Hermine blieb noch lange im Krankenflügel, sogar noch über das Ende der Ferien hinaus.
Aber es wurde niemand angegriffen und langsam beruhigten sich die Gemüter wieder, obwohl man nicht leugnen konnte, dass fast niemand mehr alleine durch die Gänge wanderte und jeder im Hinterkopf behielt, dass ein paar arme Muggelgeborene im Krankenflügel lagen.
Auch Stefanie ging, nach wie vor, nicht alleine durch die Gänge, doch in den Ferien gab es auch nicht viel Grund dazu.
Fred und George hielten es für sicherer, sich so viel wie möglich außerhalb von Hogwarts aufzuhalten, nur zu Stefanies Besten natürlich, aber sie wusste sehr genau, dass es nur eine Ausrede dafür war, ein wenig im Verbotenen Wald herumzugehen. Da aber auch sie der Meinung war, dass die Angriffe nicht außerhalb des Schlosses stattfinden würden, ließ sie ihnen ihren Willen. Sie selbst war inzwischen schon ein oder zwei Mal allein im Verbotenen Wald gewesen, aber nie in ihrer menschlichen Gestalt. So wusste sie, dass es gar nicht so toll war, und dass allein der Nervenkitzel und das Regelbrechen Grund waren, es zu versuchen. Hagrid jedoch wachte über den Wald wie eine Drachenmutter über ihr Ei und es gelang ihnen nicht mehr, sich an ihm vorbeizuschleichen.
Der Jänner verging und brachte den Februar mit sich und mit ihm begann der Unterricht wieder anspruchsvoller zu werden. Die Lehrer begannen, die Schüler wieder daran zu erinnern, dass sie ihrem ZAG-Jahr entgegenarbeiteten und es nicht verkehrt wäre, schon jetzt damit anzufangen, sich darauf vorzubereiten.
Und das fand sogar Stefanie übertrieben.
Ganz offensichtlich war auch Wood der Meinung, dass es nun Zeit war, wieder etwas zu tun und er fing erneut damit an, die Gryffindormannschaft zu den unglaublichsten Zeiten auf das Feld zu jagen. („Jammert nicht so herum. Ja, es ist früh, aber um 8 Uhr haben die Slytherins das Feld gebucht" oder „Meine Güte, dann seid ihr eben nicht bis zur Sperrstunde zurück! Dafür wird McGonagall schon Verständnis haben. Sie will ja auch, dass wir gewinnen.")
Währenddessen stellte Stefanie fest, dass es ein Fach gab, das dank des Lehrers noch viel schlimmer war, als Zaubertränke und dieses Fach war Verteidigung gegen die Dunklen Künste.
Nach wie vor versteckte sie sich dort in der letzten Reihe und versuchte, möglichst keine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, damit Lockhart nicht auf die Idee kam, sie als Schauspieler zu benutzen. Er hatte sich ja entschlossen, seinen Unterricht so zu gestalten, dass er Szenen seiner Bücher nachspielte und dafür brauchte er Schüler, die freiwillig in die Rolle der Todesfee, Werwölfe oder Trolle schlüpften. Interessanterweise taten das nicht einmal jene gerne, die ihn anhimmelten, und Stefanie, die Lockhart selbst nicht wirklich mochte, vermutlich weil ihm ihre Antworten auf diesen Test in der ersten Stunde nicht gefallen hatten, mochte es schon gar nicht machen. Bisher hatte sie es immer geschafft, sich davor zu drücken, weil er inzwischen schon mit Autogrammkarten lockte, aber sie fürchtete sich trotzdem ein wenig vor jeder Stunde.
Am 14. Februar aber, am Valentinstag, tat Lockhart in Stefanies Augen etwas, das ihn noch mehr zu einer Lachnummer mutieren ließ.
Sie setzte keinerlei Erwartungen in diesen Tag, auch wenn Alicia und Angelina ihn in bester Laune begannen.
„Ich liebe Valentinstag", flötete Letztere, während sie sich anzog. „Da sieht man, wer sich für einen interessiert."
