Kapitel 24 Teil 2:
Am nächsten Morgen erinnerte er sich daran, Ginny von Remus' Brief zu erzählen. Als sie ihn fragte, ob er wolle, dass sie ihn begleite, sagte Harry ihr widerwillig, dass er es für keine Gute Idee hielt. Er würde öffentliche Plätze besuchen, und es würde einfacher sein, den Ausflug allein zu machen. Da der Plan war, Gringotts unbemerkt zu betreten und wieder zu verlassen, war es die beste Option, allein zu gehen.
Nach dem Mittagessen und während er zwei Gruppen seiner FHA-klasse beobachtete, die ein Gefecht im Wald austrugen, hatte Harry plötzlich eine Eingebung. Es war klar, dass die sieben Schüler in seiner AHA-Klasse ein gewisses Feuer in ihren Duellen versprühten, welches in der FHA-klasse fehlte. So sehr er es auch versuchte, er konnte denselben Funken nicht in seiner fortgeschrittenen Klasse zünden. Nun, wenn er ihn nicht kopieren konnte, warum sollte er dieses Feuer nicht in seine Fortgeschrittenenklasse bringen? Wenn Harry ein Spieler wäre, würde er Geld darauf verwetten, dass seine sieben Schüler aus der AHA in einem Duell gegen sieben Mitglieder der FHA locker gewinnen würden und wenn die Niederlage gegen eine Gruppe jüngerer Schüler nicht ausreichte, um sie zu motivieren, dann würde nichts es schaffen.
Harry verbrachte den Rest des Unterrichts damit, über die Details einer solchen Konfrontation nachzudenken, während er die Übungsduelle beobachtete. Es würde ein wenig Fingerspitzengefühl brauchen, um die richtige Botschaft zu übermitteln, aber er war der Meinung, dass er es hinbekommen würde. Dann musste er natürlich auch noch mit seinen sieben Schülern aus der AHA reden. Es würde für sie nicht einfach sein, die älteren Schüler zu besiegen. Der Unterschied, allein was das Zauberrepertoire anging, gab den FHA-Mitgliedern einen bedeutenden Vorteil. Er würde sichergehen müssen, dass sie mit Selbstbewusstsein den Kampf antraten - und einem Durst, sich selbst zu beweisen.
Er würde auch vorsichtig sein müssen, wen er auswählte, um die FHA zu repräsentieren. Er konnte nicht die besten sieben Schüler auswählen - noch die sieben schlechtesten. Er musste eine gewisse Balance aufrechterhalten, um ihr Duell glaubwürdig zu machen, während er gleichzeitig sicherstellte, dass die Chancen für alle gleich waren. Er musste sichergehen, sieben Schüler auszuwählen, die von allen respektiert wurden - zumindest ein Schüler von jedem Haus würde notwendig sein, um die meisten Leute zu erreichen. Als die Stunde vorbei war, freute Harry sich auf die nächste Woche. Egal wie es ausgehen würde, es sollte ziemlich unterhaltsam werden.
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Harry fand keine Lösung für seine Schlafprobleme und so, wie versprochen, blieb er am Montag nach dem Unterricht länger, um mit Professor McGonagall zu reden. Sobald die Tür hinter dem letzten Schüler zufiel, stand seine Hauslehrerin auf und stellte sich vor ihren Schreibtisch, bevor sie fragte: „Was kann ich für dich tun, Harry?"
Harry fuhr sich nervös durch die Haare und seine Hand blieb einen Moment in seinem Nacken liegen. „Nun, ich hatte in letzter Zeit wieder viele Visionen", erklärte er zögernd. Er fühlte sich nicht wohl, über die Visionen zu reden - außer mit Ginny.
„Ich hatte mir schon Gedanken gemacht", sagte seine Professorin zu sich selbst, doch er konnte ihre Worte hören. Sie schaute zu ihm hoch und fragte in normaler Lautstärke: „Kann ich davon ausgehen, dass sie deinen Schlaf wieder stören?"
Harry nickte. „Ja."
„Du siehst ein wenig mitgenommener aus als sonst, doch nicht so schlecht wie das letzte Mal, als wir diese Unterhaltung hatten", meinte sie.
„Ich hatte gehofft, Hilfe zu bekommen, bevor es so schlimm wird", gab Harry zu. „Ich habe selbst ein paar Nachforschungen angestellt, konnte aber nichts finden, das sich als permanente Lösung anbot."
„Ja, Schlafzaubertränke können ziemlich gefährlich werden, wenn sie nicht mit Bedacht verwendet werden", sagte Professor McGonagall. „Aber wir können vielleicht eine geeignete Lösung für dich finden. Möchtest du, dass ich dich zu Madam Pomfrey begleite?"
„Ja, ich würde das begrüßen", erwiderte Harry.
„Nun gut, dann lass uns gehen."
Harry folgte ihr aus der Tür hinaus und schritt stumm neben ihr her zum Krankenflügel. Als sie ihn betraten, kümmerte sich Madam Pomfrey gerade um einen ihrer Patienten. Daher warteten sie, bis sie fertig war.
Die Heilerin beäugte sie misstrauisch, Harry insbesondere, als sie sich näherten. „Sag mir, dass du es nicht schon wieder geschafft hast, dich beinahe selbst umzubringen, Mr. Potter. Ich hatte gehofft diese Tradition dieses Jahr brechen zu können."
„Äh, nein", erwiderte Harry. „Ich hatte eigentlich gehofft, dass ich ein Problem mit ihnen bereden könnte, das ich habe." Er schaute sich im Raum um, in den auch ein paar Betten belegt waren und fügte hinzu: „Vorzugsweise unter vier Augen."
Sie musterte ihn prüfend und wandte ihren Blick dann zu Professor McGonagall, die kurz nickte. „Nun gut", gab Madam Pomfrey nach. „Wir können in meinem Büro reden."
Als sie es betraten, setzte Madam Pomfrey sich hinter ihren Schreibtisch. Vor ihm standen zwei ziemlich bequem aussehende Stühle. Harry holte seinen Zauberstab hervor und drehte sich zu seiner Hauslehrerin: „Wenn Sie erlauben." Damit verwandelte er einen der Stühle in einen Holzstuhl mit gerader Lehne.
Harry konnte sehen, wie ihr Mund sich kurz zu einem Lächeln formte. „Danke, Harry."
„Gern geschehen", erwiderte er, setzte sich auf den anderen Stuhl und wandte seine Aufmerksamkeit der Matrone zu.
Madam Pomfrey schaute zwischen den beiden hin und her, als ob sie versuchen würde, ein Puzzle zusammenzusetzen. Nach einem Moment der Stille schüttelte sie den Kopf und fragte: „Was ist es also, über das du mit mir reden möchtest?"
„Nun", begann Harry plötzlich etwas verzagt. „Ich hatte in letzter Zeit Probleme zu schlafen."
„Und weißt du, woher es kommt?", bohrte Madam Pomfrey nach.
„Ja", antwortete Harry kurz. Er schaute zu Professor McGonagall, unsicher, wie viel er der Matrone erzählen durfte. Sie nickte kaum merklich und Harry sah das als ein Zeichen, um fortzufahren: „Ich habe viele Visionen, verstehen Sie", erklärte er. „Sie wecken mich mitten in der Nacht und ich finde es beinahe unmöglich, nach einer weiterzuschlafen."
„Und diese Visionen sind über ..."
„Voldemort", fügte Harry schnell hinzu.
„Ich verstehe", erwiderte sie und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück.
„Der Schulleiter ließ dich Okklumentik lernen, in der Hoffnung, dass es die Visionen aufhalten würde, nicht wahr?" Harry nickte. „Und hat das auf irgendeine Weise geholfen?"
„Um die Visionen zu blocken, nein", antwortete Harry. „Es hat ein wenig geholfen, nach den Visionen zurecht zu kommen. Ich kann meine Erinnerungen so sortieren, dass ich nicht die ganze Zeit noch einmal durchleben muss, was ich gesehen habe, aber es scheint einige Zeit zu brauchen, bevor ich diesen Punkt erreiche."
Es war eine Minute lang still im Zimmer, bevor Professor McGonagall sprach: „Du sagtest, du findest es beinahe unmöglich, nach einer Vision einzuschlafen", sagte sie nachdenklich. „Das impliziert, dass du es nicht ganz unmöglich gefunden hast. Kann ich annehmen, dass du es schon geschafft hast, nach einer Vision wieder einzuschlafen?"
Harry nickte. „Einmal." Mehr sagte er nicht.
„Und gab es etwas, das an diesem einen Mal anders war als sonst?" fragte seine Hauslehrerin.
Er nickte widerwillig, sagte aber nichts.
„Nun, was war es?", fragte Madam Pomfrey, nachdem er nicht weiterredete. „Du hast um unsere Hilfe gebeten, Mr. Potter. Wir können dir diese nur geben, wenn du mit uns zusammenarbeitest."
Harry seufzte und fuhr sich müde mit der Hand übers Gesicht, als er zwischen den beiden hin und her schaute. „Ich kann nicht fassen, dass ich mit euch zwei darüber rede", murmelte er. „Es war Ginny", sagte er lauter. „Ginny hat mir geholfen, wieder einzuschlafen."
