Disclaimer: Wenn ich JKR wäre, hätte ich Kohle. Ich schreibe, weil es mir Riesenspaß macht. Bitte nicht klagen!
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Kapitel 34 – Von deinen Augen träumend/Nevilles Sicht
Ich weiß, dass ich mir darum Sorgen machen soll, ob mein Mentor auf mich sauer ist oder nicht, aber der einzige, der in meinem im Kopf ist, ist der dunkle Prinz.
Ich kann ihn nicht aus meinem Kopf vertreiben. Auch wenn ich ruhig in meinem Bett liege, kann ich seine roten Augen überall sehen. Sie starren mich aus den Tiefen der Schränke, aus den dunklen Ecken und aus dem Gebüsch da draußen an. Und sie sind in jedem meiner Träume, die in letzter Zeit hauptsächlich Albträume sind, aus denen ich durchgeschwitzt und schreiend erwache.
Ich bin jede Bewegung und jeden Zauber, an den ich mich noch erinnern kann, in meinem Kopf durchgegangen. Ich habe mir meine Fehler gemerkt und auch darüber nachgedacht, was meine Schwäche sind. Woran ich weiter arbeiten soll, sodass ich ihn beim Duellieren besiegen kann. Manchmal kommt es mir wie ein unerreichbares Ziel vor, aber manchmal habe ich den Eindruck, dass es in meiner Reichweite steht. Aber es ist leicht über meine Fehler nachzudenken da das Duell schon vorbei ist.
Seit er mich hergebracht hat, hat er nicht mit mir gesprochen. Er hat mich geheilt und ist dann weggegangen. Da wir den Onkel von Harolds Kindern gefunden haben, sind jetzt die Kinder bei ihm. Und Tonks ist hier, um sich um mich zu kümmern. Manchmal kommt auch ihr Freund, Percy Weasley, vorbei. Heute fühle ich mich schon viel besser und möchte aufstehen. Ich muss etwas unternehmen und kann nicht ewig daliegen. Ich muss trainieren, weiter arbeiten, und mich auf das nächste Duell mit dem dunklen Prinzen vorbereiten.
Michael teilte mir mit, er habe mit meinem Mentor gesprochen aber dass er unnachgiebig bleibt. Er wollte sich mit meinem Engel nicht unterhalten und schickte ihn weg. Ob er so sauer auf mich ist, dass er überhaupt nicht darüber reden will?
Ich habe es wenigstens versucht. Und ich muss selbst mit ihm sprechen. Ob er zu Hause ist? Ich höre Geräusche aus der Küche und vermute, dass Tonks gerade dabei ist das Mittagessen vorzubereiten. Ich soll ihr helfen, so werde ich zur Abwechslung etwas Gutes essen können. Ich mag Tonks, aber sie ist, trotz all ihrer Leistungen, eine schlechte Köchin.
Aber als ich die Küchentür drücke, bekomme ich meinen Mentor zu Gesicht. Das Mittagessen kocht sich selbst und er scheint die Magie für alles benutzt zu haben. Die Kartoffeln werden von einem verzauberten Messer geschnitten, der Kohl wird gewaschen und zwei Fische schweben in der Luft und werden von zwei Messern für das Braten vorbereitet. Er wiederum sitzt am Tisch und liest den Propheten. Als ich reinkomme, hebt er den Blick und mustert mich.
„Hallo, Aberforth," sage ich.
„Warum bist du aufgestanden?" fragt er.
Obwohl er offensichtlich auf diese Weise seine Sorge um mich ausdrückt, entgeht mir nicht, dass seine Stimme nicht so freundlich wie üblich ist.
„Mir geht es jetzt gut und ich konnte nicht länger daliegen," sage ich.
Er sagt nichts dazu sondern blättert die Seite um.
„Bitte, sei nicht sauer auf mich, Aberforth," sage ich verzweifelt, bevor ich mich aufhalten kann.
Ich kann es nicht ausstehen. Die Stille, seine gleichgültige Stimme und der Blick, der enttäuschte Blick, den er auf mich gerichtet hat als ich reinkam sind einfach zu viel für mich.
„Du bist nicht nur mein Mentor, sondern auch mein Freund," sage ich, wobei mir Tränen in die Augen steigen. „Und es zerreißt mir das Herz, mit dir nicht reden zu können."
