Disclaimer: Mir gehört noch immer nichts.

Ü/N: Argh, ich habe schon wieder das Update verpennt! Tausend Dank an Mondfee, die mich immer daran erinnert! Du bist die Beste! Das Problem war mal wieder: Stress. Ich habe am Samstag bis vier Uhr morgens gearbeitet, weil wir eine Hochzeit im Gasthaus hatten und ich bis zum Ende bleiben musste - und dann natürlich noch aufräumen. Na ja, der Sonntag war dementsprechend verpeilt für mich, wir haben noch meine Oma im Krankenhaus besucht und irgendwie ging nichts. Gestern habe ich mich dann stundenlang nach Unis umgeschaut und na ja - heute kommt dann endlich das Update. Nochmal großes Dankeschön an Mondfee! Irgendwann kriegst du einen Oneshot von mir als Dankgeschenk - hast du einen speziellen Wunsch?

Manch einer wird sich womöglich wundern, warum der Titel zu diesem Kapitel in Englisch steht. Das hat den Grund, dass ich einfach fand, dass man das nicht passend übersetzen kann. Darüber hinaus hat eine meiner Freundinnen ein wunderschönes Lied mit diesem Titel geschrieben, daher finde ich es durchaus gerechtfertigt, es so zu lassen. :)

Okay, versuchen wir es noch mal... Nächstes Update: 20.06.07

Kapitel 35

„Was für ein Jahr!", seufzte Katie, als sie sich in einen Sitz fallen ließ.

Der Hogwarts-Express stieß einen Abschiedspfiff aus und fuhr dann aus dem Bahnhof von Hogsmeade aus. Die Schüler starrten still aus dem Fenster, als sie Hogwarts ein weiteres Mal verließen.

„Die ZAGs waren der schlimmste Teil des Jahres", stöhnte Fred. „Mum wird uns häuten, wenn sie herausfindet, wie wir abgeschnitten haben."

So schlecht könnt ihr doch gar nicht gewesen sein", argumentierte Angelina.

„Vielleicht nicht, aber schau mal, an wen wir rankommen müssen. Bill, Charlie und Percy machen es einem nicht direkt leicht", sagte George.

„Ich weiß nicht, wie ihr über ZAGs nachdenken könnt, während Sirius Black frei herumläuft." Alicia schüttelte sich. „Wenn ich nur daran denke, dass er im Schloss war! Ich würde gerne wissen, wie er entkommen ist, das riecht doch nach Hilfe."

„Black ist doch jetzt längst über alle Berge." Katie wedelte das Thema ab. „Aber was ist mit Lupin? Er war der beste Verteidigungs-Lehrer, den wir je hatten, gar nicht zu sprechen vom niedlichsten. Na und wenn er ein Werwolf ist?"

„Na und?!", wollte Lee wissen, die Augen weit. „Bist du irre?!"

„Nach Quirrell und Lockhart hätte ich nichts gegen einen Werwolf", sagte Angelina mit einem Schulterzucken und einem Lächeln. „Und es hat nichts geschadet, dass er niedlich war."

„Typisch Mädchen", sagte Fred angeekelt. „Es kümmert sie nicht, dass er jeden Monat zu einem menschenfressenden Monster wird, solange er niedlich ist. Das ist doch weibliche Logik."

Die Jägerinnen starrten ihn nur finster an, während George und Lee zustimmend nickten. Der Zug setzte seine Reise nach Süden fort und die Sonne schien durch das Fenster, was die Laune der Insassen hob.

„Auf der anderen Seite", sagte Alicia nachdenklich, „war es ein ziemlich gutes Jahr. Wir haben den Quidditchpokal gewonnen."

„Und wir haben den Hauspokal gewonnen", fügte George hinzu.

Angelina grinste. „Und, natürlich, Oliver hat Fred geküsst."

„Oh, ja", sagte Katie, als sie ein Kichern zu unterdrücken versuchte. „Das war das Highlight meines Jahres."

Ihr Mädels müsst das wirklich schrecklich amüsant finden." Fred sah finster drein und weigerte sich für den Rest der Reise, mit ihnen zu reden.


„Dad hatte einen Anfall, als er es herausgefunden hat."

Alicia zuckte zusammen. Sie hatte das erwartet. Erica fuhr sie von King's Cross nach Hause und erzählte ihr, was alles passiert war.

„Dass Sirius Black entwischt ist, war schon schlimm genug", sagte Erica. „Als er dann rausfand, dass dein Lehrer ein Werwolf ist, wollte er sich ins Auto setzen und den ganzen Weg nach Hogwarts fahren, um dich zu holen."

Alicia schüttelte belustigt den Kopf. „Er wollte noch Hogwarts fahren?!"

„Oh ja, er war schon halb im Wagen, als Mum es endlich schaffte, ihm etwas Verstand einzureden. Sie hat ihn darauf hingewiesen, dass Muggels Hogwarts nicht finden könnten und so ist sein Plan in der Sackgasse gelandet."

„Und haben sie sich gestritten oder so?", fragte sie vorsichtig.

„Ich denke nicht, aber ich bin nicht mehr allzu oft bei ihnen. Soweit ich sehen konnte, geht es zwischen ihnen ganz gut, aber der richtige Test kommt morgen auf sie zu, wenn Jasmine nach Hause kommt. Obwohl", sagte Erica langsam und zögernd, „es gab einen kleinen Aufruhr vor ein paar Tagen."

„Was ist passiert?", wollte Alicia wissen.

Erica sah plötzlich ein wenig schuldig aus. „Vielleicht sollte ich es dir nicht sagen." Sie hielt ihre Augen auf die Straße gerichtet, also griff Alicia zu ihr rüber und zwickte sie in den Arm. Sie schnappte nach Luft. „Lass das. Ich hasse es, wenn du das machst!"

„Dann sag mir, was passiert ist!"

Erica seufzte resigniert. „Na ja, wenn du es wirklich wissen musst-"

„Ich muss."

„- Dad und ich waren bei Mum, als sie einen Brief von Jasmines Vater erhielt."

Alicia keuchte. „Was zur Hölle will der denn?"

„Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich Besuchsrechte oder so", erwiderte Erica mit einem Schulterzucken.

„Was hat Mum gemacht?"

„Das Pergament angezündet."

„Gut. Was ist mit Dad? War er sauer?"

„Nicht sichtbar zumindest. Er weiß, dass er den Kerl – wer auch immer er ist – nicht davon abhalten kann, mit Mum zu korrespondieren, also bleibt er ziemlich ruhig. Noch mehr Fragen, Naseweis?"

„Nur noch eine", sagte Alicia, ein schelmisches Lächeln auf dem Gesicht. „Wie geht's Brian?"

„Das geht dich nichts an."

„Was ist passiert, als du ihm gesagt hast, dass du ihn nicht heiraten kannst? Hat er geweint? Ich wette, er hat wie ein Baby geheult."

„Zu deiner Information, er hat es wie ein Mann genommen."

„Und was ist mit Charlie? Ich wette, er war glücklich, als du es ihm gesagt hast."

„Ich habe es ihm nicht gesagt."

„Du meinst, dass Charlie denkt, dass du immer noch mit diesem Pinkel verlobt bist?"

„Der Pinkel hat einen Namen", sagte Erica scharf. „Und soweit ich weiß, weiß Charlie nicht, dass die Verlobung aufgelöst wurde."

„Was ist mit Mrs. Weasley?", fragte Alicia. „Wenn sie es weiß, dann wird sie es ihm sagen. Oder Mr. Weasley? Weiß er es?"

„Niemand sonst weiß es! Jesus, Alicia, was hast du denn von mir erwartet? Hätte ich etwa eine ganze Seite im Tagepropheten reservieren und es der ganzen Welt verkünden sollen?"

„Das wäre ein Anfang gewesen."

„Das ist das absolut letzte Mal, dass ich mich freiwillig melde, dich abzuholen", grollte Erica. „Nächstes Mal kannst du meinetwegen laufen."

„Schon gut", sagte Alicia hastig. „Aber wenn es einen Unterschied macht, kannst du Charlie die Sache mit dem Pinkel persönlich sagen."