Harry könnte schwören, dass er sah, wie Minervas Lippen sich wieder kurz nach oben zogen. „Und wie hat Miss Weasley genau geholfen?", fragte sie.
„Es war vor knapp einer Woche", erwiderte Harry unbeholfen, während er seine Hände in seinem Schoß faltete und sie anstarrte. „Es war - was die Visionen anging - eine schlimme Woche gewesen und sie hat mich früh am Morgen gefunden und darauf bestanden, dass ich wieder schlafen gehe. Ich habe mit ihr diskutiert, bis sie anbot, sich mit mir hinzulegen. Wir wollten nicht gesehen werden und sind daher in mein Büro gegangen. Sie hat sich mit mir hingelegt und bevor ich wusste, was geschah, war ich in einen ruhigen Schlaf gefallen. Ich hatte nicht wirklich geglaubt, dass es funktionieren würde, aber so ist es."
„Ich verstehe", kommentierte Madam Pomfrey. Sie lehnte sich leicht nach vorne, ihr Ellbogen auf den Tisch gelegt. „Du gehst mit Miss Weasley aus, nicht wahr?"
„Ja", antwortete Harry. Seine Wangen wurden nun rot, etwas, dass er seit Beginn dieser Fragerunde verzweifelt versucht hatte zu verhindern.
„Es gibt keinen Grund, peinlich berührt zu sein, Harry", schalt Minerva mit einem leicht amüsierten Unterton in ihrer Stimme.
Harry schaute zu ihr und funkelte sie einen Moment lang an, bevor er seinen Gesichtsausdruck wieder unter Kontrolle hatte. „Und wie hättest du dich mit sechzehn in meiner Situation gefühlt, wenn du mit deiner Hauslehrerin und der Heilerin darüber geredet hättest, wie du mit deinem festen Freund geschlafen hast?"
„Och, ich wäre vor Scham im Boden versunken, da bin ich mir sicher", erwiderte sie, und tat diesmal nichts, um das Lächeln auf ihren Lippen zu verbergen. Madam Pomfrey versuchte erfolglos, ein Lachen zu unterdrücken. „Aber ich war auch kein Assistenzprofessor und per du mit meiner Hauslehrerin, noch hatte ich damals viel Kontakt mit der Hogwartsheilerin - nicht annähernd so viel wie du mit Madam Pomfrey."
„Um zum Thema zurückzukommen", sagte Harry entschlossen. „Ich bezweifele etwas, dass ein dauerhaftes Arrangement mit Ginny eine von Hogwarts sanktionierte Option wäre."
Sobald sie ihre Fassung wiedergewonnen hatte, erwiderte Madam Pomfrey: „Da liegst du richtig. Nun, wie oft wird dein Schlaf unterbrochen?"
„Beinahe jede Nacht", antwortete Harry. Er bemerkte, wie ihre Augenbrauen bei diesem Geständnis nach oben wanderten und er konnte aus den Augenwinkeln ein Stirnrunzeln auf dem normalerweise stoischen Gesicht seiner Hauslehrerin sehen.
„Wieviel Stunden Schlaf bekommst du normalerweise, bevor die Visionen beginnen?", hakte sie nach.
„Unterschiedlich", meinte Harry. „Ich gehe meist früher als die anderen aus meinem Schlafsaal ins Bett, aber ich würde sagen, im Durchschnitt schlafe ich drei Stunden, bevor eine Vision beginnt."
Madam Pomfrey machte ein schnalzendes Geräusch mit ihrer Zunge. „Es gibt keinen Zauber oder Trank, der auf lange Sicht eine ordentliche Portion Schlaf ersetzen kann. Ein Stärkungstrank kann dich durch den Tag bringen, aber er wird deinen Körper nur noch schneller zur Erschöpfung treiben." Harry wand sich auf seinem Stuhl, aber biss sich auf die Zunge, als sie fortfuhr: „Die meisten Schlafzaubertränke sind gefährlich, wenn sie dauerhaft verwendet werden. Du hast bereits Erfahrung mit dem Traumlosschlaftrank gemacht, aber das ist vielleicht der schlimmste von allen. Er ist überaus süchtigmachend und wird dir irgendwann die Fähigkeit rauben, zu schlafen und damit auch deinen Verstand."
„Da deine Schwierigkeiten scheinbar nur mitten in der Nacht auftreten, würdest du nur genug Zaubertrank brauchen, um dir ein paar Stunden Schlaf zu ermöglichen", fuhr sie fort und dachte laut nach: „Es gibt keine Zaubertränkekombination, welche uns erlauben würde, dir den Schlaf, den du brauchst, jede Nacht zu ermöglichen, aber ich denke, wir können einen Plan mit Schlafzaubertränken erarbeiten, der dir drei oder vier Nächte in der Woche den nötigen Schlaf ermöglicht."
„Madam Pomfrey", unterbrach Harry. „Kann ich davon ausgehen, dass keiner dieser Zaubertränke etwas gegen die Träume machen wird?"
„Ja, Mr. Potter, so ist es", erwiderte sie kurz. „Wie ich bereits sagte, ist der Traumlosschlaftrank kein Trank, den ich dich regelmäßig einnehmen lassen würde."
Harry nickte. „Ja, Ma'am, aber ich glaube nicht, dass die anderen Zaubertränke ausreichen."
„Und wieso nicht, Mr. Potter?", fragte sie scharf, eindeutig unbeeindruckt von seinen Zweifeln.
„Wie ich schon sagte, hilft mir die Okklumentik, mich vor den Bildern nach den Taten zu schützen, aber ich brauche etwas Zeit und Ablenkung, bevor ich schlafen kann, ohne das Ganze noch einmal zu durchleben", erklärte Harry sachlich. „Ich habe nachgeforscht und der einzige Zaubertrank, den ich gefunden habe, welcher mir einen erholsamen schlaf geben kann, ist der Traumlosschlaftrank."
Nach einem kurzen Moment der Stille sagte Madam Pomfrey: „Es gibt einen schwachen Schlaftrank. Ich möchte, dass du ihn ausprobierst. Ich werde dich wecken können, wenn dein Schlaf unruhig wird. Ich würde diese Möglichkeit gerne versuchen, bevor wir sie ganz ausschließen. Der Kopf ist eine knifflige Angelegenheit, Mr. Potter. Du magst den Bildern nicht entkommen können, wenn du wach bist,, aber man kann nie sagen, was man in seinen Träumen sehen wird."
Harry seufzte, wissend, was das Resultat sein würde, aber er nickte widerwillig. „Okay. Ich werde dann hier schlafen müssen?"
„Ja", meinte Madam Pomfrey. „Ich werde dich überwachen, nachdem du den Zaubertrank zu dir genommen hast. Wenn du unruhig erscheinst, werde ich dich sofort wecken."
„Nun gut", stimmte Harry zu. „Was, wenn es nicht funktioniert?"
Ihr Blick wanderte für einen Augenblick zu Professor McGonagall, bevor sie wieder Harry anschaute. „Darüber reden wir, falls es so weit kommt."
Harry nickte zustimmend. „Dankeschön, Madam, Professor", sagte er und nickte den beiden zu. „Ich schätze, ich sehe Sie dann heute Abend, Madam Pomfrey?
„Punkt 21 Uhr", erwiderte sie.
Harry nickte und verließ den Raum. Es war noch ein wenig Zeit, bis das Mittagessen beginnen würde. Da er wusste, dass Ron eine Freistunde hatte, entschied Harry, zum Gemeinschaftsraum hochzugehen, um eine Runde Zauberschnippschnapp mit ihm zu spielen. Beim Mittagessen erzählte er seinen Freunden zögernd von seinen Schlafproblemen und das er in der Nacht im Krankenflügel schlafen würde. Ron, Hermine und Neville waren von dem Ganzen etwas geschockt. Harry hatte sich nicht anmerken lassen, dass er Probleme mit seinem Schlaf hatte und da er es hinbekommen hatte, seine Zimmerkameraden mit seinen Visionen nicht aufzuwecken, hatten sie von nichts gewusst. Nur Ginny wusste davon und die anderen konnten problemlos sehen, dass sie von der Situation wusste.
„Wieso hast du uns nichts davon erzählt?", fragte Hermine.
Harry konnte nur mit den Schultern zucken. „Es gab nichts, was ihr hättet tun können. Ich ziehe es wirklich vor, so wenig wie möglich darüber nachzudenken."
