37. Watching the night
Draco stieg gerade erneut mit den beiden Todessern und unter den verzweifelten Augen seiner Mutter auf den Scheiterhaufen, als ihn ein leises "Hey", irritiert aufblicken ließ. Er blickte über den Hof und wusste, dass irgendwas anders war.
Und während ihm klar wurde, dass er nur träumte, erwachte er langsam.
Er öffnete die Augen und strich sich fahrig über das verschlafene Gesicht. Das weibliche Wiesel beugte sich mit einem schiefen Grinsen über ihn und wich noch schiefer grinsend zurück, als sie sah, dass er endlich wach wurde.
Neben ihm regte sich etwas - und ihm wurde bewusst, dass Granger immer noch in seinem Bett lag.
"Ginny", quiekte der Wischmopp – und ja, sie sah gerade wirklich wie einer aus – neben ihm in einer Tonlage, die er noch nie zuvor bei ihr gehört hatte. Sie richtete sich etwas auf und zog sich beschämt die Decke bis an den Hals – was ihn beinahe komplett vor dem Rotschopf blank legte.
"Hey", fluchte er und zog die Decke wieder etwas zurück.
"Es ist nicht das, wonach es aussieht", flötete Granger lächerlicherweise und Draco ließ sich stöhnend zurück in die Kissen fallen.
Weasley grinste noch schiefer als zuvor. Und eindeutig ziemlich amüsiert. "Doch, ich denke es ist genau das, wonach es aussieht."
"Sie hat es freiwillig getan."
Granger sah ihn errötend an und er zuckte mit den Schultern.
"Ich wollte es nur vorsorglich klargestellt haben", sagte er schneidend und deutete auf die Tür, hinter der sich ein sichtlich angeschlagener Potter versteckte. Er wusste eindeutig nicht, ob er her- oder wegschauen sollte, "da ich praktisch jede Sekunde mit einem Schockzauber rechne."
"Harry?", quiekte Granger und zog sich die Decke bis zu den Ohren. Draco wollte protestieren, doch sie fasste sich recht schnell wieder und fing schrill an zu zetern: "Was soll das? Findet ihr das lustig? Ich platze auch nicht bei euch ins Zimmer!"
Weasley nickte und wandte ihnen erfreulicherweise den Rücken zu. "Ich weiß. Du warst aber nicht in deinem Zimmer. Deshalb sind wir hier."
Der Lockenschopf ließ die Decke wieder etwas sinken. "Ja... und?"
"Mione, Darry ist wach. Es kam gerade eine Eule aus dem St. Mungos", sagte der Potter von der Tür aus.
Granger ließ die Decke komplett sinken und entblößte ihre Brüste. Der Junge-der-lebte drehte ihnen zwar nach wie vor den Rücken zu, doch Draco zog die Decke vorsorglich wieder etwas in Position.
Man wusste ja nie, welches Wiesel da gleich noch so durch den Türspalt gucken würde, um zu schauen, welche Party hier gerade gefeiert wurde.
"Da-das heißt", stammelte sie.
"Der Todesser, der ihm den Fluch auf den Hals gehetzt hat, ist sehr wahrscheinlich tot", Weasley sah ihn an und er wusste nicht so recht, ob es daran lag, dass er immer noch versuchte Grangers Blöße zu bedecken oder, weil sie ihm sagen wollte, dass besagter Todesser gestern Nacht bei seiner geplanten Hinrichtung anwesend gewesen sein musste.
Der Lockenschopf nahm ihm endlich den Zipfel der Decke wieder ab und rückte sie selbst vor ihren Brüsten gerade. Draco lehnte sich erleichtert zurück.
"Das ist fantastisch", jammerte sie und er hörte bereits jetzt, dass sie gleich heulen würde.
Er könnte wahrscheinlich von drei auf eins runterzählen.
Weasley nickte lächelnd, vergaß eindeutig eine Sekunde, warum sie gerade peinlich berührt vermieden hatte, sie anzusehen und sah gleich wieder mit errötenden Wangen weg. "Wir wollen gleich los. Wir lassen euch dann mal", sie stockte, ging zu Potter zur Tür, "allein. Komm dann einfach runter."
"Ja", entgegnete Granger und kletterte hektisch aus dem Bett.
Weasley hielt in der Tür kurz inne. "Und wir sollten das erst einmal unter uns behalten. Ich weiß nicht, wie Ron das aufnehmen wird."
Der Wischmopp zog sich hastig ihre Schlafanzughose über und blickte dem weiblichen Wiesel errötend in den Rücken. "Ja. Wir wollten das eh", sie zögerte, sah ihn an, "unter uns behalten."
Weasley nickte und verließ das Zimmer.
Draco stöhnte genervt, als sie endlich verschwunden und die Tür wieder geschlossen war. Ja. Das war grundlegend ihr stillschweigender Plan gewesen. Sie lassen diese Sache sein, was sie ist, sprechen aber nicht darüber und hängen es auch nicht an die sprichwörtliche Glocke.
Denn sei man mal ehrlich: Hier würde ihm ganz sicher niemand dafür gratulieren, dass er Granger bestieg oder sie ihn. Egal, aus welchen Gründen es auch passieren mochte.
Er warf ihr einen strafenden Blick zu, während sie halb nackt durchs Zimmer sprang und sich ihr Shirt über den Kopf zog.
