- Kapitel 35 (unkorrigiert) -
Zu Hause
Mit einem energischen Kopfschütteln versuchte Gloria Müdigkeit und Abscheu gleichermaßen aus ihrem Gesicht zu vertreiben. Seit dem kleinen Familienbesuch hatte sie noch nicht geschlafen und die Zeit damit verbrachte Leute zu belügen, deren Aufgabe es war Lügen zu erkennen. Aber Auroren waren inzwischen auch nicht mehr das was sie mal waren. Der junge Mann, der Glorias Verhör geführt hatte, hatte Mitleid für sie empfunden, anstatt die von ihm geforderte professionelle Unvoreingenommenheit an den Tag zu legen. Sogar entschuldigt hatte er sich, dass er sie solange festgehalten hatte. Was aber auch ein wenig an Gloria lag. Immerhin hatte sie aller Viertelstunden besorgt nach ihrem Ehemann gefragt, den man aufgrund möglicher Fluchschäden ins St Mungos gebracht hatte – wo er natürlich auch verhört wurde. Als seine Anwältin hatte Gloria darauf bestanden bei der Vernehmung dabei zu sein. Nur um sicher zu gehen. Den Auroren gefiel das zwar nicht sonderlich, aber immerhin hatte sie ja ihre eigene Aussage zuvor unabhängig und frei gemacht und ihr Mann bestätigte dann nur alles.
Als es endlich vorbei war und Gloria das Schwierigste hinter sich glaubte, tauchte jedoch sie auf. Klein, schleimig freundlich und so zuckersüß, dass einem die Galle hochkam. Es mochte Menschen geben, die Untersekretärin Umbridge für einen liebenswerten Menschen hielten, doch Gloria hatte keine Chance dieser Illusion zu erliegen – sie war der Frau einmal zu oft begegnet.
„Lady Kondagion. Was für ein Glück Sie hier anzutreffen", wedelte die Frau mit den Armen, als wäre dies nötig um sie zu bemerken.
Vielleicht fürchtet sie nur aufgrund ihres Zwergenwuchses übersehen zu werden, dachte Gloria und senkte widerwillig den Blick. Diplomatisch, wie sie nun mal war, streckte sie der Untersekretärin die Hand entgegen und formte ein müdes, aber natürlich freundliches, Lächeln.
„Madame Umbridge", sagte sie. „Schön Sie zu sehen, aber ich habe im Moment keine Zeit, was es auch sein mag."
„Aber natürlich… natürlich, meine Liebe", entgegnete Umbridge. „Es ist mir auch sehr unangenehm…"
Ja ja…
„…doch genau in dieser Angelegenheit möchte der Zaubereiminister mit Ihnen sprechen und seine Unterstützung zusichern."
Eine seltsame Formulierung.
„Ich möchte dem Minister nicht vor den Kopf stoßen, Madame", formulierte Gloria umsichtig. „Aber mein Heim wurde überfallen, eine meiner Elfen ermordet, mein Kind beinahe entführt und mein Mann verletzt – ich bin im Moment definitiv nicht in der Lage ein zivilisiertes Gespräch zu führen."
„Genau aus dieser Sorge heraus möchte der Minister mit Ihnen sprechen. Ich möchte Ihnen versichern, er ist sich Ihrer unangenehmen Lage bewusst, doch leider ist es sehr dringend und so delikat, dass es nicht in den Fluren eines Hospitals besprochen werden sollte."
Gloria gelang es trotz ihrer Müdigkeit eine Augenbraue erstaunt nach oben zu ziehen. Sie hatte selbst noch nie mit dem Minister ein echtes Gespräch geführt – und legte keinen Wert darauf, dies gerade jetzt zu tun. Aber wenn der Zaubereiminister rief – und auch noch seine Frau fürs Grobe schickte – dann sollte man diese Bitte nicht für eine Bitte halten.
„Ich würde gern vorher noch einmal nach meinem Mann sehen", gab Gloria nach kurzer Denkpause nach.
„Aber natürlich, meine Liebe", säuselte Umbridge. „Ich warte dann hier auf Sie."
„Danke, Madame!" Gloria setzte ein falsches Lächeln der Dankbarkeit auf. „Es dauert nicht lange."
Gloria wandte sich zu der Tür, hinter der ihr Mann sich von seiner Heldentat erholte. Vorsichtig, ganz die besorgte Ehefrau gebend, öffnete sie ganz vorsichtig die Tür und spähte hinein. Natürlich ging sie dann trotzdem hinein, aber auch das hätte jede andere Frau so gemacht.
