Ein ernstes Gespräch

Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ

Kaum dass er Hermione zum ausruhen genötigt hatte, machte sich Blaise auf die Suche nach dem Idioten Namens Malfoy. Er entdeckte den Blonden, wie schon in den vergangenen Tagen, unten am See. Er hockte zusammengesunken am Ufer und warf Steine ins Wasser.

„Da hat einer schlechte Laune", murmelte Blaise und schlurfte den Hang runter. Als er hinter ihm stand, trat er seinem Freund mit dem Fuß sacht ins Kreuz.

„Wenn du so weiter machst, können wir den See bald ausbaggern." „Lass mich in Ruhe", murmelte Draco und pfefferte den nächsten Stein energisch in das Gewässer. Blaise beobachtete es skeptisch, bevor er sich neben ihn ins Gras fallen ließ.

„Vorher verrätst du mir, was los ist." „Gar nichts." „Das kannst du sonst wem erzählen aber nicht mir. Also? Warum gehst du Hermione aus dem Weg?", setzte er ihm gleich das Messer auf die Brust, worauf Draco düster das Gesicht verzog.

„Es ist jetzt doch eigentlich alles erstmal gut. Warum redest du nicht mit ihr?" „Warum?", fauchte Draco wütend. Blaise musterte ihn auch weiter ruhig.

„Warum, genau. Sie ist nach allem inzwischen doch ganz anders auf dich zu sprechen als früher. Also, was hast du auf einmal für ein Problem?" „Was mein Problem ist? Das ist jetzt nicht dein Ernst!?" „Im Gegensatz zu dir kann ich keine Gedanken lesen, Malfoy. Also. Was ist dein Problem?" „Das ist mein Problem!", schrie Draco halb, riss sich den Hemdärmel hoch und offenbarte so das hässliche, schwarze Etwas auf seinem Arm, was Blaise nur kurz betrachtete. Als er seinen Freund wieder ansah, konnte er erkennen, wie sich in dessen Augen immer mehr eine dumpfe Verzweiflung stahl.

„Sie weiß das doch", meinte Blaise ruhig, während Draco den Ärmel wieder runter zog, um das Mal zu verstecken.

„Es ist nicht, dass sie es weiß, sondern alles, was damit zu tun hat, verdammt." „Hey, du hast das doch nicht gewollt", sprach Blaise ihm aufmunternd zu, nur drohte der Knoten in Draco gerade gänzlich zu platzen.

„Was spielt das denn für eine Rolle? Denkst du ernsthaft, irgendjemanden wird es interessieren, was ich wollte und was nicht?" „Charlie und ich, wir zählen also nicht?", rieb Blaise ihm gespielt beleidigt unter die Nase, was ihn nur noch mehr poltern ließ.

„Verdammt, ihr seid meine Freunde! Ihr kennt mich!" Und wie wir dich kennen, dachte Blaise deprimiert, als Draco weiter redete.

„Von euch einmal abgesehen, wird es aber niemand verstehen! Keiner wird mir nach allem glauben, dass ich nichts damit zu tun haben wollte! Sollte diese ganze Scheiße trotz allem gut ausgehen, was ich bezweifle, was denkst du, was dann passiert? Sie werden einen Kahlschlag machen, mit allem, was auch nur irgendwie nach Death Eater aussieht!" „Man Draco, das weißt du doch nicht", meinte Blaise ruhig, der glaubte die Sorgen seines Freundes zu verstehen.

„Du hast doch niemanden umgebracht. Snape hat Dumbledore getötet." „Ja! Aber nur weil ich ihn vorher entwaffnet hab! Er konnte sich nicht gegen Snape wehren!" „Du hattest doch keine andere Wahl, als bei diesem Scheiß mitzumachen." „Hast du mir nicht zugehört? Das wird niemanden interessieren! Du hast das Miniwiesel doch gehört! Keiner wird einem Death Eater glauben! Und mir gleich gar nicht! Dafür ist zu viel passiert! Dafür hab ich das Bild von mir über die ganzen Jahre schon viel zu stark geprägt!" „Hermione sieht das inzwischen anders", nahm Blaise ihm kurz den Wind aus den Segeln, denn er guckte für einen Moment irritiert, bevor sich etwas unsagbar Gequältes in seinen Blick stahl.

„Leider." „Wieso leider? Man, jetzt red mal Klartext. Ich versteh dich langsam echt nicht mehr. Wenn sie dich nicht mehr so abgrundtief hasst, dann ist das doch gut." „Nein." „Warum nicht?" „Weil's an den Tatsachen nichts ändert. Sollte diese Geschichte gut ausgehen, werden sie mich wegsperren und das war's dann." „Draco -" „Wenn es so kommt, ist es mir lieber zu wissen, dass sie mich auch weiter hasst. Alles andere ertrag ich nicht mehr!" „Mensch, Dray. Das -" „Verdammt, warum konntest du mich nicht einfach lassen?" „Was lassen?", stutzte Blaise, der sich das Leid seines Freundes kaum mehr mit ansehen konnte, was im Kommenden sogar noch schlimmer wurde.

