Na endlich! :-)

Huhu liebe Leser! Ich war – mit leichter Verspätung – am Freitag Nachmittag fertig mit diesem ziemlich langen Kapitel, aber das liebe f f net hat wieder mal gestreikt und mich nicht hochladen lassen, darum kommt das Update erst jetzt! Viel Spaß beim Lesen! LG, Chrissi

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Kapitel 37

„Ich will nicht über Ron reden!", sagte Hermine mit einem Hauch von Panik in der Stimme.

„Du wirst es trotzdem tun", sagte Snape ruhig.

„Du hast kein Recht, mich dazu zu zwingen!", keuchte Hermine. „Ich will das nicht!"

„Die Tatsache, dass du Veritaserum zu dir genommen hast, wird dir schätzungsweise keine große Wahl lassen", sagte Snape schulterzuckend.

„Das ist unfair!", rief Hermine empört. „Du weißt, dass ich mich nicht dagegen wehren kann und nützt es schamlos aus!"

„So was kann schon mal vorkommen", sagte Snape trocken.

„Ach so – das ist also deine Motivation!", sagte Hermine mit schriller Stimme. „Du rächst dich auf diese Weise für gestern!"

„Nein, keineswegs!", sagte Snape. „Ich möchte erfahren, was die Musterschülerin Hermine Granger dazu getrieben hat, sich regelmäßig Drogen zu verabreichen und der Tod von Weasley scheint mir der wahrscheinlichste Auslöser dafür zu sein."

„Unsinn!", fauchte Hermine. „Ich habe dir doch gesagt, dass ich Nachts gelernt habe und um das besser durchziehen zu können, habe ich ein bisschen nachgeholfen."

„Warum hast du nachts gelernt?", fragte Snape.

„Weil ich nicht schlafen konnte", sagte Hermine.

„Und warum konntest du nicht schlafen?", fragte Snape.

„Weil ich nicht aufhören konnte, nachzudenken... über verschiedene... Dinge", sagte Hermine leise.

„Zum Beispiel über den Tod deines Freundes?", fragte Snape.

Hermine nickte. Ihre Kehle fühlte sich an wie zugeschnürt.

„Na siehst du", sagte Snape sanft.

Hermines Augen füllten sich erneut mit Tränen.

„Du hast erwähnt, dass du schon zu Beginn des Schuljahres stimmungsaufhellende Substanzen genommen hast", sagte Snape. „Also hattest du da schon ein Problem. Erzähl mir davon!"

„Das habe ich dir doch auch schon gesagt", sagte Hermine. „Ich war immer müde, konnte mich zu nichts mehr aufraffen. Ganz profane alltägliche Tätigkeiten schienen mir plötzlich zu mühsam. Alles war irgendwie... sinnlos."

„Und woher kamen diese Depressionen deiner Meinung nach?", fragte Snape.

„Ich hatte das Gefühl, das wäre alles nicht richtig...", flüsterte Hermine. Sie sah Snape nicht an, sondern starrte konstant auf einen imaginären Punkt über seiner linken Schulter.

„Was wäre nicht richtig?", hakte Snape nach.

„Dass ich noch am Leben bin...", sagte Hermine tonlos.

„...während Weasley und so viele andere gestorben sind?", vollendete Snape ihren Satz.

Hermine nickte.

„Erklär mir dieses Gefühl bitte ein wenig genauer", sagte Snape.

„Du hattest doch gerade vorhin noch absolut kein Interesse, meine Gefühle genauer erklärt zu bekommen!", fauchte Hermine ihn unvermutet an und für einen kurzen Moment fixierten ihre Augen die seinen.

„Hermine!", sagte Snape tadelnd und zog die Brauen himmelwärts.

„Es schien mir unmöglich einfach weiterzumachen...", sagte Hermine und ließ den Blick wieder ins Leere driften, „...so, als wäre alles völlig normal."

„Aber es war doch alles soweit normal... nachher", sagte Snape absichtlich verständnislos.

„Nichts war normal!", knurrte Hermine. „Ich konnte doch nicht einfach mein Leben wieder aufnehmen und so tun, als wäre nichts passiert."

„Andere haben das aber auch getan", gab Snape zu bedenken. „Sie haben ihre Toten begraben, sie eine Weile betrauert und dann wieder angefangen weiterzuleben."

„Ja, ich weiß!", sagte Hermine bitter. „Ich habe einigen dabei geholfen, genau das zu tun!"

„Wem zum Beispiel?", fragte Snape.

„Harry, Ginny, Mrs. Weasley, Tonks… einfach jedem, der ausgesehen hat, als ob er Hilfe bräuchte", sagte Hermine.

„Und wer hat dir geholfen?", fragte Snape.

„Niemand", sagte Hermine so leise, dass er sie kaum verstehen konnte.

