß." entgegnete Sam ruhig – und nach einer kurzen Pause fuhr er fort: „Ist sie tatsächlich vernichtet, Bobby? Ich habe nur mit Steinsalz auf sie geschossen – das tötet keine Geister, verjagt sie nur für eine Weile…"

Bobby ließ seinen Burger sinken, blickte von Sam zu Dean, der ihn ebenso angespannt ansah wie sein Bruder und erwiderte dann voller Überzeugung: „Sie ist weg. Ich denke, sie war bereits vor deinem Schuss fast am Ende, und sie hatte keine Kraft mehr, um sich wieder zusammenzufügen."

„Ja – ihre Kräfte hat sie an Dean und dem Container ausgetobt!" erklärte Sam mit einem grimmigen Lächeln. Dean sah ihn fragend an. „Der Container?"

„Ja!" antwortete Bobby. „Du musst dir einmal anschauen, mit welcher Gewalt sie ihn bearbeitet hat. Einige Augenblicke lang dachte ich, sie nimmt ihn auseinander…"

„Die Salzlinie war zerstört – deshalb konnte sie überhaupt an die Außenwände gelangen." fügte Sam hinzu.

„Die Idee war aber gut – ein Raum ganz aus Eisen…" meinte Dean, und Bobby musterte ihn nachdenklich.

„Das stimmt…Nur müsste so ein Raum solider sein, widerstandsfähiger…Und das Salz so verarbeitet, dass es nicht verwischt werden kann…" er schwieg grübelnd.

„Ich habe noch eine Frage, Bobby." riss Dean ihn aus seinen Gedanken, und er blickte auf. „Warum hat sie in dem Container nicht versucht, einen unserer Körper zu übernehmen, nachdem sie aus dem Salzkreis ausgebrochen war? In dem ganzen Chaos hatten wir nämlich beide die Augen offen!"

„Ihr hattet was?" rief Bobby erzürnt aus und wolle anscheinend zu einer Standpauke ansetzen, als Sam ihn unterbrach, um die Frage seines Bruders zu beantworten: „Sie hatte keine Wahl, Dean – sie wurde gerufen. Und das bedeutet, sie kann nicht einfach irgendeinen anderen Körper besetzen."

Dean sah ihn skeptisch an. „Bist du dir sicher?"

Sam nickte.

„Und weshalb musste ich in der Hütte dann die Augen schließen?" wollte der Ältere mit zusammengezogenen Augenbrauen wissen.

Sam lächelte leise und erwiderte: „Damals wusste ich es noch nicht mit Bestimmtheit, und ich wollte kein Risiko eingehen – außerdem war es eine wunderbare Möglichkeit, dich dazu zu bringen, endlich mal auf meine Anweisungen zu hören!"

Dean sog scharf die Luft ein und funkelte seinen Bruder an. „Warte nur, bis Bobby mich aus diesem verdammten Bett lässt! Dann klären wir, wer hier nach wessen Pfeife tanzt!"

Das Lächeln weitete sich zu einem zufriedenen Grinsen, als Sam erwiderte: „Träum weiter, großer Bruder!"

-tbc-

Hallo, Ihr!

Damit ist die eigentliche Story am Ende angelangt, die Katze aus dem Sack und Gillian vernichtet. Natürlich brenne ich heute ganz, ganz besonders auf Eure Reviews… :-)! Vor allem: Wer von Euch hat geglaubt – wenn vielleicht auch nur für Sekunden – dass es Dean tatsächlich erwischt hat?

Ganz fertig sind wir übrigens noch nicht – es folgt noch ein Epilog-Kapitel, vielleicht noch dieses Wochenende.

Deshalb verabschiede ich mich noch nicht völlig, sondern sage einfach: Bis die Tage!

Eure Ann