Hallo ich hoffe Du hast nicht die Hoffnung aufgegeben, aber ich schreibe weiter. Im Sommer habe ich etwas Pause gebraucht und später war bei der Arbeit sehr viel Stress angesagt. Nun bin ich wieder mit einem neuen Kapitel da und hoffe du liest gerne weiter.

Ganz herzlichen Dank an Quarks, der mit seinen Vorschläge und vorallem mit seinen Korrekturen viel für diese Geschichte tut. Danke


Rückblick auf Kapitel 35

Schnell verschwanden sie in ihren Betten, es war spät geworden, nachdem die Vampire sehr gesprächig gewesen waren.

In Harrys Zimmer war das Bett wieder verbreitert worden. Alle drei lagen erschöpft darin.

„Ja, wenigstens diese Aktion macht nachträglich keinen Ärger", bemerkte Ginny. „Wir müssen uns bald zusammensetzen, am Besten mit Snape, Tonks und Remus. Vielleicht hat Voldemort unsere Gedächtniszauber bei den Todessern schon gebrochen und weiß bereits, wie die Ausländer aussehen. Er war ja sehr daran interessiert. Wir bräuchten dann allerdings eine neue Tarnung."

„Warten wir es ab, mich würde das schon sehr ärgern", brummte Harry. „Ich müsste wieder auf einige Freiheiten verzichten."

„Nicht nur du. Aber mit etwas Übung schaffen wir das. Wir könnten ja auch statt in der Winkelgasse", warf Felicitas ein, „in Salon-de-Provences einkaufen gehen. Dort gibt es die magische Rue de Nostradamus."

„Du hast vergessen, Mumbai vorzuschlagen", bemerkte Ginny müde.

„Ich hoffe, dass es ihm nicht gelungen ist. Ich will nicht immer vor ihm fliehen", murmelte Harry verärgert.


Kapitel 36 Identitätskrise

Harry wachte auf, als Felicitas sich aus seiner Umarmung löste. Sehr behutsam ging sie vor und er machte ihr den Gefallen, es nicht zu bemerken. Durch seine nur leicht geöffneten Augenlider sah er ihren sorgenvollen Blick. Nein, es war kein Mitleid, es war ein Blick voller Traurigkeit.

Ginny, welche hinter Harry lag, schlug die Augen auf. Irritiert schaute sie zum Wecker. Feli legte den Finger auf ihre Lippen und flüsterte. „Ginny, ich muss zu Severus. Vielleicht habe ich jetzt die Chance, ihm meine Fragen zu stellen. Er steht immer so früh auf. Pass auf meinen Harry auf, wir sollten ihn nicht aus den Augen lassen. Ich befürchte Schlimmes, seine Alibifigur Andrew McKillan ist in Gefahr."

„Feli, ich habe mich bei dem Eingriff in das Gedächtnis im Tropfenden Kessel sehr angestrengt. Bei Malkins war es außerdem Harry."

„Kein Vorwurf, Ginny! Es gibt nur einen Schwachpunkt und den wird Voldemort schon ausgenutzt haben, nämlich Madame Malkin selber. Ist mir heute Nacht eingefallen, aber Dobby hat sie nicht finden können. Sie war nicht in ihrer Wohnung. Tonks habe ich auch schon informiert. Sie wird sich für uns alle ein neues Aussehen einfallen lassen. Bis bald, vielleicht weiß Severus etwas?"

Felicitas schloss ihren Umhang, winkte ihr kurz zu und verschwand. Dieses Verschwinden faszinierte Ginny immer wieder. Manchmal empfand sie es als unfair, dass die Fähigkeiten so ungerecht verteilt waren. Warum konnten nicht alle diese Fähigkeiten haben? Die Hauselfen hatten sie und wenige Magier. Die hatten sie, weil vor etlichen hundert Jahren einmal richtige Elfen im Stammbaum aufgetaucht waren. War es diese Besonderheit, welche beide so fest aneinander band? Ginny tippte Harry auf den Rücken. Sie konnte die Stille nicht mehr ertragen. Felis Befürchtung hatte sie auf einen schrecklichen Gedanken gebracht. Nun war aber die Freundin verschwunden, sie konnte jetzt nicht alleine sein. Sie tippte noch einmal auf Harrys Rücken, worauf er sich sofort zu ihr herum drehte.

