Harry konnte nicht sagen, wie lange er auf dem kalten Boden sass, frierend und mit schmerzenden Gliedern, bis sich die Tür des Verliess öffnete und er das erste Mal, Jasons Entführer gegenüberstand.
Peter Bonnet betrat das Verliess und lächelte Harry von oben herab an.
„Mister Potter! Es freut mich sehr, Sie in meinem schönen Heim begrüssen zu dürfen. Wenn Sie so freundlich wären, mir Ihren Zauberstab zu übergeben, dann könnte ich Sie von hier weg bringen und Ihnen etwas mehr, von der berühmten Gastfreundschaft der Bonnets, zuteilwerden lassen."
Bonnet sah mit ausgestreckter Hand zu Harry und wartete darauf, den Zauberstab übergeben zu bekommen.
Harry fand, dass es an der Zeit war, in die Offensive zu gehen, sollte er irgendwie doch noch versuchen, die Oberhand behalten zu können.
Mit gezogenem Zauberstab, zielte er auf Peter Bonnet, während er mit seiner härtesten Stimme fragte: „Wo ist Jason, Peter! Sagen Sie mir auf der Stelle wo Jason ist, wenn Sie nicht wollen, dass ich Ihr Heim in Schutt und Asche lege!"
„Aber, aber, Mister Potter! Wo bleiben denn Ihre so hochgelobten Manieren? Denken Sie wirklich, ich hätte keine Vorsichtsmassnahmen getroffen? So naiv können nicht mal Sie agieren. Natürlich liegt über diesem Raum ein Schutzschild, der es Ihnen verunmöglicht, Ihren Zauberstab zu benutzen..."
Harry, der noch während er Bonnet zuhörte, begonnen hatte, kleine Zauber auszuprobieren, musste mit Schrecken feststellen, dass der Mann vor ihm, nicht gelogen hatte. Nichts passierte. Egal welcher Zauber gesprochen wurde, oder wie stark er sich auf den Schutzschild konzentrierte, er konnte weder einen Zauber wirksam anwenden, noch den Schutzschild deaktivieren.
Frustriert liess er seine Stabhand sinken und sah wütend, aber resigniert, zu Peter Bonnet hinüber, der lächelnd darauf wartete, dass Harry seine Ausweglosigkeit akzeptierte und aufgab.
„Gut, Mister Potter, Sie sind vernünftig. Das ist schon mehr, als ich erhoffen durfte." Er grinste dreckig, während er auf Harrys Zauberstab deutete und meinte: „Werfen Sie ihn zu Boden und kicken Sie ihn mit dem Fuss, in meine Richtung."
Harry blieb nichts anderes übrig, als auf die Befehle seines Gegenübers einzugehen, wenn er eine Chance auf ein Wiedersehen mit Jason haben wollte.
Nachdem alles zu Bonnets Zufriedenheit erledigt war, wurde Harry in einen Raum geführt, der vom Kerker etwa fünf Minuten entfernt lag.
Da Harry die Augen verbunden worden waren, konnte er nicht genau einschätzen, wo er sich befand, aber der Stuhl auf den er gewaltsam hinuntergedrückt wurde, liess Harry vermuten, dass er sich im Esszimmer befand.
Doch Harry musste nicht mehr Raten, da Bonnet anderes mit ihm im Sinn hatte, als ihn im Dunkeln zu lassen.
„Sie dürfen die Augenbinde nun abnehmen Mister Potter."
Und als Harry schnell der Aufforderung nachkommen wollte… zu schnell für Bonnet… „Na, na, Mister Potter! Langsam bitte. Keine abrupten Bewegungen. Wir wollen doch nicht riskieren, dass mir die Zauberstabhand ausrutscht und ich den Cruciatus, jetzt schon anwenden muss."
Langsamer als geplant, nahm Harry die Augenbinde ab und musste seine Augen, für einen Moment, zusammenkneifen. Zu gleissend war das Tageslicht, welches er nach der Dunkelheit im Verliess als unangenehm empfand.
Peter Bonnet liess sich davon nicht stören. Langsam umrundete er den Stuhl auf dem Harry sass und gab diesem den Befehl, die Arme hinter die Rückenlehne zu legen und sie überkreuzt aufeinander liegen zu lassen.