„Und warum nicht?", fragte Snape nach.

„Ich brauchte doch keine Hilfe", sagte Hermine sarkastisch. „Jeder wusste doch, dass ich die perfekte Hermine Granger bin, die allzeit Hilfsbereite, die praktisch Veranlagte. Alle haben mich gelobt, wie tapfer ich das alles wegstecke und wie aufopferungsvoll ich mich um die anderen kümmere. McGonagall hat mir mehrmals versichert, was für eine große Hilfe ich doch für die liebe Molly wäre, in ihrer schwersten Stunde. Harry hat mir oft zu verstehen gegeben, wie froh er war, dass wenigstens ich nicht durchgedreht bin. Hätte ich sie alle vor den Kopf stoßen sollen, indem ich selbst um Hilfe bettle?"

„Das hätte dir wohl im Nachhinein betrachtet eine Menge Ärger erspart", sagte Snape.

„Ich habe mich nur meinem Image entsprechend verhalten – diese Vorgehensweise dürfte dir doch eigentlich nicht ganz fremd sein", sagte Hermine gehässig und sah ihn mit einem dazu passenden Blick an.

„Ich weiß nicht was du meinst!", sagte Snape gelassen.

„Vielleicht solltest du auch ein Schlückchen Veritaserum zu dir nehmen, damit es dir wieder einfällt", sagte Hermine.

„Eine nette Idee!", sagte Snape. „Du hast also nach dem finalen Kampf die ganze Zeit über so getan, als ob du stark wärst und die Verluste, die du erlitten hast ganz alleine bewältigen könntest?"

Hermine nickte.

„Verluste!", schnaubte sie gleich darauf. „Immerhin hatte ich mein Leben nicht verloren!"

„Hast du dich deswegen schuldig gefühlt?", fragte Snape.

„Weil ich noch am Leben war?", fragte Hermine mit weit aufgerissenen Augen.

„Ja!", sagte Snape.

„Was ist denn das für eine perverse Frage?", fauchte Hermine und wandte den Blick wieder ab.

„Antworte mir! Hast du dich schuldig gefühlt?", bohrte Snape nach.

„Ja!", sagte Hermine tonlos.

„Dachte ich's mir doch!", sagte Snape. „Du warst also der Meinung, die Welt wäre ohne dich besser dran?"

„Wenn jemand anderes dafür am Leben geblieben wäre...", sagte Hermine.

„Wer denn?", fragte Snape interessiert. „Weasley?"

„Ja!", hauchte Hermine.

„Hm... was hattet ihr für ein Verhältnis zueinander, du und Weasley?", fragte Snape.

„Das weißt du doch – wir waren Freunde", sagte Hermine mit einem leicht hysterischen Flackern in der Stimme.

„Ich hab da so was läuten hören, dass ihr dabei wart, etwas mehr als Freunde zu werden in der Zeit, kurz vor dem Endkampf", sagte Snape.

„Wo willst ausgerechnet DU denn so was läuten gehört haben?", fragte Hermine skeptisch.

„Auch wenn mir zu Recht der Ruf vorauseilt, dass mir Schülergetratsche zuwider ist, kriege ich doch zwangsläufig oft mit, über was sich die Bälger während der Pausen auf den Fluren oder im Hof unterhalten", sagte Snape, „und das Thema ‚Habt ihr's schon gehört? Die Streberin war mit dem Wiesel zusammen!' hat mehr als einmal unabsichtlich meine Ohren gestreift."

„So was können ja wohl nur deine bescheuerten Slytherins von sich gegeben haben", fauchte Hermine.

Zu ihrem Erstaunen wies Snape sie für diesen Affront gegen sein Haus nicht zurecht, sondern schien sogar amüsiert über ihren Kommentar.

„Schon möglich!", sagte er lächelnd. „Also – Klartext! Wart ihr nun mehr als Freunde oder nicht?"

„Na ja – schon... mehr...", sagte Hermine leise.

„Dann erzähl mal!", sagte Snape und lehnte sich bequem zurück. „Am besten, du fängst ganz von Vorne an."

„Es begann damit, dass mir im sechsten Schuljahr diese Sache, die Ron laufen hatte total auf die Nerven ging", sagte Hermine, „du weißt schon – Lavender Brown und ihr ‚Won-Won'." Sie verdrehte bedeutungsvoll die Augen.

„Lavender Brown und wer?", fragte Snape irritiert.

„Won-Won!", sagte Hermine angewidert. „So hat sie Ron genannt."

Snape sah für eine Sekunde so aus, als hätte er Zahnschmerzen.

„Sehr originell!", sagte er dann. „Ich kann mich dumpf erinnern, dass die beiden eine Weile auffällig oft zusammen anzutreffen waren."

„Sie sind aneinandergepappt wie die Kletten", sagte Hermine düster.