Dankbarerweise hatten sie das Thema bald darauf fallen lassen. Nach dem Mittagessen klärte er Ginny etwas detailreicher auf. Insbesondere erzählte er ihr auch von seiner Offenbarung, dass sie nach einer Vision in seinem Büro zusammen geschlafen hatten. Er gab ihr exakt die selben Details, die er den beiden Frauen gegeben hatte, für den Fall, dass das Thema noch einmal zur Sprache kommen würde. Er wollte, dass sie alle auf demselben Wissenstand waren. An diesem Abend wünschten seine Freunde ihm Glück, als er zum Krankenflügel ging. Ginny bot an, ihn zu begleiten, aber er schüttelte nur den Kopf. Wenn er ankommen würde, wäre es nach Zapfenstreich und er wollte nicht dafür verantwortlich sein, dass sie nachsitzen musste. Sie wünschten sich direkt vor dem Porträtloch eine gute Nacht und Harry machte sich allein auf den Weg. Sekunden nachdem er die Türen zum Krankenflügel geöffnet hatte, schlug eine Uhr an der Wand neun Uhr.
Madam Pomfrey trat aus ihrem Büro und nickte ihm kurz zu. „Gut, du bist da." Sie deutete auf eines der Betten nahe ihrem Büro. „Du wirst dort schlafen. Ich habe einen Pyjama für dich herausgelegt."
„Ich habe meinen eigenen mitgebracht, wenn das in Ordnung ist", meinte Harry.
Sie nickte. „Natürlich. Du kannst die Trennwand nutzen, wenn du möchtest. Solltest du eine Vision haben, läute die Glocke auf dem Nachttisch. Sie ist so verzaubert, dass eine andere Glocke in meinen Räumen läuten wird. Ich werde dir dann einen Schlaftrank geben und dich beobachten, bis ich davon überzeugt bin, dass dein Schlaf ungestört ist. "
„Dankeschön", erwiderte Harry und ging zu dem Bett, auf das sie gedeutet hatte.
„Gern geschehen", erwiderte sie. „Gute Nacht, Mr. Potter"
Gute Nacht, Madam Pomfrey."
Nachdem er den Paravent um sein Bett herum aufgestellt hatte, zog Harry sich um und legte sich hin. Er holte ein Buch über den Wolfsbannzaubertrank hervor und begann zu lesen. Nach etwa einer halben Stunde merkte er, wie ihm seine Augen zufielen. Er legte das Buch auf den Tisch und seine Brille darauf, zog die Bettdecke hoch und schloss seine Augen.
Stunden später wachte er schwer atmend und mit einer Hand gegen seine Narbe gepresst auf. Die Vision war besonders grausam gewesen. Er hatte schon viele Dinge gesehen und gelernt, damit umzugehen, aber die Visionen mit Kindern ließen ihn immer erschüttert und verstört zurück. Voldemort persönlich hatte in dieser Nacht ein Waisenhaus besucht.
Ein Bild blitzte vor seinem inneren Auge auf und Harry verließ schnell das Bett und rannte ins Badezimmer. Er kniete vor der Toilette und übergab sich, bis in seinem Magen nichts außer Magensäure übrig war. Er stand zitternd auf, ging zum Waschbecken und musterte sein bleiches Spiegelbild. Er drehte den Hahn auf und spritzte sich Wasser ins Gesicht, formte seine Hände dann zu einer Schale und führte das Wasser zu seinem Mund. Er gurgelte, bevor er es wieder ins Waschbecken spuckte. Er wiederholte diesen Vorgang ein paar Mal, drehte den Wasserhahn wieder zu und schaute ein letztes Mal in den Spiegel, bevor er sich wieder ins Bett begab und die Glocke auf dem Nachttisch benutzte.
Madam Pomfrey eilte einen Moment später ein wenig zerrumpelt in den Krankenflügel. Harry fühlte sich ein wenig schuldig, da er ihren Schlaf gestört hatte, aber er wusste, das es nicht anders ging. „Hallo Madam Pomfrey", grüßte er. „Entschuldigen Sie, dass ich Sie aufgeweckt habe."
„Unsinn", winkte sie ab. „Ich nehme an, du hattest eine Vision?"
„Ja"
„Ich habe deinen Zaubertrank hier", sagte sie und hielt ihm einen Kelch hin.
Harry nahm ihn ihr ab und begutachtete den Inhalt. Er war nur zur Hälfte gefüllt. In dem Dämmerlicht konnte er die Farbe nicht ausmachen, doch es schien eine dunkle zu sein. Er hielt den Kelch an seine Lippen und schluckte den Inhalt schnell hinunter. Madam Pomfrey nahm ihm den Kelch ab und Harry machte es sich unter den Decken gemütlich. Als sein Kopf wieder die Kissen berührte, drehte er sich um, um der Matrone eine Gute Nacht zu wünschen. Bevor er die Worte jedoch aussprechen konnte, entfaltete der Zaubertrank bereits seine Wirkung und Schlaf überkam ihn.
Der Albtraum begann sofort, so erschien es Harry zumindest. Er war im Waisenhaus und durchlebte das Grauen, das vor kurzem dort stattgefunden hatte, ein weiteres mal. Sein Unterbewusstsein tat nichts, um den Terror und die Brutalität abzuschwächen, eher das Gegenteil. Es war jedoch schwer zu sagen und er wollte wirklich nicht lange darüber nachdenken. Er wusste nicht, wie lange er in dem Albtraum gefangen war. Es war lange genug, um das Gefühl zu haben, dass er die Vision zumindest noch ein weiteres ganzes Mal durchlebt hatte. So abrupt, wie die Albträume ihn gefangen genommen hatten, so abrupt wachte er auf. Harry setzte sich japsend in seinem Bett auf, als er versuchte, die Vision aus seinem Bewusstsein zu verbannen.
„Alles in Ordnung, Mr. Potter?", fragte Madam Pomfrey, ihre Stimme sanfter als gewöhnlich.
Harry nickte nur kurz, da er seiner Stimme im Moment nicht vertraute.
Seufzend fragte sie: „Möchtest du für den Rest der Nacht etwas Traumlosschlaftrank?"
Harry dachte darüber nach, seine Knie an seinen Oberkörper gezogen und seine Arme um sie herum geschlungen. Die Möglichkeit, bis zum Morgen friedlich schlafen zu können, war verlockend, aber er wusste, dass er den Zaubertrank für Notfälle aufsparen sollte. Er drehte sich zu der Matrone, schüttelte den Kopf und sagte: „Ich glaube, ich sollte warten, bis ich ihn wirklich brauche."
Sie musterte ihn aufmerksam, bevor sie nickte. „Nun gut. Gibt es etwas, das ich für dich tun kann?"
Harry schüttelte wieder den Kopf. „Wenn es in Ordnung ist, gehe ich einfach zurück in den Gryffindorturm. Ich kann etwas Stoff wiederholen, bis die anderen aufwachen."
Sie schien nicht besonders begeistert zu sein. Ob es allerdings wegen seinem Plan oder nur wegen der Erfolglosigkeit des Schlaftrankes war, wusste er nicht. Nichtsdestotrotz sagte sie: „Natürlich, wenn du das möchtest."
Harry sammelte die wenigen Dinge, die er mit nach unten gebracht hatte, zusammen. „Ich denke, ich werde mich noch umziehen, bevor ich zurückgehe", informierte er sie. „Ich hoffe, Sie haben noch eine gute Nacht, Madam."
„Danke", erwiderte sie. Sie schien noch etwas sagen zu wollen; sie öffnete ihren Mund, aber sie schloss ihn gleich wieder. Schließlich sagte sie: „Pass auf dich auf, Harry."
Harry verbrachte den Rest des frühen Morgens im Gemeinschaftsraum. Als der Morgen dämmerte, kündigten Ginnys Schritte ihr Erscheinen an. Als sie den Raum betrat, traf ihr Blick auf seinen, und er bemerkte ihre leichte Enttäuschung, ihn dort zu sehen. Sie hatte zweifellos gehofft, er würde noch immer im Krankenflügel schlafen. Ihre Frage war praktisch auf ihrem Gesicht geschrieben, als sie sich näherte und Harry schüttelte den Kopf.
Sie ging entschlossen weiter zu ihm, ging um seinen Stuhl herum und legte ihre Arme um ihn. „Es tut mir leid, Harry", flüsterte sie und küsste ihn auf den Scheitel.
Harry sagte nichts. Er hielt eine ihrer Hände in seine und genoss einfach nur den Trost und die Wärme, die sie ihm gab.
Ginny löste die Umarmung und setzte sich auf den Stuhl neben ihn, wobei sie nie ihre Hand aus seiner löste. „Was nun?", fragte sie. „Hat Madam Pomfrey einen weiteren Plan?"
Harry zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht; es war mitten in der Nacht - es schien nicht die richtige Zeit zu sein, es zu besprechen. Ich bezweifele es allerdings. Sie schien nicht besonders darauf zu drängen, Alternativen zu besprechen." Ginny drückte seine Hand, sagte aber nichts. Nach einer Minute seufzte Harry und stand auf, wobei er leicht an Ginnys Arm zog: „Nun, lass uns anfangen."
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Harry versuchte, nicht mehr daran zu denken. Es brachte nichts, sich mehr als nötig Sorgen darüber zu machen. Wenn alles andere nichts brachte, würde er beginnen, tagsüber Mittagsschläfchen zu halten. Es war keine ideale Lösung, aber er wusste, dass er wahrscheinlich keine bessere finden würde. Er hatte am Abend ein weiteres Treffen mit Madam Pomfrey und Professor McGonagall gehabt, aber sie schienen ihm zuzustimmen, dass es im Moment die beste Lösung wäre, am Tag Schläfchen zu halten. Harry war von diesem Ergebnis nicht überrascht, aber er konnte nicht anders als von den mangelnden Alternativen enttäuscht zu sein.
