Kapitel 31
Severus blieb bei dem Gargoyle vorm Büro des Direktors stehen und atmete tief durch, um schnell sämtliche im Konflikt stehenden Gefühle fest hinter seinem Okklumentikschild zu verschließen.
Der letzte Monat war aufklärend und nervenaufreibend für seine Geduld gewesen. Zum Dunklen Lord zurück zu gehen hatte eine Mischung aus verschiedenen Emotionen an die Oberfläche gebracht, die er seit dem letzten Jahrzehnt versucht hatte zu unterdrücken. Aber wenn er ganz ehrlich mit sich war, war das herausragendste Gefühl... Erleichterung gewesen.
Potter hatte mit einer Sache völlig Recht. Dem Licht zu dienen war mit Sicherheit nicht erfüllend gewesen. Alles daran, die Helle Seite zu unterstützen, fühlte sich falsch an. Es ließ seine Haut vor Abscheu und Frustration jucken. Er war ein dunkler Zauberer und in die Dunkelheit gehörte er auch. Wäre da nicht seine Schuld und seine starken emotionalen Bindungen zu Lily gewesen, wäre er niemals, niemals zu Dumbledore gegangen.
Sich selbst zu erlauben ein Diener des Licht Lords zu werden, war das was er am meisten in seinem Leben bereute, aber er konnte den Mann nicht verlassen. Er war gefangen. Dumbledores Schutz war das einzige das ihn vor Askaban beschützte. Er debattierte mit sich darüber, dass sein Leben dezent genug war. Er hatte einen Job den er... tolerieren konnte, ein reguläres Einkommen, ein Dach über seinem Kopf und Freiheit. Nunja, eine relative Freiheit.
Aber jetzt da der Dunkle Lord zurück war, hatte er eine Alternative. Davor hieß es: Dumbledore oder Dementoren. Jetzt konnte er sich an jemand anderen wenden, zu jemanden, dessen Seite sich immer wie sein Zuhause angefühlt hatte. Er gehört zur Dunklen Seite, und er hatte den Dunklen Lord mit Ehrfurcht und Respekt in Erinnerung. Richtig, er fürchtete den Mann auch. Man wäre verrückt es nicht zu tun. Aber er fühlte sich zur Dunkelheit hingezogen, und als der Dunkle Lord in seiner Jugend an die Macht kam, wurde er auch von dem Dunklen Lord, wie eine Motte zur Flamme, angezogen. Sein Verlangen an der Seite des Mannes zu stehen war nie verschwunden, aber seine Liebe und Loyalität zu Lily Evans war seine Schwachstelle gewesen.
Eine Schwachstelle die von Albus Dumbledore dazu ausgenutzt wurde um einen Spion und einen Diener zu gewinnen.
Als der Meister der Täuschung der er war, hatte Severus während des letzten Monats keine Probleme damit seine widerstreitenden Gefühle zu verbergen. Aber Albus war während dieser Zeit völlig Ahnungslos gewesen. Er hatte keinen Grund gehabt in Severus' Verhalten einen tieferen Sinn zu suchen. Jetzt, würde der Direktor es wissen, jetzt wo er von ihm zum Dunklen Lord geschickt worden war. Jetzt würde er ihn genau beobachten um sicher zu gehen dass Severus auf seiner Seite bliebe. Jetzt würde er Severus' Fertigkeiten als Doppelagent wahrlich auf die Probe stellen.
Gewappnet, stand er groß vor dem Gargoyle und sprach das Passwort. Erdnussbuttermuffin. Über die abscheuerregende, idiotische Besessenheit des Direktors eine Grimasse ziehend, betrat der die Wendelstufen und stieg sie hoch bis zur Doppeltür, die ihm nun noch vom Direktor trennte.
„Kommen Sie rein, Severus", erklang die Stimme des alten Mannes noch bevor seine Hand an der Türklinke war um sie runterzudrücken. Er hatte es erwartet. Er wusste verdammt genau, dass der Direktor Umgebungsschutzzauber besaß, die ihn alarmierten wenn jemand, und vor allem wer, sich seinem Büro näherte.
Severus stieß die Tür auf, glitt in den Raum und ging rasch zu dem Stuhl gegenüber von Dumbledore und nahm platz.
Dumbledore sah müde aus und sein Gesicht war mit Sorge überzogen, aber Severus konnte sehen dass da etwas hinter seinen Augen versteckt war. Etwas, das meisterhaft versteckt blieb.
„Severus, Sie waren lange weg. Ich begann mir Sorgen zu machen", sagte Dumbledore.
Ich bin mir sicher dass du... besorgt darüber warst deinen Spion zu verlieren.
„Es geht mir so gut wie zu erwarten war."
„Was ist passiert? Ist er... wirklich zurück?"
„Das ist er. Offenbar hat er schon seit einer ganzen Weile wieder einen Körper. Er hat seine neue Basis verstärkt und im Geheimen angefangen wieder Kontakt mit einigen alten Anhängern aufzunehmen. Heute Nacht war es das erste Mal, dass er eine Gruppe von uns zu sich gerufen hat."
Dumbledores Augen wurden groß. „Seit einiger Zeit? Für wie lange genau?"
„Ich bin nicht sicher. Er war nicht spezifisch."
„Wie stark schien er?"
„Volle Stärke. Ich habe keine magische Präsenz mehr so stark erlebt... seit dem Höhepunkt seiner letzten Herrschaft."
Dumbledore runzelte zu tiefst beunruhigt die Stirn, als er seine Hände vor ihm auf dem Tisch verschränkte. „Das ist äußerst Beunruhigend... Haben Sie gesehen, wer alles anwesend war?"
„Nur eine geringe Anzahl seiner Anhänger kehrte zu ihm zurück. Wir waren nur zu sechst. Sie waren alle schwarz angezogen, ihr Gesicht war maskiert, aber ich weiß das zumindest Lucius Malfoy und Royce Avery darunter waren."
