Kapitel 38 - Die Kapelle
Hermine konnte nicht anders, sie fühlte sich schwindelig. Sie begann den Hochzeitsmarsch zu summen, so wie Draco es vorhin gemacht hatte. Sie begann einen weiteren Beatles-Song zu singen. „Who knows how long I've loved you, who knows I love you still, will I wait a lonely lifetime, if you ask me to I will", sang sie.
„Hermine?"
Das Geräusch, wie jemand die Türen öffnete und ihren Namen rief, ließ sie aufhören zu singen. Sie drehte sich um und keuchte auf. Hinter ihr war Ron. Sie bekam sofort Panik. War das die Wirklichkeit oder war es ein Traum? Warum war er hier?
„Was machst du hier", fragte sie panisch. „Woher wusstest du überhaupt, dass ich hier war?"
„Percy hat mir geeult und mir gesagt, dass du heute heiratest", sagte er und ging langsam zu ihr. „Ich dachte, ich komme her."
„Warum sollte er das tun?", fragte sie mehr sich selbst, als ihn.
„Ich bin einer deiner besten Freunde. Möchtest du nicht, dass ich hier bin?", fragte er leise.
„Wo ist deine Frau? Du solltest auf eurer verflixten Hochzeitsreise sein!", sagte Hermine, die nun Abscheu empfand, dass er hier war.
„Sie nimmt ein Schläfchen. Sie wird nicht einmal wissen, dass ich weg war, aber ich habe für alle Fälle eine Nachricht hinterlassen, dass ich einen Spaziergang mache." Ron kam auf sie zu und versuchte ihre Hand zu nehmen, doch sie wich von ihm weg und trat ein paar Schritte zurück.
„Geh, Ron! Du bist auf meiner Hochzeit nicht willkommen", sagte sie.
„Ich habe dich zu meiner eingeladen", sagte er und fügte dann hinzu: „Hermine, du kannst Malfoy nicht heiraten. Das kannst du einfach nicht. Du bist verwirrt, das ist alles. Ich weiß, dass du nicht mit ihm ausgegangen bist, wie du es behauptet hast. All das ist alles erst seit meiner Hochzeit passiert. Das ist zu schnell, Hermine! Du musst das durchdenken und rational sein. Du benimmst dich nicht wie du selbst. Er hat bereits einen schlechten Einfluss auf dich."
Hermine runzelte die Stirn und zeigte auf die Tür. „Geh, oder ich werde dich verhexen, Ronald Weasley! Deine Meinung in dieser Angelegenheit interessiert mich überhaupt nicht!"
Er ging langsam auf sie zu und sie trat weiter zurück. Er hatte sie in eine Ecke getrieben. „Hermine", sagte er, „ich weiß, dass ich nicht der Richtige für dich gewesen bin und ich sage das nicht, weil ich es bedaure."
„Nein, aber du möchtest, dass ich sage, dass ich es bedaure. Ist das richtig? Du möchtest denken, dass das hier eine Manifestation meiner Trauer über deinen Verlust ist. Nun, Ron, ich habe getrauert, aber ich habe um eine verlorene Beziehung getrauert, nicht um dich. Da ist ein Unterschied. Bitte, alle werden bald hier sein. Bitte geh!"
„Hermine, ich werde nicht gehen, ehe ich dich zur Vernunft gebracht habe. Ich bin schockiert, dass Harry dich mit deinem lächerlichen Plan so weit gehen lässt."
„Mich lassen? Ich bin erwachsen und habe eigene Gedanken und mein eigenes Herz. Ich brauche nicht die Erlaubnis von irgendjemandem um etwas zu tun, Ronald Weasley! Wenn ich einen Affen heiraten will, werde ich das tun. Harry unterstützt mich, weil er mich liebt. Du hingegen, denkst nur an dich selbst, denn sonst würdest du mich auch unterstützen." Hermine griff in die Tasche ihres Kleides, um sicherzugehen, dass sie ihren Zauberstab dabei hatte.
„ES IST MALFOY!", schrie Ron und warf seine Arme in die Luft. Er ging hinüber zu der anderen Kanzel.
„Also das ist es!", sagte Hermine und zeigte auf ihn. „Es ist nicht die Tatsache, dass ich heirate oder weitergegangen bin, oder dass ich endlich glücklich bin, was dich aufregt. Es ist die Tatsache, dass es Malfoy ist!"
„Natürlich ist das der Grund! Zu Hölle, Hermine, ich dachte, ich hätte das klar gemacht", sagte Ron. Er setzte sich in die erste Reihe und schaute zu ihr. „Er kann nicht wissen, wie man dich richtig behandelt! Er kann nicht wissen, wie man dich liebt! Er liebt dich nicht oder sowas. Merk dir meine Worte, Hermine, er wird dich eines Tages verlassen. Er wird dir wehtun."
