Kapitel 35

Emma eilte die Stufen hinauf. Ihre Gedanken rasten in der selben Geschwindigkeit. Mit aller Macht versuchte sie diese zu sortieren. Versuchte herauszufinden, was sie tun sollte. Sie wollte zu Henry, um den Jungen in Sicherheit zu bringen und gleichzeitig wollte sie der Königin nachsetzen, um sie vor einer Dummheit zu bewahren. Doch so sehr sie sich auch den Kopf zerbrach, so wusste sie nicht, wie sie Cora aufhalten sollten. Noch während sie die Treppen verließ und einen Gang entlang rannte, konnte sie einen lauten Knall vernehmen. Ein Knistern lag in der Luft und trug aufgebrachte Stimmen durch die Burg.

Oh...da kann ich nicht dazwischen gehen...die bringen mich um und was wird dann aus Henry

Schoss es durch ihren Kopf, als sie den Kampf zwischen Regina und Cora nicht nur hören, sondern regelrecht spüren konnte. Das reichte, um eine Entscheidung zu treffen

Ich muss hier raus...ich muss zu Henry...und ich muss die anderen warnen

Die Retterin versuchte sich daran zu erinnern, wo der Ausgang war, doch als ihr dies nicht einfiel, lief sie blind drauflos. Der Gang gabelte sich, sie setzte nach Rechts, folgte dem neuen Gang und rannte um die Ecke. Kaum hatte sie diese passiert, lief sie direkt in jemanden hinein und wurde von der Wucht zurückgeworfen. Schmerzend landete sie auf ihrem Hintern.

„Was zum...Oh"

Staunen und Erleichterung spiegelten sich in dem Ausdruck ihres Gesichts.


Reginas Atmung ging hastig. Mit jedem Schritt, den sie tätigte, beschleunigte sich ihr Tempo. Durch ihre Venen floss unkontrolliert die Magie, welche so lange unterdrückt wurde. Sie konnte spüren, wie sich der Druck in ihrem Innern aufbaute und nur auf den Moment wartete, explodieren zu können.

Ihr Weg führte sie direkt zu den Gemächern ihrer Mutter. Vor der Tür stand der dürre Diener in seiner Gold-Schwarzen Gewandung und schaute sie verwundert an.

„Euer Majestät sollten doch...", machte er übertrieben nasal, doch Regina erhob ihre Hand, wischte durch die Luft und der schmächtige Mann flog durch den ganzen Gang.

„Ich soll gar nichts...aber ich kann...", grinste sie fast schon boshaft und öffnete die Tür mit einer erneuten Wischbewegung ihrer Hand.

„Wer wagt es?!", erklang Coras Stimme, als die Tür geräuschvoll aufflog. Sie sprang aus ihrem Stuhl und blickte mit geweiteten Augen auf ihre Tochter.

„Regina?!"

Überraschung schwang in ihrer Stimme mit, als sie realisierte, dass die Königin Magie wirkte. Jedoch im nächsten Moment hatte die Hexe sich wieder gefangen und versuchte die Kontrolle über diese Situation zu bekommen.

„Was hat das zu bedeuten?", fragte sie und machte Anstalten auf ihre Tochter zuzugehen. Die Schwarzhaarige blieb unverändert stehen. Gab ihrer Mutter nicht den Triumph, dass sie, wie ein verängstigtes Kind, zurückschreckte und antwortete.
„Was das zu bedeuten hat? Das es vorbei ist!"

Sie erhob ihre Hand. Flammen loderten auf ihrer Handfläche, verformten sich zu einer Kugel. Sie holte aus und warf den brennenden Ball direkt auf ihre Mutter. Dabei stieß sie aus.
„Es ist vorbei mit deinen Lügen"

Du hast Robin getötet...und Daniel...

Cora wich dem Angriff aus und ließ das Feuer in der Luft gefrieren, ehe es sie treffen konnte, doch das hinderte Regina nicht einen neuen Feuerball los zu lassen.

„Vorbei mit deiner falschen Fürsorge"

Ich habe Wert, ganz egal wie oft du mir versuchst Gegenteiliges einzureden

Die Hexe wehrte auch den nächsten Feuerball ab, bevor sie beide Hände in Richtung ihrer Tochter ausstreckte und sie zurück durch die Tür drängte.

„Du hast den Verstand verloren, Regina", kam es verächtlich über ihre perfekt geschminkten Lippen. Die Jüngere ächzte auf, als der Schlag, mit dem sie zurückgedrängt wurde, mitten in den Rippen traf. Die Königin rappelte sich wieder auf. Das Gesicht wutverzerrt, als sie wieder Flammen auf ihre Mutter jagte.

Und du nahmst mir mein Ungeborenes...ich lass nicht zu, dass du mir auch noch Henry nimmst

Cora trat einen Schritt zur Seite und ließ einen Schwall Wasser auf die Flammen nieder.

„Du wagst es allen Ernstes, dich gegen mich zu stellen?", ihre Stimme glich gestoßenem Eis, als sie einen neuerlichen, unsichtbaren Schlag gegen ihre Tochter vollführte und diese den Gang entlang geschubst wurde. Die Hexe schritt erhobenen Hauptes auf die Königin zu, folgte ihren Weg durch den Korridor, während sie mit der Zunge schnalzte.
„Du bist eine Enttäuschung", kam es über ihre Lippen.

„Nein! Du bist die Enttäuschung!", erwiderte die Schwarzhaarige und spukte ihr die Verachtung förmlich ins Gesicht. Ihr Körper schmerzte, das Atmen fiel ihr schwer, doch sie würde nicht aufhören. Sie würde ihre Mutter weiter provozieren. Würde ihr den letzten Nerv rauben, damit sie endlich die Ruhe verlor und die Chance bestand, dass das kontrollierte Kalkül zusammen brach und sie einen Fehler begann.


Robin und die Jungs starrten sich einen Moment fassungslos an, ehe die Vernunft sich in dem Geächteten zu Wort meldete. Er schenkte Eddy und Jeff einen strengen Blick und fragte.
„Was um Himmels Willen habt ihr hier zu suchen? Wer hatte diese hirnrissige Idee, euch hier hin mitzunehmen?"

Der Rothaarige wich seinem Blick aus, während der andere an seinen Fingern herumnestelte. Es verstrichen einige Sekunden, bevor beide angesprochenen Jungen auf Henry zeigten. Der Räuber seufzte und deutete ungewollte ein Grinsen an.

Der Sohn seiner Mutter

„Ich sollte überrascht sein...die Betonung liegt auf sollte", gab er geschlagen von sich und konnte im nächsten Augenblick eine Erschütterung spüren. Er schluckte schwer, als er begriff was dort oben von Statten ging.

Gin

Henrys Kopf schnellte in allen Richtungen, als er das Beben spürte. Mit fragendem Blick wandte er sich an Robin.

„Was war das?"

„Das? Das war nicht gut...das war ganz und gar nicht gut", gab er ehrlich zu und wollte schon los eilen, um Regina nicht nur zu finden sondern auch aufzuhalten.

