Disclaimer: Twilight und seine Charaktere gehören Stephenie Meyer und nicht mir!


Carlisles PoV

Ruhig bespreche ich mit dem Sanitäter noch die letzten medizinischen Details, bevor ich ihm das Clipboard in die Hand drücke und wieder zu Edward zurück gehe. Er hustet wieder und hat sich die Wolldecke bis zum Kinn hoch gezogen. Ich sehe ihm in die Augen und lege noch mal meine Hand auf seine Stirn. Immer noch Fieber … Ich beschließe trotzdem ihn jetzt mit nach Hause zu nehmen. Im Krankenhaus könnte ich zwar auch ein Auge auf ihn haben, jedoch müsste ich da vielleicht ein paar unangenehme Fragen meiner Kollegen beantworten und darauf habe ich jetzt wirklich keine Lust!

Ich ziehe langsam die grüne Decke weg und werfe sie auf das Nachbarbett.

„Wir fahren jetzt, okay," bestimme ich mit einem Blick, den er sehr genau zu deuten weiss. Er soll keine Show abziehen und tun was ich sage!

Ich helfe ihm beim Hinsetzen und merke, dass er noch sehr zittert und Probleme mit dem Gleichgwicht hat. Er hat seine Schuhe noch an, das ist gut. Ich helfe ihm seine Jacke und den Schal anzuziehen. Mit der einen Hand nehme ich meinen Koffer und den Durchschlag des Krankenblattes, was der Sanitäter mir überreicht hat, mit der anderen greife ich unter Edwards Arm und helfe ihm auf die Beine.

Mein Sohn schwankt etwas und seine Atmung ist schnell, aber ich merke, dass er versucht sich zu beruhigen. Kurz überlege ich, ob ich ihm erlaube Musik zu hören, beschließe aber dann zu warten bis wir im Auto sind.

Langsam bahnen wir uns den Weg zum Ausgang und ich nicke meinem Kollegen noch mal dankend zu. Ich habe mir den Namen gemerkt und werde ihm eine kleine Aufmerksamkeit mit der Post schicken, obwohl er ja eigentlich nur seinen Job gemacht hat.

Draußen steht Jasper wie ein Wächter vor dem Zelt und wartet wie verlangt auf mich. Ich nicke ihm zu und er stützt Edward von der anderen Seite, als wir über den kleinen Platz gehen, durch die Räume der Halle und wieder vorne aus dem Eingang hinaus in die Kälte. Ich öffne meinen Mercedes mit der kleinen Fernbedienung und Jasper stellt meine Tasche in den Kofferraum, während ich mit Edward zur Hintertür schwanke.

Jasper öffnet und ich setze meinen kranken Sohn so vorsichtig wie möglich auf die Sitze. Er lehnt sich erschöpft gegen die Kopfstütze und starrt auf den Vordersitz. Ich seufze und kniee mich an die Seite. Dann lege ich eine Hand auf seinen Oberschenkel und er sieht mich an – todmüde, nervös und gezeichnet von der starken Grippe.

„Edward! Jasper setzt sich gleich neben dich. Wenn irgendwas ist, wenn dir schlecht wird oder du Schmerzen bekommst, will ich, dass du mir sofort Bescheid sagst. Hast du verstanden?"

„Okay, Dad," gibt er mir als Antwort und ich streichele ihm über das Gesicht. Dann stehe ich auf und öffne meine Fahrertür.

Erst dann wird mir klar, dass er gerade das erste Mal mit mir nach diesen Vorkommnissen gesprochen hat. Ich spüre Jasper neben mir und sehe ihn an. Er hat seine Autoschlüssel in der Hand und will seinen Wagen aufschließen. Ich lege meine Hand auf seine Schulter um ihn zu stoppen.

„Ich will, dass du dich neben ihn setzt und mir sagst, wenn er unruhig wird oder sich was verändert," befehle ich ihm und er lässt die Schlüssel sinken. „Den Wagen kannst du auch Morgen holen!"