„Du hast geschummelt! Sonst dauert es immer eine Ewigkeit, bis du wach wirst."

Harry antwortete nicht, er nahm Ginny einfach in den Arm. Er dachte an Madame Malkin. Sie war sicherlich fürchterlich gefoltert worden, vielleicht lebte sie schon nicht mehr? Ihr konnte er bestimmt nicht mehr helfen, aber was war mit der Familie, die sie im Tropfenden Kessel getroffen hatten? Sollte Voldemort auch von diesem Auftritt erfahren, dann wäre sie in Gefahr.

„Ginny wie können wir erfahren, wer diese Familie im Tropfenden Kessel war? Wir müssen sie warnen! Vielleicht können wir sie so vor den Todessern schützen!"

„Meinst du, er hat von unserer Begegnung schon erfahren? Wird er nach Madame Malkin nicht schon genug wissen?"

„Voldemort will immer alles wissen; wenn er davon erfährt, wird er seine Todesser schicken. Komm, wir müssen was unternehmen!"

„Halt!" Ginny hielt Harry am Arm fest. „Nicht schon wieder kopflos ins nächste Abenteuer! Wo und wem willst du denn helfen? Wir wissen nichts von der Familie. Harry, wir müssen alles erst planen. Gestern hat es doch ganz toll funktioniert!"

Harry sah ein, dass er wirklich nichts wusste, aber er wollte der Familie helfen. Notgedrungen legte er sich wieder zurück in sein Bett. Was er am meisten hasste, war diese Ohnmacht! Er wollte den Leuten helfen und konnte doch nichts tun.

Ginny kuschelte sich an ihn: „Wir sollten uns Gedanken darüber machen, wie wir an Namen und Adresse kommen. Beim Frühstück informieren wir Feli, Hermine und Ron. Vielleicht wissen die eine Lösung?"

„Dann gibt es wieder einen von Ron ausgearbeiteten Einsatzplan. Weißt du, warum Ron gestern so aktiv geworden ist?"

„Hallo, hast du meine Frage gehört?"

„Mmh", kam es verschlafen von Ginny. „Hermine hatte mit ihm eine Auseinandersetzung. Ich glaube, er muss sich ganz ordentlich ins Zeug legen. Er will wieder mehr von ihr beachtet werden."

„Hast du schön ausgedrückt!" Von Ginny kam keine Reaktion mehr. Sie war tatsächlich wieder eingeschlafen. Ihr Kopf auf seiner Brust bremste ihn in seiner geplanten Aktivität. Er konnte nicht leise verschwinden, also beschloss er, auch noch eine Stunde zu schlafen. Er wunderte sich allerdings, warum Felicitas so früh zu Snape ging. Sie musste in Zaubertränken eigentlich schon perfekt sein, sonst würde Snape sie nicht alleine in seinen Zaubertränkekerker lassen. Sie hatte ihre eigenen Pläne und er war sich sicher, dass sie diese auch durchsetzte. Ihr Ehrgeiz war erwacht, sie wollte die Prüfung als Beste bestehen.

Ginny murmelte etwas und führte ihm so vor, wie großzügig seine Freundin auch sein konnte. Keine andere hätte diese Beziehung geduldet, welche sie zu dritt aufgebaut hatten. Er zog die Decke etwas mehr nach oben. Nun konnte man nur noch den Kopf von Ginny sehen. Er zog sie näher zu sich heran. Harry musste wohl auch eingeschlafen sein, denn er schreckte wegen eines Geräusches auf. Der Schrank glitt zur Seite und gab Hermine den Weg frei.

„Entschuldigt", murmelte Hermine verlegen, „ich dachte, ich störe nicht, weil Ginny auch hier ist. Ich wollte sie etwas fragen."

Harry sah Hermine überrascht an, er sah sich um und grinste: „Guten Morgen, Hermine, nein du störst nicht, auch wenn Feli nicht da ist."

Der rote Haarschopf hob sich von Harrys Brust und drehte sich zu Hermine. „Nein, Mine, ganz bestimmt nicht. Setz dich zu uns."

Hermine sah Ginny vorwurfsvoll an: „Ich sage ja schon lange nichts mehr, aber vorhin dachte ich wirklich, dass ich sehr ungelegen gekommen wäre."

