Kapitel 38

Kapitel 38

Ein Stückchen Seele

Zehsara rollte mit den Augen. "Irgendwann, Dumbi, irgendwann wirst du damit aufhören oder ich muss dich doch noch beißen", sagte sie amüsiert. Albus grinste breit und umarmte Zehsara, sie erwiderte die Umarmung und sagte: "Mit dir hätte ich hier nicht gerechnet". "Das sagst du jedes Mal, Zähnchen", gab Albus zurück.

"Dumbi? Zähnchen?", fragte Harry. "Irgendwie beschleicht mich der leise Verdacht, dass die sich kennen", meinte James trocken. "Wie kommst du denn darauf?", fragte Sirius und setzte dabei einen überzeugend dämlichen Gesichtsausdruck auf. „Keine Ahnung, war eine Eingebung", entgegnete James und ahmte den Gesichtsausdruck seines Freundes vortrefflich nach. „Zehn Punkte für Hufflepuff!", tönte da Sevs Stimme hinter ihnen und er wurde im nächsten Augenblick von den beiden Rumtreibern mit Todesblicken beschossen. Sev störte sich nicht im Geringsten daran und wandte seine Aufmerksamkeit Albus und Zehsara zu, die sich bemerkbar machten, weil sie etwas sagen wollten.

„Meine Freunde, darf ich euch Fürstin Zehsara vorstellen? Sie ist das Oberhaupt der Vampire, eine treue Verbündete und nicht zuletzt eine gute Freundin. Zwar hörte ich, dass Voldemort sie getötet hätte, aber offensichtlich hat er den Job nur halb erledigt, wie ich zu meiner großen Freude feststellen muss". „Das stimmt, um mich endgültig zu töten, hätte er meine Asche in die Winde verstreuen müssen. Aber er wollte mich benutzen, um meine Tochter auf seine Seite zu ziehen. Danach wäre ich entbehrlich gewesen und er hätte mich endgültig beseitigt. Allerdings hat er nicht mit Lufias Sturheit gerechnet, sie hätte sich ihm niemals angeschlossen. Sie wusste, dass mein Leben in ihrer Hand lag, und sie war bereit, es zu opfern".

Man warf ihr mitleidige und Lufia bewundernde Blicke zu, was den beiden nicht besonders gefiel. Deshalb fuhr Zehsara schnell fort: „Ich bin durch Verrat in Voldemorts Hände gefallen, den Verrat meines Mannes, Lufias Vater. Voldemort wollte, dass ich ihm die Vampire als Gefolgsleute zuführe. Da hat er auf Granit gebissen, nie würde ich mit diesem Monster zusammenarbeiten. Also hat er alles daran gesetzt, mich in seine Hände zu bekommen, er dachte, wenn er mich aushungert, werde ich irgendwann nachgeben. Als er bemerkte, dass er sein Ziel so nicht erreichen würde, begann er, sich auf Lufia zu konzentrieren. Er wollte sie in die Hände bekommen, um die Eine mit dem Leben der Anderen zu erpressen, aber er wusste nicht, wo sie sich befand. Ich habe dieses Wissen aus dem Gedächtnis von Elias gelöscht und auch sonst wusste niemand, dass Lufia Dark Castle besuchte. Wie ich nun hörte, wurde die Schule von den Todessern angegriffen und zerstört. Ich weiß nicht, warum sie das getan haben, aber sie werden dafür bezahlen".

Sie machte einen Moment Pause und schaute Harry intensiv in die Augen. Dann erhob sie sich, schritt zu Harry und reichte ihm die Hand. Sie sagte mit feierlicher Stimme: „Ich, Zehsara, Fürstin der Vampire, biete dir, Harry James Potter, Anführer des Ordens des Phönix, eine Allianz an". Nach einigen Sekunden, in denen Harry sie leicht verwirrt angestarrt hatte, kicherte sie: „Du siehst gerade genau wie Albus aus, als ich ihm 1940 eine Allianz gegen Grindelwald vorgeschlagen habe. Was ist, schlägst du ein?". Harry überlegte nicht lange, er ergriff Zehsaras Hand und drückte kräftig zu, um gleich darauf leicht gequält aufzustöhnen. „Meine Güte, hast du einen Griff!", maulte er und schüttelte seine Hand aus. „Gewöhne dich daran, Vampire sind nun mal keine Feinmotoriker", gluckste Albus und grinste Zehsara frech an, um im nächsten Moment leicht rot anzulaufen, denn die Vampirin sagte: „Oh doch, das sind wir gelegentlich schon. Das dürftest gerade du doch genau wissen, Albus".