„Und das hat dich geärgert?", fragte Snape.

„Ja!", sagte Hermine. „Es war so... ätzend und... niveaulos."

„Hm...", machte Snape nachdenklich. „Ich habe Miss Brown durchaus so in Erinnerung, dass ich beide Adjektive als passend empfinden würde – dasselbe könnte ich allerdings auch über Mister Weasley behaupten.

„Ron war nicht niveaulos!", fauchte Hermine.

„Hast du das nicht gerade selbst...", begann Snape.

„Ich habe gesagt, die Sache zwischen ihm und Lavender war niveaulos", sagte Hermine.

„Ah – er hatte deiner Meinung nach bestimmt etwas besseres verdient, als Miss Brown, richtig?", sagte Snape sarkastisch. „Dich, zum Beispiel!"

„Pffft...", machte Hermine beleidigt und verschränkte die Arme.

„Erzähl weiter!", sagte Snape belustigt.

„Wir sind uns ausgerechnet bei einer sehr traurigen Angelegenheit erstmals näher gekommen", sagte Hermine leise. „Bei Dumbledores Beerdigung!"

Snapes Gesicht verdüsterte sich deutlich und Hermine spürte einen kleinen schadenfroh-triumphierenden Kick, ehe sie für einen kurzen Moment Mitleid für ihn empfand, das sich allerdings auch schnell wieder verflüchtigte. Dumbledores Tod war mit Sicherheit eines der Themen, über die er niemals freiwillig mit ihr sprechen würde - aber da musste er eben durch, nachdem er auch sie zwang, über ihr schlimmstes Erlebnis zu sprechen und ihr aufgrund des Veritaserums gar keine andere Wahl blieb, als die Dinge beim Namen zu nennen.

„Ich habe geweint und Ron hat mich in die Arme genommen", sagte Hermine.

Snape schwieg und sah nun seinerseits an Hermines Kopf vorbei ins Leere.

„Und? Weiter?", sagte er schließlich ziemlich gereizt, als Hermine nicht von sich aus fortfuhr.

„Na ja – in den darauffolgenden Wochen waren wir noch wie betäubt von der Flut der Ereignisse und von der Trauer", sagte Hermine und beobachtete genau, wie Snape auf ihre Worte reagierte, was sie nun ungestört tun konnte, da er sie nicht mehr ansah, „aber dann..."

„Was dann?", brummte Snape, als sie zögerte.

„Dann haben wir angefangen uns wirklich näher zu kommen", sagte Hermine. „Wir haben viel geredet über die Vergangenheit und über die Zukunft, die vorerst allerdings nur darin bestand Harry zu unterstützen bei seinem Kampf gegen Voldemort und gegen..."

„Gegen mich?", fragte Snape und bohrte plötzlich seinen Blick so intensiv in den ihren, dass sie zusammenzuckte.

„Ja!", sagte Hermine und bemühte sich, dem Blick standzuhalten. „Harry hat dich zu dem Zeitpunkt fast mehr gehasst als Voldemort. Aber das ist auch verständlich - er hatte dich ohnehin schon verantwortlich gemacht für Sirius Tod und mit Dumbledore hattest du ihm den letzten Menschen genommen, dem er sich verbunden fühlte – den letzten erwachsenen Menschen zumindest."

„Potter hat mich auch noch gehasst, als längst klar war, dass Dumbledores Tod dessen eigene Inszenierung war und dass ich einen großangelegten Gegenschlag gegen Voldemort vorbereite", sagte Snape dumpf, als würde er mehr zu sich selbst sprechen. „Er hasst mich auch jetzt noch!"

„Das stimmt nicht ganz", sagte Hermine sanft. „Harry hat seine Meinung von damals soweit revidiert, wie es ihm möglich war, aber du gibst ihm auch wirklich keinen Anlass, die restliche Vorbehalte auszuräumen."

„Und wieso sollte ich ihm den geben?", knurrte Snape. „Er hat mir niemals auch nur einen Hauch von Achtung oder gar Vertrauen entgegengebracht. Außerdem hat mich diese wehleidige Art, mit der er sich in seiner Opferrolle gesuhlt hat, anstatt seinen Part in diesem Kampf zu akzeptieren und dementsprechend an sich zu arbeiten, wirklich in keiner Weise animiert, ihm entgegen zu kommen."

„Das ist nicht wahr, was du da über Harry sagst! Du tust ihm wirklich unrecht!", sagte Hermine scharf.

„Wie dem auch sei – du bist nicht hier, damit wir über Potter sprechen", sagte Snape eisig.

„Nein!", gab Hermine zu. „Ich bin eigentlich hier um über dich und mich zu sprechen, aber das verweigerst du ja beharrlich."