„Gut," sagt er leise und geht dann auf die andere Seite des schwarzen Mercedes, um einzusteigen. Ich sehe noch mal kurz Edward an, krame dann mein Handy aus der Manteltasche und rufe Esme an, um ihr Bescheid zu sagen, dass unser Sohn noch lebt und ich ihn erst mal auch leben lasse ...


Ich bin etwas erleichtert, als ich den Wagen von der kurvigen Waldstrasse lenke und in unsere Einfahrt einbiege. Die Fahrt hat sehr lange gedauert, da ich nicht so viel Gas geben wollte, wegen Edwards Übelkeit. Er hat sich nicht übergeben und ich musst auch nicht wegen etwas anderem anhalten. Geduldig warte ich, bis sich blaue Garagentor geöffnet hat und fahre hinein.

Ich stelle den Motor und die Zündung aus und schnalle mich ab. Dann werfe ich einen Blick in den Rückspiegel, um zu sehen, dass Jasper Edwards Sicherheitsgurt öffnet. Ich fahre mir durch das blonde Haar.

„Jasper, bring ihn in sein Bett," sage ich ohne Anstalten zu machen das Auto zu verlassen. „Ich … ich komme gleich nach."

„Ja, Sir," antwortet er und steigt aus dem Wagen.

Er geht einmal um den Kofferraum herum und öffnet Edwards Tür. Ich sehe zu, wie er seinem Bruder raus hilft und dann mit der anderen Hand die Tür laut zu schlägt. Er wirft mir noch mal einen etwas unsicheren Blick zu und schleppt seinen Bruder dann zur Zwischentür und ins Haus.

Als ich sicher bin, dass sie nach oben verschwunden sind, greife ich das Lenkrad und tippe mit meinen Fingern unruhig auf dem beigen Leder herum. Ich schließe meine Augen, atme tief ein und aus und versuche meinen Akku ganz runter zu fahren – wenigstens für ein paar Minuten. I

ch habe keine Ahnung wieviel Zeit vergangen ist, als die Beifahrertür geöffnet wird. Sofort öffne ich die Augen wieder und sehe, von der Störung überhaupt nicht begeistert, zur Seite. Es ist Esme …

Sie sieht mich an, während sie auf dem Beifahrersitz Platz nimmt und die Tür mit einem lauten Knall schließt. Dann dreht sie sich zu mir und gibt mir einen Kuss auf den Mund. Ich lächele und küsse sie wieder. Jetzt lächelt sie auch, aber nimmt ihren Kopf wieder zurück. Ihre Hand ruht auf meiner, die auf meinem Oberschenkel liegt.

Sie seufzt, als sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht wischt. „Carlisle, ich hab ihn gesehen und er sah nicht besonders gut aus."

Ich schüttele den Kopf. „Nein, das tut er nicht, Esme."

„Du willst ganz sicher nicht mit ihm ins Krankenhaus?"

„Nein! Das ist nur eine starke Grippe, Esme. Er hat sich nicht mehr erbrochen und er hat vor 30 Minuten sogar mit mir gesprochen, zwar nicht so viel, aber immer hin." Ich hebe eine Augenbraue und sie grinst. Ich fahre fort. „Noch ein oder zwei Tage, dann ist das überstanden, glaub mir! Ich werde gleich im Krankenhaus anrufen und mir Urlaub für ein paar Tage nehmen, dann … können wir auch das andere klären."

Sie weiss genau, was ich meine und nickt. „Ja, glaubst du nicht, dass ich da diesmal ein gewisses Mitspracherecht bekommen sollte? Immerhin hat er mich wissentlich getäuscht und nicht dich, Carlisle!"

Ich sehe sie an, will etwas dazu sagen, doch sie ist noch nicht fertig. „Natürlich liegt die letzte Entscheidung bei dir, das ist mir klar! Aber er hat mir Angst gemacht. Ich dachte wirklich, er liegt da oben und schläft … Ich war sogar einmal in seinem Zimmer, oh Gott ..."

