So, hier wäre dann ein neues Kapitel.
Ach ihr lieben Reviewer, ohne euch wäre ich schon in Selbstzweifeln versunken.
Also, vielen Dank an Tini, Pencil und an eine, deren Review mich total überrascht hat, ladydarkside (schön wieder was von dir zu hören, wo warst du so lange;-)).
Wirklich vielen Dank an euch.
Ich bin mal gespannt, was ihr zu diesem Kapitel sagt. Es ist vollkommenes Neuland für mich.
Viel Spaß beim Lesen.
Kapitel 37
Felicita hatte sich selbst überrumpelt, konnte nur staunen, als ihre Arme Severus' Taille umfingen und ihre Stirn an seiner Halsbeuge ruhte. Sie drängte sich so dicht an ihn, wie es nur ging, ihr Körper schmiegte sich an seinen.
Er ließ alles vollkommen regungslos über sich ergehen, schien zu warten, dass sie sich von selbst wieder von ihm löste.
Er empfand nichts für sie.
Ihre Hände krallten sich in seinen Umhang. Sie war verzweifelt, immer mehr Tränen bahnten sich den Weg über ihr Gesicht.
Der Wunsch nach einer winzigen Reaktion, nach einer Geste der Zuneigung brannte sich in ihre Seele. Er blieb unerfüllt, keine Regung ging von ihm aus, nicht das geringste Zucken eines Muskels.
Eine gehässige Stimme in ihrem Inneren lachte sie aus, amüsierte sich über ihre Naivität, mit der sie sich in diese Situation manövriert hatte. Wie sollte sie ihm nun jemals wieder in die Augen schauen? Wie sollte sie seine Gegenwart jemals wieder ertragen können, nun da sie wusste, dass ihre Gefühle ins Leere liefen. Jetzt, da er von ihren Hoffnungen wissen musste.
Er empfand nichts für sie.
An was auch immer er gedacht haben mochte, es hatte nichts mit dem zu tun, was sie für ihn empfand. Wie konnte es, wenn er es nicht einmal über sich brachte, diese Umarmung zu erwidern.
Ihre Atmung ging nun stoßweise, hatte den typischen Klang eines weinenden Menschen.
Auch darauf zeigte er keinerlei Reaktion.
Warum hatte sie ihn als anderen Menschen kennenlernen dürfen? Warum führte das Schicksal sie auf diese Weise zusammen und verknüpfte ihre Leben? Warum musste sie sich in ihn verlieben, so für ihn empfinden, wenn doch alles umsonst war?
Ein Schluchzen kam über ihre Lippen, leise, aber nicht zu überhören.
Sie würde jetzt gehen und so schnell nicht wieder kommen.
Noch einmal drückte sie sich fester an ihn, nahm Abschied von dem was sie niemals erleben würde. Und gerade als sie sich von ihm lösen wollte, strich seine Hand sanft über ihren Kopf.
Ihr Herzschlag beschleunigte, das Atmen fiel ihr schwer.
Tröstlich wie schon einmal, wenn auch in einer völlig anderen Situation, strich er nun beruhigend über ihren Rücken.
Sie konnte nicht aufhören zu weinen, im Gegenteil, das Schluchzen verstärkte sich noch mehr. Sie war verzweifelt, sie hoffte und sie genoss seine Berührungen, die Nähe, wollte das es niemals endete.
Doch der Moment, in dem genau das geschah, kam allzu schnell. Seine Hände legten sich wie schon vorhin auf ihre Schultern, wenn gleich wesentlich sanfter. Vorsichtige drückte er sie ein Stück von sich fort, um sie anzusehen.
Die einzige Regung, die sie erkennen konnte, war Verwirrung, vielleicht auch Überforderung
Er musterte ihr Gesicht und je länger er sie auf diese Art betrachtete, desto unruhiger wurde sie. Schließlich konnte sie dem Blick kaum noch standhalten.
Was sollte sie ihm sagen, wenn er nach einer Erklärung verlangte?
Doch er schüttelte nur stumm den Kopf und sah weiter auf sie herab. Es schien fast so, als suche er in ihrem Gesicht nach Antworten. Erst jetzt wurde Felicita bewusst, wie sie wohl aussah, total verweint mit verquollenen, roten Augen. Sie konnte spüren, dass Haare in ihrem Gesicht, an den Tränenspuren klebten. Der Moment, in dem sie sich mit den Händen über das Gesicht fuhr, riss ihn aus seiner Starre.
Seine Worte klangen kontrolliert, fast so als sei er bemüht, Ruhe zu bewahren.
„Warum sind Sie noch hier? Warum sind Sie nicht gegangen, haben meine Aufforderung missachtet?"
Sie schluckte schwer, ihre Stimme klang tränenerstickt, als sie antwortete.
„Ich wollte nicht gehen..."
Er nickte wissend.
„Das habe ich durchaus bemerkt. Warum nicht?"
Einige Sekunden suchte sie nach den richtigen Worten.
„Wäre ich gegangen, hätten Sie gedacht, ich gebe Ihnen Recht."
Sie schloss kurz die Augen und atmete tief durch bevor sie fort fuhr.
„So etwas dürfen Sie nicht denken, denn..."
Es erschien ihr unmöglich, seinem Blick länger stand zu halten und so schaute sie auf seine Schulter.
„... denn genau das Gegenteil ist der Fall."
