Chapter 37: „Asche zu Asche …"
Shinji und Rei saßen vor dem einfach verpackten Gegenstand, den Aizen ihnen gegeben hatte.
Nachdem er Misatos Wohnung verlassen hatte, wusste er keinen anderen Ort an den er hätte gehen können als Reis Zuhause, diese hatte ihn mit Verständnis aufgenommen.
Langsam fuhren Shinjis Hände zu dem Päckchen, bemüht die Bilder der vorangegangenen Geschehnisse zu unterdrücken.
Aizen war noch im Hospital, nach seinem Abtransport hatte ihm Ritsuko versprochen sich selbst um ihn zu kümmern und sich zu melden, sobald es etwas Neues gab.
Behutsam entfernte er das braune Papier.
Darunter verbarg sich ein kleiner Glaszylinder, in dessen Innerem auf einem ebenfalls gläsernen Gestell ein längliche metalerne Platte lag, deren ursprüngliche weiße Färbung von verschmorten schwarzen und blauen Flecken überzogen wurde, auch sonst schien es einst großer Hitze ausgesetzt worden zu sein. Um eine Runde Verdickung in der Mitte waren zwei Scharniere angebracht, die Vorsetze die daran angebracht waren standen schräg ab.
Shinji wusste erst nicht was das darstellen sollte, ihm ging zu viel anderes durch den Kopf:
„Rei, … was ist das?" –
„Es war offensichtlich der Öffnungsmechanismus für die Not-Luke eines Entry Plugs. Den Spuren die sich darauf abzeichnen legen die Vermutung nahe, das es sich um den Verschluss handelt, denn du beim Angriff des 5ten Engels benutzt hast, um dich meines Zustands zu vergewissern." –
„Das, ist schon ein halbes Jahr her?"
Rei nickte zustimmend.
Shinji senkte den Kopf umkrallte den Not-hebel und schluchzte.
Es war in diesem Moment, als Shinjis Handy läutete, in der Hoffnung es könnte Dr. Akagi sein nahm er augenblicklich ab:
„Ja!" –
„Ritsuko hier." –
„Wie geht es ihm." –
„Shinji, es … es tut mir leid, aber …" –
„NEIN!" –
„Shinji, bitte, wir … konnten nichts mehr machen, er …",
man konnte in ihrer Stimme hören, dass sie selbst den Tränen nahe war, aber Shinji war selbst am Ende seiner Kräfte, Tropfen liefen seinen Wangen hinunter und völlig aufgelöst schrie er in den Hörer:
„NEIN, sag, dass das nicht stimmt!" –
„Doch … Aizen ist tot." –
„NEIN!"
Mit einem Hieb fegte er das gläserne Geschenk vom Tisch, es zerbrach in tausende winzige Scherben, die sich im Raum verteilten.
Ritsuko hörte wie Shinji am anderen Ende der Leitung markerschütternd weinte, was sie nicht wissen konnte war, dass Rei ihn inzwischen fest an sich drückte um ihm Trost zu spenden, sie selbst konnte nicht weinen, sie wollte Shinji zwar ihre Mitgefühl zeigen, doch konnte sie einfach nicht weinen.
Sanft fuhr sie ihm durch das Haar.
Ritsuko hörte noch eine Weile der Trauer zu, dann riss sie sich noch einmal zusammen:
„... Es … Es … tut mir wirklich alles schrecklich … Leid.",
wobei sie sie sich eigentlich sowohl auf den Tod Aizens bezog, als auch auf die Tatsache, das sie Misato dazu getrieben hatte.
Shinji hörte es nicht mehr.
Spät in der Nacht fiel er in einen dunklen, dumpfen Schlaf in Ayanamis Schoß.
Salutschüsse durchbrachen die Stille des Friedhofs.
Shinji stand neben Ayanami auf der einen Seite des schlichten Sargs, auf der anderen Stand die Brückencrew, wobei Maya eng bei Ritsuko stand, welche ihren Arm um sie gelegt hatte, neben ihr stand Misato. Auch viele der anderen NERV-Mitarbeiter waren gekommen.
