Susanne und Eddy fanden sich wieder auf einem Baum und die beiden mussten aufpassen, dass sie nicht das Gleichgewicht verloren und herunter fielen.

„Entschuldigt, das macht der Vogel.", sagte eine Stimme aus dem Hintergrund. Susanne und Eddy hielten sich am Stamm des Baumes fest und sahen sich dann erst um.

Über die Zweige spazierte die alte Hexe, die Eddy für tot gehalten hatte.

„Ich schätze, du bist eine dieser anthropomorphen Personifizierungen.".

„Mein Großvater ist…", begann Susanne.

„Der Tod, nicht wahr?".

„Äh, ja.", Susanne fühlte sich von der Lehrerin zur Schülerin degradiert.

„Ich kenne ihn gut. Netter Kerl. Und du bist einer dieser witzigen Gesellen, die in Geschichten scheinbar unwichtige Nebenfiguren darstellen.", richtet sie das Wort an Eddy.

„Mein Name ist Eddy Lugoj.", stellte er sich vor.

„Ein Vampir. Wie abgedroschen!", kommentierte die Hexe,„Wieso kommt ihr zu mir?".

„Das universelle Gewissen hat dich uns empfohlen.", erklärte Susanne.

„So blumig hat noch niemand einen Zufall beschrieben. Na schön. Ich weiß, was hier vorgeht. Ich dachte, ich könnte mich in dem Bewusstsein des Vogels schützen, aber es hat nicht funktioniert. Ich sitze in einem Vogeltraum fest.".

„Du weißt, was hier vorgeht?", fragte Susanne verblüfft.

„Träume, Visionen, Wahnvorstellungen sind seit jeher das Aufgabengebiet einer Hexe.", lautete die trockene Antwort,

„Da ihr beiden offensichtlich die einzigen Weisen seid, die aus diese Träumen hinaus in die Wirklichkeit zurück kommen können, liebt es bei euch diese Sache zu beenden.".

„Ja, aber was genau ist diese Sache und wie ist das alles passiert und wer steckt dahinter?", fragte Susanne fast verzweifelt.

„Ich glaube nicht, dass das die Frage ist, die uns weiterhilft.", entgegnete Esme Wetterwachs.

„Wie können wirr die Sache beenden?", fiel dem Vampir ein und erntete ein langsames, aber abschätziges Nicken des Hexe.

„Also, wer dahinter steckt, kann ich nicht mit Sicherheit sagen und ich glaube, dass es nicht an einem Menschen ist, sich mit diesen Kreaturen auseinander zusetzen. Dafür bist du die Enkelin des Tode, Mädchen.".

„Die Revisoren!", entfuhr es Susanne.

„Ach, nenne sie sich heute so? Früher nannten wie sie „die Regeln"."., sagte die Hexe und fuhr fort, „Was sie vorhaben, kann ich die ebenfalls nicht beantworten, da mein beschränkter, menschlicher Geist so weit nicht denken kann.". Esme schmunzelte.

Susanne kombinierte: „Sie wollen das Chaos aus der Welt verbannen. Das Leben ist Chaos. Der Mensch ist Chaos. Sie wollen den Menschen verbannen.".

„Sehr gut, Mädchen. Wir werden in unseren Träumen, Vorstellungen eingesperrt.".

„In Wünschen, Hoffnungen und Ängsten.", komplettierte Susanne.".

„Wie du meinst.", kommentierte die Hexe, „Wie sie es angestellt haben, dass all dies passieren konnte, ist jedoch etwas komplizierter.".

„Du weißt, was passierrt ist?", meldete sich Eddy.

„Nein, aber ihr seid in Lancre aufgetaucht und die Nacht ist fast zu Ende. Die Dramaturgie verlangt es, dass ihr bald am Ende eurer Reise seid.".

„Und was bedeutet das für uns?", fragte Susanne vorsichtig.

„Es gibt hier einen Ort, an dem die Verbindung zwischen Traum und Realität ziemlich brüchig ist. Es ist ein Art Abfluss für geträumte Träume zu Beginn des Morgens und bei Nacht ist es ein Brunnen für Visionen, Inspirationen und Ideen. Wenn ihr durch die Träume der Menschen streift, gibt es immer einen Ausgang zu diesem Ort hier ganz in der Nähe.".

„Und dieser Abfluss ist… verstopft?", Susanne wählte die Worte vorsichtig, da sie vor der alten Hexe nicht als dumm dastehen wollte.

