Glossar


Ein Wort vorweg

Die Erläuterungen sind hochinteressanten Internetseiten zu diesem Thema entnommen und nur soweit umgeschrieben, soweit es meines Erachtens notwendig war, um einem interessierten Leser meiner Geschichte nicht zu theoretisch und nicht geschichtsnah zu erscheinen. Ich habe dies getan, um nicht das Interesse an diesem Thema zu mindern. Für Interessierte, die sich näher mit dem Thema der "Gewalt gegen..." (ich spare bewußt "Männer" hier aus, weil die Seiten alle "Gewalt gegen" behandeln) beschäftigen wollen, ist ein Quellennachweis und eine Literaturliste am Ende des Glossars zu finden. Auf den genannten Internetseiten sind aber auch weitergehende Links zu finden.

Es ist ein hochbrisantes, interessantes aber auch schockierendes Thema und man sollte seine Augen nicht davor verschließen, denn es passiert öfters als man wahrhaben will und in vielfältigen Formen.

u-chebin estel anim


Zu Kapitel 5

Begriffsdefiniton von Trauma

Ein psychisches Trauma ist ein lebensbedrohliches Ereignis, das extreme psychische Belastungen erzeugt und zu einer Reizüberflutung führt.


Was ist eine psychische Traumatisierung?

Psychische Traumatisierungen können durch das Erleben eines oder mehrerer traumatischer Ereignisse auftreten, wie z.B. das Erleben eines schweren Unfalles, von körperlicher Gewalt, sexuellen Übergriffen (auch in der Kindheit) und gewalttätigen Angriffen. Dazu gehören Überfälle, Entführung, Geiselnahme, Folter, Kriegsgefangenschaft usw., die an der eigenen Person oder auch als Zeuge bei fremden Personen erlebt werden.

Traumatisierungen können aber auch erfolgen durch Verlusterfahrungen, z.B. den plötzlichen Tod eines Angehörigen, oder durch die Diagnose einer lebensbedrohlichen Erkrankung.

Im Sinne der psychischen Traumatisierung umfassen die Reaktionen der Betroffenen auf diese Erlebnisse intensive Hilflosigkeit, Furcht oder Entsetzen.


Wie zeigt sich eine psychische Traumatisierung?

Psychische Traumatisierungen äußern sich in Form von sog. akuten Belastungsreaktionen oder posttraumatischen Belastungsstörungen. Dabei treten ausgeprägte Gefühle von Verzweiflung, Hilflosigkeit und Ohnmacht, Angst vor Kontrollverlust sowie Übererregungssymptome wie Schlafstörungen mit Alpträumen, Schreckhaftigkeit und vermehrter Reizbarkeit auf. Es drängen sich belastende Gedanken und Erinnerungen an das Trauma auf (Intrusionen). Es kann auch eine Persönlichkeitsveränderung daraus resultieren. Viele Betroffene ziehen sich nach einer psychischen Traumatisierung sozial stark zurück und verlieren ihr Interesse an der Umwelt.


Zu Kapitel 6

Karte zu Legolas Weg

siehe http://s14. und hier im Ordner Alptraume 1


Kapitel 7

Foltermethoden des Mittelalters

Verätzen

Bei dieser Tortur wurde nicht der ganze Körper verbrannt. Das Opfer wurde mit brennendem Schwefel, den man auf die Haut tropfen ließ, gequält. In manchen Gegenden wurden einfache Pechfackeln, die man anzündete, benutzt, indem man diese einfach an die Haut des Opfers hielt.

Die Winde, das Aufziehen oder auch das Pendel

Dem wehrlosen Delequenten wurden die Handrücken hinter dem eigenen Rücken zusammenschnürt.

Mit einem Seil, an dem ein Haken befestigt war, wurde der Gequälte nach und nach höher gezogen.

Die Art der Fesselung verhinderte das schnelle Brechen der Arme, Schultergelenke und Ellenbogen.

Oft hängte man zur Verstärkung der Folter noch Gewichte an die Füße oder befestigte diese an einem Ring am Boden.

