XXXIX. Ein erstes Hindernis
"Der Styx ist ne Göttin?" fragte Clarisse sichtlich verstört. Ich musste herzhaft lachen als ich die ganzen fassungslosen Demigötter herumstehen sah. "Kann man wohl so sagen, sie hat jedenfalls Ichor in den Adern." bemerkte ich. "Aber ich bin nicht ein Sohn von, ihr - ich bin adoptiert worden wenn man so will." erklärte ich und trat damit geradezu ein Welle von Fragen und ausrufen los. Von "Wer bitte ist Styx?" über "Seit wann adoptieren Götter Kinder?" bis hin zu "Was kannst du eigentlich cooles?" war so ziemlich alles dabei. "Jack, beweg deinen Hintern - wir müssen los." brüllte mir Dimitrij zu und wedelte mit seiner gewaltigen Axt herum. Ich zuckte mit den Schultern. "Ein paar Halbgötter haben schon angefangen Proviant und sowas zusammenzustellen"Wir haben übrigens ein kleines Problem." rief er aus. Problem - sofort war ich voll und ganz Ohr. Ich ignorierte einfach die ganzen Jugendlichen und schritt direkt auf Dimitrij zu. Clarisse begleitete mich, auf einmal nahm sie einen regelrecht weiblichen Gang an und wiegte die Hüfen ein wenig mehr als nötig. Dimitrij war also offensichtlich ihr Typ, stellte ich amüsiert fest. "Hey - ich bin Dimitrij Cholschow." stellte Dimitrij sich vor und streckte seine Bärenpranke aus, in der die Hand von Clarisse regelrecht zart und weiblich wirkte - ok das tat so ziemlich jede Hand. "Clarisse la Rue. Coole Tattoos, wo hast du die machen lassen?" fragte sie Dimitrij der erst jetzt bemerkte das die Frau vor ihm überhaupt auf eine andere Stelle seines Körpers guckte als auf das Gesicht. "Hier und da - die Meisten kommen aus Moscow - bevor ich ausgewandert bin mit meiner Mutter." erklärte er trocken. "Aber Jack, weswegen ich eigentlich hier bin. Sam und Shigeru werden gebraucht um beim organisieren zu helfen. Sam stellte Gerade Proviantlisten auf, während Malcolm und Shigeru über Landkarten brüten." stellte Dimitrij fest.
Eigentlich war es mir sehr recht, dass sich Sam nicht in Gefahr begab und auch Shigeru war hier sicherlich deutlich nützlicher auf einem Boot, auf welchem er vermutlich nur Seekrank werden würde. "Und?" fragte ich den Russen. "Ich wollte wissen ob das in Ordnung geht - sonst hätte ich unsere bockigen Kleinkinder einfach geholt." bemerkte er und klatschte die Hände zusammen. Ich stellte mir gerade vor wie Dimitrij versuchte Sam einzufangen, es war eine sehr erheiternde Vorstellung. "Kein Problem." winkte ich ab. Wir schaffen das auch ohne die Beiden, ist sogar besser wenn unser Japse nicht das Boot vollkotzt." bemerkte ich. Dimitrij zuckte mit den Schultern. "Ach ja, Shigeru hat wieder sein Groupie am Hals." bemerkte er grinsend. "Jane ist wieder hinter ihm her? Der Arme." statuierte ich Mitleid heuchelnd. "Und was ist mit Josh?" fragte ich. "Keine Ahnung, ich hab ihn nicht gesehen, undankbare Blage." knurrte Dimitrij. "Mach dir nix draus, er ist noch ein Kind - ein vermutlich ziemlich verängstigtes Kind." antwortete ich, es verwunderte mich das Clarisse keinen groben Kommentar dazu abließ. Scheinbar war sie wohl doch nicht so ungehobelt wie sie gern tat. "Gut, dann auf zu diesem Schiff. Wie sieht es eigentlich aus, weißt du das schon?" fragte ich Dimitrij. "Hm, keine Ahnung. Percy wollte sich schon mal mit dem Equipment vertraut machen und ist schon einmal vorgegangen." antwortete der