„Nur sechs?", hakte Dumbledore hoffnungsvoll nach.
„Er war äußerst missvergnügt darüber."
„Hmm..." summte Dumbledore gedankenverloren als er nickte. „Sie waren für über vier Stunden weg – was wurde während des Treffens besprochen?"
„Er beschrieb jenen die Anwesend waren, was ihm während seiner... Abwesenheit widerfahren ist. Außerdem drückte er sein äußerstes Missfallen darüber aus, dass niemand von uns ihn je aufgesucht hat um ihm bei seiner Wiederkehr zu unterstützen."
„Wurden Sie verflucht, Severus?", fragte Dumbledore plötzlich, setzte sich aufrechter hin und sah ihn besorgt an.
„Ich nicht. Aber einige der anderen."
„Ich bin äußerst erleichtert, dass Sie verschont wurden."
Severus reagierte auf diese Aussage nur mit einem nicken.
„Was noch, Severus?"
Severus erklärte ihm dann über die verschiedenen Dinge, die ihn der Dunkle Lord angewiesen hatte, dem Direktor zu erzählen. Nichts davon war eigentlich wahr, aber es war Überzeugend und ausreichend Irreführend, um seinen Zweck zu erfüllen.
„Sprach er über seine Pläne für Harry?", fragte Dumbledore nachdem Severus eine Pause in seiner Informationsübermittlung erreichte.
„Er sagte er hätte schon sehr spezifische Pläne im Gange in die wir unter keine Umstände eingreifen dürfen. Es erschien, als wäre Potters Teilnahme im Turnier von Anfang an das Tun des Dunklen Lords. Jedoch war es der Teil eines schiefgegangenen Plans der vor einigen Monaten aufgegeben wurde. Bartemius Crouch Seniors Verschwinden ist irgendwie damit verbunden aber ich bin mit den Details nicht vertraut. Nachdem der Plan verworfen wurde, war Potters weitere Teilnahme im Turnier nicht länger Wichtig, und wurde belanglos. Die Tatsache dass er überlebt hatte, war offenbar Enttäuschend aber nicht unerwartet. Der Dunkle Lord sagte, dass er sehr verärgert gewesen wäre, hätte man ihm die Gelegenheit verweigert sich selbst um den Jungen kümmern zu können."
Dumbledore sah beunruhigt aus und nickte nachdenklich seinen Kopf. „Danke für das was Sie entdeckt haben. Bitte geben Sie Ihr bestes um weitere Pläne im Bezug auf Harry aufzudecken."
„Ich werde sehen was ich tun kann, jedoch scheint er seine Geheimnisse im Moment nahe bei sich zu halten. Er war nie jemand der seine Anhänger mit den Details seiner Pläne vertraute, und im Augenblick wirkt er noch Geheimnistuerischer. Viel Zeit am heutigen Abend wurde damit verbracht Informationen von denen zu bekommen, die zurück gekehrt wahren."
Wieder nickte Dumbledore.
„Da ist noch eine Sache", meinte Severus vorsichtig.
„Ja, mein Junge?"
Er hohnlächelte über die vertraute Bezeichnung, aber es war ein übliches Verhalten für Severus, also wusste er Dumbledore würde es nicht falsch auffassen.
„Es war eine unbekannte Person bei ihm die offenbar bei ihm im Hauptquartier lebt."
„Oh?"
„Er war ein jüngerer Mann, der vom Dunklen Lord 'Evan Harris' genannt wurde. Er sah knapp über zwanzig aus und trug eine Halbmaske anstatt einer Vollmaske. Der Dunkle Lord ernannte den jungen Mann zu seinem 'Lehrling' und ordnete uns an, sollte er jemals vom Anwesen abwesend sein, jegliche Berichte an den Jungen Mann abzuliefern."
Zum ersten Mal in dieser Nacht zeigte Dumbledore eine Spur berechtigter Panik. „Lehrling?"
„Ja."
„Evan Harris... Ich kann mich an keinen Schüler in Hogwarts erinnern mit diesem Namen. Um sicher zu gehen werde ich durch die Aufzeichnungen gehen müssen... Sah oder Klang er vertraut?"
„Ich habe ihn nicht erkannt. Obwohl seine Maske mehr von seinem Gesicht sehen ließ, war ich trotzdem nicht in der Lage viel zu erkennen. Von dem was ich sehen konnte, hat er blonde Haare. Es war lang, da es unter seiner Haube hervorblitzte."
„Und Sie sagen er lebt dort?"
„Das ist was der Dunkle Lord gesagt hat."
Mit seinen Händen unter dem Kinn gefaltet saß Dumbledore schweigend und nachdenklich da bevor er wieder aufsah. „Vielen Dank, Severus, für alles das Sie tun. Es wird mir eine enorme Hilfe sein. Ich kann nicht genug ausdrücken, wie Wichtig Ihr Beitrag für unsere Angelegenheit ist."
Severus Lippen kräuselten sich, von seinem Gegenüber unbemerkt, in Abneigung.
„Es scheint mir, als müsste ich die alte Schar zurück bringen. Mit der Bestätigung von Voldemorts Rückkehr ist es Notwendig so schnell wie möglich zu Handeln."
Es war fast fünf Uhr morgens als Harry sich im Gryffindor Turm in sein Bett schmiss. Er war zutiefst Versucht gewesen einfach im Anwesen zu schlafen, aber er wusste dass es leichtsinnig wäre und das Risiko nicht wert, dass man seine Abwesenheit durch ein nicht benutztes Bett bemerkte. Der einzige Trost war, dass der nächste Tag ein Samstag war, also konnte er länger schlafen ohne dass sich jemand darüber aufregen würde.
Die Prüfungen waren nun für jeden vorbei. Alles was noch übrig war, waren einige UTZ Prüfungen, die Montag und Dienstag stattfinden würden. Jeder andere konnte die Woche bis zum Abschlussfest zur Entspannung rund um das Schloss herum zu nutzen. Das gab Harry nur ein paar freie Tage um wieder mit Sirius zu reden.