Um das ganze aber von der positiven Seite zu sehen, dachte er daran, dass Ginny ihm ihren Schoß angeboten hatte - von der Tatsache mal abgesehen, dass das letzte Mal, als er ihren Schoß als Kissen benutzen wollte, sie es nie wirklich in diese Position geschafft hatten. Leider überschnitten sich ihre Zeitpläne selten. Ginny war beinahe immer mit Lernen beschäftigt und er wollte ihr Training aufrecht erhalten, was wenig Zeit für andere Aktivitäten ließ. Wenn sie mal Zeit fanden, hatten sie meist anderes im Kopf als zu schlafen.
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Am Dienstagabend bat Harry seine sieben fortgeschrittenenen AHA-mitglieder nach dem Unterricht da zu bleiben. Als die Tür sich hinter dem letzten Schüler schloss, drehte Harry sich um und musterte sie. Sie standen überraschend aufrecht da, ihre Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet. Ihre Neugier war in ihren Augen zu lesen, aber keiner von ihnen machte Anstalten, zu fragen, was los war. Sie würden darauf warten, dass er begann. „Seit ihr mit den Duellen begonnen habt, habt ihr nichts anderes gemacht als mich zu beeindrucken", begann Harry und schaute einen nach dem anderen in die Augen. „Ich kann euch nicht halb so oft zuschauen, wie ich gerne täte, und der einzige Grund, warum dieses Arrangement überhaupt funktioniert ist eure Verhaltensweise. Ihr habt nicht viele Anweisungen benötigt. Ich gebe euch eine Aufgabe und ihr macht alles, was ich von euch verlange und mehr."
Er konnte die Wirkung sehen, welche die Worte auf sie hatten. Es war klar, dass Minerva mit ihrer Beobachtung Recht hatte. Sie schauten zu ihm auf. „Im letzten Monat habe ich euch und eure Arbeitsmoral, die ihr in euren Übungen zeigt, noch einmal ein wenig mehr zu schätzen gelernt," fuhr Harry fort. „Vor etwa einem Monat habe ich den Schwerpunkt in meiner zweiten Klasse auf Duellübugen verlagert. Sie sind ein wenig anders als eure - die Gruppen sind größer und sie kämpfen in lebensähnlicheren Situationen - aber sie basieren auf denselben Grundsätzen. Leider haben die Schüler die neuen Übungen nicht mit dem gleichen Eifer angenommen wie ihr. Beinahe vom ersten Tag an habt ihr Strategien für eure Duelle entwickelt und sie als Leben-oder-Tod-Gefechte behandelt sowie euer Bestes getan, nicht nur zu gewinnen, sondern auch jegliche Verletzte auf eurer Seite zu vermeiden. Bei ihren Duellen verwenden sie praktisch keine Strategien und es endet normalerweise in einem alle-gegen-alle. Sie sehen die Kämpfe wie ein Spiel an, das keine Konsequenzen hat."
Harry schaute die sieben Schüler entschlossen an. „Ich möchte euch um eure Hilfe bitten. Nichts, das ich gesagt habe, hat etwas bewirkt, aber ich denke ihr könntet mehr Erfolg haben. Wenn ihr zustimmt, würde ich diesen Sonntag gerne euch sieben gegen eine Gruppe von sieben Schülern aus der Fortgeschrittenengruppe antreten lassen."
Sieben Münder klappten auf. Es war Ryan, der Viertklässler aus Slytherin, der zuerst seine Fassung wieder erlangte. „Du möchtest, dass wir gegen sie kämpfen?"
„Ja", erwiderte Harry und nickte.
„Aber sie sind älter und kennen viel mehr Zauber", protestierte Nicholas.
Harry wischte ihre Bedenken beiseite. „Macht euch keine Gedanken. Ich habe Vertrauen in euch. Wenn ihr dieses Duell mit derselben Einstellung angeht, wie ihr dies immer tut, seid ihr ihnen gewachsen." Und mit einem Grinsen fügte er hinzu: „Außerdem: Denkt daran, wie ihr prahlen könnt, wenn ihr sie fertig macht."
Er konnte sehen, wie ein paar Augenpaare bei dieser Aussicht aufleuchteten. Ryan und Nicholas tauschten ein schelmisches Grinsen aus - es überraschte ihn noch immer einen Gryffindor und einen Slytherin zu sehen, die sich gut verstanden. Mary-Jo schaute von einem zum anderen, bevor sie die Augen verdrehte, doch ihr breites Grinsen war echt, als ihr Blick an Nicholas hängen blieb.
„Was sagt ihr also?", fragte Harry nach einer Minute.
Die sieben Schüler tauschten bestätigende Blicke aus, bevor sie sich wieder ihm zuwandten. Es war Ryan, der für die Gruppe sprach: „Wir sind dabei."
„Exzellent", erwiderte Harry mit einem Lächeln. „Ich wusste, ich kann auf euch zählen."
Damit war ein Problem erledigt. Er wägte das für und wider ab, seiner FHA-Klasse von seinen Plänen für den folgenden Sonntag zu berichten oder einfach bis zum Unterricht zu warten. Er nahm an, dass es keinen großen Unterschied machen würde und - da er Überraschungen mochte - behielt er die Information für sich. Er hatte die sieben Schüler noch nicht ausgewählt, die die FHA repräsentieren sollten und selbst wenn er es hätte, bezweifelte er, dass sie die Zeit nutzen würden, um sich eine Strategie auszudenken. Schließlich planten sie nicht viel und wendeten keine Strategien an, wenn sie gegeneinander duellierten. Warum sollten sie sich die Mühe machen, dies gegen eine Gruppe jüngerer, weniger fortgeschrittener Schüler zu tun?
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Bevor Harry wusste, wie ihm geschah, war es Wochenende. Er hatte während dem Mittagessen am Freitag eine plötzliche Inspiration. Auch wenn er seine neue Fähigkeit stetig verbesserte, machte er sich Sorgen, dass er das nächste Mal in einem Kampf die Menge an Menschen und Magie um ihn herum schnell als überwältigend und verwirrend empfinden würde. Er wollte einen Punkt erreichen, wo es nicht länger etwas war, das er an- und ausschaltete. Schließlich würde er nicht immer vorher wissen, wann er die Fähigkeit brauchen würde.
Daher nutzte er die vollbesetzte Große Halle. Seine Freunde waren alle vom Essen abgelenkt und er saß da, aß langsam von seinem Teller, als ihm ein Gedanke kam. Er konzentrierte sich einen Moment lang und zuckte zusammen, als der plötzliche Gefühlsfluss sein Gehirn überflutete. Er ließ seine Gabel auf seinen Teller fallen und kniff seinen Nasenrücken, aber weigerte sich aufzugeben.
„Alles in Ordnung, Harry?", fragte Neville neben ihn.
Harry schaute jeden seiner Freunde an und merkte, dass sie ihn alle besorgt musterten, bevor er schließlich zu Neville gewandt sagte: „Ja, nur Kopfschmerzen." Er setzte ein Lächeln auf und nahm die Gabel wieder in die Hand. „Mir geht's bald wieder gut", versicherte er ihnen und biss von einer seiner Kartoffeln ab.
Er aß mechanisch weiter und tat sein bestes, der Unterhaltung zu folgen, aber ein Großteil seiner Aufmerksamkeit war darauf fokussiert, die Menge an Informationen, die er erhielt, zu sortieren. Zuerst schien sich alles zu vermischen, aber als er sich darauf konzentrierte, begann er die unterschiedlichen Quellen voneinander trennen zu können. Er begann sogar zwischen ihnen einen deutlichen Unterschied zu bemerken, was Sinn machte. Keine zwei Personen waren genau gleich. Es war daher nur natürlich, dass ihre Magiekerne sich ebenfalls unterschiedlich anfühlen würden.
Er konzentrierte sich auf seine Freunde und versuchte das Gefühl ihrer Magie mit ihnen in Verbindung zu bringen. Dabei bemerkte er, wie Ron sich zu ihm wandte und etwas sagte, aber er war so auf das fokussiert, was er tat, das er die Worte nicht verstand. Harry schüttelte seinen Kopf und sagte: „Tschuldige, ich war mit den Gedanken woanders. Was hast du gesagt?"
„Ich habe gefragt, was du davon hältst, diese Woche ein zusätzliches Quidditchtraining abzuhalten", meinte Ron.
Harry runzelte die Stirn. „Ich bin mir nicht sicher, ob das eine gute Idee ist." Er warf einen kurzen Blick zu Hermine und führte dann aus: „Die Prüfungen kommen immer näher und während wir uns dieses Jahr um die Z.A.G.s und U.T.Z.e keine Sorgen machen müssen, gibt es ein paar Leute im Team, die dies tun müssen. Ich möchte nicht ihre Vorbereitungen stören."