Russe. "Ah, gut gut - der Kerl sollte ja was von Seefahrt wissen." antwortete ich. Nico di Angelo stieß auch kurz darauf auf uns, er schleppte einen gewaltigen schwarzen Rucksack auf dem Rücken und stützte sich auf einen langen, ebenfalls schwarzen Speer. Er trug eine komplett schwarze Rüstung. "Na, wie sieht's aus - haltet ihr noch ein Schwätzchen oder geht's endlich los?" erkundigte sich der Sohn des Hades der das untätige herumsitzen offensichtlich mehr als Leid war. Clarisse ließ ein verächtliches Schnaufen hören. "Di Angelo, du bist kein Krieger - Versuchs doch gar nicht erst." seufzte Clarisse, drehte sich dann aber um als sie in Nico Augen blickte. Nico hatte ich noch nicht im Angesicht einer richtigen Gefahr gesehen, aber ich glaubte schon, dass er nicht gerade ein Feigling war. "Gut, dann gehen wir halt, wenn du es so eilig hast." bemerkte ich Schulterzuckend und verschwand in der Hundehütte, ich zog mich meine Rüstung an, und verpackte meine Unterkleidung in einem in Nicos Kabine herumliegenden Turnbeutel. Das musste reichen. Ich brauchte bald wirklich passende Klamotten, ich konnte ja schlecht andauernd in einer verdammten Rüstung herumhängen. Andererseits, vielleicht hatte Poseidon ja auch dafür gesorgt. Ich kam schließlich auch zurückgeschritten.
"Na endlich." brummte Dimitrij, der offensichtlich nicht gerade viel Smalltalk geführt hatte. So marschierten wir denn von dannen, aus der Schmiede ertönte das dröhnen von Hämmern, die Geräusche von Fräsen und ähnlichen Geräten. Die Trainingsarena war zum brechen voll und auch Clarisse verabschiedete sich mit den Worten "Ich muss diesen Girlies mal zeigen wie man jemanden anständig in den Arsch tritt." Nico stand etwas verschüchtert neben dem riesigen Dimitrij. "Kaum zu glauben das Clarisse so freundlich sein kann - da muss irgendwas gelaufen sein." stellte er verwundert fest. "Heute ist sowieso ein Tag der mich ziemlich durcheinandergebracht hat." erklärte er. "Wie heißen sie eigentlich Mr.?" fragte er Dimitrij. Der Russe blickte auf ihn herab und klopfte ihm kräftig auf den Rücken." Dimitrij, wie für alle anderen auch Kleiner." dann schritt er kräftig aus. Wir folgten ihm und schritten diesmal bis zum Strand. Dort waren keinerlei Überreste der wilden Feier zu sehen die hier getobt hatte. Entweder die Nymphen und andere Naturgeister hatten sich darum gekümmert dies alles zu beseitigen, oder Dionysos war doch einmal für etwas nütze gewesen. Bei dem "Hafen" handelte es sich lediglich um einen Holzkai der etwa 20 Meter weit ins Wasser reichte. Er war zwar recht solide gearbeitet, allerdings recht schlicht gehalten. Der Kai bestand aus einem rotbraunen offensichtlich äußerst wetterbeständigen Tropenholz. Das Boot welches dort lag war nicht einfach nur ein normales Boot. Es handelte sich tatsächlich um eine richtige Hochseetaugliche Motoryacht. Insgesamt war das matt grau lackierte Schiff, die Neptun II. - wirklich sehr kreativ der Name - so um die 30 Meter lang. Anders als bei den kleinen Booten die man so von alltäglichen Skippingtouren kennt hatte dieses Schiff keinen offenen Steuerstand, sondern war vollkommen überdacht, bis auf das Deck. Percy jedenfalls wartete schon auf uns drei, er hockte genau genommen auf einem seltsamen drehbaren Stuhl der mitten auf dem Deck stand, naja es war eigentlich kein normaler Stuhl.