Esme bricht ab und fängt an zu weinen. Ich beuge mich zu ihr und drücke sie, so gut es mit der Mittelkonsole zwischen uns geht, fest an mich. Ich streichele ihr Haar und über ihren Rücken. „Er ist ja wieder hier, Schatz. Es ist alles okay. Er wird wieder gesund."

Als sie sich etwas beruhigt hat, besprechen wir kurz das weitere Vorgehen und sind uns einig, dass er erst mal wieder fit werden muss, aus verschiedenen Gründen. Was Jasper angeht, haben wir beide eine sehr genaue Vorstellung!

Wir steigen aus, sie nimmt meinen Koffer und ich schieße den Mercedes ab. Dann betreten wir gemeinsam das Haus und ich ziehe den Mantel und den Schal aus. Ich rufe im Forks Hospital an, um meinen Urlaub an zu melden und noch kurz ein paar Sachen zu besprechen, die wichtig sind. Esme stellt eine Tasse Blut in die Mikrowelle und setzt sich dann auf das Sofa im Wohnzimmer. Nachdem ich das Telefonat beendet habe, gebe ich ihr noch mal einen längeren Kuss, bevor ich meinen Koffer nehme und nach oben verschwinde.


Oben erwartet mich Jasper vor Edwards Zimmer. Er lehnt an der Wand und hat die Arme vor der Brust verschränkt. Als er mich sieht, stellt er sich gerade hin – kommt sicher aus seiner Zeit bei der Armee. „Es tut mir wirklich leid, Carlisle," stottert er vor sich hin, während ich ihn ansehe. „Mir ist nichts aufgefallen und er hat beteuert, dass es ihm einigermaßen geht, er-"

Ich hebe die andere Hand hoch und er ist sofort still. „Jasper, ich will jetzt keine Entschuldigungen hören, okay? Liegt er im Bett und ist er wach?"

„Er schläft," sagt der Junge und ich sehe eine Träne, die seine Wange herunter kullert.

Seufzend setze ich den Koffer ab und nehme meinen Adoptivsohn in die Arme. Er schmiegt seinen Kopf an meine Schulter und schluchzt leise. Dass er weint, ist bei Jasper ganz selten der Fall. Ich drücke ihn fest an mich, sage aber nichts. Nach ein paar Minuten löst er unsere Umarmung wieder und sieht beschämt zu Boden. Ich drücke mit einem Finger sein Kinn hoch, bis er Augenkontakt herstellt.

„Morgen ist Schule und du wirst hingehen und pünktlich sein." sage ich streng. „Danach kannst du von mir aus deinen Wagen abholen und zwar zu Fuß. Du kommst sofort zurück nach Hause, ohne Umwege zu fahren oder Freunde zu treffen. Das Wochenende bleibst du in deinem Zimmer und die Woche danach hast du Hausarrest, Jasper! Verstanden?"

Er schluckt und senkt wieder seinen Kopf, doch ich halte dagegen. „Mr. Hale!"

Sofort ruckt sein Kopf nach oben und er nickt. „Ich hab verstanden, Dad!"

Ich lasse sein Kinn los und nehme dann wieder meinen Koffer. Ich öffne Edwards Tür einen Spalt, bevor ich mich noch mal zu Jasper umdrehe. „Über das andere reden wir nächste Woche, Jasper! Bis dahin tust du was Esme oder ich dir sagen und wenn du dich gut führst, bin ich vielleicht gnädiger als ich es eigentlich wollte."

Er beisst sich auf die Lippe und nickt. „Okay, Dad."

Ich drehe mich um und betrete Edwards Zimmer, dann schließe ich leise die Tür hinter mir.

Es ist kühl, weil Jasper das Fenster gekippt hat. Edward liegt in seinem Bett und atmet gleichmäßig. Ich stelle meinen Koffer vor dem Bett ab und öffne ihn.

