Der Kobold bei Gringotts hörte sich genau an, was Draco wollte, und am Schluss nickte er bestätigend.

„Kein Problem, Mr Malfoy. Das alles wird in weniger als zwei Stunden erledigt sein. Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?"

„Ja, zweierlei. Erstens, beantragen Sie für mich beim Ministerium einen Zugang zum Flohpudernetzwerk, ist das machbar?"

„Sicherlich. Und zweitens?"

„Nehmen Sie für mich Kontakt zu Professor Dumbledore auf. Die Hauselfen von Malfoy Manor sind in Hogwarts untergekommen, ich möchte, dass er mir zwei davon nach Mayfair schickt, Sassy und Criee, wenn möglich. Sie sollen die Wohnung gründlich saubermachen und sich dann um die Einrichtung kümmern, Bettwäsche, Geschirr und so weiter, damit alles heute Abend fertig ist. Das nötige Geld können Sie Ihnen aus meinem Verlies zukommen lassen."

„Wir werden es veranlassen. Die Rechnung für unsere Dienste entnehmen wir dann ebenfalls Ihrem Verlies."

„Tun Sie das. Ich komme nachher noch einmal, um mir alles bestätigen zu lassen."


Auf dem Weg nach draußen erkundigte Ginny sich: „Die Hauselfen von Malfoy Manor sind in Hogwarts? Das wusste ich ja noch gar nicht."

„Irgendwo mussten sie ja bleiben, ich konnte sie ja schlecht auf die Straße setzen. Dumbledores Angebot kam mir gut zupass, und da fühlen sie sich bestimmt auch am wohlsten."

„Kümmert dich das denn?", fragte Ginny erstaunt.

„Natürlich kümmert mich das, was soll die Frage?"

„Schon gut, so war das ja gar nicht gemeint. Hey, da ist der Laden von Fred und George, gehen wir rein?", versuchte sie hastig abzulenken.

„Von mir aus", brummte Draco, wenig begeistert. Vor den Weasley Zwillingen hatte er insgeheim einigen Respekt.

„Ginny!" Fred Weasley hatte seine Schwester sofort entdeckt, als sie eintraten, und die Geschwister umarmten sich kurz. „Was machst du hier? Solltest du nicht in Hogwarts sein? Hallo, Malfoy."

„Hallo." Zu mehr konnte er sich nicht durchringen.

„George! Besuch!", brüllte Fred über seine Schulter. „Kommt mit nach hinten, Verity schmeißt den Laden auch allein solange."

„Na so was." Auch George freute sich, seine Schwester zu sehen. „Solltest du nicht …"

„… in Hogwarts sein, ihr seid nicht nur Zwillinge, ihr stellt auch dieselben Fragen." Ginny lachte. „Nein, bin im Moment befreit. Ich soll mich erholen."

„Und das tust du mit Malfoy in der Winkelgasse?" George sah skeptisch drein.

„Ich kann ja nicht die ganze Zeit liegen", konterte sie.

„Du überanstrengst sie aber nicht, oder?" Das ging in Dracos Richtung.

„George! Du hörst dich schon an wie Mum!"

„Keine Sorge, das tue ich schon nicht", entgegnete Draco kühl.

Freds Gedanken waren derweil sprunghaft in eine ganz andere Richtung gewandert.

„Malfoy, du kennst dich doch gut mit Zaubertränken aus, oder?"

„Ja, wieso?"

„Wir haben da gerade so ein Projekt im Auge … hm, du könntest uns vielleicht helfen. Zehn Prozent sind drin, Interesse?"

„Was für ein Projekt?", fragte Draco, gegen seinen Willen interessiert. Das Geld hatte er sicher nicht nötig, aber eine Herausforderung? Die nahm er immer gern an, gerade, wenn es um Zaubertränke ging.

Die Zwillinge hatten sich kurzerhand durch ein Nicken verständigt.

„Komm mit, ich zeige dir unser kleines Experementierlabor. George kann Ginny derweil beschäftigen."

Mit anderen Worten, ich werde außerhalb ihrer Reichweite gebracht, damit sie in Ruhe gelöchert werden kann, was los ist. Von mir aus.

Tatsächlich war es gar nicht mal so uninteressant, was die Zwillinge da vorhatten. Es ging um Kekse, die, wenn man sie aß, bewirkten, dass der arme Leidtragende danach emotionsbedingt in allen Farben des Regenbogens erstrahlte.