Nicht nur, dass der Holzstuhl einen Rahmen aus poliertem Edelstahl hatte, er hatte auch noch eine nach vorne ragende Fußablage in welcher man sich gut einstemmen konnte. "Was bitte ist das Percy?" fragte ich und deutete auf den Stuhl in welchem der Halbgott sich herum lümmelte. "Das ist unser Verteidigungssystem Jack." bemerkte Percy trocken. Das war ja wohl nicht sein Ernst, es handelte sich um einen verdammten Stuhl. Außerdem - was für ein Verteidigungssystem sollte Poseidon uns eingebaut haben - der war ja offenbar nicht mal in der Lage uns ein normales Navi zukommen zu lassen. "Woher weißt du das?" fragte Dimitrij, der den Stuhl ebenso skeptisch ansah wie Nico. "Da hat der dicke hier aber Recht Percy, ist schon komisch. Wie wäre es mit einer Demonstration?" erkundigte sich Nico, der offensichtlich eher gewillt war diesen Stuhl als Waffe zu akzeptieren. Percy setzte sich in den Stuhl und drückte auf irgendetwas herum. Mir blieb fast das Herz stehen, als unter Lauten Surrgeräuschen ein immer größer Werdender Metallkasten aus den Seitenlehnen des Stuhles Schoss. Aus dem Deck fuhren sich zwei Gatlingtürme aus, neben einer Raketenbatterie und einer Enterhakenkanone. Das gesamte etwa 10 Meter lange Vorderdeck hatte sich in weniger als 30 Sekunden in eine Waffenplattform verwandelt auf die die meisten Streitkräfte neidisch sein würden. Dimitrij währe offensichtlich fast an einem Kaugummi erstickt, jedenfalls bekam er erst einmal einen kräftigen Hustenanfall. Ich selbst konnte allerdings keinen Laut meiner Bewunderung von mir geben, ich war zu überrumpelt. Kurze Zeit später hatte Percy wieder alles eingefahren und sich aus dem Stuhl erhoben. "Na, dann kommt mal an Bord, unter Deck ist es sogar ziemlich gemütlich, die Kühlschränke sind voll, ebenso der Frischwassertank. Wir haben genug Benzin für an die 5000 Seemeilen und können mit dieser 5700 PS Maschine hier ordentlich Tempo machen, wenn es denn sein muss. Der Rumpf besteht aus leichtem aber extrem widerstandsfähigem Glasfaser-Carbon Material." dozierte Percy, der auf diesem Schiff herum hüpfte als sei es ein brandneues Spielzeug. Er war wohl nicht umsonst ein Sohn des Meeresgottes. "Hmh cool, also denn nix wie los oder?" erkundigte ich mich. Percy öffnete die Hinterluke und ließ uns eintreten.
Die Yacht hatte sogar einen kleinen Eingangsraum, welcher über echten Marmorfußboden verfügte. von dort aus führte eine Wendeltreppe links und rechts an der Rumpfwand nach oben auf die Brücke. Percy verschwand dorthin, schaltete die Motoren ein, welche ziemlich leise auf tuckerten, verschwand dann mal eben nach draußen um das Schiff loszubinden und kam schließlich wieder. Wir hatten uns inzwischen in den etwas tiefer Gelegenen Raum bewegt, der offensichtlich dafür gedachte war als Wohnraum zu dienen. Anders als erwartete hatte der Meeresgott wohl kein Faible für die moderne Wohnraumstrukturierung wie man sie in modernen Häusern betreibt. Es gab nämlich volle zwei Räume, ein Bad mit Toilette im Bug und einen großen Raum, in welchem neben einer - hoffentlich ausziehbaren - weißen Ledergarnitur vor allem eine kleine Küchenzeile drei große Kühlschränke und Kleiderschränke zu finden waren. "Tja, sieht nicht schlecht aus. Also die Einrichtung hat was gekostet." bemerkte Dimitrij der zuerst den großen Plasmafernseher entdeckt hatte, welcher mit einer Halterung von der Decke geklappt werden konnte. Auf dem Boden des Schiffes lagen des Weiteren blaugrüne Teppiche, die Beleuchtung war in der Decke integriert und ziemlich gut verborgen. Zugegeben edel wirkte das schon alles - aber es entbehrte jenem subtilen Stil der einen guten Innenarchitekten auszeichnet. Eins fand ich aber vorzüglich - es gab keinen einzigen fetzen Deko! Dimitrij schmiss sich sofort auf die Couch die unter seinem Gewicht