Seine Zeit in der Schockstarre hatte ihm jede Handlungsmöglichkeit genommen. Hatte ihn in ein Gefängnis gesperrt, in dem er stumm zum Miterleben verdonnert wurde. Hilflos hatte er mit anhören müssen, wie die Hexe Regina das Gift ihrer Lügen in den Verstand geträufelt hatte. Hatte in seiner intakten Seele mitfühlen können, wie die der Königin zerbrach. Die Wut über diese Hilflosigkeit wurde durch die Anwesenheit des Dunklen noch weiter genährt. Er war dazu verflucht seinen Worten zu lauschen, war dazu verdammt zu verstehen. Und was er zu verstehen begann, ließ Panik in seinem Blick auflodern.

Verdammt...dieses Mal erschlage ich ihn...dieses Mal ist er fällig

Vor Robins innerem Auge manifestierte sich Reginas Bild. Er sah ihre Verzweiflung und die Schuld, die sie empfand, als sie ihn für tot glaubte. Erneut hörte er das Anstacheln des Dunklen in seinen Gedanken und bevor er noch weitere Zeit verlieren konnte, packte er Henry am Arm und zog ihn mit sich auf den Gang.
„Wir müssen los...kommt", erklärte er, was die Jungs sofort in Bewegung setzte. Zusammen liefen die vier durch den Gang und eilten zur Treppe, um diesem Verlies endlich zu entfliehen.


Rumpelstilzchen hatte sich in Coras Gemach gehext und war nicht im geringsten überrascht, dass es leer war. Von draußen konnte er die Auseinandersetzung von Mutter und Tochter hören, was ihm ein helles Kichern entlockte. Er tanzte förmlich durch den Raum, sang in einer eindringlichen Melodie und öffnete eine paar der Schubladen und Schranktüren.

„Weh dir, oh weh dir...jetzt hol ich mir...jetzt hol ich mir...was dich zerstört, was dich zerstört...und mich betört...und mich betört"

Wo hast du es Cora. Wo versteckst du deine Menschlichkeit, meine Teure?

Fragte er sich in Gedanken und schaute sogar unter dem Bett nach, ehe er sich den Truhen zuwandte, die an einer ganzen Wand entlang standen. Es musste hier sein, das wusste er. Wenn er sich nur genug konzentrieren könnte, dann würde er es hören. Dann würde das dumpfe Pochen vernehmen. Das harte Schlagen, eines ungewollten Herzens.

Emma war direkt in little John hineingelaufen, der ihr nun wieder auf die Beine half. Fragend schaute sie den Hünen an, doch brauchte keine Antwort. Hinter ihm erschienen Stanley, Hook und Tinker Bell. Johns Gesicht war geschwollen vom Kampf, den er mit den Wachen ausfocht. Auf seiner Stirn zog sich eine Spur getrockneten Blutes.

„Die Jungs hier kamen gerade richtig", erklärte der dunkelblond gelockte Mann und zeigte ein gequältes Lächeln. Erleichterung erfasste Emmas Körper und trieb ihn an, ihre Arme kurz um den großen Mann zu schlingen.
„Ich dachte du wärst..."

„Nein, so was spricht man bei uns nicht aus, so lange man sich nicht sicher ist", fiel er ihr ins Wort und weitete seine Augen, als der Boden wieder zu Beben begann.
„Was zur Hölle...", fragte er entgeistert, woraufhin Tinker Bell und Emma gleichzeitig antworteten

„Cora und Regina"

John machte eine Winkbewegung, damit man ihm folgte und war schon drauf und dran los zu spurten, als die Blonde ihn am Arm packte. Der Hüne blickte verständnislos in ihr Gesicht. Dieser Ausdruck vertiefte sich, als Emma ihren Kopf schüttelte und sprach. Ihre Mundwinkeln hingen gen Boden und Mitgefühl schwang in ihrer Stimme mit.
„Wir müssen hier verschwinden. Robin ist tot und Regina...ich hab ihr versprochen Henry zu holen und zu verschwinden. Ich fürchte...", weiter kam sie nicht, da der schockierte Ausdruck in dem Gesicht des Riesen ihr die Sprache verschlug. Sie konnte die Trauer erkennen, die wie ein dunkles Tuch über sein Gemüt fiel. Das Mitgefühl schlug in ihrer eigenen Brust, doch sie wusste nicht, wie sie diesem Ausdruck verleihen sollte. So klammerte sie sich an das, was sie zu tun hatte.
„Kommt. Wir müssen zurück zum Lager und verschwinden. Wenn Cora gewinnt, dann wird hier kein Baum mehr neben dem anderen stehen.

Johns Miene klärte sich, während er einen tiefen Seufzer ausstieß. Er brauchte einen Moment, um seiner Stimme einen festen Klang zu verleihen, ehe er fast schuldbewusst mit der Sprache herausrückte.
„Das ist das Problem. Henry ist irgendwo hier. Diese zwei Idioten haben ihn hier hin gebracht und Roland war das Ablenkungsmanöver. Dieser hirnverbrannten Hornochsen", regte der großgewachsene Mann sich auf. Die Wut, die er empfand, als Stanley ihm diese Nachricht von einem der Männer mitteilte, floss noch immer durch seine Adern. Emmas Kinnlade klappte auf. Sie schüttelte immer wieder ihren Kopf, als ihr das Ausmaß dieser Nachricht bewusst wurde.
„Verdammte Scheiße", stieß sie fluchend aus

„Wir müssen ihn finden. Kommt!", sagte sie und konnte die Angst durch ihre Venen kriechen spüren. Sie wollte sich nicht ausmalen, wie sich der Kampf zwischen Regina und Cora entwickeln würde, wenn die Hexe den Jungen in die Finger bekam.

Ich werde ihn erschlagen

Dachte sie aufgebracht und lief mit den vier anderen los


Robin und die Jungs hatten fast die Treppe erreicht, als Henry zu straucheln begann. Der Geächtete war zu schnell für seine Kinderbeine. Für einen Moment hielten sie inne und gaben Henry die Zeit, um sich wieder zu fangen, während die Erde abermals zu wackeln begann. Die Augen des Jungen waren geweitet. Angst spiegelte sich in diesen wieder, welche sich in einem verräterischen Glitzern zeigte.

„Robin?", begann er zaghaft, doch mit flehenden Unterton.

„Mom ist stärker als Cora oder? Sie kann sie besiegen oder?", suchte er nach der Bestätigung seiner Hoffnung. Er brauchte etwas um das ungute Gefühl in seinem Bauch zu vertreiben, brauchte etwas woran er sich klammern konnte. Der Dieb beugte sich etwas nach vorn und legte seine Hand auf seine Schulter. Für einen Augenblick überlegte er, ob er ihm einfach die Hoffnung gewähren sollte, nach der es ihn verlangte, doch er tat es nicht. Stattdessen schaute er ihm in die Augen und war ehrlich.

„Henry, sie kann diesen Kampf nicht gewinnen. Jedenfalls nicht, wenn sie sie tötet"

Das Glitzern in Henrys Augen formte sich zu einem Tropfen und rann seiner Wange hinunter.

