Disclaimer: Die handelnden Personen und die Orte an denen die Geschichte spielt, sind das geistige Eigentum von Joanne K. Rowling. Ich beabsichtige nicht, mit dieser Geschichte Geld zu verdienen, sie dient lediglich der Unterhaltung. Mir gehören nur Jane Baker, Nicole Smith, Sarah Black, Sophie Evans, Lucy Potter, Samantha Lestrange, Debbie Grant und Josh Black, sowie einige unbedeutende Nebencharaktere.
Die Rebellion des Phönixorden
Kapitel 35
Das letzte Geheimnis
„Was für ein Ring?" fragte Remus verwirrt, während Lily, James, Sirius und Alice aufsprangen.
„Du hast ihn?" fragte Lily überrascht.
Sie schüttelte den Kopf, „Nein, noch nicht, aber ich weiß wo er ist."
„Wo?" fragte Alice.
„An Voldemorts Hand," erwiderte sie.
„Was?"
„Er muss ihn wohl schon vorher getragen haben, aber es ist mir nie bewusst aufgefallen. Jedenfalls, da ist der Ring auch jetzt noch."
„Was ist das für ein Ring?" wiederholte Remus seine Frage, dieses Mal mit mehr Dringlichkeit in der Stimme.
„Und jetzt werde ich gehen." Äußerte Sam ohne auf Remus Frage einzugehen.
„Was hast du vor?" fragte James.
„Ich geh nach Hogwarts, ich muss mit Draco reden."
„Tu das nicht Sam," sagte Sirius.
Sie schwieg, mit immer noch ausdruckslosem Gesicht.
„Sam, fang nicht an, dich zu verabschieden," beschwor Sirius sie mit eindringlicher Stimme.
„Ich will mich nicht verabschieden. Nur für den Fall. Ich werde Charlie nicht dem Tod überlassen, nicht einfach so. Aber selbst wenn ich ihn retten kann, ohne enttarnt zu werden, wird das bei dem Ring wohl kaum klappen. Wenn ich schnell genug bin, kann ich ihn vielleicht vernichten und fliehen, aber falls nicht..." Sie zuckte mit den Schultern.
„Das ist Wahnsinn," stieß Sirius aus, „Sam, damit bringst du dich um."
„Vielleicht. Ich werde es trotzdem versuchen."
Irgendwo unter der Taubheit fühlte sie Wärme, weil all diese Menschen (selbst Alice!) sie besorgt ansahen und dann begannen auf sie einzureden.
„Sam, okay, du willst Charlie retten, aber dann lass den Ring, es ist nicht wert..."
„Du musst nicht dein Leben wegwerfen..."
„Es ist vollkommener Wahnsinn..."
Doch ihr Schutzschild aus Taubheit war noch immer stark genug um all dies an ihr abprallen zu lassen.
„Hört auf, mein Entschluss steht fest. Ich wollte euch nur wissen lassen, wo ihr den Ring findet, falls ich scheitere. Und jetzt muss ich mit Draco reden."
Sie wandte sich ohne ein weiteres Wort um, griff nach dem Becher mit Flohpulver, der auf dem Kaminsims stand warf es ins Feuer und verschwand mit den Worten „Hogwarts, Zaubertrankbüro."
Snape sah sie mit überrascht gehobener Augenbraue an, als sie aus dem Kamin kam.
„Ich erinnere mich nicht, sie eingeladen zu haben, Miss Lestrange, und es ist auch schon recht spät, nicht wahr?"
„Ich muss mit Draco reden," erwiderte sie kühl.
Snape ließ sie nicht aus den Augen, während er einen Hauselfen rief und ihn dann beauftragte, Draco in sein Büro zu bringen.
„Was?" schnappte sie schließlich.
„Was haben Sie vor?" fragte er.
„Ich weiß wo der Ring ist. Ich werde Charlie befreien und dann gehen, den Ring stehlen und zerstören."
„Wohl kaum," erwiderte Snape, „Sie werden bei dem Versuch sterben."
„Das kümmert mich nicht."
Sobald sie die Worte das erste Mal gehört hatte, wurde ihr klar, dass das der Wahrheit entsprach. Sie war sich nicht sicher, wie lange ihr eigenes Leben ihr schon egal war. War es erst, seit die Möglichkeit Charlie zu verlieren so real geworden war? Oder hatte sie schon vorher aufgehört, sich um ihr eigenes Leben zu kümmern. Nur noch weitergelebt, weil sie einen Auftrag für den Orden zu erfüllen hatte. Aber der war erledigt, wenn es ihr gelang den Ring zu zerstören. Dann blieben nur noch die Schlange und der Horkrux in Hogwarts.
„Wenn es ihnen tatsächlich gelingt, den Ring zu zerstören, bleibt nur noch die Schlange," sagte Snape plötzlich.
„Was ist mit dem hier?" fragte sie.
„Lucy, Draco und Black haben ihn heute morgen gefunden," erwiderte er.
Doch seine Stimme klang, als wäre er gedanklich weit weg.
„Das bedeutet..." murmelte er.
Er sprach nicht aus, was es bedeutete, doch sein ohnehin blasses Gesicht schien nun auf eine ungesunde Weise bleich. Sie wollte nachfragen, doch in diesem Moment trat Draco ein.
„Sam, ich bin so froh dich zu sehen!" rief er aus.
Sie rang sich für ihn ein Lächeln ab, das ihre Augen vermutlich nicht erreichte.
„Ich lass euch eine Weile allein," sagte Snape.
Er schritt zur Tür, wobei sein Umhang noch genauso eindrucksvoll schwang, wie damals, als er noch ihr Hauslehrer gewesen war.
„Professor!" er wandte sich zu ihr um.
„Ja?"
„In meinen letzten Schuljahren hier habe ich sie verachtet."
„Ja, daraus haben sie kaum ein Geheimnis gemacht," erwiderte Snape.
„Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal das gleiche tun würde, wofür ich sie verachtete habe."
Seine Lippen kräuselten sich, „Bedauern Sie nicht, mich verachtet zu haben. Es gibt mehr Gründe mich zu verachten, als Sie sich vorstellen könne."
Und mit diesen Worten verschwand er.
„Was hatte das zu bedeuten?" fragte Draco verwirrt.
„Ich hab keine Ahnung," versicherte Sam ihm.
„Warum wolltest du mich sprechen?"
„Das ist vielleicht das letzte Mal, dass wir miteinander reden."
„Was? Sam, das kann nicht dein Ernst sein, du..."
Er starrte sie entsetzt an, „Hör mal, ich weiß du liebst Charlie Weasley, aber Sam du hilfst ihm nicht indem du für ihn stirbst."
„Es geht nicht nur um Charlie. Ja, er bestimmt den Zeitpunkt, aber falls ich sterbe, dann vermutlich nicht durch den Versuch ihn zu retten."
„Wie kannst du darüber so emotionslos reden?" fuhr Draco sie an, „verdammt Sam, du sprichst davon dich umzubringen und erzählst das so sachlich als würdest du mir ein scheiß Zaubertrankrezept vorlesen!"
„Ich will mich nicht umbringen," schoss sie zurück, „ich tue, was getan werden muss und es ist möglich, dass ich es nicht überlebe. Und du bist kein Kind mehr, dass ich anlügen kann oder muss."
„Und du bist hier um mir zu sagen, dass du sterben wirst?"
„Nein. Ich bin hier um dir zu sagen, dass du das letzte Mitglied meiner Familie bist, dass ich liebe und das ich sehr Stolz auf dich bin."
„Rührende Abschiedsworte, wirklich."
„Draco, ich tue, was getan werden muss."
„Ja sicher."
Er hatte die Arme vor der Brust verschränkt und lehnte sich gegen Snapes Schreibtisch. Sam wusste, dass ihr eigenes Gesicht noch immer die emotionslose Maske war, auf seinem spiegelten sich dafür mehrere Emotionen gleichzeitig. Wut, Angst, Verletzung, Trauer.
„Warum musst du es denn tun, verdammt!" schrie er plötzlich, „du bist nämlich auch das letzte Mitglied meiner Familie, dass ich liebe und ich will nicht, dass du dich von mir verabschiedest und davon ausgehst, nicht zurück zu kommen!"
Er funkelte sie wütend an, die Hände jetzt zu Fäusten geballt. Seine Haltung hatte etwas von einem trotzigen Kind, fand Sam, und der Vergleich war in dieser Situation so absurd, dass sie anfangen musste zu lachen.
„Sam?" Draco klang besorgt, vermutlich dachte er, sie wäre endgültig Wahnsinnig geworden.
„Tut mir leid," keuchte sie schließlich und wischte sich Lachtränen aus den Augen, was vermutlich noch absurder war, als Dracos vorherige Haltung. Sie beruhigte sich nur mühsam von ihrem Lachanfall, doch zu ihrer Überraschung ließ das nicht die Tränen versiegen.
„Sam," dieses Mal klang seine Stimme weich und sie spürte, wie er vorsichtig einen Arm um sie legte und sie an sich zog.
Da stand sie und schluchzte in die Robe ihres siebzehn Jahre alten Cousins. Sie hatte natürlich gewusst, dass ein Zusammenbruch irgendwann kommen musste. Die Taubheit hatte nicht ewig bleiben können. Das Wissen darum, dass Charlie seit mehr als einem Tag gefangen war und gefoltert wurde und jeder Zeit sterben konnte, trieb nun glühend heiße Klingen in ihr Herz. Selbst in die Teile, die sie längst für erfroren gehalten hatte.
Erst auf dem Astrononmieturm konnte Severus seine ziellose Wanderung durch Hogwarts beenden. Er schloss die Augen, atmete die kühle Nachtluft und schaffte es, für einen Moment, seinen Kopf von jeglichen Gedanken zu befreien. Dann öffnete er die Augen wieder und ließ die Gedanken zurück in sein Hirn strömen. Samantha würde also versuchen, den Ring zu vernichten. Er hielt ihren Plan für Wahnsinn und war sich ziemlich sicher, dass sie sterben würde. Aber das war ihre Entscheidung und nicht seine. Aber sollte ihr Plan gelingen, oder zumindest der Teil, in dem sie den Horkrux vernichtete, dann blieben nur noch zwei Horkruxe. Und er war der einzige, der wusste, dass es noch zwei waren.
Wie oft schon hatte er Albus dafür verflucht, dass er ihm diese Last aufgeladen hatte und dann doch wieder verstanden und es irgendwie sogar unterstützt. War das nun der richtige Zeitpunkt? Musste er Harry Potter jetzt sagen, dass er sterben musste? Seine Finger verkrampften sich um die Brüstung. Er trug das Wissen, dass Harry sterben musste seit über ein anderthalb Jahren mit sich, doch er hatte sich immer wieder gesagt, dass noch Zeit war. Dass es noch nicht soweit war und er versuchen sollte, nicht zu oft über sein Wissen und dessen Auswirkung nachzudenken. Aber vielleicht hatte er noch immer Zeit. Wenn Samantha nicht schaffte den Horkrux zu zerstören.
Plötzlich war er der einzige Mensch, der ihren Plan kannte und innerlich flehte, sie möge scheitern.
„Wir müssen ihr helfen!"
James merkte, wie die anderen um ihn herum durch seinen plötzlichen Ausruf aufschreckten.
„Was meinst du?" fragte Lily.
„Sam wird versuchen Charlie zu retten und den Horkrux zu vernichten, nicht wahr? Ich meine, wir sollten die Todesser ablenken, indem ein paar von uns zum Schein versuchen, in Voldemorts Residenz einzudringen. Das verschafft Sam auf jeden Fall die Zeit Charlie raus zu holen."