Die Blicke aller saugten sich an dem Schulleiter fest, was seiner Gesichtsfarbe nicht gerade zuträglich war. Zehsara setzte genüsslich nach: „Wir mussten ja unsere Allianz besiegeln und das haben wir ausgiebig getan". Sirius und James lachten brüllend, aber verstummten plötzlich und schauten sich an. Dann wandten sie sich Albus zu: „Harry? Anführer?", stießen sie gleichzeitig hervor. „Ich glaube, da habt ihr uns nicht alles erzählt", sagte Lily und schaute zwischen Albus und Harry mit einem forschenden Blick hin und her.

Zu Harrys Erleichterung nahmen seine Eltern, Sirius, Jenny, Moony und Hestia die Sache recht locker auf. Zwar ließen James und Sirius es sich nicht nehmen, ihn mit „Häuptling" anzusprechen, aber es hätte schlimmer kommen können, so gut kannte er seinen Vater und seinen Paten. Die Anderen hatten nur etwas verwundert die Köpfe geschüttelt und damit hatte sich die Sache für sie erledigt, offenbar wunderten sie sich über gar nichts mehr.

Einige Zeit später setzte ein allgemeines Gähnen ein und man beschloss, ins Bett zu gehen. Natürlich schliefen Harry und Tonks nicht sofort und zwei Stunden später war Harrys letzter Gedanke, dass er nicht vor Mittag aufstehen würde.

Aber seinen dringend benötigten Schlaf bekam er nicht. Eine Stunde, nachdem er eingeschlafen war, wurde er geweckt. „Harry, wach auf", hörte er eine Frauenstimme sagen. Er öffnete mühevoll die Augen und sah Zehsara vor seinem Bett stehen. Er stellte fest, dass Tonks noch schlief und legte einen Finger auf seine Lippen. „Leise, sonst wacht sie auf", flüsterte er. „Sie wird nicht erwachen", sagte Zehsara, die sich nicht die Mühe machte, leise zu sprechen. „Ich habe einen Bann über das Haus gelegt, niemand wird erwachen, Harry". „Warum hast du das getan?", fragte Harry. „Weil ich dich um Hilfe bitten möchte. Ich will zu Elias und mir das holen, was ich ihm einst geschenkt habe". „Dein Seelenstück?", fragte er. Zehsara nickte und erklärte dann: „Seit einiger Zeit verfügen die Mitglieder von Voldemorts Führungsstab über Leibwächter, gegen die ich nicht viel ausrichten kann. Es sind Inferi, die bekämpft man am besten mit Feuer und das ist ja wohl deine Spezialität. Begleitest du mich?".

Harry dachte einen Moment nach, dann antwortete er: „Wenn du mir sagst, wie ich Tonks morgen davon abhalte, mich zu töten, bin ich dabei". „Ich glaube nicht, dass sie dich tötet, vielleicht foltert sie dich ein wenig, aber da musst du durch", gluckste sie. „Danke, sehr beruhigend", gab Harry zurück. „Wenn du dich dann bitte umdrehen würdest", fügte er hinzu. Zehsara grinste ihn an und sagte: „Eigentlich habe ich ja einen Blick gut, du hast mich ja schließlich auch nackt gesehen. Aber wenn du darauf bestehst...". Sie wandte sich um, Harry schlüpfte unter der Decke hervor und zog sich an. Ganz automatisch verwandelte er sich in Nightmare, was Zehsara amüsiert zur Kenntnis nahm. „Du hättest ruhig Harry bleiben können, ich glaube nicht, dass wir jemanden zurücklassen, der noch reden kann", sagte sie und ihre Augen wurden hart. Dann reicht sie ihm die Hand und als er sie ergriffen hatte, apparierte sie.

Sie tauchten in einem dunklen Raum auf, es war Zehsaras Zimmer im Haus der Notts, wie sie Harry zuraunte. „Komm", sagte sie und zog ihn zur Tür, sie öffnete sie leise und die beiden traten heraus.

