Ich erfuhr viel über Legolas, als ich neben ihm lag und seinen Worten lauschte. Er war annähernd so alt wie die Söhne Elronds. Das Schicksal seiner Mutter, seiner Schwester und seines Großvaters kannte ich bereits, doch er erzählte auch von seinem Vater, dem letzten Mitglied seiner elbischen Familie. Als ich ihn auf das ‚elbisch' ansprach, meinte er schlicht, dass ich seine Partnerin sei, auch wenn wir noch keinen Bund eingegangen seien.

Thranduil war seinen Erzählungen nach ein stolzer und strenger König, der jedoch sehr auf die Sicherheit seines Volkes bedacht war. Es war für die Elben des Waldlandreiches verboten den Wald oder besser den geschützten Bereich des Waldes zu verlassen, zu viele Gefahren lauerten dort. Wenn sich doch einmal jemand weiter wagte, so tat er dies auf eigene Gefahr und es war bereits zu Verlusten gekommen.

Er erzählte mir von der Schlacht der fünf Heere, die ich bisher nur aus der zwergischen Perspektive kannte, und erfuhr, dass sein Vater sich zunächst mit den Bewohnern Seestadts zusammen geschlossen hatte, aber mit dem Angriff der Orkheere auch mit den Zwergen gekämpft hätte. An jenem Tag hatte es große Verluste gegeben und noch einige Monate danach waren Trauergesänge in den Hallen Thranduils zu hören gewesen.

Legolas erzählte mir auch, wie er sich als Kind durch die Gänge geschlichen hatte, um Honigtropfen, wohl sowas wie Bonbons, zu klauen oder vor seinen Lehrern zu flüchten. Er erzählte mir von seinen Reitstunden, seinem ersten Pferd und wie er zum ersten Mal seinen Bogen zerbrach. Ich weiß nicht, wie lange wir dort lagen und ich seinem Leben lauschte. Er war alt, das war mir klar, und hatte bereits vieles erlebt. Schließlich lagen wir still neben einander, ich auf seiner Brust und er mit einem Arm um meine Hüfte gelegt.

„Nun weißt du, was ich bereits alles erlebt habe.", murmelt er in meine Haare.

„Eine Frage hätte ich aber noch: Was bedeutet ‚Ithilgalad'?", fragte ich ihn und blickt ihn erwartungsfreudig an.

„Es bedeutet ‚Mondlicht' in meiner Sprache."

„Gandalfs Botschaft. Ich war damit gemeint?", erkannte ich verwundert.

„Ja, er wusste bereits damals, was wir für einander empfinden und gab mir diesen Rat. Ich verstand seine Worte erst bei Isengard, als Wolken den Mond verhingen und es auch für mich recht dunkel war. Mein Mondlicht hat gefehlt.", murmelte er gedanklich in dieser Nacht. Mit seinen Fingern malte er Muster auf meine Hüfte und ein wohliges Gefühl begann in mir hochzusteigen.

„Alles besiegt die Liebe, und wir geben uns ihr besiegt hin.", dachte ich laut.

„Ein schöner Gedanke.", stimmte mir mein Elb zu.

„Zugegeben, er ist nicht von mir, sondern von einem 2000 Jahre alten Dichter.", gab ich zu und kuschelte mich wieder an ihn. Statt einer Antwort drehte Legolas meinen Kopf zu sich und sah mich mit seinen unglaublichen Augen an. Ich meinte unter seinem Blick zu schmelzen wie das Eis im Sommer, da senkten sich seine Lippen auf die Meinen und ich begann förmlich zu glühen. Wieder war der Kuss anders. Diesmal war er leidenschaftlich und wurde von Sekunde zu Sekunde drängender. Ich wusste nicht wieso, aber die Leidenschaft in uns beiden wuchs fast stündlich an. Vielleicht lag es an dem Krieg oder einfach daran, dass wir unsere Gefühle nicht zeigen konnten.

Legolas drehte mich auf den Rücken und stützte sich nun mit einem Arm über mich, während er mich mit der andern Hand an sich zog. Ich zog mich ebenfalls an ihn heran; wir küssten uns noch immer, auch wenn es nun mehr in Knutschen über ging. Schwer atmend lagen wir nun endgültig auf einander in wilde Küsse vertieft, während wir einander umschlangen. Ich nahm nichts mehr außer ihm war: Seinen Atem, seine Küsse, seinen Geruch, seine Hände an meinem Rücken und meinem Haar. Ich rang nach Luft und er murmelte etwas in seiner Sprache, dann trafen unsere Lippen erneut aufeinander.

„Wo sind die beiden denn nur? Wir werden bald aufbrechen.", ertönte unter uns die durchdringende Stimme Gimlis. Legolas und ich lösten uns von einander und Legolas half mir auf die Füße.