Draco nahm davon Abstand, zu probieren, zumal das Ganze noch nicht wirklich ausgereift war. Die Lösung des Problems konnte er jedoch gleich mitliefern, nachdem er sich die Zutatenliste angesehen hatte.

„Die Mischungsverhältnisse sind katastrophal, habt ihr die aus einem Hut gezogen?"

„Das siehst du auf einen Blick?" Fred war beeindruckt.

„Logisch, das sticht doch förmlich ins Auge." Kopfschüttelnd machte Draco sich daran, die Liste nach seinen Vorstellungen zu verbessern.

„Prima." Fred freute sich. „Dürfen wir ab und an mal auf dich zurückkommen? Sonst bleibt nur Snape, und den frage ich bestimmt nicht freiwillig."

„Als freier Mitarbeiter sozusagen? Ich überleg´s mir. Falls ich mal die Zeit dafür haben sollte."

„Was macht ihr überhaupt in der Winkelgasse? Oder trete ich mit dieser Frage in irgendwelche Fettnäpfe?"

„Nein. Ich musste mir eine Wohnung organisieren, außerdem wollen wir noch einkaufen. Wir haben sozusagen Zwangspause."

„Und das heißt?"

Eigentlich hatte Draco keine Lust auf lange Erklärungen, aber er wusste, dass Weasley nicht locker lassen würde, also fügte er sich ins Unvermeidliche.

Fred hörte zu, machte ab und zu eine schlaue Bemerkung, und zum Schluss sah er sinnend vor sich hin.

„Ihr braucht nicht zufällig noch zwei Leute, die mitkommen? Das hört sich ja richtig interessant an."

„Bedaure, das Team ist komplett", antwortete Draco sofort und ein wenig unwirsch.

„Warten wir mal ab, was Dumbledore vorhat", war Freds einziger Kommentar.

Blacks Begleitung ist schon schlimm genug, wenn die beiden auch noch mitkommen, das überlebe ich nicht. Dann mache ich mich allein auf den Weg, ich schwör´s!

Als sie in den Verkaufraum zurückkamen unterhielten sich Ginny, George und Verity – die Verkäuferin – angeregt mit einem jungen Mann. Ginny lachte gerade über etwas, das er sagte, und er musterte sie mit einem Blick, der einen Tick zu interessiert für Dracos Geschmack ausfiel.

Der Neuankömmling war vielleicht Anfang zwanzig, groß und gut aussehend, kurzum niemand, den man gern in der Nähe seiner Freundin sehen wollte. Der Slytherin bildete da leider keine Ausnahme.

„Vance", begrüßte Fred ihn dagegen erfreut. „Habt ihr euch schon bekannt gemacht? Vance ist Veritys Bruder", fügte er erklärend in Dracos Richtung hinzu. „Das hier ist übrigens Draco, der Freund meiner Schwester."

„Freut mich", sagte Vance. „Ich bin auch nur kurz auf dem Sprung, wollte nur mal ein paar Sätze mit meiner großen Schwester wechseln."

Dabei sah er aber nicht Verity an, sondern Ginny.

Die fühlte sich auf einmal unbehaglich. Es hatte Spaß gemacht, sich mit Vance zu unterhalten, er war witzig und nett, aber sie hatte ein Funkeln in Dracos Augen entdeckt, das ihr nicht gefiel. An seinem betont ausdruckslosen Gesicht erkannte sie, dass ihm der bewundernde Blick des jungen Mannes ebenfalls nicht entgangen war.

Dann wischte sie ihre Bedenken vom Tisch. Sie hatten sich schließlich nur unterhalten, und wenn Draco das nicht passte, war das sein Problem. Aber vielleicht wäre ein Ortswechsel jetzt doch angebracht.

„Konntet ihr was raus finden?", erkundigte sich George bei Fred.

„Konnten wir. Denke ich. Was schulden wir dir, wenn´s klappt, Malfoy?"

„Zehn Prozent, wie versprochen." Draco verzog keine Miene. „Gehen wir, Ginny?"

„Klar, wir haben ja noch mehr vor. Hat mich übrigens auch gefreut, Verity, Vance."

„Und mich erst." Vance lächelte sie wieder an.


Einige Minuten liefen sie stumm nebeneinander her, dann brach Ginny das Schweigen.

„Was hast du für ein Problem?", wollte sie wissen.

„Was meinst du?" Draco stellte sich dumm, und das regte sie auf.

„Hör auf. Gibt´s irgendwelche Regeln, die besagen, dass ich mich mit keinem männlichen Wesen mehr unterhalten darf?", fragte sie gereizt.