"Und du bleibst hier und ruhst dich aus", sie sprang zurück zum Bett und fummelte an den leeren Transfusionen herum, "ich werde Luna sagen, sie soll dir zwei neue Konserven bringen." Sie wollte gerade seine Bettdecke zurückschlagen, offensichtlich um seine Wunden zu begutachten, als er sie zurückhielt.
"Geh einfach, Granger. Van Bessos wartet schon auf dich", er strich sich ein paar verdreckte und verschwitzte Strähnen aus dem Gesicht.
Es war ekelhaft. Der Dreck, Schweiß und Granger - es klebte überall an ihm. Aber auch an ihr. Er musste grinsen und spürte, dass sie ihn musterte, als er aus dem Bett kletterte und nackt zum Schrank ging um sich ein Handtuch und ein paar saubere Sachen aus diesem zu holen.
Mit einer von Weasleys schäbigen Hosen, einem von Potters Shirts und einem Handtuch bewaffnet drehte er sich wieder um. Sie sah ihn immer noch an und ihre Hand zuckte verdächtig in Richtung seines Kopfes und der elenden Dreckssträhne, die wieder zurückfiel.
"Unterstehe dich", flüsterte er.
Merlin, er brauchte ganz dringend eine heiße Dusche.
-v-
Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, als sie gemeinsam mit Helen und einem weiteren Heiler vor Darrys Krankenzimmer standen. Gemeinsam klärten beide Mione, Ginny, Harry und Ron darüber auf, was sie hinter der Tür erwarten würde. Der Tür, hinter der jeder Einzelne von ihnen in den vergangenen Monaten so viel Zeit verbracht hatte.
"Ich würde sagen, sie besuchen ihn immer zu zweit jeweils ein paar Minuten", sagte Helen und musterte sie, "alle vier auf einmal würde ihn momentan ganz sicher noch zu sehr belasten."
Der zweite Heiler an Helens Seite brummte zustimmend.
Sie alle nickten, es war jedoch Ginny, die zuerst sprach: "Geht ihr zuerst rein. Ich und Harry warten so lange hier draußen."
Hermione wollte etwas erwidern, doch Ron zog sie an der Hand schnurstracks ins Zimmer. Die Tür öffnete und fiel hinter ihnen wieder ins Schloss, bevor sie überhaupt wirklich realisiert hatte, was hier passierte.
Im ersten Moment schien alles so, wie sie es bei ihrem letzten Besuch vor einigen Tagen verlassen hatte. Darius' Gestalt lag stumm und still in dem viel zu klein wirkenden Bett. Seine Hände lagen neben seinem Körper. Nur dieses Mal regte er sich, als sich die Tür verschloss.
"Mione. Ron", brachte er heiser hervor und ein schwaches Lächeln zierte sein blasses, eingefallenes und müdes Gesicht.
"Man... Alter", gab Ronald sehr, sehr leise und mit brüchiger Stimme zurück. Ließ sie los, um langsam an das Bett heranzutreten.
Darry beobachtete ihn dabei. "Du siehst schlecht aus, Kumpel", sagte er lachend – und Ron erwiderte es mit einem brüchigen "nicht so schlimm wie du", das aber durch die enge Umarmung erdrosselt wurde, in die der füllige Rebell den Rotschopf zog.
Als die beiden Männer sich wieder voneinander gelöst hatten, fiel Darrys müder Blick auf sie. Sie stand immer noch still, stumm und unbewegt direkt an der Tür. Sie wusste weder was sie sagen, noch was sie tun sollte. Doch das alles spielte keine Rolle mehr, als Darius' seine kräftigen Arme ausbreitete. Denn ihr Körper stürmte einfach los.
Ein paar Sekunden später schien sie eng an seinen Leib gepresst wieder zu sich zu kommen. Sie weinte, doch das wurde ihr nur dadurch bewusst, dass ihre Wangen nass und ihre Sicht verschwommen war.
Ron murmelte etwas davon, dass er Darry noch etwas Wasser holen würde und verließ das Zimmer. Ließ sie allein. Einen Moment machte es Hermione nervös. Dabei war es alles andere als ungewöhnlich. Sie und Darry hatten sich wahrscheinlich von allen anderen Magiern, die dem Widerstand abgehörten, am nächsten gestanden. Freundschaftlich versteht sich.
Jedenfalls, wenn es um ihre Sicht der Dinge ging. Dass er es nicht immer ganz so gesehen hatte, das war ihr schon sei einer Ewigkeit klar. Allerdings wusste er, wie sie empfand und hatte ihr geschworen, dass er damit umgehen konnte.
Und bisher hatte es ihrer Freundschaft tatsächlich niemals im Wege gestanden. Auch dann nicht, wenn Seamus in seinem Beisein ihre Nähe gesucht hatte.
Doch wie würden die Dinge nun aussehen?
Sie machte sich langsam und zum Teil auch sehr widerwillig von ihm los und holte sich einen der Stühle heran, damit sie sich neben dem Bett niederlassen konnte.
"Wie geht es dir?", fragte er, als sie sich niedergelassen hatte.
Mione lachte tränenerstickt, wischte sich durch das Gesicht und sah ihn feixend an. "Das sollte ich eher dich fragen."