Sie alle trugen Schwarz.
Am Kopf des Sarges waren Blumenkränze Aufgebart, dahinter war ein Stehpult aufgebaut, auf dessen Vorderseite das Logo der Organisation prangte und in seinem blutrot stand das Moto in einer geschwungenen Linie da.
Es wirkte grotesk und sarkastisch:
„God in his heaven, all's right with the world."
Und als ob er den Anlass dieser Zusammenkunft verhöhnen wollte, strahlte der Himmel in einem kräftigen Blau, keine Wolke zeigte sich.
Die Sonne schloss sich diesem Hon an.
Hinter dem Pult hielt Fuyutsuki eine Gedenkrede.
Shinji hörte nicht zu, er konnte seinen Blick nicht von der Holzkiste vor ihm nehmen. Der Deckel war geöffnet und in blauem Samt gebettet lag Aizen in seiner Galauniform die Hände vor der Brust gefaltet.
Es war ein Anblick von höchstem Frieden.
Er konnte sich nicht klar machen, dass dort sein Freund lag.
Sein Blick streifte für einen kurzen Augenblick Misato, die, als sie merkte, dass er sie ansah, schuldbewusst den Kopf zur Seite wegdrehte und sich auf die Unterlippe biss.
Sie hatte Shinji nicht unter die Augen treten können, seit dem sie wusste, dass er Tot war. Sie hatte es wahrlich versucht mit Shinji wenigstens zu reden, doch sie schaffte es nicht auch nur die ganze Handynummer in das Telefon einzugeben.
Der Sarg wurde in das Grab gelassen.
Salutschüsse.
Langsam trat Shinji zu dem Grab vor, Rei an seiner Seite, aus seiner Jackentasche zog er den Hebel des Entry Plugs den Aizen dem Paar übergeben hatte, eingewickelt in schwarzen Stoff, vorsichtig legte er ihn auf den Sarg:
„Ein Abschiedsgeschenk von uns beiden an dich.",
seine Stimme hob sich kaum zu einem Flüstern, einen Moment lang starte er noch auf den Sarg, Aizen ins verbundene Gesicht zu sehen schafte er nicht.
Rei führte ihn auf sein Bitten hin wieder weg.
Hinter ihm wurde der Deckel des Sarges sanft geschlossen.
Misato wollte die Chance nutzen um mit ihm zu reden:
„Shinji, ich …"
Shinji ging ohne auch nur aufzuschauen an ihr vorbei.
Misato lies den Kopf hängen, wie hatte sie auch nur einen Gedanken daran verschwenden können er würde mit ihr über all das reden.
Es würde nie wieder so sein wie früher.
Etwas abseits, stand Kaworu.
Die Lilim scheinen nichts zu lernen, sie hintergehen sich, sie betrügen sich und sie nützen einander aus um sich Vorteile, oder Wohlempfinden zu sichern.
Eine derartige Existenz muss erneuert werden, … oder vernichtet.
Es wird Zeit,… ich habe genug gesehen.
Misato war zurück im HQ.
Sie stand vor Aizens Spint, sie hatte es sich selbst zur Aufgabe gemacht ihn auszuräumen.
Sie zog gerade eine seiner Uniformen heraus als ihr darunter etwas auffiel.
Es war ein kleines dunkelblaues Kästchen, oben auf lag ein Brief, welcher mit einer gewöhnlichen Schnur mit dem Kästchen zusammengebunden worden war.
Sie zog den Umschlag heraus.
Mit Aizens geschwungener Handschrift stand darauf:
„Sollte mir etwas zu stoßen bitte ich den Finder diesen Brief und beiliegendes Kästchen an Shinji Ikari weiter zu geben."
Vorsichtig steckte sie das Bündel ein, fest entschlossen diesen letzten Wink Aizens zur Versöhnung anzunehmen.
Der schrille Alarm unterbrach ihre traurige Aufgabe.