„Ich habe doch kein Wort gesagt!", protestierte Draco.

„Brauchtest du auch nicht, dein Gesicht hat gereicht!"

„Mir hat es eben nicht gefallen, wie er dich angestarrt hat. So, zufrieden? Können wir jetzt das Thema wechseln?"

„Er hat mich überhaupt nicht angestarrt", sagte Ginny, wider besseren Wissens. „Und außerdem, wenn schon! Du tust ja geradezu, als hätte ich auf Teufel komm raus mit ihm geflirtet! Falls es dir entgangen ist, ich bin mit dir zusammen!"

„Wer macht denn hier die große Welle draus? Du doch wohl, und nicht ich!"

„Draco, du vertraust mir doch, oder? So etwas würde ich nie machen."

Draco blieb stehen. „Natürlich vertraue ich dir, und sollte eine Entschuldigung fällig sein, gut, dann entschuldige ich mich. Aber um mal was zu meiner Verteidigung zu sagen, das ist lediglich ein Reflex, mehr nicht. Es hat nichts mit bewusstem Vertrauen oder Nichtvertrauen zu tun. Deswegen hatte ich auch nicht vor, es zu erwähnen, aber zu zwingst mich dazu. Vielleicht …" Er zögerte und sprach es dann doch aus. „Vielleicht hängt es auch ein bisschen mit schlechtem Gewissen zusammen."

„Wie jetzt?" Ginny kam nicht mehr mit.

„Drücken wir es doch mal klar aus, als Freund für dich war ich bis jetzt nur ziemlich schlechte Medizin für dich. Das ganze Schlamassel hat mit dem Rajahin angefangen und wo´s vorläufig geendet hat sehen wir ja gerade. Ich will dich nicht verlieren, aber ich habe Angst, dass ich nicht genug dafür tun kann, um es zu verhindern." Das kam so nüchtern herüber als würde er von einem Einkaufszettel ablesen.

Ginny, die wusste, wie schwer es ihm fiel, so etwas über die Lippen zu bringen, war völlig geplättet.

Du hast mir gegenüber ein schlechtes Gewissen? Das ist völlig unnötig, Draco! Außerdem ist nichts davon deine Schuld. Warum willst du dich unbedingt als Sündenbock hinstellen? Ich glaube, das Thema hatten wir schon mal."

„Das, was man denkt, und das, was man denken sollte sind eben zwei verschiedene Paar Schuhe", sagte Draco ruhig.

„Dann versuch dir mal einzuhämmern, dass du mir gegenüber kein schlechtes Gewissen haben brauchst. Ehrlich nicht. So, und jetzt reicht es, finde ich. Gehen wir einkaufen, das hast du mir versprochen."

Das entlockte ihm tatsächlich ein Lächeln.

„Nur, wenn ich dir auch was kaufen darf."

„Ja, bitte einen neuen Diamantstar", gab Ginny ungerührt zurück. „Falls ich doch noch mal zum Quidditchspielen komme."

„Hättest du denn gerne einen?"

„Das war ein Scherz, Draco", warnte Ginny. „Du weißt, was er kostet."

„Und?"

„Geschenk, ja, Diamantstar, nein, ist das angekommen?"

„Glasklar."


Drei Stunden später verfluchte Draco sich, dass er jemals das Wort „Einkaufen" erwähnt hatte. In dieser Beziehung war Ginny eindeutig und absolut ein Mädchen, vor lauter Anprobieren wurden ihm schon die Arme lahm.

Wenn es nach ihm gegangen wäre, wären sie in zwanzig Minuten fertig gewesen. Leider ging es nicht nach ihm, wie er feststellen musste.

„Ginny!", protestierte er irgendwann. „Ich habe jetzt genug Klamotten, das reicht bis zum Lebensende!"

„Nur noch dieses eine hier. Das sieht doch toll aus!"

Draco verdrehte die Augen, ließ sie aber gewähren. Ihr machte es sichtlich Spaß, also spielte er mit.

Soweit ist es schon mit dir gekommen, du machst Männchen vor einer Frau sagte eine Stimme in ihm, aber er verbannte sie ganz weit nach hinten, mit der passenden Antwort: Ja, aber das ist MEINE Frau. Endlich kann sie mal wieder lachen.

Fix und fertig betraten sie endlich nach insgesamt fünf Stunden die Winkelgasse erneut. Dracos gesamte neue Garderobe würde in seiner Wohnung angeliefert werden, und damit die Schränke bis zum Bersten anfüllen, dessen war er sich gewiss.