Harry dem keine Möglichkeit einfiel, sich dem Befehl zu widersetzen, kam dem widerstrebend nach und spürte fast sofort, wie ein Seil, sich fest um seine Handgelenke schlang und ihn fesselte.
Zufrieden besah sich Bonnet sein Werk, als er in das wütende, arrogante Gesicht seines Gegenübers sah, der natürlich mit der Situation unzufrieden war.
„So Mister Potter, und jetzt werden sie mir ein paar Fragen beantworten. Wenn ich wütend über die Antwort bin, werden sie es büssen. Wenn sie Lügen erzählen, werden sie ebenfalls meinen Zorn zu spüren bekommen. Wenn sie sich weigern zu antworten, wird Jason sterben."
Hämisch sah Bonnet zu seinem Gefangenen. „Haben sie die Regeln verstanden?"
„Zeigen sie mir erst Jason. Ich möchte wissen, ob es ihm gut geht!"
Ohne Vorwarnung holte Bonnet aus und schlug Harry mit der flachen Hand ins Gesicht.
Harry, der den Schlag nicht kommen sah, schlug mit seinem Kopf an die Rücklehne und spürte, wie ihm das Blut, aus der Nase schoss, in den Mund lief, wo es einen metallisch schmeckenden, ekligen Geschmack hinterliess.
„Sie sind nicht in der Lage, Forderungen zu stellen Potter. Ich allein entscheide, wann und wie sie Jason sehen. Für den Moment, muss ihnen mein Wort reichen, dass Jason in guten Händen ist.
Ich wiederhole nochmals. Haben sie die Regeln verstanden."
Harry sagte kein Wort, nickte aber, dass er verstanden hatte.
„Ich will ein klares, Ja Mister Bonnet oder Nein Mister Bonnet, aus ihrem Mund hören Potter."
Mit Todesverachtung sah Harry zu seinem Peiniger. Er wusste schon längst, wie dieser Tag enden würde. Zu viele Male, war er seinem Onkel so hilflos ausgeliefert gewesen. Es war erschreckend, wie sehr sich die Situationen ähnelten.
„Ja Mister Bonnet, ich habe verstanden."
„Gut so. Es bekommt ihnen nicht, wenn sie sich weiter sträuben." Bonnets Stimme klang fast schon zu aufgesetzt. Zu freundlich, wie die von Umbridge, als sie die Schulstunden im fünften Jahr leitete. Harry fand es erstaunlich, wie sehr sich die beiden Personen, vom Charakter her ähnelten, wenn man bedachte, dass sie Männlein und Weiblein waren.
„Ich möchte sie bitten, mir zu erklären, weshalb sie meinen Meister feige und hinterrücks ermordeten, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen worden zu sein.", eröffnete Bonnet das Gespräch.
Harry sah verdutzt in das Gesicht seines Gegenübers, welcher verklärt dreinblickte. Mit schrecken erkannte Harry, dass Bonnet geistig nicht auf der Höhe war. Er sah in das Gesicht eines Wahnsinnigen.
„Ich verstehe sie nicht Bonnet. Was meinen sie mit feige und hinterrücks. Ich stand Voldemort in einem fairen Duell gegenüber, das ich gottlob für mich entscheiden konnte."
Wütend sah Bonnet zu Harry und schlug mit der Hand auf einen Tisch. Das Geräusch liess Harry zusammenzucken. „Das ist eine Lüge… du lügst Potter und ich habe dir gesagt, was die Strafe für Lügen ist… Crucio…!"
Dies waren die letzten Worte, die Harry für eine lange Zeit war nahm. Die Foltermethoden dieses Mannes, waren denen von Voldemort oder Onkel Vernon nicht unähnlich. Jedenfalls liessen sie Harry abtauchen in eine Welt voller Schmerzen und Leiden.
Wieder und wieder, liess Bonnet den Crucio auf Harrys Körper niederprasseln. Dieser schrie und schrie, aber die Schmerzen liessen nicht nach. Bonnet war ein Meister seines Fachs. Endlich tauchte Harry ein, in die schützende Ohnmacht, die ihm für kurze Zeit, Vergessen bescherte.
So ging es noch eine Weile weiter. Bonnet liess ihn sich immer wieder erholen, damit er die nächste Ladung an Flüchen und der Schlägen, die in immer brutaler werdenden, kürzeren Abständen auf ihn niederprasselten, ertragen konnte.