„Feli wollte, dass ich auf Harry aufpasse, es ist mir doch gut gelungen?" Ginny grinste, während Hermine nur den Kopf schüttelte.

„Was ist, Hermine?"

„Och, es ging eigentlich nur um den Halloween-Ball. Die Fragen wie jedes Jahr. Was ziehst du an und mit wem gehst du dorthin?"

Ginny fing an, von ihrem Kleid zu schwärmen, welches sie in Indien bestellt hatte. Während sie mit Hermine über Einzelheiten sprach, verschwand Harry im Bad. Es war noch zu früh für das Frühstück. Im Gemeinschaftsraum versammelte Ron seine Sportler um sich, denen wollte er sich nicht anschließen. Die Gespräche in der Nacht gingen ihm nicht aus dem Kopf. Wie konnte er den Namen der Familie herausfinden? Er stieg zur Eulerei hinauf. Hedwig freute sich, endlich einmal wieder einen Auftrag zu bekommen. Sein Brief an Fred und George war kurz. Eigentlich war es nur eine Frage. Wenn sie sich nach Madame Malkins erkundigten, fiel es am wohl wenigsten auf.

Wie leicht, wie frei waren doch die Vögel in ihrem Element. Harry sah der weißen Eule sehnsüchtig nach. Fast reflexartig erfüllte er sich seinen Wunsch. Mit aufgeregtem Rascheln der Federn und verwunderten Lauten reagierten die überraschten Vögel. Natürlich hatten sie schon fliegende Zauberer gesehen. Jedoch noch nie hatte aber einer von ihnen den Besen hier oben bestiegen. Der mahnenden Stimme seines Unterbewusstseins folgend sprach Harry den Unsichtbarkeitszauber aus. Gut, nun er konnte nicht erkannt werden, aber auch nicht mehr gesehen. Es waren überraschend viele Eulen unterwegs und er musste ihnen allen ausweichen. Endlich war er über den Ländereien von Hogwarts.

Von hier oben sah alles so leicht und einfach aus. Ein Glücksgefühl breitete sich in ihm aus, ja hier auf Hogwarts war sein Zuhause. Mit ihm da unten, er sah ganz klein aus, hatte alles angefangen. Hagrid hatte ihm gesagt, dass er ein Magier ist. Er hatte ihm die Einladung von Hogwarts gebracht, nachdem Onkel Vernon alle anderen Briefe vernichtet hatte. Er konnte sich noch an jeden Satz erinnern. Mensch! Das war es. Er musste sofort zu Hagrid herunter. Im Sturzflug hielt er auf den Wildhüter zu. Ein paar Rebhühner kamen ins Trudeln, als völlig unterwartet ein Zauberer auf seinem Besen vor ihnen sichtbar wurde. Hagrid sah sich, jedes ungewöhnliches Verhalten in der Natur bemerkend, um. Bewundernd sah er Harry zu, wie dieser vor ihm landete. So elegant flog selten jemand.

„Hagrid, Hagrid! Kannst du dich noch an unser erstes Treffen erinnern?"

Verwundert nickte der Halbriese. Er stützte sich auf seinem mächtigen Stab ab und wartete, was kommen würde.

„Hagrid, du hast zu mir gesagt, dass mein Name schon ewig in irgendeinem Buch stehen würde. Weißt du, wo dieses Buch ist? Ich muss es ganz dringend wissen."

„Bei Professor Dumbledore, Harry. Du traust mir doch, du musst nicht nachlesen, ob der alte Hagrid gelogen hat."

„Natürlich glaube ich dir, ich will etwas über ein Mädchen wissen!"

„Hast du nicht schon genug Mädchen?"

„Sie ist erst elf, Hagrid! Und meine beiden reichen mir völlig. Sie war Zeugin eines Überfalles durch Todesser und wir müssen sie schützen."

„Bei Dumbledore im Büro liegt es, wenn du ihn besuchst, zeigt er es dir gerne. Muss noch mal in den Wald, Harry! Hab keine Zeit. Besucht mich mal wieder, falls ihr Zeit habt für den alten Hagrid."

Zufrieden sah Harry der Person nach, welche für ihn das Tor in die magische Welt geöffnet hatte. Sie mussten den alten Schulleiter bitten, zuvor musste dieser erfahren, was im Tropfenden Kessel vorgefallen war. Von seinem Besen ließ er sich zum Schloss tragen. Er musste gleich mit den Freunden sprechen. Gut, es gab für ihn schnellere Möglichkeiten, ins Schloss zu kommen, aber er hatte seine Freude am Fliegen wieder entdeckt.