„Was soll das heißen?" Erica wandte sich zu ihr um und fuhr fast auf ein anderes Auto auf, als sie nicht auf die Straße achtete.

„Er kommt für die Quidditch-Weltmeisterschaft nach Hause."

„Weltmeisterschaft?"

„Du kennst doch Quidditch, das Spiel mit den Besen und den komischen Bällen? Ich spiele es ab und zu. Na ja, sie haben da diesen Wettkampf-"

„Du musst nicht gleich so besserwisserisch sein. Ich weiß, was die Weltmeisterschaft ist. Ich – ich habe nur nicht gemerkt, dass sie jetzt ist."

„Sie fängt am Wochenende an", sagte Alicia, ihrer älteren Schwester einen ungläubigen Blick zuwerfen. „Lebst du auf dem Mond oder was?"

„Ich interessiere mich nur nicht für Quidditch. Sag mir nur, wann Charlie kommt."

„Damit du rübersausen und ihn besuchen kannst?"

„Nein. Damit ich das Land verlassen kann", erwiderte Erica ruhig.

„Was zur Hölle ist mit dir los?! Charlie liebt dich!"

„Ich weiß. Er hat es mir mal gesagt."

Das ließ Alicia nach Luft schnappen. Sie hatte nicht gedacht, dass er schon so weit gegangen war. „Aber wann hat er es dir gesagt? Darüber hinaus, warum hast du es mir nicht gesagt?"

„Aus dem selben Grund, aus dem ich es dir auch jetzt nicht sagen werde. Es geht dich nichts an!"

„Oh, bitte, Erica!", bettelte Alicia. „Hast du ihm gesagt, dass du ihn auch liebst?"

„Wieso denkst du, dass ich ihn liebe?", wollte sie wissen.

„Das fühle ich einfach."

„Oh, du hast wohl kaum Erfahrung auf diesem Gebiet, Alicia Spinnet. Du siehst ja noch nicht mal, was direkt vor deiner Nase ist!"

„Was soll das denn heißen?"

„Vielleicht solltest du mal ein wenig über deine Situation nachdenken, bevor du anfängst, mich zu belehren."

Meine Situation?!", rief Alicia. Was für eine verdammte Situation? Sie war in keiner Situation!

„Ja." Erica fuhr in den Hof der Spinnets und zog die Handbremse so fest an, dass sie fast abbrach. „Jetzt raus mit dir. Beeil dich."

Alicia schnaubte missgelaunt und holte ihre Sachen aus dem Auto. Erica setzte zurück und fuhr davon, ohne noch ein weiteres Wort an ihre Schwester zu richten.


Alicia entschied, dass, wenn Erica nicht reden wollte, sie halt Charlie befragen müsste, doch sie wusste noch immer nicht, wann er ankommen würden. Als George eines Nachmittags bei ihr war, fragte sie ihn.

„Wann kommt Charlie denn an?"

„Irgendwann die nächsten Tage", antwortete er klagend. Er lag auf ihrem Bett, während sie auf der Suche nach irgendetwas ihren Kleiderschrank durchwühlte. „Warum das plötzliche Interesse an Charlie? Stehst du auf ihn oder was?"

„Er ist ein bisschen alt für mich."

„Das beantwortet aber nicht meine Frage", sagte George, als er böse zu einem Muggelposter an Alicias Decke hinaufstarrte. Er wusste zwar nicht, wer Orlando Bloom war, aber er mochte sein Aussehen nicht.

Alicia warf ihm über ihre Schulter einen Blick zu, ein Lächeln auf ihren Lippen. „Nein, ich stehe nicht auf deinen Bruder. Zufrieden?"

Nein, dachte er. „Ja", antwortete er stattdessen. „Was suchst du überhaupt?"

„Meinen Rock. Weißt du, diesen Jeansrock. Ich kann ihn nirgends finden. Jasmine würde besser daran tun, ihn nicht geklaut zu haben."

„Ein Rock, hm? Date mit Oliver?"

„Jep. Ah! Hab das blöde Teil gefunden. Drehst du dich um, während ich mich umziehe?"

George rollte sich auf die Seite. „Wo geht er mit dir hin?"

„Endspiel der Weltmeisterschaft", kam die gedämpfte Antwort.

Er schnaubte abfällig. „Und da sagt man, die Romantik wäre tot."

„George", warnte sie.

„Was? Komm schon, Leesh, du musst zugeben, dass ein Quidditchspiel nicht unbedingt die romantischste Umgebung für ein Date ist."

Sie ignorierte seinen Kommentar. „Wir werden mit all den anderen Spielern in der Puddlemere-Loge sitzen. Es wird einfach brillant werden."

George konnte nur knapp ein Stöhnen unterdrücken. Er hatte für den Rest seines Lebens genug von Oliver und Puddlemere gehört. Er und Fred waren mit Oliver und den Mädchen zu ein paar der Weltmeisterschafts-Spiele gegangen, als eine Art Verabschiedung für ihren Captain. Oliver hatte nur aufgehört darüber zu reden, wie wunderbar Puddlemere war, um Schottland zuzujubeln.

„George?"

„Jah?"

„Magst du das Top?"

„Ja", sagte er, ohne sich umzudrehen. „Es passt zu deinen Augen."

„Das Top ist weiß."

„Genau. Es passt zu dem weißen Teil deiner Augen."

„Heute bist du besonders wenig hilfreich. Was ist los?"

„Nichts", erwiderte er automatisch.

„Schön. Dann sag mir eben nicht, was los ist. Ist mir doch egal." Alicia ging ums Bett herum, damit George ihr Outfit sehen konnte. „Was denkst du?"

Sie drehte sich um sich selbst und er blinzelte. „Rock ist ein bisschen kurz."

Alicia grinste nur. „Ich denke nicht, dass Oliver sich beschweren wird."

George verdrehte die Augen. „Ich dachte, du würdest mit Angelina und Katie zum Finale gehen? Was hast du ihnen erzählt?"

„Dass ich mit Erica gehen würde, weil sie vom Ministerium richtig gute Plätze bekommen hat."

„Also lügst du sie an. Wie nett."

„Ich fühle mich schon schuldig genug, auch ohne dass du es noch schlimmer machst."

George setzte sich auf und beobachtete Alicia, wie sie ihr Spiegelbild studierte. „Du magst es, oder?"

„Der Rock ist nett, aber ich denke, das Top-"

„Nein, nicht dein Outfit. Ich rede von Oliver. Du magst es, mit ihm herumzuschleichen. Ich hab's vorher nie gemerkt, aber du magst es wirklich."

„Tu ich nicht."

„Tust du wohl! Du bist gerne sein kleines Geheimnis."

„Ich bin nicht Olivers kleines Irgendwas. Außerdem mag ich es gar nicht, herumzuschleichen und meine besten Freunde anzulügen. Ich hasse es."

„Lügnerin", murmelte George leise.


Alicia war noch nie bei einer Weltmeisterschaft gewesen. Als sie mit Oliver und seinen Eltern durch die Zeltreihen ging, konnte sie nicht aufhören zu grinsen. Sie kamen an der Anhäufung von Irland-Fans vorbei und Alicia entdeckte Rons Freund Seamus inmitten all dem Grün. Dann gingen sie durch die Zeltreihen der Bulgarien-Fans.

Poster von Viktor Krum schielten sie von allen Seiten an. Oliver packte Alicias Hand in einer ungewöhnlichen öffentlichen Zuschaustellung seiner Zuneigung. „Ist das nicht genial?"

Alicia sah ihn liebevoll an. Seine Augen leuchteten und das letzte Mal, als sie ihn so glücklich gesehen hatte, hatte er den Quidditchpokal in den Händen gehalten. Sie nickte fieberhaft. „Es ist wundervoll. Ich kann es kaum erwarten, heute Abend deine Teamkollegen zu treffen."

„Da wären wir!", verkündete Olivers Vater glücklich. Er war fast genauso aufgeregt wie Oliver. Na ja, fast.