„Was für ein Horkrux?" fragte Remus ärgerlich, „will mal bitte einer von euch uns andere einweihen, was ihr da die ganze Zeit für mysteriöses Zeug quatscht."
Lily, Alice, Sirius und James tauschten Blicke, ehe Letzterer mit den Schultern zuckte.
„Es wissen sowie so schon unheimlich viele Leute davon, oder?" meinte er.
Möglichst kurz fasste er zusammen, was es mit den Horkruxen auf sich hatte und wie sie die ersten vier gefunden hatten.
„Also das hatte ich jetzt nicht erwartet," sagte Remus verblüfft.
„Ich auch nicht," stimmte Dora zu, „und ihr wisst davon schon seit über zehn Jahren."
„Irre, dass du dich noch an den Hexenmeisterstreich erinnert hast," meinte Remus zu Sirius, „ich glaub ich hatte den schon vergessen."
„Zurück zu meinem eigentlichen Plan," forderte James.
„Also ich finde, wir sollten nicht nur so tun, als würden wir in Voldemorts Residenz eindringen wollen, sondern es tatsächlich machen," meinte Sirius, „dann können wir auch gleich das Schlangenvieh vernichten."
„Und wer alles?" fragte Lily, die ebenfalls gewillt schien, den Plan durchzuführen.
„Wir alle natürlich," meinte Dora.
„Bill wird dabei sein wollen," fügte Sirius an.
„Das reicht dann aber," meinte James, „sieben Leute sind sowieso schon recht auffällig."
„Na, willst du von Sam ablenken oder dich unbemerkt einschleichen?" konterte Sirius, „ich meine, wir sollten mehrere Gruppen um die Residenz verteilen, von der aber nur eine, wir, wirklich reingeht. Die Todesser werden dadurch verteilt und können sich nicht auf eine Gruppe konzentrieren und sobald Sam und Charlie raus sind und beide Horkruxe zerstört, können alle verschwinden."
„Dann sollten wir besser schnell anfangen, die Leute für diesen Plan zusammen zu trommeln," stellte Lily fest.
„Ist sie noch hier?" fragte James außer Atem.
Snape sah ihn ein wenig verwirrt an. „Wer ist hier?"
„Samantha."
„In meinem Büro, redet mit Draco."
„Na ein Glück," murmelte James und dann rannte er erneut los.
Er war zuerst in McGonagalls Büro gewesen, die ziemlich erschrocken war und auch nichts davon wusste, dass Sam im Schloss war, allerdings vermutet hatte, dass diese dann wohl durch Severus Kamin gekommen sein musste, woraufhin James losgestürmt war. Er hörte Snape, der ihm mit schnellen Schritten folgte.
„Falls du ihr diesen Selbstmordplan ausreden willst, glaube ich nicht, dass du damit Erfolg haben wirst, Potter!"
„Ich will ihn ihr nicht ausreden, ich will ihn unterstützen," erwiderte James.
Erst nach ein paar Sekunden wurde ihm klar, dass Snape schlagartig stehen geblieben sein musste. Er wandte sich um. „Was ist?"
„Unterstützen? Drehen hier eigentlich gerade alle durch?" fauchte Snape.
„Weshalb?"
„Ihr Plan ist verdammter Selbstmord, willst du dich auch umbringen?"
„Nein, natürlich nicht," erwiderte James.
„Dann verstehe ich nicht, wieso du diesen Wahnsinn unterstützen willst."
„Weil ich es verdammt noch mal Leid bin, guten Leuten beim Sterben zuzusehen!" schrie er, „und wenn ich heute Nacht die Chance habe, zwei Menschen zu retten und die letzten beiden Horkruxe zu zerstören, dann werde ich mir diese Chance sicher nicht entgehen lassen."
„Also willst du dich auch noch um die Schlange kümmern? Hör dir doch selbst zu Potter, das alles ist völliger Irrsinn."
„Niemand zwingt dich, dich an diesem Irrsinn zu beteiligen, bleib du einfach in deinem Büro sitzen," schnappte James wirbelte herum und lief weiter.
„Du machst einen Fehler, Potter!" rief Snape hinter ihm, „du denkst du rettest Menschen aber am Ende wird es dazu führen, dass du noch mehr Menschen beim Sterben zusehen musst, Menschen die du liebst!"
Er war bei Snape und drückte ihn gegen die Wand, ehe ihm selbst recht klar war, was er eigentlich tat.
„Sag so was nicht," zischte er, „niemals."
Erst dann wurde ihm klar, was er tat und er sprang zurück.
„Tut mir leid," stammelte er, „ich... keine Ahnung was in mich gefahren ist."
Snape starrte ihn aus seinen unleserlichen schwarzen Augen an. Die Haut seines Gesichts war krankhaft bleich.
„Du machst einen Fehler, Potter," flüsterte Snape.
„Vielleicht," erwiderte James, „aber ich hoffe, dass es keiner ist."
Endlich setzte er seinen Weg zu Snapes Büro fort. Noch schneller und mit heftig schlagendem Herzen. Er wusste nicht, was er erwartet hatte, aber sicher nicht, dass Sam in Tränen aufgelöst war und in Malfoys Umhang schluchzte. Aber dann wiederum hatte ihr Zusammenbruch ja irgendwann kommen müssen. Der Teenager bemerkte ihn zuerst.
„Mr. Potter?"
„Ich muss mit Sam reden."
Sie richtete sich auf und wischte sich Tränen aus dem Gesicht. Ihm war augenblicklich klar, dass sie sich dafür schämte, dass er ihren Zusammenbruch gesehen hatte.
„Wir lassen dich heute Nacht nicht ohne Unterstützung," kam er ohne zu zögern auf den Punkt.
„Was soll das heißen?" fragte sie verblüfft.
Schnell erläuterte er den bisherigen Plan. „Sirius, Lily, Alice, Remus und Dora trommeln alle Auroren und die Ordenskämpfer zusammen, denen wir zutrauen, sich daran zu beteiligen."