Snape sah einen Moment lang so aus, als stände er im Begriff etwas sehr böses zu sagen, aber dann erstarrte sein gerade noch äußerst wütendes Gesicht wieder zu einer ausdruckslosen Maske, in der nur die Augen lebendig wirkten.

„Wie ging es mit dir und Weasley weiter?", fragte er erstaunlich beherrscht.

„Na ja...", sagte Hermine zögernd. „Wie es halt so geht, für gewöhnlich..." Sie verstummte und ihr Teint verfärbte sich leicht rosa.

Snape verdrehte genervt die Augen.

„Du kannst es mir ruhig erzählen – ich habe starke Nerven", sagte er mit einem deutlich süffisanten Ton, der Hermine sehr ärgerte.

„Das ist sicher viel zu banal für deine Ohren", begann sie schnippisch, aber das, was sie eigentlich dachte, sprudelte auch noch unhaltbar aus ihr heraus. „Und außerdem will ich nicht, dass du darauf herumtrampelst", fügte sie leise hinzu.

Snapes dunkler Blick ruhte eine Weile aufmerksam und ernst auf ihr, bevor er weitersprach.

„Das werde ich nicht tun", sagte er. „Ich verspreche es dir!"

„Okay...", sagte Hermine, verwirrt von dem unerwarteten Zugeständnis.

„Also – was genau war denn nun zwischen euch?", fragte Snape.

„Wir waren ein Paar, wenn auch letztendlich nicht mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen... wie du weißt...", sagte Hermine. „Die Beziehung zwischen uns hat sich sehr langsam entwickelt, was vielleicht auch mit daran lag, dass wir eine nervenaufreibende Zeit durchmachten, als wir Harry auf die Suche begleiteten. Aber wir waren glücklich einander zu haben. Am Anfang war ich sehr... verliebt – es war ein tolles Gefühl, zu wissen, dass Ron für mich da war wenn ich Trost brauchte, oder auch nur mal eine Schulter zum Anlehnen. Er dagegen hat sich mir sehr zaghaft und schüchtern genähert, so als wäre ihm das Ganze nicht so wirklich geheuer – das fand ich zunächst sehr süß, aber dann..."

Hermine stockte und senkte den Blick. Snape wartete geduldig, bis sie weitersprach.

„...dann ging es mir immer mehr auf die Nerven, dass er so wenig selbstbewusst und so... unmotiviert war und immer eine Einladung zu brauchen schien, um auf mich zuzugehen. Ich begann, meine Gefühle für ihn zu hinterfragen und kam zu dem Schluss,... dass ich mir nicht mehr so sicher war, was ich für ihn empfand. Klar – ich hatte ihn sehr gerne, er war mein Freund, genauso wie Harry – aber das, was ich am Ende des sechsten Schuljahres ihm gesehen hatte, begann merklich zu verblassen. Aufgrund dieser Selbstanalyse zog ich mich ein wenig zurück, um Abstand zu gewinnen, aber nun geschah das Unfassbare – je mehr ich mich zurückzog, desto mehr kam Ron auf mich zu. Er war plötzlich so aufmerksam wie ich mir das immer gewünscht hatte und warb mit einem Mal ganz deutlich um mich."

„Wie hast du darauf reagiert?", fragte Snape, als sie nicht weitersprach.

„Was hätte ich denn tun sollen?", sagte Hermine aufgebracht. „Schließlich konnte ich ihm doch nicht einfach vor den Kopf stoßen, nachdem ich vorher die Weichen dafür gestellt hatte, dass er uns als Paar eine Chance gibt. Ich habe ihn zwar nicht ermutigt, aber auch nicht abgewiesen. Meine neutrale Haltung hat ihn total wahnsinnig gemacht – er versuchte alles, um mich voll und ganz für sich zu gewinnen."

„Ich habe zwar nicht viel von euch beiden mitbekommen, weil ich andere Dinge im Kopf hatte", sagte Snape nachdenklich, „aber ich habe euch im Hauptquartier mehr als einmal streiten hören."

„Andere Dinge im Kopf ist gut", sagte Hermine mit einem müden Lächeln. „Du hast Glück gehabt, dass niemand versucht hat, dich totzufluchen als du zurückgekehrt bist, noch bevor McGonagall alle von deiner Loyalität überzeugen konnte."

„Mag sein, der Zeitpunkt war etwas ungünstig, aber ich habe ihn mir nicht ausgesucht", sagte Snape, „auch da, wo ich herkam, war man drauf und dran mich totzufluchen – vermutlich mit weit größerer Aussicht auf Erfolg. Minerva hätte sich mal lieber etwas beeilen sollen mit ihrer Überzeugungsarbeit."

„Manchmal habe ich den Eindruck, sie ist immer noch nicht damit fertig", sagte Hermine düster, was Snape ein leises Schmunzeln entlockte.

„Wir sprachen über dich und Weasley", fuhr er ernst fort. „Worüber habt ihr gestritten?"

