Kapitel 25.1: Das Verschwinden

Nachdem bereits eine Woche im Mai vorbei war, bestand Hermine darauf, dass Harry sich ernsthaft für die kommenden Examen vorbereitete. Wissend, wieviel die Examen ihr bedeuteten, entschied Harry, ihren Bitten nachzugeben. Schließlich würde es nicht schaden, den Stoff, den sie im vergangenen Jahr durchgenommen hatten, zu wiederholen. Als sie ihm jedoch einen Plan geben wollte, der im Grunde genommen jeden freien Moment füllen würde, den er bis zu den Examen hätte, protestierte Harry.

„Sorry, Hermine, aber unter keinen Umständen werde ich diesem Plan folgen", sagte Harry ihr. Sein Blick wanderte kurz zu Ron, der nachdrücklich nickte.

Mit ihren Händen in die Hüften gestemmt und zusammengekniffenen Augen sagte Hermine: „Du kannst nicht erwarten, deine Examen zu bestehen, wenn du nicht bereit bist, dafür zu arbeiten. Wenn du früher zugestimmt hättest, hätte ich es über einen größeren Zeitraum verteilen können, aber so, wie die Dinge stehen, müssen wir einfach so viel in der verfügbaren Zeit hineinstopfen wie wir können."

Harry musste dem Drang widerstehen, seine Augen zu verdrehen. „Hermine", begann er und machte eine Pause, um sicherzugehen, dass sie ihm zuhörte. „Ich muss nicht „stopfen". Ich kenne das Material bereits. Etwas zusätzliche Zeit aufzuwenden, um das Gelernte wieder aufzufrischen, wäre nett, aber ich brauche das alles nicht." Er wedelte das Pergament, auf dem ihr Zeitplan notiert war, hin und her.

Sie funkelte ihn einen Moment lang an und holte tief Luft, als ob sie mit einer Tirade beginnen wollte. Stattdessen atmete sie aus und schüttelte ihren Kopf. „Also gut", sagte sie und es hörte sich an, als ob die Worte ihr wehtaten. „Wann möchtest du dann lernen?"

Harry bemerkte aus dem Augenwinkel, wie Rons Augen größer wurden, als Hermine sich zurückzog. Dann, genauso schnell, verengten sich seine Augen in einem kalkulierenden Blick, der auf seine Freundin gerichtet war. Wusste Ron etwas?

Harry schob den Gedanken beiseite, um zusammen mit Hermine einen Zeitplan zu erstellen, den er als machbar empfand. Nachdem sie damit fertig waren, schaute Ron kurz darüber, bevor er sich zurücklehnte und Harry anschaute. „Viel besser. Unser Sucher darf schließlich nicht zu müde sein, um auf den Besen zu steigen, oder?"

„Wie kannst du dir um Quidditch Sorgen machen, wenn die Examen immer näher rücken?", wollte Hermine drohend wissen. „Du solltest wirklich darüber nachdenken, ob du nicht weniger Training abhalten willst, um mehr Zeit zum Lernen zu haben."

„Bist du verrückt, Frau?", erwiderte Ron. „Wir können nicht weniger trainieren. Der Pokal gehört uns schon fast."

„Oh, wen kümmert ein dummer Pokal?", protestierte Hermine.

„Dumm?", japste Ron. „Dumm?"

„Ja, dumm!", antwortete Hermine. „Ehrlich, Ron, was wird ein dummer kleiner Pokal dir helfen? Du musst den Lehrstoff lernen, so dass du nächstes Jahr nicht hinterherhinkst. Deine U.T.Z-ergebnisse werden entscheidend sein, welche Jobs du nach der Schule bekommen kannst."

„Quidditch ist nicht dumm!" schrie Ron beinahe. Harry begann gerade, sich vorsichtig zu entfernen, als Ron sich ihm zuwandte und sagte: „Hilf mir aus, Harry."

Harry schüttelte den Kopf. Er wollte nicht in ihre Diskussion reingezogen werden, aber es war zu spät.

„Sag ihm, dass die Examen wichtiger sind", bestand Hermine.

Harry seufzte und schaute zwischen ihnen hin und her. „Ihr habt beide Recht. Die Examen sind wichtig, was der Grund ist, warum wir keine zusätzlichen Trainingseinheiten ansetzen. Quidditch ist allerdings auch wichtig und wir werden auch nicht das Training verringern." Und mit einem frechen Grinsen fügte er hinzu: „Nun küsst euch und vertragt euch wieder oder was immer ihr heutzutage macht."

Sie schauten ihn beide einen Moment lang mit offenem Mund an, bevor sie sich wieder fassten. Ron drehte sich zu Hermine um und zog eine Augenbraue hoch, aber sie knurrte nur, stopfte ihre Bücher in ihre Tasche und stürmte aus dem Gemeinschaftsraum.

Harry schlug seinem Freund freundschaftlich auf die Schulter und sagte: „Sorry, Kumpel. Ich hab's versucht." Ron wandte sich ab und ging ohne ein Wort zu sagen die Treppe zu den Jungenschlafsälen hoch.

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Harry gewöhnte sich schnell an seine neue Routine. Er begann seinem Lernplan zu folgen, begann aber auch, regelmäßig tagsüber ein Schläfchen zu halten. Es war komisch, dachte er, wie unglückliche Umstände manchmal zu Gunsten von jemandem arbeiten konnte. Nun, da er seinen Freunden und seiner Hauslehrerin von seinen Visionen erzählt hatte, wurde es als absolut normal für Harry angesehen, wenn er regelmäßig am Tag Mittagsschläfchen hielt. Nicht nur das, aber wenn Ron oder einer seiner Zimmerkameraden mitten in der Nacht aufwachte und entdeckte, dass Harrys Bett leer war, nahmen sie an, dass er wieder eine Vision hatte und nicht wieder einschlafen konnte. Ein paar Mal waren Ron oder Neville bei solchen Anlässen sogar in den Gemeinschaftsraum hinuntergegangen, um zu sehen, wie es ihm ging. Sie redeten dann ein wenig mit ihm, bevor sie wieder ins Bett gingen. Einmal hatte Ron den Gemeinschaftsraum leer aufgefunden und Harry am nächsten Morgen beim Frühstück gefragt, wo er gewesen sei. Harry hatte ruhig gesagt, dass er sich ein wenig unruhig gefühlt und einen Spaziergang gemacht hatte. Harry hatte die perfekte Ausrede, zu jeder Zeit mitten in der Nacht weg zu sein und keiner fand es merkwürdig, wenn er den fehlenden Schlaf tagsüber nachholte.

Tagsüber war Harrys Schlaf meistens ungestört. Er hatte erst einmal tagsüber eine Vision erlebt, seit er mit seinen Mittagsschläfchen begonnen hatte. Glücklicherweise hatte er keinen der Taten, die er sonst nachts erlebte, beobachtet, aber was er gesehen hatte, war genauso unheilvoll. Lucius Malfoy war gerade damit fertig geworden, Voldemort etwas zu berichten, dass das Interesse des Dunklen Lords erweckt zu haben schien. Unglücklicherweise hielt Voldemort seine Gedanken im Zaum und so konnte Harry keine Details von ihm erfahren. Irgendetwas an Voldemorts Gefühlen machte ihn nervös, aber er konnte es nicht genau definieren.

Auch wenn er regelmäßig ausreichend Schlaf bekam, ließen Harry seine neue Schlafgewohnheiten sich ständig schläfrig fühlen, als ob sein Körper nicht wusste, wann er müde werden und Schlaf verlangen sollte, aber es war dennoch eine große Verbesserung gegenüber seiner vorigen Erschöpfung, so dass er - solange er sich beschäftigte - kaum etwas bemerkte.