„Was ist mit uns Schülern?" fragte Draco.
James schüttelte den Kopf, „Keine Schüler heute Nacht."
Sie hielten die Schüler aus allem heraus, aus dem sie sie heraus halten konnten und ein unerklärliches Gefühl tief in seinem Inneren sagte ihm, dass dies heute Nacht besonders wichtig war. Heute Nacht durften keine Schüler in Voldemorts Nähe kommen. Noch ein wenig tiefer in seinem Inneren fühlte er, dass es Harry war, der heute Nacht nicht in Voldemorts Nähe kommen durfte.
Dreizehn Auroren und einunddreißig weitere Ordenskämpfer, die sich an dem Plan beteiligen würden und Lily flehte innerlich, dass der Plan funktionieren würde. Sie unterstützte James und Sirius voll und ganz in diesem Plan, denn wirklich, sie alle waren es so leid ihre Kameraden nach und nach sterben zu sehen, aber da war immer die Möglichkeit, das alles schief ging und sie mehr Menschen verlieren als retten würden.
Sie alle waren jetzt im Aurorenhauptquartier versammelt und warteten auf die Ankunft von James und Sam. Sie selbst bemerkte gar nicht, wie die beiden eintrafen, doch James klare, laute Stimme ließ sofort Ruhe einkehren und alle Aufmerksamkeit richtete sich auf ihn.
„Okay, hört alle her! Sirius, Lily und Remus haben die Grundzüge des Plans ja schon erklärt, wir werden jetzt noch einige Feinheiten ausarbeiten!"
Hinter ihm an der Wand hing eine Karte die er jetzt vergrößerte.
„Das ist ein Plan von Voldemorts Residenz und der umliegenden Umgebung. Die rote Linie markiert den Verlauf der Schutzzauber, wobei diese an den meisten Stellen entlang der Grundstücksmauer verlaufen und nur an wenigen Stellen ausgedehnt sind, so dass sie die Eingänge zu Geheimgängen erfassen. Durch einen dieser Geheimgänge werden Remus, Bill und ich reingehen."
Lily schnappte nach Luft, sie suchte Sirius Blick, der in ihrer Nähe stand und ähnlich verblüfft wirkte wie sie.
„Er will, dass nur drei reingehen?" flüsterte sie mit hörbarem Entsetzen in der Stimme.
„Keine Ahnung was er sich dabei denkt," murmelte Sirius zurück.
„Drei Gruppe, angeführt von Lily, Sirius und Alice werden vorgeben an anderen Stellen die Schutzzauber durchbrechen zu wollen. Diese Gruppen beinhalten jeweils zwei weitere Personen und jede dieser Gruppen hat wiederum einen etwa zehn Personen umfassenden Backup-Trupp. Ziel dieser Aufteilung ist folgende, Remus, Bill und ich bleiben unbemerkt und können Sam innen unterstützten. Wenn alles so läuft wie wir hoffen, dann kann Remus die Schutzzauber durchbrechen, ohne dass Voldemort es überhaupt bemerkt. Sobald wir drin sind fängt die Ablenkung durch Lilys, Sirius und Alice Leute an, das Ziel davon ist, möglichst viele Todesser hinaus zu locken. Wenn eine Gruppe von so vielen angegriffen wird, dass sie alleine nicht damit fertig werden, was wahrscheinlich ist, kommt der Backup-Trupp ins Spiel und greift aus dem Hinterhalt an."
Lily fragte sich, wann genau James diesen detaillierten Plan ausgearbeitet hatte. Und was in drei Merlins Namen er sich dabei dachte, sie beide in einer Nacht wie dieser zu trennen. Wütend drängte sie sich durch die Menge auf James zu und spürte, dass Sirius hinter ihr war.
„Was soll das?" zischte sie, als sie ihn erreichte.
„Ja, das ist ne verdammt gute Frage," hörte sie Sirius hinter sich.
„Wir können nicht alle rein gehen," erwiderte James, „Remus muss, weil er der Beste ist, wenn es um's knacken dieser Zauber geht, dann ich und Bill weil Charlie sein Bruder ist. Wenn wir alle rein gehen, sind wir zu viele und zu auffällig, außerdem brauchen wir gute Leute draußen."
„Mir gefällt das nicht James," flüsterte sie, „nicht im geringsten."
„Mir auch nicht besonders," gab er zu.
Sam hatte nach James Ankunft im Kerker nicht lange gebraucht, um ihre Selbstbeherrschung wieder zu erlangen. Während er den versammelten Ordensmitgliedern seinen Plan erklärt hatte, hatte sie sich allerdings im Hintergrund gehalten.
Dann hatte sie sich einen von Remus Spezial-Portschlüsseln und einen der Zweiwegespiegel geben lassen und nun wartete sie neben James und Bill darauf, das Remus die Schutzzauber knackte. Der war allerdings noch mit der Analyse der komplizierten magischen Banne beschäftigt und Sam musste sich beherrschen, ihn nicht zur Eile zu drängen. Wie lange standen sie jetzt schon hier in der Dunkelheit? Mitternacht musste inzwischen verstrichen sein. Bill neben ihr schien ähnlich ungeduldig.
„Du apparierst rein, sobald wir auch rein können, okay?" fragte James.
Sie verdrehte die Augen, „Ich weiß James, wir haben das ganze zusammen ausgearbeitet, du erinnerst dich?"
Dass er wieder und wieder nachfragte, zeigte, wie nervös auch er war. Wer konnte es ihm auch verdenken?
„Ich hoffe dieser Portschlüssel funktioniert," murmelte sie.