einfederte und knarzte. Dann setzte sich das Schiff schließlich in Bewegung. Wie waren offensichtlich ziemlich schnell unterwegs, denn die kurzen Rucks die erfolgten, wenn der scharfe Bug durch eine Welle schnitt kamen sehr schnell. Ich beschloss schließlich doch mich einmal auf die Brücke zu begeben. Als ich nach wenigen Schritten ankam entdeckte ich zu meinem entsetzen wie Percy sich in dem Sessel, der hier oben zwischen all den Apparaturen montiert war, herum lümmelte und Däumchen drehte. "Percy - kannst du wirklich dieses Schiff steuern?" fragte ich ihn. Normalerweise stand ein Kapitän hinter dem Steuerrad, oder nicht? Percy tippte mit dem Fuß das verchromte Steuerrad ein bisschen an, das Schiff wechselte kaum merklich den Kurs. "Klar - das ist so einfach wie atmen Jack." bemerkte Percy und steckte sich Kopfhörer in die Ohren. Ich war immer noch skeptisch, aber mein Freund schien sich seiner Fähigkeiten ja ziemlich sicher zu sein. manchmal musste man eben vertrauen, und eine andere Möglichkeit hatten wir Momentan ja eh nicht, da keiner von uns wusste wie man ein Schiff steuerte und einen Kurs hielt. "Ok, dann bin ich wieder unten." stellte ich fest, Percy entließ mich mit einem huldvollen Winken. Ok - manchmal war Halbgott sein wirklich praktisch, sonst aber wohl eher nicht. "Jo Leute, was geht?" fragte ich, dabei erübrigte sich die Frage eigentlich schon bevor ich sie gestellt hatte. Nico und Dimitrij zogen sich eiskalt eine Episode von Beserc rein. Dimitrij hatte sogar schon Getränke geholt, will heißen die beiden fläzten sich mit nem Bier auf der Couch und griffen immer wieder in eine auf dem Boden liegende Chipstüte.
"Boa, Griffith is so eine Schwuchtel!" kommentierte Nico die Szene in der Griffith sich gerade damit beschäftigte einer Prinzessin von seinem großen Traum zu berichten. "Ich sag dir - Guts wird am Ende doch noch König!" brummte Dimitrij. "Also ich hab schon bessere Serien gesehen." meinte Nico und nahm einen kräftigen Zug aus der Bierflasche. "Zu blöd das wir hier nur Hephaistos Anime und Hephaistos Doku reinkriegen. Die richtig coolen Kriegsfilme gibt's immer auf Ares TV." erklärte er. "Nico, bitte sag mir das die Götter nicht auch noch Fernsehsender betreiben." stellte ich entsetzt fest. "Doch genau das tun sie Jack - voll cool, keine Werbeunterbrechung und der neueste Stoff plus Bonusinhalte." erläuterte Nico. "Keine Sorge, das machen bei weiten mich alle - Poseidon hat zum Beispiel keinen Channel." das beruhigte mich jetzt nicht wirklich. "Hol dir auch nen Bier und chill dich zu uns." kommandierte Dimitrij und niemand war erstaunter als ich, als ich mich nicht einmal eine Minute später auch mit einem offenen Becks auf der Couch befand. "Was kommt denn auf diesem Dokukanal." fragte ich. "Wie baue ich meinen eigenen Bronzedrachen?" jammerte Dimitrij. "Wer will das schon, außerdem verstehen wir da gar nichts von, das ist für diese Technofreaks weißt du. Also ich glaub sogar Jakis hätte da echt Probleme bekommen." sagte der Russe. "Wie lange fahren wir eigentlich?" fragte Nico. "Hm, vermutlich ziemlich lange, sonst hätte Poseidon uns ja wohl kaum die Kühlschränke so gut gefüllt." merkte ich an. "Wir könnten - Ach Fuck ich hab meine Karten vergessen." fluchte Nico wütend. "Also kein Mythomagic." murrte der Sohn des Hades. "Außerdem braucht man doch auch noch diese Figürchen." stellte ich fest. "Das sind Statuetten - Mann sind wir bei Warhammer 40k oder was?" beschwerte sich Dimitrij. "Hat der Fernseher wenigstens eine Spielekonsole?" fragte ich nur um festzustellen das dem wohl nicht der Fall war. „Entschuldigung aber hier gibt es nicht einmal Bücher, was erwartet ihr, wir können über den Fernseher schon mehr als Dankbar sein. Übrigens Nico, deine Rüstung ruiniert die Couch." stellte ich trocken fest.