Ihr Mann schlief zum Glück, denn der Heiler hatte auf einen Beruhigungstrank bestanden, um seine psychische Traumata zu dämpfen, bis er bereit war diese Aufzuarbeiten. Was natürlich Quark war – noch hatte Famulus noch kein Trauma.
Doch dazu später. Im Moment überlegte sie fieberhaft, was den der Minister von ihr wollte. Hatte man irgendetwas herausbekommen. Über Cindy? Über den Imperiums-Zauber? Nein, ganz sicher nicht über den Unverzeihlichen Fluch, denn dann wäre nicht Umbridge, sondern ein Auror aufgetaucht. Ging es vielleicht um die Sache mit Janus?
Ihre Gedanken rasten durch ihren Kopf, doch ihr Hirn war zu träge, um ihnen eine vernünftige Richtung zu geben. Verfluchte Umbridge!
Einen Augenblick lang war Gloria versucht Lucy zu rufen, um sich irgendein Aufputschmittel zu holen, doch darauf verzichtete sie lieber. Ein Hirn auf Rennbesengeschwindigkeit, konnte viel Schaden anrichten, wenn der Rest des Körpers nicht hinterher kam. Außerdem war es selten ratsam, schlauer aufzutreten als die Mächtigen. Die wollten einen dumm und geistig unterlegen – auch Gloria liebte genau das an ihren ausgesuchten Kunden.
Und dann wurde ihr plötzlich klar, dass der Minister oder zumindest Umbridge gar nicht so dumm waren, wie sie gedacht hatte. Bei Verhandlungen war es wichtig, dem Gegenüber aus dem Gleichgewicht zu bringen. Müdigkeit gegen jemanden einzusetzen, zeugte zwar nicht von einem Übermaß an Raffinesse, war aber wirkungsvoll. Doch noch wichtiger war die Erkenntnis, dass es um Verhandlungen ging. Der Minister wollte also etwas und er ging davon aus, dass es Gloria nicht gefallen würde. Und außerdem rechnete er damit Gegenleistungen bringen zu müssen. Ärgerlicherweise hatte sie keine Ahnung, was er denn nun von ihr wollte und konnte sich so keinen Preis überlegen.
Ihre Gedanken beruhigten sich wieder ein wenig. Sie war sich nahezu sicher recht zu haben und so atmete sie tief durch, sorgte mit einem einfachen Zauber für einen noch tieferen Schlaf ihres Mannes und hoffte, er würde erst erwachen, wenn sie wieder in seiner Nähe war. Sie war sich einfach ihres Imperium-Fluchs nicht so sicher. Sobald sie ein wenig Zeit hatte, musste sie sich um Alternativen kümmern, die einen nicht sofort nach Askaban brachten.
„Lucy!", flüsterte sie.
Die Elfe erschien fast unhörbar genau neben ihr.
„Ja, Gloria."
„Der Zaubereiminister wünscht mich zu sprechen. Sollte ich in zwei Stunden nicht bei dir sein oder dich zu mir rufen, dann sag dem Herrn unseres gegenwertigen Heims, dass ich wahrscheinlich in Askaban sitze. Er wird dann die nötigen Schritte einleiten und du wirst auf ihn hören."
„Denk ihr wirklich sie wissen…", riss Lucy die Augen erschrocken auf und dachte dabei wahrscheinlich es drehte sich um Glorias Geschenk von gestern – oder war es inzwischen vorgestern?
„Ich weiß es nicht", klärte Gloria den Irrtum nicht auf. „Aber es ist schon ungewöhnlich und wir sollten auf alles vorbereitet sein."
„Ich werde alles tun, um Euch zu schützen!", versprach Lucy.
„Das wirst du schön bleiben lassen", befahl Gloria streng. „Deine Aufgabe wird es sein dich um Caradoc zu kümmern. Das ist das Wichtigste. Askaban ist kein Ort für Elfen. Die Dementoren sind für euch noch viel schlimmer, als für uns Menschen. Du hilfst mir am besten, wenn du mir die Hoffnung gibt's, dass Caradoc in Sicherheit ist. Versprochen!"
„Versprochen!"
„Gut, dann geh jetzt. Ich komme so schnell als möglich nach."
Gloria wartete noch ein paar Sekunden nachdem Lucy verschwunden war, dann verließ sie das Krankenzimmer und wandte sich sofort an Umbridge.
„Ich wäre dann bereit, Madame", sagte sie ohne Einleitung. „Ich hoffe trotzdem, es wird nicht zu lange dauern."
Umbridge nickte und lächelte zuckersüß.
„Keine Sorge, meine Liebe. Wir haben jeden unsere Lieben, um die wir uns Sorgen machen. Der Minister wird sicherlich nur so viel Zeit beanspruchen wie nötig."