„Himmel, du fängst an, dich wie Hermine anzuhören, " erwiderte Ron in seinem Schock.
„Und was ist daran falsch?" wollte Hermine wissen und richtete einen tödlichen Blick auf Ron.
„Nichts", versicherte Ron eilig. „Ich meinte nur, dass ich das nicht von ihm erwartet hatte, das ist alles."
Hermine schien davon besänftigt zu sein und wandte ihren Blick Harry zu. Sie schien ihn einen Moment lang zu mustern, bevor sie schließlich sagte: „Ich schätze, ich hatte es ebenfalls nicht erwartet, aber ich stimme zu. Es freut mich, dass du endlich die Bedeutung deiner Schulausbildung erkannt hast."
Harry konnte gerade noch verhindern, dass er die Augen verdrehte. Die Aussage war so typisch für Hermine. Ron versuchte zu protestieren und zu sagen, dasss noch ausreichend Zeit war bevor die Prüfungen beginnen würden und dass sie sich zurückhalten könnten, wenn die Prüfungen näherrückten, aber Harry wich nicht von seiner Meinung ab. Er hielt nicht viel von den Prüfungen, aber er wusste, dass sie für andere wichtig waren. Ginny war schon genug von Arbeit überhäuft, und sie hatte am längsten von all ihren Freunden ausgehalten. Er wollte sich nicht vorstellen, wie es für Katie und die anderen Siebtklässler war. Er würde nichts tun, um es noch schwerer für sie zu machen. Außerdem war ihr Team ziemlich gut im Schuss und sie könnten noch immer wenn es notwendig sein sollte ein paar zusätzliche Trainingseinheiten dazwischenquetschen, nachdem die Prüfungen vorbei waren.
Als dies geklärt war, war es schon an der Zeit zum V.g.d.D.K.-unterricht zu gehen. Harry passte nur gelegentlich im Unterricht auf, so wie es für ihn zur Gewohnheit wurde; sie nahmen selten etwas durch, das er nicht bereits selbst gelernt hatte. Nach dem Unterricht hielt er ein extralanges Nickerchen, um sich für die geplante Exkursion an diesem Abend - oder besser gesagt früh am nächsten Morgen - vorzubereiten. Der einzige Nachteil war, dass er Probleme hatte, einzuschlafen, als es an der Zeit für seine normale Schlafenszeit war. Es schien ewig zu dauern, bis er schließlich einschlief und es schien nur Momente später zu sein, als er bereits in einer Vision gefangen war.
Als Harry aufwachte, lag er schwer atmend im Bett. Er wurde ein paar Sekunden später aufgeschreckt, als sein Weckzauber losschrillte. Nun, wenigstens hatte Voldemort gutes Timing. Er gab sich noch einen Moment Zeit, um sein rasendes Herz zu beruhigen und lauschte auf die Geräusche im Zimmer - das tiefe Atmen und das Schnarchen seiner Zimmerkameraden im Schlaf. Er zog sich zuerst eine schwarze Robe an und zog dann den Tarnumhang darüber, beides hatte er in seinem Bett versteckt gehabt, bevor er leise seine Bettvorhänge zur Seite schob und den Raum verließ. Er beeilte sich und lief zur Eulerei hoch, wo er sich in eine Eule verwandelte, bevor er sich in die Lüfte erhob und das Schloss verließ.
Er landete im Außenbezirk von Hogsmeade und verwandelte sich, bevor er in die Winkelgasse apparierte in seine menschliche Gestalt zurück. Er ging die Stufen zu dem beeindruckenden weißen Gebäude hoch. Er ignorierte den Kobold, der neben den großen bronzenen Türen Wache stand, wobei er bemerkte, dass der Blick des Kobolds einen Moment lang zu seinem unsichtbaren Körper wanderte, als er an ihm vorbeiging und die Lobby der Zaubererbank betrat. Er suchte den Raum ab und musterte die Anwesenden. Die meisten der Schalter waren unbesetzt, aber es gab dennoch einige, an denen ein Kobold stand. Nur ein paar Zauberer waren in der Lobby und Harry entdeckte Remus schnell, der in einer Ecke wartete.
Er ging zu Remus hinüber und sagte leise: „Remus, ich bin da." Remus nickte beinahe unmerklich und ohne dass ein Wort gesprochen wurde, führte er Harry einen Flur entlang und durch eine Holztür. Das relativ kleine Zimmer dahinter war mit einem kleinen viereckigen Tisch mit drei Stühlen möbliert. Sobald die Tür sich hinter ihnen geschlossen hatte, zog Harry den Tarnumhang aus. Remus setzte sich an die Seite des Tisches, die ihm am nächsten war und bedeutete Harry, sich auf den Stuhl neben ihn zu setzen.
„Ich schätze, das funktioniert besser als jede Verkleidung", sagte er und nickte in Richtung des seidenen Kleidungsstücks, das Harry in der Hand hielt. Harry lächelte nur als Antwort und Remus fuhr fort: „Ich habe die Kobolde gebeten, uns etwas Zeit zu geben, bevor das Meeting beginnt. Sie haben mir versichert, dass der Raum vollständig sicher ist."
Harry nickte. „Danke, dass du das alles vorbereitet hast - und das du da bist."
„Gern geschehen", erwiderte Remus. „Nun, ich dachte, wir würden die Grundlagen durchgehen, was hier geschehen wird. Das Haus wird von einem Notar gekauft, der von einem Unternehmen beauftragt wurde, von dem du der einzige Inhaber bist. Du wirst das Haus durch das Unternehmen besitzen. Es ist ein bisschen komplizierter als das, da einige Maßnahmen ergriffen werden, um es schwerer zu machen, die Eigentümerschaft des Hauses oder des Unternehmens zu dir nachzuverfolgen. Auch ich verstehe nicht alle Details."
„Okay", sagte Harry und nahm sich einen Moment, um das gerade gesagte zu verstehen. „Das macht Sinn. Ich habe an so etwas überhaupt nicht gedacht."
„Nun, ich erwarte nicht, dass Voldemort sich jemals die Mühe machen wird, Muggeleintragungen zu überprüfen", sagte Remus. „Aber Dumbledore hat viele Kontakte, die mit der Muggelwelt vertraut sind. Ich würde es ihm durchaus zutrauen, das er diese Leute die Eintragungen überprüfen lässt, nachdem du verschwindest."
Harry nickte nachdenklich. „Gibt es sonst noch etwas, dass ich wissen sollte?"
„Nun, die Auflassung des Hauses ist für den 22. Mai vorgesehen", sagte Remus ihm. „Du wirst dafür nicht anwesend sein müssen, da dein Notar sich darum kümmern wird, aber nach diesem Zeitpunkt solltest du damit beginnen können, alles vorzubereiten. Wie kommst du mit den Schutzzaubern voran?"
„Gut", antwortete Harry. „Ich habe sie bisher einzeln geübt. Es ist nicht einfach, aber ich kann jeden werfen. Den einzigen, den ich noch nicht ausprobiert habe, ist der Fidelius, aber das werde ich bald. Das Schwere wird sein, die Schutzzauber zusammenzubinden, aber ich arbeite bereits daran. Ich sollte in ein paar Wochen bereit sein - vielleicht sogar bis zum 22. Wenn ich Glück habe."
Remus war einen Moment lang still nach Harrys Antwort. Schließlich seufzte er. „Um ehrlich zu sein, bin ich mir nicht sicher, ob ich darüber erleichtert sein soll. Ein Teil von mir freut sich, dir helfen zu können, aber ein anderer Teil von mir [ist] malt sich aus, was alles schief gehen könnte. Ich schätze, dieser Teil von mir hat beinahe gehofft, dass du die Schutzzauber zu schwer finden würdest und das du deinen Plan für den Moment auf Eis legst."
Harry war sich nicht sicher, wie er diese Aussage verstehen sollte. Er hatte niemals inne gehalten, um darüber nachzudenken, wie es für Remus sein musste, einfach beiseite zu treten und Harry seine eigenen Entscheidungen fällen zu lassen. Während Harry bewiesen hatte, dass er auf sich selbst aufpassen konnte, wusste er, dass Remus sich schuldig fühlen würde, wenn in diesem Sommer etwas falsch laufen würde. Remus wusste, was Harry plante und statt ihn davon abzubringen tat er sein Bestes, um ihm zu helfen. Während es Harrys Entscheidung war, war es in Remus Macht gewesen, ihn aufzuhalten und er hatte sich entschieden, dies nicht zu tun. Harry musste einfach sichergehen, nichts zu tun, dass Remus seine Entscheidung bereuen lassen würde.
„Ich weiß, du hast deine Zweifel, ob es das Richtige ist oder nicht, aber danke dass du mich meine eigenen Entscheidungen treffen lässt", sagte Harry ernst. „Ich verspreche, dass ich alles in meiner Macht stehende tun werde, um sicherzustellen, dass ich in meinem Haus sicher bin."
