Tee bei Lucius & Narcissa - Teil 2

„Also können Sie mir weiterhelfen, wissen Sie wo sich Jeremiah befindet?" wiederholte Harry seine Bitte, dieses Mal eindringlicher als zuvor. „Ja, das können wir."

„Narcissa!" Lucius Stimme war schroff und zugleich ermahnend gewesen. „Es ist genug Lucius. Wir wussten beide, dass dieser Tag eines Tages kommen würde." „Aber, wir werden ihn verlieren Narcissa." Die Frau mit den zweifarbigen langen Haaren drehte sich um und kehrte langsamen Schrittes zu den beiden Männern zurück. „Er hat uns nie wirklich gehört Lucius." Der Mann ließ seinen Blick sinken. „Kann mich mal bitte hier jemand aufklären? Was geht hier vor?" Narcissa sah zu Harry bevor sie nickte. „Ich bin mir sicher, Sie können sich noch gut an ihre eigene Schulzeit erinnern." „Natürlich, wieso fragen Sie?" „Denken Sie mal nach Mister Potter." meinte Lucius mit leiser Stimme. Wie von selbst wanderten seine Gedanken an seine Schulzeit zurück. Da war Draco, mit dem er seit seiner Ankunft in Hogwarts verfeindet gewesen war und dann war da noch sein Bruder Geminius, der zwar um ein Jahr älter war als sein Bruder aber dennoch die gleiche Klasse wie er selbst besuchte.

„Haben Sie sich nie während Ihrer ganzen Schulzeit gefragt warum sich Draco und Geminius überhaupt nicht ähnlich sehen?" fragte Narcissa. Diesem waren schon damals einige Unterschiede zwischen den Brüdern aufgefallen, der eine war blond und blauäugig gewesen während der andere langes schwarzes Haar trug, wenn auch erst ab seinen fünften Schuljahr. Zudem waren seine Augen im Gegensatz zu Dracos stechend schwarz gewesen. Als er dann Narcissa inmitten des Krieges kennengelernt hatte, war er immer der Meinung gewesen dass Gemenius ganz nach seiner Mutter käme. „Ich habe immer gedacht, dass sein schwarzes Haar von Ihnen käme Mrs. Malfoy."

„Ja, wir haben von klein an dafür gesorgt, dass alle Welt diese Meinung vertritt." „Doch es entspricht nicht der Wahrheit, richtig?" Kaum merkbar nickte die Frau vor ihm, während ihr Gesicht traurig war. „Was ist mit ihm passiert?" „Wie meinen Sie?" „Ich habe ihm im Gegensatz zu Draco nach dem Kriegsende nicht mehr gesehen. Offiziell gilt er bis heute als vermisst." „Das soll auch so bleiben." meinte Lucius gereizt. „Warum haben Sie ihm damals die Erinnerung genommen Lucius?" Sichtlich überrascht blickte der Mann, der die ganze Zeit die polierte Tischplatte vor sich gemustert hatte, zu ihm hoch. „Es scheint so, als hätte mein alter Freund Ihnen mehr erzählt als sie zunächst angegeben haben." Harry wollte noch nicht mit der ganzen Wahrheit rausrücken, sondern nickte lediglich. Er musste es schaffen, dass Lucius von selbst darüber erzählte. „Es war der Wunsch des dunklen Lords gewesen." „Wieso?" „Weil er dachte, dass er bei Hermine versagt hatte. Aus irgendeinen Grund, war sie ihm plötzlich entglitten und für ihm nicht mehr auffindbar gewesen. Severus hat ihm erzählt, dass sie sich getötet hat." erklärte Lucius, erhob sich und bewegte sich zu einen Schrank zu. Als er diesen öffnete konnte Harry eine verzierte Glasparaphe erkennen, in deren Inneren sich Feuerwhiskey befand. „Wollen Sie auch ein Glas?" Er schüttelte den Kopf. Zu seiner Überraschung kehrte Lucius mit drei Gläsern zurück und stellte jeweils eines vor ihm, seiner Ehefrau und seinen eigenen Platz ab. Danach befüllte er diese mit dem alkoholhaltigen Getränk bis zur Hälfte, bevor er die Garaphe in der Mitte abstellte und wieder Platz nahm. Abwartend beobachtete Harry wie Lucius sein Glas in einem Zug leerte um sich danach sofort wieder nachzuschenken.