Auch am Sonntag schlief er länger als sonst, und für den Rest des Tages war er entnervend gut beschäftigt. Es fiel ihm sogar schwer sich wegzuschleichen um Tom besuchen zu können und hatte es nicht geschafft genug zeit aufzubringen um zu Sirius' Höhle gehen zu können, also plante er dafür Zeit am Montag ein.
Sonntags beim Abendessen, wusste Harry eindeutig dass Draco einen kürzlichen Briefwechsel mit seinem Vater hatte, da der Slytherin ihn mit komplett neuen Augen ansah. Trotz ihrer Begegnungen, Unterhaltungen und der Tatsache dass Harry deutlich dunkle Magie benutzte, war Draco über die Gültigkeit seiner Aussagen skeptisch gewesen... bis jetzt. Nun wurde es vom Dunklen Lord selbst bestätigt, und Draco sah aus als bekäme er nur von dem reinen Konzept schon ein Gehirnaneurysma.
Harry Potter hatte sich wirklich dem Dunklen Lord angeschlossen.
Harry warf ihm ein geheimnisvolles Lächeln zu und winkte, ließ damit Dracos Augen weiten und seinen Blick eilig abwenden. Harry schnaubte in sein Essen und fing sich damit die Aufmerksamkeit von Ron und Ginny ein, konnte ihre Neugierde allerdings zurückweisen.
Am Montagmorgen schaffte Harry es von jedem davon zu kommen. Er benutzte die Ausrede frische Luft zu benötigen, ein bisschen Zeit für sich alleine und die Gelegenheit einen netten langen Spaziergang um das Schloss zu erledigen, ehe er diesen Ort für die Sommerferien zurücklassen musste. Seine Freunde wussten alle wie Sentimental er über die Schule war, also akzeptieren sie es ohne groß zu fragen.
Er verkleinerte seinen Besen, verstaute ihn in seiner Tasche damit er nicht zu Fuß zu der Höhle gehen musste, und verschwand unter seinem Unsichtbarkeitsumhang von den Schulgründen. Nachdem er aus den Schutzzaubern raus war, vergrößerte er den Besen wieder, hüpfte darauf und flog über das hügelige Terrain in Richtung Höhle, in der Sirius für die letzten paar Monate gelebt hatte.
Harry war erleichtert Sirius vorzufinden als er den Eingang erreichte. Er schlief auf einer harten Pritsche mit nur wenigen ziemlich dreckigen Decken. Der Anblick ließ Harrys Stirnrunzeln tiefer werden und erhöhte sein Verlangen seinem Patenonkel zu helfen nur noch mehr. Tief in seinem Inneren wünschte er sich, sein Patenonkel würde den Dunklen Lord akzeptieren. Auch tief in seinem Inneren aber, bezweifelte er dass es wirklich funktionieren würde. Sirius Black war wahrlich ein Gryffindor, und er besaß einen sehr tief verwurzelten Hass gegenüber dem Dunklen Lord.
Er fühlte sich so im Konflikt im Bezug auf seinen Paten.
Harry trat tiefer in die Höhle, verbeugte sich vor Seidenschnabel und wartete darauf dass der Hippogreif die Geste erwiderte, ehe er sich neben Sirius auf den kalten Steinboden kniete.
„Sirius?", sagte Harry während er sanft an seiner Schulter rüttelte.
Es dauerte eine Minute bevor Sirius schließlich begann aufzuwachen.
„Huh-h... H-harry?"
Harry gluckste und setzte sich auf seine Fersen. „Für jemanden der auf der Flucht ist, bist du ein überraschend tiefer Schläfer."
„Ähm... es wurde spät letzte Nacht...", grummelte der Zauberer, während er mit einer Hand sein Kinn rieb und benommen aufstand. Harry erhob sich ebenfalls und zog seinen Zypressenzauberstab. Er beschwor den Beiden ein Paar gemütlicher Sessel und nahm Platz, während Sirius aus der Höhle ging um sich erstmal zu erleichtern. Als er zurückkam, hatte Harry schon eine Tasche mit Essen herausgezogen und vergrößert. Sie schwiegen während Sirius begann zu essen.
Nach einer Weile durchbrach Harry die Stille. „Hast du darüber nachgedacht?"
„Natürlich habe ich das", sagte Sirius mit schwerer Stimme seufzend. „Weißt du, ich habe gestern eine Eule von Dumbledore erhalten. Er ruft die alte Schar zusammen. Offenbar weiß er nun das Voldie zurück ist."
„Jup. Vor zwei Tagen war ein großes Treffen. Der Dunkle Lord ließ Snape zuerst zu Dumbledore gehen damit dieser über den Ruf Bescheid wusste. Wie erwartet, fragte Dumbledore ob Snape seine Rolle als Spion wieder aufnehmen konnte. Nach dem Treffen, war Snape angewiesen zu Dumbledore zu gehen und von dem Treffen genau zu berichten."
„Und ihr glaubt alle ernsthaft das Snape loyal ist? Der Kerl ist eine dreckige, doppelgesichtige Schlange. Er hat schon immer beide Seiten gespielt. Woher weißt du, dass er nicht eigentlich für Dumbledore spioniert und ihm alles darüber erzählt, wo deine Loyalitäten liegen?"
„Snape ist der Dunkelheit Loyal. Dort wollte er schon immer sein. Er ging nur zu Dumbledore weil er meine Mutter liebte und fürchtete, dass der Dunkle Lord sie umbringt."
„Und das hat er auch."