Wie nötig für was, wollte Gloria am liebsten Fragen, doch damit wäre sie zu neugierig und vielleicht auch ein wenig vorlaut erschienen.
Der Weg zum Zaubereiminister dauerte länger als nötig. Umbridge bat darum nicht zu Apparieren, sondern den langen Weg zu nehmen. Zunächst hatte Gloria geglaubt, die Untersekretärin wäre eines dieser unfähigen Individuen, doch diese Ansicht revidierte sie schnell. Der lange Weg war nichts anderes als ein Vorwand, um Gloria ein wenig weichzukochen. Chaotische Zeiten, irrationale Menschen – blah blah blah. Es war so zusammenhangslos, dass Gloria zunächst nicht den Sinn dahinter verstand.
„Da sind wir ja schon", sagte Umbridge schließlich, klopfte an die alte und erhaben wirkende Eichentür und trat ein bevor ein Herein ertönte.
Der Zaubereiminister erwartete sie. Er stand vor der Illusion eines Fensters, schließlich war das Ministerium eine unterirdische Anlage, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, schaute er von erhabener Höhe hinunter auf ein wunderschönes nächtliches London. Er drehte sich nicht herum, als seine Besucher eintraten, sagte keinen Ton und überließ es Umbridge auf einen Stuhl zu deuten. Eine Einladung, welche Gloria übersah. Da die andere Frau den Raum nicht wie erwartet verließ, war Gloria in der Defensive und es wäre ein Fehler sich hinzusetzen, während die anderen standen. Trotzdem beschloss sie so zu tun, als würde die inszenierte Szene sie beeindrucken.
„Wunderschön und friedvoll, nicht wahr?", sagte Minister Fudge sinnend. Da die Frage einer Illusion galt und sicherlich rhetorisch gemeint war, würdigte Gloria sie nicht mit einer Antwort. Ihr Gehirn suchte stattdessen einen Sinn hinter dieser Szene. Niemand wusste besser als sie, wie man sich vor Publikum inszenierte – und genau das geschah hier. Nur das Fudge ein Dilettant war. Die Rolle des weisen und besorgten Lenkers mochte zwar angebracht sein, passte aber nicht sonderlich zu seinem Ruf. Der Unterschied war zu extrem um glaubhaft zu sein.
„Die Menschen verlassen sich darauf, dass wir alles im Griff haben!", fuhr Fudge fort.
Ob Fudge wusste, dass er nur gewählt worden war, weil ihn alle Welt für den harmlosen und lieben Onkel hielt. Nach der Schreckensherrschaft Voldemorts und den Nachwehen mit den ganzen Prozessen hatte sich jeder genau jemanden wie Fudge gewünscht – nachdem Dumbledore klar gemacht hatte, dass er nicht für das Amt des Zaubereiministers zur Verfügung stand.
„Und wir sind es ihnen schuldig, sie nicht mit unbewiesenen Annahmen in Panik zu versetzen."
„Wer will schon, dass der Mob durchdreht", murmelte Gloria zynisch. Das war vielleicht dumm und undiplomatisch, doch der letzte Satz hatte ihr nur zu sehr klargemacht, auf was Fudge hinaus wollte.
„Die Wähler als Mob zu bezeichnen, ist nicht sonderlich klug", sagte Fudge nachsichtig und drehte sich nun endlich um. Gloria wäre beinahe zusammengezuckt, als sie ihn sah. In den letzten Jahren hatte sie dermaßen viele Illusionen gesehen und selbst erzeugt, dass sie den Auffrischungs- und den Schminkzauber um die Augen erkannte. Dazu das leichte Zittern der Fingerspitzen, das nicht gerade souveräne Lächeln. Fudge hatte nichts im Griff – insbesondere sich selbst nicht.
„Es mag nicht klug sein", gab Gloria zu und versuchte ihren unbedachten Kommentar eine andere Richtung zu geben. „Trotzdem ist es wahr. Menschen neigen in Gruppen zu irrationalen Verhalten."
„Wenn man ihnen Angst macht", schränkte Fudge ein.
„Und wenn sie merken, dass man sie belogen hat", ergänzte Gloria und beschloss, dem Minister die Gesprächsführung aus der Hand zu nehmen. „Ich nehmen an Sie wollen mich um etwas bitten. Nicht wahr, Minister?"
„Offensichtlich sind Sie so klug, wie jedermann behauptet", schmeichelte der Minister und schaute sie misstrauisch an.