„Warum hast du mich nicht einfach sterben lassen? Das wäre für alle Beteiligten das Beste gewesen." Daraufhin schlief Blaise das Gesicht ein, bevor ihn eine ungeheure Wut packte.

Er ergriff Draco blitzschnell am Kragen und warf ihn so herum, dass der Blonde mit dem Rücken plötzlich am Boden lag, während Blaise über ihm hockte und ihn energisch am Kragen festhielt.

„Hast du sie noch alle? Du blödes Arschloch! Du denkst doch nicht ernsthaft, dass ich zulasse, dass du dich so einfach verpisst, alles aufgibst und wegschmeißt! Man, das Leben ist nun mal nicht Friede, Freude, Eierkuchen. Das weißt du! Dennoch hast du etwas gewollt, Freundchen. Und das habe ich immer an dir geschätzt. Wenn du das jetzt aber wirklich fallen lässt, schwör ich, brech ich dir sämtliche Knochen, und zwar so lange, bis du wieder zur Vernunft kommst!", blaffte er ihn zornig an.

„Klar ist das mit dem Mal scheiße, aber… Verdammt Draco, du weißt nicht, was-wäre-wenn! Das weiß keiner von uns. Du stehst damit aber nicht alleine da! Du hast Charlie, du hast deine Mutter, du hast mich! Wir werden dich nicht hängen lassen. Und bevor dir die Arschlöcher vom Ministerium irgendetwas anhaben können, da entführen Charlie und ich dich, wenn's nötig ist! Also hör auf dich wie der letzte Idiot zu benehmen und dir alles zu verbauen! Hermione ist inzwischen schon so verwirrt, dass sie überhaupt nicht mehr weiß, was sie glauben soll. Sie hat geweint, und zwar deinetwegen! Du weißt, dass ich das nicht leiden kann", knurrte Blaise gefährlich.

„Sie ist nicht so verbohrt, wie Potter oder der Schwachkopf Weasley. Das weißt du! Sie hat Charlie und mir eine Chance gegeben und wenn du dich jetzt nicht wieder wie ein völliger Arsch benimmst, wird sie dir auch noch eine Chance geben. Sie hat gesehen, dass du auch anders kannst. Und gerade dieses andere versteht sie nicht! Würde mir an ihrer Stelle genauso gehen. Also rede mit ihr oder ich mach es!" „Das machst du nicht!" „Oh doch, Malfoy", sah Zabini ihn unheilbringend an, sodass er schluckte.

„Und dann? Was soll dann werden?", fragte er bitter.

„Ich weiß es nicht. Sollten wir bei Gelegenheit vielleicht mal Trelawney fragen!", zischte Blaise zynisch, ehe er weiter sprach.

„Ich hab keine Ahnung, wie sich das alles entwickelt. Es ist aber einfach nur dämlich, schon von vornherein mit der geschliffenen Axt zum Scharfrichter zu gehen und ihm den Kopf hinzuhalten, obwohl er den vielleicht gar nicht haben will! Du hast im Grunde doch nichts wirklich Schlechtes getan! Du hast das Mal. Schön. Und? Hast du jemanden ermordet? Nein. Hast du jemanden gefoltert? Nein. Du hast dich während der Schulzeit wie der letzte Arsch benommen. Okay. Das trifft allerdings auch auf dutzend andere zu, deswegen landen die noch lange nicht vor dem Wizengamot. Verdammt Draco, du hast jetzt noch die Gelegenheit etwas zu ändern, also nimm die auch wahr! Hermione fängt an umzudenken, weil sie mehr von dir gesehen hat, als nur diese hässliche Fratze, die sie all die Jahre über sehen musste. Ginny das gleiche. Auch wenn sie dich nach wie vor nicht leiden kann, hat sie dennoch gesehen, dass du auch anders kannst. Genauso dieser Kingsley und deine Cousine. Damit wären wir inzwischen bei…", rechnete Blaise kurz durch.

„Sechs, sieben Leuten. Ich bin mir sicher, dass es nicht nur bei dieser Menge bleibt. Beweis den ganzen Idioten, allen voran Potter und Weasley, dass sie sich gewaltig in dir getäuscht haben und du nicht dieses Arschloch bist! Hast du mich verstanden? Hör auf dich so gehen und hängen zu lassen, auch wenn das für den Moment vielleicht einfacher ist, sich einem Schicksal hinzugeben. Es geht auch anders. Tu was für dein Glück! Versuch es wenigstens und gib nicht gleich von vornherein auf! Das passt nicht zu dir und das kenn ich auch nicht von dir. Verdammt nochmal, du hast dir mit allem den Arsch für Hermione aufgerissen, also kneif jetzt nicht! Hast du mich verstanden?", sah Blaise ihn warnend an, worauf er knapp nickte.