„Ja, aber jetzt weiß Severus, dass Dumbledore derjenige war der wirklich die Fäden gezogen hat. Dumbledore hat Snape nicht nur benutzt um die falsche Prophezeiung zu überbringen, die ein riesiges 'töte mich' Zeichen auf unsere Rücken geheftet hat, sondern ihn auch noch ausgetrickste zu Dumbledore überzulaufen, in dem er seine Schuldgefühle ausnutzte. Außerdem hat Snape einen Unbrechbaren Schwur geschworen um mich zu beschützen und hat dem Dunklen Lord seine Loyalitäten unter einem Schwur geschworen. Wir sind uns über seine Loyalitäten also sehr sicher. Außerdem werden wir Vorsichtig mit jeglichen Informationen über mich sein, die wir ihn wissen lassen."
Sirius öffnete seinen Mund um etwas zu erwidern, hielt dann aber kurz inne. „Warte, er hat einen Unbrechbaren Schwur geschworen um dich zu beschützen?"
„Offenbar hat er das, vor Jahren als er zum ersten Mal zu Dumbledore ging und ihm seine Dienste als Doppelagent anbot. So konnte er seine Treue beweisen. Er war nicht dazu bereit Dumbledore seine Treue zu schwören, war aber bereit dazu einen für Lilys Sohn zu schwören."
Sirius war völlig baff, und für mehrere Minuten brachte er kein Wort zustande. Schließlich schüttelte er seinen Kopf. „In Ordnung...", meinte er langsam.
„Also, was wirst du tun? Wegen Dumbledores Brief meine ich."
Sirius fuhr seufzend durch seine Haare. „Ich weiß es nicht, Kleiner... Ich vermute das hängt davon ab ob ich mich deinem Dunklen Lord anschließe. Wenn ich mich Voldemort anschließe, dann wird von mir vermutlich erwartet im Orden zu spionieren. Die Sache ist nur, dass ich nicht so ein großartiger Schauspieler bin wie Schniefelus. Ich bin nicht für das Spionieren geschaffen. Außerdem habe ich nur rudimentäre Okklumentikschilde. Ich muss zugeben, besorgt darüber zu sein Zeit in Dumbledores Gegenwart zu verbringen, mit dem Wissen das ich habe."
Harry nickte nachdenklich. „Klingt vernünftig."
„Aber...", fügte er zaghaft hinzu, „Dumbledore hat in seinem Brief angedeutet, dass der Orden eine neue Basis braucht um Treffen abzuhalten. Er fragte mich ob ich immer noch Kontrolle über mein altes Familienzuhause in London hätte."
„Zuhause in London?"
„Ja, auf dem Grimmauldplatz. Es ist nun wahrscheinlich ein geradezu ranziges, altes Haus. Blieb für über ein Jahrzehnt unbewohnt. Es ist das Haus in dem ich aufgewachsen bin."
„Und du verfügst immer noch die Kontrolle darüber?"
„Natürlich. Könnte dort jederzeit hingehen. Es ist bereits unaufspürbar und hat einige Schutzzauber darüber liegen, weshalb es als Basis für den Orden ideal wäre."
„Warte, das klingt als könnte dich das Ministerium dort nicht finden."
„Das ist richtig."
„Warum bist du dann nicht dort hin?"
Sirius zog ein langes Gesicht. „Ich lebe lieber in einer Höhle als in dieses Haus zurück zu müssen. Ich vermute es...", er seufzte schwerfällig. „Nein... Ich hasste das Haus. Ich hasste meine Familie und ich hasste die Zeit die ich in dem Haus verbracht habe. Ich möchte einfach nicht zurück gehen es sei denn es geht nicht anders."
„Schon gut. Also fragt Dumbledore ob er das Haus für seinen Orden benutzen kann?"
„Richtig. Aber er wollte außerdem noch den Fidelius als zusätzlichen Schutz darüber legen."
„Und wer würde der Geheimnisswarer sein?"
„Er."
Harry schnitt eine Grimasse.
„Er hat 'es großzügigerweiße angeboten' damit es ein zusätzlicher Schutz war um das Ministerium davon abzuhalten mich zu finden. Außerdem deutete er an dich vielleicht dorthin bringen zu können, wenn wir den Platz vorher sauber genug bekommen."
„Klingt als würde er versuchen den Deal, das Haus zu bekommen, zu versüßen. Ich frage mich ob er es auch wirklich gemeint hat..."
„Ja..." Sirius seufzte erneut.
„Nun...", begann Harry, „denk dran, das geht nur wenn du unser Angebot annimmst, aber eine Möglichkeit wäre, dass du zustimmst Dumbledore und seinen Orden dein elendes Kindheitszuhause nutzen lässt, aber nicht dort bleibst wenn sie es aufräumen. Lass ihn sich darum kümmern. Du erzählst ihm, dass du rausgehst und versuchst Pettigrew zu lokalisieren und verschwindest für einen Monat. Du verbringst die Zeit mit mir im Anwesen. Während dieser Zeit können wir Pettigrew bewusstlos unten in den Gefängniszellen aufbewahren, während der Dunkle Lord sicher geht dass der Obliviate auch wirklich hält. Am ende des Monats nimmst du Pettigrew und bringst ihn ins Ministerium um deinen Namen reinzuwaschen."
„Du lässt es so einfach klingen", erwiderte Sirius augenverdrehend. „Ich bezweifle dass ich einfach so mit Petteigrew ins Ministerium spazieren könnte. Wenn du dich erinnerst, Fudge hat angeordnet, dass ich bei Sicht direkt von einem Dementor geküsst werden soll."
„Daran können wir arbeiten, keine Sorge."
Sirius warf ihm einen ungläubigen Blick zu. „Wir?"
„To- der Dunkle Lord. Er hat einige Todesser im Ministerium von denen nichtmal Dumbledore weiß. Außerdem habe ich dem Minister eingebläut ich wäre sein Fan. Ich habe ihm sogar angeboten über den Sommer mit ihm in irgendeiner Öffentlichen Einrichtung aufzutauchen um ihm meine Unterstützung für seine Wiederwahl zu geben."
„WAS? Fudge eine Öffentliche Unterstützung anbieten?"