„Vielleicht. Ich war noch nicht dort gewesen. Ich wollte den Vogel dorthin lenken, aber er ist einfach eingeschlafen. Stell dir das vor! Eine Eule, die bei Nacht einschläft!", sagte Esme Wetterwachs.

„Wie kann man so etwas ferrtig brringen?", fragte Eddy und erntete einen bösen Blick der Hexe.

„Ihr seid hier die Helden! Dies ist ein Traum, eine Geschichte und ein paar Kleinigkeiten müsst ihr auch dazu leisten.", das war Esme Wetterwachs Art zu sagen, dass sie keine Ahnung hatte, „Ich kann euch nur folgendes sagen: Träume sind kleine persönliche Universen. Parasitische Universen. Menschen sind Egoisten und wenn sie die Möglichkeit haben ein eigenes Universum nur für sich zu bewohnen, dann nehmen sie diese Chane wahr, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass sie damit die Wirklichkeit verlassen und ihre Existenz verblassen wird.".

„Das ist was die Revisoren wollen: Die Menschen sollen ihre eigene Nichtexistenz bewirken!", schloss Susanne.

„Bravo, Mädchen! Du hast es erfasst!", entgegnete Esme.

„Aber wieso wollen Menschen derart im Mittelpunkt stehen?", fragte Susanne mehr sich selbst, aber Esme fühlte sich immer angesprochen.

Sie sagte: „Weil Menschen wandelnde Märchenbücher sind, mit sich selbst als die Hauptperson. Niemand duldet einen Helden neben sich selbst. Sie sind weil Alphamännchen in einem Wolfsrudel. Jeder einzelne sieht nicht seinen wahren Platz in der Welt, sondern nur den, der ihm gefällt.".

„Aberr du durrchschaust das alles?", fragte Eddy dazwischen.

„Misstrauisch?", fragte Esme und blinzelte, „Ganz recht! Auch bin ein Mensch. Auch ich befinde mich in einem Traum. Auch ich sehe nur mich als Hauptperson eines Universums. Womöglich habe ich euch auf den Arm genommen um mich selbst in den Vordergrund zu drängen. Aber ich schätze, mir zu trauen, ist eure einzige Möglichkeit, diese Sache zu beenden.".

Susanne kniff ihre Augen zusammen. Sie hielt sich immer noch an der Rinde des scheinbar riesigen Baumes fest, stützte sich mit der anderen Hand auf ihr Schert. Sie fragt: „Wovon träumst du, Frau Wetterwachs?".

„Du meinst, wenn ich nicht in einem Vogel festsitze?".

„Ganz genau! Was ist dein größter Wunsch? Was ist deine größte Angst?".

Esme lächelte: „Eine sehr gute Frage, Mädchen. Aber wie kannst du dir sicher sein, dass ich ehrlich antworte?".

„Ich muss, denke ich. Außerdem rechne ich mit deinem Stolz um nicht zu sagen, deinem Hochmut.", jetzt grinste Susanne.

„Na schön. Mach mit der Antwort, was du willst. Mein größter Wunsch ist es, alle Moral fallen zu lassen. Meine größte Angst ist es, alle Moral zu verlieren.".

„Wie kommen wir zu diesem Ort?", fragte Susanne, doch Eddy rammt ihr seinen Ellenbogen in die Seite. Er flüsterte: „Wirr können ihrr nicht trrauen! Sie sagt es selbst!".

„Oh doch, wir können ihr trauen.", flüsterte Susanne zurück.

„Du kannst es gerne laut sagen. Meine Ohren sind so gut wie die einer Eule.", merkte Esme Wetterwachs an, „Ihre Angst hebt ihren Wunsch auf und außerdem hasst sie Geschichte und alles, was sich nicht in der Realität abspielt.".

Susanne wurde rot. Eddy begann zu zittern.

„Ihr solltet euch beeilen, dein Fledermausfreund fällt gleich vom Ast.", sagte Esme, „Es heißt „Das Knotige Land". Es liegt mittwärts in den Bergen. Ihr werdet es erkennen, wenn ihr es seht und wenn ihr es sucht, werdet ihr es nicht finden.".

„Ich fallen nicht gleich vom Ast! Ich bin nurr nerrvös, in Orrdnung!", gab Eddy zurück.

„Aber wie…", begann Susanne.

„Macht euch schon auf den Weg!", zischte die Hexe, „Und wenn ich morgen noch auf diesem Baum festsitze, könnt ihr was erleben!".