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37. Ziele
„Wir benötigen ein weiteres Schlafzimmer, Bruno!" Lucius sah auf den Hauselfen herab, der ihm und Hermine das herrschaftliche Schlafzimmer gezeigt hatte.
Bruno war sehr verwirrt. Zu verwirrt um respektvoll seine neugierige Zunge im Zaum zu halten. Ehe er sich beherrschen konnte, hatte er ein „Wieso denn nur?" gepiepst.
„Meine Frau schnarcht ganz fürchterlich. Ich kann kein Auge zutun wenn sie mit mir in einem Bett liegt!" antwortete Lucius bierernst und deutete mit dem Kinn auf Hermine, die ihrerseits um ihre Fassung rang.
Zumindest schien dass dem Hauselfen als Erklärung zu genügen und rasch hatte er eine Zimmertür auf der gegenüber liegenden Flurseite aufgestoßen.
„Dieses Zimmer hat aber kein eigenes Badezimmer!" jaulte Bruno weinerlich.
„Das macht nichts!", sagte Lucius trocken. Ich werde es nehmen und wenn ich das Bad meiner Frau benutze, bin ich sowieso wach. Dann stört mich der Lärm nicht!"
Hermine drohte ihm gespielt empört hinter Brunos Rücken mit der Faust und das Wort mit zwei Silben, das sie stumm mit ihren Lippen formte, ließ ihn grinsen.
Wenigstens hatten sie bei allem Stress nicht ihren Sinn für Humor verloren.
Das Landhaus von seiner Tante Lucinda war ein Schmuckstück von schlichter südländischer Eleganz. Wenn das Haus so gut gepflegt war, dann würde er in seinem Schließfach bestimmt ausreichend Geld finden, um Hermine und ihn eine Weile über Wasser zu halten.
Erschüttert hatten ihn allerdings die kriecherischen Unterwürfigkeiten der Hauselfen.
Anscheinend war man mit dem Personal hier nicht sehr zimperlich umgegangen.
Gina hatte keine Hauselfen beschäftigt. Sie waren ihr zu schwatzhaft. Stattdessen hatte sie sich ja auf ihre alte Haushälterin verlassen, die alle Arbeiten zwar auf unmagische Weise, dafür aber umso ordentlicher erledigte. Er, Lucius, hatte es auch nicht als schlimm empfunden, in einem Haus zu wohnen, wo es Elektrizität und Haushaltsgeräte gab.
In Afrika hatte er lange genug ohne diese Dinge gehaust und beim Bügelzauber hatte er sich immer so schrecklich dämlich angestellt. Amüsiert dachte er an seinen legendären weißen Anzug zurück, mit dem er damals hatte Gina beeindrucken wollen.
Gina! Sie ging ihm nicht aus dem Kopf. Irgendetwas geschah mit ihr. So war sie nicht, und dann die Sache mit dem Cruciatus. Ein Unverzeihlicher Fluch war das, was der Name schon sagte. Unverzeihlich. Er könnte sie dafür nach Askaban schicken lassen, so er es denn wollte.
Natürlich wollte er das nicht, sie hatte halt viel Temperament, seine kleine Wildkatze.
Er lächelte versonnen. Hermine riss ihn zurück in die Gegenwart.
Sie boxte ihn unsanft in dir Rippen, als Bruno das Zimmer verlassen hatte. „Ich werde dir was geben, von wegen meine Frau schnarcht!"
„Aua!" Lucius rieb sich die Seite.
„Sei nicht so schrecklich grob, lass uns lieber überlegen, wie wir weiter vorgehen werden!"
„Also ich werde als nächstes erst einmal duschen!"
„Mach das!", grinste Lucius, ich werde inzwischen den Pool inspizieren.
Später saßen sie im Licht der Abendsonne auf der Terrasse.
Lucius hatte entspannt seine Füße auf den Tisch gelegt, so wie er es immer gerne tat, solange Gina nicht in der Nähe war.
„Zeit für Bestandsaufnahme und Problemanalyse, Hermine!"