„Sicher zu Hause vielleicht", erwiderte Remus. „Aber was passiert, wenn du eine weitere Vision hast? Wirst du den Orden kontaktieren? Wirst du auf Hilfe warten? Wenn deine Tarnung auffliegt, werden die anderen Ordensmitglieder nicht zögern, dich mit Gewalt mitzunehmen. Hast du daran gedacht?"
„Das habe ich", erwiderte Harry behutsam. „Ich weiß nicht, was passieren wird. Irgendwann wird der Orden anfangen müssen, mir zu vertrauen, dass ich meine eigenen Entscheidungen fällen und dass ich auf mich selbst aufpassen kann. Sobald ich siebzehn bin, werde ich volljährig sein und dann kann mich juristisch niemand dazu zwingen, etwas zu tun. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob es jetzt legal ist, mich dazu zu bringen - wahrscheinlich nur deswegen, weil sie mich meinen Verwandten aufzwingen, die noch immer meine Vormünder sind."
„Das ist wahr", gab Remus nach. „Aber erwarte nicht, dass dieses Argument bei den meisten Ordensmitgliedern tatsächlich funktionieren wird. Der Orden im Gesamten mag nicht den gesamten Inhalt der Prophezeiung kennen, aber wir alle wissen, dass du der Schlüssel für den Fall Voldemort bist. Für die meisten ist das genug, um dich solange sie es für angemessen halten hinter Schloss und Riegel zu halten."
Harry lachte humorlos auf. „Das hört sich so an, als müsste ich nur im richtigen Moment auftauchen und Voldemort wird sich einfach ergeben und sterben. Verstehen sie nicht, dass ich trainieren muss? Dass ich Kampferfahrung brauche, bevor ich Voldemort gegenübertreten kann?"
„Um ehrlich zu sein setzen wir alle nur unser Vertrauen in Dumbledore", sagte Remus mit einem Seufzen. „Er ist unser Anführer. Er kennt die ganze Prophezeiung. Jeder nimmt einfach an, dass er weiß, was er tut - das er einen Plan hat. Wenn er ihnen sagt, dass du nicht an den Kämpfen teilnehmen sollst, dass du zu jung oder zu wichtig bist, dann glauben sie ihm. Ich hätte ihm auch geglaubt, wenn ich nicht bereits erkannt hätte, dass du an den Kämpfen teilnimmst."
Harry ließ sich das einen Moment lang durch den Kopf gehen. Bevor er jedoch eine Antwort formulieren konnte, öffnete sich die Tür und zwei Kobolde traten ein, gefolgt von einem Mann in grauen Roben. „Mr. Lupin. Mr. Potter", sprach der anführende Kobold sie an. „Sind Sie bereit zu beginnen?"
Harry drehte sich kurz zu Remus, bevor er antwortete. „Ja."
Das Meeting, das folgte, ließ seinen Kopf schwirren. Als Remus gesagt hatte, das die Dinge ein wenig komplizierter waren als seine einfache Erklärung suggerierte, hatte er keine Scherze gemacht. Harry versuchte alles zu verstehen, aber oft nickte er nur mit seinem Kopf und ließ seine Zustimmung verlauten, in was ihm in Intervallen angemessen zu sein schien. Es gab mehrere Dokumente, die er unterschreiben musste und eines benötigte sogar sein Blut. Harry machte den Fehler, zu versuchen, das erste von ihnen zu lesen. Er erkannte schnell, dass sie nicht dazu gedacht waren, von einem Durchschnittsbürger gelesen zu werden. Die verwendete juristische Sprache war unmöglich zu verstehen und bereitete ihm nur Kopfschmerzen. Die Tatsache, dass seine Narbe gereizt war, half dabei nicht.
Das Ganze dauerte beinahe zwei Stunden. Harry dankte den beiden Kobolden und dem Notar für ihre Zeit und Unterstützung und warf sich seine Kapuze wieder über den Kopf, bevor er das Besprechungszimmer zusammen mit Remus wieder verließ. Zu diesem Zeitpunkt war er erschöpft. Alles, an was er denken konnte, war sein Himmelbett im Gryffindorturm. Er dankte Remus noch einmal, bevor sie sich vor der Bank verabschiedeten. Harry apparierte schnell nach Hogsmeade und kehrte ins Schloss zurück. Er benutzte seinen Tarnumhang und seine Karte, um die Flure zu durchqueren und den Schlafsaal zu betreten, ohne dass ihn jemand bemerkte. Er hob die Illusion, die auf dem Bett lag, auf und schlüpfte schnell unter die warme Bettdecke. Sekunden nachdem sein Kopf das Kissen berührte schlief er ein.
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Am nächsten Tag war Harry erschöpft und nach dem Mittagessen beschloss er, einen Mittagsschlaf zu halten. Als er auf seinem Sofa lag und versuchte, Schlaf zu finden, konnte er nicht anders als an seine Unterhaltung mit Remus zurückzudenken. Er hatte darüber nachgedacht, wie der Orden reagieren würde, wenn sie erfahren würden, dass er Jim war, aber mit allem anderen, an das er denken musste, hatte er nicht allzuviel darüber nachgedacht. Remus hatte jedoch ein exzellentes Argument vorgebracht. Harry wollte mit dem Orden im Kampf zusammenarbeiten, um mehr beinahe fatale Folgen wie in St. Mungos zu verhindern. Die Zusammenarbeit war nie ein Teil seines Planes gewesen, als er sich die Verkleidung ausgedacht hatte, aber nun, da er in mehreren Kämpfen verwickelt gewesen war, erkannte er die Notwendigkeit.
Er wusste jedoch, dass er die Täuschung nicht für immer aufrecht erhalten konnte, selbst wenn er wollte. Die Wahrheit würde irgendwann ans Licht kommen, und es wäre besser, wenn es direkt von ihm käme statt von dem nächsten Ordensmitglied, das alle Puzzleteile zusammenfügte. So oder so wollte er sich nicht weiterhin als Jim maskieren. Er war die Geheimnistuerei leid - und leid, wie sehr dies seine Freundschaften strapazierte. Er freute sich fast darauf, Dumbledore, dem Orden und seinen Freunden alles zu sagen. Es würde befreiend sein, nicht ständig besorgt sein zu müssen und sich zu fragen, wann alles um ihn herum zusammenfallen würde.
Hermine allein war für ihn schon Grund genug, es hinter sich zu bringen. Es war nicht nur ungemein lästig, dass sie in ausspionierte. Es war auch klar, dass ihre Freundschaft weiterhin auf Eis sein würde, bis seine Geheimnisse rauskamen. So sehr sie ihm auch auf die Nerven ging, konnte Harry dennoch nicht leugnen, dass er ihre Freundschaft vermisste - und Rons ebenfalls. In den letzten fünf Jahren waren sie die besten Freunde gewesen - seine Familie; und er hasste die Distanz, die zwischen ihnen entstanden war. Es wäre schön, endlich reinen Tisch zu machen. Er wusste, dass die Dinge zwischen ihnen wahrscheinlich nie mehr so sein würden, wie sie mal waren, aber er freute sich darauf, zumindest wieder auf den richtigen Kurs zu kommen.
Schließlich beruhigten sich seine Gedanken und er schlief ein.
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Ron stürmte wütend die Flure hinunter, ohne einen Gedanken an die Schüler zu verschwenden, die in seinem Weg waren. Ärgerliches Gemurmel und Beschwerden waren zu hören, als er sich an den Leuten, die im Weg standen, vorbeidrängte. Das Ganze wurde langsam lächerlich. Das war nun das zweite Mal innerhalb von zwei Wochen, dass Hermine ihn versetzt hatte. Zweimal! Er würde das nicht akzeptieren.
Er kannte Hermines Lernverhalten so gut wie jeder andere. Er hatte Jahre ihres Drängens, mehr zu lernen, ausgehalten - das er seine Hausaufgaben machen und für die Tests lernen sollte. Ron wusste auch, dass er diese nicht ganz so sanften Anstöße brauchte, um anzufangen zu lernen. Hermine war dahingehend gut für ihn- selbst wenn sie nervig werden konnte. Er war gewillt, darüber hinwegzusehen.
Aber das? Das war jenseits von Gut und Böse. Er warf die Türen zur Bibliothek auf, ohne dabei auf die lernenden Schüler oder die verärgerte Bibliothekarin zu achten. Er hatte in diesem Moment nur eine Person im Kopf und sie schien die einzige Person in der gesamten Bücherei zu sein, die sich nicht von ihm gestört fühlte.
Ron schritt zu ihr und ignorierte dabei die Blicke der anderen Bibliotheksnutzer im Raum. Er trat direkt hinter sie, langte über sie hinweg und klappte das Buch vor ihr lautstark zu. Er trat einen Schritt zurück, ein zufriedenes Lächeln auf dem Gesicht. Einen langen Augenblick lang bewegte Hermine sich nicht. Sie saß stocksteif da. Dann, langsam, legte sie die Hände vor sich auf den Tisch und mit einer bedächtig ausgeführten Bewegung stieß sie ihren Stuhl zurück und stand auf, um sich zu ihm umzudrehen. Sie war außer sich vor Wut.