Alicia half Mr. und Mrs. Wood beim Aufbauen der Zelte. Oliver war viel zu zappelig, um eine große Hilfe zu sein. Wenn er einen Hering halb im Boden hatte, ließ er ihn plötzlich liegen und lief wie ein hyperaktiver Welpe herum.

„Oh, schau mal, da ist Harry!" Oliver sprang plötzlich auf. Er ließ den Hammer fallen, der er in der Hand gehalten hatten, und dieser verfehlte nur knapp seinen Fuß. „Harry! Hier rüber, Kumpel!"

Alicia seufzte, hob den vergessenen Hammer auf und ging zur Rückseite des Zeltes, um den letzten Hering in den Boden zu schlagen, während Oliver Harry seinen Eltern vorstellte. Sie schob sich gerade das Haar aus ihr schweißbedeckten Stirn, als Oliver zurückkam.

„Bereit zum Team im offiziellen Puddlemere-Zelt zu gehen?", fragte er, dann ergriff er ihren Arm ohne eine Antwort abzuwarten und zerrte sie zur Vorderseite des Zeltes.

„Ich bin fertig." Alicia musste seine Finger von ihrem Oberarm lösen, bevor ihre Blutzirkulation unterbrach. „Danke für deine Hilfe mit dem Zelt", sagte sie sarkastisch.

Er strahlte auf sie runter. „Kein Problem."

„Oh, wirklich mal."

„Mum, Dad, Leesh und ich, wir gehen jetzt", verkündete Oliver, auf seinen Fußballen hüpfend.

„Alles klar, Schatz." Seine Mutter lächelte sie an. „Genießt das Spiel."

„Ich bin immer noch für Bulgarien."

Oliver schüttelte angesichts dieses Kommentars seines Vaters den Kopf. „Auf keinen Fall. Irland hat das bessere Team."

„Ja, wir werden es ja sehen."

„Na ja, komm!" Oliver zog an Alicias Arm und sie hatte kaum Zeit, sich von Mr. und Mrs. Wood zu verabschieden, bevor sie durch das Camp gezogen wurde.

„Lauf ein bisschen langsamer, Oliver! Du wirst mir noch meinen Arm ausrenken!"

„Entschuldige", sagte er und ging ein winziges bisschen langsamer. „Ich bin nur ein wenig aufgeregt."

„Aufgeregt, sagst du? Wirklich? Das hatte ich gar nicht gemerkt."

Oliver legte seinen Arm um ihre Taille und zog sie an sich. „Das ist wirklich süß, Alicia."

Sie lächelte vor sich hin und kuschelte sich an ihn. „Ich bin nur ein wenig nervös", gab sie zu. „Die ganzen Frauen werden viel älter sein als ich. Ich werde nichts mit ihnen gemeinsam haben."

„Sie sind wirklich nette Leute und ich bin mir sicher, dass du sie lieben wirst. Sei einfach du selbst."

Die berühmten letzten Worte, dachte sie.

„Da ist es!" Oliver wies plötzlich auf ein marineblaues Zelt, das mit goldenem Rohrkolbenschilf geschmückt war. Es sah so aus, als würden nur vier Leute darin Platz finden, doch Alicia wusste, dass man die Größe von Zaubererzelten nicht unterschätzen durfte.

Sie hatte Recht. Das Innere des Zeltes stand in keinem Verhältnis zum Äußeren. Es war wie eine Villa. Die Wände waren marineblau mit goldenen Verzierungen und die Einrichtung war edel und größtenteils antik. Ein großer, mit Kerzen bestückter Kronleuchter hing im Foyer. Alles glitzerte so!

Alicia fühlte sich ziemlich fehl am Platz und zupfte nervös an ihrem Jeansrock herum. Oliver merkte es jedoch nicht und zog sie die Halle entlang. Sie öffnete sich in einen großen, verschwenderisch gestalteten Raum. Überall standen Chaiselongues und Sofas. Frauen saßen dort mit Champagnerflöten in den Händen, während ihre Männer in der Nähe der Bar standen.

„Es ist wunderschön", hauchte Alicia.

Oliver küsste sie auf den Scheitel. „Geh und misch dich unters Volk." Er gab ihr einen aufmunternden Schubs in Richtung einer Gruppe von anspruchsvoll und gelangweilt wirkenden Frauen.

Oliver ging rüber zu seinen Freunden und ließ Alicia völlig alleine stehen. Sie stellte sich an die Seite und sah sich um. Hier drin waren etwa zwei Dutzend Frauen, alle verteilt auf Grüppchen von fünf oder sechs. Oliver wurde von einer Gruppe junger Männer willkommen geheißen und würdigte Alicia keines Blickes mehr.

„Äh, könnte ich ein Glas Champagner kriegen?"

Alicia sah vom Teppich auf. Eine sehr hübsche Blondine in einem knappen roten Kleid sah sie stirnrunzelnd an. Alicia errötete tief und schüttelte leicht den Kopf. „Ähm, eigentlich bediene ich hier nicht. Ich bin mit meinem Freund hier. Na ja, nicht hier, weil er dort drüben steht und mich ignoriert, aber ich bin mit ihm hergekommen und-"

„Oh, tut mir Leid", entschuldigte sich die Frau und musterte Alicia genauer. Sie schien sie akzeptabel oder zumindest tolerierbar zu finden, denn sie hielt ihr eine perfekt manikürte Hand hin. „Mein Name ist Brandi, mit i."

„Mein Name ist Alicia." Sie ergriff vorsichtig die dargebotene Hand. „Äh, Alicia mit c."

„Du musst neu sein, ich kann mich nicht erinnern, dich schon mal gesehen zu haben."

„Jah, mein Freund ist gerade ins Reserve-Team aufgenommen worden." Alicia wies durch den Raum. „Er trägt einen blauen Strickpullover und Khakihosen."

Brandi kicherte. „Süße, sie tragen alle Khakihosen und blaue Pullover. Die Jungs wissen nicht so viel über Muggelkleidung."

„Richtig."

„Vergiss es einfach. Komm, lass uns etwas zu trinken holen."

Bevor Alicia protestieren konnte, hatte ihre neue Bekannte ihre Hand ergriffen und sie durch den Raum geführt. Brandi und Alicia setzten sich auf ein schwarzes Ledersofa und eine Frau mit einem Tablett kam zu ihnen.

„Das wird auch Zeit!", seufzte Brandi dramatisch. Sie schnappte sich ein Glas Champagner und reichte es Alicia.

„Äh, ich bin erst sechzehn", sagte Alicia zweifelnd, als sie auf das Glas starrte.

„Erst sechzehn!? In diesem Fall geben wir dir besser zwei!" Brandi drückte ihr noch ein Glas in die linke Hand. Die Blondine nahm noch ein Glas für sich selbst und entließ dann die Kellnerin.

„Na, trink ruhig, Süße."

Alicia trank einen Schluck aus dem Glas in ihrer rechten Hand. Doch sie musste zu schnell getrunken haben, denn die Bläschen stiegen ihr in die Nase und ließen sie husten und prusten. Ihre Augen tränten schrecklich und sie konnte sich schon direkt vorstellen, wie alle sie anstarrten.

„Hier", sagte Brandi, nahm ihr die Gläser ab und stellte sie auf ein Kaffeetischchen. „Vielleicht solltest du bei Butterbier bleiben."

Alicia errötete und nickte. „Das klingt wie eine gute Idee."

„Mach dir keine Sorgen", versicherte Brandi ihr. „Bleib bei mir und es wird schon alles, Schätzchen. Wie auch immer, mein Verlobter ist hier der Sucher, Nathan Furner. Ich habe mal für Gladrags gemodelt. Wie ist denn deine Geschichte?"

„Na ja, ich gehe nach Hogwarts."

„Oh", war alles, was Brandi sagte. Mehr konnte man ja auch kaum sagen.

Alicia bemerkte, dass sie dieser Sache absolut nicht gewachsen war. Brandi war sehr hübsch und Alicia versuchte, sie nicht anzustarren, doch sie war das erste Model, das sie je getroffen hatte. Und auf keinen Fall waren ihre Brüste echt.