„Natürlich. Er ist ein inkompetenter Idiot. Er würde lieber so aussehen als täte er etwas, als überhaupt etwas zu tun. Es wird viel einfacher werden das Ministerium von innen Heraus zu übernehmen, wenn es von einem Tunichtgut geleitet wird der an Lucius Malfoys jedem Worte hängt."
„Oh, Merlin, Harry", stöhnte Sirius und vergrub sein Gesicht in den Händen. „Ich weiß nicht ob ich das tun kann... mich auf dieselbe Seite zu schlagen wie Lucius Malfoy... und zu versuchen das Ministerium zu 'demontieren'? Allermindestens hilfst du dem Dunklen Lord für einen Umsturz und im Schlimmsten Fall bei einem Krieg!"
„Die magische Regierung von Britannien ist Korrumpiert, Ineffektiv, und ein Haufen kriecherischer, voreingenommener Idioten. Es ist eine wertlose Regierung und muss verschwinden."
„Und du denkst Voldemort wird es besser machen?"
Harry seufzte mit schwerer Stimme und lehnte sich zurück. „An dieser Front werden wir keinen Fortschritt machen. Wir haben beide eine komplett verschiedene Meinung von dem Mann."
„Du sagst zwar, dass er sich dieses Mal nicht um Muggel und Muggelgeborene schert, aber denkst du wirklich dass er in der neuen Regierung die er vorhat aufzubauen, Muggelgeborene auch gut und fair behandeln wird?"
„Muggelgeborene sind nur die Nachkommen von einigen Generation Squibgeborene. Kein Mensch wird spontan mit Magie geboren. Irgendwo in ihrer Linie muss sich das Blut einer magischen Kreatur eingemischt haben. Zugegeben, Muggelgeborene besitzen eine Menge an Muggel Verunreinigungen, aber wir alle haben nicht-magische, menschliche Verunreinigungen, das ist ein grundsätzlicher Fakt."
Sirius begann etwas zu sagen, stoppte aber abrupt. „Was?"
„Hier... Ich werde dir jetzt ein paar Dinge erzählen, und du musst mir versprechen sie niemanden zu verraten, in Ordnung?"
„Okay..."
„Der Dunkle Lord ist ein 'halbblut'. Sein Vater war ein Muggel. Nicht Muggelgeboren, sondern Muggel."
Sirius starrte ihn sprachlos an.
„Sein Vater verließ seine Mutter während sie Schwanger war und sie starb kurz nachdem er geboren wurde, also wuchs er in einem Waisenhaus auf. Er wusste nicht dass er ein Zauberer war, ehe er seinen Hogwartsbrief erhielt. Und da ihm seine Zauberermutter den Namen seines Muggelvaters gab, wurde er in Hogwarts nach Slytherin geschickt, ohne das er von seiner Abstammung wusste. Jeder glaubte er wäre ein Muggelgeborener. Ich bin sicher du kannst dir vorstellen wie Muggelgeborene in Slytherin behandelt werden."
„Es wäre ein Massaker gewesen", murmelte Sirius vor sich hin.
„Es war mit Sicherheit nicht angenehm. Aber er war ein Parselmund und nachdem das raus kam, begann seine Mitschüler zu realisieren, dass da definitiv mehr wer als das Auge sehen konnte. Außerdem war er ein außergewöhnlich talentierter Zauberer, magisch mächtiger als jeder andere in der Schule zu dieser Zeit. Er bekam die besten Noten in all seinen Kursen. Er ist ein Genie. Also bekam er den Respekt, aber es war ein widerwilliger Respekt für den er sich hart den Arsch abarbeiten musste. Er lernte mit seinem Haus zu arbeiten und sie zu manipulieren damit sie seine Zwecke erfüllten und wollte ihre Voreingenommenheit gegen sie verwenden.
Er weiß die Wahrheit über Muggelgeborene, aber es ist keine Tatsache, die man mal ebenso in die Gesellschaft einführen kann. Die alten Reinblutfamilien würden ihre Schwierigkeiten haben sowas zu akzeptieren, vor allem da so viele Squibs aus Reinblutlinien stammen und diese dann enterbt und hinaus in die Muggelwelt gejagt worden sind. Viele der sogenannten Muggelgeborenen Kinder sind eigentlich Nachkommen von wirklich alten Reinblutlinien. Wenn die alten Familien das realisieren würden, könnten sie mit Erbschaftsstreits konfrontiert werden.
Was er wollte war die Ausrottung der Muggel und dafür war es einfach Anhänger zu sammeln, durch die ganzen Vorurteile der alten Zaubererfamilien. Aber genau diese Anhänger besitzen ihre Vorurteile auch gegenüber den Muggelgeborenen und würden ebenfalls auf sie Zielen. Für den Dunklen Lord war es einfacher sie tun zu lassen was sie wollten, denn solange sie Glücklich waren, halfen sie auch ihm in seinen Angelegenheiten."
„Aber ist das nicht dasselbe was du Dumbledore anhängst? Bereit die Unschuldigen zu Opfern wenn es für das 'größere Wohl' ist?", argumentierte Sirius.
„Ich habe nie gesagt das Tom perfekt ist!", erwiderte Harry scharf. „Ich habe nie behauptet er wäre kein rücksichtsloser Mörder. Er ist einer. Ich weiß das. Er hat in seiner Vergangenheit ernste Scheiße angestellt, und er wird damit auch in der Zukunft fortfahren. Ich versuche keine Entschuldigungen für das zu finden was er zugelassen hat, aber er plant diesmal einen anderen Weg einzuschlagen und hofft das Blutvergießen bei einem Minimum zu halten. Außerdem hat er die Absicht das alte Wissen über die Kreaturen wieder in die Gesellschaft einzuführen und vielleicht führt dass dann zu er Erkenntnis, woher genau die 'Muggelgeborenen' eigentlich stammen."
„Also behauptest du dass Voldemort eine magische Regierung aufbaut, in der Muggelgeborene wie Gleichberechtigte behandelt werden?", fragte Sirius skeptisch.
