Kapitel 35: Die Teeparty
So schnell er konnte, deckte Spalding seinen kleinen Tisch mit seinem besten Porzellan ein. Er wollte dass alles perfekt ist, wenn Fiona an seinem Tisch Platz nehmen würde. Nie zuvor war Spalding so aufgeregt wie heute. Nie bekam er Besuch, abgesehen von Eleonora die mittlerweile schon ein Teil seiner kleinen Familie war. Aber heute….heute würde er einen ganz besonderen Gast empfangen.
Er platzierte seine Puppen und legte jede einzelne Rüsche so zurecht, dass alles perfekt war. Kritisch begutachtete er alles und atmete tief durch.
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Fiona lief neben Eleonora, als beide in Richtung Dachboden gingen. Fiona konnte kaum glauben, was sie hier gerade tat. Sie kam in die Akademie, als sie gerade einmal acht Jahre alt war. Das war nun insgesamt 66 Jahre her. Zwar war Fiona oft abwesend und auch 15 Jahre tot, aber dennoch war sie hier aufgewachsen und bis zum heutigen Tage, war sie nie auf dem Dachboden gewesen. Warum sollte sie das auch gewesen sein? Fiona hatte steht's eine Abneigung gegen verstaubte alte Kammern und noch mehr hatte sie eine Abneigung für Teepartys. Ganz zu schweigen von Puppen. Schon seit sie ein kleines Kind war, hatte Fiona Puppen gehasst. Ihre starren Gesichter und ihre glasigen toten Augen waren ihr zuwider.
Während beide die Stufen nach oben stiegen, beobachtete Fiona ihre Enkeltochter genau. Die Art wie sie zielstrebig nach oben ging, verwunderte Fiona.
„Sag mal Kleines, wie oft gehst du Spalding da oben besuchen?" Fiona rümpfte die Nase, als ihr der Geruch von Staub und stickiger Luft in die Nase stieg.
„Ziemlich oft! Spalding ist immer alleine und ich…naja, bevor du kamst, war ich es auch. Er war mein einziger Freund hier und er ist wirklich ein guter Kerl. Er hatte immer ein offenes Ohr für mich und er hat mir so viel über dich erzählt, dass ich glaubte dich zu kennen bevor du hierher zurückgekommen bist." Eleonora blieb oben vor der Tür stehen und drehte sich zu Fiona, mit bittenden Blick sah sie die ältere Frau an „Ich weiß das es skurril ist und ich persönlich habe auch keine Ambitionen für Teepartys mit unsichtbaren Tee aber Spalding macht es glücklich und er ist mein Freund. Bitte Fiona, versuche etwas Interesse zu heucheln. Ich weiß genau, dass es für ihn nicht größeres gibt, als dich an seinen Tisch zu haben."
Fiona seufzte und rollte mit den Augen, das war alles so lächerlich. Dennoch hatte Eleonora vielleicht Recht, Spalding war immer auf ihrer Seite gewesen und hatte sie nie verraten. Ganz im Gegenteil, um sie zu schützen hatte er sich zu Lebzeiten selbst verstümmelt.
„Ich versuche mein Bestes. Ich hoffe nur, dass ich meine Zeit nicht verschwende. Wir haben jetzt wirklich keine Zeit für Spielchen."
Eleonora lächelte und schüttelte dabei den Kopf „Sicher nicht. Wie ich vorhin schon sagte, Spalding würde dich nie mit unwichtigen Dingen behelligen."
Langsam öffnete Eleonora die Tür zum Dachboden und ging voraus, dicht gefolgt von Fiona.
„Spalding? Hey Spalding, wir sind da!" rief das Mädchen und schon wenige Sekunden später, öffnete sich eine Tür auf der anderen Seite des kleinen Korridors. In der Tür stand ein aufgeregter und breit grinsender Spalding.
Er konnte es kaum glauben, endlich nach all diesen Jahren hatte er wirklich Fiona Goode in seinem kleinen Reich zu Gast. Er war so aufgeregt wie ein Kind kurz vor Weihnachten und egal was er versuchte, er konnte nicht aufhören zu grinsen. Nervös spielte er mit seinen Händen und trat bei Seite.