Niemals liess Bonnet zu, dass er zu lange unter dem Cruciatus lag. Er wusste immer, wann es genug war. Dennoch war es mehr, als Harry ertragen konnte. Er fühlte, wie sein Geist, die Schmerzen nicht mehr in Einklang mit seinem Körper bringen konnte und er sich begann, von ihm abzulösen. Mit anderen Worten: Harry fühlte, wie der Wahnsinn, sich seines Geistes bemächtigte.
Im Wissen, nicht mehr lange zu haben, schrie er aus Leibeskräften und versuchte sich zu wehren. Aber nichts was er tat, erzielte eine Wirkung. Er gab auf. Langsam wich der wache Ausdruck seines Gesichts der Taubheit, die alles Lebendige zerstörte. Stumpfe Augen blickten aus einem reglosen Gesicht, dessen Besitzer nicht mehr auf den Cruciatus oder auf die Schläge reagierte. Er war nur noch eine willenlose Hülle, die gefesselt auf einem Stuhl sass, ohne die Möglichkeit, einer Rettung.
Die Misshandlung durch den Cruciatus nahm Dimensionen an, die nicht einmal ein Voldemort angewendet hatte.
Dies war der Zeitpunkt, als Severus`s Medaillon anschlug.
Es war ein recht ungünstiger Zeitpunkt, für diese Ablenkung, war der Tränkemeister doch gerade mitten im Apparieren.
Nachdem Hermine, mit den Koordinaten der Häuser, ins Manor zurückgekehrt war, bildeten sie zwei Gruppen.
Hermine zusammen mit Ron, Henry, Arthur, Charlie und Jessy, die Gruppe, die zum Sommersitz der Bonnets apparierte.
Und Severus, Gideon, Lucius, Draco und George, bildete die Gruppe, die den Hauptwohnsitz der Bonnets kontrollierte.
Und gerade auf dem Weg dahin befindend, wurde Severus vom Glühen des Amuletts abgelenkt, welches seine Brust erwärmte.
Ungeschickt landete er am angestammten Zielort, von Gideon gestützt, der die Schwäche des Tränkemeisters bemerkte und zu Hilfe geeilt war.
„Was zum Teufel ist los Severus. Du stellst dich doch sonst nicht so ungeschickt an, beim Apparieren."
Severus, den die Wärme und das Pulsieren des Amuletts aus der Ruhe brachte, wusste er doch was dies bedeutete, hievte sich mühsam auf die Beine, um den anderen die schlechte Mitteilung zu machen.
„Schnell, das Medaillon schlägt an. Harry ist in Gefahr. Wir können ihn nun lokalisieren und hoffen, noch nicht zu spät zu sein."
Gerade, als sich alle um den Tränkemeister versammelt hatten, damit sie ihn berühren konnten, wagte Gideon einen Hinweis.
„Ist es nicht riskant, wenn wir alle aufs Geratewohl, zu Harry apparieren? Wir wissen nicht wo, geschweige denn was, uns erwartet. Was, wenn es eine Falle ist, in die wir treten und die Rettung so vereitelt wird?"
„Wir haben keine Wahl Gideon. Harry stirbt. Und er stirbt jetzt, in diesem Augenblick. Wir haben nicht die Zeit, einen Plan auszuarbeiten. Also schwing deinen Arsch hierher, wenn du nicht zurückgelassen werden willst. Der Rest von uns, eilt Harry jetzt zu Hilfe."
Gideon sah ein, dass sein Einwand berechtigt, aber aus Zeitmangel nicht berücksichtigt werden konnte. Er betete, dass sie rechtzeitig bei dem Sturkopf ankommen würden, um ihn zu retten.
Severus konzentrierte sich, kaum dass alle ihn auf die eine oder andere Art berührten, auf das Amulett, das ihn zu Harry teleportieren würde.
Kaum war sein Fokus auf Harry fixiert, spürte er ein Ziehen und sie wurden ins Innere des Hauses gezogen. Als er sicheren Boden unter den Füssen spürte, vernahm er einen markerschütternden Schrei, der von seinem Liebsten zu stammen schien.
Severus eilte, ohne auf die Gefahren zu achten, in Richtung der Schreie. Er wollte so schnell als möglich zu seinem Schatz.