Ganz langsam überdehnte man somit alle Sehnen und Muskeln was zu unendlichen Schmerzen führte. Die Schultern konnten auch durch das Hochziehen ausgerenkt werden. Ebenso war auch ein Brechen selbiger durch die Fußgewichte möglich. Im schlimmsten Fall brach die Wirbelsäule und das Opfer war gelähmt, wenn es nicht gar starb.

Auspeitschen

Eine Peitsche ist ein Schlaggerät aus einem sehr schmalen Lederriemen oder Strick an einem mehr oder weniger langen Stiel. Den Griff einer Peitsche nennt man Knauf, der Strick oder Riemen wird auch Peitschenschnur genannt. Die Peitsche kann auch mit mehreren Peitschenschnüren bestückt sein.

Normale Peitschen bestehen aus einem Strang geflochtener weicher Lederriemen. Sie verursachen lediglich schmerzhafte Striemen und kaum tiefe Wunden.

Zum Vollzug der Hiebe mit einer Peitsche wird das Opfer ohne irgendwelche Kleidung an einen Pfahl geschnallt. Es konnten aber auch die Hände über dem Kopf gebunden werden und der Körper an diesen aufgehängt werden. Eine dritte Variante war, die Feßlung auf einer Bank. Mit einer Peitsche wurde der ganze Körper geschlagen. Das Opfer erhielt Schläge von beiden Seiten. Es bildeten sich Schwellungen (Hämatome) sowie Rißquetschwunden.

Noch schlimmere Verletzungen erreichte man durch das Flagrum, der vielschwänzigen Lederpeitsche, an deren Enden kleine Metall- oder Knochengewichte befestigt waren.

Die Mehrschwänzige oder Neunschwänzige war gefürchtet unter Gefangenen oder Sklaven. Am Ende eines hölzernen Griffes befanden sich mehrere bis zu neun dünne Peitschenstränge, oftmals metalldurchwirkt, an deren Ende je eine kleine Metallkugel oder gar eine kleine sichelartige Klinge befestigt war. Sie wurde benutzt, um viele kleine – aber doch schmerzhafte – Verletzungen großflächig anzubringen.

Der Delequent wurde unter Umständen solange ausgepeitscht bis er schrie und zitterte. Fielen die Opfer bei der Befragung auf die Knie, wurden sie wieder hochgerissen, erhielten weitere Schläge, bis sie nicht mehr stehen konnten. Die Schläge mit diesem Instrument gelten als sehr schmerzhaft.

Eisen durch Glieder treiben / glühende Schürhaken

Das Opfer wurde irgendwo festgebunden oder gehalten, so daß der zu bearbeitende Körperteil auf einem Holzblock oder etwas ähnlichem ruhte, und gut zu erreichen war. Dann wurden Eisenstangen oder Nägel durch den Körperteil oder Gelenk hindurch getrieben. Dies konnte auch mit glühenden Eisen wie Schürhacken geschehen, wobei diese durch das Verbrennen des umliegenden Gewebes, das Ausbluten der Wunden verhinderten.

Streckbank

Die Streckbank war die geläufigste Foltermethode im Mittelalter. Man legte das Opfer auf eine hölzerne Bank, an dessen Ende Händen und Füßen gefesselt wurden.

Dann begann man mit Hilfe von Seilwinden oder einem Rad mit Seilen den Körper zu beiden Seiten auseinanderzuziehen und zu überdehnen, so daß der Körper immer mehr in die Länge gezogen wurde.

Anfangs kann man mit Muskelkraft noch gegen die Gewalt standhalten. Doch irgendwann läßt die Kraft in den Gliedmassen nach. Die Bänder und auch alle Sehnen und Muskeln reißen. Nach den Gliedmassen folgen die Bauchmuskeln, die nachgeben. Anschließend werden dann die Glieder vollendens aus ihren Gelenken gerissen.

In einer noch schlimmeren Version der Folterbank befanden sich unter dem Gefolterten noch eine Nagelrolle. Damit wurde dem Opfer noch bevor seine Muskeln durch die Streckung rissen, durch das Zerfetzen dergleichen üble Schmerzen zugefügt.

