Tear me apart – Fortsetzung
Kapitel 35
Sean
„Ich hab ihn!", rief sie, als sie energiegeladen ins Büro platzte und Severus an seinem Schreibtisch vorfand. Allem Anschein nach war ihre Aufregung sogar so groß, dass ihr ganz entging, dass er bis über beide Ohren in Arbeit steckte.
„Was?"
„Ich hab ihn!"
„Das habe ich gehört", kommentierte er trocken. „Aber was hast du?"
„Den Namen für unser Baby!" Endlich kam sie zum Stehen.
Er hob fragend die Brauen und gesellte sich zu ihr.
„Schön. Und?"
Hermines Herz pochte vor Aufregung und sie musste erst einmal wieder zu Atem kommen. „Sean."
„Wie bitte?"
„Er wird Sean heißen."
Severus legte ihr die Hände auf die Schultern. „Würdest du dich erst einmal beruhigen?"
Sie schüttelte den Kopf. „Nein. Es geht mir gut. Ich wollte nur so schnell wie möglich zu dir."
„Und da bist du den ganzen Weg gelaufen?"
Sie nickte eifrig. „Apparieren hielt ich für zu gefährlich ..."
Verständnislos schüttelte er den Kopf. „Aber einen Sprint durch das Schloss nicht?"
Hermine lehnte ihre Stirn an seine Brust und atmete tief ein und aus, bis sie sich beruhigt hatte, während Severus nachdenklich mit der Hand über ihren Rücken strich.
„Was sagst du jetzt?"
Er hielt inne. „Dass du sehr unüberlegt gehandelt hast."
„Nein. Ich meine den Namen."
Severus zögerte und Hermine nutzte die Gelegenheit, um weiter drauf los zu reden. „Sean ist ein guter Name. Findest du nicht? Und weißt du auch, wieso? Weil er mit Severus anfängt und mit Jean aufhört."
Langsam öffnete er den Mund. „Ich verstehe."
„Gut, oder?" Erwartungsvoll sah sie zu ihm auf.
Er nickte. „Ja, das ist gut."
„Also gefällt er dir?"
„Ich denke, es ist der beste Vorschlag, den wir bisher gefunden haben. Klassisch und schlicht."
„Und besonders."
„Ja, auch das."
„Also bist du dafür?"
Es dauerte einige Sekunden, ehe er reagierte, doch Hermine konnte an seinen funkelnden Augen erkennen, dass er mit der Wahl zufrieden war.
„Ich wusste es!", rief sie erleichtert. „Ich wusste, dass das unser Name ist."
„So?"
„Ja, Severus. Er ist perfekt!"
Ein sanftes Lächeln legte sich über sein Gesicht. „Gut. Er ist perfekt."
Hermine schlang ihre Arme um seinen Hals und streckte sich empor, um ihm einen Kuss zu geben. „Danke, Severus."
„Wofür?"
„Für alles."
Erleichtert drückte er sie an sich und schob sie quer durch das Büro vor sich her, zum Sofa hinüber. „Gern geschehen."
Hermine ließ sich treiben. Es war, als wäre eine große Last von ihr gefallen. Doch ihre Euphorie war nur von kurzer Dauer, ehe der altbekannte, sorgenvolle Ausdruck auf ihr Gesicht zurückkehrte.
„Wie geht es dir eigentlich?"
„Was meinst du?" Er setzte sich auf das Sofa und streckte seine langen Beine aus.
„Komm schon, Severus. Das weißt du genau."
Er seufzte. „Was möchtest du denn von mir hören?"
„Die Wahrheit. Ich weiß, dass du dich nie beklagen würdest. Das würde auch gar nicht zu dir passen. Aber bitte schließe mich nicht aus deinem Leben aus. Lass mich daran teilhaben, ja?" Sie blinzelte ihn an und machte es sich auf seinen Schoß bequem.
Er warf ihr einen skeptischen Blick zu. „Also gut. Du würdest ja doch keine Ruhe geben, richtig?"
Sie nickte ernst.