„Die Frage ist nun aber, wie loyal sind Sie", mischte Umbridge ungefragt ein, was Gloria ein wenig irritierte. Besaß diese kleine Untersekretärin so viel Einfluss, dass sie sich so etwas erlauben konnte? Gloria hätte Heather so etwas niemals durchgehen lassen. Fudge nickte jedoch der Frau dankbar zu.
„Ich würde niemals mit Todessern und ihrem Herren zusammenarbeiten", zischte Gloria Umbridge an.
„Das hätten wir niemals angenommen", hob Fudge sofort beschwichtigend die Hand. „Ihre Vorgeschichte ist uns durchaus bekannt. Wir wollten Sie nur bitten, nicht irgendwelche voreiligen Schlussfolgerungen der Welt mitzuteilen."
„Ich weiß nicht, welche Sie meinen?", log Gloria und spielte nicht nur die Entrüstete. Sie hatte Umbridge Worte wirklich missverstanden und ihr Blutdruck war dementsprechend noch immer etwas hoch.
„Nun…", zögerte Fudge. „Sie wissen ja wie vorgespannt die Lage gerade ist. Die Leute sind ein wenig nervös. Nach der Sache zur WM, die mysteriösen Vorfälle während des Trimagischen Turniers, der Tod des Jungen, Dumbledores…"
„Moment bitte, Minister!", unterbrach Gloria ihn überrascht. Ihr vielen sofort zwei Namen ein. Keinen davon wollte sie hören. „Ein toter Junge?"
„Oh, Sie haben es noch nicht gehört?", wunderte sich Fudge. „Aber es stand doch in allen Zeitung… ähem, na ja, Sie waren ja anderweitig beschäftigt."
„Cedric Diggory, ein Schüler und Champion beim Trimagischen Turnier ist durch einen tragischen Unfall ums Leben gekommen", erklärte erneut Umbridge und erneut musste Gloria sich eine Zurechtweisung verkneifen.
„Es ist allgemein bekannt, dass beim Turnier Schüler sterben", erwiderte Gloria kühl. „Indem wir es auf Erwachsene beschränkt haben, ist es nichts, was die Leute gegen das Ministerium aufbringen sollte."
„Normalerweise nicht, doch leider behauptet Potter Der-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf wäre zurückgekehrt und hätte den bedauernswerten Diggory-Jungen umgebracht."
„Wir gehen davon aus, dass Potter wohl Mitschuld an dem Unfall…", Umbridge machte eine bedeutungsvolle Pause. „…hatte und sich deshalb diese Geschichte ausdachte."
„Ja", nickte Fudge traurig. „Leider scheint es so, als ob er nach Aufmerksamkeit strebt. Dumbledore glaubt ihm jedoch jedes Wort oder nutzt es zumindest zu seinem Vorteil."
„Mit welchen Ziel?", fragte Gloria.
„Natürlich um Zaubereiminister zu werden", erwiderte Fudge voll Überzeugung.
„Warum sollte er? Er hat es doch mehrfach abgelehnt."
„Das mag früher der Fall gewesen sein, meine Liebe", redete Umbridge derart gönnerhaft auf Gloria ein, dass Gloria den großen Drang verspürte die Zunge der Frau anschwellen zu lassen, bis diese daran erstickte. „Aber in letzter Zeit stellt Dumbledore immer unverschämtere Bitten an Cornelius und scheint es nur schwer zu verkraften, dass dem Verfolgungswahn eines alten Mannes, nicht mehr viel Beachtung geschenkt wird. Stellen Sie sich vor, letztes Jahr hat er sogar mit einem großen Unglück gedroht, wenn wir die Dementoren nicht aus Askaban abziehen würden. Ja, Dumbledore hat früher oft den Sitz des Zaubereiministers abgelehnt, solange er daran glaubte, er wäre die Macht im Hintergrund. Doch inzwischen hat er wohl gemerkt, dass Cornelius keine Marionette ist und auch niemals war. Jetzt giert er nach der Macht des Ministers. Wir wollen Dumbledore nichts Böses unterstellen, nur scheint es so, dass er im Bestreben der Gute zu sein immer mehr verdrängt, dass dazu auch mal unangenehme Dinge erledigt werden müssen. Und deshalb versucht er den Menschen Angst einzujagen, denn, so redet er sich ein, wenn Cornelius schwach wirkt und alle denken Der-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf ist zurück, dann wird man zu ihm kriechen und um seine Hilfe bitten. Und dann wird er zusammen mit seinen geliebten und gehätschelten Halbblütern kommen und uns vor der imaginären Gefahr retten."