"Ach ja, jetzt weiß ich was ich wollte, mich umziehen!" rief er aus und verschwand mit seinem Rucksack im Bad. Sehr rücksichtsvoll das er sich fürs Umkleiden zurückzog - es gab da ja durchaus Typen die meinten sich nackt in der Öffentlichkeit zu zeigen hätte etwas mit Männlichkeit zu tun. Danach folgte schließlich auch ich. Die Rüstungen hatten wir säuberlich an der Wand aufgestapelt. Percy kam lange Zeit nicht Runter, kein Wunder, er musste das Schiff steuern. Schließlich kam er aber doch, rumhumpelnd wie ein alter Mann. "Was ist?" fragte Nico. "Dieser Sessel ist so unbequem." beschwerte er sich. "Aber egal, ich bemerke wenn wir Falsch fahren, wir sind jetzt übrigens auf der Hochsee - genau 250 Meilen vor der Küste." erklärte Percy. Es wird wohl noch ein paar Tage dauern bis wir bei den großen Fällen ankommen." erklärte er. "Woher willst du das wissen?" fragte ich. "Ich weiß es einfach, nenn es die Intuition eines Halbgottes." erklärte Percy. Nico zuckte mit den Schultern. "Da gewöhnt man sich mit der Zeit dran." sagte er trocken und schloss die Augen. "Also ein paar Tage - ich habe das Gefühl dein Dad will uns Wahnsinnig machen, oder?" fragte ich Percy und zeigte auf den Raum, dessen Einrichtung jetzt nicht gerade dafür ausgelegt war für mehrere Tage Unterhaltung zu bieten. "Was habt ihr, wir sind auf dem Meer - was braucht man mehr um Spaß zu haben? Kommt mal an Deck und schaut es euch an, ich würde am liebsten reinspringen!" bemerkte Percy gut gelaunt. Ich und Dimitrij folgten Percy, während Nico nicht einmal sein Gewicht auf der Couch verlagerte. "Wenn ihr ne Meerjungfrau findet, bringt mir eine mit." nölte der Gelangweilt und starrte an die Decke. Als wir an Deck traten bemerkte ich sofort, dass wir uns nicht mehr in der See vor Camp Halfblood befanden. Es wehte ein kühler Wind, die Luft roch nach Salz und die Wellen hatten inzwischen die Höhe von Kindern erreicht. Die Neptun II. ließ sich davon allerdings nicht stören. Percy breitete lachend die Arme aus. Dimitrij stand schweigend dort und rollte mit den Augen. Ich blickte hinaus auf das blaugrüne Wassermeer, das sie in alle Richtungen erstreckte soweit mein Auge reichte. Es waren keine Delphine zu sehen, allerdings entdeckte ich einen hoch am Himmel segelnden Albatros auf den ich selbstverständlich alle Hinwies. Percy freute sich und schwang sich schließlich doch ungestüm über die Reling.