Harry benutzte die Privatsphäre, die die Tiefe der Nacht ihm bot, zu seinem Vorteil. Nicht einmal Hermine machte den Versuch, ihm nachts zu folgen. Harry nahm an, dass sie nicht gewillt war, den Zapfenstreich zu missachten, indem sie ihm durch das Schloss folgte. Oder vielleicht brauchte sie auch nur ihren Schlaf. Er versuchte jedoch, nicht unachtsam zu werden. „Immer wachsam" war ein Motto, dass er immer im Hinterkopf behielt. Er hatte begonnen, instinktiv statt bewusst um sich herum nach magischen Quellen zu suchen. Er war sich daher sicher, dass er nachts nie verfolgt wurde.

Er ging oft zur Eulerei, um von den Ländereien zu verschwinden. Er musste schließlich Schutzzauber üben. Es waren nur noch wenige Tage, bis das Haus ihm gehören würde. Harry hatte das Haus einige Male nachts besucht. Er war bisher noch nicht hineingegangen, aber er war um das Grundstück herumgegangen, um sich ein paar Gedanken über die Platzierung der Schutzzauber zu machen. Er hatte die Berechnungen bereits fertig und wollte endlich das Werfen der Zauber beginnen.

Außerdem hatte Harry es versucht und auch geschafft, den Fideliuszauber mehrmals erfolgreich zu werfen. Er begann klein und versteckte nur einen Quadratmeter Boden, aber bei seinen letzten zwei Versuchen hatte er eine riesige Eiche und einen heruntergekommenen Muggelspielplatz versteckt. Der Zauber war sehr erschöpfend, aber er war nun zuversichtlich, dass er den Zauber problemlos über sein neues Heim legen konnte. Er stellte sicher, dass er die Zauber nach mehreren Tagen auflöste. Schließlich machte es keinen Sinn, einen Baum und einen verwahrlosten Spielplatz zu verstecken. Nach seinem Erfolg mit dem Fideliuszauber waren seine Vorbereitungen abgeschlossen.

So schnell auch der Großteil vom Mai vergangen zu sein schien: Die letzten paar Tage vor der Hausübergabe waren kaum auszuhalten. Die Tatsache, dass er so gut vorbereitet war, arbeitete gegen Harry. In den vergangenen Wochen war er so beschäftigt gewesen, dass er kaum bemerkt hatte, wie die Zeit vergangen war, aber nun, da es bald soweit war, gab es nichts, das ihn ablenken konnte - zumindest nichts, was das Errichten der Schutzzauber über sein neues Heim anging. Aus diesem Grund fand Harry etwas anderes, um seine Zeit zu füllen. Es war etwas, über das er die letzten paar Wochen nachgedacht, aber nicht die Zeit oder Gelegenheit gehabt hatte, sich bisher näher damit zu befassen. Die Rede, die er seiner HA-klasse über die Wirklichkeiten des Krieges gehalten hatte, hatte einen merklichen Wandel in der Einstellung seiner FHA-schüler ausgelöst, aber sie hatte ihn mindestens genauso berührt wie seine Klasse. Er hatte sich nie eingestanden, dass ihre Verbindung zu ihm sie wahrscheinlich zu Zielen im Krieg machen würde. Ihre Mitgliedschaft in seiner Klasse war kein Geheimnis. Zweifellos hatte Malfoy oder einer der anderen Kinder von Todessern bereits eine Liste von Harrys Schülern weggeschickt. Nun, da das Ende des Semesters sich schnell näherte, sorgte Harry sich, was das für seine Schüler für den Sommer bedeuten würde.

Ja, er hatte sie trainiert, so dass sie kämpfen konnten, um solche Begegnungen zu überleben, aber sie waren nicht vorbereitet. Sie hatten nicht genug Zeit, ... und würden es nie haben. Kein Training der Welt würde ihr Überleben garantieren. Er musste ihnen einen Plan B geben. Es war schließlich so, dass die Todesser immer in großer Anzahl angriffen. Einige seiner besten Schüler mochten sich gegen ein oder zwei Todesser behaupten können, abhängig davon, wer diese waren, aber noch mehr und es gäbe ein fatales Ende.

Als ihm die Antwort kam, konnte Harry nicht glauben, dass er so lange gebraucht hatte, um daran zu denken. Schließlich hatten die Todesser ihren eigenen Fluchtplan. Während sie Antiapparierschutzzauber verwendeten, um ihre Opfer daran zu hindern, während eines Angriffs zu fliehen, verließen sie sich auf Portschlüssel, um in einem Notfall einer Gefangennahme zu entgehen. Er hatte nie gesehen, dass Todesser Antiportschlüsselschutzzauber verwendeten; daher würde er sich ein Beispiel an ihnen nehmen.

Die Portschlüsselherstellung wurde durch das Ministerium reguliert. Daher waren Lehrbücher über dieses Thema nicht gerade überall zu finden. Glücklicherweise besaß Harry solch ein Buch. Er hatte es im letzten Sommer aus seinem Verlies geholt, aber nie die Zeit gefunden, es zu lesen. Harry fragte sich, wie er es vergessen konnte. Er nahm sich vor, dass er zuerst als Vorsichtsmaßnahme einen Portschlüssel für sich selbst herstellen würde für den Fall, dass er sich in einer problematischen Situation wiederfinden würde und eine schnelle Fluchtmöglichkeit brauchte. Falls er erfolgreich sein sollte, würde er daran arbeiten, Portschlüssel für alle seine Hogwartsschüler herzustellen, welche sie dann zu den Toren Hogwarts bringen würden - er vertraute dem Ministerium nicht und er war sich sicher, dass Dumbledore sich um die Schüler kümmern würde. Falls das Ministerium von seiner illegalen Portschlüsselherstellung erfahren würde, würde Harry ernste Schwierigkeiten bekommen. Glücklicherweise verhinderte der Vertrag, den er die HA am Anfang des Schuljahres hatte unterschreiben lassen, dass sie etwas, dass mit der HA zu tun hatte, an jemanden weitergaben, der kein Mitglied war. Es gab also kaum eine Chance, das jemand es herausfinden würde. Wenn sie es tun würden, wusste Harry, dass es die Konsequenzen es wert wären, wenn er nur ein einziges Leben retten würde.

Als er sich in das Buch vertiefte, lernte Harry die verschiedenen Portschlüsselarten kennen. Die Magie, die hinter dem Portschlüssel steckte, war so ziemlich die selbe bei den verschiedenen Variationen, aber sie konnte an verschiedene Auslöser gebunden werden. Der Auslöser konnte unterschiedliche Sachen sein: eine Berührung, eine bestimmte Uhrzeit oder ein bestimmtes Wort. Für seine Absichten war ein Schlüsselwort die beste Lösung. Er wollte nicht, dass die Portschlüssel sich durch eine unabsichtliche Berührung aktivierten und er hatte keinen Terminplan über zukünftige Todesserangriffe.

In den letzten Tagen vor dem Abschluss seines Hauskaufes las er viel über die Portschlüsseltheorie. Es schien komplexe Magie zu sein, aber Harry wusste, dass es nur eine Frage der Zeit und Übung war, bevor er es beherrschte. Als er das Buch fertig gelesen hatte, war es der Abend vom 21. - und damit Vollmond. Harry ging früh zu Bett und nachdem er seine Illusionen - Abwehr- und Verwirrzauber - auf sein Himmelbett gelegt hatte, verwandelte er sich eilig und flog durch das Fenster hinaus.

Ginny hatte ihn früher am Tag darüber informiert, dass sie das Treffen mit Remus verpassen würde. Sie musste nicht nur viel wiederholen, sie sagte auch, dass sie nach dem letzten Vollmond ein paar fragende Blicke von Hermine gesehen hatte. Statt zu riskieren, ihr etwas zu verraten, war es für Harry sicherer, dieses Mal alleine zu gehen. Er konnte nicht leugnen, dass er ihre Anwesenheit vermissen würde, aber sie konnten beide ihre Gründe nicht missachten.

So kam es, dass Harry den langen Tunnel unter der Peitschenden Weide allein durchschritt. Als er ankam, öffnete er die Falltür und kletterte zur Heulenden Hütte hoch. „Hey, Remus", grüßte er, als er den Werwolf sah.

„Hallo, Harry", erwiderte Remus. Einen Moment später fragte er mit hochgezogener Augenbraue: „Keine Ginny?"