„Meine Damen, darf ich Sie in mein bescheidenes Zuhause bitten?"
Eleonora lächelte Spalding an, nie zuvor sah sie den verrückten Kerl so aufgeregt.
„Entspann dich Spalding, wir kommen gern."
Als Eleonora auf Spalding zuging, hörte sie von Fiona einen leisen verächtlichen Seufzer.
Fiona war diese ganze Umgebung ein einziger Graus, es war staubig und schmutzig. Überall roch es vermodert und nach Dreck. Noch immer konnte sie kaum glauben, was sie hier tat. Mit missmutigen Gesichtsausdruck folgte sie ihrer Enkeltochter und ging an Spalding vorbei in sein ‚Reich'. Und wenn Fiona bisher dachte, sie hatte die Hölle gesehen, dann hatte sie sich getäuscht. Denn jetzt, genau in diesen Moment stand sie mittendrin. Fiona blickte sich schockiert um und blickte dabei in annährend hundert Puppengesichter. Hunderte glasige und tote Puppenaugen starrten sie an und sie hatte das Gefühl in einem Alptraum zu stecken. Spalding war nicht skurril, er war Geisteskrank! In der Mitte des Raumes, sah sie einen kleinen Kindertisch mit drei kleinen Stühlen die noch nicht besetzt waren. Auf den anderen, saßen hässliche altertümliche Puppen mit Porzellan-Gesichtern.
„Miss Fiona, ich kann Ihnen gar nicht sagen, was es für eine unglaubliche Freude ist, Sie hier zu haben." Nervös lief Spalding an den beiden Frauen vorbei und rückte die Stühle für sie zurecht „Soll ich Ihnen den Rest meiner Familie vorstellen?"
Fiona schluckte ihren Ekel herunter und nahm auf einen der viel zu kleinen Stühle Platz „Nein danke Spalding, das wird nicht nötig sein." Fiona hatte sich noch nie in ihrem Leben so lächerlich gefühlt. Sie betet inständig, dass niemals jemand davon erfahren würde. Die Oberste des Hexenzirkels auf einen Dachboden bei einer Teeparty mit Puppen.
Eleonora sah Spalding Enttäuschung und das Unbehagen von Fiona. Eigentlich war es ziemlich lustig, wenn man den Ernst der Lage außer Acht lassen würde „Vielleicht ein andermal Spalding, du weißt doch, dass wir in Eile sind."
„Oh ja, richtig. Der Tod der kleinen Zoe!" sagte Spalding und nahm gegenüber von Fiona Platz. Er lächelte wieder, als er seine Teekanne in die Hand nahm und Fiona als Erste einen Tee einschenkte und anschließend etwas nicht vorhandene Milch dazu goss „Ich habe nicht vergessen, wie Sie ihren Tee trinken." Verkündete er stolz und sah Fiona mit einen Blick aus Freude und Anbetung an. Wie sehr er diese Frau anbetete!
Fiona blickte in eine leere Tasse und wusste nicht ob sie weinen oder lachen sollte. Das war alles so lächerlich. Dennoch versuchte sie Eleonora zu liebe freundlich zu sein und auch Spalding hatte vielleicht wenigstens ein kleines Lächeln verdient. Sie zwang sich zu einen unaufrichtigen und gestellten Lächeln „Danke Spalding."
Und auch wenn Eleonora das falsche Lächeln auf dem Gesicht von Fiona sofort erkannte, schien es Spalding nicht zu bemerken oder es war ihm einfach egal. Egal was von beiden es war, es ließ ihn nur noch breiter Lächeln. Er war im Himmel.
„Spalding, wir haben leider nicht viel Zeit. Du hast es ja eben selbst gesagt, Zoe ist tot und man will uns die Sache anhängen. Du hast zu mir gesagt, dass du etwas weißt." Eleonora nahm ihre Tasse und trank ihren Imaginären Tee.