„Gut", raunte Blaise noch etwas tief, kriegte sich langsam allerdings wieder ein und ließ Draco endlich los, der sich kurz mit der Hand über den Hals strich. Blaise hatte ihn so fest am Kragen gepackt, dass er ihm dadurch halb die Luft abgeschnürt hatte, was nun ein schwaches Kratzen zurückließ.

„Sag's ihr nicht", murmelte Draco dann jedoch, worauf Blaise ihn drohend ansah.

„Malfoy…" „Ich klär das auf meine Weise." „Du redest mit ihr!" „Aber nicht jetzt und hier." „Und wann dann bitteschön?", maß Blaise ihn aufs Neue sauer.

„Wenn alles vorbei ist. Ich will mir keine Hoffnungen machen und dann -" „Du siehst das viel zu Schwarz. Ernsthaft", beruhigte sich Blaise wieder und sah ihn aufmunternd an.

„Sie können dich für keine Verbrechen verurteilen, die du nicht begangen hast. Und nur wegen dem Mal auf so etwas zu schließen ist echt kleinkariert." „Wir reden hier vom Ministerium. Die haben dieses Wort erfunden", sah Draco müde zu Blaise, der schwach grinste.

„Es gibt für alles Lücken und Nischen. Aber da wir noch nicht an diesem Punkt sind und auch nicht an diesen Punkt gelangen werden, …", meinte Blaise überzeugt.

„…hörst du endlich auf Trübsal zu blasen und schlechte Laune zu verbreiten. Nutz die Zeit lieber anders." „Und wie?" „Bau auf dem auf, was du jetzt hast! Zeig Hermione, Ginny und Tonks, dass du ganz anders kannst. Beweis den Mädels, dass sie ein völlig falsches Bild von dir haben." Daraufhin nickte Draco, kam Blaise' Aufforderung allerdings nicht nach.

Er mied den Rest, allen voran Hermione, weiter und ging letztlich selbst Blaise und Charlie aus dem Weg. Zwar versuchten die Beiden, wie auch Hermione und Tonks, nochmal mit ihm zu reden, bissen aber immer wieder auf Granit. Dabei fing sich gerade Tonks einen schier tödlichen Blick ein, als sie die Dinge beim Namen nannte.

„Warum sagst du nicht, was Fakt ist?" „Was?", knurrte Draco Tonks gefährlich an, die ihn unten am See abgefangen hatte. Einen Ort, an den er sich die letzten zwei Wochen eigentlich unentwegt stahl, wenn er seine Ruhe haben und allein sein wollte. Nur das Tonks ihm diesen Frieden nicht ließ. Stattdessen setzte sie ihm das Messer auf die Brust.

„Hermione. Selbst wenn mir deine Mutter nichts weiter gesagt hätte, ist es trotzdem überdeutlich zu erkennen, dass du in ihr etwas anderes siehst, als du uns allen versuchst weiszumachen. Du hättest nicht so viel riskiert, wenn sie dir nicht so viel bedeuten würde. Du liebst sie. Hab ich Recht?", sah Tonks ihn ruhig, wie auch milde lächelnd an, während sie sich diesen Wortlaut nochmal gründlich durch den Kopf gehen ließ.

Das ihr kleiner Cousin, das Reinblut schlechthin, sich tatsächlich in Hermione, eine Mugglestämmige, verliebt hatte. Dass es wirklich an dem war, zeigte sein Blick, mit dem er Tonks in der Luft zerfetzte, die es recht amüsant fand.

„Mensch, Draco. Daran ist doch nichts Schlechtes. Im Gegenteil", lächelte sie warm.

„Rede mit ihr. Erklär's ihr." „Was erklären?", knurrte er, sodass sie mit den Augen rollte.

„Merlin, nochmal. Was wohl? Sag ihr, dass du sie nicht hasst, so wie sie denkt. Sag ihr, was du in Wahrheit von ihr hältst." „Sonst geht's dir gut oder was?", zischte er sie wütend an, worauf sie ihn verwundert ansah.

„Was ist denn los?" „Was los ist? Man, misch dich nicht in meine Angelegenheiten! Wenn du mir einen Gefallen tun willst, dann halt die Schnauze und lass mich in Ruhe!", fauchte er und verschwand wutschnaubend. Er lief um den See, nur um endlich mit sich und seinen trüben Gedanken allein zu sein, die ja doch keiner verstand.

Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