Er stürzte mit dem Gesicht voran direkt ins Meer und verschwand aus unserem Sichtfeld. Das war ganz schön leichtsinnig gewesen, bevor ich ihn jedoch ordentlich zusammenschustern konnte begann ich schon mir Sorgen zu machen. Er tauchte einfach nicht auf. Nach fünf Minuten begann schließlich auch Dimitrij langsam unruhig zu werden. Wenn ihm irgendwas passiert war, dann waren wir jetzt eh schon viel zu weit weg um ihm noch irgendwie helfen zu können. Gerade als ich beschloss, auf die Brücke zu gehen und das Schiff zu wenden, schoss eine Mehrere Meter hohe Wassersäule vor dem Bug auf und ein vollkommen trockener, Grinsenden Percy sprang an Bord, der" Aaah ich fühl mich wie neu geboren Jungs" jubelte. "Du willst uns auch unbedingt einen Schreck einjagen oder? Springst einfach ins Wasser und tauchst für geschlagene zehn Minuten nicht auf." knurrte ich. "Was, was waren zehn Minuten? Neee das kann nicht sein Jack, du verarschst mich doch." Als Antwort zeigte Dimitrij schlich und einfach auf seine Uhr und schüttelte den Kopf. Der Sohn Poseidons schien das nicht glauben zu wollen und hob abwehrend die Hände. "Na gut, dann komme ich eben mit euch unter Deck und wir langweilen uns gemeinsam. Bitte - wie ihr wollt." er klang leicht geknickt. Die nächsten zwei Tage verliefen ziemlich ereignislos, wenn man davon absieht, dass Nico in der Dusche ausrutschte und Percy verzweifelt versuchte einen Tunfisch zu fangen, was ihm aber nicht gelang, da der Fisch selbst für ihn zu schnell war, ganz davor abgesehen das ich bezweifelte das Percy ein locker 100 Kilogramm schweres, stromlinienförmiges Muskelpaket festhalten konnte. Der erschöpfte Halbgott war jedenfalls ziemlich deprimiert. Während dieser Zeit war auch einer der drei Kühlschränke schon fast leergegessen, wir hatten eben alle vier einen ziemlich guten Appetit. Obwohl es ziemlich langweilig war, so war wenigstens Musikalisch diese Reise ein voller Erfolg für mich. Da Nico meinen Musikgeschmack vollkommen teilte konnten wir Percy und Dimitrij stets überstimmen, was bedeutete, dass die Musikanlage - welche wir am zweiten Tag unter der Mikrowelle entdeckt hatten - stets auf "Radio Underworld" eingestellt blieb und nur Heavy Metal vor sich hin dröhnte. Das führte schließlich dazu, dass Dimitrij sich Wattbäusche in die Ohren steckte und Percy noch mehr Zeit auf der Brücke verbrachte als bisher, mir war das allerdings ziemlich gleichgültig.
"Ey Leute, wir kriegen glaube ich ein Problem." rief Percy aus. Sofort waren wir auf der Brücke. Es war mir ein Rätsel wie Percy es schaffte auf See so lange wach zu bleiben, er war jetzt schon fast vier Tage wach, aber er zeigte immer noch keine Ermüdungserscheinungen.
Was sich da vor mir auftat war allerdings wirklich beängstigend. Um uns herum begann das Wasser zu brodeln, es Strudelte viele Meter hoch in die Luft und schubste unser Schiff immer weiter in die Mitte einer Art Kreis. "Was ist das Percy?" fragte Dimitrij mit schriller Stimme. Mir brach der Kalte Schweiß aus, bei dieser Demonstration der Naturgewalten. Das größte Problem war allerdings, dass keiner von uns genau zu wissen schien was der Grund für den Aufruhr des Meeres war. Percy hatte die Augen geschlossen und öffnete sie schließlich wieder, das Gesicht geradezu im Schock verzogen. "Es ist gewaltig, und Böse." er schob einen Regler ganz nach vorn, das Boot erzitterte unter dem Gedröhne des Motors. "Jack, du setzte dich auf den Stuhl." rief Percy. Ich stolperte, da das Schiff unter meinen Füßen inzwischen bockte wie ein unwilliges Pferd. Das Schiff neigte sich gerade nach rechts als ich etwas sah, das mich in Angst und Schrecken versetzte.