„Die beiden werden schon rechtzeitig kommen.", beruhigte Aragorn Gimli. Wir kletterten die Leiter wieder hinunter und standen innerhalb weniger Sekunden vor dem Stalleingang. Etwa 10 Meter entfernt standen die Elbenbrüder mit zwei grauen Pferden und Unmengen an Kriegern, alle beritten, machten sich auf in Richtung Stadttor.

„Da seid ihr ja.", dröhnte Gimli vom Stallinneren und trat mit Aragorn zu uns. Auch Merry näherte sich. Er sah nicht gut aus, wahrscheinlich machte er sich Sorgen um Pippin.

„Kommt, wir reiten sobald alle Krieger bereit sind los. Je schneller desto besser. Ach und Lucy? Du hast da einen Strohhalm im Haar.", erklärte Aragorn bereits im Weggehen und mir schoss die Schamesröte ins Gesicht. Verlegen fasste ich an meinen Kopf und zog einen nicht gerade kleinen Halm heraus.

„Ich geh mal zu Lasagne.", murmelte ich immer noch rot und verschwand in Richtung Pferdeboxen.

Glücklicherweise half mir ein Stallbursche das Pferd, ob Stute oder Hengst wusste ich nicht, bereit zu machen. Das Bürsten und Satteln ging schnell und so saß ich nur zehn Minuten später auf dem Vierbeiner und versuchte einen bequemen Sitz zu finden. Das Pferd und ich kannten uns noch nicht gut und musste ich erst herausfinden, wie ich es die Stadt hinaus zum Sammelplatz lenken konnte. Ich hatte so wie alle kleinen Mädchen früher Reitstunden gehabt, doch war das über ein Jahrzehnt her. Letztendlich schafften das Pferd und ich es aber doch und ich gesellte mich zu meinen Gefährten.

Gimli saß hinter Legolas auf Hashufel und Merry hatte ein kleines Pony, passend zu seiner Größe, bekommen. Aragorn war nirgendwo zu sehen, dafür aber Elladan und Elrohir sowie die Schar der Dúnedain. Merry erzählte, während wie warteten, dass der König ihn in den Dienst genommen hatte und er jetzt ein Reiter der Mark sei. Ich beglückwünschte ihn und bezeichnete es als große Ehre. Zusammen mit dem König kam Aragorn durch das Holztor und folgte ihm an die Spitze der Reiterschaft. Auch Éowyn ritt auf ihrem Pferd herbei, in praktischer Reisekleidung gewandet. Dann kam der Befehl, dass wir nun aufbrechen würden und tausende Pferde setzten sich mit ihren Reitern in Bewegung.

Wir ritten schnell. Mein Bogen schlug mir mit jedem Schritt Lasagnes gegen den Rücken und meine Oberschenkel und meine Hände schmerzten. Das Zaumzeug scheuerte und ich konnte die Blasen bereits erahnen. Ich befand mich irgendwo in der Reitermenge, aber Legolas blieb zusammen mit Gimli immer in meiner Nähe. Die ersten Stunden waren fürchterlich anstrengend und ich musste mich voll darauf konzentrieren nicht vom Pferd, welches in einem schnellen Galopp ritt, zu fallen.

Die Sonne zog über den Horizont. Als sie ihren Hochpunkt erreichte, hatten das Pferd und ich uns aneinander gewöhnt, und als sie sich der Erde entgegen neigte, fühlte ich mich bereits sicher im Sattel.

Mit ihren letzten Strahlen erreichten wir ein großes Zeltlager. Es waren Reiter der umliegenden Lehen, welche in den Krieg ziehen würden. Die meisten der Reiter sowie die Dúnedain bauten ihre Zelten bei ihren Schwertbrüdern auf, nur die höher Geborenen sowie unsere kleine Gruppe begab sich zu einigen bereits errichtetet Zelt auf einer Anhöhe nahe eines Berges. Erschöpft ließ ich mich von Lasagne gleiten. Wenn meine Beine und mein Rücken hätten sprechen können, so wären mir wohl die schlimmsten Flüche entgegen gerufen worden, die es gab. Mit verkrampften Beinen stakste ich in eine unbestimmte Richtung, bis man mir mein Pferd abnahm um es zu versorgen.

Wie ich letztendlich zu dem Lagerfeuer kam wusste ich nicht mehr, aber die Suppe, die man mir zu essen gab schmeckt recht gut. Nach der Stärkung begann ich auch wieder meine Umgebung deutlich wahrzunehmen, zu erschöpft war ich gewesen. Um mich herum saßen meine Gefährten, ausgenommen Aragorn, sowie die Elbenbrüder und auch Éowyn und ihr Bruder.

„Auch wieder ansprechbar?", scherzte einer der Brüder; ich konnte sie noch immer nicht an irgendeinem Merkmal unterscheiden.

„Ja, mir geht's besser, danke der Nachfrage.", antwortete ich leicht sarkastisch.