„Um zu verstehen, was mit Geminius während des Krieges beziehungsweise am Ende von diesen geschehen ist, musst man verstehen was ihm in seinem ersten Lebensjahr widerfahren ist." Harry stellte verwundert fest, dass es beinahe die gleichen Worte wie die von Snape waren. „Erzählen Sie mir davon Mister Malfoy." „Lucius, denn das was ich Ihnen mitteilen werde, geht weit in die Geschichte unserer Familie." Nickend glitt sein Blick zu seiner Ehefrau, die nur flüsterte: „Narcissa." „Ich bin Harry." „Ich weiß." murmelte sie. „Ich nehme an, Sie wissen entweder aus der Erinnerung die sie gesehen haben oder aus seiner Erzählung das Hermine Zwillinge erwartete." Er bejahte. „Gut, aufgrund diverser Begebenheiten hatte der dunkle Lord ihr Leben gerettet. Als Gegenleistung hat er ihren ungeborenen Sohn gefordert." „Nur einen Sohn?" warf Harry ein, obwohl er es aus Hermines Erinnerungen besser wusste, tat er unwissend. „Der dunkle Lord hatte nur einen Herzschlag vernommen. Ich weiß bis heute nicht wie die Zwillinge dies geschafft haben, sie hatten sich scheinbar gegenseitig beschützt, bereits im Mutterleib." „Was ist dann passiert. Hat der dunkle Lord ihn bekommen?" Lucius sah flüchtig zu seiner Frau, die ihm zustimmend zunickte.

„Der dunkle Lord hat mich zu der Geburt geschickt, da er durch seine Rettung eine Verbindung aufgebaut hatte." „Das hast du ja sehr niedlich ausgedrückt." sagte Narcissa zornig. „Was meinen Sie damit Narcissa?" „Der dunkle Lord wusste von Anfang an, dass Hermine niemals ihr Kind ihm freiwillig überlassen würde. Er hatte von Anbeginn an geplant gehabt ihren Wall einzureißen und sie damit auf unsere Seite zu ziehen." antwortete Lucius anstatt seiner Frau. „Wusste Snape davon?" In den Erinnerungen hatte es so ausgesehen, als hätte Voldemort ihm es anders erklärt. „Nein, der dunkle Lord hat um seine Gefühle für Hermine gewusst und ihn bezüglich seiner Pläne angelogen." „Er wurde Zeit seines Lebens belogen und betrogen, von beiden Seiten." erkannte Harry mit leiser Stimme. „So scheint es zu sein." „Jedenfalls hatten wir keine andere Möglichkeit als Jeremiah den dunklen Lord zu bringen. Unmittelbar danach tauchte Severus auf und erblickte seinen kleinen Sohn in dem Armen des Lords." „Wie hat er reagiert?" „Er hat sich bemüht seine Gefühle zu verbergen, doch der Lord hat es in seinen Geist gesehen und mich unverzüglich via seiner Gedanken dazu genötigt ihm einen kräftigen Obliviate zu unterziehen. Ich sollte ihm alle Erinnerungen an Hermine nehmen inklusive seiner Gefühle für sie." „Und dem Wissen um seine Kinder." fügte Harry hinzu. „Richtig, dennoch mussten irgendwo in dem Tiefen seines Geistes einige Einzelheiten zurückgeblieben denn Geminius war immer sein Lieblingsschüler gewesen und hat sich ganz besonders um sein Wohl gesorgt." „Und das obwohl wir ihm extra zum Patenonkel von Draco gemacht haben." meinte Lucius um Narcissas Aussage von vorhin zu ergänzen.

„Mein Lehrer hatte mir im Zuge meines Okklumentikunterrichts einmal gesagt, dass selbst beim stärksten Obliviatezauber auch dann vereinzelte Keime an Empfindungen zurückbleiben können wenn man für jemanden Bestimmten tiefe Gefühle hegt." „Der eigene Sohn, noch dazu einen der jemanden entrissen worden ist, zählt bestimmt dazu." sinnierte Narcissa und erhielt ein zustimmendes Nicken ihres Mannes. „Was geschah danach?" „Der dunkle Lord sorgte dafür dass sich Severus und der Kleine während seiner Lebzeiten nicht mehr wiedersahen. Er hat den Kleinen tagtäglich mit einer sogenannten Dosis schwarzer Magie behandelt, seinen Geist damit erfüllt." „Warum hat er das getan?" „Er wollte in seinen Innersten die Dunkelheit festigen, ihm damit jede Möglichkeit nehmen sich später einmal gegen sein Schicksal zu stellen." Verwirrt kräuselte Harry die Stirn. „Hat er sein erstes Jahr zur Gänze bei Voldemort verbracht?" Lucius schüttelte den Kopf. „Er hat ihm immer nur dann sehen wollen wenn er sein Werk weitergebracht hat." „Und in der Zwischenzeit beziehungsweise die meisten Zeit?" „Wir haben ihm aufgenommen, denn Narcissa war neben Andromeda Hermines beste Freundin gewesen. Zudem waren Severus und ich trotz aller Differenzen über all den Jahre Freunde gewesen." „Also ist Geminius wirklich…" begann Harry, getraute es sich jedoch nicht laut auszusprechen. „Jeremiah? Er ist der ältere Zwilling, ja." sprach Narcissa seine Gedanken nun offen aus.