„Wenn du es genau wissen willst, meine Hände zittern von den ganzen Medikamenten, die ich ausprobiert habe. Außerdem brummt mein Schädel, obwohl ich seit Wochen keinen Alkohol mehr angerührt habe. Und als wäre das nicht genug, habe ich dich heute schrecklich vermisst. Ich komme mir vor wie ein Schuljunge ..."
Hermine brach in fröhliches Gelächter aus. „Ich habe dich auch vermisst, Severus. Abgesehen davon bin ich sehr stolz auf dich."
Er hob seine Brauen an. „Das ist nicht komisch."
„Nein, ist es nicht. Aber es stimmt. Ich kann mich an Zeiten erinnern, in denen du eine Flasche Cognac nach der anderen geleert hast, ohne dabei rot zu werden."
„Das ist lange her", gab er grummelig zurück.
„So?" Sie legte die Arme um seinen Hals und sah ihm tief in die Augen.
Er nickte. „Das war der alte Severus Snape. Der neue Severus hingegen ist mit einer umwerfenden jungen Frau verheiratet. Das bedeutet, dass er Verantwortung für sie und seinen Sohn übernehmen muss."
„Hört, hört. Und was hast du heute so gemacht? Außer dass du unerlaubterweise das Bett verlassen hast."
Er rollte mit den Augen. „Ich dachte schon, dir wäre es gar nicht aufgefallen ..."
„Von wegen! Es hat nur etwas länger als gewöhnlich gedauert."
Er seufzte. „Es geht mir gut, Hermine. Hör auf, dir Sorgen zu machen."
„Wenn du es sagst ..."
Er legte seinen Zeigefinger auf ihre Lippen, um sie zum Schweigen zu bringen, bevor sie in einem ihrer berühmten Redeflüsse versinken konnte. „Ich habe mir die Bewerbungsunterlagen neuer Lehrer angesehen und über unsere Zukunft nachgedacht, Hermine."
Sie schluckte. „Und? Hast du dich entschieden, wie es weiter gehen soll?"
„Wenn du die Sache mit dem Schulleiter meinst, dann kann ich dir sagen, dass ich genauso weit bin, wie zuvor. Die Kandidaten für den Posten als Zaubertränkelehrer waren ungefähr so vielversprechend, wie die der Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste."
Hermine kräuselte die Lippen. „So schlimm?"
Er nickte. „In der Tat. Gäbe es eine Möglichkeit, Lockhart wieder einzusetzen, würde ich ihn vorziehen."
„Oh Gott, oh Gott!" Sie schüttelte sich. Lockhart war so ein Thema für sich, über das sie lieber nicht nachdenken wollte.
„Und was machen wir jetzt?"
Er zuckte mit den Schultern. „Entweder, wir versuchen es weiter, oder ich werde meinen Posten räumen und ihn Minerva überlassen. Sie ist ohnehin viel besser dafür geeignet, als ich es bin. Der finanzielle Vorteil für uns wäre zu verschmerzen, denke ich, solange ich in Hogwarts bleiben und wieder Zaubertränke lehren kann."
„Möchtest du das denn?"
„Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass ich das je zugeben würde, aber es fehlt mir." Seine Augen blitzten auf. „Weißt du, Erstklässler zu Tode zu erschrecken, hat schon was für sich ..."
Hermine warf ihm einen strengen Blick zu. „Severus!"
Er aber grinste sardonisch. „Komm schon, du musst zugeben, dass ich gut darin war."
„Ich habe nie daran gezweifelt, dass du ein guter Lehrer bist", antwortete sie ernst. „Streng aber gut." Sie nahm nachdenklich ihre Lippe zwischen die Zähne und kaute darauf herum. „Denkst du denn, du kannst ab September wieder unterrichten?"
Er fuhr sich mit den Fingern durch die Haare. „Sofern ich dieses lästige Zittern in den Händen loswerde, könnte es klappen. Poppy wollte sich ohnehin nach anderen Medikamenten umhören."
„Severus … Das klingt alles sehr wage, findest du nicht?"
„Wir werden schon eine Lösung finden. So wie immer."
Hermine nickte nachdenklich, ohne etwas darauf zu erwidern. Dann kuschelte sie sich an seine Schulter und schlief vor Erschöpfung ein.
Sean.
Es war ein guter Name.