Sie würde in die Kerker gehen, wo sie Charlie hoffentlich alleine in seiner Zelle finden würde und ihn dann mit dem Portschlüssel geradewegs in den Krankenflügel schicken, dann konnte sie wieder zu den anderen drei stoßen, die in der Zwischenzeit schon auf die Suche nach Schlange und Ring gehen würden. Falls der Portschlüssel nicht funktionierte – und sie befürchtete, dass es so sein würde – würde sie Charlie selbst hinausapparieren und dann zurück kommen müssen. Und falls weder das eine noch das andere funktionierte, konnte sie noch immer die anderen über den Spiegel zur Hilfe rufen.
„Okay," murmelte Remus, „ich glaub ich hab das wesentliche entschlüsselt. Der Alarm müsste jetzt geblockt sein, das bedeutet, ich kann anfangen an dem eigentlichen Schutz zu arbeiten."
„Wenn du Hilfe brauchst..." begann James, doch Remus schüttelte den Kopf, „Ich kann das am besten wenn ich alleine arbeite."
Beeil dich, dachte Sam.
Severus ging in seinem Büro auf und ab. Was wenn Potters Plan Erfolg hatte? Was wenn heute Nacht Ring und Schlange vernichtet wurden. Der Zeitpunkt war gekommen, seinen Schwur zu erfüllen, er fühlte es. Tat er es nicht würde er sterben und dieses letzte Geheimnis, das Albus ihm anvertraut hatte mit ins Grab nehmen, was nicht den geringsten Nutzen hätte und seine zwei Jahre währende Selbstdisziplin, die ihn davon abgehalten hatte, Lily, Potter oder Lucy etwas zu sagen, völlig überflüssig machen.
Keiner von ihnen hätte die Kraft ihn in den Tod zu schicken. Aber du und ich, Severus, wir können tun, was getan werden muss...
Der Zeitpunkt war gekommen, zu beweisen, dass er diese Kraft tatsächlich hatte. Ein Teil von ihm, der, der Dumbledore dafür gehasst hatte, dass er ihm dies aufgebürdet hatte, der Teil der sich so schuldig fühlte, weil Harry Potter so unschuldig war, drängte ihn, den Schwur unerfüllt zu lassen und zu sterben. Aber was wäre der Effekt? Niemand würde wissen, dass Harry Potter ein Horkrux war. Der Krieg würde andauern und unzählige Menschen würden durch die Todesser und Voldemort vernichtet werden. Jeder Versuch, Voldemort zu töten wäre von vorne herein zum scheitern verurteilt, bis Harry starb.
Sicher, das konnte schnell passieren. Voldemort oder einer seiner Todesser könnte ihn töten. Aber er konnte auch weiterleben, alt werden und dann sterben. Das würde den Horkrux ebenso vernichten, wie ein gewaltsamer Tod und Harry würde nicht als unschuldiger Junge geopfert werden. Aber da waren andere unschuldige. Der Unterschied war nur, dass Severus sie nicht persönlich zur Opferbank führen musste. Aber machte das ihren Tod besser? Die Zeit sich schuldig zu fühlen würde später sein. Er schloss die Augen und stärkte den Teil seiner selbst, der wusste, dass Dumbledore richtig gehandelt hatte. Kapselte den Teil, der sich schuldig fühlte und Dumbledore noch in den Tod hinein verfluchte von sich ab. Er öffnete die Augen wieder und bereitete sich darauf vor, mit Harry Potter zu reden.
„Ich hab's," zischte Remus.
James Patronus galoppierte davon, um diese Nachricht Alice, Lily und Sirius zu überbringen.
„Also dann," sagte James und warf Sam einen Blick zu, „viel Glück."
„Danke, euch auch."
Es war ein seltsamer Moment, in dem sie alle einander ansahen, dann umarmte Sam erst James, dann Remus und zuletzt Bill.
„Hol ihn da heil raus," flüsterte er.
„Ja, mach ich."
Sie küsste ihn auf die Wange, „Und du passt auf dich auf, klar? Ich will Charlie nicht erzählen müssen, dass du bei seiner Rettungsmission gestorben bist."
„Keine Sorge," erwiderte er, „wird schon alles glatt gehen."
„Ja. Ganz sicher." Sie ließ ihn los und disapparierte dann.
Im Inneren des Gebäudes war alles still, kein Wunder, es war schließlich mitten in der Nacht. Falls Sam dennoch Todessern begegnen sollte, war sie hoch gestellt genug, dass keiner Fragen stellen würde. Sollte sie Voldemort persönlich treffen, würde sie ihm erzählen, sie wollte sehen, ob Lucius noch immer ihre Hilfe brauchte. Sie hoffte allerdings, das Letzterer die Folter zumindest während der Nacht unterbrach, denn das würde ihr die Unannehmlichkeiten ersparen, die ein Duell mit ihm haben würde.
Obwohl sie sicherlich keine Gewissensbisse haben würde, sollte sie Lucius töten. Nur der schmale Lichtkegel, den der Lumoszauber erzeugte, beleuchtete den Weg hinab in die Kerker, in denen vor tausend Jahren bereits Salazar Slytherin gefoltert und gemordet hatte. Eisige Kälte kam ihr entgegen und sie hoffte, dass dort unten keine Dementoren patrouillierten, obwohl diese Kälte das Gegenteil längst bewies. Sie werden mich nicht angreifen, erinnerte sie sich selbst, und falls sie es doch versuchen, dann bin ich ganz gut in der Lage einen Patronus zu beschwören. Immerhin, wenn Dementoren dort waren, waren vermutlich keine Todesser mehr da, denn auch wenn die Dementoren diese anhand des dunklen Mals erkennen konnten, mochte kaum jemand die eisige Kälte und die Erinnerungen, die die Dementoren dennoch herauf beschworen.
Wie sie es erwartet hatte, wichen die beiden Dementoren zurück, als sie den Tunnel betrat. Sam wusste, dass die Kerkertunnel ein regelrechtes Labyrinth bildeten, doch bisher waren für die wenigen Gefangenen die hierher und nicht nach Askaban gekommen waren immer die vorderen Zellen verwendet worden. Doch die ersten Zellentüren standen offen und schienen auch nicht kürzlich benutzt worden zu sein. Kein Blut, keine Exkremente, keine Kleiderfetzen. Nichts was auf einen Menschen hindeutete. Sie folgte dem Hauptgang um die erste Biegung.