Er zuckte mit den Schultern und richtete sich schwerfällig auf. "Es geht mir gut. Ich habe monatelang geschlafen. Ich bin jedoch etwas", er blickte an sich herab, "ungelenker als sonst. Und erschöpft. Die Heiler sagen aber, das wird sich in den nächsten Tagen geben. Schon übermorgen kann ich hier raus."
Mione lächelte. Doch irgendwie fehlten ihr die Worte.
"Was erwartet mich? Wer ist tot und wer lebt noch?", fragte er.
Sie nickte schwach. "Seamus ist tot. Hailey. Morris. Mike", sie sah ihn an, "aber, das können wir alles in Ruhe klären, wenn du wieder zu Hause bist."
Ihr wurde bewusst, wie unpassend dieser Begriff eigentlich war. Aber dennoch war er passend. Die Hütte in den Highlands war momentan das, was einem Zuhause für sie alle am nächsten kam.
"Seamus ist tot?", fragte er leise, "wie geht es dir damit?"
Mione zuckte mit den Schultern. "Erstaunlich gut", sagte sie und ihre Stimme brach. Nicht aber, wie er jetzt sehr wahrscheinlich annehmen würde, weil es ihr nicht so gut ging, wie sie sagte, sondern weil es tatsächlich der Fall war.
Momentan schien das Einzige, was sie wirklich belastete der Gedanke zu sein, ihn zu verlieren. Dass es erst vor einigen Stunden fast geschehen war und das, was gestern Nacht zwischen ihnen passiert war, machte es nicht besser. Oder um es passendere in Worte zu fassen: Es hatte ihre widersprüchlichen Gefühle nicht einmal annähernd abgeschwächt.
Eher das klägliche Gegenteil war der Fall.
Darry nickte, zeigte ihr, dass er hier und jetzt keine weiteren Nachfragen stellen würde. Jedoch wäre das wahrscheinlich binnen weniger Tage eh nicht mehr notwendig, wenn er nach Hause kam. Wenn er sah, wie sich die Dinge in seiner Abwesenheit entwickelt hatten.
Wenn ihm die Ironie des Schicksals ebenso eiskalt entgegenschlug, wie es bei ihr in den vergangenen Wochen der Fall gewesen war. Damit würden weitere Fragen folgen. Sie kannte Darry gut genug, um zu wissen, dass er nicht den Mund halten würde. Und er kannte ihn nicht gut genug, um es zu verstehen.
Doch sie wollte sich darüber gerade nicht den Kopf zerbrechen. Dafür war noch genug Zeit.
"Harry, Ginny, Neville, Luna", begann Darius aufzuzählen.
"Alle wohlauf", sagte sie fest.
Er nickte erleichtert. "Voldemort?"
Sie lächelte bitter, sagte nichts.
Er nickte erneut. "Winters?"
"Tot."
Ein triumphierendes Lächeln. "Malfoy?"
Mione schwieg. Leckte sich langsam über die Lippen. Diese fühlten sich plötzlich entsetzlich taub an. Sie hatte das Gefühl, als konnte sie ihn nach wie vor auf diesen schmecken. Darry hob eine Augenbraue. Ganz offensichtlich wusste er ihr Schweigen direkt zu deuten – wenn auch sicherlich nicht einmal annähernd in die richtige Richtung.
Was eindeutig auch nicht ganz falsch und erleichternd war.
"Übergelaufen", sagte sie also.
Seine dunklen Augenbrauen schossen noch etwas höher. "Zu wem?"
Sie musste tatsächlich kurz lachen, sah ihn herausfordernd an.
"Nein", gab er schwach und ungläubig zurück.
Sie sah die Tausend Fragen, die sich augenblicklich in Darrys Miene breitmachten. Und die Frage, warum sie ausgerechnet jemandem wie Malfoy vertraut hatten, war eindeutig nur eine von vielen – wenn auch ganz sicher die Gravierendste.
Ein Nicken war einen Moment alles, was sie zustande brachte.
"Das ist", er stockte, suchte offensichtlich die richtigen Worte, "er ist doch nicht-. Wo ist er? Nicht in Harrys Nähe, oder?" Kurzes Schweigen. Sie wusste, dass er das 'in deiner Nähe?', nicht aussprach.
Sie sagte nichts.
"Ihr seid des Wahnsinns", fluchte er leise und wandte den Blick ab.
Mione atmete tief durch. "Du erinnerst dich an nichts, was ich dir erzählt habe, während du", sie musterte das Bett, "geschlafen hast?"
"Nein", gab er zurück, "du wirst es mir aber sicher noch einmal erzählen."
Ein Blick. Ein Zweite. Er runzelte erneut die Stirn. Ein Nicken.
"Werde ich", sagte sie leise, "aber nicht heute."
Scheinbar um ihre Aussage noch einmal zu unterstützen, ging die Tür auf und Ron und Harry traten gemeinsam in den Raum.
-v-
Nachdem er Lovegood hatte dazu überreden können, dass sie ihn wenigstens eine Weile von den Transfusionen lösen würde, machte er sich auf den Weg zu dem kleinen fensterlosen Zimmer, in welchem sie die Lamia einquartiert hatten.
Das hatte er durch Granger, aber auch durch Longbottom erfahren, der scheinbar vor der Tür Wache stand. Warum auch immer er das tat. Denn entweder war die Lamia nach wie vor zu erschöpft, um anzugreifen – oder sie würde es tun, wenn es ihr danach beliebte.