Hermine schaute ihn verdutzt an.
„Das heißt genau was?"
„Das wir nun festlegen müssen, in welche Richtung wir agieren wollen. Dazu müssen wir wissen, WAS wir überhaupt wollen."
„Ich kann dir das nicht sagen, Lucius, ich bin noch zu gekränkt und verwirrt!"
„Siehst Du, genau das meine ich! Lasse die jüngsten Ereignisse mal außen vor und frage dich, was du wirklich willst. Was erwartest Du von deiner Zukunft."
Hermine kaute an ihrer Unterlippe und schaute zum Himmel, der sich langsam in ein atemberaubendes Rot kleidete.
„Ich möchte ein Leben mit Severus! Und ich möchte ein normales Leben, ohne ständig jedes Wort auf die Goldwaage legen zu müssen, ohne Angst, dass er in seiner Paranoia wieder irgendwelche Entscheidungen trifft, ohne diese ständige Angst, ihn zu verlieren. Und ich möchte, dass er mir vertraut!"
Lucius nickte.
„Ich weiß zwar nach wie vor nicht, was eine Frau wie Du an diesem Kerl findet, aber ich kann nachvollziehen was Du fühlst.
Wie sieht deine Zukunft aus?
Was erwartest Du?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Du als hauptberufliche Mrs. Snape glücklich bist. Willst du einen Beruf, willst Du Kinder?"
„Kinder?" Hermine sah ihn entsetzt an.
„Severus hasst Kinder!"
„Ich habe auch nicht Severus gefragt, sondern dich. Willst Du selber Kinder. Habt ihr denn überhaupt jemals über Kinder gesprochen?" wollte Lucius wissen.
„Nein!" sagte Hermine bestimmt. „Aber erstens möchte ich selber keine Kinder bekommen. Die Vorstellung dick und plump und unattraktiv zu sein behagt mir gar nicht, und zweitens hat er bei jeder sich bietenden Gelegenheit über die Bälger in seinen Klassen gewettert. Ich bin mir sicher, er würde mich und das Kind sofort vor die Tür setzen! Dann wäre ich genauso weit wie heute! Und ich bitte dich, kannst Du dir Severus als Vater vorstellen?"
Sie schüttelte nochmals entsetzt den Kopf. „Und zum Thema Beruf: Ich möchte immer noch Zaubertränke studieren und vielleicht in die Forschung gehen. Die Projektarbeit mit Gina fand ich ziemlich spannend, auch wenn ich niemals so erfolgreich sein werde wie sie. Womit wir jetzt bei dir sind. Was willst Du?"
„Gina!" sagte Lucius fest. „Die verrückte, energische Gina, in die ich mich verliebt habe und die sie bis vor Kurzem war."
„Und sonst? Ist das alles. Was ist mit deiner Zukunft?"
Er sah sie lächelnd an. „Lache nicht, aber ich hätte liebend gerne Kinder, am liebsten mindestens fünf! Und eigentlich würde ich gerne als Lehrer arbeiten, wie ich es in Afrika getan habe. Naja vielleicht ergibt sich da noch etwas."
„Oh, ich dachte Du würdest vielleicht groß in die Zauberstabproduktion einsteigen wollen. Konntest Du das eigentlich immer schon so gut?" wollte Hermine wissen.
Lucius überlegte kurz.
„Nein, es fing erst eine Weile nach meiner Begegnung mit dem Schamanen an. Vorher haben mich die Dinger kaum interessiert! Seltsam, jetzt wo Du danach fragst!"
Er sah Hermine verwundert an, dann schlug er leicht mit der flachen Hand auf den Tisch.
„Ok, dass waren die Ziele. Halten wir also fest dass wir beide unsere Ehen am liebsten weiterführen möchten aber gerade nur einen Riesenkrach mit dem jeweiligen Partner haben."
Hermine zog ironisch die Mundwinkel nach unten.
„So wie Du das erzählst hört sich das alles so harmlos an!"