Und wenn Mom sie nicht tötet, dann wird Cora sie töten

„Egal wie böse sie war...egal wie viele sie getötet hat, die Bürde ihre eigene Mutter zu töten, wird sie umbringen...", sprach Robin nüchtern aus, was er wusste. Er hatte es gesehen in ihrem Abschied. Hatte verstanden, als der Dunkle und die fremde Frau in der anderen Zelle ihr noch geglaubt hatten, dass sie wieder kommen würde. Sie würde beim Versuch Cora aufzuhalten sterben, würde sich selbst den Frieden gönnen, sollte sie ihre Mutter ins Jenseits befördern oder bei dem versuch sterben.

„Dann...dann..dann müssen wir sie aufhalten. Robin...bitte", flehte Henry, als sein Optimismus zündete und seinen Kampfgeist neu entfachte.
„Ich kann sie bewahren...wir holen sie und verschwinden dann..."

Das Flehen in seinen kindlichen Augen war beinahe greifbar.

Sie wird mich töten, wenn ihm was passiert...ja aber sie wird tot sein, wenn ihr nichts unternimmt

Robin drückte sanft Henrys Schulter und nickte ihm bestimmend zu.
„Okay, bleib dicht bei mir", sagte er und zog den Jungen mit sich die Treppe hinauf. Sie eilten die Stufen empor. Auf dem ersten Treppensatz hielten sie an, um zu lauschen. Sie konnten Geräusche wahrnehmen und folgten diesen mit hastigen Schritten. Robin zog Henry mit sich, in der andere Hand hielt er seinen Dolch. Schwere Schritte hallten durch den Gang, wurden lauter und offenbarten schon nach kurzer Zeit zwei Wachen, die durch den Korridor stürmten. Ohne Zweifel, um zu ihrer Herrin zu gelangen. Die beiden Soldaten erblickte die Gruppe und schrien. „EINDRINGLINGE!"

Einen Moment später fand Robin sich im Kampf mit den beiden wieder. Er wich dem Größeren der beiden aus und duckte sich unter dem Hieb des anderen, ehe er seine Faust ballte und dem Kleineren diese in den Magen rammte. Wut erfasste den Soldaten und als er auf ihn losstürmen wollte, fand Robins Dolch sein Ziel am Hals des Soldaten. Der Mann ging röchelnd zu Boden und fiel tot um. Plötzlich erklang Henrys Stimme in einem Aufschrei. Der andere Soldat hatte ihn gegen die Wand gedrängt und die Spitze seiner Lanze auf seinem Brustkorb gerichtet. Der Geächtete hastete zu dem Mann. Gerade als dieser zustechen wollte, landete Robins Faust in seinem Rücken.
„Finger weg von dem Jungen", kam es drohend über seine Lippen, als er ihn nochmal hochhievte und mit der Faust auf sein Gesicht schlug bis er ohnmächtig zusammensackte.
„Los Jungs", machte er und führte sie weiter in Richtung der Kampfgeräusche.

„Ich denke, es kommen gleich noch mehr Soldaten"

Sie hielten auf eine weitere Treppe zu und erstürmten sie. Auf halben Wege kamen neue Soldaten. Eddy und Jeff hatten ihre Schwerter gezogen und kämpften an Robins Seite, der mit aller Macht dafür sorgte, dass niemand mehr an Henry heran kam. Sie erklommen Stück für Stück die Stufen. Sie konnten bereits die neue Etage erkennen und eine geöffnete Tür ausmachen.

Gin

Dachte der Mann, als er durch die Tür starrte und Regina erkannte. Ein Blick zu Henry und er wusste, dass der Junge sie ebenfalls gesehen hatte. Sie waren ihrem Ziel so nah. Es war, als bräuchten sie nur ihre Hände ausstrecken, doch noch ehe sie die letzte Stufe erreichten, strömten noch mehr Soldaten hinzu. Robin packte Henry an den Schultern und kämpfte ihm den Weg frei. Etwas traf ihn an der Schulter und er verlor für einen Moment das Gleichgewicht. Gefährlich schwankend, suchte er nach einer Lücke, fand sie und schubste Henry mit aller Kraft durch diese hindurch, damit er die letzten Meter bis zur Tür rennen konnte.

„LOS HENRY...LAUF!", schrie er dem Jungen zu, was dieser sich nicht zwei Mal sagen ließ.
Der Braunhaarige lief los. Sein Herz schlug ihm bis zum Halse. Angst vermischte sich mit Adrenalin und der Erkenntnis, dass jemand an ihn glaubte. Er schaute eine Sekunde über seine Schulter zurück und schenkte dem Dieb ein ermutigendes Lächeln. Das war er dem Mann schuldig, der nicht nur an ihn glaubte, sondern ehrlich zu ihm war. Etwas nachdem er sich immer gesehnt hatte. Henry wich einem Soldaten aus, der sich ebenfalls zur Treppe begab, um die Eindringlinge aufzuhalten und erreichte schlussendlich die Tür.

„MOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOM!"


Regina und Cora befanden sich mittlerweile in der Eingangshalle und bekämpften sich unbarmherzig weiter. Die Schwarzhaarige rappelte sich an einem Ende des Saals auf. Ihr Körper schmerzte, ihre Haare waren zerzaust und hingen in langen Strähnen in ihrem Gesicht. Das Atmen tat weh, doch die Königin nahm sich diesem Schmerz nicht an. Sie hatte ihre Mutter nicht unterschätzt. Wusste nur zu gut, um die Macht, die in Cora steckte, doch sie hatte sie schon geraumer Zeit beschäftigt. Hatte es sogar geschafft, dass auch die Hexe hin und wieder den Boden unter den Füßen verlor und hinfiel. Jedes Mal, wenn Reginas Mutter sich wieder auf die Beine stemmte, wackelte der Boden, auf Grund der Magie, die sie ihrer Tochter ungehemmt entgegen schmetterte. Die Schwarzhaarige konnte ein paar mal ausweichen, doch der letzte magische Schlag hatte sie durch den ganzen Raum geworfen. Nun stand sie auf wackeligen Beinen da, starrte auf das wütende Antlitz ihrer Mutter und konnte an nichts anderes denken, als dass es endlich vorbei wäre. Immer wieder drang in ihren Verstand all der Verlust, den diese Frau ihr bereitet hatte. Regina konzentrierte sich auf diese Wut, da sie diese brauchen würde. Sie würde ihre Mutter töten, auch wenn sie es tief in ihrem Innern niemals ertragen konnte. Würde sich endlich von ihr befreien können. Mit dem Mut der Verzweiflung ballte die Königin ihre Hände zu Fäusten und ließ all die Emotionen durch ihren Körper wallen. Ihre Hände gingen in Flammen auf. Heiß knisterte es im Raum, als sie die Fäuste öffnete. Sie holte aus, fokussierte die Gestalt ihrer Mutter. Ihre Lippen zitterten. Unruhig bewegten sich die Augen in ihren Höhlen und gerade als sie die gewaltige Energie loslassen wollte, wurde sie in ihrer Konzentration gestört.