„Halt den Mund!", schrie Hermine. Sie hatte das Gefühl, ihn ins Gesicht schlagen zu müssen.
Draco und all die Gäste waren gerade angekommen. Draco war zuerst an der Kapelle und sah Ron in der ersten Reihe sitzen. Er hatte gehört, was er zu Hermine gesagt hatte und er hatte gehört, wie sie ihm gesagt hatte, er solle den Mund halten. Er begann die Tür aufzumachen, um hineinzurennen und dem andern Mann in den Hintern zu treten, als Hermine ihn sah. Sie nahm ihren Zauberstab und warf ihn mit einem Schwung ihres Zauberstabes und einem einfachen Zauber aus der Kapelle. Dann verschloss sie dir Tür mittels Zauberei. Das hier war ihr Kampf.
„Was geht da vor sich?", fragte Harry und half Draco aufzustehen.
„Ron ist bei ihr", antwortete Ginny, die durch eines der vorderen Fenster schaute. Bald versuchten alle Gäste durch die vorderen Fenster zu schauen. Die Fenster an den Seiten waren aus buntem Glas, so dass sie keine Hilfe waren. Draco versuchte verzweifelt die Türen zu öffnen.
„Woher hat er es gewusst?", fragte Bill.
„Ich fürchte, das ist mein Fehler", gab Percy zu. „Ich hatte das Gefühl, er hat ein Recht es zu wissen, denn ich habe geglaubt, er würde hier sein wollen, um sie zu unterstützen. Ich dachte, ich tue das Richtige."
„Ja, nun, dein Richtiges stellt sich immer als falsch heraus, du aufgeblasener Arsch", sagte George und schlug mit seiner Faust den Arm seines Bruders. Percy fasste sich an seine schmerzende Schulter.
In der Kapelle schrie Hermine noch immer Ron an.
„Was ich für Draco fühle, ist real und ich muss mich vor niemandem rechtfertigen, besonders nicht vor dir! Du hast behauptet, dass du mich liebst und dann hast du mich betrogen! Du hast jemand anderen geheiratet. In dem Moment, als du gesagt hast ‚Ich will', hast du das Recht verloren, mir vorzuschreiben, was ich zu tun habe. Selbst wenn sich das hier als Fehler herausstellt, dann wird das mein Fehler sein und du musst dir darum keine Sorgen machen, denn ich werde nicht zu dir kommen, um mich wieder aufrichten zu lassen!" Sie stürmte den Gang entlang und Ron folgte.
Er versuchte sie am Arm festzuhalten, aber sie drehte sich schnell um und richtete ihren Zauberstab auf ihn. Sie schockte ihn und er fiel reglos um. Sie keuchte und rannte zur Tür. Sie öffnete die Tür und alle, Draco eingeschlossen, fragten sie, was passiert war. „Ruhe!", rief sie. „Ich brauche Harry für einen Moment." Harry schlüpfte durch die Türen. Hermine schaute zu Draco und sagte: „Ich liebe dich." Sie schloss die Tür wieder. Draco schlug frustriert gegen die Tür.
Harry ging zu dem bewusstlos am Boden liegenden Ron. „Was hast du gemacht?", fragte Ron und kniete sich neben seinen Freund.
„Also du hast mir einmal gesagt, dass ich, wenn ich jemanden Schocken will, ich es tun soll, wenn du nicht da bist und so habe ich es auch gemacht. Er hat es verdient, Harry", erklärte sie, während sie sich auch neben ihn kniete. „Wird er wieder okay?"
Harry lachte und sagte dann: „Ich weiß nicht. Du bist ziemlich mächtig, wenn du wütend bist. Lass mich ihn zum Fuchsbau apparieren."
„Harry, du wirst zurückkommen, oder? Ich kann nicht ohne dich heiraten", sagte Hermine.
„Ich komme zurück", versprach Harry.
„Oh, und Harry, vielleicht solltest du ihn fesseln oder sowas, nur falls er versucht zu entkommen", schlug Hermine vor.
Harry schaute sie ungläubig an und sagte: „Er ist kein Gefangener." Innerlich dachte er aber, dass das eine exzellente Idee war. „Fangt mit der Hochzeit nicht ohne mich an", sagte er dann. Er nahm Rons Arm und sie verschwanden.
Hermine eilte den Gang entlang. Sie würde das nicht ihre Hochzeit ruinieren lassen! Draco begann wieder gegen die Tür zu schlagen. Sie ging zu den Türen und öffnete sie. Besorgte Gesichter begrüßten sie. „Nur eine kleine Störung. Tut mir leid. Die Hochzeit findet aber trotzdem statt. Wir müssen nur noch auf Harry warten." Sie schloss die Türen wieder.