Lucius lächelte. „Bei genauerer Betrachtung ist doch alles ganz harmlos. Wir haben uns außer einem harmlosen Kuss nichts zu schulden kommen lassen, und den hat keiner gesehen. So nett wie er ja war…..!"
Hermine grinste ihn schräg an.
„Also müssen wir nur unsere Partner davon überzeugen, dass wir kein Verhältnis haben….!",
„….was natürlich angesichts der Tatsache, dass wir zusammen abgehauen sind, absolut
plausibel ist!", ergänzte Hermine spöttisch.
„Daraus folgt wiederum, dass wir unsere Aktionen nicht auf die lange Bank schieben sollten und gleich morgen etwas unternehmen müssen!"
Hermine nickte. „Aber wie gehen wir das Problem an?"
„Als erstes werde ich morgen früh die Zaubererbank in Paris aufsuchen und mein Schließfach plündern. Dann besorge ich uns ein paar neue Klamotten."
Hermine räusperte sich.
„Hatte ich eigentlich schon gesagt dass ich so gut wie kein Geld habe?"
„Hattest Du, aber bei der Hütte hier bin ich zuversichtlich, dass wir uns ein paar neue Kleider leisten können!"
„Ich weiß aber noch nicht, wann ich es zurückzahlen kann!"
„Ich lasse mir eine Quittung geben und hole mir das Geld von Severus!" sagte Lucius mit todernstem Gesicht.
„Wirst Du nicht!", empörte sich Hermine wütend. „Eher färbe ich mir den Hintern blau!"
Lucius lachte herzhaft. „Das würde ich gerne sehen!", doch als er Hermines Gesicht sah, beeilte er sich zu versichern, dass seine letzten Bemerkungen nicht ernst gemeint gewesen waren.
„Und wie gehen wir dann weiter vor?" fragte Hermine nachdem sie sich wieder beruhigt hatte.
Lucius sprach bedächtig.
„Ich muss herausfinden, was mit Gina überhaupt los ist. Dazu brauche ich dich. Du weißt woran sie gearbeitet hat und was sie so beschäftigt. Wir müssen die Puzzlesteine zusammentragen, eventuell sogar Ärzte befragen, was ihr aggressives Verhalten ausgelöst hat. Tja, und was dich angeht, Hermine, du wirst dich in die Höhle des Löwen vorwagen müssen und mit Severus sprechen. Vielleicht kannst du ihn ja überzeugen, einen Neustart zu versuchen. Ein offenes Wort ist manchmal der einfachste Weg."
Hermine hatte sich bei seinen Worten verfärbt.
„Lucius, du warst nicht dabei, ich habe ihn quasi auf Knien angefleht und er hat mich von sich gestoßen wie ein Stück Dreck."
„Schlaf erst einmal über die ganze Sache, Hermine, heute ist so unglaublich viel passiert. Morgen wird die Sonne wieder aufgehen. Ein neuer Tag bringt immer neue Erkenntnisse.
Mir ist heute ziemlich klar geworden, dass wir Gina und Severus nicht gleichgültig sind, sonst hätten sie nicht so heftig reagiert. Dein Mann wollte sich ja sogar mit mir prügeln!"
Hermine seufzte. „Hättest Du es mal getan! Ich wollte Du hättest ihn mal ordentlich durchgeschüttelt. Vielleicht wären dann seine grauen Zellen im Kopf mal wieder an die richtigen Stellen gekommen! Er ist so widersprüchlich und sprunghaft. Erst schmeißt er mich raus, dann beachtet er mich nicht, hat aber nichts dagegen mit mir zu schlafen, dann regt er sich fürchterlich auf weil wir rumgealbert haben und danach gibt er mir zu verstehen, dass ich ihm nicht mehr in Hogwarts willkommen bin. Was soll das Lucius? Wenn er mich wenigstens anschreien würde, aber er redet einfach nicht. Es ist zum verzweifeln! Warum kann er nicht normal sein?"
Lucius sah sie schmunzelnd an. „Man ist nicht normal, wenn man verrückt ist vor Liebe!"
tbc
