Kapitel 38
Verdammt, verdammt, doppelt verdammt! Hermine hatte kein Geschenk für ihn! Warum sollte sie? Auch wenn sie vorhin eine große Sache aus ihrem zweiwöchigen Jubiläum gemacht hatte, hatte sie nicht wirklich gedacht, dass das so wichtig war und während er vorhin so getan hatte, als wäre es keine große Sache, hatte er heimlich all das geplant.
Er war so süß, nett und rücksichtsvoll. Wer hätte das gedacht? Das waren keine Worte, die man normalerweise mit Draco Malfoy in Verbindung brachte. Gemein, grob und verwöhnt, ja, aber nicht süß, nett und rücksichtsvoll.
Was sollte sie tun? Sie ging ins Badezimmer und lief dort auf und ab. Sie musste auf die Toilette und sie dachte, dass sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen konnte, pinkeln und sich schnell ein Geschenk ausdenken. Vielleicht könnte das Pinkeln ja das Geschenk sein. Sie lachte über ihren kleinen Witz. Warum niemand glaubte, dass sie lustig sein konnte, würde sie nie verstehen. Sie hatte ein Geschenk, das sie ihm geben konnte, aber sie wollte das aufheben und sie wollte es ganz besonders nicht mit den Weasleys teilen, egal, wie sehr sie sie liebte.
Draco war es leid auf dem Bett zu sitzen und auf ein Geschenk zu warten, von dem er wusste, dass sie es nicht hatte. Er ging in den Flur hinauf und glaubte, jemanden im Bad zu hören. Er klopfte schnell an die Tür und fragte: „Granger? Bist du da drin?"
„Ja, Malfoy, die Natur hat gerufen und ich war gezwungen, ihr zu antworten", sagte sie durch die Tür. Sie öffnete die Tür, als sie fertig war.
„Hast du dir die Hände gewaschen?", fragte er.
„Natürlich habe ich das", sagte sie beleidigt.
„Ich habe nicht das Wasser laufen hören", klagte er sie an.
„Draco Malfoy, du fragst das nur, weil ich dich genau dasselbe an dem Wochenende während Rons Hochzeitsfeier gefragt habe. Ich bin Heilerin. Ich verstehe die Wichtigkeit, sich nach der Toilette die Hände zu waschen!"
Er nahm ihre Hände und sagte: „Sie sind nicht nass."
„Ich habe sie abgetrocknet", sagte sie.
„Deine Bandage ist nicht nass", schnarrte er, immer noch ihre Hände haltend.
Sie entzog ihm ihre Hände und sagte: „Um Gottes Willen! Ich habe mir meine verdammten Hände gewaschen!"
„Knopf, Granger. Pass auf, was du sagst", sagte er mit einem Lächeln. „Ich habe das Wasser laufen hören, deshalb wusste ich, dass du da drin bist", gab er schließlich zu. „Nun da du dich um deine Körperfunktionen gekümmert hast, wo ist das perfektperfekte Geschenk?"
Da gab es noch immer die eine Sache. Sollte sie es ihm sagen? Sie würde es ihm nicht sagen, bis sie zu Hause waren. Sie biss sich auf ihre Unterlippe, etwas, was sie immer tat, wenn sie nervös war. Er verengte die Augen, neigte seinen Kopf zu Seite und fragte: „Was ist los? Du willst mir etwas sagen, oder?"
„Also, nicht wirklich", log sie. „Okay, siehst du, die Sache ist die", begann sie, stoppte aber. Nein, sie würde es ihm jetzt nicht sagen. Stattdessen entschied sie sich, ehrlich im Bezug auf etwas anderes zu sein. Sie sagte: „Fein, ich habe kein perfektes Geschenk für dich! Ich habe gar kein Geschenk für dich! Du warst so wundervoll und ich bin so erbärmlich und du bist ein besserer Ehepartner als ich! Verdammt, ich wollte dir etwas Erstaunliches geben. Das wollte ich wirklich!" Sie wich zur Wand zurück und rutschte zu Boden.