„Riechst du das?", flüsterte Zehsara in Harrys Ohr. „Ja, ekelhaft", raunte er zurück. „Eau de Inferi", erklärte Zehsara. Dann begann sie, eine Beschwörung zu murmeln, Harry spürte, wie etwas von ihr ausging, es fühlte sich wie bei Albus an, wenn er seine Magie abstrahlte, um jemanden (vorzugsweise Fudge) einzuschüchtern. Bevor er fragen konnte, was sie da gemacht hatte, erklärte sie: „Ich habe einen Schild über das Haus gelegt, man kann nun weder apparieren noch Portschlüssel benutzen, auch flohen geht nicht mehr. Das heißt, auf dem Rückweg musst du mich mitnehmen, ich möchte den Schild stehen lassen, bis dieses Haus auf die Grundmauern niedergebrannt ist". Bevor Harry antworten konnte, taumelte eine Gestalt aus einem Zimmer vor ihnen heraus. Harry musste würgen, denn der Verwesungsgeruch, der plötzlich erheblich anstieg und der Anblick dieser halb verwesten Frau, die sich röchelnd auf sie zu bewegte, drehte ihm fast den Magen um.

„Los, verbrenn sie!", rief Zehsara, die vor der Gestalt zurückwich und sich vor Abscheu schüttelte. Harry folgte dieser Aufforderung auf der Stelle, im Zurückweichen schoss er einen Flammenstrahl, so heiß er ihn erzeugen konnte, auf den weiblichen Inferius. Das war ein Fehler, denn der Inferius explodierte förmlich und Harry und Zehsara waren plötzlich mit stinkenden, grün verfärbten Gedärmen verziert. „Das nächste Mal sollten wir etwas mehr Abstand halten", sagte Zehsara trocken und belegte Harry und sich selbst mit starken Reinigungszaubern. „Okay, gespeichert", antwortete Harry. „Jetzt haben wir natürlich wegen diesem Ekelding den Vorteil verloren, unbemerkt zu sein", sagte Zehsara und wurde im nächsten Moment von Harry zu Boden gerissen, denn ein Todesfluch raste auf sie zu und hätte sie mitten in der Brust getroffen. „Elias!", knurrte sie, als der verhinderte Todesschütze blitzschnell in Richtung Treppe verschwand.

Zehsara sprang auf und wollte ihm nacheilen, aber Harry ergriff ihren Arm und teleportierte ins Erdgeschoss. Sie waren im Salon gelandet, ein ungefähr 15 mal 15 Meter großer Raum, vollgestopft mit antiken Möbeln. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis ein schwarzhaariger Mann in den Raum stürmte und die Tür hinter sich zu warf. Er versiegelte die Tür mit einem „Colloportus" und beging damit den letzten Fehler seines Lebens. Er verschnaufte einige Sekunden, dann wandte er sich um und wollte zum Kamin rennen. Aber dazu kam er nicht mehr, denn vor ihm stand seine Frau – die Frau, die er verraten und an seinen Meister verkauft hatte. Er richtete seinen Zauberstab auf sie, aber sie war schneller. Sie schlug zu und tat das mit einer solchen Kraft, dass sämtliche Knochen seiner Hand zersplittert wurden. Im nächsten Moment griff sie ihn mit einer Hand am Kragen, mit der anderen krallte sie sich in seine Haare und riss seinen Kopf nach hinten.

Was nun folgte, war nicht ganz das, was Harry sich vorgestellt hatte. Er hatte damit gerechnet, dass sie in seine Halsschlagader biss und sein Blut aussaugte, aber sie ging etwas radikaler vor. Sie zerfetzte seine Kehle regelrecht, das Blut spritzte durch den ganzen Raum und nach einigen Sekunden konnte Harry sehen, wie Elias Augen brachen. Zehsara sah aus, als hätte sie in Blut gebadet. Sie ließ den toten Körper ihres Mannes einfach zu Boden fallen und rülpste. Harry schwankte zwischen Entsetzen und Belustigung, wobei die Belustigung überwog, als er Zehsaras etwas verschämt wirkendes Gesicht sah. „Verzeihung", sagte sie leise und bevor Harry etwas sagen konnte, wurde die Tür aus den Angeln gerissen.

Es waren ungefähr 10 Inferi, die in den Raum taumelten. Diesmal war der Gestank wesentlich schlimmer, kein Wunder angesichts dieser Masse. Zehsara wich zurück und begann, die Inferi mit Stoßflüchen zurück zu schleudern, während Harry sie mit diesmal besser dosiertem Phönixfeuer röstete. „Raus hier!", rief Zehsara, denn die brennenden Inferi setzten die Möbel in Brand. Harry griff ihren Arm und teleportierte vor das Haus. „Brenn es nieder!", forderte Zehsara und Harry begann, das Haus an mehreren Stellen anzuzünden. „Warte!", rief Zehsara plötzlich panisch und zeigte auf ein Fenster im zweiten Stock. „Oh Shit, da ist einer drin!" rief Harry und teleportierte in das Zimmer. Es war unbeschreiblich heiß und es war Harry unmöglich zu atmen. Er sprang auf die Person am Fenster zu und griff nach deren Arm. Gerade, als er nach draußen teleportieren wollte, brach der Fußboden unter ihnen ein und sie stürzten in eine Flammenhölle.