Während ich verschiedene Medikamente heraus suche, einige wieder zurück stecke und Packungen öffne, versuche ich gar nicht erst leise zu sein oder Rücksicht zu nehmen. Er soll schließlich wach sein, wenn ich ihn durchchecke und nicht im Halbschlaf vor sich hin träumen oder mir seltsame Antworten geben. Ich stehe kurz wieder auf und greife in die hintere Hosentasche.

Dann setze ich mich wieder auf die Bettkante und lese den medizinischen Bericht des Sanitäters durch. Ich sehe mir an, was sie ihm alles gegeben haben, damit ich nicht gleich durch erneute oder falsche Medikation Nebenwirkungen hervor rufe.

Nachdem ich mir sicher bin, die Sauklaue meines Kollegen entziffert zu haben, obwohl ich auch nicht lesbarer schreibe, wenn ich unter Strom stehe, werfe ich den Zettel auf den Boden und streichele Edward über die Haare und die Stirn. Auf seiner Stirn lasse ich meine flache Hand kurz liegen und spüre die Hitze, die sich immer noch in ihm ausbreitet.

Wenn ich Fieber messen will, muss ich ihn aufwecken …

Ich seufze laut und tätschele seine Wange. „Edward? Komm mach die Augen auf."

Er hustest und schlägt die Augen auf. Mein Sohn sieht mich etwas verunsichert an und ich versuche an irgendetwas Schönes zu denken, damit er nicht ausflippt.

„Ich hab so Kopfschmerzen," flüstert er leise und wendet seinen Blick ab.

Meine Finger öffnen die Verpackung des Fieberthermometers und ich stecke es ihm in den Mund. Obwohl der Sanitäter erst vor einer dreiviertel Stunde gemessen hat, will ich sicher gehen und mir selbst noch mal ein Bild machen. Edward liegt ganz ruhig da, spielt nicht mit dem Thermometer, wie sonst und fügt sich scheinbar in sein Schicksal.

Während wir auf den Piepton warten, stehe ich auf, greife nach der noch heissen Tasse mit Blut und gehe zur Balkontür, wo ich dann stehen bleibe und durch das Glas schaue. Ich trinke. Denke nach … Trinke wieder … überlege und drehe mich schnell wieder um, weil ich ganz vergessen habe, dass Edward mich hört. Ja, er hat mich gehört!

Er liegt dort, das Thermometer zwischen den Reißzähnen, die Augen weit aufgerissen vor Schreck und starrt mich an. Ich gehe schnell wieder zu ihm und setze mich.

„Entschuldige," sage ich schnell und stelle die Tasse auf der Kommode ab. „Das wollte ich nicht, Edward. Beruhig dich, oaky. Es ist alles okay … Sch ..."

Ich streichele ihm durch das Haar, während ich merke, dass er ruhiger wird und dann piept das Thermometer endlich. Schnell vergleiche ich die Daten mit denen auf dem Zettel des Kollegen. Es ist etwas gesunken, aber er wird Morgen natürlich nicht in die Schule gehen. Bevor ich nach unten zu mener Frau verschwinde, verpasse ich ihm noch den Sirup, den er ohne zu Knurren schluckt und eine Antibiotika-Bombe, dadurch wird er zwar die ganze Zeit müde sein, aber das ist gut so.

Ich erzähle ihm, dass ich mir die nächsten drei Tage Urlaub genommen habe, damit ich bei ihm sein kann, was er mit einem ziemlich dummen Grinsen quittiert. Danach decke ich ihn noch mal richtig zu, schließe das Fenster ganz und trete dann aus dem Zimmer, um mich ein wenig um die arme Esme zu kümmern.

Tbc ...


AN: Edward bekommt noch eine Galgenfrist ;) Und bei Jasper ist es mit Arrest wohl auch noch nicht getan! Ich mag die kleine Szene im Flur zwischen ihm und Carlisle irgendwie ... und wo Esme plötzlich zu ihrem Mann ins Auto steigt :) Morgen gibt es dann die letzten beiden Kapitel und wir haben den Showdown! Bis dann und danke fürs Lesen und Reviewen! Eure Vanessa