Er setzte sich neben sie und sagte: „Ich habe bereits das beste Geschenk der Welt." Er hob ihre Hand zu seinem Mund und küsste sie.
„Siehst du, du bist so süß und du bist auch das großartigste Geschenk!", sagte sie einfach.
„Oh, wir haben ein Kommunikationsproblem", erwiderte er. „Ich habe nicht von dir gesprochen, obwohl du auch nett bist. Ich meinte diese neue Uhr." Er hielt ihr sein Handgelenk hin. „Meine Mum hat sie mir gegeben, bevor wir gegangen sind, weil sie bemerkt hatte, dass ich keine um habe. Ich habe ihr erzählt, dass sie in dem kleinen Kästchen als Teil deines Geschenkes war und deshalb hat sie mir die hier gegeben, die von einem Muggel-Uhrenmacher gemacht wurde. Einem Rolex, glaube ich."
„WAS?", fragte sie. Sie schaute auf sein Handgelenk. „Das ist nett", sagte sie schließlich. „Ich könnte es mir nie leisten, dir eine Rolex zu geben."
„Das ist schon gut. Du hast mir so viel mehr gegeben", sagte er. „Ich muss dich außerdem daran erinnern, dass du, seit wir verheiratet sind, genauso reich bist, wie ich. Du bist jetzt die viertreichste Person in der Zaubererwelt, wobei du den Titel natürlich mit nur teilst."
„Ich möchte dein Geld nicht", sagte sie. „Ich habe Geld."
„Nicht sehr viel", sagte er.
„Draco, ich bin wirklich wohlhabend aufgewachsen. Meine Eltern haben sehr gutes Geld gemacht und mit dem Job, den ich jetzt habe, habe ich auch gutes Geld gemacht", sagte sie.
Er beugte sich zu ihr und sagte: „Flüstere mir ins Ohr, wie viel Geld du im Jahr machst."
Sie beugte sich hinüber und flüsterte etwas in sein Ohr.
Er lachte offen und sagte: „Ich gebe im Jahr mehr für neue Klamotten aus!"
„Nun, es tut mir leid, dass ich nicht so viel habe wie du, aber ich bin nicht arm, nicht auf lange Sicht, und ich möchte dein Geld wirklich nicht. Und darf ich dich daran erinnern, dass ich als Heilerin mehr Geld verdiene, als du als Auror? Ich würde es außerdem hassen, wenn die Leute denken, ich hätte dich wegen des Geldes geheiratet", sagte sie, „wenn ich dich in Wahrheit wegen deines Aussehens geheiratet habe."
„Also das war lustig!", sagte er und schlug sie auf den Arm. „Aber ernsthaft, wie ich gesagt habe, du gibst mir mehr als reiche und noble Dinge."
„Wie was?", fragte sie. Sie konnte an wirklich nichts anderes denken, als dass sie ihm den kleinen, weißen Stein geschenkt hatte, den er offensichtlich nicht mehr wollte, da er ihn ihr zurückgegeben hatte.
„Du bist so albern. Du hast mir dich gegeben und das ist das beste Geschenk überhaupt. Ich wage es zu sagen, dass das besser ist, als die Uhr", sagte er lächelnd. „Nicht so gut, wie der kleine weiße Stein, den ich mir wieder gemopst und in meine Tasche gesteckt habe, aber nicht so schlecht. Ich spreche übrigens über dich, falls du das beim ersten Mal nicht verstanden hast, als ich es gesagt habe", sagte er unbeholfen.
Zumindest mochte er den Stein wirklich.
„Meine Güte, Malfoy, du bist auch ein wundervolles Geschenk und du wirst mir immer passen und ich werde dich nie zurückgeben", sagte sie und kuschelte sich an ihn. Er legte einen Arm um sie.