„Eher wer nicht." Stefanie zog sich ihren Umhang an und packte einige Bücher, die sie an diesem Tag nicht brauchen würde, aus ihrer Tasche.
„Sei doch bitte nicht so demotiviert, Stefanie!", lachte Alicia und klebte hastig einen Brief zu, der verdächtig nach einem Valentinstagsgruß aussah.
„Na hoppla", sagte Stefanie, als sie es bemerkte. „Wer ist denn da so glücklich und bekommt eine Karte von dir?"
Doch Alicia antwortete nicht und lief stattdessen sogar rot an. „Äh, niemand. Das war ein Brief für meine Oma."
„Du schreibst deiner Oma Briefe, auf denen Herzchen gemalt sind?" Skeptisch hob Stefanie eine Augenbraue, wandte sich dann aber wieder ab, weil sie entschied, dass das Alicias Angelegenheit war. Wenn sie nicht sagen wollte, wer der Mann ihres Herzens war, dann war das auch in Ordnung.
Plötzlich aber durchfuhr Stefanie ein Gedanke und sie drehte sich ruckartig wieder um.
„Aber für Lockhart ist der nicht, oder?!"
Alicia wurde noch röter und tat, als wäre sie sehr beschäftigt damit, ihr Kopfkissen aufzuschütteln.
Stefanie stöhnte auf. „Oh nein! Das ist doch nicht dein Ernst, oder? Du schreibst einem Lehrer einen Valentinstagsgruß?! Angelina, bitte sag, dass du das nicht auch gemacht hast…"
„Meine Güte, schon so spät? Wir müssen runter zum Frühstück!"
Und schon war Angelina aus dem Zimmer gerannt und Stefanie folgte ihr kopfschüttelnd.
„Ihr enttäuscht mich", sagte sie, während sie die Treppen hinunter in die Große Halle gingen. „Inzwischen sollte sogar euch aufgefallen sein, dass Lockhart ein Hochstapler ist. Oder hat er uns auch nur etwas beigebracht, außer, dass seine Lieblingsfarbe rosa ist?"
„Lila", verbesserte Alicia sie und klang dabei ein wenig säuerlich.
„Ist doch egal." Sie betraten die Große Halle und blieben ruckartig stehen. „Nein", flüsterte Stefanie entgeistert, „Ich glaube, es ist doch rosa."
Die Große Halle hatte sich über Nacht verändert. Die Wände waren mit blassrosaroten Blumen bedeckt und von der verzauberten Decke rieselte herzförmiges, rosarotes Konfetti hinab. Stefanie hörte sich selbst leise stöhnen, während sie auf den Gryffindortisch zugingen, und ein Blick auf den Lehrertisch zeigte, dass Gilderoy Lockhart einen passenden, rosaroten Umhang trug und da er der einzige der Lehrer war, der nicht schrecklich verklemmt und unerfreut über diese Dekoration wirkte, ging Stefanie davon aus, dass er dafür verantwortlich war.
Sie setzten sich zu den Zwillingen, die zusammen mit Lee an einer Ecke des Tisches saßen und grinsten.
„Nette Deko", meinte George, als Angelina sich neben ihn setzte und griff einmal um die Luft, um ihr dann eine Hand voll Konfetti-Herzen hinzuhalten. „Hier, meine Schönheit. Herzen, nur für dich, extra aus der Luft gegriffen."
Angelina kicherte und Stefanie, die neben Fred saß, wischte ihm Konfetti aus den roten Haaren.
„Ich glaube, da oben hat sich schon was angesammelt", erklärte sie, als er sie fragend ansah und dann fuhr er sich hastig selbst durch das Haar, um es ja von allen Spuren des grässlichen Konfettis zu säubern.
Inzwischen hatte Lockhart sich erhoben und gebot ihnen, mittels Händefuchteln, zu schweigen.