„Nein, sie ist mit den Z.A.G.s beschäftigt", erklärte Harry. „ Außerdem glaubt sie, dass Hermine möglicherweise langsam mitbekommt, das etwas an Vollmond vor sich geht."

„Oh?", fragte Remus nach. „Ich hatte erwartet, dass Hermine schon längst etwas ahnt."

Harry lachte trocken auf. „Ich glaube, sie ist ein wenig damit beschäftigt, alles andere herauszubekommen. Das war einfach nicht hoch oben auf ihrer Prioritätenliste, schätze ich."

„Ich hatte mich schon gewundert", begann Remus nachdenklich. „Du warst immer so gut mit Ron und Hermine befreundet. Es überrascht mich, dass du weiterhin Geheimnisse vor ihnen hast. Es überrascht mich noch mehr, dass sie dich noch nicht irgendwohin gefesselt haben und die Wahrheit von dir verlangt haben."

Harry lachte daraufhin laut auf. „Weißt du, ich glaube, Hermine ist nicht mehr weit von diesem Punkt entfernt. Sie ist mir in letzter Zeit gefolgt. Wenn sie nicht zuerst davon überzeugt gewesen wäre, dass alles wegen Sirius war, glaube ich, dass sie sich schon vor langer Zeit auf mich konzentriert hätte. Ich glaube, das hat sie wirklich verwirrt."

„Das ist kaum überraschend", erwiderte Remus. „Um ehrlich zu sein war ich überrascht, wie gut du dich über dem Sommer gehalten hast. Ich war nur so erleichtert über diese Tatsache, dass ich es nicht gewagt habe, es in Frage zu stellen."

„Wenn meine besonderen Umstände nicht gewesen wären, wäre ich wahrscheinlich am Boden zerstört gewesen", gab Harry etwas verlegen und mit einem kurzen stechenden Schmerz, der ihn durchfuhr, zu. Er schüttelte den Kopf über sich selber und fügte hinzu: „Zur Hölle, ich war am Boden zerstört, bevor Sirius in meinen Träumen auftauchte."

„Weißt du, ich kann nicht anders als zu denken, dass er im Moment eine Menge Spaß hätte", meinte Remus. „Allein das Wissen, dass er dir auf diesem Weg geholfen hat, um Dumbledore und den gesamten Orden auszutricksen, ganz zu Schweigen davon, wie du mehrmals Voldemorts Pläne durchkreuzt hast. Und das alles von seinem Grab aus. Er würde es wahnsinnig komisch finden."

Harry lächelte. „Das hoffe ich. Er und mein Vater."

„Oh, ja, definitiv", stimmte Remus zu. „James würde sicherlich gutheißen, wie du es geschafft hast, jeden direkt unter ihrer Nase zu täuschen." Sie lachten beide und eine angenehme Stille legte sich zwischen sie, während beide an die von ihnen gegangenen Freunde und Familienmitglieder dachten. Es war schließlich Remus, der nach ein paar Minuten die Stille brach. „Morgen ist also der große Tag, mhm?"

Ein breites Lächeln breitete sich auf Harrys Gesicht aus. „Ja, ich kann es nicht erwarten. Die letzten paar Tage waren beinahe unerträglich."

„Ich kann es mir vorstellen", erwiderte Remus mit einem Lächeln. „Und wie kommst du mit den Vorbereitungen voran?"

„Ich bin bereit", antwortete Harry lächelnd. „Ich habe die letzten Berechnungen vor ein paar Tagen abgeschlossen. Das ist der Grund, warum die letzten paar Tage so schwer gewesen waren; ich hatte nichts zu tun."

Remus lachte. „Nichts lässt die Zeit besser vergehen als sich zu beschäftigen."

„Als ob ich das nicht wüsste", grummelte Harry. „Ich habe angefangen, mich mit Portschlüsseln zu beschäftigen, nur um nicht verrückt zu werden."

„Portschlüssel?", fragte Remus nach. „Woher hast du ...?"

„Das Potter-Verlies", unterbrach Harry. „Ansonsten wüsste ich nicht einmal, wo ich suchen sollte, da es vom Ministerium reguliert wird."

„Ah, ich hätte es wissen sollen", erwiderte Remus. Er sah so aus, als würde er fortfahren wollen, aber dann verspannte sich sein Körper. Schon bevor er seinen Mund öffnete, wusste Harry, was er sagen würde. „Du verwandelst dich besser, Harry."

Harry nickte, stand auf und verwandelte sich sofort in seine Panthergestalt. Er lief hin und her während er zusah, wie sein Freund die schmerzhafte Verwandlung durchlitt. Zusätzlich zu ihrem normalen Herumtollen brachte ihre Fähigkeit, Gedankensprechen zu verwenden, eine ganz neue Dynamik zu ihrer gemeinsamen Zeit. Sie legten sich nach einiger Zeit hin und redeten über Harrys neues Haus, den Krieg und was ihnen sonst in den Sinn kam. Seine Narbe begann nach kurzer Zeit zu brennen, aber er tat sein bestes, um es auszublenden, froh, die Vision zu vermeiden, die er sicherlich gehabt hätte, wenn er geschlafen hätte.

Als Harry ihn nach seiner Beziehung mit Tonks fragte, war er überrascht, als Remus zögerte und beinahe unsicher zu sein schien, wie er antworten sollte. „Stehen die Dinge zwischen euch nicht gut?", fragte Harry besorgt.

Das ist es nicht", versicherte Remus. „Es läuft wirklich gut. Es ist nur - es ist schwer zu erklären."

Harry blieb still, er spürte, dass Remus einen Moment zum Nachdenken brauchte. Er war schon beinahe davon überzeugt, dass Remus alles gesagt hatte, was er über dieses Thema sagen wollte, als der Werwolf weitersprach: „Alles geschieht nur so schnell. Sie ist so jung und wir sind erst seit ein paar Monaten zusammen. Ich bin besorgt, dass der Krieg uns beeinflusst. Ich möchte nicht, dass dies etwas ist, was wir überstürzen."

„Wovon reden wir hier genau, Remus", fragte Harry. Er wusste, dass er einen Teil der Unterhaltung nicht verstand. Es gab offensichtlich etwas mehr an ihrer Beziehung als für ihn ersichtlich war, aber er wusste nicht was das war.

„Ich liebe sie, Harry", erwiderte Remus und schien beinahe über seine eigenen Worte überrascht zu sein.

„Oh." Zu sagen, dass Harry von der unumwundenen Antwort überrascht war wäre eine Untertreibung. Liebe war nicht wirklich etwas, mit dem er Erfahrung hatte. „Hast du es ihr gesagt?"

Der Werwolf schüttelte den Kopf. „Nein."

„Warum nicht?", fragte Harry.

„Es ist nichts. Vergiss, dass ich etwas gesagt habe", sagte Remus. Der abschließende Ton war sogar durch das Gedankenreden deutlich erkennbar.

Harry runzelte die Stirn. Es war offensichtlich nicht nichts, aber er wollte nicht drängen. Schließlich sagte er: „Nun, es ist offensichtlich etwas, aber du musst es mir nicht sagen, wenn du es lieber nicht möchtest."

„Das ist es nicht", erwiderte Remus. „Es ist - schwer, denke ich. Ich habe es selber noch nicht ganz verstanden."

Harry beäugte den Werwolf, aber ließ das Thema fallen. Das war etwas, das Remus selber herausfinden musste. Der Schmerz in seiner Narbe war verblasst, daher sagte Harry dem Werwolf, dass er sich ein wenig hinlegen würde. Er rollte sich zusammen und schloss die Augen, aber so müde er auch war, er konnte nicht einschlafen. Zu hören, wie Remus so ehrlich über seine Gefühle für Tonks redete, zwang Harry dazu, seine eigene Beziehung, seine eigenen Gefühle zu Ginny genauer zu betrachten. Die Worte "Ich liebe sie, Harry", kreisten in seinem Kopf.