„Ihr geht es wirklich besser. Sie ist wieder-wie nanntest du es? -sadistisch.", brummelte Gimli mit einer Pfeife im Mund hervor.

„Sarkastisch", verbesserte ich, „und hör auf zu rauchen. Das ist nicht gut für die Lunge." Als Antwort erschall nur Lachen um mich herum.

„Was du nur immer gegen das Rauchen hast, Lucy. Es ist doch so schön.", meinte Merry.

„Das könnt daran liegen, dass ich weiß, was mit Rauchern sogar relativ häufig passiert. Ihr Hobbits seit sowieso die schlimmsten. Ihr mit euren Kräuter.", regte ich mich gespielt auf und schüttelte angewidert den Kopf.

Die Stimmung war gut und jeder erzählte ein zwei lustige Begebenheit. Wir lachten viel, doch schließlich beschloss ich mich zusammen mit Éowyn zurückzuziehen.

Auf Grund des Zeltmangels hatte man beschlossen, die beiden einzigen Frauen in eines zu stecken. Unsere Möglichkeiten der Hygiene waren beschränkt und so zog ich mir nur den Lederharnisch aus und schrubbte mit einen aufgekauten Zweig über meine Zähne. Schließlich lagen wir nebeneinander in Decken gehüllt und schwiegen uns an. Meine Sachen hatte ich in den Infinitus gelegt und ihn an meine Hose gebunden.

Nach einer Weile durchbrach die hohe Frau die Stille in unserem Zelt: „Dürfte ich Euch etwas fragen?" Ich wollte gerade antworten, als sie bereits fort fuhr. „Wie…ich meine, wieso haben Eure Gefährten zugestimmt, dass ihr mit in den Krieg ziehen dürft?" Die Frage beschäftigte sie also noch immer.

„Nun, sie haben verstanden, dass ich auch kämpfen möchte. Es ist mein Recht darüber zu bestimmen und die Elben und die Zwerge machen generell kein Aufheben darum. Nur die Menschenmänner sind der Meinung, über eine Frau zu bestimmen." Sie sagte nach meiner Erklärung nichts mehr und so war ich es, die die Stille erneut durchbrach. „Wenn ihr Kämpfen wollt, dann tut es. Niemand darf es euch verbieten. Ihr könnt selber über Euer Leben bestimmen. Ich würde nur vielleicht nicht zwingend um Erlaubnis fragen."

Nach einer weiteren Zeit der Stille meinte ich, dass wir nun besser schlafen sollten, denn der Tag würde früher kommen, als uns lieb sei.

Ich dämmerte schon weg als ich ganz leise aus Éowyns Richtung hörte: „Ich danke Euch."

Ich schlief unruhig. Immer wieder wachte ich kurz auf schlief aber fast sofort wieder ein, doch mein Schlaf war nicht tief und so erwachte ich bei jedem etwas lauteren Geräusch von neuem. Traum und Realität vermischte sich zu einem verstörenden Etwas. Legolas sagte, er liebe mich und im nächsten Moment ritt ein Mann in schwarzer Rüstung auf einem schwarzen Pferd vorbei und mein Elb wurde vor meinen Augen zu Asche.

Letztendlich trat ich gerädert in der Morgendämmerung aus dem Zelt hervor. Ich hatte meine Sachen bereits zusammengepackt und auch meinen eisernen Brustpanzer sowie die Schulterpolster angezogen. Wir würden nur noch selten eine Rast machen und versuchen bis Minas Tirith durchreiten, daher wollte ich vorbereitet sein und mich schon mal daran gewöhnen in voller Rüstung zu reiten. Den Helm würde ich erst anziehen, wenn wir losreiten würden.

Ich hatte gestern noch einen alten Apfel gefunden und wollte ihn nun Lasagne geben, in der Hoffnung, dass wir beide noch Freunde werden könnten. Anscheinend fruchtete mein Bestechungsversuch, denn das Pferd drückte mir seine Schnauze an die Wange, nachdem es den Apfel verzehrt hatte. Auffallend war jedoch, dass sowohl Aragorns aber auch Legolas Pferd fehlten. Bei genauerem Hinsehen waren auch die grauen Pferde Elladans und Elrohirs nicht mehr da. Misstrauisch geworden ging ich auf die Suche nach meinen Freunden.

„Lucy? Was ist los?", hörte ich die Stimme Merrys hinter mir.

„Wo sind die anderen? Ihre Pferde sind weg!", fragte ich. Meine Stimme klang eigenartig rau.

„Ich hab mich ein wenig umgehört und anscheinend sind unsere Gefährten mit den Dúnedain und den beiden Elben aufgebrochen, um einen anderen Weg zu nehmen."

Mehr von seinen Worten verstand ich nicht, denn seine Stimme wurde von einem Rauschen in meinen Ohren übertönt.