„Er hat unter meinem Verhalten gelitten", sagte Hermine. „Er fühlte sich zurückgewiesen und war oft beleidigt, weil ich ihm nur so weit entgegenkam, wie unbedingt notwendig und ihm unauffällig auswich, wo es nur ging."

„Aber ihr wart in der Zeit trotz allem noch ein Paar?", fragte Snape skeptisch.

„Ja!", sagte Hermine niedergeschlagen.

„Was hat dich davon abgehalten, ihm reinen Wein einzuschenken?", fragte Snape.

„Ich wollte ihm nicht weh tun", sagte Hermine leise.

„Und du hast gedacht, wenn du ihn so lange hinhältst, dass er von selber geht, tut es weniger weh?", fragte Snape.

„Nein!", sagte Hermine zornig. „Ich dachte selbst..."

„Ja?"

„...selbst der dümmste Trottel müsste im Laufe der Zeit merken, wenn eine Frau von ihm nichts will", schluchzte Hermine. Sie hasste sich dafür, diesen Satz ausgesprochen zu haben, aber das Veritaserum ließ ihr keine andere Wahl.

„Verliebte Männer sind ja auch schlimmer als dümmste Trottel", sagte Snape belustigt.

„Ach ja?", fauchte Hermine. „Sprichst du da aus eigener Erfahrung?"

„Nein!", sagte Snape gelassen. „Diese Erkenntnis beruht auf Beobachtungen."

„Du warst noch nie verliebt?", fragte Hermine ungläubig.

„Das habe ich nicht behauptet", sagte Snape.

„Erklärst du mir das mal näher?", fragte Hermine schneidend.

„Nein!", sagte Snape. „Mister Weasley hat also nicht kapiert, dass du ihn eigentlich schon abserviert hattest?"

„So einfach kannst du dich nicht aus der Affäre...", begann Hermine. „Ich weiß es nicht – vielleicht hat er es geahnt, wollte es aber nicht wahrhaben." Verdammtes Veritaserum! Sie konnte einfach nicht anders, als Snapes direkte Fragen zu beantworten. „Auf jeden Fall hat er mich regelrecht überschüttet mit Liebesbeteuerungen", fügte sie hinzu.

„Wie hat das auf dich gewirkt?", fragte Snape, noch ehe sie auf die Idee kommen konnte, ihre Frage von vorhin zu wiederholen.

„Ich war erschüttert, wie intensiv seine Gefühle für mich plötzlich waren", sagte Hermine und das, was sie aussprach, spiegelte sich auch in ihrem Gesicht wieder, „und ich hatte ein fürchterlich schlechtes Gewissen, weil ich sie nicht so erwidern konnte, wie Ron es verdient hatte."

„Und du hast nie versucht, ihm die Wahrheit zu sagen?", fragte Snape skeptisch.

„Ich hatte mir fest vorgenommen, es nach der großen Schlacht zu machen, die sich dann im Nachhinein als das Finale in diesem Wahnsinn herausstellte", sagte Hermine kläglich, während eine einzelne Träne sich einen Weg über ihre Wange bahnte, „aber..."

„Aber da war es zu spät", führte Snape ihren Satz zu Ende, als sie zögerte. „Dann ist er also wenigstens mit der gnädigen Lüge gestorben, dass du mehr als Freundschaft für ihn empfindest."

„Nein, ist er nicht!", sagte Hermine tonlos.

„Was ist passiert?", fragte Snape. „Hattest du deine Meinung geändert?"

„Ja!", hauchte Hermine.

„Und warum?", fragte Snape.

„Er hat mir einen Heiratsantrag gemacht", sagte Hermine mit seltsam teilnahmsloser Stimme.

„Oh...", machte Snape überrascht und zog indigniert die Augenbrauen hoch.

„Es war vor dieser Schlacht", sagte Hermine, „der letzten... als wir dabei waren, uns voneinander zu trennen, um unsere Positionen einzunehmen, hat er mich zurückgehalten und mir gesagt, wie sehr er mich liebt – und er hat mich gefragt, ob ich seine Frau werden will. Ich sagte: ‚Nein Ron, das kann ich nicht!' und versprach, es ihm nachher zu erklären. Aber er wollte sich damit nicht zufrieden geben und fragte mich immer wieder: ‚Warum?' Er wurde immer lauter und er ließ mich nicht gehen. Und da konnte ich plötzlich nicht mehr anders. ‚Weil ich dich nun mal nicht liebe!', habe ich geschrieen. Er hat mich nur angesehen und nichts mehr gesagt. Dann ist er einfach gegangen. Und... als ich ihn das nächste Mal sah,... lag er am Boden und war... tot." Die letzten Worte gingen fast in dem Schluchzen unter, das Hermine schüttelte.