Kitzel Folter ( mit Feder oder Ziegenlecken)

Die Verurteilten wurden auf ein Brett oder eine Bank gelegt und festgebunden. Ein Folterknecht kam mit einer Feder und begann dem Opfer an den Fußsohlen zu kitzeln. Manchmal bestrich man die Fußsohlen mit Salz. Dann wurde eine Ziege herangeführt, die das Salz ableckte. Das anfängliche Kitzeln des Leckens schlägt in Schmerzen um, sobald die Ziege mit ihrer rauhen Zunge die Haut der Füße mit ableckt und sie so bis auf blanke Fleisch abträgt. Die Ziegen hören nicht auf, auch wenn kein Salz mehr vorhanden ist. Diese Folter war die harmloseste, die es gab, aber eine sehr effektive.


Zu Kapitel 18

Spätfolgen im Kontext der Traumadefinition: Die chronifizierten posttraumatischen Belastungsreaktionen (PTBR)

"Die Narben sexueller Gewalt" - Erinnerung, Verdrängung, Bagatellisierung, Überleben, Isolation, Scham, Schuldgefühle

An erster Stelle dürfte sicherlich die Verdrängung stehen. Es ist hirnphysiologisch nachweisbar, daß es unterschiedliche Arten gibt, Extremtraumata und normalen Alltag im Gedächtnis zu "speichern", was dazu führt, daß die Erinnerung an das Trauma erschwert und fragmentiert wird.

Erlittener Mißbrauch ruft fast zwangsläufig starke Abwehr gegen die damit verbundene Pein und seelische Belastung hervor. Daraus ergibt sich der Wunsch, das Geschehene, möglichst tief zu vergraben und nie wieder daran denken zu müssen. Die Fähigkeit mancher, das Geschehen komplett zu vergessen oder jedweden emotionalen Bezug dazu zu kappen, hilft ihnen zwar erst mal zu überleben, macht es ihnen aber später, wenn sie in Sicherheit sind, schwerer, den Mißbrauch zu verarbeiten.

Früher oder später auftretende Flashbacks, sind durch Schlüsselreize ausgelöste unbewußte Erinnerungen und ein durch das Bedrohungsgefühl bedingter Daueralarmzustand.

Der dadurch eintretende Retraumatisierungs-Effekt erklärt auch das charakteristische Hin- und Herpendeln zwischen dissoziativer Amnesie und Flashback-Phasen, im Fachjargon auch "Oszillieren" genannt, das bei vielen Trauma-Opfern zu beobachten ist und manchmal auch Monate oder Jahre dauernde Perioden haben kann.

Wenn beim Flashback eine Wiederholung des Erlebten durchlitten wird, kommt es wieder nach dem Verlassen des Flashback-Zustandes zu einer Verdrängung. Wenn dieser Kreis nicht durch Hilfen durchbrochen wird, bleibt der Betroffene zeitlebens immer in einem Kreis des Erleidens und Bemühen zu vergessen stecken und wird nie genesen, in dem er diesen Zustand bewußt verläßt. Genesen kann er nur, wenn er die Erinnerung aus dem unbewußten Bereich seines Gehirnes in den bewußten Kortex holt, sich der Folgen bewußt wird und lernt damit umzugehen. Erst wenn die Verdrängung aufgehoben wurde, ist er frei von der Vergangenheit und kann an den Folgen dessen in der Jetztzeit arbeiten und wieder ein Selbstbewußtsein ohne die Ängste der Vergangenheit aufbauen.

Scham hat mit dem Selbstwertgefühl zu tun. Wenn die eigenen Grenzen, die Intimsphäre verletzt wird, entsteht Scham. Werden diese eigenen Schutz-Grenzen durch andere überschritten oder man gezwungen sie zu mißachten, wird das eigene Selbstwertgefühl verletzt. Schamgefühl wird bei allen Völkern nachgewiesen; es ist daher anzunehmen, daß die Scham prinzipiell angeboren ist. Dennoch mögen die Schamgrenzen bei verschiedenen Kulturen anders verlaufen.

Der Kern der Scham scheint eine innere Spaltung zu sein. Ein Teil der Persönlichkeit arbeitet gegen die Andere. Der eine Teil des Selbstwertgefühles besagt, die Handlung war notwendig um zu überleben, die andere verweigert sich weil es trotz des praktischen Aspektes gegen den eigenen Willen war, es verabscheute.