„Was jetzt? Haben wir noch was vor?" Ginny gähnte unterdrückt. Während des gesamten Einkaufsbummels war sie hellwach gewesen, jetzt machte sich ihre Müdigkeit wieder bemerkbar.

„Nein." Draco lachte. „Ich muss noch kurz zu Gringotts, aber das dauert nur ein paar Minuten. Falls das Ministerium den Zugang schon eingerichtet hat, können wir danach gleich nach Mayfair. Wie sieht´s mit was zu Essen aus? Bist du noch wach genug, auswärts zu essen, oder sollen wir uns was mitnehmen?"

„Lieber mitnehmen."

„Und was? Hast du auf irgendwas besonders Appetit?"

„Ist mir egal. Oder nein, warte, ich würde unheimlich gerne chinesisch essen. Das habe ich mir schon immer mal gewünscht."

„Du hast noch nie chinesisch gegessen? Ehrlich nicht?"

„Nein. Irgendwie sind wir nie dazu gekommen, außerdem meint Mum, sie kocht gut genug, also können wir gefälligst auch zu Hause essen." Ginny griente ein bisschen. „Aber ich hab überhaupt keine Ahnung, was man da bestellt."

„Das lass mich mal machen, irgendwas wird schon dabei sein, was dir schmeckt."


Nach einem kurzen Abstecher ins Muggel-London – um das Essen zu besorgen -, zu Susan Hayes, um Blossom abzuholen und zu Gringotts konnten sie tatsächlich direkt per Flohpuder in Dracos neue Wohnung überwechseln.

Draco hatte sich das Grinsen nicht verkneifen können, als der Kobold die förmliche Bitte von McGraw ausrichten ließ, sich an ihn zu wenden, falls noch etwas sein sollte. Scheinbar hatte ihm jemand nachdrücklich geflüstert, dass sein neuster Klient wirklich Geld besaß. Oder die Kobolde hatten tatsächlich eine Referenz des Königshauses aus dem Nichts gezaubert.

Schon als sie aus dem Kamin stiegen düste Blossom sofort auf den Wintergarten zu und verschwand fröhlich piepsend zwischen den Dschungelpflanzen.

„Wusste ich doch, dass es ihr gefällt", stellte Draco fest.

„Master Draco, Sir!" Wie aus dem Nichts stand auf einmal Dobby im Wohnzimmer.

„Dobby!" Ginny sah ihn überrascht an. „Was machst du denn hier?"

„Sassy hat heute Abend Dienst in der Küche, und da ist Dobby eingesprungen. Ich hoffe, das ist Ihnen Recht, Master Draco."

„Nur, wenn du den Master endlich weglässt, ich habe dir schon hundertmal gesagt, dass ich das nicht leiden kann."

„Ja, Master Draco." Dobby zwinkerte Ginny schnell zu.

Er benahm sich sehr gelassen Draco gegenüber, und das verwunderte Ginny nicht wenig.

„Criee und Dobby haben alles erledigt, was Sie uns aufgetragen haben. Criee und Dobby hätten auch etwas zu essen vorbereitet, aber mit einer Muggelküche waren sie überfordert."

„Kein Problem, wir haben uns etwas mitgebracht. Was die Muggelküche betrifft, ein bisschen was weiß ich, und den Rest darf Sari mir dann erklären", meinte Draco höchst unbeeindruckt.

„Wäre das alles? Dobby würde dann nach Hogwarts zurückkehren."

„Klar. Richte doch bitte den anderen aus, dass einer von ihnen alle Tage mal hier vorbeischaut und saubermacht, okay?"

„Selbstverständlich." Dobby verschwand mit einem Puff.

„Seit wann versteht ihr beiden euch so gut?", fragte Ginny verblüfft.

„Mit Dobby, meinst du? Einer der wenigen Dinge, für die ich Potter wirklich dankbar bin, ist seine Befreiung. Er war in erster Linie für meinen Vater zuständig, und da hatte er bestimmt nichts zu lachen. Aber wir beide kommen miteinander klar."

„Und trotzdem zwingst du die Hauselfen, für dich zu arbeiten?"

„Das tue ich nicht", stellte Draco klar. „Ich kenne Grangers idiotisches Bestreben, ihnen allen Kleidungsstücke zu verpassen, aber sie dazu zu zwingen ist wohl auch nicht der richtige Weg. Es gab deswegen damals fast Aufstände in Hogwarts, Dobby hat´s mir später erzählt. Die meisten möchten es gerne tun, Punktum. Ich würde sie ja auch dafür entlohnen, aber wenn sie es doch nicht wollen und es als Affront ansehen?"