„REGINA!", erklang es hinter ihr. Verdutzt drehte sie sich zu der Quelle und erkannte Emma, John und die anderen. Der Moment der Ablenkung genügte für Cora. Sie setzte zu einem unsichtbaren Schlag an, der Regina zu Boden warf

„Verdammt, was machst du hier? Verschwinde", schimpfte sie in Emmas Richtung, als sie versuchte wieder auf die Beine zu kommen.
„Nein, komm", Emma und John eilten beide zu der Königin, um ihr aufzuhelfen, doch die Panik in Reginas Augen verriet, dass es ein Fehler war.
„HAUT AB!"; schrie sie die beiden an und wollte sie gerade magisch weg hexen, als ihre Mutter die Neuankömmlinge schon zu Eis hat erstarren lassen.

NEIN!

Das Gefühl der Schuld traf sie wie ein Vorschlaghammer. Wieder waren Menschen wegen ihr gestorben. Wieder einmal hatte sie versagt, obwohl sie das Richtige tun wollte. Von dieser neuen Emotion angetrieben, verdunkelten sich ihre Augen. Hass spiegelt sich in den Untiefe.Wühlte sie auf, wie einen See in stürmischer Nacht.

„ES REICHT", schrie sie und vernahm eine zustimmende Stimme.
„Da hast du ausnahmsweise mal Recht, meine Liebe"

Rumpelstilzchen hatte sich neben der vereisten Tinker Bell manifestiert und schenkte Mutter und Tochter ein siegreiches Lächeln.

„Bring es zu Ende", gab er in einem befehlenden Ton von sich und streckt seine Hand in Reginas Richtung aus.

Cora starrte mit offenem Mund auf den Dunklen, fühlte sich sofort in Rage versetzt und wollte gerade nach dem Dolch greifen, um Rumpel in seine Schranken zu weisen, als ihr Körper zusammenzuckte.
„Was? Aber..."

Entsetzen zeichnete ihren Gesichtsausdruck, während sie zu ihrer Tochter blickte, die ihr Herz in ihren Händen hielt.

Regina schaute auf das zuckende Stück Menschlichkeit, das sich in ihren Händen manifestiert hatte. Sie wusste, was sie tun sollte. Wusste, dass es einfach wäre, es einfach zu zerquetschen und Cora für immer in die Hölle zu schicken, die sie verdient hatte.

Nur ein fester Druck...

Rumpelstilzchen Stimme drängte die Königin.

„Tu es endlich. Das ist deine Chance. Tu es...tu es!"

Coras mit Entsetzen getränkter Blick nahm etwas flehentliches an, als sie ebenfalls auf ihre Tochter einzusprechen begann.
„Nein mein Kind, tu es nicht. Hörst du Regina, gib es mir zurück"

Die Schwarzhaarige stand einfach da und blickte auf das Herz. Die Worte der beiden Kontrahenten drangen in ihr Gehör, doch sie schenkte ihnen keinerlei Beachtung. Der Moment war gekommen. Ihr letzter Schritt bevor sie endlich Freiheit finden würde. Plötzlich erklang eine weitere Stimme. Nur ein Wort und abermals hörte ihre Welt sich auf zu drehen.

„MOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOM!"


Henry stürzte in die Eingangshalle und hatte kaum einen Blick für das was alles dort vor sich ging. Seine Augen hefteten sich auf seine Mutter, die so verändert aussah. Für einen Moment blieb er wie angewurzelt stehen und bewegte sich nicht mehr.

„Mom?", machte er abermals zaghaft, fast schon fragend.

Reginas Mundwinkel begannen zu zucken und Tränen schossen in ihre dunklen Augen. Sie riss sich von dem Anblick des Herzens in ihrer Hand los und blickte auf das Gesicht, von dem sie dachte, es niemals wieder zu sehen.

HENRY

„Henry", kam es zittrig aus ihrer Kehle. Ihre Finger zitterten gleichermaßen wie ihre Stimme. Cora zog die Luft scharf ein. Der Druck auf ihrem Herzen, war in ihrem Körper zu spüren.

„Tu es endlich Regina!", rief der Dunkle und hoffte, dass seine Pläne nicht kaputt gemacht werden würden.

„Nein Mom, mach das nicht!", erklang es eindringlich aus Henrys Mund. In seinem Hinterkopf spukten Robins Worte, erinnerten ihn daran, dass es seine Mutter zerstören würde.

„Hör nicht auf ihn!"

Rumpelstilzchen schnalzte verärgert mit der Zunge und konnte die aufkeimende Ungeduld nicht bezwingen. Er nutze die Gunst der Verwirrung auf Grund des neuen Gastes und griff mit magischer Hand nach dem Dolch. Zeitgleich ging Cora die selbe Idee durch den Kopf und als die beiden Energieströmungen aufeinandertrafen flog der Dolch in hohen Bogen durch die Luft. Rumpel und Coras Augen folgten der Flugbahn. Beide hoben ihren Arm. Das Knistern der Magie breitete sich aus und gerade als sie abermals den Versuch starteten nach dem Dolch zu greifen, löste er sich in Luft auf und erschien in Reginas Hand. Die Königin wandte sich von ihrem Sohn ab. In ihrer rechten Hand hielt sie den Dolch und in der Linken das Herz ihrer Mutter. Mit zur Seite geneigten Kopf sprach sie zu den beiden.

„Schluss mit diesen Spielchen. Ihr macht mich krank!"

Im wahrsten Sinne des Wortes, was Schätzchen

Sie erhöhte den Druck auf Coras Herz. Starrte auf ihre Mutter, als diese ihren Oberkörper nach vorn beugte, um den Schmerz ertragen zu können, als Henrys Stimme abermals erklang. Dieses mal fordernder.

„NEIN MOM! Mach das nicht. Ich flehe dich an. Komm zu mir...wir gehen nach Hause, bitte Mom!"

Kaum vernahm sie Henrys Stimme, wurden die Tränen angepeitscht. Weinerlich richtete sie das Wort an ihren Jungen.

„Du verstehst das nicht...ich kann nicht anders!"

„Doch... Du musst niemanden mehr töten...bitte glaube mir!"

Die Angst in seiner Brust, entlockten seinen Augen einen Schwall Tränen, als er weiterhin flehte.
„Bitte Mom"

Regina schluckte hart. Das Herz und der Dolch wogen auf einmal schwer wie Blei in ihren Händen. Alles was sie sich gewünscht hatte, war ihren Prinzen wieder zu sehen. Ihn wieder zu bekommen, doch dieses Wiedersehen schmeckte zu bitter.

„Hör auf deinen Jungen, Gin!"

Robin Hood erschien im Türrahmen. Seine Atmung ging schwer und zeugte von dem Kampf, welchen er noch vor kurzen ausgefochten hatte. Er konnte den Unglauben in ihrem Blick sehen. Konnte mitansehen, wie ihr die Gesichtszüge entglitten und sie nicht wusste, was sie tun oder gar denken sollte.

