Kapitel 35
„Ernsthaft, das kann doch nicht ihr Ernst sein! Nach dem Ganzen Ärger KANN es doch nicht so einfach sein!"
Eric sah sie verwirrt an. „Was meinst du?"
Grinsend setzte sich Sookie wieder auf den Foltertisch. „Also komm, wir sind hier doch schneller wieder raus, als ich husten kann!" Er stellte sich vor sie.
„Und wie genau stellst du dir das vor? Ich nehme nicht an, dass wir durch diese massive Wand da kommen, Klara-Belle wäre nicht so dumm, dass sie uns in einem Raum mit so einer Schwachstelle einsperren würde!"
Sie zog eine Augenbraue hoch. „Aber du hast einen Trumpf im Ärmel von dem sie nichts weiß!"
„Und zwar?"
Schmollend gab sie ihm einen Klaps auf die Schulter. „Mich natürlich, du Idiot!"
„Nenn mich nicht noch einmal so!" Sein Gesicht verdüsterte sich. „Dann verhalte dich gefälligst etwas konstruktiver! Warum soll ich hier bitte schon wieder die Pläne machen, um dir die Haut zu retten?" Sookie rutschte über den Tisch und baute sich auf der anderen Seite auf. „Also. Hast du einen besseren Plan?"
„Ich könnte dich aussaugen und damit einige Minuten länger überleben!"
Jetzt wurde sie langsam wirklich wütend. „Ok, weißt du was, wenn du nicht sofort mit dem Mist aufhörst, dann verschwinde ich alleine von hier und du darfst den Sonnenanbeter spielen, ist das klar?"
„Das machst du doch sowieso nicht!" grinste er selbstgefällig. „Ach ja? Und wie kommst du darauf?"
Eric beugte sich langsam über den Tisch und sah ihr tief in die Augen. „Weil ich mich ziemlich gut an das erinnern kann, was du noch vor nicht allzu langer Zeit gesagt hast!" Sookie schaute ihn zornig an. „Und was wäre das?" Breit grinsend leckte er sich die Lippen. „Etwas deiner Gefühle mich betreffend…"
Sie schürzte die Lippen. „Tja, ich befürchte nur, du vergisst da etwas."
„Und was?"
„Das habe ich nur gesagt, damit du endlich aufhörst mich zu nerven und tust was ich sage!"
Sie hielt seinem bohrenden Starren stand, bis er den Kopf wegdrehte. Für einige Sekunden meinte sie Schmerz in seinen Augen gesehen zu haben, aber sein Blick, als er sie wieder ansah, belehrte sie eines besseren. „Nun, umso besser, das verkompliziert die Sache wenigstens nicht noch unnötig und ich muss nicht erwarten, dass du später wieder flennend im Fangtasia aufkreuzt."
„Keine Sorge, das werde ich nicht!" zischte Sookie zurück und straffte sich. „Können wir dann jetzt endlich gehen?"
Mit einem gespielten Lächeln deutete Eric zur Tür. „Bitte. Ladies first!"
Sie warf ihm noch einen letzten wütenden Blick zu, dann ging sie zum Ausgang und streckte ihre Sinne aus. Leicht weggetreten beschrieb sie ihm, was sie sah/fühlte.
„Mehrere Wachen… Sechs, wenn ich richtig liege… Nein, sieben. Einer direkt gegenüber der Tür, der Rest rechts und links. Ein paar sind sicher, dass wir nicht rauskommen, der Rest hofft, dass du mich aussaugst und es dann probierst, nur um dich pfählen zu können."
Sie bekam eine Gänsehaut als Eric direkt neben ihrem Ohr sagte: „Also, was ist dein Plan, Süße?" Sookie funkelte ihn böse an und machte einen Schritt seitwärts.
„Ich geh raus, schalte die Wachen aus, du bezirzt sie, wir hauen ab und benachrichtigen die Autorität."
„Das werde wir nicht!"
„Warum nicht? Diese Frau hat uns immerhin gefangen gehalten!"
Er schüttelte nachdrücklich den Kopf. „Nein, wir werden sie nicht verpfeifen. Mir ist es lieber wenn mir die Königin von Illinois etwas schuldig ist, als dass schon wieder ein neuer Monarch ins Amt gesetzt wird. Die wollen alle am Anfang noch etwas bewegen… Nein, ich werde ihr einen Deal vorschlagen."
„Was für einen Deal denn?"
„Solange sie mich – uns! in Ruhe lässt, werde ich niemandem etwas sagen. Aber sobald mir, dir oder einem meiner Leute etwas zustößt…"
Sookie sah ihn missbilligend an. „Immer wieder schön zu sehen, dass die Gesetze für den Arsch sind!"
Ihre Kritik prallte mit einem Schulterzucken an ihm ab. Sie ballte ihre Hände zu Fäusten, nur um sie schnell wieder zu entspannen. Was sie jetzt vor hatte würde ihre ganze Konzentration brauchen, wütend konnte sie später immer noch sein (und das würde sie auch!)
„Bete dafür, dass ich dich jetzt nicht hängen lasse!" fauchte sie und er grinste.
„Bitte lieber Odin mein, lass uns jetzt erfolgreich sein; Thor mit Donner steh uns bei, damit wir schneller werden frei; Tyr, ich bitt dich, halt uns fest, damit sie mich nicht hängen lässt." Jetzt grinste er noch breiter. „Gut, erledigt, können wir jetzt?"
Völlig perplex starrte sie ihn an, unfähig zu entscheiden ob das jetzt lustig gewesen war oder nicht. „Was sollte denn das jetzt?" fragte sie schließlich irritiert. „Na, DU hast doch gesagt ich soll beten." Das schelmische Glitzern in seinen Augen gefiel ihr unglaublich gut, auch wenn sie das jetzt erstens nicht bemerken wollte und zweitens niemals zugeben würde.