Gloria gab sich keine Mühe ihr Entsetzen zu verbergen. Sie musste es gar nicht mal spielen. Während Umbridge erzählte hatte, hatte sie unverwandt den Zaubereiminister angesehen und keinerlei Widerspruch in seinem Gesicht gesehen. Er glaubte wirklich diesen paranoiden Mist und fühlte sich auch noch bestätigt, obwohl Umbridge ihn als manipulierbaren Zwerg beschrieb. Früher hatte halt Dumbledore seine Zügel geführt, jetzt tat es Umbridge oder jemand anderes. Ungefragt kam ihr Lucius Malfoy mit seinen guten Kontakten in den Sinn und ihr schauderte. Logik konnte sie hier nicht erwarten. Weder Fudge noch Umbridge würden akzeptieren, dass die versuchte Entführung ihres Sohnes nichts anderes als eine unabhängige Bestätigung von Dumbledores Behauptungen war. Schlimmer noch, wenn Gloria hier aufbegehrte, würde sie die Macht des Ministers und der Bürokratie zu spüren bekommen. Dann wären die ganzen Jahre ihrer harten Arbeit umsonst gewesen.
„Wie kann ich Ihnen helfen, Minister", sagte Gloria und strafte ihre Schultern. „Wenn Sie genug Beweise oder Zeugen haben, könnte ich eine Anklageschrift erstellen."
Die Anspannung wich aus Fudges Gesicht und mit einem tiefen Seufzer ließ er sich in seinen Lehnsessel sinken.
„Sie glauben ja gar nicht, wie mich Ihre Einsicht freut, Gloria", sagte er erleichtert. „Doch leider möchte ich niemanden in Gefahr bringen, wenn ich ihn als unseren Zeugen benenne und außerdem ist Dumbledore noch zu beliebt."
Gloria empfand nur noch Abscheu für den Mann vor ihr. Er war schwach, verängstigt, machtgierig, manipulierbar und zu dumm es zu bemerken.
„Möchten Sie, dass ich eigene Nachforschungen anstrenge, Minister?", bohrte Gloria weiter. Wenn es ihr gelang Fudge zu einer illegalen Anweisung zu überreden, konnte dies der Sargnagel sein, den sie vielleicht einmal brauchen würde, um ihm zu stürzen. „Wenn ich Dumbledore so falsch eingeschätzt habe, dann möchte ich nicht wissen, wie ihn die ganzen unreifen Kinder in Hogwarts sehen. Sein Kampf gegen Grindelwald ist eine Legende und schon mein kleiner Sohn liebt die Kinderbuchversion."
Als hätte sie was Falsches gesagt, schauten Fudge und Umbridge sich gegenseitig erschrocken an.
„Hab ich etwas Falsches gesagt, Minister?", erkundigte sich Gloria.
„Nein, nein!", beruhigte Fudge sie, doch die Sorge wich nicht aus seinen Augen. „Sie haben uns nur eben einen Aspekt vor Augen geführt, den wir fast übersehen hätten. Madame Bones scheint wirklich ein gutes Händchen bei Ihnen gehabt zu haben."
Er stand auf und schien plötzlich irgendwie, als würde ihm die Zeit ausgehen.
„Gloria! Ich darf doch Gloria sagen, oder?"
Sie vermied den Hinweis, dass er es schon ungefragt getan hatte.
„Es ist mir eine Ehre, Herr Minister."
„Danke. Nun denn Gloria. Sie haben uns sehr geholfen und ihr Angebot uns zu helfen ehrt Sie sehr und sicherlich werden wir darauf zurückkommen, wenn alles in die Wege geleitet ist. Doch zunächst habe ich nur zwei kleine Bitten an Sie."
„Was immer Sie wünschen, Sir."
„Das ist sehr freundlich von Ihnen, Gloria und ich weiß, dass ich damit viel von Ihnen verlange, aber es würde uns sehr helfen, wenn Sie gegenüber dem Tagespropheten und jedem anderen nicht erwähnen, dass die beiden Möchtegern-Entführer sich als Todesser verkleidet hatten. Wir würden es sehr begrüßen, wenn sie mögliche Interviews oder öffentliche Aussagen mit uns vorher absprechen."
„Ich verstehe", sagte Gloria ganz Soldatin des Ministers. „Sie denken, dass Asena und Adrian sich nur als Todesser verkleidet haben, um die Ermittlungen von sich abzuwenden? Sie sind einfach auf Dumbledores Zug mit aufgesprungen."
„Die Aurore glauben das!", störte Umbridge schon wieder ihren Vorgesetzten. „Es gibt aber auch eine andere…"
Umbridge sprach nicht zu Ende, weil sie offensichtlich wollte, dass Gloria fragte. Ausnahmsweise tat Gloria ihr den Gefallen.
