Ihr Lieben!
Weil es gerade so viel Spaß macht, schicke ich das nächste Kapitel gleich hinterher – viel Freude damit!
Euer Kleines
Kapitel 36: Das Erwachen
Von dem warmen Feuer, das Severus in den Schlaf gelullt hatte, war schon lange nur Glut übrig, als Hermine sich auf der Couch rührte und sich enger in ihre Decke einwickeln wollte. Verwirrt stellte sie fest, dass sie gar nicht in ihrem eigenen Bett lag, sondern auf einem Sofa. Ihr schläfriges Gehirn brauchte ein paar Minuten, um den letzten Abend zu rekonstruieren. Sie war im Klassenzimmer für Zaubertränke kurz vor ihrer Nachhilfestunde eingeschlafen und das Sofa, auf dem sie lag, fühlte sich nicht nach einem im Gemeinschaftsraum an, sondern sehr nach dem in Severus' Wohnzimmer, mit dem sie schon einmal bequeme Bekanntschaft gemacht hatte.
Ruckartig setzte sie sich auf und schaute sich im Raum um: In der Tat – das war Severus' Wohnzimmer und der eigentliche Bewohner dieses Raums hatte sich auf einem Sessel am Feuer zusammengerollt. Severus war nicht gerade klein, aber irgendwie hatte er es geschafft, sich komplett auf der Sitzfläche unterzubringen. Seine langen Arme und Beine hingen in etwas seltsamen Winkeln über den Sessel hinaus und bequem war sicherlich anders, aber er schlief tief und fest.
Hermine lächelte: Ganz offensichtlich war sie nicht die einzige, die übermüdet und überarbeitet war. Leise erhob sie sich und mit einer Bewegung ihrer Hand hatte sie das Feuer zu neuem Leben erweckt. Ordentlich faltet sie die Decke zusammen, steckte Severus' kleinen Zettel vom Vorabend ein und sprach einen Tempore-Zauber: Viertel vor fünf.
Sachte näherte sie sich dem Sessel, auf dem Severus immer noch schlief und strich ihm vorsichtig eine der rabenschwarzen, weichen Haarsträhnen aus dem Gesicht.
„Severus?" – keine Reaktion. Er schlief viel zu fest und Hermine konnte sich nicht recht dazu durchringen, ihn zu wecken. Dieses Mal war es an ihr, ihn von der Stelle zu bewegen und behutsam ließ sie ihn durchs Wohnzimmer bis in sein Schlafzimmer und auf sein Bett schweben. Seine Schuhe hatte er wohl gestern Abend schon ausgezogen, sodass er es nun einigermaßen bequem haben sollte.
Behutsam breitete sie die Bettdecke über ihm aus und gähnte dann. Die Versuchung war einfach zu groß. Der friedlich schlafende Severus versprach Wärme und Geborgenheit und Hermine hatte sich in Sekundenschnelle neben ihn unter die Bettdecke gekuschelt. Im Tiefschlaf drehte er sich zu ihr um und legte einen Arm um sie. Damit wäre das auch entschieden, dachte Hermine zufrieden und schlief wieder ein.
Severus wachte zwei Stunden später auf, weil zum einen seine innere Uhr ihn daran erinnerte, dass er eine Stunde Vorlauf brauchte zum Wachwerden, Duschen und Anziehen, wenn er um acht Uhr in der Großen Halle zum Frühstück erscheinen wollte, und zum anderen konnte er sich nicht ganz erklären, was ihn auf so ungewohnte Weise in der Nase kitzelte.
Müde öffnete er die Augen und das erste, was er sah, waren Unmengen von Locken. Irritiert wischte er einen Bruchteil der Haare aus seinem Gesicht und registrierte, dass Hermine in seinen Armen lag – so eng, dass er ihren schlafwarmen Körper an seinem spüren konnte, obwohl sie beide vollständig bekleidet waren. Noch nicht ganz Herr seiner Sinne übernahm Severus' Körper das Kommando und signalisierte ihm ganz eindeutig, dass er überhaupt gar nichts dagegen einzuwenden hätte, wenn er jeden Morgen mit Hermine aufwachen würde.