Robin? Aber...wie ist das möglich...was für ein schwarzer Zauber ist das

Für einen Augenblick glaubte sie an einen fiesen Trick Seitens ihrer Mutter. Glaubte, dass die Gestalt Robins nichts weiter als eine Illusion war. Heraufbeschwört um sie zu verwirren, damit sie ihr Herz zurückgewinnen konnte. Der Räuber erkannte die tausend Fragen, die sich allesamt auf ihrem Gesicht zeigten. Erkannte den Zweifel und trat ein paar Schritte in ihre Richtung bis er Henry fast erreichte.

„Du bist wirklich nervig, Dieb", erklang es aus Rumpelstilzchens Mund

„Und an einen Zeitplan kannst du dich auch nicht halten", regte der schmächtige Mann sich regelrecht auf.

Die Augen der Königin wanderten zwischen Henry und Robin hin und her. Ihr Kopf pochte, als habe jemand ihren Verstand wie eine frische Zitrone ausgequetscht.
„Ich bin echt, Liebes!", erklärte er sanft und hob seine Hand ein wenig an

„Aber...du bist tot...Rumpel hat gesagt", stammelte sie verwirrt

„Er hat dich angelogen...wieder einmal..."

Ihr Blick ging hasserfüllt zu dem Dunklen, der sich von dieser Anschuldigung nichts annahm. Er betrachtete seine Finger, als wolle er den Dreck unter den Nägeln begutachten und sprach in einer Stimme, die deutlich sein Desinteresse zeigte.

„Warum hätte ich dir die Wahrheit sagen sollen? Was hätte mir das gebracht? Nicht! Und nun beende es Regina!", der letzte Teil seines Satzes klang wie eine Drohung.

„NEIN! Mom bitte!", meldete Henry sich wieder zu Wort

„Du musst das nicht tun. Es gibt einen anderen Weg. Wir werden ihn finden...gemeinsam"

Die Tränen flossen nun ungehalten über Reginas Wangen. Sie wagte nicht zu glauben, dass der Junge eine gemeinsame Zukunft mit ihr plante. Wagte sich nicht guten Gedanken hinzugeben, wo sie in dieser Burg schmerzlich lernen musste, wie grausam solche Gedanken zerstört wurden. Unbewegt stand sie da, hielt beide Insignien der Macht in ihren Händen und drückte erneut auf das Herz ihrer Mutter, die ein Laut des Schmerzes ausstieß. Der Klang ging ihr durch Mark und Bein. Es schmerzte mehr, als sie sich eingestehen wollte.

„HÖR AUF!"

Henrys Stimme nahm einen verzweifelten Klang an. Die Verzweiflung traf etwas in Regina und ließ sie einen Moment inne halten. Das Herz pochte in ihrer Hand und die Räder ihres Verstandes begannen sich schwerfällig zu drehen.

Sie wird mich niemals freigeben...als wenn wir hier einfach hinaus spazieren können...oh Henry...

Rumpelstilzchen begrüßte diese Unterbrechung nicht. Genaugenommen brachte ihn die ganze Szenerie zum rasen. Er war so kurz davor die Freiheit zurück zu erlangen und nicht nur das. Er stand kurz davor sich Cora zu entledigen, die ihn mehr als ihr halbes Leben drangsaliert hatte. Die ihn, den mächtigen und dunklen Magier, mehr als einmal gedemütigt und zum Narren gehalten hatte. Jetzt war keine Zeit, um das ganze noch länger hinauszuziehen. Er erhob seine Hand und schickte einen Feuerball in Richtung Henry.

„Du hast Sendepause"

Reginas Reaktion war verlangsamt. Als sie den Ball sah, war es schon zu spät. Doch Robin reagierte, als würde sein eigenes Leben davon abhängen. Schnell schloss er den Jungen in seine Arme und drehte sich mit ihm, um dem Geschoss seinen eigenen Rücken darzubieten. Der Schmerz des Aufpralls schoss durch seine Knochen, doch die Weste aus Leder nahm dem Feuer die Hitze. Hastig löste er die Umarmung und zog die brennende Weste aus.

Reginas Augen überzog ein wütender Glanz. Ihre Hand führte den Dolch an ihre Lippen und im nächsten Augenblick schmiss der Dunkle sich zu Boden. Sein Gesicht auf den Stein gerichtet, seine Atmung nur ein Keuchen, als er die Ängste der Königin heraufbeschwor, um ihre Wut und Enttäuschung anzustacheln

„Er wird dir niemals gehören und das weißt du. Er hat sich immer nur für dich interessiert, wenn es darum ging seine richtige Mami zu retten"

Das Keuchen wuchs zu einem Röcheln, als die Schwarzhaarige einen eisigen blick auf den Dunklen warf, um ihn zum Schwiegen zu bringen

„Es tut mir Leid, Mom" weinte Henry und konnte endlich zu der Entschuldigung ansetzen, die ihn seit betreten dieses Reiches quälte.

„Es tut mir Leid, ich wollte dir nie wehtun, aber ich hab es getan und ich fühle mich schrecklich deswegen. Bitte glaub ihm nicht", redete er auf seine Mutter ein. „Bitte komm zu mir und wir gehen. Es ist egal was war, wir fangen neu an, ja?"

Neu anfangen? Nicht mit ihr

Seine Tränen peitschten die ihrigen an, als er sich bei ihr entschuldigte. Sie hätte ihn gerne in die Arme geschlossen, hätte ihm gesagt, dass alles wieder gut werden würde, doch sie konnte nicht. Die Tage und Nächte in Coras Gewalt hatten etwas in ihr zerbrochen, von dem sie nicht glaubte, dass sie die Kraft aufbringen könnte, es wieder aufzubauen.

„Es tut mir Leid Henry...aber ich hab keine andere Wahl", erwiderte sie mit tränenerstickter Stimme und wandte sich schwerfällig ab. Ihr Blick fiel auf ihre Mutter und Rumpelstilzchen.

Das ist mein Kampf...den kann ich nur allein bestreiten

Steckte die heraufbeschworene Einsamkeit dieser Burg noch in ihren Knochen und ihrem Denken.

„Nein, das ist nicht wahr, Gin! Wir haben immer eine Wahl", meldete Robin sich zu Wort. „Wir müssen uns jeden gottverdammten Tag dazu entscheiden das Richtige zu tun!", seine Stimme war eindringlich und mit Verzweiflung gespickt, die nur all zu deutlich verriet, welche Angst er um sie hatte.

Die Schwarzhaarige schloss ihre Augen, lauschte der Stimme, die so oft den Weg durch die Mauern und dem Nebel ihrer Wut und ihres Schmerzes gefunden hatte, um sie zu trösten, um sie zu beruhigen.

„Und ich weiß, dass du die richtige Entscheidung treffen kannst" fuhr er fort und versuchte so ermutigend wie nur möglich zu klingen.

„Erst unterschätzt du mich und nun überschätzt du mich", kam es verbittert über ihre Lippen. Regina schüttelte ihren Kopf, versuchte ihren Verstand zu klären. Ihre Gedanken rasten. Vernunft und Wahnsinn stritten in ihrem Kopf

du kannst gehen mit den beiden... Rumpel hat recht und das weißt du, Henry braucht dich nicht mehr. Er hat Emma...aber er ist hier und hat an dich geglaubt...glaubt noch immer an dich...