„Magst du sie?" Alicia starb fast vor Verlegenheit, als Brandi sie beim Starren erwischte.

„Äh..."

„Sie sind falsch", flüsterte Brandi verschwörerisch, obwohl Alicia sich ziemlich sicher war, dass alle wussten, dass sie nicht echt waren. Sie versuchte trotzdem, höflich überrascht auszusehen. „Nathan hat sie mir zum Geburtstag geschenkt. Sie sind einfach toll, weil sie nie nachgemacht werden müssen. Es ist dieses fantastische Muggelzeug, das Silikorn heißt."

Alicia nickte vorsichtig und machte sich noch nicht mal die Mühe, sie zu korrigieren. Sie war noch dankbarer, dass Oliver ihr zum Geburtstag nur einen Kristall-Quaffel geschenkt hatte.

„Sie fühlen sich auch total authentisch an. Möchtest du sie anfassen?"

Alicias Mund klappte auf. Das war einfach nur beunruhigend. „Äh, nein, danke."

„Oh, na ja, es sieht nicht so aus, als ob du es mal brauchen würdest", sagte Brandi schulterzuckend. Alicia verschränkte schnell ihre Arme vor der Brust. Brandi stürzte ihren Champagner herunter, dann stand sie auf und zog Alicia mit sich. „Ich werde dich den Mädels vorstellen!"

Alicia versuchte verzweifelt, aufgeregt auszusehen, doch sie wollte eigentlich nicht noch mehr Frauen wie Brandi treffen. Sie folgte ihr stumm und versuchte dabei verstohlen, die Entfernung zum nächsten Ausgang abzuschätzen.

„Mädels!", quietschte Brandi plötzlich, was Alicia zusammenzucken ließ.

Die Gruppe gelangweilter und anspruchsvoller Frauen wandte sich den beiden Neuankömmlingen zu und lächelte höflich. Brandi ging durch die Gruppe und eine Menge Luftküsse wurden ausgetauscht.

„Das hier ist Alicia, unser neuester Zuwachs!" Die Frauen sahen sie alle an und einige tauschten verärgerte Blicke. Brandi schien das nicht zu bemerken. Sie wies auf jede der Frauen. „Alicia, das sind Jenice, Indigo, Marybeth und Teanna."

Alicia nickte höflich. „Nett, Sie alle kennen zu lernen." Sie alle murmelten etwas ähnliches, dann ignorierten sie Alicia wieder komplett.

Als Brandi den neuesten Klatsch mit den Frauen austauschte, versuchte Alicia verzweifelt, sich ihre Namen zu merken. Warum mussten sie eigentlich solche bescheuerten Namen haben?

„Und mit wem bist du hier, Schätzchen?"

Es dauerte einen Moment, bis Alicia bemerkte, dass eine der Frauen mit ihr redete. Die mit der blassen Haut und dem schimmernden braunen Haar. Sie schien die Älteste und die ‚Anführerin' der Gruppe zu sein. Marybeth? Oder war es Jernice? „Äh, mein Freund ist gerade ins Reserve-Team aufgenommen worden. Er ist der neue Hüter."

„Hüter?", fragte die dunkelhäutige Frau, von der Alicia annahm, dass sie Teanna war. „Tragen die nicht die Schläger?"

Alicia verdrehte fast die Augen. Diese Frauen gingen mit Quidditchspielern aus, wussten aber nichts über das Spiel. „Nein, die Treiber haben die Schläger. Der Hüter hält die Bälle davon ab, durch die Ringe zu gehen."

„Ich dachte, das würde der Stopper machen?", sagte die Asiatin mit den sanften schwarzen Locken. Sie trug eine Kette, auf deren Anhänger ‚Indigo' stand. Alicia dachte bei sich, dass es nützlich wäre, wenn sie alle solche Namensschildchen trügen.

„Nein, der Hüter verhindert Tore."

„Und was macht dann der Stopper?"

Alicia atmete tief durch und versuchte, nicht die Beherrschung zu verlieren. „Na ja, Stopper ist eigentlich keine Position beim Quidditch."

„Was du nicht sagst! Das ist hochinteressant, oder, Jernice?"

Die Frau rechts von ihr schaute von ihren Fingernägeln auf. „Äußerst spannend, Liebes", sagte sie, dann wandte sie sich wieder ihren Nägel zu.

Die ältere Frau, die anscheinend Marybeth war, sah Alicia ungeduldig an. „Schätzchen, mit all diesen Fachausdrücken können wir nichts anfangen. Zeig ihn uns."

„Okay." Alicia sah sich nach Oliver und machte ihn schließlich in der Nähe des Kamins aus, wo er mit einem älteren Mann redete. „Er steht drüben am Kamin. Der, der mit dem fetten, alten Kerl redet."

Niemand sagte etwas und Alicia bemerkte, dass sie etwas falsch gemacht hatte. Marybeth spitzte die Lippen. „Der fette, alte Kerl ist der Trainer und mein Mann."

Alicia erbleichte. Woher hätte sie das wissen sollen? Der Typ war etwa doppelt so alt wie Marybeth und ungefähr drei mal so breit. Wenigstens erklärte das, warum Marybeth die Gruppe anführte. „Äh – ich wollte nicht – ähm, tut mir Leid."

Marybeth wedelte anmutig mit der Hand, die mit schweren Ringen besetzt war. „Keine Sorge, Süße, das gibt nur Falten. Ich sage Richie schon seit Jahren, dass er eine Diät machen soll. Dein Freund ist also der, der mit ihm redet?"

„Ja." Alicia musste sich auf die Zunge beißen, um nicht noch ein „Ma'am" hinzuzusetzen.

„Ist der nicht derjenige, von dem du denkst, dass er gut im Bett sein könnte?", fragte Teanna.

„Weißt du, ich glaube, das ist er."

Alicia ballte ihre Hände im Schoß zu Fäusten. Warum wollten alle Leute plötzlich mit ihrem Freund ins Bett hüpfen?!

„Du hast ja so ein Glück!", rief Indigo. „Was würde ich nicht für so einen geben!"

„Und", sagte Marybeth, „ist er gut im Bett?"

Alicia wusste nicht, wie sie darauf antworten sollte. „Na ja, wir haben noch nicht – ähm, ich habe noch nicht… na ja, Sie wissen schon."

„Du hast noch nicht?"

„Nein."

„Wie alt bist du, Schätzchen?"

„Ich bin sechzehn."

Indigo schlug die Hand vor den Mund. „Sechzehn?"

Teanne legte Alicia eine Hand auf den Arm. „Manche Mädchen sind einfach Spätzünder, Süße."

„Spät? Was-", begann Alicia.

Jernice sah wieder von ihren Nägeln auf. „Deswegen musst du dich nicht schämen, Alana."

„Mein Name ist nicht-"

„Jernice hat Recht." Brandi nickte mitfühlend. „Ich habe es bisher niemandem erzählt... aber – aber ich habe meine Jungfräulichkeit erst mit sechzehneinhalb verloren."

Marybeth fand das anscheinend außergewöhnlich. „Das hätte ich nie gedacht! Die Zeiten haben sich geändert."

Alicia fühlte, wie sich eine große Migräne anbahnte, allein schon davon, dass sie diesen Frauen zuhörte. Seit wann war es merkwürdig, sechzehn und noch immer Jungfrau zu sein? Diese Frauen waren so absolut verrückt. Sie musste weg, bevor ihr Kopf explodierte. „Ich werde... da rüber gehen... um, äh – mir was zu trinken zu holen! Ja, was zu trinken."

Die verrückten Frauen merken noch nicht mal, wie sie ging. Indigo erzählte ihnen gerade über ihre achtzehnjährige Nichte, die noch immer Jungfrau war. Oh, wie schrecklich!