„Welche?", fragte sie, sah aber immer noch den Minister an, der jedoch nicht antworten zu wollen schien.
„Möglicherweise waren ihr Onkel und seine Tochter wirklich Todesser – zumindest haben die Auroren bei der Hausdurchsuchung einige Hinweise darauf gefunden." Umbridges Augen wurden verschlagen. „Möglicherweise haben Sie Dumbledore geglaubt und deshalb den richtigen Zeitpunkt für gekommen gehalten. Natürlich ist das wirklich nur eine Möglichkeit, aber sobald die Auroren die Frau fangen, werden sie sie eingehend auch danach befragen."
„Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mich dahingehend auf dem Laufenden halten", sagte Gloria und schaute nun zum ersten Mal hier im Büro der Untersekretärin in die Augen. Der Zorn in ihren Augen bezog sich zwar auf den beleidigenden Versuch sie derart zu beeinflussen, aber Umbridge würde den Zorn sicher nicht auf sich beziehen. „Sollte sich dies als Wahr herausstellen, hat dies Konsequenzen."
„Bitte nichts unüberlegtes, Gloria", warf der Minister rasch ein. „Seine Ambitionen hin oder her, Dumbledore ist ein mächtiger Zauberer mit dem Sie sich nicht messen können."
„Sie verstehen mich falsch, Herr Minister", gönnte Gloria nun auch ihm einen kalten Blick. „Ich bin Anwältin. Die Welt fürchtet nicht meinen Zauberstab, sondern Feder und Zunge. Wenn ich mit denen fertig bin, die meine Familie und meine Welt bedrohen, sind sie zwar körperlich unversehrt, doch ihr Leben ist ein für alle Mal zerstört."
„Wenn sich die Gelegenheit bietet, wird sich da sicher was einrichten lassen", versprach Fudge. „Was uns jetzt noch zu meiner zweiten Sache bringt. Wir möchten Sie bitten, nicht von dem was hier gesagt wurde nach draußen dringen zu lassen. Ihren Mann müssen Sie natürlich einweihen, aber gegenüber allen anderen müssen Sie Stillschweigen bewahren und dürfen sich nichts anmerken lassen."
„Natürlich, Minister", nickte Gloria und tat dann einen Augenblick so, als müsse sie nachdenken. „Entschuldigen Sie, aber wie soll ich mich gegenüber Dumbledore verhalten, wenn er auf mich zukommt und Fragen stellt?"
„Warum sollte er das tun?", fragte Fudge überrascht.
„Nun, Minister. Die Aurore haben meine komplette Aussage erhalten. Es würde mich nicht wundern, wenn Dumbledore sie nicht innerhalb von Minuten auf seinen Tisch gehabt hätte. Jeder der sich das Ministerium sicher will, sichert sich zuerst das Aurorenbüro – oder spickt es zumindest mit seinen Spionen. Also wird er wohl auf mich zukommen, vorallem wenn die offizielle Verlautbarung diesen einen für Dumbledore wichtigen Punkt auslässt."
„Weisen Sie ihn einfach darauf hin, dass sie nicht autorisiert…"
„Hem, hem, Minister?"
Wieder verspürte Gloria das dringende Bedürfnis Umbridge zurechtzuweisen.
„Ja, Dolores?"
„Vielleicht sollte wir Mrs Kondagion bitten, freundlich zu Dumbledore zu sein. Vielleicht ist er ein wenig unbedacht, wenn er weiter Vertrauen zu ihr fasst. Vorallem, wenn Mrs Kondagion darüber schimpft, wie sehr wir sie unter Druck gesetzt haben, damit sie ihre Aussage abändert. Wir könnten angedeutet haben, wie schlecht es um weitere Beförderungen bestellt wäre und dass wir die Notwehr ihres Mannes für überzogen halten würden. Ich denke, dies würde Dumbledore mehr überzeugen, als die Wahrheit."
Fudge brummte nachdenklich.
„Ein wirklich interessanter Vorschlag", sagte Gloria und lächelte Umbridge nun sogar an. Und danke für die Drohung, du altes Miststück. „Denken Sie, ich wäre überzeugend genug?"
„Dumbledore will immer das Gute im Menschen sehen", meinte Fudge schließlich. „Und seit Sie Janos Fairbanks so beeindruckend verteidigt haben, hat er sicher eine hohe Meinung von Ihnen, Gloria. Wenn Sie es sich zutrauen, würde ich sie wirklich gern darum bitten."