Er könnte Felicitas abholen, denn es gab gleich Frühstück. Vielleicht hatte er die Chance, mit Snape über seine Befürchtung zu sprechen. Es könnte ja sein, dass er etwas mehr wusste. Die Kerker für Zaubertränke waren leider leer, auch sein mehrmaliges Klopfen an der Bürotüre des Professors blieb unbeachtet.

„Lord Potter!"

Überrascht über die formelle Anrede sah sich Harry um. Ein alter, verwirrt wirkender Mann nickte ihm aus einem verstaubten Bilderrahmen zu. Er lächelte ihm zu, seine Stimme klang verschwörerisch leise: „Professor Snape lässt ausrichten, dass er und die junge Frau in dem bestimmten Klassenzimmer wären."

Harry bedankte sich. Irgendwie machte der Zauberer auf dem Bild einen bekümmerten Eindruck. Mit einem Schwung seines Zauberstabes verschwanden die Spinnweben vom Bilderrahmen. Auch der Rahmen glänzte wieder in den alten Farben. Überrascht sah sich der Verwirrte um. Er winkte Harry zu sich. „Ihr müsste aufpassen, wenn Ihr diesem Weasley, dem Spitzel des Ministeriums, nicht begegnen wollt. Er scheint die Kerker derzeit besonders genau zu beobachten. Im nächsten Flur steht er."

Wenige Meter von dem Portrait entfernt wurde Harry unsichtbar, dankbar über den Hinweis lächelte er vor sich ihn. Er begab sich nicht in Gefahr, wenn er Percy einen Streich spielte. Dieser stand wirklich ganz interessiert vor einem Gemälde im nächsten Gang. Die Tatsache, dass das Gemälde verlassen war, schien ihm tatsächlich entgangen zu sein. Filch schlurfte an Harry vorbei, zum Glück ohne Miss Norris. Harry traute dem Unsichtbarkeitszauber nicht ganz. Könnte ein Tier vielleicht die Witterung aufnehmen? Filchs Gejammere lenkte Percy ab. Unbemerkt konnte Harry das Notizbuch von Percy in einen Portschlüssel verwandeln. Jetzt musste er nur noch warten. Filch schlurfte weiter, selbst ihm sah Percy nach, wohin er ging. Mit einem leicht teuflichen Grinsen aktivierte Harry den Portschlüssel. Percy würde sicherlich Schwierigkeiten haben, sein plötzliches Auftauchen ausgerechnet in diesem Laden zu erklären. Der Eigentümer des Ladens in der Noturngasse misstraute jedem Kunden. Erst recht Einem, der nicht wusste, warum er da war. Er würde ihn schon sehr genau befragen. Ein Ministeriumsmitarbeiter mitten in der Gasse der Schwarzen Magie und das noch vor den Öffnungszeiten war nun mal sehr ungewöhnlich.

Er traf Felicitas und Snape im verborgenden Klassenzimmer an. Seine Freundin saß, mit dem Rücken zu ihm, an dem vordersten Schülertisch. Snape am Lehrerpult beantwortete ihre Fragen. Sie hatte ihn wohl doch noch nicht dazu gebracht, dass sie ihre Antworten per Legilimentik bei ihm suchen durfte. Irritiert sah der Zaubertränkemeister auf. Harry wurde sichtbar, legte aber den Finger über die Lippen und verschwand aus dem Raum. Er wollte sie nicht weiter stören, da beide sehr konzentriert wirkten.

Er sah sich in seinem Zimmer die roten Mappen des Ministeriums durch. Von Madame Malkins stand nichts darin.

Bis zum Frühstück war es noch eine halbe Stunde hin, was sollte er noch tun? Er zog einen neuen Bogen Pergament hervor. Unter der Überschrift ‚Das Buch der Schüler' begann er zu notieren, was er darüber wusste. Es war nicht viel.

„Phineas Nigellus Black, was weißt du über das ‚Buch der Schüler' von Hogwarts?"

Der alte Zauberer im Porträt zauderte etwas: „Harry, ich denke, du solltest Dumbledore direkt danach fragen. Ich kann dir keinen Einblick gewähren und er hat einige Schutzzauber darüber gelegt. Er hält es gerne geheim, da es nicht nur die Geburten anzeigt. Bitte ihn darum, vielleicht zeigt er es dir."