Da war sicherlich nicht allzu viel, was ihr ein einziger Mann entgegenbringen konnte. Außer vielleicht, er hatte eine gehörige Portion Glück.
"Ich will mit ihr reden", sagte er an Longbottom gewandt.
Der blickte recht widerwillig drein. "Sie spricht nicht mit uns. Jedenfalls mit den Meisten nicht. Ron scheint halbwegs zu ihr durchzudringen. Auch dem erzählt sie aber nichts, was von Belang wäre."
"Sie spricht mit Weasley?", fragte er spöttisch lachend.
"Ja, mir wäre gerade nur dieser Ron bekannt", gab Longbottom sarkastisch zurück.
"Das meinte ich nicht und das weißt du auch. Ich wiederhole es also: Sie spricht ausgerechnet mit Weasley?", wiederholte er sich.
Ein schelmisches Grinsen umspielte Longbottoms Lippen. "Wer weiß warum, aber ja: Sie spricht ausgerechnet mit Ron." Er trat einen Schritt beiseite. "Aber versuch dein Glück. Du bist immerhin der Grund, wegen dem sie hier ist."
Draco nickte und trat dann durch die Tür. Hinter dieser war es stockdunkel. Kein einziges Licht brannte und da war tatsächlich nur der leichte Lichtschatten, den das Tageslicht durch den Türspalt an der Unterseite auf den Boden warf.
Und das reicht selbst für seine verbesserten Augen nicht, um auch nur den leisesten Schimmer davon zu haben, was er ihn hier erwartete.
Also öffnete er die Tür wieder ein wenig, sodass etwas mehr Licht ins Innere des Raumes fiel.
"Du kannst das Licht einschalten", sagte sie vom Bett aus, an dessen Kopfende sie sich mehr oder weniger zusammengekauert hatte.
Die Beine an den Körper gezogen und ihre Arme um diese gelegt schien sie sich tatsächlich zusammenzukauern. Allerdings wirkte sie vollkommen entspannt. Er fragte sich, ob es nur eine Fassade war. Wer wusste schon, wie schwach sie wirklich war – und ob sie ihre Kraft im Zweifelsfall gegen ihn und seine Leute nutzen durfte.
Scheinbar trug sie ein übergroßes Nachtshirt, welches... Er zögerte, musterte sie. Es schien vom Wiesel zu sein, dem weiblichen versteht sich.
"Wie ist es dir lieber?", fragte er und trat ein paar Schritte auf sie zu.
Sie lachte leise. "Ich mag euer Licht nicht."
Er lehnte sich an das Bettende, betrachtete ihre schwach leuchtenden Augen. "Das wundert mich nicht."
Wieder lächelte sie, doch es lag etwas Falsches in ihrer Miene. "Rede nicht um den heißen Brei, Magier. Frag, was du mich fragen willst."
Draco entwich ein überraschtes Lachen. "Du bist direkt. Wie war doch gleich dein Name?"
Sie ignorierte seine Nachfrage, ging aber auf seine Feststellung ein: "Jeder Einzelne von euch kam nur zu mir, um mir eine Frage nach der anderen zu stellen. Und dabei belog jeder mich bereits in dem Moment, in dem er oder sie das Zimmer betraten. Anna, Mia, Tom und John", sagte sie abfällig und hielt dann kurz inne, "alle, bis auf einer jedenfalls."
"Weasley", hauchte er.
Ihre Mundwinkel zuckten. "Er sagte mir, sein Name wäre Ronald."
Draco nickte, doch er wusste, dass sie dies bereits gewusst hatte, bevor Wiesel ihr so töricht und doch ausnahmsweise nicht ins Gesicht gelogen hatte. Sie war ihnen lange genug auf den Fersen gewesen, um sehr genau zu wissen, wen sie hier vor sich hatte. "Und hast du ihm im Gegenzug deinen Namen genannt?"
"Wer bist du, Magier?", flüsterte sie sichtlich amüsiert und forderte ihn damit heraus.
Sie stellte eine Frage, deren Antwort sie eindeutig bereits wusste.
"Mein Name ist Draco Malfoy", sagte er also ehrlich, "ich bin- ich war ein Todesser. Ein Schwarzmagier. Und ich bin ein Reinblut. Seit mehr als acht Generationen, hat kein einziges Muggelblut die Blutlinie meiner Familie, mehr als zehn niemand meine direkte, befleckt. Mein Blut ist also dünn."
All diese Dinge, bis auf den letzten Satz, hatte er bereits mehr als einmal gesagt. Meistens voller Stolz. Doch plötzlich schien es entsetzlich unbedeutend.
"Daeh", flüsterte sie, "mein Name ist Daeh, aber das spielt doch eigentlich gar keine Rolle. Mein Name ist die Frage, deren Antwort euch am wenigstens schert. Euch alle verzerrt es viel mehr nach der Antwort darauf, warum ausgerechnet du geküsst wurdest. Warum wir die anderen Schwarzmagier angegriffen haben. Was euch noch erwartet. Ob wir auf eurer Seite stehen. Und dann wäre da noch die Frage, was man für dich tun könnte. Damit du die Umwandlung unbeschwert überstehst."
Er nickte und trat wieder etwas näher an sie heran. "Und?"
Sie zuckte mit den Schultern. "Alles Fragen, deren Antworten ich nicht weiß."