„Einen glücklichen Valentinstag!", rief er und schenkte ihnen ein zähneblitzendes Lächeln. „Und danken möchte ich den inzwischen sechsundvierzig Leuten, die mir Karten geschickt haben. Ja, ich habe mir die Freiheit genommen, diese kleine Überraschung für euch vorzubereiten – und es kommt noch besser."
„Noch besser?", echote Stefanie mit vor Sarkasmus triefender Stimme. „Ich bin nicht sicher, ob ich soviel Aufregung vertragen kann."
Angelina und Alicia warfen ihr einen genervten Blick zu, aber davon ließ Stefanie sich nicht beirren.
Lockart klatschte währenddessen in die Hände und durch das Portal zur Eingangshalle kamen eine Horde missmutig dreinschauender und nicht wirklich motivierter Zwerge, die allesamt goldene Flügel und goldene Harfen in den Händen trugen.
„Meine freundlichen Liebesboten!"
„Freundlich?", murmelte George halblaut und Lee schüttelte seinen Kopf, wobei er den Eindruck erweckte, als würde er die Flucht ergreifen, sollte einer der Zwerge es auch nur wagen, ihm zu nahe zu kommen.
„Sie werden heute durch die Schule streifen", fuhr Lockhart inzwischen fort, „und Ihre Valentinstags Grüße überbringen. Und damit ist der Spaß noch nicht zu Ende! Ich bin sicher, meine Kollegen werden sich dem Geist der Stunde nicht verschließen wollen. Warum bitten wir nicht Professor Snape, uns zu zeigen, wie man einen Liebestrank mischt!"
„Oh nein, sicher nicht", flüsterte Stefanie, die fand, dass Snape aussah, als würde er jeden auffressen, der ihn darum bat.
„Und wenn wir schon dabei sind, Professor Flitwick weiß mehr als jeder Hexenmeister, den ich je getroffen habe, darüber, wie man jemanden in Trance zaubert, der durchtriebene Hund."
Flitwick begrub sein Gesicht in seinen Händen und es war offensichtlich, wie peinlich es ihm war, von Lockhart überhaupt erwähnt worden zu sein.
Dieser setzte sich nun wieder hin und wirkte sehr zufrieden mit sich. Stefanie sah, dass die Zwillinge sich einen grinsenden Blick zuwarfen, während Lee eher verzweifelt und Alicia und Angelina höchst erfreut wirkten.
„Das ist mal eine tolle Idee!", brach es aus Angelina heraus, ehe sie es zurückhalten konnte.
„Toll, nennst du das?", hakte George nach und verzog sein Gesicht zu einer Grimasse. „Ich finde es eher peinlich."
„Aber nichts desto trotz kann das sehr lustig werden." Fred lachte kurz, vermutlich weil er sich gerade etwas sehr amüsantes ausgedacht hatte, und Stefanie, die ihren Blick über den Haustisch schweifen ließ, um zu sehen, wie die anderen das aufnehmen, sah ihre Schwester aufgeregt mit Ginny tuscheln.
Für die beiden Mädchen musste es ja schrecklich aufregend erscheinen und eine angenehme Abwechslung zum Alltag darstellen.
Stefanie hingegen rechnete nicht damit, dass es sonderlich spannend werden würde. Sie bezweifelte, dass ihr jemand eine Botschaft zukommen lassen würde und außerdem hatte sie auch beim besten Willen nicht vor, jemand anderes etwas zu schicken.
Aber gegen ihre Erwartungen beeinflussten die verdammten Valentinstagsengel den Tag. Dauernd platzten sie während des Unterrichts in die Klassen und überbrachten lächerliche Botschaften.
Am Schlimmsten war es im Zaubertränkeunterricht.
Stefanie mühte sich gerade zusammen mit Alicia und Angelina damit ab, ein Gegengift zu brauen, als die Türe sich öffnete und einer der lächerlichen Zwerge hereinschneite.
Alle Köpfe drehten sich in seine Richtung, gespannt, was nun geschehen würde. Stefanie warf einen raschen, nervösen Blick in Snapes Richtung. Er sah alles andere als erfreut aus.