Felicitas rief nach ihm und Hermine. Im verborgenen Klassenzimmer war neben Snape und Feli auch Ginny. Hermine kam die Treppe herunter, fragend sah sie ihn an: „Weißt du, was jetzt schon wieder los ist?"

Harry schüttelte nur den Kopf und hielt ihr die Türe auf.

Snape wartete, bis alle sich gesetzt hatten. „Miss Weasley hat mir ihre berechtigte Sorge wegen der Familie berichtet. Harry, ich möchte jetzt deine Erinnerungen sehen. Nur ab dem Zeitpunkt, als die zwei Todesser in den Raum gekommen sind."

Er beobachtete die Szene genau. „Miss Weasley, ich konnte Ihren Zauberspruch nicht richtig verstehen. Welcher war es noch mal? Was haben Sie damit bewirken wollen?"

Nachdem sie den Spruch genannt hatte, fügte Ginny erklärend hinzu: „Ich wollte die Episode nicht verändern, nur löschen. Am Besten, sie wissen überhaupt nichts mehr davon. Und nun?"

„Nun", begann Snape zurückhaltend. „Nun, ich bin mit deiner Leistung zufrieden, Ginny! Gleich werde ich die Herrschaften zufällig aufsuchen und das Ergebnis prüfen. Feli, du übernimmst den Unterricht, ich informiere den Direktor. Sollte ich heute Nachmittag noch nicht zurück sein, dann darfst du deine eigene Klasse unterrichten."

Snape lächelte in das erschrockene Gesicht von Felicitas: „Bedanke dich bei Ginny, sie hat mich auf die Idee gebracht. Es ist besser, die Familie zu schonen als dich. Du wirst das schon hinbekommen." Er griff nach seinem Umhang und verschwand aus dem Raum.

Kaum einer nahm es richtig zur Kenntnis, dass Zaubertränke heute von Felicitas unterrichtet wurde. Dumbledore hatte es beim Frühstück angekündigt, aber ein ganz anderes Thema war wichtiger gewesen.

Die Titelseite des Tagespropheten zeigte ein Bild von Harry in seiner Verkleidung als Andrew McKillian. Schon allein mit der Überschrift stellte die Zeitung alles falsch dar:

Ausländer entführten und misshandelten die

beliebte Chefin vom Modehaus Madame Malkins!"

Harry gab die Zeitung resigniert an Ginny weiter.

Die blätterte schnell durch die Zeitung und sah erleichtert auf.

„Du bist genauso betroffen. Sie behalten das Bild der Begleiterin nur zurück, um dich in Sicherheit zu wiegen", flüsterte Hermine Ginny zu.

Felicitas wurde gleich von den ersten Schülern bestürmt, mit denen sie in den Zaubertränkekerker verschwand.

Der Unterricht war sicherlich, so kam es Harry vor, mit einem Zeitverzögerungsfluch belegt worden. McGonagall ahnte vermutlich, dass ihm heute andere Dinge im Kopf herumgingen. Sie ließ ihn die meiste Zeit in Ruhe. Beinahe widerwillig erledigte er seine Aufgaben in Verwandlung. Zur Überraschung der Professorin gelang es ihm, wenn auch nur mittelmäßig. Ginny hingegen war mit Begeisterung dabei. Die Professorin musste sogar schmunzeln, als Ginnys Figur mit den Augen rollte und sich vor ihr verneigte.

Nach dem Mittagessen wollte Harry etwas Ruhe haben und blieb nicht im Gemeinschaftsraum. Auf dem Schreibtisch in seinem Zimmer lag ein dickes Kuvert. Harry betrachtete es vorsichtig. Es trug das Siegel der Koboldbank. Mit einem Krachen tauchte Dobby auf.

„Keine Sorge, Harry! Mister Griphook hat es Dobby persönlich gegeben. Dobby darf es nur dir oder den Damen geben."

Werter Lord Potter,

wie Eure Lordschaft der Tagespresse entnehmen konnte, ist ein neues Synonym erforderlich. Wir haben unseren Teil der Aufgabe bereits erledigt. Die Bank in der nichtmagischen Welt wie auch unsere anderen Partner sind auf einen Namenswechsel vorbereitet.