„Hm." Von der Warte hatte Ginny es noch nie gesehen.

„Lass uns lieber anfangen, zu essen, wir werden es sowieso wieder warm zaubern müssen."

Nachdem Draco zehn Minuten vergeblich versucht hatte, Ginny den Gebrauch von Stäbchen näher zu bringen, wurde es ihr schließlich zu dumm, und sie spießte ein Stück Frühlingsrolle einfach auf.

„Sollte ich jemals zu dick werden, dann weiß ich, was ich mache – Stäbchendiät. Dann habe ich das Fett ruckzuck wieder runter", meinte sie achselzuckend.

„Haha, wo willst du denn zu dick werden, Scrawny?", zog Draco sie auf. „Schmeckt es denn wenigstens?"

„Total klasse. Oder, Blossom?"

Blossom nickte heftig. Sie hatte ihren Teil abbekommen und nagte nun zufrieden an einem Hühnerknochen herum.

„Ist schon merkwürdig, mal was total normales zu unternehmen", sagte Ginny nachdenklich und starrte in ihren Reis.

„Schlimm?"

„Quatsch, nur ungewohnt. Sollten wir öfter mal machen, aber dazu werden wir wohl nicht viel Gelegenheit haben in nächster Zeit. Es sei denn, Sandrine, Jelin und Voldemort tun uns den Gefallen, tot umzufallen."

„Scrawny? Weißt du, was das einzige ist, worüber du dir gerade Gedanken machen solltest?" Draco grinste.

„Nein, was?"

„Wie du den Shrimp wieder aus deinem Becher bekommst. Er ist gerade reingefallen."

Ginny sah auf ihren Becher, in dem tatsächlich ein gegrillter Shrimp schwamm, dann zurück zu Draco und fing an zu lachen.

Draco griff nach ihrem Arm – sie hatten auf dem Boden vor dem Kamin gegessen – und zog sie zu sich herüber, um sie zu küssen.

„Wir könnten doch als nächstes das Schlafzimmer einweihen, was denkst du?", flüsterte er ihr leise ins Ohr. „Oder ist dir das zu früh?"

Ginny schüttelte nur mit dem Kopf, biss sich dann aber auf die Lippen und wurde wieder ernst.

„Ich muss dir noch was sagen."

„Geht das nicht auch später?" Draco wollte jetzt keine schlechten Neuigkeiten hören, und irgendwie klang es danach.

„Nein, jetzt. Wegen Baby und so … das hat sich für mich wohl erledigt. Da brauchen wir keine Angst mehr zu haben." Sie sah angelegentlich auf die Wand. „Madam Ibanez meinte, es wäre wahrscheinlich dauerhaft."

Wahrscheinlich ist doch noch nicht endgültig." Draco war sich klar, wie dämlich sich das anhören musste. Aber im Moment fiel ihm einfach nichts anderes ein.

„Ja, vielleicht. Und ich sollte mir eigentlich keine Gedanken darum machen, in meinem Alter, oder? Aber ich wollte immer Kinder haben, und jetzt …" Ginny ließ den letzten Satz offen und rieb sich ganz kurz über die Augen.

„Lass es uns doch einfach abwarten, okay? Ich bin mir sicher, dass es später eine Lösung geben wird. Und jetzt gehst du erstmal ins Bett und schläfst dich aus, marsch." Der kurze Augenblick Romantik war längst verflogen, und Draco wusste das auch.

„Aber ich muss doch zu Hause …"

„Das kläre ich mit deiner Mutter. Den Kopf wird sie mir schon nicht gleich abreißen."


Dass diese Entscheidung richtig gewesen war, erkannte Draco sofort, denn Ginny war nur Minuten später eingeschlafen, auch wenn sie noch ein paar Mal heftig protestiert hatte. Er zog leise die Schlafzimmertür hinter sich zu.

Er selbst war nicht müde, daher kehrte er ins Wohnzimmer zurück und sammelte die Reste ihres Abendessens auf. Dann entschloss er sich, dem Löwen lieber gleich in den Rachen zu sehen und stellte eine Verbindung zum Fuchsbau her.

Draco hoffte auf Arthur Weasley, aber leider hatte er Pech.

„Ist etwas mit Ginny?", fragte Molly sofort, als sie seiner ansichtig wurde.