„Das müssen Sie nicht, Minister", erwiderte Gloria diesmal ehrlich. „Das mache ich freiwillig. Sie müssen mir nur sage, wie ich ihnen unauffällig etwas berichten kann, wenn ich etwas Wichtiges erfahren."
„Darüber sprechen Sie bitte mit Dolores. Sie wird sich sicher etwas einfallen lassen. Gehen Sie jetzt wieder nach Hause zu ihrem Mann und Kind, Gloria. Sie hatten eine wirklich anstrengende Zeit und sollten zur Ruhe kommen." Fudge lächelte onkelhaft und reichte ihr die Hand. „Ich weiß, keine Frau hört das gerne, aber Ihr seht wirklich furchtbar aus, Gloria."
„Sie haben recht Minister", entgegnete Gloria augenzwinkernd und ergriff seine Hand. „Wir hören solche Sachen überhaupt nicht gern." Dann hielt sie von sich aus die Hand auch Umbridge hin. „Danke, dass Sie mir die Augen geöffnet haben, Madame, und halten Sie mich bitte über die Ermittlungen auf dem Laufenden."
„Aber natürlich, meine Liebe", säuselte Umbridge zuckersüß und Gloria konnte schon sehen, wie sich die Denkrädchen für die nächste Lüge drehten.
Als Gloria ging fragte sie sich kopfschüttelnd, wie zwei solche politischen Dilettanten jemals so weit aufsteigen konnten. Sie wollte sich gar nicht ausmalen, welches Trümmerfeld die beiden hinterlassen würden. Theoretisch musste man Fudge eigentlich absetzen, doch leider war Gloria noch lange nicht in der Position um ihn zu beerben oder einen ihr genehmen Zaubereiminister einzusetzen. Da hatte sie sich noch nicht entschieden. Übergangsweise musste jemand anderes ran. So problematisch es sicherlich für die Pläne ihres Meisters war, aber vielleicht sollte sie Professor Dumbledore dazu überreden Zaubereiminister zu werden...
Als Gloria in ihrem neuen Zuhause ankam, wurde sie schon von dem Hauselfen Fidusy erwartet.
„Willkommen, Mylady", begrüßte der Hauself sie freundlich. „Sie sehen erschöpft und müde aus. Etwas Limonade?"
„Was denn? Kein Pfefferminztee? Trotzdem Danke…brrr, du hast den Zucker vergessen, Fidusy.
„Zu viel Zucker ist ungesund, Mylady."
„Zu viel Fürsorge manchmal auch."
„Dann sollten Sie froh sein, mich nur selten ertragen zu müssen."
„Na, so schlimm ist es nun auch nicht", lachte Gloria müde. „Wie geht es meinem Sohn und den Elfen?"
„Alle wohlbehalten und komfortabel untergebracht, auch wenn ich die Zugänge zu einige Räumlichkeiten beschränken oder verstecken musste. Wie Sie es sich sicherlich denken können, kam Ihr Besuch mit dem gesamten Hofstaat reichlich überraschend für mich.
Eure Gefangene ist passend untergebracht."
„Gut. Nur um sicher zu gehen – mit welcher Identität hat er sich meinen Elfen vorgestellt?"
„Noch gar nicht, Mylady. Er ist anderweitig beschäftigt. Doch er hat Anweisungen hinterlassen, welche Euch betreffen. So leid es mir tut, Mylady, schaut zuerst nach Eurem Sohn, doch danach solltet Ihr unbedingt die Nachricht lesen."
„So wichtig?"
„Der böseste Mensch der Welt ist zurück, Mylady", erklärte Fidusy ernst. „Er wird keine Konkurrenz in dieser Beziehung neben sich dulden. Sie sollten vorbereitet sein – oder das Land verlassen."
„Ich werde darüber nachdenken", entgegnete Gloria und schaute ein wenig verwundert. Fidusy hatte ihr noch nie einen Rat gegeben, der über Schlafenszeiten und gesunder Ernährung hinausging. Normalerweise hielt er sich komplett heraus, obwohl Gloria vermutete, dass Banefactor ab und an seinen Rat erfragte.
Gloria fand ihren Sohn, Lucy und die anderen Elfen in einem kleinen Raum. Alle bis auf Lucy schliefen und hatten ihre kleinen Betten rings um ihren Sohn gruppiert. Ein sanftes Flimmern umgab den Ring und ein wenig Stolz erfüllte Gloria. Banefactor hatte sie gelehrt, wie wichtig es war, sich loyale und kreative Mitarbeiter zu schaffen. Er hatte ihr prophezeit, dass die Elfen sie überraschend würde, wenn sie ein wenig auf diese einging und dass was sie damals für Schwäche hielt, als ein Vielfaches an Stärke zurückkehren wird. Die Stärke des magischen Schutzes, bewies seine Vorhersage.