„Hermine! Lass mich rein!", rief Draco.
„Es bringt Unglück, mich vor der Hochzeit zu sehen!", rief sie zurück.
„Ich habe dich den ganzen Tag schon gesehen!"
„Es bringt Unglück, mich in meinem Hochzeitskleid zu sehen!", rief sie wieder.
„Aber ich bin gerade erst gegangen. Du hattest dein Hochzeitskleid an, als ich vor ein paar Momenten gegangen bin!" Er schlug weiter gegen die Türen. Schließlich öffnete sie sie.
„Fein, aber nur Draco darf für eine Minute reinkommen, okay Leute? Tut mir leid, macht es euch bequem", sagte sie, zog an seinem Arm und holte ihn in die Kapelle.
„Was ist passiert?", fragte Draco und legte beide Hände auf ihr Gesicht.
„Ich habe ihn verhext. Ron, ich habe ihn verhext", sagte sie, beinahe mit einem Lachen. Dann schockte sie sie beide und begann wirklich zu lachen. Sie konnte nicht aufhören damit. „Er war ein Bastard, ich habe ihn angeschrien, ich habe meinen Zauberstab auf ihn gerichtet", sich lachte weiter, „und dann ‚puff' ist er auf seinen Arsch gefallen und war bewusstlos!" Sie beugte sich vornüber und hielt sich die Seite, während sie mehr lachte, als Draco es bei ihr je gesehen hatte. Ihr Lachen war ansteckend und er begann ebenfalls zu lachen.
„Ich wünschte, du hättest mich das sehen lassen", sagte Draco lachend.
„Du hättest es genossen. Verdammt, das hätte mein Hochzeitsgeschenk für dich sein können", sagte sie. Sie ging zu ihm und nahm seine Hand. „Jetzt muss ich dir etwas kaufen müssen, vermute ich."
„Ein nettes Stückchen Land macht mich immer glücklich", sagte Draco lächelnd. „Ich wollte hier rein kommen, als ich gehört habe, wie er gesagt hat, dass ich dich verlassen und dir wehtun würde. Du weißt, dass er ein Idiot ist, oder? Ich würde dir nie wehtun und ich werde dich sicher nie verlassen."
„Ich weiß und der Grund, warum ich die Türen verschlossen und dich nicht rein gelassen habe war der, dass das etwas zwischen ihm und mir war. Es war etwas, um was ich mich selbst kümmern musste", sagte sie.
„Nein, du hast die Türen nicht vor mir verschlossen, du hast mich physisch mittels Zauberei aus dem Gebäude entfernt, als ob ich ein irgendein abstoßendes Tier gewesen bin, aber ich verstehe das. Percy hat es ihm offensichtlich erzählt", sagte Draco.
„Ich weiß. Percy ist ein Sack", sagte Hermine mit einem kleinen Glucksen.
„Das hat seine Mutter auch gesagt", log Draco.
„Misses Weasley hat Percy einen Sack genannt?", fragte sie.
„Entweder sie oder George, ich bin mir nicht mehr sicher, aber einer von ihnen hat das gesagt und ihn dann auf den Arm geboxt", erwiderte Draco. Er setzte sich und zog sie auf seinen Schoß. „Du bist mein Ritter in strahlender Rüstung, Granger, dass du so den Tag gerettet hast", sagte Draco und küsste ihren Nacken. Sie stöhnte leise. Es fühlte sich großartig an.
„Hey, wohin fahren wir für unsere Hochzeitsreise?", fragte sie.
„Ich muss morgen arbeiten", fiel ihm plötzlich ein.
„Das muss ich auch", sagte sie.
„Wir müssen wieder zurück in die reale Welt, vermute ich", sagte er. Er fuhr mit seinen Fingern ihren Arm hinauf und hinunter. „Ich könnte mich krank melden."
„Ich bin eine Heilerin, also könnte ich dich heilen. Ich denke, genau das sollten wir tun", sagte sie und küsste sein Ohr.
„Feuchte Küsse aufs Ohr, wie romantisch", sagte er. Sie steckte ihre Zunge in sein Ohr und er erschauderte. „Ehrlich mal!", entrüstete er sich und legte eine Hand auf sein Ohr. Er stieß sie in die Rippen. „Also, wann beginnt diese Hochzeit?"
Ehe sie antworten konnte, öffneten sich die Türen zur Kapelle erneut. Draco und Hermine drehten sich um und schauten zur Tür. Harry kam allein hinein und schloss die Türen hinter sich. Die Braut und der Bräutigam standen auf und sahen dabei zu, wie er den Gang entlang kam.
„Ich habe ein paar Gäste mitgebracht, die ich am Fuchsbau getroffen habe", sagte er. „Ich hoffe, dass ist okay für euch beide."