Snape blieb ruhig sitzen und wartete, bis sie sich wieder einigermaßen gefangen hatte.

„Es ist verständlich, dass dich das belastet", sagte er dann. „Ihr seid im Streit auseinander gegangen und du hast keine Gelegenheit bekommen, deinem Freund zu erklären, was in dir vorging. Das ist bitter - aber immerhin hast du ihn nicht angelogen und irgendwie hatte er wohl auch ein Recht auf die Wahrheit, meinst du nicht?"

„Aber... verstehst du das denn nicht?", fragte Hermine aufgebracht und starrte ihn ungläubig an. „Verstehst du nicht, was ich ihm angetan habe?" Ihre Stimme wurde schrill.

„Wovon zum Teufel sprichst du?", fragte Snape barsch.

„ICH HABE IHN UMGEBRACHT!", schrie Hermine.

„Was für ein haarsträubender Blödsinn!", sagte Snape.

„Ron hat in keinem der vorausgegangenen Kämpfe auch nur einen nennenswerten Kratzer abbekommen", rief Hermine und schüttelte vehement den Kopf. „Er ist in dieser letzen Schlacht einfach los marschiert und hat sich umbringen lassen."

„Selbst wenn man in Betracht zieht, dass er in dieser Schlacht vielleicht anfangs etwas von seinen Gedanken abgelenkt war, könnte man dir keinen Vorwurf deswegen machen", sagte Snape.

„Du hörst mir nicht zu!", sagte Hermine verzweifelt. „ICH mache mir diesen Vorwurf!"

„Im Kampf hat man nicht viel Zeit zum Denken - das dürftest du eigentlich wissen", sagte Snape unbeeindruckt von ihrer Selbstanklage. „Da übernimmt der Überlebensinstinkt die Führung. Ich glaube kaum, dass Weasley Gelegenheit hatte, über sein Liebesleben nachzudenken."

Hermine schüttelte wieder den Kopf, während ihr die Tränen nun unaufhaltbar übers Gesicht rannen.

„Du willst mir das einfach nicht glauben", sagte sie heiser. „Warum zwingst du mich, dir davon zu erzählen, wenn du mir nicht glauben willst. Ron ist gegangen und ich habe es einfach geschehen lassen. Ich hätte ihn nicht weg lassen dürfen in diesem Zustand."

„Hermine!", sagte Snape beschwörend. „Du bist nicht schuld daran, dass er gestorben ist!"

„Ich hätte ihn festhalten müssen", flüsterte Hermine.

„Das wäre dir ohnehin nicht gelungen, wenn er wirklich weg wollte – und das nehme ich fast an, nach dieser niederschmetternden Erkenntnis", sagte Snape.

„Es ist meine Schuld!", sagte Hermine monoton.

„Du überschätzt deinen Einfluss!", sagte Snape mit plötzlicher Schärfe. „Es hat ihn bestimmt hart getroffen, aber dass er sich gleich das Leben deswegen genommen hat, halte ich für äußerst unwahrscheinlich. Das war sicher eher ein Problem, das er mit seinem Kumpel Potter nach dem Sieg mit ein paar Bier weggespült hätte."

Hermines Kopf schoss hoch und ihre Augen glitzerten nicht mehr nur wegen der Tränen darin.

„Du bösartiger, zynischer Bastard!", fauchte sie.

„Du bist nicht schuld an Weasleys Tod!", sagte Snape ungerührt. „Er hatte die verdammte Pflicht, auf sich aufzupassen. Wenn er das nicht getan hat, ist er selber schuld, wenn er es getan hat – was ich eigentlich annehme - war es Pech für ihn, dass es ihn trotzdem erwischt hat, aber DU bist auf keinen Fall schuld daran, dass er gestorben ist." Er war lauter geworden, während er gesprochen hatte und fixierte Hermine nun auch eindringlich.

„Warst du dabei? Hast du gesehen, wie er starb?", fragte Hermine anklagend.

„Nein! Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, deinen anderen Freund, Potter, im Auge behalten zu dürfen", sagte Snape.

„Dann weißt du auch nicht, wie es war", sagte Hermine mit rauer Stimme. „Also erzähl mir gefälligst nicht, dass ich mich nicht schuldig fühlen muss – du kannst das gar nicht beurteilen."

Sie zog die Beine hoch, schlag die Arme darum und legte ihre Stirn auf die Knie. Die Flut ihrer Haare verdeckte nun völlig ihr Gesicht.

Snape, dem es gar nicht Recht war, dass sie sich ihm auf diese Weise entzog, quittierte die verhaltenen, aber dennoch untrüglichen Geräusche, die sie gleich darauf von sich gab mit einem leisen, resignierten Seufzer.

„Hermine!", sagte er so freundlich, wie er es zustande brachte.