Draco runzelte die Stirn. "Du willst mir weiß machen, dass du nicht weißt, warum du hier bist? Warum du mir immer wieder mein elendes Leben retten musst?"
"Genau das ist es: Ich bin hier, damit du überlebst", gab sie zurück und in ihrer Miene sah er, dass sie ihn belog. Dass sie sie alle belog. Sie hatte alle Fragen auf ihre Antworten. Doch sie würde sie ihnen nicht geben.
"Und was, wenn das Virus mich tötet?"
Die Fremde, die angeblich Daeh hieß, lächelte bitter. "Das steht nicht in meiner Macht."
"Was wenn ich ein Vitias werde?"
"Dann bist du unser nicht würdig, Draco Malfoy."
"Aber bin ich das? Warum ausgerechnet jemand wie ich?" Ein weiterer Versuch. Er wusste, dass er scheitern würde. Doch von allen Fragen brannte ihm diese am stärksten auf der Zunge.
"Das wirst du erfahren, wenn du überlebst - und wenn du dich als würdig erweist", antwortete sie. Natürlich ohne seine Frage auch nur ansatzweise zu beantworten.
Draco nickte wich wieder vom Bett zurück, "wenn du etwas brauchst, dann frag einfach", er wandte sich zur Tür.
"Tom", flüsterte sie breit grinsend.
"Ja", sagte er und verließ das Zimmer.
Draußen musterte ihn Neville alias Tom sofort interessiert. "Und?", fragte er.
Draco schüttelte den Kopf. "Wir sollten mit Weasley reden. Vielleicht kriegt er tatsächlich mehr aus ihr heraus als wir. Sie durchschaut uns. Uns und unsere Lügen."
Neville nickte unschlüssig.
Als Potter und Co. einige Stunden später zurückkamen, nahm er sich gleich Weasley an, was nicht nur Wiesel sichtlich irritierte, sondern auch den Jungen-der-lebte. Er starrte ihn eine Sekunde einfach nur an, als er den elenden Flohbeutel fragte, ob er kurz mit ihm sprechen könnte.
"Willst du Schach spielen?", fragte Wiesel selten dämlich.
"Nein Wiesel, will ich nicht" und Weasleys Gesicht überzog plötzlich so etwas Enttäuschtes, sodass ihm ohne es zu wollen "später", entwischte, was er mit einem "Vielleicht" zu entschärfen versuchte – was es aber eigentlich nur noch peinlicher machte.
Potters Blicke folgten den beiden Männern durch den Wohnraum bis in die Küche, wo sich Wiesel fleißig ausgiebig Suppe in eine Schüssel schöpfte. Kurz überlegte Draco ihn zu warnen. Denn was auch immer Lovegood dort gezauberte hatte: Es war ungenießbar. Doch er beließ es dabei einfach nur mit der Augenbraue zu zucken.
Weasley würde schon früh genug feststellen, was er sich da auf den Teller schaufelte.
"Wo ist Granger?", fragte Draco vorsichtig, da er festgestellt hatte, dass sie nicht mit Potthead und Co. aus dem Kamin gestiegen war.
"Mione müsste jeden Moment kommen", sagte Wiesel und bedachte ihn kurz mit einem merkwürdigen Blick. Draco wich diesem jedoch aus.
"Sie wollte noch nach ihren Eltern sehen", fuhr der Rotschopf fort.
Gut, das machte Sinn und es wunderte ihn nicht. Wahrscheinlich hätte sie ihm auch genau das noch einmal gesagt, wären sie heute morgen... Er musste wieder an diese peinliche Szene denken, in der Ginevra sie und ihn in dieser bedenklich offensichtlichen Pose ertappt hatte.
Und plötzlich war er sich nicht mehr wirklich sicher, wie offen sie heute morgen geredet hätten – wenn sie erst einmal splitternackt nebeneinander erwacht wären und sie die Absurdität und vielleicht auch Scham der Lage hinterrücks ertappt hätte.
Aber man musste wohl abwarten, wie sich die Situation zwischen ihnen nun entwickeln würde. Er würde für seinen Teil am liebsten so tun, als wäre nichts gewesen. Ein Teil von ihm wollte das jedenfalls. Ein anderer Teil - der, dem sofort aufgefallen war, dass sie nicht aus dem Kamin stieg und wahrscheinlich auch der, der in der vorletzten Nacht das blutige Schlachtfeld nicht ohne sie verlassen wollte – sah diese Sache aber eindeutig anders.
Doch er tat, was er am besten konnte: Er verdrängte es erst einmal.
Er fürchtete allerdings, dass Granger es ihm nicht einfach machen würde. Sie schien die Sache etwas anders zu betrachten. Wenigstens schien das heute Morgen der Fall gewesen zu sein. Gut möglich, dass das aber auch einfach nur daran lag, dass sie beide noch mindestens halb nackt gewesen waren und der Körper des anderen noch überall an ihr und an ihm klebte.
Das mochte einem Etwas von vermeintlicher Vertrautheit vorgaukeln.
"Du und die Kleine da oben", begann der Blonde und ließ sich am Tisch nieder.
Ronald musterte ihn interessiert und setzte sich ihm schräg gegenüber. "Ja?"
"Ihr habt euch unterhalten?", fragte er.
Wiesel zuckte mit den Schultern. "Über belangloses Zeug. Über Quidditch und über unsere Familie und so."