Spalding freute sich, dass Eleonora ihren Tee trank und schenkte gleich noch etwas nach. Dann fiel ihm auf, dass Fionas Tasse noch unberührt da stand und er blickte sie fragend an „Möchten Sie ihren Tee nicht trinken Miss Fiona?"
Für einen Moment schloss Fiona die Augen. Das war doch alles schwachsinnig, am liebsten hätte sie Spalding den Hals umgedreht für dieses Theater. Sie schüttelte nur den Kopf und sagte kurz und knapp „Der Tee ist zu heiß!" Niemals würde sie sich zum Gespött machen, indem sie vortäuschte einen Tee zu trinken, den es nicht gab „Spalding, ich weiß nicht ob dir das bewusst ist, aber jede Minute die wir hier sitzen, bringt uns einen Meter näher an den Scheiterhaufen heran. Also bitte….."
„Verzeihung, ich vergaß das die Damen in Eile sind." Sagte Spalding und blickte zwischen Fiona und Eleonora hin und her „Also, wie Sie ja wissen Miss Fiona, war ich immer ein Wächter dieses Zirkels und so habe ich meine Augen überall. Auch jetzt noch, 15 Jahre nach meinem tot. Ich weiß alles was hier passiert und ich weiß auch, wer Zoe zuerst verbrannt und dann zerhackt hat."
Mit einem Mal wurde Fiona hellhörig und sie sah zu Eleonora, die ebenso gespannt zu Spalding sah.
„Wer? Wer war es?" fragte Fiona streng und konnte es kaum erwarten, den wahren Täter vorzuführen wie einen Zirkusaffen.
Ein geheimnisvolles Lächeln um spiegelte Spaldings Lippen und er sprach weiter „Ich weiß wer es war und warum! Die Person, die Zoe umgebracht hat ist in der Tat eine Hexe dieses Zirkels. Es war diese kleine Schlampe Tamara. Sie hat Zoe umgebracht, ich habe es gesehen."
Fiona konnte es kaum glauben. Diese kleine untalentierte Hexe soll wirklich eine erfahrenere Hexe einfach so ermordet haben? Wie?
Spalding sprach weiter und sah dabei Fiona tief in die Augen.
„Sie hat es getan, um Sie aus den Weg zu räumen. Sie sieht Sie als Bedrohung für Cordelia und ihren Thron. Diese Schlange ist besessen von ihrer Tochter Miss Fiona, wenn ich auch nicht verstehen kann warum. Sie will das Cordelia wieder alleinige Oberste ist. Sie hat die Leiche zerstückelt, damit alle denken, es war jemand der in Ihren Auftrag gehandelt hat. Einen Mann, den Sie gut kennen und den die Welt als Axtmann kennt."
Eleonora spürte einen unbändigen Hass in sich aufsteigen und sie hatte das Bedürfnis Tamara von Antlitz dieser Welt zu entfernen.
„Zudem wollte sich die kleine Zoe auf Ihre Seite stellen. Sie hatte angefangen zu zweifeln, an der Art wie Cordelia den Zirkel führt. Für dieses kleine verrückte gibt es nur zwei Möglichkeiten. Die eine ist, man ist auf der Seite von Cordelia Goode oder….man stirbt."
Fiona begann zu grinsen und schüttelte amüsiert den Kopf „Oh Spalding, manchmal frage ich mich, was dieser Zirkel ohne dich tun würde. Du hast unsere Arbeit wirklich um ein vielfaches vereinfacht."
Eleonora wandte sich an Fiona „Und was machen wir jetzt? Sagen wir es den anderen?"
Fiona fing an zu lachen und sah zu dem Mädchen „Aber nein, wir wollen doch alle unseren Spaß haben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Rat bald hier sein wird und dann…..dann sind wir alle zu einen großen Grillfest eingeladen. Glaub mir meine Kleine, sie wird nicht davon kommen. Das Mädchen hat sich mit den falschen Hexen angelegt."
Für alle die den Axtmann vermissen, keine Sorge :-D. Er ist im nächsten Kapitel wieder dabei :-)