Als er in der Heulenden Hütte lag, dachte Harry über alles nach, was im letzten Jahr passiert war. Sein Leben war auf den Kopf gestellt worden. Zwischen Sirius' Tod, der Prophezeiung, seinen ganzem Training, seinen Streit mit seinen Freunden, Geheimnisse vor allen zu haben und der Kampf gegen Todesser hatte es nur eine einzige Konstante gegeben. Er wusste, wie sehr er sich auf Ginny verließ und wie viel er für sie fühlte, aber es war ihm nie in den Sinn gekommen, dass das, was er fühlte, Liebe sein könnte. Es schien so ein fremdartiges Konzept zu sein, doch nun, da Remus es angesprochen hatte, konnte er an nichts anderes denken. Liebte er Ginny?

Irgendwann musste Harry eingeschlafen sein, denn er wurde plötzlich von Remus aufgeweckt. Ein erschöpft aussehender Remus trieb ihn an, zum Schloss zurückzugehen, was er tat. Die Sonne ging an diesem Tag ohne viel Fanfare auf. Als er an diesem Morgen Ginny sah, kamen seine Gedanken von der vorigen Nacht wieder hoch und er musste schwer schlucken. Er war nicht bereit, es Liebe zu nennen, aber er wusste, dass seine Gefühle für sie anders waren als alles andere, was er bisher erfahren hatte.

Sie schien seinen inneren Kampf zu spüren, denn sie runzelte die Stirn und fragte: „Alles in Ordnung, Harry?"

Lächelnd und sein bestes versuchend, um nicht zu erröten, antwortete Harry: „Ja, alles ist gut. Ich bin nur ein bisschen müde, das ist alles. Bist du bereit?"

Ginny schaute ihn skeptisch an, nickte aber. Das Workout half ihm, seine Gedanken beiseite zu schieben, auch wenn sein Blick dennoch öfters als je zuvor in Ginnys Richtung wanderte. Sie trug ihre einfache Trainingskleidung, ihr Haar war in einem Pferdeschwanz zusammengebunden und etwas Schweiß glänzte auf ihrer Haut. Da war etwas an ihr, das Harry einfach ansprechend fand. Mehr als einmal musste er sich zwingen, seine Augen von ihr abzuwenden, um seine eigenen Übungen zu absolvieren.

Als sie zu den Duschen gingen, nahm Harry sie bei der Hand und als sie sich zu ihm umdrehte, zog er sie an seine Brust und lehnte sich hinunter, um ihre Lippen in seinen zu fangen. Nach einem kurzen, fordernden Kuss ließ er sie gehen und ging, um eine Dusche zu nehmen - eine kalte. Als er ins Badezimmer trat, schaute er kurz über seine Schulter und sah Ginny dort stehen wo er sie zurückgelassen hatte, einen glasigen Ausdruck in ihren Augen, der Harry grinsen ließ. Das würde eine eiskalte Dusche werden.

Das eiskalte Wasser schien zu funktionieren. Als Harry sich wieder angezogen hatte, entdeckte er, dass er an nichts anderes denken konnte als an das, was heute geschehen würde. Seine Anwälte vollzogen den Kauf seines Hauses. Am Ende des Tages würde es seins sein. Trotz der Größe dieses Geschehens war nichts an diesem Tag anders als an jedem anderen Tag. Tatsächlich war es jedoch ein Kampf, den Tag zu überstehen, als wäre es ein ganz normaler Tag. Er musste seine Gesichtszüge ständig unter Kontrolle halten, um nicht die ganze Zeit grundlos zu grinsen.

Er bemerkte, wie Hermine ihm während des Frühstücks prüfende Blicke zuwarf. Daher war er sich nicht sicher, wie erfolgreich er war. Dann wiederum warf sie ihm immer wieder abwägende Blicke zu, so dass die Blicke allein nicht viel bedeuten mussten. Beim Mittagessen fragte sie ihn, wie er sich an seine neuen Schlafgewohnheiten gewöhnt hatte. Vielleicht war sie also nur besorgt, dass er nicht genug Schlaf bekam.

Er brachte den Rest des Tages herum, ohne irgendwelche nachbohrende Fragen gestellt zu bekommen. Daher erklärte er seine Anstrengungen zu einem Erfolg. An diesem Abend ging er nur ungern schlafen, da er endlich mit seiner Arbeit an den Schutzzaubern beginnen wollte, aber er wusste, dass er den Schein wahren musste. Daher sagte Harry seinen Freunden Gute Nacht, lange bevor seine Zimmerkameraden überhaupt an Schlaf dachten. Er gab Ginny einen Kuss und ging dann die Treppe zu den Jungenschlafsälen hoch. Nachdem Harry sich bettfertig gemacht hatte, schlüpfte Harry unter die Bettdecke und nachdem er die Bettvorhänge geschlossen hatte, begann er sofort, seine Erinnerungen des Tages zu sortieren. Er verließ sich auf seine Okklumentikfähigkeiten, um seine Vorfreude über das Haus zu dämpfen und schlief ein.

Harry war dankbar, als sein Wecker - so verzaubert, dass nur er ihn hören konnte - ihn wenige Stunden später weckte. Es war nicht angenehm, zu so einem Geräusch aufzuwachen, aber es war eine Erleichterung, damit vermieden zu haben, durch eine Vision aufgeweckt zu werden. Er öffnete lautlos die Bettvorhänge und verließ das Bett. Nachdem er sich angezogen hatte, ging er aus dem Zimmer heraus und die Treppen hinunter zum Gemeinschaftsraum. Harrys magischer Sinn bestätigte, was seine Augen ihm bereits sagten: Der Raum war leer.

Harry verließ den Gemeinschaftsraum und schaute kurz, ob die Fette Dame in ihrem Porträt schlief. Sie war selten um diese Uhrzeit wach. Während die meisten der Porträts zu schlafen schienen, würde er es ihnen zutrauen, insgeheim ein Auge auf ihn zu haben. Daher beeilte Harry sich, sein Büro zu erreichen. Er öffnete die Tür und trat ein, ließ die Tür aber offen, während er seinen Tarnumhang umlegte. Er ging wieder hinaus und schloss die Tür mit einer Handbewegung hinter sich. Er hatte sich dies zur Gewohnheit gemacht, wann immer er des Nachts das Schloss verließ. Es war unwahrscheinlich, dass irgendjemand seine Bewegungen nachvollziehen könnte, aber nur für den Fall der Fälle wollte er, dass alle Hinweise zu seinem Büro deuteten.

Er verließ Hogwarts durch die Eulerei und redete kurz mit Hedwig in seiner Eulengestalt, bevor er Richtung Hogsmeade wegflog. Er landete an seiner üblichen abgelegenen Stelle, wo er sich in seine menschliche Gestalt zurückverwandelte, sofort disapparierte und direkt vor seinem neuen Haus wieder auftauchte. Das würde ein wenig Zeit brauchen, um sich daran zu gewöhnen. Er hatte nun ein zuhause. Es war nicht nur ein Ort, der sich so anfühlte, so wie Hogwarts oder der Fuchsbau, sondern tatsächlich ein Heim, das ihm gehörte. Er starrte es nur einige Minuten lang voller Wunder an. Es war nichts Besonderes, nur ein einfaches einstöckiges Haus mit einer weißen Fassade, schwarzem Dach und einem Kamin, aber es war seins.

Er schüttelte sich, um sich aus seinem Gedanken zu reißen und ging zur Haustür. Bevor er die Schutzzauber errichtete, wollte er sich umsehen. Er hatte dies zuvor nicht getan, da das Haus technisch gesehen noch immer jemand anderem gehört hatte, aber nun war es seines und er konnte machen, was ihm gefiel. Die Tür war verschlossen, aber er hatte kaum Alohomara gedacht, als das Schloss sich schon öffnete. Harry drehte den Türknauf, öffnete die Tür und trat ein. Die Wand neben der Tür abtastend fand Harry den Lichtschalter und betätigte ihn.