Damit war für eine ganze Weile alles gesagt, im Labor des Professors herrschte Schweigen. Keiner der beiden regte sich, sie schienen jeweils auf ein Wort des anderen zu warten.
Felicita konnte spüren, dass sein prüfender Blick auf ihr ruhte, doch den Mut, ihn wieder abzusehen, konnte sie nicht aufbringen. Ihr Herz raste. Sie konnte seine Hände auf ihren Schultern spüren, es fiel ihr schwer dem Drang zu widerstehen, sich wieder an ihn zu lehnen. Immer schneller schlug ihr Herz, ihre Nerven waren zum zerreißen gespannt. Wie würde er auf ihre Worte reagieren?
Wieder einmal siegte ihre Neugier über alle anderen Emotionen, sie hob den Blick und sah ihn direkt an. Unglaube spiegelte sich in seinem Gesicht, er schien mit sich selbst zu kämpfen. Deutlich konnte sie sehen, dass er etwas sagen wollte, doch wirklich dazu durchringen konnte er sich anscheinend nicht.
Plötzlich senkte er seine Arme und vergrößerte den Abstand zu ihr. Er wollte sich abwenden, doch sie ließ es nicht zu.
„Severus, bitte."
Hörte sie sich selbst sagen.
Und ehe sie sich versah, hatte sie zu ihm aufgeschlossen und sich ihm an den Hals geworfen. Alles schien mit einem Mal so einfach zu sein. Warum sollte sie sich Gedanken um seine Reaktion machen? Was konnte denn schon passieren? In diesem Moment gab es keinerlei Konsequenzen, an die sie denken musste, es gab nur den Wunsch bei ihm zu sein. Und die Angst ihn zu verlieren, wenn sie diesen Augenblick ungenutzt verstreichen lassen sollte.
„Bitte. Was muss ich denn noch tun, damit du mich verstehst?"
Er blieb regungslos stehen, doch die Tatsache, dass er sie aufgrund der persönlichen Anrede nicht zurechtwies, ließ ihre Flügel weiter wachsen.
„Es gibt soviel, dass ich dir sagen möchte, schon so lange sagen möchte. Doch ich habe Angst, dass du es gar nicht hören willst. Ich habe Angst, dass du dich von mir abwendest und mich fort schickst..."
Und als hätte er auf ein Stichwort gewartet, zog er sie fest an sich. In diesem Augenblick glaubte sie sich am Ziel ihrer Träume. Oder nein, davon hatte sie nicht einmal zu träumen gewagt.
„Ich liebe dich."
Diese Worte kamen über ihre Lippen, ohne das sie sich dagegen hätte wehren können.
Sie konnte fühlen das er den Kopf schüttelte und drückte sich deshalb noch fester an ihn.
„Doch ich liebe dich."
Wieder herrschte Schweigen, einige Minuten standen sie nur nah bei einander.
Als Severus sich schließlich aus der Umarmung löste, empfand sie einen bis dahin ungekannten Verlust.
„Das ist mehr als verrückt."
Flüsterte er leise.
Sie schüttelte den Kopf.
„Nein. Und selbst wenn, dann ist es mir egal."
Sie sah ihn an. Er schien zerrissen und kämpfte um die nächsten Worte
„Ich kann das nicht."
Seine Zweifel verängstigten sie. Seinem Blick wich sie diesmal aus, in dem sie sich erneut an ihn schmiegte. Seinen gesagten Worten zum Trotz erwiderte er die Umarmung diesmal sofort.
Eine ganze Weile standen sie einfach so beieinander, sie lauschte seinem Atem und genoss einfach die Nähe, die er in diesem Moment zuließ.
Irgendwann löste er sich von ihr, aber nur, um ihr Gesicht mit seinen Händen zu umfassen. Er musterte sie intensiv, ließ seinen Blick über ihre Züge schweifen und verharrte schließlich beim Blick in ihre Augen.
Unvermittelt sagte er
„Du musst jetzt gehen."
Felicita hatte das Gefühl ihr Herz würde gefrieren. Er schickte sie fort, nach all dem was eben geschehen war, schickte er sie weg.
Ihr Gesicht musste in diesem Augenblick ein offenes Buch sein, denn ganz sanft setzte er hinzu.
„Ich muss nachdenken."
Als sich sein Gesicht ihrem näherte, machte ihre Herz einen großen Sprung, bei dem Gedanken in zu küssen, wurden ihr die Knie weich. Doch anstelle ihres Mundes berührten seine Lippen nur sanft ihre Stirn.
„Gute Nacht."
Flüsterte er.
„Gute Nacht."
Er ging mit ihr zur Tür und sie hatte das Gefühl, dass er es vorallem tat, damit sie auch wirklich sein Quartier verließ.
Unsicher fragte sie deshalb
„Kann ich morgen wieder kommen?"
Er nickte, wenn auch zögernd.
Sein ganzes Verhalten überforderte sie, denn sie konnte überhaupt nicht wissen, woran sie nun war.
Gerade als die junge Frau aus seinem Quartier hinaustreten wollte, hielt sie seine Stimme zurück.
„Felicita?"
Die Anrede war ungewohnt, aber es klang sehr schön, wie er ihren Namen sprach. Sie drehte sich zu ihm um.
„Viel Glück für deine Prüfung."
Sie nickte und ging.