Die Emotionen die auf sie einströmten waren zu viel. Sie wollte die Stimmen endlich zum Schweigen bringen, wollte endlich den Frieden finden, nach dem es sie so sehnlichst verlangte. In einer schnellen Bewegung erhob sie den Dolch und streckte die Hand mit dem Herzen von sich. Als die Waffe den höchsten Punkt erreichte, hielt sie inne. Sekunden verstrichen, in der die Zeit gefror. Die Welt verschwamm vor ihren Augen. Ein tiefer Atemzug, eine letzte Bewegung und sie wäre frei. Eine letzte Bewegung und sie könnte ihr alles heimzahlen. Eine weitere Sekunde verstrich, in der ihre Hand mit dem Dolch zu zittern begann. Henry erkannte, dass sie das Herz jeden Augenblick erstechen würde und ließ die Angst hinaus, die ihn befiel. Die Tränen rannen über seine Wangen. Schluchzen entfleuchte seine Kehle, als er felsenfest glaubte, dass er seine Mutter nun verlieren würde. Schlagartig war der Optimismus verschwunden. Die Kraft, die ihn erwachsen handeln ließ, war wie weggewischt und übrig blieb ein kleiner Junge, der verzweifelt die Wahrheit herausschrie, die er längst in seinem Herzen wusste.

„MAMA NEIN, ICH BRAUCH DICH DOCH!"

Reginas Bewegung stockte. Der Klang seiner Stimme, die Worte rissen sie in eine Vergangenheit, in der sie glücklich war. In der es nur sie und ihren kleinen Prinzen gab, der Tag für Tag dafür gesorgt hatte, dass sie lernte das Richtige zu tun. Sie konnte die Wahrheit heraushören, die ihn verzweifeln ließ. Rumpels lügen fielen aus ihren Gedanken, machten Platz für den Jungen und seine Worte. In einer Drehung wandte sie sich wieder ihrer Mutter zu, ging mit bestimmten Schritten auf sie zu und packte sie an den Schultern. Ihre Miene war verbissen, während Coras Augen groß wie Teller wurden.
„Was hast du vor?" fragte die Hexe, die noch zu sehr darunter litt, dass der Dunkle ihr durch seine Aktion mit ihrem Herzen, die Kontrolle entzogen hatte. Mit mehr Gewalt, als sie benötigte, stieß die Königin gegen ihre Mutter.

Robin und Henry konnten nicht erkennen, was sie tat und entließen gleichzeitig einen Schrei des Entsetzens, weil sie mit dem Schlimmsten rechneten.

Regina trat einen Schritt von ihrer Mutter weg. Cora atmete schwer. Ihr Brustkorb hob und senkte sich, während eine Woge der verschiedensten Emotionen durch ihren Körper jagte und ihn förmlich in Brand steckte. Ungläubig schaute sie auf ihren Arm. Blickte auf die Manschette und führte ihre Hand an ihre Brust. Das schlagen ihres Herzen, löste mit jedem Takt eine neue Welle des Schmerzes aus.
„Was hast du getan?", fragte sie entgeistert.

Die Schwarzhaarige schaute schweratmend auf die Hexe. Ihre Augen bewegten sich unruhig in ihren Höhlen, während sie schwer schluckte. Als sie die Anklage ihrer Mutter vernahm, verzog sich ihr Mund zu einem traurigen Lächeln. Tränen perlten an ihren Lippen. Schmeckten salzig, als sie voller Verachtung sprach.

„Was ich getan habe? Ich habe nur den Dreck beseitigt, den der Dunkle in dir hinterlassen hat"

Die Hexe ließ sich zu Boden fallen. Ihre Finger krallten sich an den Steinboden, suchten nach einem Halt, den sie nicht finden konnte. Das Kratzen ihrer Nägel durchschnitt die Luft. Die Königin wandte sich von dem Anblick ihrer verzweifelten Mutter ab, erhob ihre Hand und wischte einmal durch die Luft. Die eingefrorenen Personen erwachten zu neuem Leben, während Cora magisch gefesselt wurden.

Emma stürzte sofort ohne nachzudenken auf Henry und schloss ihn fest in ihre Arme. Der Junge ließ es bereitwillig geschehen, doch schon nach wenigen Sekunden versuchte er sich zu befreien. Sein Blick suchte die Gestalt Reginas. Das Bedürfnis sie endlich in die Arme zu schließen wuchs, doch Emma hinderte ihn daran. Ihr eigener Blick fiel auf die Schwarzhaarige, die sich unmissverständlich von der Gruppe wegbewegte. Noch während sie lief, wandte sie sich vollkommen ab, wischte erneut durch die Luft und der Dolch manifestierte sich in Emmas Hand. Die Retterin schaute perplex auf die Waffe und verstand das Vertrauen, welches die Königin in diesem Moment in sie steckte, nur bruchstückhaft. Robin hatte einen Schritt auf sie zugetan, doch sie schüttelte kaum merklich mit dem Kopf. Im ersten Moment konnte er ihre Ablehnung nicht verstehen, doch als sie ihm ein sachtes Lächeln schenkte, verstand er wortlos, wie so oft und hielt die restlichen des Trupps auf, als sie zu der Königin stürmen wollte.

Regina schritt zu dem Fenster und öffnete es mit einer einzigen Handbewegung. Frische Luft strömte in den Raum, zerzauste ihr langes Haar und verendete kühl auf ihrem tränenbenetzten Gesicht. Sie fühlte einen enormen Druck von ihrem Innern gewichen und diese neue Gefühl der Leichtigkeit machte sie gleichzeitig müde. Die letzten Wochen und Tage waren anstrengend und sie würde nochmal alle Kraft aufbringen müssen, um zu beenden, was ihre Mutter in ihrem Namen begonnen hatte. Sie erhob ihre Hände in Richtung des Firmaments, schloss ihre Augen und ließ lilafarbene Blitze in den Himmel aufsteigen. Die Dunkelheit wurde ein Stück zur Seite gedrängt, Lichtstrahlen brachen durch die dunklen Wolken, doch genauso schnell, wie diese Lücken entstanden, schlossen diese sich wieder.

Ich schaffe das nicht...ich hab keine Kraft mehr für einen solch mächtigen Zauber

Gestand sie sich ein und wandte sich vom Fenster ab. Ihre Augen blickten entschuldigend auf die anderen, als sie ihre Schwäche preisgab.

„Es tut mir leid...ich kann es nicht stoppen"

In einem anderen Leben hätte sie nicht den Mut aufgebracht schwach zu sein, hätte sie weder sich selbst noch den Anwesenden eingestanden, dass sie es nicht schaffte, doch dieses andere Leben lag so weit zurück. Eine Träne zog ihre feuchte Bahn über ihre Wange, als sie ihre Schultern in einem Akt der Zerschlagenheit hängen ließ. Sie drehte sich abermals zum Fenster, atmete tief durch und versuchte noch einmal all ihre Kräfte zu mobilisieren, als ihr Körper erschüttert wurde. Überrascht blickte sie an sich herunter und erkannte Henry, der sich mit aller Kraft an sie drückte. Ohne es kontrollieren zu können schlossen sich ihre Arme um seinen Körper. Sie legte ihre Wange auf seinen Schopf und schloss die Augen.