„Was-glaubst-du-was-du-da-tust?", wollte sie mit eiskalter Stimme wissen, jedes Wort überdeutlich betont.
„Dich aus der Bücherei holen", sagte Ron sachlich.
„Und warum, bitteschön, holst du mich aus der Bücherei?", fragte Hermine in einer täuschend ruhigen Stimme.
„Weil ich dich seit einer Woche nicht mehr außerhalb des Unterrichts gesehen habe", erwiderte Ron. „Wir waren schon vor einer halben Stunde verabredet."
Hermine schaute auf ihre Uhr und schien von der Uhrzeit überrascht zu sein. „Ich war beschäftigt", antwortete sie geistesabwesend. „Ich habe mein Zeitgefühl verloren." Sie wandte sich wieder zu ihm und ein Feuer schien in ihren Augen zu brennen. „Aber das gibt dir nicht das Recht, hier hereinzustürmen und Bücher zuzuschlagen."
Ron erwiderte ihren Blick und weigerte sich zurückzuweichen. „Und das habe ich das letzte mal auch nicht getan", gab er zurück. „Aber ..."
„Hinaus", war die kreischende Stimme von Madam Pince zu hören und unterbrach damit seine Tirade. „Ihr beide. Sofort!"
Ron wirbelte herum und entdeckte die Bibliothekarin direkt hinter sich. Er öffnete den Mund, aber klappte ihn abrupt wieder zu. Er drehte sich wieder herum, um Hermine anzuschauen; sie sah mehr geschockt aus als alles andere, als ob sie nicht fassen könnte, dass sie tatsächlich aus der Bücherei geworfen wurde. Mit einem zufriedenen Grinsen schritt Ron aus der Bibliothek hinaus ohne nach hinten zu sehen, um zu schauen, ob Hermine ihm folgte. Bevor er weit gekommen war, hörte er Hermine, die ihm etwas zurief. „Lauf nicht vor mir weg, Ron Weasley!" Er drehte sich auf seinem Absatz um, während sie hinter ihm herstürmte. „Ich kann nicht glauben, dass du es gerade hinbekommen hast, mich aus der Bücherei hinauswerfen zu lassen." Sie hielt einen Moment inne und verengte ihre Augen zu Schlitzen. „Lächelst du?", wollte sie wissen. „Du hast vielleicht Nerven!"
„Ich habe Nerven?", erwiderte Ron. „Du solltest meine Freundin sein! Du hast mich um ein Date gebeten, erinnerst du dich? Dann hast du die Nerven, mich zu versetzen. Zweimal! Was zum Teufel lernst du, dass so wichtig sein könnte, um mich zweimal zu versetzen?"
„Du willst wissen, was ich lerne", fauchte diese. „Du willst es wirklich wissen?" Ron funkelte sie nur an und forderte sie damit heraus, weiterzureden. „Harry, okay? Ich stelle Nachforschungen an, um herauszufinden, was verdammt noch mal mit Harry los ist!"
Ron war so geschockt von dieser Antwort, dass er vergaß, böse zu gucken. Er starrte sie mit großen Augen an und versuchte zu verstehen, was sie gesagt hatte. Harry? „Hä?"
„Er verheimlicht etwas vor uns", sagte sie wieder in normaler Lautstärke, auch wenn sie noch immer barsch klang. „Etwas Großes. Und ich werde nicht einfach nur herumsitzen und darauf warten, bis er uns sagt, was es ist - oder etwas dummes tut, wie in eine Falle zu laufen, um jemanden zu retten, der nicht einmal in Gefahr ist!"
Ron schüttelte den Kopf. Er war von diesem plötzlichen Wechsel der Unterhaltung verwirrt. „Was glaubst du verheimlicht er uns?"
„Ich weiß es nicht", sagte sie. Ihre Frustration war deutlich in ihrer Stimme zu hören. „Er ist zu vorsichtig. Er tut alles entweder in seinem Büro oder im Raum der Wünsche und er errichtet Schutzzauber, um andere draußen zu halten."
„Schutzzauber?", fragte er. Seit wann wusste Harry, wie man Schutzzauber errichtete?
„Ja!", erwiderte Hermine. „Was könnte so wichtig sein, dass er Schutzzauber errichtet, um Leute draußen zu halten?" Ron schüttelte den Kopf, aber Hermine redete weiter. „Wenn er nur lernen oder Zauber für die HA üben würde, müsste er nicht so geheimnisvoll vorgehen. Wir könnten ihm sogar helfen, aber er lässt uns beide außen vor. Was immer es auch ist, er möchte nicht, dass einer von uns - oder irgendjemand anderes - etwas davon weiß. Ginny ausgenommen."
„Du denkst, er hat Ginny erzählt, was auch immer es ist?", fragte Ron abgelenkt und versuchte, die neuen Informationen zu verarbeiten.
„Ich bin mir nicht sicher, aber ich denke schon", erwiderte sie. „Sie verbringen so viel Zeit miteinander und es begann, bevor sie anfingen, miteinander auszugehen. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, sie weiß zumindest, was er macht, selbst wenn sie nicht ein Teil davon ist."
Sein Kopf begann zu schmerzen. „Also Harry verheimlicht etwas und nur Ginny scheint zu wissen, was es ist?", fragte er noch einmal nach.
Hermine nickte: „Ja!"
„Denkst du nicht, dass sie vielleicht nur ..." Er ließ den Satz unbeendet, als es ihn schüttelte. Er konnte es nicht über sich bringen, es zu sagen. „Du weißt schon ..." Allein der Gedanke war schon übelkeitserregend. „knutschen?" Das Wort hinterließ einen schlechten Geschmack in seinem Mund. Er wusste, dass Harry und Ginny zusammen waren. Ein Teil von ihm wusste, dass sie, wenn sie zu zweit waren, rummachen würden, aber Ron hatte sich nie erlaubt, diese Tatsache tatsächlich in seinem Kopf zuzulassen - und er wollte es nie mehr wieder tun.
„Nun, natürlich tun sie das", erwiderte Hermine. „Aber es begann bereits davor und sie verbringen nicht die ganze Zeit mit knutschen. Ich verstehe, dass es für jemanden wie dich schwer vorzustellen ist, aber andere Leute denken an mehr als nur ans rummachen."
„Hey, was soll das denn heißen?", fragte Ron empört.
„Sag mir, Ron", antwortete Hermine lieblich. „Was hattest du für unser Date heute geplant?"
Ron öffnete seinen Mund, um etwas zu erwidern, aber schloss ihn sofort wieder. Ein wissendes Lächeln war auf Hermines Lippen aufgetaucht. „Genau", meinte Hermine. „Mädchen wollen Romantik, Ron, nicht nur knutschen." Und damit ging sie an ihm vorbei.
Ron schaute ihr hinterher und ging ihre Unterhaltung noch einmal im Kopf durch. Wie zum Teufel hatte sie alles herumdrehen und als Gewinner gehen können? Sie hatte ihn versetzt. Er würde nie im Leben einfach vergessen, dass sie ihn zweimal versetzt hatte und dennoch konnte er nicht die Energie aufbringen, wütend zu werden. Er musste über zu viele Dinge nachdenken.
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Am Sonntag war es an der Zeit für Harrys Überraschung für seine FHA. Er stand vor seinen Schülern, die sieben fortgeschrittenen Schüler seiner AHA hinter ihm auf dem erhöhten Podium. Seine Schüler schienen nicht zu wissen, wie sie auf die Neuigkeiten reagieren sollten, dass sieben von ihnen bald gegen sieben jüngere, unerfahrene Schüler kämpfen würden. Harry konnte es ihnen nicht wirklich übel nehmen, da er sich sicher war, dass die Ankündigung ein kleiner Schock war. Als er weiter erklärte, dass die Übung dazu gedacht war, dass sie und nicht ihre sieben Gegner etwas lernten, nun, sie waren nicht besonders beeindruckt.
Harry ignorierte ihre Reaktion. Stattdessen rief er die Namen der sieben „zufällig ausgewählten" Kämpfer auf, die an dem Schaukampf teilnehmen sollten. „Katie Bell, Daphne Greengrass, Zacharias Smith, Terry Boot, Colin Creevey, Cho Chang, und Ernie Macmillan. Der Rest von euch wird mit mir zusammen zuschauen."
„Nun, die Regeln sind recht einfach", fuhr Harry fort. „Überwältigt alle eure Gegner durch die Benutzung von nicht tödlichen Zaubern. Davon abgesehen ist alles erlaubt. Der Kampf wird auf der Straße stattfinden. Jedes Team wird auf den zwei entgegengesetzten Enden der Straße beginnen und bekommt zehn Minuten Zeit um sich mit der Umgebung vertraut zu machen und sich Strategien zu überlegen. Wir werden von einem Dach aus zusehen. Gibt es Fragen?"
Harry musterte die FHA-Mitglieder vor ihm, bevor er sich seinen sieben AHAmitgliedern zuwandte.
„Ist es uns erlaubt, gefallene Teammitglieder wiederzubeleben?", wollte Ryan wissen.