Alicia ging so schnell weg, wie sie konnte. Als sie endlich in sicherer Entfernung von ihnen war, sackte sie gegen die Wand und versuchte, ihren Atem zu beruhigen. Die Uhr über dem Kamin sagte ihr, dass es noch immer sieben Stunden bis zum Finale waren. Wie um Himmels Willen sollte sie sieben weitere Stunden überleben!? Sie versuchte verzweifelt, Olivers Aufmerksamkeit durch den Raum hinweg zu erlangen. Sie brauchte fast zehn Minuten, doch dann entdeckte er sie endlich und winkte aufgeregt. Er verabschiedete sich vom Coach, der sehr dankbar aussah, dass Oliver aufgehört hatte zu reden, und kam zu ihr rüber.

„Hast du Spaß?" Er grinste breit, als er ihr raus in die Halle folgte. „Ich habe dich mit der Frau des Trainers und ihren Freundinnen gesehen. Diese Frauen werden hier sehr respektiert. Ich bin froh, dass du so schnell Freunde gefunden hast."

„Sie sind nicht meine Freunde, Oliver!", bellte Alicia. All ihre unterdrückten Emotionen sprudelten aus ihr hervor. „Diese Frauen machen mir eine Scheißangst! Ich kann doch wohl eine verdammte Jungfrau sein, wenn ich will! Und ihr Mann ist fett und alt! Und sie kennen noch nicht mal die Quidditch-Positionen, Oliver! Stopper, um Merlins Willen! Und Brandi! Brandi mit i weil es absolut gewöhnlich ist, ein y wie jeder andere auch zu benutzen! Sie wollte, dass ich ihre Brüste anfasse! Ihre Brüste!"

„Und, hast du?", fragte Oliver, plötzlich viel interessierter an der Unterhaltung.

„Oliver!", kreischte sie und schlug ihn auf den Arm.

„Ich habe ja nur gefragt! Deshalb musst du ja nicht gleich gewalttätig werden." Oliver rieb sich den Arm und sah sich um, um sicher zu gehen, dass ihnen niemand zuhörte. „Entspann dich, bald gibt es Mittag."

Alicia war aber immer noch nicht fertig.

„Wenn mich noch einmal jemand Süße, Liebes oder Schätzchen nennt... oh, und du hättest sie keuchen hören sollen, als ich ihnen gesagt habe, dass ich noch Jungfrau bin! Als ob mich das zu einem Freak machen würde! Ich denke, dass ich einfach einen Keuschheitsschwur ablege, nur um sie zu entsetzen. Sag mir, klingt mein Name irgendwie wie Alana? Nein. Sie sind völlig unterschiedlich!"

„Alicia-"

„Und du hättest Marybeth über dich reden hören sollen! Sie will natürlich mit dir ins Bett. Alle wollen es, verdammt noch mal!"

„Was?"

„Schön, sie kann einfach warten, bis sie an der Reihe ist, genau wie alle anderen, denn ich war zuerst hier. Die blöde Marybeth kann sich eine blöde Karte kaufen und sich ans Ende der blöden Schlange bewegen. Sie kriegt dich nicht in ihre Krallen, bis ich mit dir fertig bin! Und du hättest hören sollen-"

Oliver brachte sie schließlich zum Schweigen, indem er ihr eine Hand über den Mund schlug. „Das reicht! Du musst mit diesem irren Gerede aufhören."

Alicia war mehr als nur entrüstet. Sie war also irre?

„Ich werde meine Hand wegnehmen, aber du musst mir versprechen, dass du dich wieder normal benimmst." Alicia nickte stumm und Oliver nahm seine Hand weg. Er lächelte ihr erleichtert zu. „Das ist besser. Also, hattest du Spaß?"

„Hast du überhaupt auch nur ein Wort von dem gehört, was ich gerade gesagt habe?!", zischte Alicia und kämpfte um einen Rest an Beherrschung.

Oliver zuckte zusammen. Er hatte etwas über Brüste, ins Bett steigen und ein vagen Bezug zu Jungfräulichkeit mitbekommen, aber das war's dann auch. Doch das würde Alicia wahrscheinlich nicht gerne hören wollen. „Du hast so schnell geredet", sagte er entschuldigend. „Könntest du es in einem Satz zusammenfassen? Vorzugsweise ohne zu brüllen, zu fluchen oder mich zu schlagen."

„Ich hasse diese Leute!"

„Ah. Also hast du dich nicht mit den Frauen verstanden. Die Spieler sind viel netter. Beim Mittagessen werde ich dich ihnen vorstellen. Du musst dir über nichts Sorgen machen, Süße."

„Oliver!"

Was denn jetzt schon wieder!?"

-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

Alicia war dank Olivers Versicherung, dass die Spieler nicht irre waren, mit großen Hoffnungen zum Mittagessen gegangen. Glücklicherweise hatte er Recht damit, dass sie nicht irre waren. Unglücklicherweise hatte er vergessen zu erwähnen, dass sie eingebildet, rachsüchtig, herablassend, selbstgerecht und einfach schrecklich waren.

Sogar Alicias Lieblingsjägerin der Liga stellte sich als Zicke heraus. Alicia hatte sie um ein Autogramm gebeten und die Frau hatte ihr einfach ins Gesicht gelacht.

„Wie kann sie es wagen?", murmelte Alicia durch zusammengebissene Zähne, als sie beim Mittag saßen. Sie und Oliver waren mit den anderen Niemanden ans Ende des Tisches verfrachtet worden. „Es war nur ein Autogramm. Und als ich ihr erzählt habe, dass ich auch Jägerin bin, hat sie mir einen schmutzigen Blick zu geworfen, als ob ich etwas wäre, das sie von ihrem Schuh gekratzt hat! Ich dachte, du hast gesagt, dass diese Leute nett wären?"

Oliver sah schuldbewusst von seinem Gourmet-Salat auf. „Normalerweise sind sie es auch. Ich denke, du hast heute einfach einen schlechten Tag erwischt."

„Einen schlechten Tag? Heute ist das Finale der Weltmeisterschaft? Wer kann denn da schlechte Laune haben?" Alicia warf ihrem Salat einen bösen Blick zu. „Das ist kein Gourmet-Salat. Alles, was sie gemacht haben, war seltsame Blätter von Bäumen zu pflücken, sie auf einen Teller zu werfen und es exotisch zu nennen. Ich wette, wenn ich rausgehen würde, würde ich den Großteil dieses Grünzeugs in der Nähe des Zeltplatzes finden. Schau mal, das Zeug hier sieht verdächtig nach Gras aus."

„Danke, dass du meinen Appetit ruiniert hat." Oliver schob seinen Teller weg. „Ich wünschte, du würdest aufhören, dich zu beschweren."

„Weißt du, was mich am meisten ärgert?"

„Nein, aber ich bin mir sicher, dass du es mir sagen wirst."

Sie ignorierte seinen Kommentar. „Überall gibt es Kinder, die diese Leute bewundern. Kinder auf der ganzen Welt schauen zu ihnen auf und wollen genau wie sie sein. Sie tun das, ohne zu wissen, dass ihre geliebten Spieler nichts anderes als kleinliche, selbstverliebte Idioten sind. Ich habe nie gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber Quidditch-Spieler sind das Letzte. Sie sind es wirklich."

„Nicht alle", argumentierte Oliver. „Das hier ist nur eine kleine Minderheit. Ich bezweifle, dass Viktor Krum so ist."

„Krum kann kaum Englisch, er zählt nicht. Das Problem ist, dass es ihnen zu Kopf steigt. Sie bekommen einfach so viel Aufmerksamkeit und Lob, dass sie anfangen zu denken, dass sie wirklich etwas Besseres sind."

„Das ist ziemlich pessimistisch, Alicia. Bin ich eingebildet? Verdiene ich das Lob, das ich bekomme, nicht?", fragte Oliver. Sie öffnete den Mund, um zu antworten, doch er schnitt ihr das Wort ab. „Was ist mit Harry? Er bekommt mehr Aufmerksamkeit als alle an diesem Tisch zusammen. Ist er etwas ein arroganter Idiot?"

„Er ist nur ein Kind."

„Aber wenn er älter ist, denkst du, dass er dann genau so enden wird, wie einer der Spieler hier? Denkst du, dass ich so enden werde?"