Körperliche Mißhandlungen und Schläge, aber auch seelische Verletzungen und Abwertungen verursachen meist Schamgefühle. Der Täter behandelt sein Opfer besonders abwertend und erniedrigend. Es wird mit dem Mißbrauch ausgedrückt, daß man mit dem Opfer machen kann was man will, weil es nichts wert ist, außer vielleicht zu so was.

Die Abwertung geschieht beim Mißbrauch nicht nur durch Worte, sondern ganz real. Es geschieht am Körper, an der Seele, an der ganzen Person.

Die Scham wird noch verstärkt, wenn trotz des bewußten Aufbegehrens körperliche Reaktion auf biologische Reize reagierten, die nicht vom bewußten Teil des Großhirnes gesteuert werden. Bei Mißbrauch wird der Mißbrauchte nicht deshalb zum Partner, nur weil sein Körper auf die Reize des Gewaltausübenden reagiert. Allerdings versucht der Täter dies dem Opfer häufig zu suggerieren und je nach Reife und Zustand der Person, seiner Wiederstandswillen in diesem Moment, mag es ihm auch mehr oder weniger gelingen, wodurch die spätere Scham des Opfers in der Erinnerung noch verstärkt werden wird.

Scham führt oft dazu, daß die das Erlebte bagatellisiert wird und durch die Verdrängung sich sehr rasch mit Zweifeln mischt, was ist reale Erinnerung und Erlebtes, was nur Einbildung. Als mißbrauchtes Kind hat man vielleicht auch noch Schuldgefühle suggeriert bekommen, daß man nicht gelehrig genug war, nicht brav war.

Scham, Bagatellisierung und Schuldgefühle zusammen mit den eigenen Zweifeln an dem Erlebten, wenn man sich durch die Verdrängung überhaupt nicht klar an Geschehenes erinnern kann, verhindern häufig eine tiefere Beschäftigung mit den Gefühlen und dadurch auch eine Genesung. Man wird ständig an Gefühlsschwankungen, Gefühlskälte, unerklärbaren Reaktionen auf Begebenheiten herumrätseln, ohne jemals wirklich zu verarbeiten.


Zu Kapitel 19

Sieben Punkte in der Auseinandersetzung mit der Angst

1 Das Selbst ist in der Dissoziation nicht mehr unabhängiger Mittelpunkt von Antrieb & Wahrnehmung, nicht mehr leib-geistige Einheit in Raum und Zeit. Personalität und Realität sind sprichwörtlich "ver-rückt". Solche Dissoziationserlebnisse kennen wir alle, aus unseren Träumen. Auch dort löst - zumindest lockert - sich oft die Einheit des Selbst, das Raum-Zeit-Kontinuum auf.

"Eigentlich sind wir nachts zwei- bis dreimal psychotisch: wir hören Stimmen, ... sehen Bilder, sind delirant. (...) Morgens werden wir wach, unser Frontalhirn hat sich alle Mühe gegeben, daraus einen sinnvollen Traum zu machen – man nennt das sekundäre Traumarbeit". Ulrich Sachsse

So sind diese De-personalisation und De-realisation keine einfach "pathologischen" Phänomene; sie schützen das traumatisierte Individuum vor vollständiger Desintegration / Vernichtung. Dissoziation gibt es in den ursprunglichen Mißhandlungs- und/oder Mißbrauchssituationen, aber auch in den späteren Phasen der überflutenden Erinnerungen.

Die Formulierung "sich in die Dissoziation retten" kennzeichnet wiederum den Kompromißcharakter psychopathologischer Symptome. Sie ist – wenngleich abgeschwächt – ebenfalls ein unfreier Zustand der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins, ein Erleben im Zustand des ohnmächtig leidenden Objekts.