Sein Rundgang durch das Haus war kurz. Er hatte schließlich Arbeit zu erledigen. Er bemerkte vor allem die weißen Wände und wusste sofort, das er was dagegen unternehmen musste, aber das würde später kommen. Nachdem er den letzten Raum begutachtet hatte - sein neues Schlafzimmer -, machte Harry das Licht aus und ging wieder nach draußen. Er schrak zusammen, als er die Haustür öffnete und Remus gegenüberstand.

„Merlin, tu mir das nicht an", rief Harry geschockt aus.

„Entschuldige", erwiderte Remus. „Ich habe das Licht gesehen und wollte dir nach drinnen folgen, aber du warst schneller als ich."

Harry zog eine Augenbraue hoch. „Was tust du hier?"

Remus zuckte mit den Achseln. „Ich war neugierig und hatte gehofft, dass es dir nichts ausmachen würde, wenn ich zusehe, wie du die Schutzzauber errichtest."

Harry zuckte nur mit den Schultern. „Wie du möchtest, aber es wird nicht besonders aufregend sein und es wird länger dauern als nur heute Nacht, um fertig zu werden."

Diese Aussage erwies sich als wahr. Fünf Nächte hintereinander schlich Harry sich aus dem Schloss zu seinem neuen Heim. Er hatte nur ein paar Stunden Zeit, bevor er wieder zurückkehren musste. Daher waren seine Fortschritte langsamer als er es gerne gesehen hätte. Fortschritt war jedoch Fortschritt. Was ihn am meisten an dem ganzen Vorgang überraschte, war jedoch, wie erschöpfend die Schutzzauber für seine Magie waren. Nach einem Monat der Übung hatte er gewusst, dass sie ihn beeinflussen würden, aber er war nicht auf dieses Ausmaß vorbereitet gewesen.

Nach fünf Nächten, in denen er Schutzzauber über seinen Besitz legte und sie vorsichtig miteinander verband, waren die Anstrengungen gegenüber seinem Körper und seiner Magie deutlich spürbar. Nach der zweiten Nacht gab Harry jegliches Training am Tag auf - sein morgendliches Workout mit Ginny ausgenommen -, bis das Errichten der Schutzzauber abgeschlossen war. Diese Entscheidung erwies sich als weise, denn Harry war sich ziemlich sicher, dass die Anstrengungen ansonsten zu viel gewesen wären. In der fünften Nacht beendete er die letzten Schutzzauber und beschloss, damit zu warten, den Fideliuszauber zu werfen. Er war locker der stärkste und anstrengendste der Schutzzauber und er wollte nicht riskieren, es zu vermasseln.

Remus beobachtete ihn die gesamte erste Nacht lang, aber danach ließ er sich immer nur kurz blicken, um seine Fortschritte zu sehen. In der sechsten Nacht, als Harry ankam, um den Fideliuszauber zu werfen, war Remus bereits da und wartete, wobei er angespannt aussah. Harry lächelte beruhigend. „Beruhige dich, Remus. Das wird funktionieren."

„Das weiß ich. Es ist nur ..." Der Werwolf ließ den Satz unbeendet.

„Du hast gesehen, wie er bereits gescheitert ist", beendete Harry für ihn den Satz. Sie waren einen Moment still, bevor sich Harry aus seinen Gedanken riss. „Aber wir haben von ihren Fehlern gelernt und ich gehe kein Risiko ein."

Remus nickte. „Aber du wirst mir sagen ..."

„Natürlich werde ich das", unterbrach Harry. „Heute Nacht, wenn du lange genug da bleibst. Und ich werde Ginny gleich morgen früh Bescheid geben. Du weißt, wo du mich finden wirst, wenn du mich brauchst und du wirst hier immer willkommen sein."

Remus trat vor und packte Harry an den Schultern. Harry erwiderte seinen Blick, bevor Remus einmal nickte und ihn dann losließ.

„Du solltest vielleicht unten an der Straße warten oder so.", schlug Harry vor. „Ich glaube nicht, dass es gut für dich wäre, bei diesem Schutzzauber auf dem Gelände zu sein." Sobald Remus fort war, begann Harry. Sein Grundstück war größer als jeder seiner Versuche im Vorfeld und die Belastung auf seine Magie war mehr als Harry erwartet hatte. Er war jedoch entschlossen, dies zu Ende zu bringen und er arbeitete durch den Schmerz und die Erschöpfung hindurch. Als er fertig war, ließ er sich zu Boden sinken und einige Zeit lang atmete er nur ein und aus und entspannte seinen Körper und seine Magie.

Schließlich stand Harry auf und ging zurück zu Remus. Als er sich näherte, sah Harry, dass der Werwolf seine Augenbrauen verwirrt hochgezogen hatte und er wusste sofort, dass der Zauber perfekt funktioniert hatte. Er wusste, dass er sein Grundstück verlassen hatte, als er sah, wie Remus Augen größer wurden und dieser ihn entdeckte.

„Du bist also fertig?"

Harry nickte und sagte leise aber deutlich: „Harry Potter wohnt im Elsterweg 165."

Remus starrte das Haus einen Moment lang an, bevor er sich zu Harry umdrehte und die Stirn runzelte. „Du siehst erschöpft aus", meinte er.

„Danke", sagte Harry trocken, „Du siehst ebenfalls großartig aus." Als Remus die Augen zusammenzog, fügte Harry hinzu: „Ehrlich, Remus, es ist nichts, was Schlaf nicht heilen könnte."

„Soweit ich es verstehe, " meinte Remus „ist schlafen nichts, was dir in letzter Zeit leicht gefallen ist."

„Seit ich begonnen habe, Mittagsschlaf zu halten, ist alles viel besser geworden", verbesserte Harry. „Ich mag es nicht besonders, aber es funktioniert."

Remus legte eine Hand auf Harrys Schulter und drückte diese leicht. „Manchmal eröffnet dir das Leben Situationen, wo es keine gute Lösung gibt und du sie einfach akzeptieren und das Beste daraus machen musst."

Harry lächelte schief: „Als ob ich das nicht wüsste."

Remus zuckte zusammen und ließ seine Schulter sacken. „Ja, ich schätze, das ist eine Lektion, die du nur zu gut gelernt hast, nicht wahr?"

Harry zuckte mit den Schultern. „Du und ich, wir beide."

Sie blieben einen langen Moment lang schweigend nebeneinander stehen und schauten auf das Haus, bevor Remus sich zu ihm umdrehte und fragte: „Was sind dann also jetzt deine Pläne? Du musst deine Prüfungen ablegen, aber wirst du danach im Schloss bleiben?"

Harry antwortete mit gerunzelter Stirn: „Ja, ich denke schon. Ich habe noch nicht wirklich darüber nachgedacht. Ich hatte nur geplant, nach der Zugfahrt hierherzuapparieren."

Remus nickte. „Das ist gut. Ich denke, es würde alles nur unnötigerweise verkomplizieren, wenn du früher gehen würdest." Harry legte eine Hand vor den Mund, um ein Gähnen zu verstecken. „Also gut, du solltest zurück ins Schloss gehen und versuchen, vor dem Morgen ein wenig Schlaf zu bekommen."

„Gute Nacht, Remus", sagte Harry. „Und noch einmal danke für alles."

„Gern geschehen, Harry. Gute Nacht."

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Harry konnte an diesem Morgen nicht aufhören, zu lächeln. Nun, da die Schutzzauber alle auf seinem Haus lagen, war er vollständig auf den Sommer vorbereitet. Alles, was er noch tun musste, war, das Semester zu beenden und von Kings Cross aus nach Hause zu apparieren. Seine Pläne und Vorbereitungen funktionierten alle, und nun konnte er sich entspannen und die verbliebene Zeit mit seinen Freunden - und mit Ginny - genießen.