Als sie nicht reagierte, rang er sich dazu durch, aufzustehen und zu ihr zu gehen. Er setzte sich neben sie auf das Sofa und legte seine Hand auf ihre Schulter.

„Lass mich in Ruhe!", tönte es dumpf und verzweifelt unter den Locken hervor.

„Hör mir zu!", sagte Snape eindringlich und verstärkte seinen Griff noch ein wenig.

„Ich möchte gehen!", sagte Hermine, die sich zusehends verspannte bei dieser Aktion.

„Du kannst nicht gehen!", sagte Snape bestimmt. „Das Veritaserum wirkt noch und ich möchte mir gar nicht vorstellen, was passieren würde, wenn dir jemand die richtigen Fragen stellt - und sei es auch nur aus Versehen."

„Das ist doch wohl deine Schuld!", fauchte Hermine. „Du hast auf dem Vertiaserum bestanden!"

„Richtig! Und jetzt bestehe ich darauf, das du hier bleibst, bis es nicht mehr wirkt", sagte Snape.

„Das ist Freiheitsberaubung?", knurrte Hermine.

„Ach...? Wirklich?", sagte Snape mit sarkasmustriefender Stimme und zog seine Hand zurück. „Der Begriff sagt dir etwas?"

Endlich tauchte Hermine wieder aus der Versenkung auf und ihr Anblick löste wider Willen einen Anflug von Mitleid bei Snape aus.

„Das war nicht nett – ich weiß", sagte er in einem halbwegs einlenkenden Ton und musterte ihr verweintes Gesicht unter dem völlig verstrubbelten Haar. „Pass auf, Hermine", fuhr er fort, „ich kann mir in etwa vorstellen, wie du dich fühlst, aber du musst versuchen, das alles aus einer anderen, distanzierteren Perspektive zu betrachten. Jeder Mensch hat eine Verantwortung – für sich selbst und in gewissem Maß auch für seine Mitmenschen. Aber diese Verantwortung für andere geht nicht so weit, dass einzig und allein das eigene Verhalten als Grund für die Reaktion eines anderen herangezogen werden kann. Nehmen wir einmal an, dass Weasley tatsächlich mit dem Wunsch, sich umbringen zu lassen in diesen Kampf gegangen ist – was ich nach wie vor für sehr abwegig halte – dann ist das trotzdem nichts, was du unmittelbar ausgelöst hast. Es war seine Entscheidung! Und du hättest es auch nicht verhindern können."

„Ich hätte ihm die Wahrheit aber nicht gerade in diesem Moment um die Ohren hauen müssen", flüsterte Hermine. „Wenn ich das nicht getan hätte, wäre er noch am Leben."

„Das ist nur eine Vermutung, Hermine!", sagte Snape streng. „Viel wahrscheinlicher ist, dass es ihn eben einfach erwischt hat und dass er sogar dann gestorben wäre, wenn du ihm den Himmel auf Erden versprochen hättest."

„Warum musst du immer so sarkastisch sein?", sagte Hermine anklagend. „Du hast doch versprochen, nicht auf meinen Gefühlen herumzutrampeln."

„Das tue ich doch auch nicht", sagte Snape. „Ich will dir lediglich klar machen, dass du dir deine Schuld nur einredest."

„So, wie ich mir die Gefühle für dich nur einrede?", fragte Hermine bitter.

Snape seufzte gereizt.

„Es ist nicht der richtige Zeitpunkt um das zu erörtern", sagte er.

„Und wann ist dieser Zeitpunkt, Severus?", fragte Hermine. „Wenn die Hölle einfriert?"

„Na, wer ist den nun sarkastisch?", fragte Snape stirnrunzelnd.

„Ich – aber nur, weil mir keine andere Wahl bleibt", sagte Hermine leise.

„Es wäre besser, wenn du erst mal dein emotionales Chaos aufgrund Weasleys Tod bewältigst, bevor du dich in ein neues stürzt", brummte Snape. Mit vorwurfsvollem Gezeter konnte er bei weitem besser umgehen, als mit diesen leisen, traurigen Tönen.

„Ja – vielleicht...", sagte Hermine und ließ den Kopf hängen.

„Wer weiß eigentlich von der Sache zwischen dir und Weasley", fragte Snape, „ich meine, von dem Heiratsantrag und davon, dass du ihn abgelehnt hast?"

„Niemand!", sagte Hermine. „Es ist viel bequemer, abzulenken, wenn einem das Thema unangenehm ist, nicht wahr?"

„Du hast es nicht mal Potter erzählt oder Ginevra?", fragte Snape, ihre Anspielung mit unbewegter Miene ignorierend.

„Nein, ich habe es nicht mal Harry und Ginny erzählt", sagte Hermine. „Dafür, dass du so großzügig Veritaserum verteilst, hast du ganz schöne Probleme mit der Wahrheit."