„Ich bin so froh, dass Sie wieder da sind, Gloria", taumelte Lucy übermüdet auf sie zu und öffnete einen Spalt in dem Schutzzauber. „Ich mag dieses Haus nicht – und diesem seltsamen Elf."
„Alles ist gut, Lucy", streichelte Gloria sanft über den Kopf der Elfe. „Wir sind hier sicher. Du hast das alles sehr gut gemacht."
„Was ist mit meiner Mutter."
„Keine Sorge. Ich kümmere mich morgen um sie. Geh jetzt schlafen. Ich nehm Caradoc und du bereitest morgen alles für die Beerdigung vor. Lad alle ein, die kommen möchten, jedoch niemanden hierher. Caradoc ist hier nur solange sicher, wenn niemand diesen Ort kennt."
„Ich verstehe", nickte Lucy und schauderte. „Trotzdem fühlt sich dieses Haus böse an."
„Es ist ein altes Haus und hat schon viel gesehen. Wir werden seine Aura schon noch verändern. Und jetzt schlaf, Lucy. Wir haben lange und anstrengende Tage vor uns."
„Wir Ihr wünscht", gähnte die Elfe und legte sich neben Caradocs Bettchen auf den Fussboden.
Ohne groß darüber nachzudenken, hob Gloria sie hoch und legte sie in das einzige noch leeren Bettchen. Dann hob sie Caradoc ganz vorsichtig in ihre Augen und genoss den Moment, als er sich instinktiv an ihre Schulter kuschelte. Ihr war schmerzhaft bewusst, dass sie ihn beinahe verloren hatte und nur unverschämtes Glück, Ausbildung und zwei kleine Elfen hatten sie davor bewahrt. Zumindest dieses Mal. Voldemort war zurück und auch wenn ihre verfluchten Eltern schon tot waren, ihre Schwiegereltern waren es nicht. Und wer wusste schon, wer noch alles aus ihrer Familie zu ihrem degenerierten Abschaum namens Todesser gehörte.
Mit Caradoc auf dem Arm ging sie in ihren Arbeitsraum. Ein Raum den Banefactor für sie eingerichtet hatte. Grüne Jade und weißes Elfenbein zierten die Wände, Schreibtisch Stuhl, Couch, Wiege und Laufställchen waren aus Mahagoni. Hinter ihrem Schreibtisch stand ein Schrank mit einigen der seltensten Büchern darin und hinter zwei Türen verstecke sich ein Fernseher. Sogar einen Computer stand ihr zur Verfügung, obwohl sie sich noch nicht wirklich damit angefreundet hatte. Das Ding auf Muggelart zu bedienen war einfach zu umständlich und die Zauber um das zu vereinfachen, funktionierten nur sehr unzuverlässigen. Dies hier war schon ihr Zehnter, so oft hatte sie schon das Silikonherz dieser Dinger überlastet. Zu ihrer Erleichterung hatte Banefactor diesmal entschieden sie nicht zu quälen und seine Nachricht handschriftlich verfasst.
Meine liebste Gloria,
es tut mir sehr leid, dass ich dir zum Abschied schreiben muss, doch mein Aufbruch kam auch für mich ein wenig überraschend. Doch es geschah zu eurem Schutz.
Wie du sicher inzwischen weißt – oder spätestens jetzt erfährst – ist Tom Riddle alias Voldemort zurück. Dies ist ansich schon keine gute Nachricht, doch er wird früher oder später auch vom „Wohltäter" hören. Ich habe, als ich ihn Tod glaubte, mir zu viele alte und künftige Todesser Untertan gemacht, als das es anders gehen könnte. Eine Liste mit ihren Namen findest du in der rechten Schublade deines Schreibtisches. Ich habe dafür gesorgt, dass keiner von ihnen jemals Ancillia begegnet ist. Doch von mir wird Voldemort erfahren und auch, was ich geschafft habe – etwas zu dem er nicht in der Lage war. Er giert nach Wissen – und das was wir zu bieten haben, ist genau wonach er immer sucht. Den Tod hinauszögern, anderen überlegen zu sein, den Feind seine Fähigkeit rauben. Es ist nicht zu erwarten, dass er gleich loszieht, solange er mit England nicht fertig ist, aber er wird seine Lakaien ausschicken. Ich habe dafür gesorgt, dass sie mir folgen und damit eine lange Zeit beschäftigt sind. Egal ob sie mich finden oder nicht, ich werde vorsichtshalber niemals zurückkehren…
26/08/2010