„Ich habe einen persönliche Nachricht an ‚Alicia Spinnet' zu überbringen." Er machte eine kurze Pause und sein Blick wurde ein wenig böse. „Musikalisch", fügte er dann hinzu und sah so aus, als würde er sich am liebsten aufhängen.
Auch Snape wirkte so, als hätte er nichts dagegen einzuwenden, dem Leben des Zwerges ein Ende zu bereiten, der sich räusperte und leicht an den Seiten seiner Harfe zupfte.
Angelina stieß Alicia an und kicherte, während Stefanie sich interessiert vorne über den Tisch lehnte, um auch ja nichts zu verpassen.
„Lippen so rot wie Kreeebspanzer,
und Haare so wild wie das Meer,
Augen so grün wie das schönste Gras,
was will man als Mann denn nun mehr?"
Der Zwerg endete und verzog sich mürrisch, während Stefanie und Angelina synchron zu kichern begannen. „Wie ein Krebspanzer", brachte Angelina hervor, während ihr Kichern zu einem Lachen wurde. Zum Glück hatten nun auch die anderen zu Lachen begonnen, vor allem die Slytherins, bei denen es zu einem regelrechten Gebrüll ausartete. Alicia aber sah aus, als würde sie am liebsten im Boden versinken.
„Dein Herzblatt kann wohl nicht so gut dichten", rief Montague zu ihnen herüber und irgendwie hatte Stefanie das Gefühl, dass das Ganze ein Witz der Slytherins gewesen war.
Snape kräuselte inzwischen, verärgert über die Unterbrechung, die Lippen, aber sagte nichts. Er hätte ihnen vermutlich für das Lachen Punkte abgezogen, aber da alle gelacht hatten, ging das nicht. Also beschränkte er sich darauf spöttisch zu sagen: „Wie überaus reizend. Nun fahren Sie fort!"
Aber nicht lange. Schon kurze Zeit später wurde die Türe erneut aufgerissen und wieder kam ein Zwerg herein, dieses Mal noch mürrischer als der Letzte.
„Ich habe hier eine Botschaft für 'Alicia Spinnet'", sagte er und irgendjemand stöhnte auf.
„Nicht schon wieder!"
Aber dieses Mal hielt der Zwerg einen Brief in der Hand und watschelte damit auf Alicia zu, die ihm die Hand entgegen streckte. „Danke", murmelte sie und vermied es, Snape anzusehen. Rasch steckte sie den Brief weg, um nicht seinen Zorn auf sich zu ziehen, und machte sich wieder an die Arbeit.
Snape verkniff sich jegliche Bemerkung, aber er wirkte alles andere, als erfreut. „Der nächste, dank dem ein so lächerlicher Zwerg hereinplatzt, wird sich wünschen, nie geboren worden zu sein!", zischte er und sah Alicia dabei so an, als wäre es ihre Schuld, dass schon zwei Zwerge ihretwegen aufgekreuzt waren.
Die Schüler schwiegen und als Snape sich wieder abwandte, begannen sie damit fortzufahren, ihre Tränke zu brauen. Eine Weile lang ging alles schweigend von Statten, aber dann öffnete sich die Türe erneut.
„Oh nein", murmelte Stefanie und alle anderen teilten diesen Gedanken, als sie sahen, dass schon wieder ein Zwerg hinein kam.
Snapes Augen durchbohrten ihn und er wirkte so zornig, dass man dieses Gefühl beinahe in der Luft spüren konnte. Stefanie ging vorsichtshalber einen Schritt zurück und wünschte sich nur, dass der Zwerg nicht ihretwegen gekommen war. Das dachten sich wohl auch alle anderen.
„Ich habe hier eine musikalische Botschaft an ‚Professor Snape' persönlich zu überbringen."
Sämtliche Kiefer klappten nach unten und mit offenen Mündern schwenkten die Blicke der Schüler abwechselnd zu Snape und wieder zu dem Zwerg. Keiner konnte glauben, was eben gesagt worden war, am allerwenigsten aber der gefürchtete Zaubertranklehrer selbst.