„Wenn ich alt und ausgeblichen bin, wirst du mich dann den Armen geben?", fragte er.
„Niemals. Die Dinge werden besser, wenn sie alt, ausgeblichen und bequem sind. Wie ist es mit mir? Wenn ich anfange alt auszusehen, und du ein jüngeres, neueres Modell siehst, würdest du in Versuchung kommen, mich umzutauschen?", fragte sie.
Er dachte für einen Moment nach (einen Moment zu lange, ihrer Meinung nach) und sagte dann: „Nein, du hast mich am Hals und ich habe dich am Hals. Im Guten wie im Schlechten."
„In Reichtum und in Armut", fügte sie zu.
„In guten Zeiten und in schlechten", fuhr er fort.
„In Krankheit und Gesundheit", sagte sie.
Er sagte die letzte Zeile nicht und so sagte sie: „Du musst jetzt eigentlich sagen: bis dass der Tod uns scheidet."
„Oh, der Tod wird uns nicht scheiden. Du hast mich am Hals, sogar nachdem wir gestorben sind. Wenn ich zuerst sterbe, werde ich dich heimsuchen bis du stirbst und dann werden wir für immer zusammen sein. Wenn du zuerst stirbst, kannst du mich heimsuchen", sagte er. Nachdem er das gesagt hatte, bereute er es. Er wurde still. Er wollte solche Sachen nicht denken, besonders, da sie krank war. Um das Thema zu wechseln sagte er: „Diese Schwüre passen zu uns, weiß du? Der beste Teil ist, dich als meine Frau zu bekommen und der schlechteste Teil ist, dass du Lucius als Schwiegervater bekommen hast."
Sie erschauderte.
Er lachte.
Er fuhr fort, indem er sagte: „Der Reichtum und Armut-Teil ist offensichtlich. Ich bin reicher und du bist ärmer."
„Genau, Malfoy", sagte sie seufzend. „Ich werde das sagen, bis du es mir glaubst, aber ich bin nicht wirklich arm, weißt du?"
„Arme Menschen denken nie, dass sie arm sind", scherzte er.
„Da möchte ich widersprechen", sagte sie. „Ein armer Mensch weiß wahrscheinlich immer, dass er arm ist! Besonders, wenn reiche Leute wie du, ihn immer wieder daran erinnern."
„Ich habe nur DICH daran erinnert, dass du arm bist", sagte er. „Das zu jemand anderem zu sagen wäre schlechtes Benehmen."
Sie schüttelte ihren Kopf und stand auf. Er ging auf seine Knie und umarmte ihre Taille. „Du bist wirklich das perfekperfekte Geschenk." Er küsste ihren Bauch und stand dann auf.
Verdammt, sie sollte es ihm erzählen. Sollte sie es ihm nicht erzählen? Er war so unglaublich und wenn er sagte, dass sie perfektperfekt war, würde er dann die Neuigkeiten nicht als am perfektesten ansehen? Was dachte sie da! Das war noch nicht mal ein Wort!
Hermine starrte ihn lange an, so lange, dass er fragte: „Hab ich was im Gesicht?"
„Ich möchte dir ein Geschenk geben, das am perfektesten ist. Das möchte ich wirklich", sagte sie.
„Verdammt, Hermine, ich hätte dir nie das Kästchen gegeben, wenn ich gewusst hätte, dass du es übertreffen willst. Ich werde dir im Laufe unsere Ehe wahrscheinlich noch viel mehr schenken und du mir. Ich werde keine Bezahlung irgendwelcher Art erwarten und ich weiß, dass du das auch nicht wirst. Es ist gut. Ich liebe dich", sagte er. Er machte sich nichts aus Geschenken.
Er nahm ihre Hand und wollte mit ihr die Treppen hinunter gehen. Sie blieb angewurzelt stehen. Sie sagte: „Also, da ist eine Sache…"