„Aber wo ist er dann jetzt?" Narcissa fuhr sich nervös über ihren Unterarm während Lucius sich einen weiteren Schluck seines Feuerwhiskeys gönnte. „Wir waren doch alle verwundert, warum Voldemort zwar damals an jenen Abend in Godrics Hollow verschwunden war aber nicht tot." Harry bejahte. „Erzähl ihm was dir an jenen Abend aufgefallen ist." bat Lucius seine Frau. „Narcissa?" Diese leerte nun den Feuerwhiskey in einen Zug hinunter, wie schon ihr Ehemann zuvor. „Ich bin gerade mit ihm auf dem Schaukelstuhl gesessen und habe ihm in den Schlaf gewogen. Plötzlich verdunkelte sich das Kinderzimmer und eine dunkle Macht, in Form eines dichten schwarzen Rauchs drang in seinen Körper ein. Danach öffnete er kurz seine Augen, die komplett schwarz waren bevor sie wieder zufielen und er ruhig weiterschlief. „War eine Veränderung an ihm zu bemerken?" Narcissa schüttelte den Kopf. „Nein, er wuchs zu einen ruhigen verantwortungsbewussten jungen Mann heran. Er war bei weitem hilfsbereiter als es Draco je gewesen war. Im Gegensatz zu unseren leiblichen Sohn hatte er nie viel übrig für die dunklen Lehren sondern war an der hellen Seite der Magie gleichermaßen interessiert. Das einzige was merkwürdig war, ist seine Verschlossenheit gewesen. Er war von Klein an ein Einzelgänger gewesen, hatte sich nie viel aus Freundschaften gemacht auch wenn er sich immer mit den anderen normal unterhalten hatte." „Nun ja, das kann auch in den Genen liegen." murmelte Harry und erntete ein Grinsen seitens Narcissa.

„Das änderte sich dann als der dunkle Lord zurückkehrte." meinte Lucius. „Was geschah dann?" „Er war plötzlich extrem von den dunklen Künsten fasziniert und hat sich im Sommer nach der Rückkehr des dunklen Lords tagelang in seinem Zimmer eingeschlossen." „Was ist in dem Zimmer passiert?" „Wir wussten es lange selbst nicht, bis er eines Tages von selbst herausgekommen ist und wieder ganz der Alte war." „Haben Sie ihn gefragt?" Narcissa nickte. „Er hat immer gesagt, dass er keinerlei Erinnerungen an die Zeit, es waren genau vier Tage gewesen, hätte. Doch das haben weder Lucius noch ich ihm jemals geglaubt." Harry bedeutete mit einer Handbewegung fortzufahren. „Wir haben fest damit gerechnet dass der dunkle Lord nach seiner Anwesenheit verlangen würde. Doch merkwürdigerweise geschah nichts dergleichen." „Wieso?"

„Das sollten wir kurz vor der großen Schlacht erfahren, es war damals gewesen als Sie, Hermine und der junge Weasley von den Greifern im Wald gefangen genommen wurden. Bellatrix hatte sich sofort auf Ihre Freundin eingeschossen, da sie der Hermine aus unserer Schulzeit zum Verwechseln ähnlich sah. Wir wollten es verhindern, aber sie mutmaßte sofort dass sie eine Zeitreisende wäre und hat dem dunklen Lord von ihrer Vermutung erzählt. Ich weiß nicht wie er es angestellt hat aber plötzlich stand Geminius vor ihr." „Wie bitte?" „Ja, er stand plötzlich im Raum und hat in ihren Geist hineingesehen und auf die schlimmste Weise gefoltert. Dieser junge Mann der damals dort vor ihr gestanden war hatte nichts mehr gemein mit unseren Jungen dem ich knapp siebzehn Jahre erzogen hatte. Selbst Draco war von ihm erschrocken gewesen, von seiner Skrupellosigkeit mit denen er Hermine in ihren Geist gefoltert hat, ihre Schreie damals haben nicht von Bellatrix gestammt, es waren der Folter von Geminius zu verdanken." „Was hat er genau mit ihr getan?" „Das wissen wir bis heute nicht, aber Severus musste sie danach mit seinen Okklumentikkünsten ihren Geist wieder herstellen."