Ihr Herz raste regelrecht. Wo bist du Charlie? Und da war sie, die verschlossene Tür, nach der sie gesucht hatte. Ihre Hand bebte, als sie sie hob und mit dem Zauberstab auf die Tür deutete, die aufschwang.
„Oh Merlin," entfuhr es ihr.
Sicher, sie hatte Menschen gesehen, die übler zugerichtet waren als Charlie. Sie selbst hatte Menschen übler zugerichtet, als Charlie es jetzt war. Aber ihn so zu sehen, trieb ihr Tränen in die Augen. Sein Gesicht war geschwollen und Blutverklebt und diverse Knochen waren ganz klar gebrochen. Sam wollte gar nicht wissen, wie die Haut unter seiner Kleidung aussah, die zerrissen und Blutverklebt war. Sie zitterte am ganzen Körper, als sie neben ihn auf den Boden sank und mit beiden Händen vorsichtig sein Gesicht umfasste.
„Charlie," wisperte sie mit zitternder Stimme.
Sie blinzelte die Tränen fort, von denen sie sich jetzt auf gar keinen Fall die Sicht verschleiern lassen wollte. Seine Augen öffneten sich, doch er hatte ganz offensichtlich Probleme, seinen Blick zu fokussieren.
„Charlie ich bin hier," wisperte sie, „ich hol dich hier raus."
Seine Augen trafen endlich die ihren, doch was sie darin sah war nicht was sie erwartet hatte. Pures Entsetzen durchmischt mit Verzweiflung und Angst. Ein heiseres, kaum vernehmbares „Nein!" drang aus seinem Mund.
„Charlie, ich bin hier alles wird gut," flüsterte sie.
„Lauf weg, Sam," krächzte er, „schnell, solange du noch kannst."
„Okay, Zeit die Zauber zu attackieren," sagte Sirius.
Er bildete ein Team mit Dora und Fleur Delacour, die allerdings beide gedanklich andernorts zu sein schienen. Warum hab ich mir gerade die Frauen raus gepickt, deren Männer gerade in Voldemorts Hauptquartier eindringen? Fragte er sich. Ich hätte sie Lily überlassen sollen, die drei hätten das perfekte Team gebildet.
„Konzentriert euch jetzt gefälligst," befahl er ihnen.
Dora warf ihm einen zornigen Blick zu, „Ich konzentriere mich," zischte sie.
Sie schien tatsächlich mehr bei der Sache und auch Fleur schien ihren Fokus nun mehr auf die vor ihnen liegende Aufgabe zu richten. Zu dritt begannen sie, an den Schutzzaubern zu rütteln. Voldemort hatte ganz sicher einen Alarm in die Dinger eingewebt, der ihn inzwischen informiert hatte, dass an drei verschiedenen Stellen jemand versuchte die Zauber zu durchbrechen. Das sollte ihn ausreichend beschäftigen und Sam, James, Remus und Bill die Zeit geben, die sie brauchen würden um Charlie zu retten und die Schlange zu töten.
Und dann würden sie hoffentlich die Chance kriegen, Voldemort irgendwie den Ring abzunehmen. Wobei hoffentlich und irgendwie eigentlich viel zu viele Variablen waren. Aber wie plante man auch, einem dunklen Lord einen Ring abzunehmen. Sie mussten nur etwa fünf Minuten auf die ersten beiden Todesser warten, die zu besiegen sich allerdings nicht gerade als eine besonders schwierige Übung gestaltete.
„Bring sie ins Gefängnis," sagte er zu Dora, „solange wir die Zeit dazu haben, sollten wir hier niemanden liegen lassen, der einfach zu reanimieren ist und dann Teil einer Übermacht wird."
Sie nickte, packte den ersten und disapparierte um Sekunden später zurück zu kommen und den zweiten mit zu nehmen.
„Hoffen wir, dass die immer nur so vereinzelt auftauchen," murmelte sie, als sie zurück kam.
„Glaub ich nicht, die sollten wahrscheinlich sehen was vorgeht, wenn sie nicht zurück kommen, wird Voldemort mehr schicken."
„Nun Hauptsache das 'ält sie davon ab, sisch su sehr auf das Innere zu konzentrieren, nischt wahr?" meinte Fleur grimmig. „Ja. Genau das ist der Plan."
Harry war mehr als verwirrt. Es kam nicht häufig vor, dass er mitten in der Nacht von einer Hauselfe geweckt wurde. Und dass diese ihn dann bat, Professor Snape in dessen Büro aufzusuchen war wohl das Letzte, was er von der Elfe erwartet hatte.
Er gähnte, was verflucht wollte Snape mitten in der Nacht von ihm? Oder war die Elfe einfach beim falschen Potter gelandet und Snape wollte Lucy irgendetwas wahnsinnig spannendes zeigen, das mit Zaubertränken zu tun hatte. Sollte das der Fall sein, würde Harry Snape umbringen, so viel stand fest. Er gähnte wieder. Die Tür zu Snapes Büro war geöffnet, ein Zustand, in dem Harry sie noch nie gesehen hatte. Er blieb stehen und zögerte, in der Regel erwartete ihn nichts gutes, wenn er in Snapes Büro ging.
„Kommen Sie rein, Potter!" erklang Snapes Stimme, „und machen Sie die Tür hinter sich zu."
Also war die Elfe bei ihm richtig gewesen, denn Lucy sprach er mit ihrem Vornamen an.
„Ich hoffe, Sie haben einen wirklichen guten Grund mich mitten in der Nacht in ihr Büro zu zitieren," grummelte Harry.
„Setzen Sie sich."