„Ich hab dich vermisst Mom", gestand er ihr ehrlich. „Ich liebe dich!"

„Und ich dich, mein kleiner Prinz"

Der Druck um ihre Taille erhöhte sich gleichermaßen wie der Druck in ihre Augen. Sie schluchzte einmal auf, als ihr bewusst wurde, dass sie ihren Sohn nach all der langen Zeit wieder in den Armen halten durfte. Die Liebe für ihn rauschte durch ihre Venen und setzten ihr Herz in Brand. Plötzlich spürte sie die pulsierende Macht der Magie durch ihren Körper wallen. Mit einer Hand hielt sie Henry fest an sich gedrückt, während sie die andere zum Fenster hinaus streckte. Abermals zuckten lilafarbene Blitze in den Himmel. Kämpften gegen die Dunkelheit und verbannten diese soweit bis die Strahlen der Sonne ungehindert durch das Fenster fielen und den Raum mit ihrem goldenen Licht durchflutete. So wie der Raum mit Licht erfüllt wurde, kehrte das Leben in die versteinerten Menschen zurück.

Henry strahlte seine Mutter einen Moment an, nur um dann seinen Kopf wieder an ihrer Brust zu versenken. Die Königin hauchte seinem Schopf immer wieder Küsse auf. Sie fühlte sich glücklich und konnte kaum glauben, dass sie nach der Zeit in dieser Finsternis zu einem solchen Gefühl noch in der Lage war.

Mutter und Sohn wusste nicht wie lange sie dort innig beisammen standen, doch es glich einer Ewigkeit, als der Junge ein leichtes Klopfen an seiner Schulter vernahm. Er löste sich ein wenig von Regina und blickte in Robins Gesicht.

„Sorry Junge, gib mir drei Minuten, dann gehört sie dir ein Leben lang", sagte er, ohne mit seinem Blick aus Reginas Gesicht zu weichen. Seine blauen Augen versanken in dem Dunkel ihrer Braunen, als Henry nur nickte und einen Schritt zur Seite machte. Für die Länge eines Herzschlages starrten sie sich einfach nur an. Tausend Worte formten sich in seinem Kopf, tausend Begriffe legten sich auf ihre Zunge, doch nicht eins davon fand den Weg nach draußen

Es tut mir so leid

Es tut mir so leid

Gingen ihre Gedanken im Gleichschritt. Robin schluckte einmal, doch dann durchfuhr seinem Körper ein Ruck. Seine Hände griffen nach ihrer Taille, zogen sie fest an sich und noch bevor er und sie weiter nach Worten suchten, die sie nicht benennen konnten, presse er seine Lippen gegen die ihrigen. Was er nicht sagen konnte legte er in den Kuss. Sorge und Verzweiflung, aber auch Erleichterung, sie wieder in seinen Armen halten zu können. Ohne Umschweife machte er seinen Anspruch gelten, ließ seine Zunge in ihren Mund gleiten und fühlte sich wie im Himmel, als ihre Arme sich um seinen Nacken schlangen und sie den Kuss mit gleichem Hunger erwiderte. Er konnte das Salz ihrer Tränen schmecken. Den Geschmack ihres Leides in diesen Gemäuern. Unwillkürlich verfestigte sich sein Griff um ihren schmalen Körper, hob sie vom Boden und presste sie fest an sich.

. . . . . . .

Langsam beendete er den Kuss und setzte sie wieder ab. Er griff nach ihrer Hand und hielt sie fest. Seine Lippen lösten sich gerade soweit von den ihren, damit er sprechen konnte.

„Ohne diese Manschette wäre ich wirklich nur ein Stück verkohlte Asche", sagte er mit einem Grinsen in der Stimme und ließ ohne Umschweife den Respekt für ihre Magie erkennen. Regina verlor sich in dem Blau seiner Augen, tauchte in diese wie in einen See und nickte nur mit einem Schmunzeln.

Oh ja und dem Himmel sei Dank, dass Snow sie mir angelegt hat

„Mhh...Mhh", gab sie einen bejahenden Laut von sich, bevor Robin die Distanz ein weiteres Mal überbrückte und sie küsste. Dieses Mal mit all der Sanftheit und der Zärtlichkeit, die in seiner Brust schlug. Noch während die beiden sich dem Spiel ihrer Lippen hingab, konnten sie ein Räuspern hören. Henry blickte mit roten Ohren und roten Wangen auf seine Füße und fühlte sich fehl am Platz. Robin setzte ein Grinsen auf, als seine Lippen sich von denen der Schwarzhaarigen lösten und hielt noch immer ihre Hand. Sein Daumen streichelte über ihren Handrücken, als sich sein Gesicht in einen ernsten Ausdruck wandelte.
„Du weißt, dass sie dich belogen hat. Ich hab dich nicht im Stich gelassen, ich hab nur versagt"

Gab er schuldbewusst von sich.

Und das werde ich mir nie verzeihen

Regina nickte als Zeichen des Verständnis und konnte spüren, wie der Räuber Ihre Hand in die Henrys legte.
„Hier Junge, sie gehört ganz dir", lächelte er und konnte sich kaum an dem Strahlen sattsehen, als Henry seinen Arm um sie schlang.
Der Geächtete wandte sich nun zu dem Trupp und zeigte mit seinem Finger auf Eddy und Jeff. Seine Mundwinkel verhärteten sich in gleichem Maße, wie sein Blick, als er schimpfte.

„Und jetzt sagt mir bitte nicht, dass ihr zwei hirnrissigen Idioten meinen Sohn auch hier hin geschleppt habt und er unten in einer Zelle hockt"

Jeff blickte betreten zu Boden, während Eddy fast schon strahlte.

„Für wie blöd hältst du uns, Robin?", wagte er ernstlich zu fragen.

„Wir wissen doch genau, dass du uns umbringst, wenn wir Roland in Gefahr bringen"

Der Stolz, das er etwas richtig gemacht hatte, strahlte aus seinem lächelnden Gesicht und brachte Robin, sowie Regina dazu mit den Augen zu Rollen. Es war die Königin, die das Wort an die beiden richtete. Ihre freie Hand war in ihre Hüfte gestemmt, als sie begann die beiden zusammenzustauchen.

„Aber meinen habt ihr hier hingebracht und er wäre beinahe..."

Ihre Hand löste sich aus ihrer Hüfte und erste Flammen zuckten bereits auf ihrer Handfläche.

„Ihr seid noch blöder als..." weiter kam sie nicht, denn gleichzeitig schrie jeder am Raum auf.

„REGINA"

„MOM"
„GIN"

Henry zerrte an ihrem Arm und schenkte ihr einen strengen Blick, während er mit seinem Kopf schüttelte, woraufhin die Schwarzhaarige seufzte und die Hand wieder sinken ließ.