Ein gewaltiger, mit Saugnäpfen besetzter Arm schoss aus dem Wasser, es schien sich um einer Art Tintenfischarm zu handeln, nur dass besagter Tintenfisch riesengroß sein musste. An der Spitze des Arms befand sich ein seltsamer Kopf. Er hatte entfernt eine Ähnlichkeit mit dem eines Drachen, nur dass sich der Unterkiefer in zwei einzeln bewegliche, mit zwei Reihen nadelspitzer Zähne besetzte Hälften aufgeteilt hatte. drei übereinanderliegende, gewaltige Augenpaare blickten mich aus schlizartigen Pupillen an. Ich wurde zur Seite geworfen und rutschte über das glattpolierte, gebohnerte Holzdeck, bis ich mich mit einem Arm an der Fußstütze des Stuhles festklammern konnte. Das Schiff wurde nun in eine andere Richtung geworfen. Inzwischen waren acht weiter Arme aufgetaucht, die Identisch zu dem ersten waren. Die Köpfe schossen Richtung deck, scheinbar wollte dieses Viech mich fressen. Einer der Köpfe, so groß wie ein Kleinwagen biss einfach ein Stück aus der Hülle des Bootes und hob es fast aus dem Wasser. Hektisch hievte ich mich in den Stuhl, ich hörte Geräusche und sah mich fast sofort von einem soliden Stahlmantel umhüllt. Meine Hände legten sich an zwei Joystickartige Geräte auf beiden Armlehnen, das Schaukeln des Bootes wurde von dem Stuhl auf irgendeine Art und Weise Abgefedert. Es kam verzögert und deutlich schwächer bei mir an. Etwa 30 Zentimeter vor meinen Augen erblickte ich eine Art Bildschirm, es war ein Hologramm, ich konnte die Welt wahrnehmen als würde ich normal in dem Stuhl sitzen. Davon abgesehen dass sich ein Fadenkreuz inmitten meines Sichtfelds befand. Ich bewegte meine Hände, der Stuhl drehte sich ich sah wie mehrere der gewaltigen Arme sich um das Schiff legen wollten, ich zielte auf einen Kopf und drückte alle möglichen Knöpfe auf den Joysticks. eine Rakete schoss direkt auf den Rachen des Monsters zu und Explodierte, die Schrapnelle zerfetzten den Kopf wie eine überreife Melone, große Mengen an blauen Bluts spritzten aus dem Arm, der direkt auf das Schiff einschlug. Es wunderte mich, dass es keinen Größeren Schaden anrichtete, das Schiff wurde für einen Moment geradezu unter Wasser gedrückt, einen Moment lang dachte ich, dass ich ertrinken würde, als sich in meinem Sichtfeld auf einmal etwas veränderte.
Es schien so als würde sich das Schiff mit einer kristallinen tiefschwarzen Schicht überziehen, das Meer begann jetzt auch wirklich zu Brodeln, gewaltige Wassersäulen spritzten mit unglaublicher Gewalt auf die Arme ein. Ich spürte wie das Boot auf etwas aufsetzte, ein dumpfes Knirschen ertöne von unten. Inzwischen hatte ich die Gatlings angeworfen und deckte die Arme mit ratternden Schussalven ein, ich fühlte mich fast so als ob ich in einer Flag saß. Interessant war das ich mich unglaublich schnell drehen konnte, mitsamt meinen Geschützen. Ich sah wie die Munitionsanzeige der Gatlings rapide den Verlust von Geschossen anzeigte. Ich feuerte noch drei weitere Raketen ab. Es regnete Blut auf das Deck, teils überzog es sogar die Kameras die mir Bilder lieferten und so sah ich durch einen bläulichen Filter. Ich bemerkte das Percy offenbar erreichte was er wollte, das Schiff durchbrach eine mindestens zehn Meter hohe Welle und schoss mit einem Abstand von vielleicht einem Meter zwischen zwei der Gewaltigen Arme hindurch. Ich wirbelte auf meinem Stuhl herum und feuerte aus allen Rohren, tatsächlich zog der Tintenfisch wieder zurück, ich erhaschte einen kurzen Moment auf seinen schmutzig braunen Körper, auf einen mit spitzen Zähnen besetzten runden Mund von der Größe eines Einfamilienhauses. Wir machten ordentlich Tempo, ich stand auf, keinen Moment zu früh. Der Tintenfisch zog sich wieder in die unergründlichen Tiefen des Ozeans zurück, mehrere Meter hohe Wellen wurden dabei aufgeworfen und ich krallte mich an der Reling fest und flucht. "Verdammt, warum bin ich nicht im Stuhl geblieben." das Wasser traf mich mit der Wucht einer Wand, obwohl ich mich so klein wie nur möglich machte. Ich spürte wie ein oder zwei meiner Rippen brachen, weil etwas kleines Festes mit der Gewalt eines Geschosses auf mich geschleudert wurde. Salzwasser dran in meinen Mund, meine Nase und so ziemlich jede Öffnung meines Körpers.