Harry seufzte. „Das wird nicht über Nacht passieren und unglücklicherweise hat er dieses riesige Anit-Muggelgeborene Leuchtschild über sich stehen, was die Dinge am Anfang ziemlich kompliziert machen wird, aber am Ende ist es sein Ziel eine Regierung zu kreieren die Hexen und Zauberern gleichermaßen nützt. Und sogar Muggelgeborene sind Hexen und Zauberer."
„Von dir klingt es so als wäre er der Gute. Er ist nicht der Gute, Harry."
„So etwas wie Helden und Bösewichte gibt es nicht, Sirius. Gut und Böse existiert nicht. Nur wenige Leute tauchen in diesen Zeug unter weil sie wirklich Böse sind. Die Leute haben ihre Ziele und Motive und wenn jemand dazu bereit ist für seine Ideale kämpfen, ist es weil sie daran glauben wofür sie kämpfen. Sie glauben dass sie die guten Jungs sind. Jeder glaubt dass sie diejenigen im Recht sind, und die Leute die gegen sie Kämpfen sind dann automatisch im Unrecht. Am Ende geht es nur um die Perspektive. Geschichte wird von Siegern geschrieben, weswegen die Geschichtsbücher es immer schaffen werden die Eine Seite als Böse einzustufen und die andere – die gewinnende Seite – waren die Helden und Retter.
Jeder hat Ziele an die er glaubt und bereit ist dafür zu kämpfen, und niemand kämpft nur mit dem Ziel die Welt zu zerstören, es sei denn derjenige ist ein wahnsinniger Soziopath oder sowas ähnliches. Und auch wenn du in dem Glauben bist, Voldemort ist kein wahnsinniger Soziopath.
Dumbledores Seite kämpft dafür den Status Quo beizubehalten. Dafür kämpft er. Die einfache, bereits etablierte und vage funktionierende Regierung zu bewahren die wir im Moment besitzen. Meine Seite kämpft dafür sie nieder zu reißen und sie zu etwas wieder aufzubauen, dass kein jämmerlicher, ineffektiver, wertloser Haufen Hippogreifen Scheiße ist, der von inkompetenten Volltrotteln angeführt wird!"
„Du lässt es so nett klingen, Harry, aber im Grunde versuchst du nur eine Diktatur aufzubauen, in der Voldemort an der Spitze eines Haufens blutiger Leichen thront!"
„Wer zum Glück in der Welt beitragen möchte, darf keine Rücksicht auf seine nähere Umgebung nehmen."
„Oh, jetzt willst du mir Zitate entgegen werfen? Hier ist eines. 'Jede Revolution verdunstet und hinterlässt nur den Schlamm einer neuen Bürokratie.'"
Harry seufzte mit schwerer Stimme und rieb sich die Nasenwurzel. „So wird das nichts. Du kannst das eindeutig nicht tun. Vergiss es. Der Schwur hält immer noch an. Du kannst Dumbledore nicht-"
„Harry! Jetzt warte mal eine verdammt Sekunde!"
„Nein, Sirius. Ich realisiere das ich mir, in der Hoffnung dir zu helfen, nur selbst etwas vorgemacht habe, aber Schlussendlich könntest du auf meiner Seite niemals glücklich werden. Du wirst niemals in der Lage sein Voldemort zu folgen. Das wird einfach nicht passieren. Du kannst einem Mann den du so grundsätzlich hasst nicht treu sein und nichts das ich sage wird deine Meinung an dieser Sache ändern."
„Harry! Jetzt komm schon! Ich habe dir doch gesagt das ich auf deiner Seite bleibe und das meinte ich auch so, ich bin-"
„Nein. Einfach nein. Sirius, wenn du mit mir kommst – wenn du das Angebot annimmst und dich für Peter austauschst, dann verpflichtest du dich für unsere Seite. Man wird von dir erwarten auf unsere Ziele hin zu arbeiten und ich kann einfach glauben dass du dich mit gutem Gewissen dazu zwingen werden kannst. Du würdest dich elendig fühlen und anfangen dich selbst zu hassen und ich werde dich nicht in diese Position zwingen."
Sirius stöhnte lauthals auf und brach, vor sich hin grummelnd, in seinem Stuhl zusammen.
„Du weißt dass ich recht habe. Du bist dafür einfach nicht geschaffen. Nicht für die Dunkelheit. Selbst im Wissen darüber schlimm Dumbledore dich übern Tisch gezogen hat und wie schlimm er mich benutzt hat... kannst du dich immer noch nicht dazu bringen auf unsere Seite zu kommen. Aber ich kann das verstehen."
„Ich kann einfach nicht verstehen wie du ernsthaft denken kannst dass Voldemort diese Welt zu einem besseren Ort machen wird!"
„Und du denkst Dumbledore schafft das?"
„Nun gut, vielleicht auch er nicht, aber-"
„Im Moment sehe ich keine andere Option. Ich wähle Tom. Ich vertraue ihm eigentlich."
„Und da haben wir's schon wieder! Wie kannst du ihm-"
„Hör auf, Sirius. Ich werde damit nicht wieder anfangen. Lass uns einfach darauf einigen das wir uns nicht einige sind und damit hat es sich."
Sirius sah aus als wollte er dagegen argumentieren aber dann veränderte sich sein Ausdruck zu dem einer erschöpften Niederlage und er atmete röchelnd aus. Die zwei blieben lange Stumm.
„Was willst du nun tun?", fragte Harry schließlich.
„Ich weiß es nicht...", antwortete Sirius erneut schwer seufzend. „Ich werde mich nicht Dumbledore anschließen, das steht schonmal fest. Ich weiß auch ehrlich gar nicht ob ich es überhaupt ertragen kann mit dem Mann im selben Raum zu bleiben, mit dem was ich weiß."