Gideon, der die meiste Erfahrung mit Rettungseinsätzen hatte, verteilte schnell die Aufgaben, nämlich das Lucius den Rückzug sichern, während Draco und George im Obergeschoss, nach Jason suchen sollten, damit er dem Tränkemeister Deckung geben konnte.
Kaum die Befehle erteilt, die ohne Widerspruch entgegengenommen wurden, eilte er Severus hinterher, der schon ein ganzes Stück Vorsprung hatte.
Er sah, wie der Tränkemeister auf eine Tür zulief, die er öffnete und mit entsetztem Gesichtsausdruck stehenblieb.
Dann war Gideon auch schon an seiner Seite und spähte vorsichtig in den Raum, in dem es merklich Still geworden war. Den Zauberstab gezückt, sah er in dem Raum einen Mann, der mit dem Peter Bonnet, den er in Erinnerung hatte, nicht mehr viel gemein hatte. Der Wahnsinn hatte sein Antlitz entstellt, das mit wildem Gesichtsausdruck lachend, auf einen viel zu stillen Harry sah, der gefesselt in einem Stuhl hing, ohne ein Lebenszeichen von sich zu geben.
Still und apathisch sass er da. Gideon blutete das Herz, als er daran dachte, dass es zu spät sein konnte.
Schnell warf er über Bonnet einen Fesselzauber, der sich so auf seinen Gefangenen konzentriert hatte, dass er die Eindringlinge nicht bemerkte und sich so, von diesem einfachen Fesselzauber überwältigen liess. Nicht zum ersten Mal, wie er befremdlich bemerkte, als es schon zu spät war. An Händen und Füssen gefesselt lag er da, mit dem Gesicht nach unten zeigend, auf dem Boden.
Severus, der aus seiner Starre erwacht war, eilte auf seinen viel zu stillen Schatz zu, löste mit einem Schlenker des Zauberstabes die Fesseln, die die Handgelenke seines Liebsten gefesselt hielten und kaum dass er Harry befreit hatte, seine leichte Last, zu Boden legte.
Mit Gideons Hilfe liessen sie Heilzauber um Heilzauber in den Bewusstlosen fliessen, ohne eine Reaktion zu erzielen. Sie sahen, wie sich die äusseren Wunden schlossen, aber von Harry kam kein Zeichen, dass er aus der Bewusstlosigkeit erwachen würde.
„Wir müssen von hier verschwinden Severus! Meinst du, er kann transportiert werden?"
Severus nahm seinen Liebsten auf die Arme, drehte sich beim Hinausgehen zu Gideon um und meinte mit tränenunterdrückter Stimme: „Schlimmer kann es nicht mehr kommen, also denke ich die Antwort ist ja. Wir können mit Harry disapparieren."
Unterdessen waren George als auch Draco von ihrer Suche nach Jason zurückgekehrt, ohne Erfolg.
„Jason ist nicht im Manor. Wir haben alle Räume abgesucht und zum Schluss noch einen Ortungszauber durchgeführt. Er ist nicht hier. Bonnet hat nur Harry in die Falle locken wollen. Jason ist nicht in diesem Haus", war Georges unaufgeforderte Aussage, als die zwei, die Treppen hinunter kamen.
Lucius, der mit gezücktem Zauberstab beim Eingang stand, rief ihnen zu: „Nun kommt endlich. Ich höre Stimmen. Sie werden gleich hier sein. Wenn ihr einen Kampf vermeiden wollt, dann sollten wir schleunigst von hier verschwinden!"
Gideon wandte sich Severus zu. Du bringst Harry in den Krankenflügel von Hogwarts, während ich mit Lucius, Peter Bonnet, ins Ministeriumsgefängnis transportiere. Wir treffen uns so bald als möglich in Hogwarts. Einverstanden?"
Severus nickte und war einen Augenblick später, zusammen mit Harry verschwunden.
George und Draco, die zusammen in den Grimmauldplatz apparieren würden, um Narzissa die Nachricht von Harrys auffinden zu berichten, hielten sich an den Händen, als sie verschwanden.
Die Sorge um Harrys Gesundheit und die Niederlage, Jason nicht gefunden zu haben, liess keine Freude, über den Teilsieg, aufkommen. Sie hatten zwar Peter Bonnet wieder in Gewahrsam, wussten aber nicht, zu welchem Preis.