„Hör endlich auf, Hermine!", sagte Snape mit plötzlicher Schärfe. „Nach deinem Auftritt gestern habe ich jedes Recht, dieses Gespräch, das du glaubst mit mir führen zu müssen, zu verweigern! Ich werde jetzt nicht darüber reden und ENDE!"

Hermine sah ihn mit einem verzweifelten und schon wieder verdächtig feucht glänzenden Blick an.

„Du weißt doch wie sehr ich bedaure, was ich getan habe?", fragte sie mit zitternder Stimme.

Snape schloss für einen Moment die Augen und seufzte.

„Ja, ich weiß es!", sagte er, als er sie wieder öffnete.

Hermine konnte nicht anders. Er sah so erschöpft und irgendwie verloren aus, dass ihre Zuneigung zu ihm sie regelrecht zu überwältigen schien. Sie hob die Hand in der Absicht, ihm über die Wange zu streichen.

Snape stoppte sie wenige Zentimeter vor seinem Gesicht und er tat es nicht sanft. Seine Finger schlossen sich wie ein Schraubstock um Hermines Handgelenk und er zwang sie mit Nachdruck den Arm zu senken.

„Habe ich dir nicht klar und deutlich zu verstehen gegeben, dass du mich nicht anfassen sollst?", knurrte er und der Blick, mit dem er sie ansah, wirkte – zum ersten Mal an diesem Abend – wirklich gefährlich.

„Okay!", hauchte Hermine und versuchte, nicht allzu schmerzverzerrt auszusehen. „Lässt du mich bitte los? Du tust mir weh!"

Irritiert schaute Snape auf seine Hand hinunter, mit der er immer noch die ihre umklammert hielt, als würde er jetzt erst merken, was er eigentlich tat. Einen Augenblick später gab er sie frei.

„Halt dich fern von mir!", sagte er rau.

„Ja! Ich versuche es", sagte Hermine mit belegter Stimme.

„Warum hast du nicht mit Potter, oder seiner Freundin über Weasleys Antrag gesprochen?", fragte Snape, nachdem sie eine Weile geschwiegen hatten. „Sie sind doch deine engsten Freunde – wäre es nicht natürlich gewesen, es ihnen zu erzählen?"

„Ich habe mich geschämt", sagte Hermine und senkte den Kopf.

„Wie viel wissen die beiden denn überhaupt von eurer Beziehung?", fragte Snape.

„Sie haben nur mitbekommen, dass wir zusammen waren", sagte Hermine. „Keiner wusste, wie der Stand der Dinge tatsächlich war."

„Hast du überhaupt mit jemand über den Tod von Weasley gesprochen?", fragte Snape.

„Mit seiner Mutter, mit seinem Vater, auch mit Ginny und Harry – ich habe versucht, sie zu trösten..."

„Und keiner hat je gemerkt, dass du dir die Schuld an seinem Tod gibst?", fragte Snape.

Hermine schüttelte den Kopf und Snape musterte sie eine Weile schweigend.

„Du bist nicht schuld daran!", sagte er dann unerwartet sanft.

Hermine sagte nichts, sie sah ihn nur traurig an und rieb sich ohne es zu merken ihr schmerzendes Handgelenk.

„Ich glaube es ist besser, wir beenden das Gespräch nun", sagte Snape.

„Und wenn das Veritaserum noch wirkt...?", fragte Hermine.

„Die Wirkung dürfte so gut wie vorbei sein", sagte Snape. „Geh vorsichtshalber durch den Kamin, dann läufst du nicht Gefahr, jemandem zu begegnen.

„Ich möchte noch nicht gehen", sagte Hermine.

Snape runzelte die Stirn und sah sie fragend an.

„War's das jetzt?", fragte Hermine verzweifelt. „Darf ich nicht mehr wiederkommen, nachdem ich den Entzug nun hinter mir habe?"

„Ich denke, dass das heutige Thema noch nicht erledigt ist", sagte Snape. „Du kommst am besten morgen Abend noch einmal her, dann reden wir weiter – und denk unterdessen über das nach, was ich dir gesagt habe."

Er stand auf und demonstrierte Hermine damit deutlich, dass das Gespräch beendet war.

Sie nickte und stand auf, unfähig ein Wort zu sagen, so erleichtert war sie, dass er ihre Verbindung nicht strikt für beendet erklärt hatte.

„Gute Nacht!", flüsterte sie und versuchte das Verlangen zu ignorieren, ihn zu berühren – sich in sein Arme zu werfen und an ihm festzuklammern.

Sie stand schon im Kamin, als sie ihm einen letzten Blick zuwarf und für einen Moment – kurz bevor die grünen Flammen um sie emporloderten – glaubte sie, die selbe Sehnsucht in seinen Augen zu erkennen.

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Fortsetzung folgt...