Quellen: H.-J. (2000) (Hrsg.). Männliche Opfererfahrungen. Problemlagen und Hilfeansätze in der Männerberatung. Weinheim, München

www.tauwetter.de (Tauwetter hält eine umfangreiche Adressenliste mit Beratungsstellen und Gruppen vor für Männer, die als Jungen sexuell mißbraucht wurden. Außerdem bietet es Literaturlisten, ein Selbsthilfe-Handbuch, Erfahrungsberichte und viele Links)

2 + 3 Laut Untersuchungen verdrängen Männer geleitet durch das Männlichkeitsbild der Gesellschaft eher die Erlebnisse, weil sie stark mit einem "Männlichkeitsverlust" assoziiert werden. Dennoch sind die Posttraumatischen Folgen vorhanden, werden aber häufig nicht mit dem Erlebten in Verbindung gebracht. Herzrasen, Atemnot etc. werden getrennt davon als körperliche Erkrankungen gesehen und behandelt. Dennoch kann gerade die rationale Art die Erkenntnis erleichtern, daß es an emotionalen Fähigkeiten zu einer erfolgreichen Traumaverarbeitung fehlt. Disziplin hilft unter Umständen, kontinuierlich zu arbeiten. An die Fähigkeit Unangenehmes zu verdrängen, läßt sich in der Stabilisierungsphase der Traumaverarbeitung anknüpfen. Es kommt hier sehr stark auf eine pragmatische Phantasie des unterstützenden Umfeldes und des Betreffenden selber an, die sich konkret an der einzelnen Person orientieren muß.

Quellen: Thomas Schlingmann, Bonn 2003: Verarbeitungsmöglichkeiten für männliche Opfer sexualisierter Gewallt. Einen Auszug aus der Zeitschrift von Tauwetter.de "Aus Prävention, Zeitschrift des Bundesvereins zur Prävention von sexuellem Mißbrauch an Mädchen und Jungen, Nr 4, 2003" ist im Glossar zum Nachlesen abgedruckt. Einen Link zum gesamten Artikel ist dort ebenfalls vermerkt.

4 Bei der Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt ist es notwendig, daß beide Aspekte der männlichen sexuellen als auch der weiblichen emotionalen Seite berücksichtigt werden. Auch wenn das Flüchten in typische männliche Verhaltensweisen wie auch sexuellen Handlungen zunächst Sicherheit gibt, so muß auch der emotionale Part an die Bewältigung herangeführt werden. So müssen z.B. die weiblichen Fähigkeiten zur Affektorientierung und Differenzierung erlernt werden. Während für das reine Überlebend er Orientierungslosigkeit nach der sexuellen Gewalt die klare Geschlechtertrennung im Gefühlsleben noch wichtig ist, wird für eine Aufarbeitung des Trauma beides, der kognitive wie der emotionale Aspekt für eine Bewältigungsstrategie benötigt.

5 + 6 Der Betreuer eines Betroffenen braucht eine Stabilität in der eigenen Selbsterfahrung und Sicherheit im Umgang mit der eigenen Art bei Niederlagen und dem Opfergefühl aus solchen Situationen. Er muß diese Stabilität vermitteln können und dem Opfer dadurch Vorbild sein. Er sollte nicht sein eigenes Maß an Männlichkeit vermitteln, sondern offen mit seiner eigenen Persönlichkeit umgehen können.

Das Opfer braucht eine klare Positionierung und Solidarität auf seiner Seite. Es muß angenommen werden und spüren, daß auch mit der "Verletzung" er kein anderer in den Augen der anderen im Sinne von "Minderwertigkeit" geworden ist. Das Opfer muß spüren, daß seine Anlaufstelle sich öffentlich gegen die Norm von Männlichkeit stellt, die durch den Übergriff auf seine Persönlichkeit verletzt worden ist. Es muß deutlich werden, daß er durch diesen Übergriff und die notwendige Annahme seiner "weiblichen" Emotion zur Bewältigung nicht stigmatisiert in der Betrachtung der Öffentlichkeit im Rahmen dieser Norm wird. Das Opfer muß in seinem Helfer klar zwischen notwendigen Schritten und der eigenen Rollenerwartung sowie der Erwartung der Gesellschaft unterscheiden können.

7 Die Erlangung der Erkenntnis nicht mehr Opfer zu sein, sondern aktiv gegen die Erinnerung angehen zu können, Selbstsicherheit wieder zu gewinnen und zu wissen, nicht zeitlebens Opfer sein zu müssen, gibt den Opfern einen immensen Anteil an ihrem selbstbestimmten Leben zurück.