Harry nickte ernst. „Ich weiß wie du dich fühlst. Es war für mich ein richtiger Kampf den Mann nicht einfach zu verfluchen, in den ersten Tagen nachdem ich herausgefunden habe was er mit den Prophezeiungen abgezogen hatte. Und ich kann den Alten jeden Abend beim Essen sehen."
„Sieh her, ich weiß einfach nicht ob ich es tun könnte. Den Leuten würde früher oder später auffallen das etwas vor sich geht. Ich bin kein guter Schauspieler wenn ich wütend bin, Harry. Ich denke nicht, den Mann davon überzeugen zu können dass ich immer noch mit Respekt zu ihm aufsehe. Ich denke nicht einmal das ich für euch spionieren könnte."
Harry seufzte. „Ja... ich weiß. Ich weiß dass ich einfach nur ein Idiot war, zu versuchen dich zu überzeugen. Tom hat mir von Anfang an gesagt dass es nicht klappen wird, aber ich musste es einfach versuchen."
„Du verbringst wirklich so viel Zeit mit dem Kerl?"
Harry grinste seinen Patenonkel an. „Ich weiß dass es sich für dich unergründbar anhört, aber ich betrachte ihn wirklich als einen Freund. Mehr als das eigentlich. Er... er versteht mich. Er und ich, wir haben so viel gemeinsam dass es schon bizarr ist. Unsere Kindheiten, die Weise wie unsere Magie funktioniert, die Art auf die wir unsere Probleme angehen... Er weiß einfach wie er mir Dinge erklären muss damit sie perfekten Sinn ergeben. Wann immer ich bei einem magischen Konzept oder einem zauber festhänge und es einfach nicht verstehen kann, schafft er es auf Anhieb sie mir mit den einfachsten Erklärungen verständlich zu machen. Ich meine, wir haben für den ersten Monat nicht mal über die Politik geredet. Wir haben einfach über alles andere geredet.
Und vor zirka einem Monat haben wir... ich vermute wir haben eine Art Barriere durchbrochen und seitdem ist es so als gäbe es nichts worüber wir nicht reden könnten. Manchmal stelle ich ihm eine Frag die er nicht beantworten will und dann wechselt er das Thema. Aber in neun von zehn Fällen antwortet er mir gerade heraus. Und ich hab angefangen ihn so ziemlich alles zu fragen was mir in den Sinn kommt. Wir haben über unsere Kindheit geredet, über unsere Erfahrungen in Hogwarts, darüber wann wir jeweils angefangen haben die dunklen Künste zu studieren... Ich meine, er ist dazu bereit die wirklich intimen und persönlichen Details mit mir zu teilen und ich... es ist... er ist wirklich..." Harry schnaufte frustriert und fuhr sich durch die Haare.
„Es spielt keine Rolle", meinte er Schließlich, lehnte sich vor und stützte seine Ellbogen auf die Knie. „Nur weil ich mich ihm verbunden fühle, heißt das nicht das du es jemals wirst. Ich bezweifle dass er dir freiwillig diese Seite an ihm zeigen wird, die er mir jeden Tag zeigt. Du würdest ihn nie so kennen lernen wie ich es tat. Und schlussendlich sind deine politischen Ansichten unseren gegenüber einfach zu verschieden. Das hier wird nicht klappen."
Sirius seufzte und nickte zustimmend. „Was willst du dann, das ich tue, Harry?"
„Tu was du willst. Tritt nur nicht dem Orden bei, außer du willst an Dumbledores Seite stehen und somit gegen mich. Denn am Ende ist der Orden mein Feind. Dumbledore ist mein Feind. Und eines Tages, werde ich mit ihnen im Krieg stehen und dieser Krieg wird nicht ohne Blut enden."
Niedergeschlagen schüttelte Sirius den Kopf. „Ich habe versprochen auf dich Acht zu geben. Versprochen dich zu beschützen..."
„Ich brauche keinen Schutz, Sirius. Verdammt, ich habe bereits den mächtigsten Zauberer auf der Welt der auf mich Acht gibt. Mir wird's gut geht."
„Ja, aber wer wird dich vor ihm beschützen?"
Harry schnaubte übertrieben verzweifelt. „Sirius, kümmer dich nicht darum."
Wieder seufzte Sirius, und die Beiden verfielen in Schweigen.
„Du realisierst aber, dass ich dir Pettigrew nun nicht mehr geben kann, oder?", fragte Harry.
Sirius zog eine Grimasse, nickte aber verstehend. „Du willst also wirklich neben dem Mann stehen, der deine Eltern verraten hat?"
Harry zuckte mit den Schultern. „Eines Tages werde ich ihn töten. Sobald er seine Nützlichkeit ausgelebt hat. Im Moment ist er noch etwas wert. Außerdem ist Tom zögerlich den Mann einfach so zu töten, da er eine recht signifikante Rolle darin spielte, dem Dunklen Lord seinen Körper wieder zu beschaffen. Auch wenn er weiß, dass Wurmschwanz nur aus Furcht zu ihm gekommen ist, und weil er wollte das Voldemort ihn beschützt, nicht weil er dem Dunklen Lord einfach helfen wollte, oder an seine Seite glaubte... aber dennoch... Wurmschwanz hat ihm geholfen und er weigert sich so ein Verhalten zu belohnen indem er den Mann direkt verrät."
Sirius schnaubte. „Der Dunkle Lord besitzt einen Moralkodex?"
„Tut er, glaub es oder nicht. Vieles dafür würde für dich als harsch oder sogar grausam erscheinen, aber ich denke sie sind recht stichhaltig."
„Nenn mir ein Beispiel."
Harry grummelte. „In Ordnung. Er weigert sich jemals ein magisches Kind verwaist zu lassen."
„Huh?"
„Wenn beide Elternteile getötet wurden, wird auch das Kind getötet. Wenn möglich, zieht er es vor das noch ein Elternteil lebt, sodass das Kind nicht sterben muss. Im Normalfall die Mutter. Aber wenn Beide Elternteile sterben müssen, muss auch das Kind sterben."