Severus brauchte ungefähr drei Sekunden, um seine Erregung zu bemerken und die logischen Konsequenzen zu ziehen. Oder es zumindest zu versuchen. Zu gerne wäre er aus dem Bett gesprungen, um möglichst viel Distanz zwischen sich und Hermine zu bringen, aber dummerweise hatte sie es sich auf seinem Arm bequem gemacht. Aus aus-dem-Bett-Springen wurde also ein zäher Kampf um seinen Arm, der von einigen Flüchen begleitet wurde, die nun auch endlich Hermine aus dem Schlaf holten.
Verschlafen richtete sie sich auf und strahlte ihn an: „Guten Morgen Severus!"
Dieser hatte sich mittlerweile ans andere Ende des Schlafzimmers gerettet und starrte sie mit einem ziemlich wilden Gesichtsausdruck an.
„Dann eben keinen guten Morgen, Severus. Ich weiß ja, dass Du kein Morgenmensch bist, aber ich dachte, dass es dafür wenigstens noch reichen würde", kommentierte Hermine seine absolute Sprachlosigkeit.
„Hermine! Was zum Drachen hast Du Dir dabei gedacht, uns beide ins Schlafzimmer zu verfrachten?" Hermines unschuldiges Gesicht aus Severus' fassungslosen Ausbruch sprach Bände und er fluchte – mal wieder hatte er sich selbst an die Wand manövriert.
„Warum? Du hast auf dem Sessel geschlafen und das sah nicht so schrecklich bequem aus. Also habe ich Dich ins Bett gebracht und weil ich noch so müde war, habe ich mich nochmal dazugelegt. Ich meine, wir sind beide vollständig angezogen – wo ist Dein Problem?"
Gerne hätte Severus sich die Antwort erspart, sie aus seinen Räumlichkeiten und sich selbst unter die Dusche verfrachtet, aber das Veritaserum schlug mit ganzer Kraft zu:
„Hermine, wie gut bist Du über die Anatomie des Mannes und die hormonellen Zusammenhänge aufgeklärt?", fragte er mit gepresster Stimme.
Hermine starrte ihn mit großen Augen an, in denen je zwei dutzend Fragezeichen zu lesen waren. Severus war kein Morgenmensch und auch kein geduldiger Mensch und gerade im Moment kämpften Hilflosigkeit, Verlegenheit und Wut um die Oberhand in ihm.
Folgerichtig knurrte er auf ihren fragenden Blick hin ziemlich übellaunig: „Ich empfehle Dir, Dich von Deinen männlichen Freunden über den Begriff ‚Morgenlatte' aufklären zu lassen! Grmpf!"
Und mit einem letzten Knurren verschwand Severus türknallend im Badezimmer, wo fast sofort die Dusche zu rauschen begann.
Hermine saß für einen Moment wie vom Donner gerührt im Bett und begann dann hilflos zu lachen.
„Das ist kein bisschen komisch!", kam ein Kommentar aus dem Badezimmer, was Hermine kein bisschen half. Sie lachte und lachte und immer noch lachend ging sie ins Wohnzimmer und kümmerte sich um Kaffee. Sobald Severus seinen ersten Kaffee hinter sich hätte, würde er auch den Humor in der Situation sehen. Hoffte sie zumindest.
Eine halbe Stunde später tauchte Severus rasiert, geduscht und angezogen in seinem Wohnzimmer auf und Hermine strahlte ihn an: „Kann ich Dein Bad benutzen?"
„Das ist nicht Dein Ernst, oder?", fragte er fassungslos und starrte eine sehr ruhige Hermine an, die anscheinend jeglichen Verstand abgelegt hatte.
„Hermine, wir haben gerade die Nacht miteinander verbracht und Du fragst mich im Ernst, ob Du mein Bad benutzen kannst und willst hier frühstücken?!"
„Frühstücken will ich hier nicht, aber eine Tasse Kaffee habe ich schon getrunken – das wirkt Wunder und ich empfehle es Dir sehr. Aber, ja, ich würde gerne duschen und mir die Zähne putzen. Ich will so nicht durchs Schloss laufen."
Severus sah Hermine zum ersten Mal richtig an: So dezent ihr Makeup auch sein mochte – eine Nacht ohne Abschminken hatte es über ihr Gesicht verteilt, ihre Haare waren ein Urwald und ihre Uniform war zerknittert. So durchs Schloss zu laufen, würde in der Tat nur Fragen provozieren.