Literatur: Butollo, W., Hagl, M. & Krüsmann, M. (1999).Kreativität und Destruktion posttraumatischer Bewältigung, Forschungsergebnisse und Thesen zum Leben nach dem Trauma.


Anmerkung

In den vielen Texten die ich zu dem Thema gelesen habe, kam als ein therapeutisches Mittel zur Bewältigung immer wieder das Eröffnen der eigenen Ressourcen zur Sprache. Diese Form der Bewältigung mag nicht jedermann helfen, aber mir erschien sie plausibel und verständlich genug, daß ich sie in der Geschichte einbaute.

Neben dem entdecken der eigenen Stärken gehört auch der Punkt dazu, zu begreifen, daß man sich wehren darf, wehren kann und muß. Daß das Rollenspiel Täter/Opfer ohne Scham umgedreht werden darf, denn das Opfer hat keine Schuld sondern viel mehr nun das Recht zurückzuschlagen. Dies geschieht jedoch nur im übertragenen Sinn, z.B. bei heutiger Therapie dadurch, das dem Opfer, das körperlich verletzt wurde und dessen Heilung nicht allein auf seelischer Bewältigung, sondern auch auf dem Ausleben der Wut und des möglichen Hasses beruhen muß, weiche Gegenstände wie Schaumgummiknüppel von ihren Therapeuten erhalten und sinnbildlich auf einen Gegenstand, der für den Täter steht, einprügeln.

Es dauert, bis das Opfer sich dies traut, aber es nimmt damit wieder das Recht für sich in Anspruch, daß ihm der Täter abgesprochen hat – sich zu wehren. Das Opfer erfährt wieder das Gefühl sich wehren zu können, daß Recht zu haben, sich zu wehren. Er nimmt wieder ein Stück Selbstwert, was ihm verloren gegangen war, ihm weggenommen wurde, in Besitz und bewältigt damit das Ohnmachtsgefühl, daß ihn lähmte.


Quellen:

URL: http://www.tauwetter.de

Pilotstudie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Bonn

URL: http://www.gewalt-gegen-maenner.de/literatur.php

URL: http://aufrecht auf net.de


Literatur:

A. van der Kolk, Alexander C. McFarlane, Lars Weisaeth (Hrsg.): Traumatic Stress - Grundlagen und Behandlungsansätze. Theorie, Praxis und Forschung zu posttraumatischem Streß sowie Traumatherapie. Junfermann Verlag 2000.

Peter Fiedler: Dissoziative Störungen und Konversion. Trauma und Trauma-Behandlung. Beltz Verlag, 2. überarbeitete Auflage 2001.

Bagley, C. / Wood, M. / Young, L. 1994: Victim to Abuser: Mental Health and Behavioral Sequels of Child Sexual Abuse in a Community Survey of Young Adult Males. In: Child sexual Abuse & Neglect, 18/1994

Connell, Robert W. 1999: Der gemachte Mann. Konstruktion und Krise von Männlichkeiten. Oppladen: Leske + Budrich

Finkelhor, David 1986: A Sourcebook on Sexual Abuse. Newbury Park

Julius, Henri 2000: Die Folgen sexuellen Missbrauchs an Jungen: eine Metaanalyse. Institut für Psychologie Universität Potsdam

Reddemann, Luise 2001: Imagination als heilsame Kraft, Zur Behandlung von Traumafolgen mit ressourcenorientierten Verfahren. Stuttgart: Klett-Cotta

Lenz, H.-J. (2000) (Hrsg.). Männliche Opfererfahrungen. Problemlagen und Hilfeansätze in der Männerberatung. Weinheim, München: Juventa.

Thomas Schlingmann, Bonn 2003: Verarbeitungsmöglichkeiten für männliche Opfer sexualisierter Gewalt

Thomas Schlingmann u.a., Weinheim München 2000: Selbsthilfe - ein taugliches Konzept für Männer, die als Junge Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind? Erfahrungen der Anlaufstelle Tauwetter Berlin