Unbewusst glitten Harrys Augen zu dem vollen Glas Feuerwhiskey vor sich, sollte er schon davon trinken denn in ihm wuchs der Wunsch mit jeden Moment stetig an.
„Wir wissen zwar nicht wie es geschah, aber von einen Moment auf den anderen war er dann wieder er selbst und wusste nicht wo er war. Sein verwirrter und gleichzeitig verletzter Gesichtsausdruck als er Hermine in den Armen von Severus erblickte waren schrecklich gewesen. Ich musste ihm nachher stundenlang in meinen Armen wiegen." erzählte Narcissa betroffen. „Er wusste nichts von seinen Taten Hermine gegenüber?" Sie schüttelte den Kopf. „Hat Voldemort bei ihm eventuell einen Imperio angewandt?" „Das haben wir auch zuerst geglaubt, wurden aber dann eines besseren belehrt." sagte Lucius und nahm einen weiteren Schluck seines Feuerwhiskeys. „Wir haben beide zusammen in der Bibliothek gesehen, wie der dunkle Lord den Kopf unseres Jungen zwischen seinen Händen hielt und dunkle Beschwörungsformeln sang. Danach zog er sich immer mehr zurück, zwei Tage lang war er erneut in seinem Zimmer verschwunden. Wir sind ohne ihm nach Hogwarts gegangen. Im Vorfeld hatte er immer gesagt, dass er sich an keinen Kampf beteiligen möchte da er keine Menschen abschlachten will." „Was im krassen Gegensatz zu seiner anderen Seite steht." meinte Lucius. „Aber ich habe ihn in Hogwarts gesehen, wie er mit Draco im Raum der Wünsche war, damals als Grabbe umgekommen ist, wo wir die Beiden aus dem Feuer gerettet haben." „Ja, er wollte Draco helfen und davon abhalten eine Dummheit zu begehen." „Danach habe ich ihm nicht mehr gesehen, damals in der Menge, glaube ich, wurde nur Draco von Voldemort auf seine Seite beordert." „Das ist richtig, wir selbst haben ihn nie bei der Schlacht persönlich gesehen. Draco hat uns später genau die gleiche Szenerie geschildert wie Sie eben gerade Harry." „Was ist mit ihm geschehen?"

„Als wir nach der Schlacht nach Malfoy Manor zurückgekehrt sind, haben wir ihm bewusstlos am Boden des Eingangsbereichs aufgefunden." „Hat er Ihnen erklärt, warum er zurückgekehrt ist?" Harry entging der Blickwechsel zwischen den Beiden nicht, sodass er stirnrunzelnd sich räusperte. „Nun?" „Er ist nicht mehr aufgewacht Harry." flüsterte Narcissa. „Wie bitte?" „Er ist seit jenen Tag nie wieder aufgewacht." Sichtlich verwirrt blickte Harry erneut von einem zu anderem. „Was soll das bedeuten?" „Das Geminius seit knapp achtzehn Jahren in seinem Zimmer liegt und schläft." „Ernsthaft?" Lucius trank sein Glas leer bevor er sich erhob. Harry tat es ihm wie Narcissa gleich und blickte stehend auf sein volles Glas. „Sie sollten es leeren, bevor sie dieses Zimmer verlassen."

Stirnrunzelnd sah er zu Narcissa. „Tun Sie was mein Mann sagt, Sie werden ihn gleich nötig haben!" Er wusste zwar nicht warum er auf diesen Ratschlag hörte aber er langte nach dem Glas und leerte es in einem Zug. „Folgen Sie mir bitte." sprach Narcissa in seine Richtung bevor sie schnellen Schrittes den Salon verließ. Rasch folgte er der Dame des Hauses hinaus und blieb wenige Zimmer weiter vor einer Tür stehen. „Das was Sie gleich sehen werden, ist seit achtzehn Jahren nicht verändert worden, es wurde kein einziger Zauber angewandt." Harry nickte, trotz seiner Skepsis ihrer Worte. Leise öffnete Narcissa die Tür und trat ein. Fragend wanderte sein Blick zu Lucius, der ihm sagte: „Nach Ihnen Harry." Nickend folgte er sogleich der Frau vor sich in den Raum und blieb in jenen Moment stehen als er die schlafende Gestalt auf dem großen Bett erblickte. Nur im Unterbewusstsein hörte er wie Lucius hinter ihr die Tür schloss und neben ihm trat während er fassungslos auf die Kulisse vor sich blickte. Der Körper von Geminius lag mit geschlossenen Augen in seinem Bett. „Wie ist das möglich?" flüsterte er ehrfürchtig. „Wir haben keine Ahnung." Harry stellte mit Entsetzen fest, dass der Mann vor ihm genauso aussah wie zu der gemeinsamen Schulzeit. „Er ist nicht gealtert." „Nicht einen einzigen Tag!" bestätigte Lucius neben ihm.