Alicia schüttelte den Kopf. „Was willst du, dass ich sage, Oliver? Dass ich einfach mit diesen Leuten rumlaufen kann, ohne etwas über ihr Verhalten zu sagen?"

Oliver seufzte. „Ich weiß nicht, was ich will. Ich weiß es wirklich nicht."

Für den Rest des Essens schwieg das Paar. Nach dem ‚Gourmet'-Salat gab es eine Lasagne, die angeblich direkt aus Rom importiert worden war. Sie schmeckte genauso wie die, die Alicias Mum aus der Packung machte. Danach kam ein Dessert, das aus Pfirsichen in Vanillesoße bestand. Die Pfirsiche kamen aus der Dose und die Soße war noch nicht mal frisch.

„Das war ein wunderbares Mittagessen!", hörte Alicia Brandi sagen, als sie alle das Esszimmer verließen.

„Das stimmt, Schätzchen", stimmte Marybeth zu. „Schade nur, dass das Dessert so kalorienreich war. Ich werde morgen zwanzig zusätzliche Minuten Yoga machen müssen. Ganz zu schweigen von einer Doppelstunde mit meinem Trainer."

Alicia verdrehte die Augen und ergriff Olivers Hand. „Komm, bevor die heißen Hexen aufholen."

„Schh. Jemand könnte dich hören."

„Tz. Du machst dir zu viele Sorgen. Schau mal, da ist ein leeres Sofa."

„Leesh, ich wollte mit ein paar der Jungs über das Spiel reden."

„Na ja, du kannst dich mit mir darüber unterhalten. Oder ich könnte mit dir kommen. Auf keinen Fall wirst du mich hier wieder alleine lassen."

„Schön. Aber nur für eine Stunde oder so."

Das Paar setzte sich und hatte eine angenehme, aber hitzige Diskussion über das aufkommende Spiel. Sie lachten und scherzten und ignorierten effektiv alle um sie herum. Das heißt, bis jemand sie unterbrach.

„Wood. Genau der, den ich gesucht hatte."

Sie sahen auf, um einen Mann in den späten Zwanzigern zu entdecken. Alicia erkannte ihn als den Hüter von Puddlemere. Oliver stand auf, als wenn er von einem Mitglied der königlichen Familie angesprochen worden war.

„Damien! Wie schön dich zu sehen!" Oliver schüttelte begeistert seine Hand. Alicia war überrascht, dass er sich nicht hinkniete und versuchte, Damiens Hand zu küssen.

„Klar." Damien zuckte mit den Schultern. „Sag, wer ist deine kleine Freundin?"

„Das ist meine kleine feste Freundin. Ich meine, meine feste Freundin. Ja."

„Und wie heißt sie?", fragte Damien, als wenn Alicia gar nicht da wäre.

Oliver sah für eine Sekunde an die Decke. „Ähm..."

„Alicia?", bot sie von ihrem Platz aus an.

„Ja. Das wollte ich gerade sagen. Sie heißt Alicia."

„Schön." Damien nickte. Ihm war es offensichtlich egal, aber er hielt sich streng an die Etikette. „Na ja, ich gehe rum und nehme Wetten an. Was sagst du, Wood?"

Oliver fischte schnell in seiner Tasche herum und zog eine handvoll Galleonen hervor. „Setz mein Geld auf Irland."

„Irland?" Damien unterdrückte ein Grinsen. „Ich hoffe, dass du weißt, dass du dein Geld wegschmeißt. Krum ist in Topform."

„Aber ein Spieler macht noch kein Team", sagte Oliver vorsichtig, als ob er hoffte, dass Damien ihm zustimmte.

Das tat er natürlich nicht. „Stimmt es nicht, dass dein kleines Quidditchteam nicht gewinnen konnte, bevor du Harry Potter gekriegt hast?"

Alicia war entrüstet. Niemand beleidigte ihr Team. „Harry war nur das fehlende Puzzlestück. Er konnte den Schnatz nicht fangen, wenn der Rest des Teams ihm nicht half."

„Und was weißt du davon, Puppe?"

„Ich bin Jägerin in Olivers kleinem Quidditchteam. Und jeder weiß, dass Quidditch ein Teamsport ist."

Damien lachte leise und sah wieder auf Oliver. „Da hast du dir ja eine Feurige geangelt. Du solltest nur sichergehen, dass du dich nicht verbrennst. Sie haben eine Tendenz dazu."

„Alicia ist gut. Sie hat aber recht. Ich würde mein Geld gerne bei Irland behalten."

„Sicher, es ist ja dein rausgeschmissenes Geld." Damien tat Olivers Münzen in einen klingelnden Beutel, den er trug. „Wir sehen uns dann wohl beim Training, Wood. Du solltest vielleicht noch ein bisschen an deinem Doppelacht-Looping arbeiten. Lass dich nur nicht entmutigen, nur wenig Leute können ihn so perfekt wie ich. Bis später."

Oliver setzte sich wieder und atmete tief durch. Alicia starrte Damien hinterher. „Wovon hat der geredet? Du kannst einen perfekten Doppelacht-Looping. Ich habe das doch schon tausendmal gesehen."

Oliver sah verlegen auf seine Hände. „Ich will nicht gleich alle meine Karten aufdecken."

„Das hier ist Quidditch, nicht Poker! Du kannst nicht alle denken lassen, dass du ein lausiger Spieler bist. Du kannst Damien definitiv nicht so herablassend mit dir reden lassen. Du bist besser als er!"

„Das weiß ich doch alles, Alicia. Ich stehe am unteren Ende der Nahrungskette; ich kann nicht einfach rumlaufen und die natürliche Ordnung der Dinge durcheinanderbringen. Damien ist der Top-Hüter, also muss ich seine Dominanz akzeptieren."

„Du meinst, du musst verscheißen?"

„Wenn es das erfordert", erwiderte Oliver ernst.

„Ich verstehe das nicht." Alicia schüttelte heftig den Kopf. „Wie kannst du mit diesem Müll fertig werden?"

„Ich habe keine Wahl, wenn ich ein Top-Spieler sein möchte.

Das traf Alicia hart. Oliver hatte keine Wahl. Hatte sie als seine Freundin dann auch keine Wahl?

„Du wirst Teil dieser Welt werden, nicht wahr?"

„Ja." Oliver sah auf seine Hände und wusste, dass es ein Problem dabei gab. Alicia gehörte nicht hierher.

Alicia blickte auf die Oberflächlichkeit um sie herum. „Äh, ich denke, ich werde ein bisschen spazieren gehen."

„Okay. Aber geh sicher, dass du zurück bist, bevor das Spiel anfängt."

Alicia nickte, dann ging sie davon.


Alicia wanderte für eine Stunde durch den Zeltplatz, bevor sie auf Lee traf. Er war mit seinem Vater da und er ließ sie für eine Weile bei ihnen bleiben.

„Warum bist du nicht bei Katie und Angelina?", fragte Lee, als sie sich mit ihm und seinem Vater vor das Zelt setzte.

Alicia grinste. „Ich konnte es nicht mehr aushalten, dass Katie mir andauernd gesagt hat, wie süß du bist."

„Ha, schön wär's. Ehrlich mal, habt ihr euch gestritten oder so?"

„Nein, nein. Nichts in der Art. Ich wollte nur einen Spaziergang machen."

„Hast du schon Mittag gegessen, Alicia?", fragte Lees Vater.

Alicias Magen grummelte bei dem Gedanken an richtiges Essen. „Nicht direkt."

„Na ja, wir haben ein paar verbrannte Würstchen. Dad hat sie zu lange über dem Feuer gelassen."

„Hey, wenn du mir geholfen hättest, anstatt diese Hexe im Zelt nebenan anzubaggern, dann wäre das sicher nicht passiert."

Lee versuchte, reumütig auszusehen, doch er schaffte es nicht wirklich. „Wenn du keine verbrannten Würstchen möchtest, dann haben wir auch noch zermanschte Sandwichs, die meine Mutter auf den Boden von meiner Tasche gelegt hat."