"Warum zur Hölle erzählst du ihr von Quidditch und was viel wichtiger ist: Über ihre Familie?"
Sein Gegenüber kaute ohne mit der Wimper zu zucken auf Lovegoods komischem Eintopf rum, der sicherlich auch irgendwelche ungewöhnlichen toten Tiere enthielt. Hauselfen zum Beispiel. Da schwamm eindeutig ein ziemlich verdächtiges und ziemlich schrumpeliges Ohr in der Suppe.
Ronald zuckte erneut mit den Schultern und redete mit vollem Mund. "Ich hatte mein Shirt von den Twisters an und sie hat gefragt, was das ist. Also habe ich ihr halt was erzählt. Hab sie dann gefragt, ob sie auch so was wie Quidditch haben. Sie sagte Nein. Aber sie sagte Quidditch klingt toll. Das Fliegen jetzt. Hab ich sie gefragt, ob sie auch fliegen kann. Ob sie sich in eine Fledermaus verwandeln kann und so."
Der Slytherin zog eine Augenbraue hoch.
"Meinte sie, das wäre ein alberner Mythos."
Draco nickte schwach, deutete Weasley ausnahmsweise einmal an weiterzureden.
"Und sie sagte mir halt, dass ihre Familie auch sehr groß ist. Weil sie wusste, dass ich, Ginny und George verwand sind. Und unsere Mum und unseren Dad hatte sie hier wohl auch schon gesehen. Hab ich gesagt, dass ich der jüngste Mann und Ginny die jüngste und das einzige Mädchen seit Generationen ist."
"Gut. Was sagte sie noch?"
Weasley zuckte mit den Schultern und schaufelte sich schnell und hastig zwei weitere Löffel von Lovegoods abscheulicher Suppe in den Mund. "Nichts. Ich habe jetzt nicht den ganzen Tag bei ihr abgehangen", er sah ihn eindringlich an, "weißt du, wie peinlich das wäre. Das würde ja aussehen, als wäre ich interessiert an ihr oder so."
"Warst du nicht die halbe Nacht in ihrem Zimmer?"
Er schüttelte den Kopf. "Nur als sie bewusstlos war und wie ne Tote geschlafen hat. Das war krass: Ihr Herz hat total selten und extrem schwach geschlagen. Ich dachte manchmal echt, sie wäre tot. Als sie dann wieder zu sich kam, bin ich raus und habe ihr ein bisschen was zu essen und zu trinken geholt. "
"Du hast ihr was zu essen und was zu trinken geholt?", fragte der Blonde.
Weasley nickte. "Brot, etwas Brühe und Wasser."
"Kein Blut?"
"Nee. Das hatte sie ja vorher schon und ihr Magen hat geknurrt. Also habe ich gefragt, ob sie Hunger hat und sie sagte ja. War auch ganz erstaunt und habe sie gefragt, was sie denn so essen mag. Wenn nicht Blut. Sie meinte, sie bräuchte Blut nur zum Leben. Es würde sie aber nicht sättigen und sie ernähren."
"Was?", schnappte Granger aus der Tür hinter ihnen.
Weasley sah sie fragend an.
"Du redest über solche Dinge mit ihr uns klärst mich nicht auf?", zischte sie mit vor der Brust verschränkten Armen.
Ein weiteres Schulterzucken. "Ihr habt doch alle mit ihr geredet. Und was ich erzähle, interessiert euch doch eh nie."
Granger schaute Draco kurz eindringlich an. Dann sah sie wieder Wiesel an.
"Du musst da wieder rauf und mit ihr reden."
"Das ist voll peinlich. Ich kann doch da nicht ständig bei ihr abhängen", weigerte sich Weasley errötend.
"Ron! Du gehst da sofort rauf und sprichst mit ihr."
"Ja man", knurrte er, hatte es aber plötzlich doch recht eilig.
Trotzdem sprang er rüber zum Schrank, holte eine weitere Schüssel hervor und schöpfte etwas Suppe in diese.
"Ron?", fragte Granger skeptisch.
"Ich bringe ihr was rauf. Vielleicht hat sie ja wieder Hunger", erklärte er sich und verschwand dann.
Ließ die beiden zurück. Allein.
"Wie geht es deinen Eltern? Und wie geht es van Bessos?", fragte er, bevor ein peinliches Schweigen entstehen konnte.
Es war schon unangenehm genug, dass er immer wieder ihre warme und nackte Haut vor Augen sah, wenn er sie ansah. Obwohl es weniger unangenehm als ungewohnt war. Dass ihm ausgerechnet Granger einmal so nahe kommen würde, hätte er noch vor einem halben Jahr für ein lächerliches und sehr unwahrscheinliches Zukunftsszenario gehalten.
Allerdings ließ das unangenehme Gefühl, welches kurz zwischen ihnen vorgeherrscht hatte, schnell wieder nach. Sie trat an ihn heran, berührte ihn flüchtig an der Schulter. Ganz offensichtlich wollte sie testen, ob es ihr einen Schlag versetzte oder Ähnliches.
"Den Umständen entsprechend gut. Sowohl meinen Eltern als auch Darry. Wie geht es dir?", wisperte sie.