Harry lächelte bei der Frage. „Ja", antwortete er. Er drehte sich wieder zu der FHA herum und wiederholte die Frage und die Antwort darauf, um sicherzugehen, das jeder die Regeln kannte. Als keine Fragen mehr gestellt wurden dirigierte Harry beide Teams zu zwei verschiedenen Türen an der Wand hinter ihm, die für das Betreten des Kampfplatzes gedacht waren. Harry - zusammen mit dem Rest der Klasse - durchschritt eine dritte Tür zwischen den anderen beiden.
Als sie auf der anderen Seite der Tür waren, standen sie auf dem flachen Dach eines zweistöckigen Gebäudes. Als Harry nach links und rechts schaute, konnte er die beiden Teams ein paar Gebäude weiter jeweils in entgegengesetzter Richtung sehen. Er legte einen Sonorus auf seine Kehle und verkündete: „Eure zehn Minuten beginnen jetzt."
Wie erwartet beobachtete er, wie seine AHA-schüler sofort einen engen Kreis bildeten. Die FHA-mitglieder schienen sich ebenfalls zu unterhalten, aber keiner von ihnen schien sich um Details Gedanken zu machen. Es war aus der Entfernung schwer zu sagen, aber Harry war der Meinung, dass sie höchstwahrscheinlich miteinander scherzten statt Strategien zu besprechen oder sich für das Duell vorzubereiten. Die einzige, die es ernstzunehmen schien, soweit er das sehen konnte, war Cho. Sie ging einige Minuten lang in der näheren Umgebung umher, bevor sie die anderen zu sich rief und Anweisungen gab - zumindest hatte es diesen Anschein.
Harry schaute auf die Uhr, nur noch eine Minute übrig. Seine FHA-mitglieder standen noch immer herum und redeten miteinander, aber seine AHA-Schüler hatten sich eine Minute zuvor in Bewegung gesetzt. Harry konnte nicht auf alle sieben gleichzeitig achten, als diese ihre Positionen bezogen. Er nahm an, dass einer oder sogar zwei unter einem Desillusionszauber waren, welchen er ihnen letzten Donnerstag beigebracht hatte in der Hoffnung, ihn heute angewendet zu sehen. Es sah so aus, als würde er nicht enttäuscht werden.
Als die letzte Minute vergangen war, legte Harry wieder einen Sonorus auf seine Kehle und rief: „Beginnt."
Der Kreis aus FHA-Mitglieder brach bei seinen Worten auf und sie formierten sich in eine V-formation. Sie begannen langsam voranzuschreiten. Nur zwei der AHA-Mitglieder waren überhaupt zu sehen und - wie erwartet - bewegten sich die FHA-Schüler stetig auf sie zu. Harry beobachtete sie genau und wartete darauf, dass es losging und er wurde nicht enttäuscht. Schneller als er erwartet hatte konnte Harry eine kleine Bewegung hinter der FHA sehen. Wenn nicht der rote Zauber gewesen wäre, der scheinbar aus dem nichts kam, hätte Harry es vielleicht als eine Sinnestäuschung abgetan.
Drei Zauber wurden fast zeitgleich geworfen und ließ Harry sich fragen, wie sie ihren Angriff koordinierten. Alle drei Zauber trafen ihr Ziel und Terry, Daphne und Zacharias wurden Opfer der Schockzauber. Als die Zauber trafen, drehten sich die restlichen vier FHA-Mitglieder bei dem Geräusch ihrer fallenden Teamkameraden um. Nicholas und Mary-Jo, die zwei AHA-mitglieder, die im Freien standen, warfen sofort einige Zauber.
Cho drehte sich wieder um und bemerkte die Zauber. Sie rief ihren Kameraden zu, sich zu ducken und errichtete gerade noch rechtzeitig einen Schutzzauber, um den Zauber abzuhalten, der direkt auf sie zuflog. Sie hatten nicht alle so viel Glück. Katie und Ernie schafften es, einigen Zaubern auszuweichen, aber Colin fiel - so schien es - einem Petrificus Totalus zum Opfer. Statt das Feuer zu erwidern, drehte Cho sich um und warf einen Enervate auf Daphne, die ihr am nächsten war.
Keine ganze Sekunde nachdem sie den Zauber geworfen hatte, schickte ein weiterer Schockzauber Daphne wieder zu Boden. Unglücklicherweise verriet diese Tat die Position eines der desillusionierten AHA-Mitglieder. Es machte jedoch wenig aus, da er dem Schockzauber, den Katie auf ihn warf, ausweichen konnte und in diesem Moment seine sechs Teamkameraden alle loslegten. Nicholas und Mary-Jo rannten beide die Straße hinunter, um sich ihnen anzuschließen und ihre fünf desillusionierten Kameraden jegliche Geheimhaltung vergaßen und anfingen, Zauber zu werfen.
Die sieben Mitglieder schlossen sich zusammen und formten einen Halbkreis um die FHA-Mitglieder. Dadurch behielten sie sie in im freien Raum und eliminierten das Risiko durch das eigene Team getroffen zu werden. Harry war beeindruckt. Er fragte sich, ob es so geplant gewesen war, aber so oder so war es eine effektive und brilliante Taktik. Mit den anderen in der Überzahl und durch die Körper ihrer gefallenen Teamkameraden behindert, hielten Katie und Cho beeindruckend gut gegen den massiven Angriff stand, aber ihre besten Anstrengungen waren nicht genug.
Sie schafften es, Sarah mit einem Schockzauber zu betäuben, bevor Cho fiel. Nun allein gab es wenig, was Katie tun konnte. Sie versuchte, Zacharias wiederzubeleben, der zu ihren Füßen lag und stand mit einem Schutzzauber vor ihm, um zu verhindern, dass er sofort wieder betäubt wurde. Die AHA reagierte sofort auf diese Taktik und verteilte sich auf einen größeren Raum, um um das Schild herum zu kommen. Zacharias wurde zuerst betäubt und Katie folgte einen Moment später.
Harry drehte sich um, um den Rest der FHA-Klasse zu mustern und sah einige große Augen. Harry grinste und wandte sich wieder um. Mit nur einem Gedanken tauchte eine Leiter an der Seite des Daches auf und Harry trat zu ihr. Harry hielt auf der Leiter inne und sagte: „Ihr könnt alle wieder in den Hauptraum zurückkehren. Ich werde in einer Minute da sein." Damit stieg er schnell die Leiter hinunter, bis er auf der Hauptstraße stand.
Als er sich umdrehte, waren alle vierzehn Teilnehmer des Schauduells wieder auf den Beinen und sahen ihn an. „Alle okay?", fragte er. Seine Frage wurde mit vielen Kopfnicken und einigen verbalen Erwiderungen positiv beantwortet. „Exzellent. Die anderen warten alle im Hauptraum auf uns, also lasst uns gehen."
Er drehte sich um, öffnete die Tür des Gebäudes hinter ihm und trat zur Seite, um den Schülern den Vortritt zu lassen. Harry folgte ihnen und trat auf das Podest, um das Wort an die Klasse zu richten: „Zuerst möchte ich unseren sieben Gästen meinen Dank aussprechen, dass sie zugestimmt haben, mir heute zu helfen. Und ein weiteres Dankeschön an diejenigen, die gegen sie gekämpft haben. In den letzten paar Wochen habe ich immer und immer wieder mit euch geredet und euch gesagt, wie ich möchte, wie ihr diese Duelle handhabt und nun, mit etwas Hilfe, habe ich euch ein Beispiel von dem gegeben, von dem ich geredet habe."
Er holte tief Luft und fuhr fort: „Ein Krieg findet statt. Ich weiß, dass es innerhalb dieser Schlossmauern schwer zu begreifen ist, aber dieser Unterricht ist dazu gedacht, euch für das Schlimmste vorzubereiten. Voldemort und seine Todesser sind Terroristen. Viele von euch sind Muggelgeborene oder Halbblüter und die Reinblüter unter uns werden genauso behandelt werden, wenn auch nur aus keinem anderen Grund als die Tatsache, dass ihr hier seid und von mir lernt. Ihr seid alle mögliche Angriffsziele. Ich weiß nicht, ob Voldemort euch angreifen wird, aber er könnte. Ihr müsst bereit sein. Von nun an erwarte ich eine ganz andere Einstellung in diesen Duellen zu sehen. Jedes Duell sollte angegangen sein, als ob es um eure Leben geht, weil genau das steht in diesem Krieg auf dem Spiel."
Ende 24.2
Original A/N (gekürzt): zur Erinnerung: Canon wird nur bis Buch 5 beachtet, und das beinhaltet auch die Magische Theorie. Das gilt auch für den Fideliuszauber, der in dieser Geschichte anders funktioniert als in die Heiligtümer des Todes beschrieben.
vielen dank an
guest: das Projekt wird fertiggestellt. GAr kein Zweifel! Updates wie angekündigt normalerweise immer am 15. eines Monats. Insgesamt sinds 28 Kapitel
curylcuryl
cedric97: danke, dass du ne Ausnahme gemacht hast! Freu tmich, dass ich dich überzeugen konnte : )
Eure Reviews haben mich wirklich mehr als umgehauen!