Snape selbst saß ebenfalls und vor ihm auf dem Schreibtisch stand ein flaches, rundes Gefäß, das eine silberne Substanz beinhaltete. Im Kamin prasselte ein Feuer, das selbst Snapes Büro warm und gemütlich erscheinen ließ. Harry ließ sich in den gepolsterten Stuhl gegenüber von Snape sinken. Seit wann waren die Stühle in Snapes Büro gepolstert?
„Sie wissen, dass Charlie Weasley in Norwegen verhaftet wurde, oder?"
Harry nickte.
„Und sie wissen auch, dass Samantha Lestrange mit ihm liiert ist."
Harry nickte erneut. Was hatte das mit ihm zu tun?
„Sie versucht heute Nacht ihn zu retten. Ihre Eltern und diverse andere Mitglieder des Ordens unterstützen diesen Plan und wollen zusätzlich heute Nacht die letzten beiden Horkruxe vernichten."
Harrys Verwirrung wuchs. Nun gut, seine Eltern brachten sich in Gefahr und so wenig ihm das auch gefiel, war es keine Neuigkeit, für die man ihn normalerweise weckte.
„Was hat das mit mir zu tun?" fragte er, ehe ihm ein Gedanke kam.
Dachte Snape, er sollte auch dort sein? Wenn die letzten beiden Horkruxe zerstört waren, war Voldemort wieder sterblich, was bedeutete, dass es an der Zeit für ihn selbst war, den letzten Schritt zu machen.
„Sie wollen, dass ich heute Nacht auch dort bin um es zu beenden!"
„Nein," erwiderte Snape leise.
„Dann verstehe ich nicht, warum Sie mich aus dem Bett geholt haben."
„Es gibt etwas, dass Sie erfahren müssen Potter. Es gibt noch mehr als diese beiden Horkruxe."
„Noch mehr?" fragte Harry, „aber wieso weiß niemand davon?"
„In diesem Denkarium auf dem Tisch befindet sich eine Erinnerung Potter, sehen Sie sie sich an."
„Eine Erinnerung? Wessen?"
„Meine. Ich warte hier auf Sie. Sie müssen nur die Substanz berühren. Ich versichere ihnen es ist harmlos."
Harry streckte zögernd seine Hand aus und berührte die silberne Flüssigkeit und schon wurde er in die Erinnerung gesogen.
Er landete im Schulleiterbüro, wo Dumbledore und Snape sich gegenüber standen und ihre Hände miteinander verschränkt hatten, um die ein dreifaches rotes Band erglühte. Harry war sich nicht sicher, doch er glaubte, dass die das Ende eines unbrechbaren Schwurs sein musste.
„Du hast mitbekommen, was vor fast einem Monat geschehen ist, nicht wahr? Das Tagebuch, dass Harry, Ronald, Ginevra und Draco gestohlen hatten erwies sich als Horkrux und wäre beinahe in der Lage gewesen Harry zu töten," sagte Dumbledore, nachdem die beiden Männer sich am Schreibtisch des Schulleiters niedergelassen hatten
„Das konnte mir schwerlich entgehen."
„Nachdem ich die ganze Geschichte gehört hatte, habe ich angefangen, mir Fragen zu stellen. Fragen die Harry betreffen. Warum hat Harry dem Tagebuch so leichtfertig vertraut? Wie genau funktioniert die Verbindung zwischen ihm und Voldemort? Weshalb beherrscht Harry die Schlangensprache? Ich habe verschiedene Möglichkeiten in Betracht gezogen, aber letztendlich glaube ich, dass es nur eine Antwort gibt. Etwas, das ich schon sehr lange vermute und von dem ich glaube, dass es jetzt bestätigt ist."
„Ich dachte, dass der Horkrux von dem Jungen Besitz ergriffen hätte."
Dumbledore schüttelte den Kopf, „Nein, das hat es nicht. Nicht dieses Seelenbruchstück. Harry hatte keine Erinnerungslücken, aber die hätte er, wenn er zwei Wochen von diesem Seelenteil besessen gewesen wäre. Nach dem was Harry berichtet hat, war Riddle erstaunt, dass er Parsel sprechen konnte, als er die Mauer vor der Kammer öffnete. Das lässt mich vermuten, dass für den winzigen Moment, in dem Harry bereits Parsel sprechen musste um das Waschbecken zu öffnen, tatsächlich Riddle von ihm Besitz ergriff, aber nur in diesem einen Moment."
„Was meinst du damit Albus? Nicht dieses Seelenbruchstück, welche anderen Seelenbruchstücke könnten sonst noch... bei Merlin... du denkst, Potter selbst ist ein Horkrux!"
Harry schnappte nach Luft. Was? Er sollte ein Horkrux sein? Aber das war völlig unmöglich. Was immer es war, Snape musste mit dieser Vermutung falsch liegen.
„Der Seelenteil in Harry spürte die Nähe dieses anderen Stückes und wurde mächtig in Harry, mächtiger als jemals zuvor. Es ließ Harry glauben, der Horkrux, Tom Riddle sei vertrauenswürdig. Der Seelenteil lässt Harry hin und wieder in Voldemorts Geist, in Voldemorts Seele blicken und er gibt ihm die Fähigkeit Parsel zu sprechen," erklärte Dumbledore jetzt.
Das konnte nicht sein. Er war kein Horkrux. Das hätte er doch wissen müssen. Und überhaupt, wie sollte ein Seelenbruchstück Voldemorts überhaupt je in ihn gelangt sein?
„Aber wie wurde der Junge ein Horkrux? Und aus welchem Grund, es macht überhaupt keinen Sinn."
„Nein. Und das liegt daran, dass Voldemort nie beabsichtigte Harry zu einem Horkrux zu machen. Die Tatsache, dass er immer wieder versucht, Harry zu töten, beweist, dass er sich dessen nicht einmal bewusst ist. Aber Voldemort weiß, und wusste schon immer, eine gewisse Theatralik zu schätzen. Ich glaube als er Harry töten wollte, wollte er damit seinen finalen Schritt zur Unsterblichkeit gehen. Er wollte den einen Menschen töten, der ihm der Prophezeiung zufolge gefährlich sein würde. Und er wollte seinen letzten Horkrux schaffen.