Nach wenigen Sekunden war es auch schon wieder vorbei und ich spuckte eifrig aus um den brennenden, bitteren Salzgeschmack loszuwerden. Ich rappelte mich auf und hörte wie meine Kniescheibe knackte, ich bemerkte den pochenden Schmerz meiner Rippen ebenso wie das Verlangen mich zu übergeben - letzteres allerdings erst als ich über der Reling hing und von schrecklichen Würgekrämpfen geschüttelt wurde. Obwohl ich nichts im Magen hatte sprudelte Magensaft aus meinem Mund, und sehr zum meinem Missfallen auch aus den Nase. Ich taumelte schließlich zurück in Richtung Türe und bemerkte, dass der seltsame Belag sich jetzt zu verziehen begann, er verschwand einfach wie von Geisterhand. Die Türe zischte als Luft zwischen die Dichtungen drang. Dimitrij öffnete mir die Tür. "Jack - du siehst scheiße aus." stellte der Russe locker fest. "Danke, ich fühle mich auch so." bemerkte ich mit einem humorlosen lachen. Percys Hände zitterten und er war bleich wie ein Leinentuch, er hielt sich den Kopf. "Bei den Göttern - habt ihr Kopfschmerzpillen?" jammerte er, während Nico sich schräg stehend vom Boden aufgerafft hatte, sich die Schulter rieb und aussah als wäre er wirklich vor ein paar Tagen gestorben. "Hat´s wenigstens was gebracht?" fragte mich Nico. "Warst du das mit den Kristallen?" fragte ich verdattert. Er brachte ein schwaches Grinsen zustande "Geil, hab ich also doch ne annehmbare Performance gebracht" murmelte, während er darum Kämpfte die Augen offen zu halten.
"Dimitrij, kannst du Seewasser holen und es mir über den Kopf schütten?" fragte Percy. "Danke mir nicht." rief ich dem Russen übertrieben schnell zu. "Jaja, immer langsam Leute, ich geh euch erst einmal was gegen die Schmerzen holen." bemerkte er und kam kurz darauf mit drei Spritzen Ambrosiaextrakt wieder. "Dimitrij, ich wollte nicht high werden, sondern einfach nur keine Schmerzen haben." merkte Nico zweifelnd an, als der Russe seinen Arm packte und eine Spritze einfach in den Oberarm jagte. "Au." protestierte der Halbgott, aber schon nach wenigen Augenblicken verzückte sich sein Gesicht. "Ahhh, das ist ja wie Nektar direkt intravenös." seufzte er wohlig. "Percy." sagte Dimitrij und versuchte ihm die Spritze zu setzen, die Nadel verbog sich an Percys Haut, welche jetzt auch leicht golden leuchtete. "Na, dann wirst du bei mir ja wohl gar nicht erst versuchen müssen." stellte ich grinsend fest als ich einen Pikser in meinem Oberarm spürte und entsetzt feststellte wie die stählerne Nadel ohne Probleme in mein Fleisch drang. kurz darauf kehrte das wohlbekannte warme Gefühl in meine Glieder zurück, welches mich sogar vergessen ließ, dass ich von Kopf bis Fuß klitschnass war. "Du solltest dich umziehen gehen", bemerkte Percy der an Deck wankte und dort von Dimitrij mit Wasser überschüttet wurde. Ich stellte erst jetzt fest, dass Percy den Kompass ins Armaturenbrett eingeklickt hatte. Er saß jetzt direkt neben der Anzeige die die Tankfüllung wiedergab. Der Tank war noch fast voll. Nach einiger Zeit kam Percy wieder rein, er sah besser aus als vorher.
"Ok Leute. Ich muss jetzt schlafen. Dimitrij, kannst du einfach so fahren, dass die Kompassnadel da immer auf 0 zeigt?" fragte Percy. Der Russe blickte kurz auf das Steuerpult, er zeigte auf das Steuerrad. "Damit lenkt man oder?" fragte er. Percy nickte. "Wie bei einem Auto, nur musst du daran denken, wenn du nach rechts drehst fährt das Schiff nach links und umgekehrt." erläuterte er. Der Russe stellte sich an das Steuerrad und drehte es ein bisschen nach links. "Ok, sollte irgendwas Ungewöhnliches passieren wecke ich euch. Legt euch hin Jungs, ihr seid ja die reinsten Zombies." bemerkte er. Wir kamen seinem Wunsch mit Freuden nach und zogen uns auf die Couch zurück, die man zum Glück aufziehen konnte. Es war uns ein längerer Schlaf vergönnt als ich angenommen hatte.
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