Das Lächeln verschwand einen Moment lang von seinem Gesicht, als er realisierte, dass er Ginny den Sommer über nicht viel oder sogar gar nicht sehen würde. Er hatte immer im Hinterkopf gewusst, dass dies der Fall sein würde, aber er hatte diese Tatsache nie richtig realisiert. Wenn er bei den Dursleys bleiben würde, gäbe es eine Chance, dass er irgendwann zum Fuchsbau oder Grimmauldplatz gebracht werden würde, wo er sie sehen würde. Stattdessen würde er nicht zum Fuchsbau kommen können, ohne dass die Weasleys Dumbledore und den Orden alarmieren würden. Er würde aber einen Weg finden, sie zu sehen. Egal ob er sich in den Fuchsbau schleichen oder sie sich hinausschleichen musste: Er würde sich nicht damit abfinden, einen ganzen Sommer ohne sie zu verbringen.

Nach ihrem morgendlichen Workout verriet Harry Ginny seine Adresse und warnte sie, sie sich gut einzuprägen, um den Fidelius umgehen zu können. Als sie zur Großen Halle liefen, um zum Frühstück zu gehen, warnte Ginny ihn, nicht zu viel zu Lächeln, und Harry tat sein Bestes, seine Gefühle unter Kontrolle zu halten. Kurz nach ihrem Eintreffen gesellten sich Hermine, Ron und Neville zu ihnen. Hermine öffnete - wie es in letzter Zeit zu ihrer Gewohnheit geworden war - ein Buch und begann zu lesen, während sie ihren Teller füllte und dann zu Essen begann. Ron - wie es seine Angewohnheit war, seit Harry ihn kannte - achtete auf nichts als auf sein Essen, bis er ein paar Teller voll gegessen hatte.

Nachdem er seinen Teller das dritte Mal geleert hatte, legte Ron seine Gabel nieder und drehte sich zu Harry. „Also, Harry, ich habe bemerkt ..." Er schrie kurz auf und hielt inne, während er Neville scharf ansah. Dieser erwiderte seinen Blick kurz, bevor er seinen Blick zu Hermine und wieder zurück zu Ron wandern ließ. Harry bemerkte, dass Hermines Augen nicht mehr länger von links nach rechts wanderten, da sie zweifellos darauf lauschte, was um sie herum geschah. Ron verdrehte die Augen über Neville und fuhr fort: „Ich habe bemerkt, dass du oft nachts verschwindest."

Harry zog nur wortlos eine Augenbraue hoch und Ron fuhr daher fort: „Ich bin in den letzten paar Nächten aufgewacht und bin zum Gemeinschaftsraum hinuntergegangen und habe dich nicht gefunden."

„Ich war ein wenig unruhig und wollte nur ein wenig meine Beine vertreten", erwiderte Harry ohne Zögern.

„Oh", antwortete Ron. „Nun, wenn du jemals Gesellschaft möchtest, zöger nicht, mich zu wecken."

„Danke", sagte Harry ein wenig von dem Angebot überrascht. Er wusste, wie gerne Ron schlief. „Ich werde daran denken." Aus dem Augenwinkel sah er Hermine einen Moment lang die Stirn runzeln, bevor sie ihre Aufmerksamkeit wieder dem Buch vor sich zuwandte.

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Da die Examen immer näher rückten, beschloss Harry, seinen beiden HA-klassen eine kleine Pause zu gönnen. Er ließ keine Unterrichtsstunde ausfallen, aber er brachte ihnen nichts Neues bei. Stattdessen konzentrierte er sich auf die praktische Anwendung des Gelernten. Soll heißen, er ließ seine Schüler auf die eine oder andere Weise gegeneinander duellieren. Auf eine Weise war das eine gute Entscheidung, da die ständige Übung ihre Ausdauer verbesserte. Er konnte aus eigener Erfahrung bestätigen, das Duelle von wenigen Sekunden zu - nun, sie konnten lange Zeit dauern. Es war das Beste, sie auf eine solche Situation vorzubereiten. Wenn er könnte, würde er sie jeden Morgen laufen lassen, so wie er das tat, aber er wusste, dass solch ein Gebot von den Schülern nicht gut aufgenommen werden würde. Dies zu verlangen, wenn die Examen und das Semesterende fast anstanden, schien ein wenig albern zu sein.

Nach einer Unterrichtsstunde wurde er von seinen sieben fortgeschrittenen Schülern in seiner AHA-klasse angesprochen. „Wir wollten dich um einen Gefallen bitten", sagte Sarah.

Harry zog eine Augenbraue hoch, überrascht über das normalerweise schüchterne Hufflepuff-Mädchen. „Sicher."

„Nun, wir hatten gehofft ..." Sie ließ den Satz unbeendet.

„Wir hatten gehofft, dass du noch einmal gegen uns antreten würdest", meinte Ryan.

„Fühlt ihr euch ein wenig selbstsicher, mhmm?" neckte Harry.

„Nicht besonders", antwortete Jennifer.

„Nun, gegeneinander zu kämpfen ist gute Übung", sagte Mary-Jo, „aber es ist nicht wirklich das Gleiche, oder? Die Todesser werden erfahrener als wir sein. Wir brauchen also mehr Übung gegen jemanden mit besseren Fähigkeiten als die unsrigen."

„Eine sehr gute Beobachtung", erwiderte Harry. „Also gut, ihr bekommt euer Duell. Eine Woche von heute an. Bereitet euch also vor."

„Das werden wir", antwortete Nicholas.

„Danke, Harry", fügte Sarah hinzu.

„Dankt mir noch nicht", sagte Harry. „Ich habe nicht vor, es euch einfach zu machen."

„Das haben wir auch nicht vor", merkte Quinn an.

Harry lächelte nur als Antwort. Er freute sich bereits auf nächsten Sonntag. Es war der letzte Tag, bevor die Examen beginnen würden und würde den Schülern hoffentlich die Gelegenheit geben, sich vor den Arbeiten ein wenig abzulenken. Tatsächlich fand er so sehr an der Idee gefallen, dass er überlegte, dasselbe in seiner FHA-klasse zu machen. Es gab jedoch so viele Schüler und er konnte nur gegen eine kleine Gruppe kämpfen. Wie würde er diese Gruppe auswählen? Die Antwort kam ihm Mittwochabend am Anfang des Unterrichts.

Harry informierte seine FHA-klasse, dass sie eine Art Wettkampf abhalten würden. Die Gruppen würden zufällig ausgewählt werden und die gewinnende Gruppe würde die Gelegenheit bekommen, gegen ihn anzutreten. Er fand ihre Reaktionen recht komisch. Es war klar, dass sie dachten, er wäre nicht ganz richtig im Kopf, freiwillig allein gegen eine ganze Gruppe von ihnen antreten zu wollen. Mit einem Grinsen beschwor Harry eine Liste von all ihren Namen herauf und legte einen Zauber darauf, der sie zufällig in vier Gruppen aufteilte. Nachdem die Teams gebildet waren, verkündete er, welche zwei Teams als erstes gegeneinander antreten würden und führte die restlichen Schüler zum Beobachtungsposten.

Als das zweite Duell beendet war, waren sie bereits etwas über der vorgesehenen Zeit für die Unterrichtsstunde. Daher rief Harry die Schüler zusammen. Er gratulierte den beiden Gewinnerteams und informierte sie, dass sie gleich als erstes am Sonntag gegeneinander antreten würden. Das Gewinnerteam würde dann ihm gegenüberstehen. Als die Schüler hinausgingen, wurden Harry noch einige skeptische Blicke zugeworfen, aber die meisten waren damit zufrieden, ohne etwas zu sagen zu gehen.

Einige jedoch blieben zurück. Darunter waren Ron, Hermine, Ginny, Neville, Luna und überraschenderweise Blaise. Es war Blaise, der zuerst etwas sagte: „Was hast du vor?"

„Was meinst du?", fragte Harry, der Klarheit über die Frage haben wollte, bevor er sie beantwortete.

„Ich meine deinen Plan, das Gewinnerteam gegen dich antreten zu lassen", erwiderte Blaise ungeduldig.

„Nun, ich könnte etwas Übung brauchen, meinst du nicht?", fragte Harry mit einem unschuldigen Lächeln. Aus dem Augenwinkel konnte er sehen, wie Ginnys Lippen sich zu einem Lächeln verzogen.