Draco nickte. "Besser. Meiner Haut geht es ganz gut. Mein Magen ist jedoch etwas unwirsch." Dann holte er tief Luft, "und meine Magie scheint verschwunden zu sein. Mir gelingt kein einziger Zauber mehr und das Holz", er stockte, als er seinen Zauberstab so unbedacht und zum ersten Mal in seinem Leben so nannte, "es fühlt sich vollkommen machtlos und fremd in meinen Händen an. So als würde es nicht zu mir gehören. So als wäre ich keiner von uns."
Granger schwieg. Offensichtlich wusste sie nicht, was sie sagen sollte. Es war nur eine Frage der Zeit, bis es passieren würde. Das hatten sie gewusst. Draco hatte nur nicht damit gerechnet, dass es so schnell passieren würde. Und so plötzlich.
"Es war zu erwarten", sagte er also matt.
"Soll ich dir etwas für die Magenprobleme geben?", hauchte sie schließlich.
Ein Kopfschütteln. "So schlimm ist es nicht."
"Hast du gehört", sie zögerte, schien nach den richtigen Worten zu suchen, "deine Eltern sind anscheinend spurlos verschwunden."
Er nickte. Ja, das wusste er. Und er kämpfte ebenso gegen das ungute Gefühl an, das bei dem Gedanken daran in ihm aufkeimte, wie er gegen den Drang anging, sie einfach zu berühren.
"Sie sind wahrscheinlich auf der Flucht oder untergetaucht."
Granger nickte, streckte den Arm nach ihm aus und berührte seine Schulter. Draco atmete kurz schneidend aus. Sie hatte dem Drang ganz offensichtlich nachgegeben. Aber es fühlte sich irgendwie gut und richtig an. Er sah sie an, umfasste zögernd ihre Hand.
"Soll ich der Sache für dich nachgehen?", flüsterte sie und trat näher an ihn heran.
Einen Moment befürchtete er, sie würde ihn einfach so küssen. Hier und jetzt. Mitten in der Küche, wo jeden Moment jemand zu ihnen stoßen konnte. Sicherlich würde es mittlerweile nur noch die Wenigsten, die hier regelmäßig ein- und ausgingen überraschen. Dennoch behagte es ihm bei diesem Gedanken nicht.
Draco schüttelte den Kopf. Nicht, weil er sie nicht küssen wollte, sondern weil er es für keine gute Idee befand, dass sie sich auf die Suche nach seinen Eltern begab.
Waren sie auf der Flucht, war es ebenso sinn- und zwecklos nach ihnen zu suchen, wie wenn sie es nicht waren. Sollten oder wollten sie jemals wieder auftauchen, würden sie es von selbst tun – oder man würde in Kürze dafür sorgen, dass er erfuhr, was mit ihnen geschehen war.
Grundlegend war es also eine gute Sache, dass man sie noch nicht tot aufgefunden hatte. Der dunkle Lord hätte es ihn wahrscheinlich schon längst wissen lassen.
Glücklicherweise kam sie einfach nur etwas näher. Streichelte sanft seine Schulter und seinen Oberarm - und er streichelte hauchzart ihre Hand. Mehr passierte nicht. Es war aber auch mehr als genug. Mehr als er brauchte. Das ungute Gefühl verflüchtigte sich. Amüsanter- und absurderweise komplett.
Er nickte. Wollte ihr einfach stumm sagen, dass es ihm gut ging. Aber auch, dass ihm ihre Nähe willkommen war. Und, dass es sich gut anfühlte ihr nahe zu sein. Auch auf diese Art und Weise. Er wollte und würde es nicht aussprechen.
Das musste er aber auch nicht. Das sah er ihr ebenso an wie die Tatsache, dass es ihr ähnlich ging.
Dann wurden sie von Weasley unterbrochen, der zurück in die Küche kam – die Schüssel mit Lovegoods ungenießbarer Suppe immer noch in seiner Hand. Granger ließ langsam von ihm ab, wich zurück, sodass wieder Abstand zwischen sie kam.
"Ist sie in einem anderen Zimmer?", fragte Ronald sichtlich verwirrt.
Granger sah erst Wiesel und dann Draco verwirrt an. "Nein?!"
Draco schüttelte den Kopf. "Nein."
Weasley zuckte heute zum gefühlten tausendsten Mal mit den Schultern. "Dann ist sie weg", sagte er und rief in den Wohnraum hinein, "wo ist sie hin?"
Sofort waren sowohl er als auch Granger zur Tür gesprungen und drängten Ronald zurück in den Wohnraum. Longbottom saß auf dem Sofa und starrte ins Feuer. Er rührte sich allerdings, als Weasley ihn erneut ansprach.
"Nevillle?"
"Ja?", fragte er und rieb sich den Kopf. Er sah sich um, "wa-was ist los?"
Granger schoss an ihnen vorbei und sprang Potters Namen auf den Lippen die Treppe hoch in den obersten Stock, in dem sich alle Schlafräume befanden.
Longbottom blieb mit Draco und Weasley zurück.
"Was mache ich denn hier unten?", fragte der große Kräuterfreak fassungslos.
"Das ist die Frage der Fragen", sagte Wiesel.
Draco nickte schwach. "Hast du ihr in die Augen gesehen?"
Tom stöhnte gequält. "Sie öffnete die Tür und nannte mich Neville. Und da war ich eine Sekunde so verwirrt-"
-v-
Sie hatte den oberen Treppenabsatz noch gar nicht erreicht, als Harry und Ginny mit gezückten Zauberstäben auf dem Flur erschienen.