Wir erwarten die Mitteilung des neuen Namens, welchen wir für Eure Lordschaft verwenden können. Die vereinbarten Geheimcodes werden sich nicht ändern.

Hochachtungsvoll

Fortunekeeper

Geschäftsführer von Gringotts.

„Na Harry, hast du einen Strafzettel für zu schnelles Fliegen bekommen?"

Er hatte gar nicht bemerkt, dass seine Freundin in das Zimmer gekommen war. Er reichte den Brief an sie weiter und entdeckte auf der Rückseite weitere Zeilen. Er nahm der überraschen Felicitas, kaum war sie fertig mit lesen, den Brief wieder aus der Hand.

Werter Lord Potter,

trotz unserer Neutralität erlaube ich mir, Eurer Lordschaft meine persönliche Überzeugung mitzuteilen. Ich, wie auch meine Kollegen in der Geschäftsführung von Gringotts, messen der Zeitungsmeldung keinerlei Wahrheitsgehalt zu. Wir erlauben uns, Eurer Lordschaft zu empfehlen, die Anteile an dem Tagespropheten so stark zu erhöhen, dass ein gewisses Recht an Mitsprache, sowie einen Einblick in die Informationsbeschaffung entsteht. Einen Auftrag Eurer Lordschaft würden wir so diskret wie möglich ausführen. Dazu sollten Eure Lordschaft uns Namen von Vertrauten nennen, welche nicht sofort mit Eurer Lordschaft in Verbindung gebracht werden können.

Fortunekeeper

Felicitas grinste zufrieden: „Was ist? Auf, schreib ihm, er soll das sofort veranlassen! Was willst du mehr? Ein wenig Kontrolle über den Tagespropheten kann nie schaden."

Harry sah sie unschlüssig an: „Warum schlagen die Kobolde mir das vor, sie könnten es doch genauso der anderen Seite vorschlagen. Malfoy und Lestrange haben doch auch Geld."

„Mensch Harry, wach auf!", ermahnte ihn Felicitas. „Sie schlagen es dir vor, weil sie so neutral, wie sie sich auch geben, auf deiner Seite stehen. Ihnen ist auch bekannt, dass du das notwendige Kleingeld hast und sie setzen auf gute Zusammenarbeit mit dir."

„Zusammenarbeit?"

„Nun, Harry, sie werden dir einen guten Chefredakteur vorschlagen, der deine Belange und auch ihre Belange beachtet. Die Kobolde und auch wir können dann zufrieden sein, denn Kobolde dürfen sicherlich keine Anteile an einer magischen Zeitung kaufen. Der Plan mit dem Aufteilen ist perfekt. Stell dir vor es wird bekannt, dass du die Mehrheit hast, sagt jeder: Potters Zeitung. Wenn aber einige Unbekannte die Anteile haben, den Einfluss dir und den Kobolden überlassen fällt es nicht auf.

„Und ist das legal, ich meine, auch moralisch gut?"

„Harry! Es ist hilfreich und tut niemanden weh. Warum hast du noch Bedenken? Eine Hand wäscht die andere – so ist es nun einmal."

Dobby strahlte, als Harry ihn beauftragte, den Brief nur Mister Griphook persönlich zu geben.

Nachdenklich sah er noch einen Augenblick auf die Stelle, an der zuvor Dobby gestanden hatte. Das Schlagen der Turmuhr ließ Felicitas wie elektrisiert aufspringen.

„Harry, du hast noch eine Stunde frei, ich muss zu denen aus der Fünften. Sei aber zu Zaubertränke pünktlich, es würde ein schlechtes Bild abgeben."

Felicitas schnappte sich ihre Tasche und verschwand. Harry räumte widerwillig seine Schultasche um. Die Freundin als Lehrerin, nein, er konnte sich Besseres vorstellen. Vielleicht wäre Snape wieder da. Es war eigentlich das erste Mal, dass er sich ihn im Unterricht wünschte.

Sein Wunsch erfüllte sich. Snape saß bereits an seinem Schreibtisch, als Harry viel zu früh den Raum betrat. Der Professor winkte ihn zu sich: „Es waren zwei der Schutztruppe, einer war Bullstrode, den hat deine kleine Nachtfee ja erledigt. Dem Anderen wurde das Erlebnis so gründlich aus dem Gedächtnis gefegt, dass bei dem niemand mehr etwas finden kann. Die Familie selbst erinnert sich jetzt an einen harmonischen Abend."