„So", zischte er gefährlich, „haben Sie das?"
Wäre Stefanie der Zwerg gewesen, dann hätte sie jetzt schon die Flucht ergriffen, aber der grimmig dreinblickende Winzling ließ sich von Snape nicht einschüchtern.
„Ja", verkündete er und räusperte sich, während seine Finger über die Seiten der Harfe strichen. Mit erstaunlich hoher Stimme, die absolut nicht zu ihm passte, begann er dann zu singen und sämtliche Schüler lauschten mit angehaltenem Atem, jeden Moment auf eine Explosion bereit.
„Sein Haar ist so wunderbar glänzend,
doch leider nur, weil es vor Fettigkeit trieeeeeft;
Lang und strähnig hängt es herab,
doch der Hakennase, die so furchtbar mieeeeft,
stiehlt es die Show trotzdem nicht."
Er endete mit einem lang angehaltenen Ton auf seiner Harfe und verbeugte sich dann, ehe er sich schleunigst verzog, während Snape seine Fäuste fest zusammenballte.
Alle blickten zu Boden, um ihn ja nicht anzusehen, doch sie alle mussten sich wirklich zusammenreißen, nicht loszulachen.
Das Schweigen schien sich in die Länge zu ziehen, bis George einen fürchterlichen Hustenanfall vortäuschte, um das Lachen, das er nicht mehr zurückhalten konnte, zu verstecken.
Das war zu viel für Stefanie und sie presste sich fest die Hand vor den Mund, um jedes Kichern zu dämpfen, während sie ihren Kopf so nach vorne beugte, dass ihr langes Haar Snape jegliche Sicht auf ihr Gesicht nahm. Angelina, die direkt neben ihr stand, gab ein merkwürdiges Glucksen von sich und selbst die Slytherins, die sich auf zwei andere Tische verteilt hatten, schienen ihre Schwierigkeiten damit zu haben, Ernst zu bleiben.
„Jeder Laut, den ich jetzt höre, bringt ihnen eine Strafarbeit und Punkteabzug", kam es giftig aus Snapes Mund und Stefanie hatte das Gefühl, als würde er sie fixieren, wagte aber nicht aufzublicken.
„Verstanden, Miss Galen?"
Sie nickte und versuchte, auf keinen Fall Lärm zu machen. Ihr wurde bewusst, dass er vermutlich bemerkt hatte, dass sie ihre Hand vor ihren Mund hielt und nahm sie schnell weg. Nach Kichern war ihr nun nicht mehr zumute, aber sie fürchtete trotzdem um ihre Selbstbeherrschung.
„Machen Sie jetzt weiter", paffte Snape, doch genau dann ertönte die Glocke und voller Erleichterung packte Stefanie ihre Sachen ein. Dann beeilten sie sich, aus dem Kerker zu verschwinden und schnell wieder hinauf ans Tageslicht zu rennen.
„Mein Gott", sagte Stefanie, während sie die Treppen hinauf hasteten, „Ich hatte wirklich Angst, ich müsste sterben."
„Du hast ausgesehen, als würdest du gleich platzen", grinste George, der sie von hinten aufgeholt hatte.
„Und du bist geplatzt", stellte Angelina trocken fest und George lachte kurz auf. „Aber er war sich wirklich nicht sicher, ob ich gelacht, oder gehustet habe. Sonst hätten wir schon 10 Punkte weniger."
„Hey, Alicia!" Kam es von hinten und als sie sich umdrehten, erkannten sie Graham Montague, flankiert von Adrian Pucey und Carter Warrington. „Ich hoffe unser Valentinstagsgruß hat dir gefallen!"
Sie begannen zu lachen und die Gryffindors ignorierten sie, während sie schnell weiter gingen. „Also war das von ihm… ich frage mich nur, warum sie ihn genau dir geschickt haben… du hast ihnen doch nie etwas getan, oder Alicia?"
„Stimmt", gab Fred zu, „eigentlich bist du sonst ihr bevorzugtes Opfer."