„Nein. Oder doch, ganz, wie man es nimmt. Sie ist gerade eingeschlafen, ist es okay, wenn sie heute Nacht hier bleibt?"

„Wo ist denn hier?"

Draco erklärte es mit wenigen Worten.

Molly Weasleys Gesicht war ein wenig verkniffen, aber zum Schluss nickte sie.

„Gut, wenn sie schläft, möchte ich sie auch nicht wecken. Aber zum Frühstück morgen erwarte ich euch beide hier."

„Das lässt sich einrichten. Vielen Dank."

Ohne weitere Worte kehrte er nach Mayfair zurück. Dann folgte er Blossom in den nun dunklen Wintergarten, schwang sich dort auf einen der Sessel und legte die Füße auf den Tisch.

Seine Gedanken wanderten sofort wieder Richtung Sandrine und Jelin.

Ist doch komisch. Als wir zurückkamen, hieß das Problem Voldemort. Und jetzt? Jetzt haben wir drei Irre an den Hacken. Vier, wenn man Lucius mitzählt. Was Dumbledore wohl ausheckt? Jedenfalls werde ich mich von ihm nicht ausbremsen lassen. Ein paar Tage, gut und schön, aber hier geht es auch um den Zeitfaktor. Verdammt, ich hätte Dobby noch etwas zu trinken besorgen lassen sollen, bis auf Wasser aus dem Wasserhahn gibt´s hier null.

Blossom, die es sich auf seinen Füßen bequem gemacht hatte, richtete sich plötzlich auf horchte argwöhnisch.

„Blossom …?"

Dann hörte man aus dem Schlafzimmer Ginny schreien.

Sessel und Tisch kippten um, als Draco aufsprang und losrannte, Blossom direkt hinter sich.

Ginny saß aufrecht im Bett, die Arme um ihre Brust geschlungen, nur bekleidet mit dem dünnen T-Shirt, in dem sie schlafen gegangen war. Sie schrie immer noch, ohne dabei wach zu werden.

„Ginny! Ginny, wach auf!" Draco nahm sie in den Arm, nur um wieder weggestoßen zu werden.

„Nein", stöhnte sie. „Nein, hör auf, nein, tu das nicht! Draco wird dich dafür töten!"

„Ginny, ich bin´s, Draco. Wach auf, bitte, du bist hier in Sicherheit!" Er schüttelte sie etwas heftiger.

Mit einem wilden Blick riss Ginny die Augen auf und schlug zu. Draco sah Sterne, sie hatte ihn genau oberhalb der Nase getroffen.

„Autsch!"

„Draco?" Ginny wurde endlich wach, und sah ihn verwirrt an. Ihre Brust hob und senkte sich rasch, als wäre sie meilenweit gerannt. „Was ist denn?"

Draco rieb sich seinen Nasensattel, der heftig brannte.

„Du hast geträumt, Ginny. Und geschrieen. Und versucht, mich zu verprügeln. Was war es?"

„Ich .. ich weiß nicht. Etwas Schlimmes. Aber ich kann mich nicht erinnern." Sie machte eine Pause. „Habe ich dich wirklich geschlagen?"

„Hast du. Du hast außerdem einen guten rechten Haken, Weasley, hat dir das schon mal jemand gesagt?"

„Das tut mir leid. Das wollte ich nicht!"

„Du hast uns einen Mordsschrecken eingejagt, Scrawny. Ich dachte, Sandrine steht hier in der Tür."

Draco tippte Blossom nachdrücklich auf die Flanke. Die Echse schnaufte, aber wuselte dann schnell aus dem Schafzimmer hinaus. Ein kleiner, starker Tritt, und die Tür fiel ins Schloss.

„Ich komme jetzt mit ins Bett, allerdings nur unter der Prämisse, dass du mich nicht wieder schlägst", sagte er mit einem Lächeln.

„Aber ich wollte doch gar nicht …"

„Psst." Er löschte das Licht und nahm sie in den Arm.

Ginny schmiegte sich dankbar an ihn.

„Wenn du nicht da wärst, würde ich verrückt werden", murmelte sie in seine Schulter.

„Wenn ich nicht da wäre, hättest du überhaupt keine Probleme", konterte Draco.

„Klappe, Malfoy!"

„Mit geschlossener Klappe kann ich dich aber nicht küssen. Also?"

Ginny musste wieder lachen.

„Okay, dann lass die Klappe offen, aber ohne Töne. Schaffst du das?"

„Aber sicher. Wart´s nur ab."