Harry lächelte zufrieden.

„Seit Langem habe ich wieder einmal einen Schulanfänger besucht. Normalerweise werden ja nur die Schüler besucht, die noch keinen Kontakt zu unserer Welt hatten."

Harry stellte sich vor, dass Dumbledore statt Hagrid Snape zu ihm gesandt hätte. Vielleicht wäre er dann lieber bei den Dursleys geblieben.

Der Professor sprach sichtlich zufrieden weiter: „Dumbledore war aber über ein paar Absagen sehr enttäuscht, er war richtig ratlos. Ich habe mich bereit erklärt, auch eine Familie zu besuchen. Er war sehr überrascht und vermutete einen Hintergrund. Ich musste ihn einweihen, damit er das Buch öffnete und mir sein Wissen über die Familie gab."

Ein leises Klingeln unterbrach ihn in seinen Gedanken. Überrascht sah er auf dem Schreibtisch von Snape eine Karte wie die der Herumtreiber liegen. Ein kleiner Punkt bewegte sich auf ihre beiden Punkte zu. Snape sah sich die Karte kurz an und wandte sich in dem üblichen, abweisenden Tonfall an ihn: „Mr. Potter, wenn Sie schon soviel Zeit übrig haben, nützen Sie diese. Statt mir auf die Nerven zu gehen, lesen Sie das Kapitel 15 im Schulbuch. Es scheint Ihnen noch recht fremd zu sein."

Harry befolgte die Anweisung und setzte sich grummelnd auf seinen Platz. Kapitel 15 „Vielsafttrank, Anwendung und Wirkung" hatten sie schon hinter sich.

„Sir", begehrte er auf. „Dieses Kapitel haben wir schon gehabt. Meinen Aufsatz haben Sie als gut beurteilt."

„Potter, alle Fußnoten beachtet? Vielleicht hilft Ihnen die Bibliothek? Ich denke, es ist eine Sonderarbeit für Sie." Snape sprach, unbeeindruckt dessen, dass Malfoy und kurz danach Zabini das Klassenzimmer betraten, weiter. „Nehmen Sie ruhig die Hilfe von Miss Neunmalklug in Anspruch. Sie wird Ihnen diese sicherlich aufdrängen."

Draco grinste fies, sparte sich aber unter Snapes strengem Blick jeden Kommentar.

Harry war es weiterhin unklar, warum er sich nochmals mit dem Vielsafttrank beschäftigen sollte. Doch da! Die vorletzte Fußnote, er hatte sie noch nie beachtet: ‚Blutzauber im Zusammenhang mit dem Vielsaftdrank'.

Schnell füllte sich nun das Klassenzimmer, zu schnell für ihn. Er wollte unbedingt mehr darüber erfahren. Musste er alle Schutzzauber ändern, die er mit Haaren gemacht hatte? Ihm war nicht aufgefallen, dass Snape schon eine Aufgabe an die Tafel geschrieben hatte. Nun stand er vor ihm. Er spürte, wie Snape in seine Gedanken eingedrungen war, statt eines giftigen Kommentars nickte er ihm nur zu. „Ich sehe, sie haben das Kapitel verstanden. Wenigstens die Theorie, die Praxis können sie mit Miss McKinnon üben."

Snape sah auf seine Uhr, dann wieder auf Harry: „Sie werden jetzt Professor Baumgarden aufsuchen. Ich weiß zwar nicht was, aber Sie sollen ihr bei etwas behilflich sein."

Harry stand verwundert auf und packte seine Sachen. Felicitas flüsterte kurz mit ihm.

„Miss McKinnon, keine Angst. Er wird in keine Affäre rutschen. Irgendein Bericht für das Ministerium ist noch zu erstellen, nun muss er mal auslöffeln, was er sich eingebrockt hat."