Der erste Fluch, der Harrys Großmutter tötete, sollte Harry töten und seine Seele ein letztes Mal teilen. Und das tat der Fluch. Er zerriss Voldemorts Seele, doch er selbst war viel zu abgelenkt von der Tatsache dass diese alte Frau sich ihm in den Weg stellte und der Junge noch lebte. Er verwendete den zweiten Fluch gegen Harry, der wie wir wissen überlebte. Voldemort disapparierte und ließ dabei ein Stück Seele zurück, dass einen Zufluchtsort brauchte und diesen fand es in Harry."
Er sollte ein Horkrux sein, seit er acht Jahre alt gewesen war? Das war absurd und lächerlich. Er hasste Voldemort mit jeder Faser seines Herzens und er würde den Bastard eigenhändig umbringen. Niemals hätte er zehn Jahre lang einen Teil von dessen Seele beherbergen können ohne es zu wissen und erst recht hätte dieses Stück nicht so lange in jemandem leben können, der einen so enormen Hass gegen seinen Besitzer hegte.
„Warum sagst du mir das?" flüsterte Snape nun.
„Weil jemand es wissen muss," erwiderte Albus, „und jemand muss es Harry sagen, sobald alle anderen Horkruxe, oder zumindest die meisten davon, zerstört sind."
„Und das soll ich sein?"
„Nur, wenn ich nicht mehr lebe um es selbst zu tun."
„Warum ich?"
„Ist das nicht offensichtlich? Jeder andere der von den Horkruxen weiß, liebt diesen Jungen. Keiner von ihnen hätte die Kraft ihn in den Tod zu schicken. Aber du und ich, Severus, wir können tun, was getan werden muss, unabhängig davon ob es uns gefällt."
Die Erinnerung endete und Harry war wieder in Snapes Büro, doch Dumbledores letzter Satz halte noch immer in seinen Ohren. In den Tod zu schicken? Langsam sickerte die Bedeutung dessen, was er gehört und gesehen hatte in sein Gehirn. Die Seelenbruchstücke, die zu Horkruxen wurden, konnten nur leben, solange das, was sie beherbergte intakt war. Ihnen allen war klar gewesen, dass sie die Schlange würden töten müssen. Und wenn er ein Horkrux war, dann hieß das konsequenter Weise, dass auch er sterben musste.
„Nein," er hatte das Wort nicht laut aussprechen wollen.
Jegliches Gefühl von Wärme und Gemütlichkeit war aus Snapes Büro verschwunden und in Harry war nur Platz für eisige Kälte. Ich werde sterben. Es führte kein Weg daran vorbei, der Krieg konnte nicht enden, solange Voldemort lebte. Voldemort konnte nicht sterben solange Harry lebte. Und solange der Krieg andauerte würden weiter Menschen sterben, vielleicht Menschen, die Harry selbst liebte. Mum und Dad, Lucy, Ron, Neville, Hermine, Debbie, Sirius, Remus... Ginny!
Er musste sterben. Es war der einzige Weg sie alle zu beschützen. Er spürte, dass seine Augen brannten und er blinzelte um die Tränen zu verdrängen. Er würde nicht weinen und ganz sicher würde er nicht vor Snape weinen. Und er hatte es schon einmal getan. Seinen eigenen Tod geplant im Austausch für Lucys Leben. Er konnte es wieder tun. Er wünschte nur, es hätte damals funktioniert, dann müsste er dieses Grauen jetzt nicht noch einmal durchstehen.
Er schloss die Augen und sah Ginnys Gesicht vor sich. Wenn er damals gestorben wäre, hätte er nie gemerkt wie sehr er sie liebte. Ihm wäre eine der besten Erfahrungen seines Lebens entgangen. Das jedenfalls war es Wert, den Horror noch einmal zu durchleben. Er stand langsam auf.
„Ich denke ich weiß, was ich zu tun habe," sagte er leise.
„Es tut mir Leid," flüsterte Snape, „ich wünschte ich könnte es ändern."
Irgendwie brachte Harry ein schwaches Lächeln zustande.
„Das Merkwürdige ist, dass ich Ihnen sogar glaube. Was hat Dumbledore sie schwören lassen? Dass sie es niemandem außer mir sagen?"
Snape nickte.
„Ich hätte nicht gedacht, dass Dumbledore so eiskalt war."
„Er wollte nicht, dass es wahr ist. Genauso wenig wie ich..."
„Sie müssen ihn nicht in Schutz nehmen. Ich kann in ihren Augen sehen, dass Sie ihn dafür hassen."
„Aber ich verstehe seine Entscheidung auch."
Einen Moment lang dachte Harry über diesen letzten Satz nach, ehe er leise erwidert, "ja. Ich auch."
AN: Whoa, ich bin selbst schon ganz aufgeregt, obwohl ich ja weiß, was noch passieren wird ;)
Ich hatte das Kapitel doch schneller fertig als erwartet und weil ich am Wochenende in London bin und wahrscheinlich erst nach dem Wochenende zum update kommen würde, gibt es das in der Woche. Ich versuche übrigens, für die letzten Kapitel wieder in einen ein Wochen Rhythmus zu kommen.
Und ihr dürft gerne so fleißig weiter reviewn wie zu den letzten beiden Kapiteln. Ich freu mich da echt super doll drüber und kann gar nicht genug davon kriegen. Ich träume ja davon, dass die Story die 200er Marke knackt ;)
Also, vielen vielen Dank an alle, die mir immer so fleißig mitteilen was sie denken und an alle anderen, wird Zeit, dass ihr das auch mal macht ;)
lg Sanny