„Also gut, Du Hexe. Aber beeil Dich – keine Schminkorgien!"
„Erstens: Ich schminke mich kaum. Zweitens: Ich wusste nicht, dass Du Makeup besitzt!" und mit einem frechen Zwinkern war Hermine im Bad verschwunden.
„Na wunderbar!", seufzte der Zaubertrankmeister und wandte sich seinem Kaffee zu. Vielleicht sah nach der ersten Tasse die Welt ein bisschen besser aus.
Hermine nahm das Bad neugierig unter die Lupe, aber Besonderes konnte sie nicht entdecken: Shampoo und Duschgel hatte Severus offensichtlich selbst hergestellt, aber ansonsten gab es nichts Spannendes. Seine Rasierklingen lagen auf dem Waschbecken, wo sie vor sich hintrockneten und Hermine nahm fasziniert die winzigen schwarzen Bartstoppeln zur Kenntnis und versuchte sich einen Severus mit Dreitagebart vorzustellen – das Bild gefiel ihr, aber sie wusste, dass gerade jetzt kein guter Moment war, um ihn auf solche Dinge anzusprechen. Also huschte sie unter die Dusche, zauberte sich eine Zahnbürste herbei und zwanzig Minuten später stand Hermine frisch geduscht vor Severus, der an seiner dritten Tasse Kaffee war, weil die Welt immer noch nicht besser aussehen wollte. Vor zwei Tagen war er wegen amoralischem Verhalten zum Schulleiter bestellt worden und dann hatte er als nächstes gar nichts Besseres zu tun, als eine Nacht mit einer Schülerin zu verbringen – oh Merlin!
Hermine hatte inzwischen einen etwas klareren Kopf und setzte sich zu ihm auf die Couch: „Hör zu, Severus, es tut mir Leid. Ich habe gestern Nacht nicht nachgedacht, mein Hirn war schlafvernebelt und ich konnte der Versuchung einfach nicht widerstehen, mich neben Dich zu legen. Ich bereue das nicht, denn es ist ein gutes Gefühl, wenn Du Deine Arme im Schlaf um mich legst" – bei diesen Worten vergrub Severus sein Gesicht in den Händen – „aber es tut mir leid, weil es Dich ganz offensichtlich aus dem Konzept bringt."
Severus gab keine Antwort und Hermine fuhr nach einem kleinen Zögern tapfer fort: „Was Dein äh kleines morgendliches Problem angeht: Dass Du mich willst und begehrst, ist ja nun keine Neuigkeit und ich wünschte, dass ich damit ein bisschen souveräner umgehen könnte, aber meine Erfahrungen in dieser Richtung tendieren eher gegen null. Aber ich finde es ein großartiges und berauschendes Gefühl, dass Du mich attraktiv findest und so auf mich reagierst. Und wie Du Dir denken kannst, habe ich nicht vor, dass irgendwem zu erzählen."
„Verflucht, Hermine. Das ist nicht der Punkt. Du bist eine Schülerin. Das ist der Punkt.", würgte Severus hervor. Er hatte das Gesicht immer noch in die Hände gestützt.
Hermine nickte bedrückt und sagte leise: „Aber nicht mehr lange, Severus. Und wir beide haben schon Schlimmeres verbrochen."
Severus lachte rau auf: „Na, das ist ja ein wunderbarer Trost!"
Hermine brachte ein schiefes Lächeln zustande und erklärte: „Wir reden jetzt einfach nicht mehr darüber und irgendwann können wir die Geschichte – mit vielen anderen zusammen – unseren Enkeln erzählen. Aber erst, wenn sie volljährig sind!"
Severus konnte nicht anders, er lachte herzlich und zog Hermine in seine Arme: „Du bist einfach nur eine unmögliche Hexe!" Hermine grinste und beendete seinen Satz: „… und deshalb willst Du mich so sehr."
Bedauernd löste Hermine sich aus seiner Umarmung und stand auf: „Severus, ich sollte langsam zum Frühstück gehen – außer natürlich, Du willst, dass wir beide zusammen in der Großen Halle erscheinen?!"
„Argh!", war die einzige Reaktion des ansonsten so eloquenten Zaubertrankmeisters und er scheuchte sie hinaus.