Blaise zog eine Augenbraue hoch, während Hermine ihre Augen zusammenzog. „Du denkst, du kannst dich gegen eine fast zehnköpfige Gruppe von uns behaupten? Glaubst du nicht, dass du dich selbst überschätzt?", meinte sie.

„Ich glaube, es wird Spaß machen", antwortete Harry ausweichend.

„Ich werde es genießen, gegen dich anzutreten", meinte Blaise.

„Du musst noch einen Kampf gewinnen", warnte Harry.

„Oh. Ich werde mir diesen Preis nicht entgehen lassen", versicherte Blaise ihm. „Und ich erwarte, dass du dich nicht so leicht geschlagen gibst."

„Keine Sorge", erwiderte Harry.

„Gut", sagte Blaise mit einem Lächeln. „Bis Sonntag."

Harry nickte ihm zum Abschied zu und wandte sich seinen restlichen Freunden mit einem erwartungsvollen Blick zu: „Nun?"

„Du bist verrückt, Kumpel", sagte Ron nur trocken.

„Er ist nicht verrückt", ließ Luna verlauten und trat neben Ron. „Er weiß nur etwas, dass wir nicht wissen."

„Das wäre?", fragte Ron verwirrt.

„Nun, wenn ich es wüsste, dann würde es nicht etwas sein, dass ich nicht weiß, nicht wahr?", erwiderte sie träumerisch, während sie entschlossen den Ärmelaufschlag von Rons Robe inspizierte, sehr zu Rons und Hermines Fassungslosigkeit.

Harry grinste Ginny an, die sich auf die Zunge biss, um sich vom Lachen abzuhalten. Er drehte sich dann um und sah Nevilles abwägenden Blick. „Ich nehme an, du hast Recht, Luna", stimmte Neville zu. „Ich schätze, wir werden bis Sonntag warten müssen, um es herauszufinden."

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Nach dem Verwandlungsunterricht am folgenden Nachmittag informierte Harry Professor McGonagall über seine Pläne für seine beiden HA-klassen und lud sie ein, die Kämpfe zu beobachten, wie sie es zuvor erbeten hatte. Sie sagte Harry, dass sie es nicht verpassen würde. Das geklärt verließ Harry das Klassenzimmer und machte sich auf den Weg zu seinem Büro, um seinen täglichen Mittagsschlaf zu halten. Er wurde einige Stunden später mit einem sanften Kuss geweckt und öffnete verschlafen seine Augen. Er sah Ginny, die mit einem kleinen Lächeln auf ihrem Gesicht über ihn gebeugt war.

„Ich wollte dich fast nicht wecken", informierte sie ihn sanft. „Du sahst so friedlich aus."

Harry lächelte schief und rieb sich den Schlaf aus den Augen. „Es gibt keinen besseren Weg, aufzuwachen", erwiderte er und verdiente sich damit einen weiteren Kuss. Als Ginny Anstalten machte, aufzustehen, stoppte Harry sie mit einer Hand an ihrem Hinterkopf und zog sie für einen weiteren Kuss zu sich hinunter.

Als Ginny sich von ihm löste, blieb sie über ihm gebeugt und beäugte ihn prüfend: „Was geht in deinem Kopf vor?", fragte sie ihn.

„Was meinst du?", erwiderte Harry verwirrt.

Ginny schüttelte leicht ihren Kopf, als sie antwortete: „Ich kann es nicht genau sagen. Es ist nur etwas anders an dir. Wie du mich anschaust und wie du mich küsst."

„Äh - ist das so?", fragte Harry und fragte sich, wie sie dies merken konnte. Er hatte keinen Zweifel, wo dieser Unterschied herkam, auch wenn er nicht gewusst hatte, dass es ihn verändert hatte. Er hatte Remus' Worte seit jener Nacht nie vergessen und öfters über sie nachgedacht als er zugeben wollte. Er war sich einer Sache sicher: wenn er jemals jemanden in seinem Leben geliebt hatte, dann Ginny.

Sie nickte: „Jepp. Ich dachte zuerst, ich würde es mir einbilden, aber es ist definitiv etwas anders."

„Das ist nichts schlechtes, oder?", fragte er, während er überlegte, was er tun sollte. Ein Teil von ihm war bereit, seine Gefühle für sie auszusprechen, aber ein anderer Teil von ihm tat sein bestes, diesen Teil zum Schweigen zu bringen.

Ginny runzelte die Stirn. „Nein. Ich würde es nicht schlecht nennen", sagte sie. „Wenn überhaupt würde ich das Gegenteil sagen."

„Oh?", erwiderte Harry. Seine mit sich uneinige Gedanken ließen ihn nicht mehr sagen.

Ihr Blick suchte seinen, als sie erklärte: „So wie du mich anschaust, fühle ich mich beinahe, als wäre ich die einzige, die du siehst. So wie du mich küsst ...nun, lass mich einfach sagen, dass ich es liebe, wie du mich küsst."

Harry lächelte breit und streckte sich zu ihr hoch, um diese Aussage auszutesten. Er löste sich erst wieder von ihr, als seine Bauchmuskeln von der Anstrengung zu schmerzen begannen.

„Es wird noch mehr brauchen als das, wenn du versuchst, ums Antworten herumzukommen.", neckte Ginny.

Harry lachte leise und sagte: „Wie du möchtest." Er packte sie an ihrer Taille und zog sie über sich. Dann drehte er sich, um sie unter sich auf das Sofa zu pressen. Seine Lippen schienen sich ohne sein zutun auf ihre zu legen. Als er sich einige Zeit später wieder von ihr trennte, fragte er zögernd: „Du weißt, dass ich nicht versuche, deiner Frage auszuweichen, oder?"

Sie lehnte sich soweit es ihre Position erlaubte zurück und runzelte die Stirn, während sie ihn musterte. „Ich weiß. Ich hab dich nur geneckt. Aber du weißt, dass du über alles mit mir reden kannst, ja?"

„Ich weiß. Du bist die einzige, bei der ich mich wohl genug fühle, um viele Dinge mit dir zu teilen", gab er zu. „Und ich möchte dir dies auch sagen. Es ist nur nicht einfach."

Sie legte ihre Hand an sein Gesicht und strich mit ihrem Daumen über seinen Wangenknochen. „Lass dir Zeit. Ich gehe nirgendwo hin."

Harry lächelte. Er war dankbar für ihr Verständnis und fühlte sich schuldig, dass er es brauchte. Sie lagen in angenehmer Stille einen Moment lang da, bevor Harry seufzte und sagte: „Wir sind wirklich spät dran für unser Training."

„Ja, ich schätze, das sind wir", meinte sie.

Harry lehnte sich für einen letzten kurzen Kuss vor und fügte hinzu: „Das war es aber wert."

Damit rollte er sich vom Sofa hinunter und auf seine Füße und drehte sich dann um, um ihr eine helfende Hand hinzustrecken. Nachdem sie ihre Kleidung ein wenig gerichtet hatten, machten sich die beiden auf den Weg zum Raum der Wünsche. Harry merkte schnell, dass sie verfolgt wurden. Daher lehnte Harry sich zu Ginnys Ohr hinunter, um ihr zu sagen, dass Hermine hinter ihnen her war. Als er sich wieder aufrichtete, drehte sie ihren Kopf zur Seite und zog eine Augenbraue hoch: „Ich weiß."

Harry zog ebenfalls eine Augenbraue hoch und fragte sich, woher sie das wusste. Vielleicht hatte sie Hermine gesehen, wie sie ihr zu seinem Büro folgte? Hatte sie etwas bemerkt, dass er übersehen hatte? Die Frage blieb unausgesprochen und unbeantwortet, da sie schnell ihr Ziel erreichten. Sobald die Tür hinter ihnen zufiel, errichtete Harry schnell die Schutzzauber und warf einen weiteren Zauber, um ihnen zu erlauben, durch die Tür hindurchzusehen und zu -hören, als wäre sie offen.