„Ein zermanschtes Sandwich klingt himmlisch."

„Dann komm."

Alicia folgte ihm ins Zelt. Sie war sehr froh, dass es ziemlich klein und vollgestopft war. Die Spüle war vollgestellt mit schmutzigem Geschirr und die Betten waren ungemacht. Alicia entdeckte auch noch ein paar Unterhosen über einer Stuhllehne.

Alicia seufzte zufrieden. „Angebrannte Würstchen, zermanschte Sandwichs und verstreute Unterwäsche. Oh, ich liebe dich, Lee."

Er hörte auf, in seinem Rucksack rumzuwühlen und starrte sie an. „Das ist mir aber neu."

„Jep. Du bist genau meine Art von Leuten." Alicia umarmte seinen Arm so fest sie konnte.

„Deine Art von Leuten? Das macht keinen Sinn. Geht's dir gut?"

„Mir geht's besser als gut. Ich weiß jetzt, wohin ich gehöre."

„Da bin ich aber froh für dich. Bist du dir sicher, dass du dir in letzter Zeit nicht deinen Kopf angehauen hast?"

„Ganz sicher. Aber ich muss leider das Sandwich auslassen. Danke für die Hilfe." Alicia küsste ihn schnell auf die Wange, dann raste sie aus dem Zelt.

„Jederzeit", sagte Lee, ziemlich selbstzufrieden, dass er helfen konnte, ohne es überhaupt zu versuchen.


Alicia legte während des Spiels ihr bestes Verhalten an den Tag. Glücklicherweise saß Oliver mit ihr bei den anderen Frauen im hinteren Teil der Loge und diskutierte mit ihnen über ihre Frisuren und Nägel.

Alicia genoss das Spiel unglaublich. Es war viel besser, als es nur über Radio zu hören. Mit Oliver da zu sein, war besser als alles, was sie sich hätte vorstellen können. Sie konnte sonst kaum Zeit mit ihm verbringen, also wünschte sie sich, dass das Spiel für immer andauern würde.

Oliver sprang von seinem Sitz auf, als Krum den Schnatz fing, das Spiel beendete und Irland somit gewinnen ließ. „Ich wusste es!", rief Oliver.

Alle um sie herum sahen ihn nur mit einem Blick an, den man sich für überreagierende Teenager aufhebt. Keiner von ihnen war während des Spiels sehr gesprächig gewesen; sie zogen es vor, Kritik hinter vorgehaltener Hand auszuüben. Alicia hätte sie zu gerne darauf hingewiesen, dass keiner von ihnen Quidditch für ihr Land spielte und sie somit die Letzten wären, die urteilen durften. Doch anstatt Ärger heraufzubeschwören, hielt Alicia ihre Zunge im Zaum wie ein braves Mädchen und sah sich das Spiel an.

Sogar als sie Oliver aus dem Stadion folgte, hielt sie sich zurück, ihn darauf hinzuweisen, dass er Recht gehabt hatte und Damien nicht. Oliver verabschiedete sich von seinen Teamkollegen und Alicia versuchte zu vermeiden, noch einmal mit ihnen reden zu müssen.

„Hat es dir Spaß gemacht?", fragte Oliver, als sie sich ihren Weg durch die Menge bahnten, um ihr Zelt zu finden.

„Das Spiel hat mir Spaß gemacht, aber davor überhaupt nichts."

„Alicia, ich weiß nicht, was ich tun kann, damit es angenehmer für dich wird."

Alicia verstand seine Hilflosigkeit. „Ich habe eine Lösung."

„Schlägst du gerade vor, was ich denke, das du vorschlägst?", fragte er vorsichtig.

„Du wirst eines Tages ein großartiger Quidditch-Spieler sein, aber ich weiß, dass du nie wie diese Leute wirst. Das Problem ist, dass du immer von solchen Leuten umgeben sein wirst und ich denke nicht, dass ich das aushalten könnte."

„Und was bedeutet das für unsere Zukunft?"

Alicia antwortete nicht, bis sie zum Zelt zurückgekehrt und hineingegangen waren. Olivers Eltern waren noch nicht zurück, also hatten sie noch ein paar Minuten zum Reden. Sie wollte es fast nicht sagen, doch sie wusste, dass es sein musste. „Oliver, ich denke wirklich nicht, dass wir eine Zukunft haben."

Oliver seufzte, als wenn er das erwartet hätte. „Ich weiß. Ich bin zum selben Schluss gekommen, während du spazieren warst."

Alicia setzte sich auf Olivers Bett und winkte ihn neben sich. „Ich wünschte, es gäbe einen anderen Weg, aber ich will dir nicht im Weg sein."

„Und ich will nicht, dass du so was wieder durchmachen musst. Ich denke, wir sollten es nicht herausfordern."

Alicia nickte. Es machte Sinn, aber das bedeutete nicht, dass sie es mögen musste. Sie war wirklich gerne mit Oliver zusammen, aber wenn sie keine Zukunft hatten, dann war sie willens, sich der Realität zu stellen. „Es scheint mir trotzdem wie eine Verschwendung."

„Jah, es ist schade." Er legte seinen Arm um sie und küsste ihren Scheitel. „Aber ich werde immer für dich da sein."

„Ich weiß, deshalb wirst du auch nie ein blöder Trottel, so wie Damien."

Olivers Eltern kamen herein und damit war die Unterhaltung beendet. Es war nicht viel später in der Nacht, da verstand Alicia erst richtig, was sie getan hatten. Kein kleines Geheimnis mehr. Kein Anlügen ihrer Freunde mehr. Und auch kein Oliver knutschen mehr.

Das war definitiv ein Nachteil.

Sie lag wach und fragte sich, ob sie nicht doch das Falsche getan hatte. Das bedeutete, dass sie wach war, als der Aufruhr begann. Alicia ergriff als Erste impulsartig ihren Zauberstab, sprang aus dem Bett und rannte vors Zelt. Ein verschlafener und zerzauster Oliver stand schnell neben ihr, eine Jacke anziehend, als er rausstolperte. Seine Eltern kamen einen Moment später.

„Was ist los?", fragte Olivers Mutter besorgt, als sie den Arm ihres Mannes umklammerte.

„Oliver und ich werden losgehen und nachsehen", sagte Olivers Vater sofort.

„Nicht ohne mich", beharrte Alicia.

„Ich werde meine Jungs nicht alleine losgehen lassen."

Also gingen alle vier los, um herauszufinden, was der Aufruhr zu bedeuten hatte. Alicia erwartete nur etwas Unwichtiges, wie ein paar betrunkene Irland-Fans, die aus Versehen ein Zelt angezündet hatten. Sie hatte definitiv keine Todesser erwartet, die eine Muggelfamilie folterten.

Die grausame Prozession ging direkt an ihnen vorbei und Alicia zitterte vor mühsam unterdrückter Wut. Sie hatte in ihrem Leben schon eine Menge widerwärtiger Dinge gesehen, doch eine Gruppe maskierter Selbstjustiz Übender, die unschuldige Muggel demütigten und in Angst und Schrecken versetzten, war das Verachtenswerteste, das sie je gesehen hatte.

Oliver und seine Eltern waren ebenfalls in Rage, doch für Alicia war es persönlicher. Sie konnte fast ihren eigenen Vater mit den anderen hilflosen Muggeln über den Köpfen der Todesser schweben sehen. Sie tat einen törichten Schritt vorwärts, als wenn sie erwartete, alleine all diese Todesser stoppen zu können. Ihr Torheit blieb nicht unbemerkt und ein Todesser hielt inne und starrte sie an.

Es war schlimmer, als einem Dementor gegenüber zu stehen. Alicias Knie zitterten und der Todesser starrte sie aus den Tiefen seiner Kapuze an. Sie hatte den unsinnigen Eindruck, dass er ihr Muggelblut riechen würde. Vielleicht konnte er es, sie wusste es nicht.

„Leesh!", brüllte Oliver und riss sie brutal zurück. „Willst du sterben, oder was? Du von allen hier solltest doch gerade nicht versuchen, dich ihnen in den Weg zu stellen."