Harry teleportierte in totaler Panik, ohne sich auf ein Ziel zu konzentrieren, nur raus wollte er. Sein Unterbewusstsein sorgte dafür, dass er zu seinem Ausgangspunkt zurückkehrte, aber dummerweise kam er in 3 Meter Höhe an. Der Aufprall raubte ihm kurz das Bewusstsein, aber er kam gleich wieder zu sich und hörte Zehsara verblüfft sagen: „Das ist ja Blaise Zabini. Wie kommt der denn hierher?". „Blaise?", fragte er verblüfft und rappelte sich auf, seine schmerzenden Knochen ignorierend. Sie hatte Recht, neben ihm hustete sich Blaise Zabini die Lunge aus dem Leib. „Komm, wir bringen ihn ins Haus, Poppy sollte sich um ihn kümmern", sagte er, griff nach den Armen von Blaise und Zehsara und teleportierte in dem Moment, als die brennenden Überreste des Hauses in sich zusammen stürzten.

Im Haus angekommen, hob Zehsara sofort den Bann auf, den sie über die Hausbewohner gelegt hatte. Harry humpelte zu Poppys Zimmer und klopfte laut. Als sie fragt, was denn los sei, bat er sie, so schnell wie möglich nach unten zu kommen, um einen Verletzten zu versorgen.

Sie war schnell, das musste man ihr lassen. Noch bevor Harry die Treppe wieder herunter gehumpelt war, stürmte sie an ihm vorbei. Bevor er die Eingangshalle, in der sie gelandet waren, erreicht hatte, hörte er sie schon Analyse-Zauber sprechen. Blaise waren offenbar die Lichter ausgegangen, denn er hustete nicht mehr, sondern lag ruhig auf dem Boden. „Bringt ihn in ein Zimmer und legt ihn ins Bett, ich brauche einige Tränke, er hat eine schwere Rauchvergiftung und es hätte nicht mehr lange gedauert, dann wäre er erstickt", ordnete Poppy an und wuselte zur Treppe. Harry ging instinktiv in die Knie und hob Blaise hoch, wie Lufia schien er gewichtslos zu sein. „Wieso wiegt er nichts?", fragte er verblüfft, während er zur Treppe marschierte. „Harry, vielleicht solltest du dir die Eigenschaften der Phönixe ins Gedächtnis rufen", schlug Zehsara lächelnd vor.

Hätte Harry seine Arme nicht gebraucht, um Blaise zu tragen, hätte er sich vor den Kopf gehauen. Natürlich, Phönixe konnten sehr schwere Lasten tragen! „Potter, wo hast du deinen Kopf?", dachte er mit einem leichten Grinsen. „Na, wo schon", dachte er weiter, als sich die Tür seines Zimmers öffnete und Tonks ihn liebevoll anschaute.

Während er Blaise in das für ihn vorgesehene Zimmer trug, erklärte er seiner Geliebten die Situation und stellte erleichtert fest, dass sie es relativ locker aufnahm. „Das nächste Mal nimmst du mich mit, klar?", war ihre einzige Reaktion und als er es ihr versprach, bekam er einen Kuss, der dafür sorgte, dass er Blaise am liebsten fallen gelassen hätte, um sich mit Tonks in ihr Zimmer zurückzuziehen.

Blaise war schnell versorgt, dann fragte Poppy in die mittlerweile beachtlich große Runde, ob sich jemand dazu bereit erklären würde, die Nacht an Blaises Krankenbett zu wachen, um ihm notfalls den ein oder anderen Heiltrank zu geben. Zehsara, Harry und Tonks mussten sich das Lachen verkneifen, als Lufia sich sofort meldete, ihr Interesse an Blaise war den Dreien nicht entgangen. Dann ging man wieder zu Bett und nun merkte Harry, dass er äußerst müde war, denn kaum berührte sein Kopf das Kissen, da schlief er schon ein. Er bemerkte nicht einmal, dass Tonks ihn in die Arme nahm und sich eng an ihn kuschelte.