„Und das ist eine gute Sache? Das ist Verabscheuungswürdig! Ein unschuldiges Kind zu töten?"
„Besser als in einem Waisenhaus oder bei verfickten Muggel aufzuwachsen, oder von Muggel Verwanden großgezogen zu werden die Angst vor Magie haben!", herrschte Harry. „Es gibt keine magischen Waisenhäuser, Sirius. Kein einziges."
„Nicht in allen Waisenhäusern würde man so behandelt werden, wie du behandelt worden bist, Harry", erwiderte er zögernd.
„Muggel fürchten sich vor dem was sie nicht verstehen. Eltern von sogenannten Muggelgeborenen sind in den meisten Fällen noch gut zu ihren Kindern weil sie ihre Biologischen Kinder sind und sie lieben, egal wie viel angsteinflößend diese verrückten, übernatürlichen Kräfte erscheinen mögen. Aber bei einem Waisen existiert so eine Verbundenheit nicht. Kein Mandat, dass sagt 'liebe mich, egal was für ein großer Freak ich bin'. Magische Waisenhäuser sind der Einzige weg dem Missbrauch von Muggel an magischen Kindern ein Ende zu setzen."
„Nur weil du-"
„Tom genauso! Wusstest du dass die Muggelfrau, die das Waisenhaus geleitet hatte, sich dermaßen vor den Dingen gefürchtet hatte die er tun konnte, dass sie einen Priester rief der ihn exorzieren konnte, als er gerademal fünf Jahre alt war? Und dann nochmal mit sieben und acht? Hast du jemals einen Muggel Exorzismus gesehen? Es ist fürchterlich! Und jetzt stell dir vor das an einem Fünfjährigen zu tun? Stell dir vor du bist jung und verwirrt und dir wird erzählt dass da ein Dämon in dir lebt! Wie denkst du würdest du dich dabei fühlen? Wie beschissen denkst du, würde dich das machen?"
„In Ordnung! In Ordnung...", erwiderte Sirius mit erhobenen Händen in Kapitulation.
„Wir drehen uns schon wieder im Kreis..." Harry stoppte und kramte in seiner Tasche. Er zog einen Flaschendeckel heraus, der in der Mitte ein Loch besaß, durch das ein Bindefaden gezogen war. „Es ist ein zweiweg-Portschlüssel. Es wird dich in das Anwesen bringen, solltest du deine Meinung jemals ändern, oder wenn du in ernsthaften Schwierigkeiten steckst. Das Aktivierungspasswort ist Riddle Anwesen. Nur du kannst ihn benutzen, also kannst du auch keine anderen Personen damit mitnehmen. Selbst wenn dich jemand berühren sollte wenn er sich aktiviert, die Person wird dann einfach zurück gelassen."
„Wie hast du das denn hingekriegt?"
„Das sind keine Standard Ausgaben der Ministeriums Portschlüssel. Die sind persönlich von Voldemort hergestellt worden. Wenn du weißt was du tust, kannst du all mögliche spezifische Sachen mit einem Portschlüssel tun."
„Vermutlich ja..."
„Jedenfalls, der ist für dich", Harry beugte sich vor um ihm den Flaschendeckel zu geben, „häng ihn dir um den Hals. Wenn das Ministerium oder die Dementoren an dich rankommen, kannst du ihn als einen Notausweg benutzen. Unglücklicherweise, da er nur dich mitnimmt, musst du Seidenschnabel dann zurücklassen. Aber mit ein wenig Glück kannst du ihn später suchen gehen, da es ein zweiweg-Porschlüssel ist."
Harry stand seufzend auf. „Ich muss los. Die Leute werden mich vermissen wenn ich den ganzen Tag verschwunden bin. Briefe in diesem Sommer wird wohl länger dauern. Du kannst die Eulen an Harry Potter adressieren. Sie werden dann automatisch zu einer Postbox geschickt die ich mir angeeignet habe, und sämtliche Briefe werden alle paar Tage von einer Hauselfe abgeholt."
„Huh? Warum tust du das alles?"
„Das Anwesen besitzt Anti-Eulen Zauber. T-Voldemort will keine Verfolgungszauber riskieren, die mit Leichtigkeit auf eine austragende Eule platziert werden können. Oder es riskieren, dass jemand eine Eule mit dem Besen verfolgt. Ich bin ehrlich schockiert darüber dass das Ministerium nicht schon sowas versucht hat um dich zu finden. Adressiere einen Brief einfach an Harry Potter und folge der Eule..."
„Aber das wäre ja logisch und intelligent", bemerkte Sirius mit einem schwachen Grinsen. Harry erwiderte es mit einem Lächeln, eines, das seine Augen nicht erreichte. Ihm war nicht wirklich nach Lachen zumute. Wer wusste schon ob er seinen Patenonkel in der nächsten Zeit sehen würde.
„Nun... Auf wiedersehen, Sirius."
Sirius stand auf und stand für einen Augenblick unbeholfen vor Harry, ehe er sich vor lehnte und ihn in eine leicht versteifte Umarmung zog. Harry erwiderte die Geste nur zögernd. Seine Brust fühlte sich schwer an. Sirius war die erste Person von 'vorher' mit der er Ehrlich war und nun brach er im Grunde auch diese Verbindung fast ab. Sirius Leben wurde genauso über den Haufen geworfen wie Harrys und doch konnte der Mann ihm auf seinen gewählten Weg nicht folgen. Aber wenn er ehrlich mit sich selbst war, hatte er das von Anfang an gewusst.
Sirius war einfach aus vollem Herzen ein Gryffindor.
„Auf wiedersehen, Kleiner", murmelte er in Harrys Schulter. „Ich hoffe wirklich du weißt was du tust. Und wenn du jemals flüchten musst... Ich bin für dich da."
Harry gluckste und schüttelte seinen Kopf. „In Ordnung Sirius. Danke für das Angebot, aber ich werde es nicht brauchen."