„Nein, nicht von Montague", stellte Stefanie kopfschüttelnd richtig. „Der hat Angst vor mir, seit ich ihn im Zug entwaffnet habe. Bletchley hats auf mich abgesehen. Montague würde eher auf euch beide gehen…"
„Ich habe ihm jedenfalls nie etwas getan." Alicia seufzte schwer und nahm den Brief, den der zweite Zwerg ihr gebracht hatte, aus ihrem Umhang. „Ob der wohl auch von denen war?" Sie wirkte ziemlich enttäuscht.
„Ich glaube nicht", sagte Stefanie entschieden, war sich aber nicht sicher.
„Wenn du willst", bot Angelina wohl deshalb an, „kann ich ihn zuerst lesen und wenn er nicht ernst ist, dann musst du ihn gar nicht ansehen."
Aber das wollte Alicia nicht. „Und wenn es ein Echter ist? Dann kichert ihr drüber, ehe ich ihn überhaupt zu Gesicht bekommen habe." Entschieden schüttelte sie ihren Kopf, und ihr blondes Haar flog in alle Richtungen. „Nein, ich lese den selber. Aber ihr könnt ihn euch danach vielleicht ansehen."
„Ohhhh", machte Fred und rieb sich verzückt die Hände. „Darauf freue ich mich schon."
„Du nicht." Streng sah Alicia ihn an, und danach George. „Ihr seid Jungs, ihr lest das sicher nicht."
„Ja", gab Angelina ihr Recht. „Habt ihr nicht noch irgendwas zu tun? Stinkbomben ins Essen mischen oder so?"
„Eigentlich war das nicht der Plan…"
„…Aber jetzt wo du es sagst…"
„…Dein Essen würde sich ja anbieten."
„Bis später, Steph!", riefen sie ihr noch zu, dann verzogen sie sich zusammen mit Lee und die drei Mädchen blieben zurück.
„Sie sind echt unmöglich", stellte Alicia fest und nahm vorsichtig einen Brief aus dem Umschlag. Er war nicht rosarot und auf dem Kuvert waren auch keine Herzchen, wie Stefanie feststellte. Es sah überhaupt nicht so aus, wie zum Beispiel der Brief, den Alicia Lockhart geschickt hatte. Eigentlich überhaupt nicht nach einer Valentinstagskarte.
„Und?", fragte Angelina gespannt und ging näher zu Alicia, um ihr über die Schulter zu schauen, doch diese wehrte sie mit einer Handbewegung ab, als wäre sie eine lästige Fliege.
Nach einer Weile grinste sie.
„Jetzt kannst du es uns aber sagen", drängte nun auch Stefanie und Alicia seufzte.
„Ist ja gut. Es sieht nach einer Echten aus…. Der Junge, der sie mir geschickt hat schreibt, dass er mich kennt und schon lange bewundert und eigentlich nie vorhatte, mir eine Karte zu schreiben, aber dass diese Aktion einfach so einladend gewesen wäre, dass er nicht widerstehen hätte können… er verrät mir nicht, wer er ist, aber wenn ich will, soll ich ihn heute um 18 Uhr beim Quidditchfeld treffen…"
„Beim Quidditchfeld?", kicherte Stefanie und auch Angelina meinte, dass sie sich einen romantischeren Ort für ein so geheimnisvolles Treffen vorstellen konnte.
„Vielleicht hat es aber etwas mit ihm zu tun, vielleicht bedeutet ihm Quidditch so viel, dass es ein Zeichen dafür ist, dass er dich in seine… ähm… heiligen Hallen lässt", mutmaßte Stefanie und die beiden anderen fingen an, zu lachen.
„In seine heiligen Hallen? Stefanie, ich glaube jetzt wird's abwegig…"
„Wieso, kann doch sein", wehrte Stefanie ab und zusammen gingen sie zum Mittagessen.
Die Zwillinge saßen schon dort und hatten ihnen offenbar ein paar Plätze freigehalten.
„Hier Angelina!" George deutete auf den Platz neben sich. „Da musst du sitzen, hier warten die Stinkbomben auf dich."