"Was ist passiert?", fragte ihr bester Freund, als Mione an ihm und seiner Liebsten vorbeischoss.
Ihr Ziel war das kleine Zimmer am Ende des Flurs. Das Zimmer, das sich schräg gegenüber vom Krankenzimmer befand und in dem sich ebenfalls keine Fenster befanden. Das Zimmer, in dem sich in den vergangenen Stunden ihr geheimnisvoller Gast erholt hatte.
"Sie ist weg", rief der Lockenschopf über ihre Schulter hinweg und stürmte den leeren Flur entlang.
Dir Tür war geschlossen, doch der Raum war tatsächlich leer. Selbst ein Enthüllungs- und Offenbarungszauber zeigten keinerlei Wirkung.
"Sie ist weg, verdammt", fluchte sie, wirbelte herum und machte sich daran alle Zimmer zu durchsuchen. Allerdings blieb sie erfolglos - oder eher teilweise erfolglos. Denn direkt im ersten Zimmer, welches mit einem Fenster ausgestattet war, blieb sie mit hängenden Schultern stehen.
Das Fenster war weit geöffnet. Der kühle Wind der heranbrechenden Abendbrise streifte ihr langes, offenes Haar.
"Sie ist geflohen", flüsterte Ginny hinter ihr atemlos.
Harry schoss an ihr vorbei zum Fenster, blickte hinaus. Dann kam er zurück ins Zimmer, schloss das Fenster langsam wieder und sicherte es mit mehreren Zaubersprüchen davor, wieder von außen geöffnet zu werden.
"Sollen wir sie suchen gehen?", fragte er dann an die beiden Frauen gewandt.
"Das ist sinnlos", war es Ginny, die sprach.
Mione sah sie kurz fragend an.
Der Rotschopf steckte demonstrativ den Zauberstab zurück in ihren Hosenbund. "Du hast sie kämpfen gesehen. Wir werden sie ganz sicher nicht zurückbringen können, wenn sie entschieden hat zu gehen."
Da hatte Ginevra recht. Wenn die Fremde nicht bleiben wollte, gäbe es keinen Weg sie zurückzuholen – außer den Weg der puren Gewalt. Und diese würde für sie sicherlich nicht unbedingt glimpflich ausgehen. Der Preis für diese eine Gefangene war also zu hoch.
"Außerdem wird sie eh in unserer Nähe sein", fuhr Ginny fort, "wir können Ron ja mal raus schicken, um mit ihr zu reden. Ihm zeigt sie sich vielleicht."
"Du willst deinen Bruder als Köder benutzen?", fragte Harry scharf.
"Quatsch", zischte Ginny und verließ das Zimmer, "offensichtlich mochte sie ihn. Warum auch immer. Und sie hat bisher niemanden von uns verletzt. Warum sollte sie es also jetzt tun? Vorausgesetzt natürlich, wir greifen sie nicht an und versuchen sie gegen ihren Willen hier festzuhalten."
"Wir sollten jetzt erst einmal niemanden alleine da raus schicken", sagte Mione und blickte durch das Fenster in die anbrechende Nacht hinaus, "sie war mehr als zwei Nächte verschwunden. Wer weiß, ob sie jemanden geschickt haben, der sie sucht. Um nach dem Rechten zu sehen."
Harry nickte. "Was schlägst du vor?"
"Wir warten ab und beobachten die Nacht", flüsterte sie. Und diese Aussage war so absurd und klang so sehr nach einer Zeile, die Sparks in ihrem Buch genutzt haben konnte, dass sie grinsen musste.
Vorschau
"Ich bin wieder euer elender Gefangener. Ihr wollt euch vor van Bessos beweisen. Richtig?"
Er wusste nicht, was es war. Eindeutig hatte er weitaus Schlimmeres erlebt. Dennoch machte ihn die Tatsache, dass sie ihn in wenigen Sekunden wieder komplett auf eine Person degradiert hatten, die sich ihnen in den vergangenen Monaten nicht mehr als einmal bewiesen hatte, unfassbar wütend.
"Du bist kein Gefangener", flüsterte sie und trat einen weiteren Schritt auf ihn zu. Ganz offensichtlich versuchte sie ihn an sich zu ziehen, aber er wich mit harter Miene zurück.
Huhu. Wie geht es euch? Ich hoffe, ihr konntet die Sonne in den letzten Tagen ebenso genießen wie ich. Lach Ich konnte ein wenig abschalten und entspannen, was mir wieder etwas mehr Kreativität eingehaucht hat. Also: Ich habe viel geschrieben. Daher geht's auch wieder im gewohnten Intervall weiter. Mehr oder weniger jedenfalls.
Ich DANKE euch für die Likes, Favos und Co. und natürlich für die lieben Reviews. Dieses Chapter ist für April Every, Cruella, Magma, Hydra1987, Aliett, Take-a-smile und crowe (Danke, danke. :) Die muss ich mir wohl ab und an nehmen, dennoch gibt es immer mal wieder neue Kapitel. ;) Die anderen FFs sind momentan erstmal auf Eis gelegt. Ich arbeite daran. Da mir jedoch die Zeit fehlt, konzentriere ich mich im Moment vordergründig auf Dark Kiss.)