„Siehst du, geht doch." Sagte er und fuhr ihr Lächeln nach. Sookie verfluchte sich selbst, dass ihr Vorsatz nicht einmal drei Sekunden gehalten hatte. Er nahm ihr Gesicht in beide Hände und sah von oben auf sie herab. Sie konnte seine Mimik überhaupt nicht einschätzen, die wechselnden Ausdrücke verwirrten sie. „Lass uns hier abhauen." Meine er schließlich und drehte sich abrupt weg.
Er stellte sich an eine Wand, so dass ihn mögliche Pfähle nicht treffen konnten.
„Ich werde gleich Blut brauchen!" murmelte Sookie und Eric nickte.
Dann konzentrierte sie sich auf das Türschloss und versuchte denselben Trick, mit dem sie auch aus dem Kerker geflohen war. Nichts tat sich. „Verdammt…"
„So viel zu deinem Plan!"
„Wieso soll ich eigentlich die ganze Drecksarbeit hier machen? Los. Mach du auf!"
Fünf Minuten später standen sie im Gang, umgeben von bewusstlosen Wachen. Eric sah Sookie mit Bewunderung von der Seite an. „Erinnere mich bitte daran, dass ich dich so schnell nicht wieder wütend mache, ja Herzblatt?" „Keine Versprechen, die du nicht halten kannst!" sagte sie atemlos.
Er grinste und sie fuhr fahrig mit der Hand in ihre Hosentasche um die Phiole zu fassen zu bekommen. Der Vampir half ihr dabei den Deckel ab zu machen und den Inhalt in einem hinunter zu schlucken.
Es war nicht viel, nur ein paar Tropfen, aber es enthielt genau die Energiemenge die sie brauchte um jetzt nicht in Ohnmacht zu fallen.. „Komm schon, weg hier!"
Eric gab schnell einer der Wachen die Botschaft mit und bezirzte den Rest, damit sie die im gelblich-weißen Licht schimmernde Sookie, die mit gelben Energiebällen um sich warf, schnell wieder vergaßen.
Dann trat er ein Fenster in der Nähe ein und breitete galant die Arme aus. „Darf ich bitten?"
Sookie konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als er sie hoch hob und buchstäblich auf Händen trug.
Diesmal konnte sie das Gefühl zu fliegen fast genießen, sie flogen nicht so hoch und bei weitem nicht so schnell wie das letzte Mal. Gespannt sah sie sich um und studierte die Landschaft genau.
„Du scheinst Gefallen daran zu finden…" meine Eric, der ihr Vergnügen spüren konnte. Sofort wischte sie sich das Lächeln vom Gesicht. „Nein, eigentlich finde ich es nicht besonders toll ständig schnell irgendwo abhauen zu müssen!" zickte sie.
„Keine Sorge, das ist erst einmal vorbei."
„Na klar, bis dir der Nächste ans Leder will!" Er sah sie missbilligend an. „Na das Kompliment kann ich dir nur zurückgeben!"
Sookie kniff die Lippen zusammen. „Sind wir bald da? Ich hab da drauf keine Lust mehr!"
Mit einem Nicken in Richtung des sich rötlich verfärbenden Horizonts entgegnete Eric: „Wir müssen uns ohnehin einen Unterschlupf suchen, außer du willst ein paar Liter Blut spenden, damit wir noch ein paar Meilen weiter kommen." „Das kannst du knicken!"
Der Vampir ging in den Sinkflug und hielt auf ein anscheinend verlassenes Farmhaus zu, das inmitten von seit Jahrzehnten vernachlässigter Felder lag.
„Das sagt gerade die, die mich vorhin noch dazu genötigt hat ihr Blut zu trinken!"
„Was kann ich dafür, wenn du dich von jedem so einfach zur Ader lassen lässt?"
Etwas unsanft ließ er sie auf der Veranda ab. Sofort begann sie ihre kleine Handtasche zu durchsuchen, die sie wie durch ein Wunder immer noch bei sich hatte, bis sie ihr Handy fand. „Was machst du?" „Mir ein Taxi organisieren!"
Nach einem kurzen Blick fauchte sie den abwartenden Eric an: „Was ist? Meinst du das Haus macht sich von alleine lichtdicht oder muss ich das auch noch für dich erledigen?" Jetzt kniff er die Lippen zusammen und trampelte durch die Tür. Kurz darauf konnte sie ihn dahinter werkeln hören.
Jason fand es zwar nicht allzu toll so früh geweckt zu werden, aber als er hörte worum es ging versprach er sich so schnell wie möglich auf den Weg zu machen.
Sookie war mehr als dankbar für ihren guten Orientierungssinn, sonst wäre ihre einzige Möglichkeit hier weg zu kommen wohl Eric gewesen (Danke, aber NEIN DANKE!), aber dank Grannys Einstellung eine junge Dame sollte immer wissen wo sie ist, hatte sie den Verlauf des Highways ganz instinktiv im Blick behalten und auch eine Straße gesehen, die ungefähr zu ihrem Unterschlupf führte.
Nachdem auch das erledigt war ging sie Eric hinter her, der sich anscheinend das ehemalige Wohnzimmer zum Ruhen ausgesucht hatte.
Sie hatte gerade ein Stück Pappe in ein geborstenes Fenster geklemmt, als er auf der alten Couch ein seltsames Geräusch von sich gab. Irritiert fuhr sie herum und sah ihn an, wie er sein rechtes Bein nach oben genommen hatte und in einer blutigen Wunde herumfuhrwerkte.
„Was soll das?" fragte sie verwirrt.
„Holzsplitter…" seufzte er.