„Oh ja, wenn du nicht geduscht hast, dann tun sie das sicher", unkte sie, ließ sich dann aber doch neben ihm nieder und grinste Stefanie, die sich gegenüber, neben Fred, setzte, verhalten an.
„Wirst du hingehen?" Angelina schaufelte sich ein paar Kartoffeln auf ihren Teller und legte Karotten nach.
„Wohin?" Neugierig wie sie waren, mussten die Zwillinge natürlich sofort mitmischen und ernteten einen skeptischen Blick von Alicia.
„Das sage ich euch nicht."
„Ich wette", begann Fred in einem vielversprechenden Tonfall, „dass es etwas mit dieser Karte zu tun hatte."
Alicia zögerte, dann seufzte sie und nickte. „Mag sein. Aber mehr muss ich euch jetzt auch nicht sagen."
„Und?", drängte Stefanie nun, während sie sich einen Teller Gemüsesuppe einschenkte. „Gehst du jetzt oder nicht?"
„Naja… neugierig wer das war, bin ich schon… aber wenn es ein Scherz war, dann muss ich da nicht alleine hin…"
„Wir können dich ja begleiten", schlug Angelina vor und Stefanie nickte zustimmend, ehe sie hinzufügte: „Und wenn es eine Ente war, dann können wir sagen, wir wussten es und wollten nur sehen, wer sich so einen bescheuerten Scherz erlaubt. Wenn es ein echter Brief war, dann verziehen wir uns eben schnell… und er wird es natürlich nicht bemerken."
„Ich nehme nicht an, dass wir eingeladen sind, an eurem Gelage teilzunehmen", sagte George und klang dabei ein wenig beleidigt, aber seine Augen verrieten, dass es nur ein Scherz war.
„Nein!", sagte Alicia entschieden, ehe sie lächelte. „Aber ihr beide, Steph und Ange, ihr kommt auf jeden Fall mit… zumindest bis ich sicher bin, dass es kein unechter Brief war…"
Also gingen sie am Abend, während alle anderen zum Abendessen gingen, aus dem Schloss hinaus und hinunter zum Quidditchfeld. Man konnte Alicia deutlich anmerken, dass sie nervös war, denn sie nestelte die ganze Zeit an ihrem Umhang herum und fuhr sich durch ihr Haar.
„Du siehst toll aus", versicherte Stefanie ihr, aber das überhörte sie einfach.
Als sie das Stadion erreicht hatten, blieben Stefanie und Angelina in respektvollem Abstand stehen. „Viel Glück!", riefen sie und während Alicia weiterging, stellten sie sich so hin, dass sie auch etwas sehen konnten.
„Hast du jemanden gesehen? Ist schon jemand da?", flüsterte Angelina aufgeregt und Stefanie schüttelte den Kopf.
„Nein, aber ich glaube, wir sind auch zu früh."
Sie warteten etwa fünf Minuten, eine Zeit, die für Alicia sicher die reinste Qual war, dann sahen sie eine Person, die vom Schloss herunter kam. „Schnell, sonst sieht er uns!", zischte Stefanie und zog Angelina mit sich hinter einen Busch. Vorsichtig spähten sie über das Laubwerk hinüber und versuchten zu erkennen, um wen es sich handelte.
„Meine Güte", sagte Angelina im selben Moment, in dem auch Stefanie erkannte, wer es war.
„Das ist ja…"
„Oliver Wood."
Sie warfen einander einen langen Blick zu, dann begannen sie zugleich zu lachen.
„Oliver und Alicia?", prustete Angelina, die den Kapitän der Quidditchmannschaft viel besser kannte, als Stefanie. „Das ist mal ein Ding."
„Ob die Zwillinge das wohl wussten…?"
„Wer weiß, vielleicht haben sie ihn sogar noch ermutigt."
„Auf jeden Fall ist das grandios", stellte Stefanie fest und sie huschten schnell und heimlich hinauf zum Schloss. „Außer natürlich", keuchte sie dann ein wenig außer Atem, und hielt sich die Hand in die Seite, „sie will ihn nicht. Dann ist es nicht grandios."