„Wir müssen etwas tun!"

„Alicia?", brüllte jemand hinter ihr.

Sie erstarrte. Kannte der Todesser ihren Namen? Vielleicht konnten sie auch Gedankenlesen. Doch die Stimme kam ihr vage bekannt vor.

Sie wirbelte herum. „Charlie?"

„Was machst du denn hier!?", bellte er. Bill war hinter ihm und versuchte, dem Ministerium zu helfen, die Kontrolle über die Situation zu bekommen. „Du solltest definitiv nicht hier in der Nähe sein. Lauf zum Wald. Fred und George bringen die anderen dahin. Geh!"

Oliver zog seine Jacke aus und warf sie ihr zu. „Er hat Recht. Ich bleibe und helfe. Geh schon!"

„Aber-"

„Kein Aber!", sagten Charlie und Oliver gleichzeitig.

Alicia gab es auf und drehte sich um, um der Mehrheit der Menge auf ihrer Flucht in den Wald zu folgen. Wenn sie George fand, dann würde alles gut werden. Sie mochte den Gedanken, alleine durch den Wald zu rennen, nicht besonders.

Sie war gerade fünfzig Meter in den Wald gelaufen, als sie über irgendeinen Auswuchs stolperte und hinfiel. Der Auswuchs stellte sich als jemandes Bein heraus.

„Alles in Ordnung?", fragte Alicia verzweifelt, als sie zu der wimmernden Person zurückkrabbelte. Sie ließ ihren Zauberstab aufleuchten und richtete das Licht auf die Person. Sie wusste nicht, wen sie erwartet hatte, aber sicher nicht...

„Damien?", keuchte sie und sprang auf.

Er sah flehentlich zu ihr auf. „Sind sie weg? Ist es schon sicher?"

Alicia hatte gerade das Zweitekelhafteste ihres Lebens gesehen. „Sie sind einfach unglaublich! Oliver ist da draußen und riskiert sein Leben, während der große Puddlemere-Hüter in der Dunkelheit kauert. Er ist eintausendmal besser, als du es je sein wirst!"

Er versuchte, ihr Bein zu ergreifen, doch sie trat seine Hand weg und lief tiefer in den Wald hinein. Es war nur eine Minute später, dann traf sie auf eine kleine Gruppe Kinder, die weinend auf einer Lichtung standen. Keines der Kinder war älter als zehn und Alicia hatte Schwierigkeiten, sie zu beruhigen.

„Mummy hat uns gesagt, dass wir wegrennen sollen, aber wir haben uns verlaufen!", schluchzte ein Junge.

„Schon gut. Das Ministerium hat alles unter Kontrolle. Folgt mir."

Alicia führte die fünf Kinder tiefer in den Wald hinein. Sie dachte, dass sie auf dem richtigen Weg waren, doch dann wurden die Bäume plötzlich von einem grünen Licht erleuchtet. Sie stoppte abrupt und sah auf. Sie und die Kinder quietschten. Natürlich kannten die Kinder die Bedeutung des Dunklen Mals nicht, doch der Anblick einer Schlange, die aus einem Totenschädel kommt, war genug, um jeden zu erschrecken.

„Falsche Richtung", sagte Alicia leise. Sie sah sich um. Unruhe stiftende Todesser hinter ihnen und das Dunkle Mal vor ihnen. „Wir gehen nach links."

Die Kinder brauchten ein wenig Ermunterung, bevor sie wieder losrannten, doch sie merkten schnell, dass sie nicht am selben Platz bleiben konnte. Als sie schließlich nicht mehr rennen konnte, brach Alicia zwischen den aus dem Boden hervorlugenden Wurzeln eines großen Baumes zusammen. Sie hockte sich dort mit den schluchzenden Kindern hin und es kam ihr wie eine Ewigkeit vor, doch es waren nur fünfzehn Minuten.

Das Dunkle Mal glitzerte noch immer am Himmel, doch es war leise geworden. „Alles klar, ich denke, es ist jetzt sicher am Zeltplatz", sagte Alicia zu den Kindern. Sie sahen mit großen Augen zu ihr auf. Sie würden wohl nicht protestieren. Sie hievte eines der kleinsten Kinder auf ihren Rücken und hob ein anderes in ihre Arme.

Sie marschierte los und kam aus dem Wald, um zu sehen, dass die Todesser weg waren und Leute herumrannten und ihre Freunde und Familie suchten. Sie war auf dem Weg zu Olivers Zelt, als sie ihn auf sich zurennen sah. Er sah erschüttert, aber glücklicherweise unverletzt aus.

„Man, du warst ja fleißig", kommentierte er, als er auf ihre neuen Freunde sah.

„Keine blöden Kommentare", seufzte sie, ziemlich verärgert und einfach nur reif fürs Bett. „Hilf mir einfach, sie zurück zu ihren Eltern zu kriegen."


Nach dem Fiasko bei der Weltmeisterschaft, weigerte sich Alicias Vater, sie aus dem Haus zu lassen. Sie verstand, dass er sich nur sorgen um sie machte, aber sie war nicht gerne zuhause eingesperrt. Besonders, weil es ihr viel Zeit gab, über ihre beendete Beziehung nachzudenken. Je mehr sie darüber nachdachte, desto mehr dachte sie, dass es vielleicht doch keine so gute Idee gewesen war, sie zu beenden. Sie war erst ein paar Tage von Oliver weg und vermisste ihn schon.

Sie musste wirklich mit jemandem reden.

„Dad, ich gehe zu den Weasleys."

„Ich habe dir gesagt, wie-"

„Ja, ich weiß, wie du dich fühlst, aber ich bezweifle ernsthaft, dass im Fuchsbau irgendwelche Todesser sind."

Nachdem sie erfolgreich die Ängste ihres Vaters zerstreut hatte, benutzte sie ein wenig Flohpulver, um zum Fuchsbau zu kommen. Ginny und Hermine spielten gerade Koboldstein, als sie aus dem rußigen Kamin trat.

„Hi, Alicia."

„Hi, Mädels. Ist George in der Nähe?"

„Er ist oben in seinem Zimmer", antwortete Ginny und tauschte einen verstohlenen Blick mit Hermine.

Alicia blinzelte ein paar lästige Tränen weg und raste die Treppen hoch. Sie blieb vor der Tür zum Zimmer der Zwillinge stehen und klopfte. Sie wartete für eine Sekunde, weil von drinnen plötzlich Lärm ertönte. An diesem Punkt rannen ihre Tränen schon ungehindert. Sie öffnete die Tür und sah, wie Fred etwas hinter seinem Rücken versteckte, während George gerade etwas unter seinem Bett versteckte.

„Entspann dich, es ist nur Alicia", sagte Fred, eine handvoll grell verpackter Süßigkeiten hinter seinem Rücken hervorbringend.

George schlug sich seinen Kopf an, als er hastig unter dem Bett hervor kam. „Alicia?"

Die beiden bemerkten ihre Tränen. George sah besorgt aus, Fred nur verwirrt. „Was ist los?"

„Es ist vorbei", sagte sie einfach.

„Was ist?", wollte George wissen.

Alicia warf einen Blick auf Fred. „Das kleine Geheimnis."

„Oh", sagte George.

„Das was?", rief Fred. Er mochte es nicht, ausgeschlossen zu sein.

„Ich fühle mich schrecklich."

„Es wird schon wieder", versicherte George ihr. Sie lächelte ihm schwach zu und warf sich in seine Arme.

„Es ist einfach vorbei. Einfach so", murmelte sie in seine Schulter.

„Oh, das ist... schrecklich", sagte George mit so viel Aufrichtigkeit, wie er aufbringen konnte, was nicht allzu viel war.

Fred stampfte mit dem Fuß auf und fragte laut: „Was ist schrecklich?"


Ü/N: Meine Güte, was für ein langes Kapitel. Ich habe eine halbe Ewigkeit gebraucht, um das zu übersetzen... Na ja. Im nächsten Kapitel geht es übrigens um Erica, Alicias ältere Schwester, und Charlie. Seid gespannt!