Die Slytherins kicherten amüsiert, so war er nun mal, ihr Hauslehrer. Die Klasse beruhigte sich schnell. Keine viertel Stunde später wurde der Unterricht wieder unterbrochen. Tonks streckte ihren Kopf durch die Türe. Ihre hellviolette Haarfarbe stach gegen das triste Grau der Kerker sehr hervor. Verärgert sah Snape auf, aber seine Kollegin schien das nicht zu stören. Leise flüsterte sie auf ihn ein, wobei ihre Hände mehr zu erzählen schienen als ihre Worte. Man konnte erahnen, dass irgendetwas schief gelaufen war. Der Professor stand unwillig auf, sah sich kurz um: „Miss McKinnon, Sie werden diese Unterrichtsstunde ohne Vorkommnisse zu Ende leiten. Jeder, der seine Probe abgeben hat, kann gehen." Er schaute seine Schülerin streng an, dann folgte er Tonks, welche schon an der Türe wartete.

Professor Baumgarden saß in ihrem Zimmer. Sie liebte ihre Freistunden. Zärtlich strich sie mit ihrem Finger über einen Bilderrahmen. Das Bild hatte einen Ehrenplatz erhalten, schließlich zeigte es ihre geliebten Eltern.

Lange hatte sie mit ihrem Schicksal gehadert. Wurden doch ihre Eltern Ziel des Angriffes, weil sie hier auf Hogwarts unterrichtete. Hatte sie Schuld an deren Tod, oder war es die Schuld des Ministeriums? Walker hatte den Schutz ihrer Wohnung verweigert, vielleicht hatte er sogar noch einen Tipp gegeben. Oder sie hatte nicht deutlich genug gesagt, dass die Wohnung nicht mehr leer stand.

Es klopfte an ihrer Zimmertüre, dies war sehr ungewöhnlich, da noch Unterricht war. Mary-Anne warf sich ihren Umhang über und verschloss ihn sorgfältig. Ihre Klamotten, in denen sie sich wohl fühlte, würden der strengen Minerva überhaupt nicht gefallen.

„Harry! Schön, dass du schon da bist. Professor Snape hat es angedeutet."

Sie legte ihren Umhang ab und setzte sich ganz locker mit angezogenen Knien neben Harry auf die Coach. Harry kam sich etwas komisch vor. Da saß nun die Professorin mit einem weiten T-Shirt und einer ausgebeulten Trainingshose und er? Er sollte ihr doch bei etwas helfen, es sah aber nicht so richtig danach aus. Auf jeden Fall wollte er nicht wie ein Schuljunge herumsitzen. Er stellte seine Schulmappe auf den Boden und legte den Umhang auf einen Sessel. Gemütlich setzte er sich auf die Coach, beobachtete interessiert, wie sie eine Cola trank.

„Keinen Kürbissaft? Nein, wie stillos für Hogwarts."

„Nun, das, was ich mit dir vorhabe, passt auch nicht in das übliche Bild von Hogwarts", konterte sie grinsend. „Es geht um mein Hobby. Vielleicht auch etwas, das dich und deine Freunde interessiert. Ich habe mit Tonks darüber gesprochen, ihr gefiel die Idee."

„Welche Idee? Ich hätte auch eine Idee, was wir miteinander anstellen könnten."

„Auch nicht schlecht, aber da bekommen wir mit Felicitas ganz mächtig Ärger. Tonks hat erzählt, dass du irgendwo einen Fernseher und einen Generator versteckt hast. Diese Sachen könnten wir nach Hogwarts holen. Mit meiner CD Sammlung und dem Gerät dazu könnten wir einen richtigen Tanzkurs veranstalten. Nicht mit der Musik von der lieben Minerva. Die war doch schon veraltet, als sie geboren wurde. Oh, ich meine natürlich die Musik und nicht Minerva."

Harry wurde es plötzlich bewusst, dass die geliebten Ausflüge nach London ohne neues Aussehen auch nicht mehr möglich waren. Sirius hatten sie damals auch bei den Muggeln aufs Fahndungsplakat gesetzt, vielleicht seinen Andrew McKillan auch?

„Einen Fehler hat euer Plan. Hogwarts ist so geschützt und magisch durchsetzt, dass keine elektromagnetischen Geräte funktionieren. Kein Mobiltelefon, kein Walkman einfach nichts, was modern ist."

Enttäuscht sah Mary-Anne ihn an.

„Keine Sorge, ich habe da schon eine Lösung. Wo sind denn deine CDs und der Spieler?" Harry sah sich suchend um.

„In meiner Wohnung", meinte Anne nachdenklich. „Ich war da nicht mehr seit der Beerdigung, meinst du, wir könnten ...?"