Keine volle Minute verging, bis Hermine die Tür erreichte. Sie fuhr mit ihrem Zauberstab über die Tür, wahrscheinlich nach etwas suchend, dass ihr genau sagen würde, wo sie dagegenklopfen musste, um eintreten zu können. Selbst wenn sie die richtigen Punkte finden würde, was ihr bisher nicht gelungen war, würde sie noch immer die korrekte Reihenfolge herausfinden müssen, und es gab einige Überraschungen, die Harry mit hineingezaubert hatte, um sie zu verwirren. Nachdem Hermine begonnen hatte, herumzuschnüffeln, hatte Harry ein paar Sachen nachgelesen. Er hatte einen Weg gefunden, die magische Signatur der Punkte auf der Tür, die man berühren musste, zu duplizieren und hatte ein paar zusätzliche Punkte hinzugefügt, die Hermines Leben miserabel machen würde, wenn sie versuchte, die korrekte Reihenfolge herauszufinden. Nicht nur das, aber er hatte einen Weg gefunden, die magische Signatur auf den richtigen Punkten abzuschwächen. Daher war es wahrscheinlich, dass sie nicht einmal alle richtigen Punkte finden würde.

Unnötig zu sagen, dass Hermine einiges an Arbeit vor sich hatte. Nicht zum ersten Mal fragte Harry sich, was sie hoffte, zu erreichen, wenn sie während einer seiner Trainingseinheiten den Raum der Wünsche betreten würde. Was erwartete sie, zu sehen? Wie würde sie versuchen, zu erklären, durch eine - wie sie beide wussten - geschützte Tür eingetreten zu sein? Er hatte keine Antworten, aber Harry war nicht wirklich besorgt. Das Semester war beinahe vorbei und Hermine war noch immer weit davon entfernt, durch seine Schutzzauber hindurchzubrechen, so dass er das Semesterende problemlos erreichen sollte. Das bedeutete nicht, dass er Unvorsichtig wurde, nur dass er sich nicht besonders viele Sorgen machte.

Nachdem Harry eine Minute lang zugeguckt hatte, wandte er sich ab und begann, sich an die Arbeit zu machen. In letzter Zeit hatte er einen Großteil seiner Zeit auf Ginny fokussiert, da der Beginn der Sommerferien immer näher rückte. Er wusste, dass es unwahrscheinlich war, dass sie sich [in Lebensgefahr befinden würde] mit den ganzen Sicherheitsvorkehrungen, die ihre Familie zweifellos implementiert hatte, in Lebensgefahr befinden würde, aber er wollte, dass sie auf jegliche Gefahr, die ihr begegnen könnte, vorbereitet war. Das bedeutete, ihre Duellfähigkeiten und ihre Fertigkeiten in zauberstabloser Magie zu verbessern. Er ließ sie ihre vollen Fähigkeiten in den HA-klassen zurückhalten, so dass sie die anderen Schüler nicht völlig hinter sich zurückließ, aber in ihren privaten Trainingseinheiten zwang er sie, in Duellen gegen ihn und die Trainingsdummies alles zu geben.

Er war derjenige, der es langsam anging, um Ginny anzutreiben. Sie wurde immer besser. Sie hatte mehr Kontrolle über ihre zauberstablosen Fähigkeiten, aber sie war noch immer nicht annähernd so gut, wie sie es mit ihrem Zauberstab war. Ihre Reflexe wurden besser und besser. Sie bewegte sich schneller und geschmeidiger, wich Flüchen aus und erwiderte einige von ihnen, aber sie hatte noch einen langen Weg vor sich. Er hatte einen gewaltigen Vorsprung und sie schien langsamer Fortschritte zu machen, als er dies getan hatte - obwohl die Tatsache, dass sie nicht so viel Freizeit hatte, um sich dem Training zu widmen, wahrscheinlich viel damit zu tun hatte.

Auf der anderen Seite schienen ihre Okklumentikfähigkeiten viel schneller fortzuschreiten als seine dies getan hatten. Drei Wochen zuvor hatte Harry begonnen, an zwei Stellen auf einmal ihre Gedanken anzugreifen und sie konnte einige Erfolge vorweisen in ihren Versuchen, ihn zu blocken. Wenn sie so weitermachte, würde sie vielleicht sogar bevor die Schulferien begannen, mit ihm gleichauf sein.

Ihre Zeit war schnell vorbei und sie mussten sich für das Abendessen fertig machen. Hermine war längst gegangen, als sie aufhörten. Harry war sich nicht sicher, wann genau sie gegangen war, aber er wusste, dass sie wenigstens zehn oder fünfzehn Minuten geblieben war. Als Harry und Ginny die Große Halle betraten, saß Hermine bereits am Gryffindortisch, ein Buch vor sich aufgeschlagen und eine Gabel in ihrer Hand. Es war schon einige Zeit her, seit Harry mit Ginny bei ihren Freunden gesessen war. Daher beschloss er, ihnen Gesellschaft zu leisten. Der Großteil ihrer Unterhaltungen drehte sich um die kommenden Examen, was Harry nicht direkt etwas anging, aber etwas war, das er verstand, da er nur ein Jahr zuvor die Z.A.G.s abgelegt hatte.

Harry verbrachte den Rest des Abends genauso wie die darauffolgenden zwei Tage damit, entweder für die Examen zu lernen oder an Portschlüsseln zu arbeiten. Seine Trainingseinheiten dienten als eine Unterbrechung für die Monotonie der beiden Tätigkeiten. Er hatte alle Informationen, die er zu Portschlüsseln finden konnte, gelesen. Alles, was noch fehlte, war, zu üben und den Zauberspruch zu meistern, was im Grunde genommen eine Menge Versuche, den Zauber zu werfen, bedeutete. Er hatte einige Erfolgserlebnisse, aber der Zauber war nicht so stark, wie er es gern hätte. Zum einen musste er die ganzen Sommerferien über anhalten. Außerdem wollte er, dass der Portschlüssel für mehrere Personen nutzbar war, so dass seine Schüler ihre Familie oder Freunde mitnehmen konnten. Er hatte den Zauber soweit gemeistert, dass seine Portschlüssel alle funktionieren würden, aber er war nicht überzeugt, dass der Zauber für seine Absichten stark genug oder langanhaltend genug war. Außerdem musste er sicherstellen, dass die Portschlüssel in ganz Großbritannien funktionierten: und umso weiter die Portschlüssel jemand transportieren mussten, umso mehr Leistungskraft war nötig.

Seine Wiederholung des Lernstoffs war aus offensichtlichen Gründen monoton. Es war alles Material, dass sie das Jahr über durchgenommen hatten. Zugegeben: Er konnte sich nicht an jedes einzelne Detail erinnern, aber er war zuversichtlicher als die vorigen fünf Jahre. Während seine Noten nie außergewöhnlich gewesen waren, hatte er sich in der Vergangenheit immer gut geschlagen. Er wollte einfach, dass es begann.

Schließlich war es Sonntag und damit auch das Gefühl der Aufregung. Er freute sich darauf, was der Tag bringen würde und er konnte in manchen Gesichtern in der Großen Halle an diesem Morgen lesen, dass er nicht der einzige war. Seine sieben fortgeschrittenen AHA-mitglieder hatten alle Konventionen hinter sich gelassen und saßen gemeinsam an einem Ende des Hufflepuff-Tisches und steckten ihre Köpfe zusammen, wahrscheinlich um Kampfstrategien zu diskutieren. Harry bemerkte mehr als nur ein Paar neugierige Blicke auf ihn - und ein paar übelwollende.

Harry konnte das Lächeln, das sich auf seinen Lippen bildete, nicht aufhalten. Was auch immer geschehen würde, er würde sie heute in ihrer absolut besten Verfassung sehen. Er konnte nur hoffen, dass sie ihm einen guten Kampf liefern würden. Seine FHA-mitglieder ließen jegliches Drama sein, aber Harry konnte ein Funkeln in einigen ihrer Augen sehen, als die Spannung für die Aktivitäten am Nachmittag sich aufbaute. Glücklicherweise musste Harry nicht lange warten, bevor alles beginnen würde.

Ende 25.1

Vielen Dank an alle Leser und Reviewer!