Emma starrte genau wie die Restlichen der Gruppe auf das Schauspiel, welches sich ihnen darbot. Der Dolch in ihrer Hand fühlte sich kühl an. Mit verwundertem Ausdruck auf den Lippen, starrte sie auf diese mächtige Waffe und begriff erst als Rumpelstilzchen Anstalten machte sich zu erheben, wie viel Kraft in diesem Stück Stahl steckte. Sie befahl dem Dunklen sich wieder auf den Boden zu schmeißen und hielt ihn dort mit Hilfe des Dolches, bis sie wusste, was sie mit ihm anstellen sollten.

Henry führte Regina zu den anderen. Tinker Bell blieb einen Moment vor der Königin stehen, verschränkte ihre Arme vor der Brust und funkelte sie an. Sie wollte gerade etwas sagen, als die Königin ihre Hand hob und sie daran hinderte.
„Kein Wort Tinker Bell, kein Wort!", warnte sie mit einem belustigten Unterton in der Stimme, was der ehemaligen Fee nicht aufhielt.

„Oh nein meine Liebe. Täglich, hörst du...täglich werde ich Worte finden, um dir das vorzuhalten!" Ein breites Grinsen zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab, ehe sie die Erleichterung packte und sie der Schwarzhaarigen sanft über den Rücken streichelte.

John hatte den Moment genutzt und war auf seinen Boss und Freund gestürmt. Die Freude, dass er doch nicht tot war, strahlte aus jeder Pore seines riesigen Körpers. Er packte Robin und drückte ihn fest an sich.

„Du alter Haudegen. Ich sollte dich eigentlich an den nächsten Baum aufknüpfen, für deine Dummheit...", lachte er, was den Anderen in das Lachen mit einfallen ließ. Danach löste er sich soweit von den Anführer der Geächteten, dass er einen Arm um Regina legte und sie im Eifer des Gefechts unsanft an sich drückte

„Und du gehörst gleich daneben aufgeknöpft", zwinkerte er ihr zu und gab sie wieder frei.

Emma schenkte der Königin ein Lächeln und reichte ihr die Hand. Die beiden Frauen nickten einander in stillem Verständnis zu, ehe der Blonden etwas einfiel

Mary Margret

„Wo zum Teufel steckt eigentlich Mary Margret?", brach es aus ihr heraus, was Regina dazu veranlasste, einen Laut der Erinnerung auszustoßen und sich von Henry zu lösen.

„Oh...einen Moment", erklärte sie und wandte sich zu dem Spiegel. Schnell ging sie auf diesen zu und konnte die Prinzessin erkennen, die ein seliges Lächeln zu Schau stellte. Ihre Hände legten sich auf das harte Material des Spiegels, während Snow es ihr gleichtat. Die Oberfläche begann sich zu bewegen, schlug Wellen, während Reginas Hände in dieses Gefängnis eintauchten und nach der anderen Frau griffen. Vorsichtig zog die Königin sie heraus. Snow White tat zwei Schritte, dann war sie in Freiheit. Das Lächeln noch immer auf ihrem Gesicht, als sie Regina einen Blick schenkte, der mehr aussagte, als all die Worte, die in ihrem Innern herumwirbelten. Sie hielt ihre Hände fest, tat einen weiteren Schritt auf die Ältere zu und schloss sie einfach in ihre Arme. Die Königin versteifte sich bei der Umarmung, doch wehrte diese, als Zeichen des guten Willens, nicht ab.
„Ich wusste du schaffst es", flüsterte sie in ihr Ohr und fügte dann hinzu

„Wir können endlich nach Hause"

Traurigkeit legte sich für einen Moment über Reginas Augen, als Snow von zu Hause sprach. Sie schaute verstohlen zu Robin, der mit Henry dort stand und sich unterhielt.

Ja...nach Hause...

Snow White löste sich von der Königin und eilte zu ihrer eigenen Tochter, die sie sofort in die Arme schloss. Auch Henry fand sich kurz darauf in der Umarmung mit seiner Großmutter wieder. Regina stand zwischen die Gruppe um Mary Margret und die um Robin. Ihr Blick ging zu beiden hin und her, als sie Snow sprechen hörte.

„Komm Regina. Es wird Zeit nach Hause zu gehen"

Ihr Arm war einladend in Richtung der Königin ausgestreckt. Für einen kurzen Augenblick antwortete sie nicht, sondern blickte nur auf Henry und die Familie, in die sie vor so vielen Jahren eingeheiratet hatte, als sie Robins Stimme hinter sich vernehmen konnte.
„Geh ruhig, du hast deinen Jungen wieder", sprach er und hauchte ihrer Schläfe einen Kuss auf. Ohne sich anzusehen sprach sie leise

„Kommst du mit?"

Abermals fühlte sie seine Lippen auf ihrer Haut. Spürte seinen warmen Atem.

„Roland wartet und ich werde ihn nicht noch länger warten lassen", erwiderte er, was ihr ein wohlwissendes Nicken entlockte. Sie schloss ihre Augen und wusste nicht, was sie fühlen oder noch sagen sollte und so fragte sie einfach.
„Soll ich euch hin hexen?"

Robins lachte leise auf

„Nein, ich muss mich bewegen. Die Zeit als Statue war nicht gerade angenehm", gestand er ihr und drehte sie zu sich. Seine Hand legte sich an ihre Wange, streichelte ihre zarte Haut. Sein Blick ging hinter ihr, wo Henry und die anderen darauf warteten, dass sie endlich zu ihnen kam. Sein Herz holperte, als das erwartungsvolle Gesicht des Jungen sah

Er ist ihr Prinz und ich nur ihr Narr

Schoss es ihm durch den Kopf, ehe er ihr Gesicht nah an das seine zog und leise sprach.

„Dein Prinz wartete"

Kaum hatte er zu Ende gesprochen versiegelte er ihre Lippen. Streichelte mit den seinen sanft und zärtlich über die ihren und genoss das vertraute Gefühl, welches sie in ihm auslöste. Nach einigen Herzschlägen löste er sich von ihr und schenkte ihr ein letztes Lächeln, welches sich zu sehr nach Abschied anfühlte

„Geh schon", forderte er sie auf, was ihren Körper schlussendlich in Bewegung setzte. Die Königin schritt zu Henry und hieß seinen Arm um ihre Taille bereitwillig willkommen. Sie schaute noch mal auf den Mann, der ihre ganze Welt auf den Kopf gestellt hatte und wusste, dass sie ihm ein Leben im Palast nicht antun konnte.

Er ist vor diesem Leben geflohen

Regina schenkte ihm ein letztes Lächeln und fühlte einen Kloß, der sich in ihrem Hals bildete. Henrys Stimme riss sie aus ihren Gedanken.
„Mom, kommt Robin nicht mit?"

Regina schüttelte nur ihren Kopf. Sie wusste, dass die Stimme ihr versagen würde und versuchte sich stattdessen in ein gezwungenes Lächeln, ehe lilafarbener Nebel aufwallte, die ganze Gruppe einhüllte und sie allesamt aus der schwarzen Burg verschwanden.