„Oh, da mach dir mal keine Sorgen." Sie traten durch das Eingangsportal und gingen dann in die Große Halle, um nachzusehen, ob noch ein wenig Essen übrig war. „Sie wird nicht nein zu ihm sagen. Er gefällt ihr."
Es waren nicht mehr viele Gryffindors beim Essen, aber Stefanie entdeckte ihre Schwester, die zusammen mit Ginny dasaß und aufgeregt auf sie einredete. Ginny wirkte ziemlich verheult auf Stefanie.
Entschieden ging sie auf die beiden zu und setzte sich neben ihre Schwester.
„Hallo", begrüßte sie sie und auch Angelina tat es, als sie sich neben Stefanie setzte. „Alles okay?"
„Nein", murmelte Marie und begann dann sehr schnell auf Deutsch auf Stefanie einzureden, damit Angelina nicht verstand, worum es ging.
„Es war so, ich habe Ginny ermutigt, einen Valentinstagsgruß an Harry zu schicken und wir haben uns zusammen ein Lied ausgedacht. Es war wohl nicht das beste Lied und wir mussten auch noch zusehen, als er es gehört hat! Er war echt nicht begeistert, das kannst du mir glauben. Alle haben gelacht und dann…" Sie schluckte. „Dann hat so ein Slytherin auch noch gesagt, dass es von Ginny war! Die Arme, du siehst ja wie sie aussieht…"
Stefanie warf einen Blick auf Ginny und sah sie mitleidig an, während Angelina das Ganze sehr interessiert verfolgte. „Das macht doch nichts, Ginny", versuchte sie sie zu beruhigen, nun wieder auf Englisch. „Weißt du, es gibt viele Mädchen, die Harry toll finden, aber du hast ihnen gegenüber doch schon einmal einen gewaltigen Vorteil, weil du die Schwester seines besten Freundes bist! Er ist manchmal bei dir Zuhause und kennt dich. Und ich bin sicher, dass er sich nicht über dich lustig machen wird. Außerdem glaubt er vielleicht gar nicht daran, dass das Lied von dir war… ein Slytherin sagt viel, wenn der Tag lang ist." Sie schwieg kurz, dann wagte sie zu fragen: „Was habt ihr denn da so zusammengedichtet?"
Mariechen räusperte sich sofort und Ginny vergrub ihr Gesicht in den Armen. „Bitte nicht…", flüsterte sie und Marie ließ es.
„Naja, macht nichts", mischte sich nun auch Angelina, die sich offenbar zusammengereimt hatte, worum es ging, ein. „Sowas vergessen Jungs schnell. Außerdem bist du doch noch so jung, Ginny! Und er auch! Lass es langsam angehen…. Werdet einfach einmal ein wenig älter und dann sieht das Ganze wieder anders aus… seht mich an, ich bin 15 und habe noch keinen Freund… und hatte auch noch nie einen. Und ich lebe trotzdem."
„Du schwärmst aber auch nicht hoffnungslos für einen", flüsterte Stefanie, aber so leise, dass es niemand außer Angelina hörte.
Ginny wirkte nicht wirklich getröstet, obwohl Stefanie zwischenzeitlich durchaus das Gefühl gehabt hatte, dass ihre Worte eine gewisse Wirkung auf sie gehabt hätten.
„Ich geh mal mit ihr rauf", murmelte Marie, die sich vermutlich die Schuld für Ginnys Unglück gab, und zusammen verschwanden sie aus der Halle.
„Jungs", meinte Angelina und nahm sich eine Scheibe Brot, „machen nur Probleme!"
Und irgendwie sprach sich die Geschichte mit Ginnys Liebesbotschaft dann doch herum. Dass sie nicht von ihnen ausging, war klar, denn die anderen kannten alle den Text des Liedes und Fred und George brauchten eine Weile, bis sie wieder damit aufhörten, es zu singen.