Er legt den Propheten auf den Tisch und seufzt.
„Ich bin sehr enttäuscht von dir, Neville," sagt er leise. „Und ich weiß nicht, was ich dir sonst sagen soll."
Heiße Tränen kullern meine Wangen entlang und tropfen auf mein T-Shirt. Seine Worte sind wie ein Messer, das mich direkt ins Herz trifft.
„Du hast mich wochen- und monatelang angelogen und mir wichtige Sachen verschwiegen," sagt er ernst. „So benimmt man sich nicht seinem Mentor gegenüber. So benimmt man sich einer Person gegenüber, die einem egal ist."
„Aberforth," keuche ich. „Natürlich bist du mir nicht egal! Aber... versuch doch zu verstehen..."
„Oh ich verstehe ja," sagt er grimmig. „Du hast gedacht, hätte ich gewusst, dass du dich mit dem dunklen Prinzen verabredet hast, dann hätte ich es nie erlaubt. Natürlich hattest du Recht. Und wäre ich nicht gekommen, hätte mich Uriel nicht gesucht und mir gesagt, was du getan hast und mir angeboten mich zu dir zu bringen, wärst du tot. Ich habe dich in letzter Sekunde gerettet."
Ich schniefe und wische mir das Gesicht ab. Natürlich hat er Recht aber warum kann er nicht das größere Bild sehen? Warum begreift er einfach nicht, dass ich mich gerne für das größere Wohl der Welt opfere? Warum denkt er, dass ich den dunklen Prinzen nicht hätte besiegen können?
Und dann fällt mir ein, was mir meine Engel früher gesagt haben. Uriel hat mich vor dem sicheren Tod gerettet, indem er meinen Mentor geholt hat. Und das, was sie mir von meiner Zukunft erzählt haben, ist wahr geworden. Ich habe das Duell verloren, werde es aber laut meinen Engeln eines Tages in der Zukunft gewinnen. Aber noch nicht. Alles hat sich planmäßig abgespielt und da sie wahrscheinlich begriffen haben, dass ich nicht mit dem Duell aufhören werde bis der dunkle Prinz mich umbringt, haben sie meinen Mentor geholt.
Das Schicksal ist eine seltsame Sache.
„Das haben sie also gemeint," murmele ich.
Aber Aberforth scheint meinen Worten keine Aufmerksamkeit zu schenken.
„Worüber schreibt er?" fragt er scharf. „Ist dir denn nie eingefallen, dass er seine Briefe mit einem Fluch hätte belegen können? Wie hat er dich nur zu dieser Verrücktheit überredet? Denn wenn nicht die dunkle Magie schuld war, weiß ich auch nicht. Du bist ein vernünftiger Junge und doch hast du dich reinlegen lassen."
„Es war nicht die dunkle Magie, Aberforth," sage ich entschlossen. „Ich hab es so gewollt. Du versteht es nicht-"
„DANN ERKLÄRE MIR BITTESCHÖN, WIE DU ÜBER NACHT DEN VERSTAND VERLOREN HAST!" brüllt er auf einmal und ich fahre hoch.
Mit leicht gerötetem Gesicht steht er auf und schaut mich zornig an.
Ohne weiteres erzähle ich ihm von allem, was mir meine Engel gesagt haben. Ich weiß nicht, ob er davon von Uriel gehört hat, aber ich soll diesmal ehrlich sein. Während ich spreche starrt Aberforth seine Hände an und schweigt. Ich weiß nicht, ob ich erleichtert sein soll, dass er mich nicht mehr anbrüllt, aber etwas sagt mir, dass es erst die Ruhe vor dem Sturm ist.
„Und du denkst, dass deine Engel deinen Sieg vorausgesehen haben?" fragt er nachdem ich verstumme.
„Ja," sage ich einfach.
„Neville, Neville," flüstert er und reibt sich die Stirn.
Er vergräbt das Gesicht in seinen Händen und ich starre ihn fassungslos an. Solche eine Reaktion habe ich keinesfalls erwartet.
„Ich habe beinahe einen Herzinfarkt bekommen, als du gesagt hast, dass du mit dem Prinzen gehen möchtest," sagt er leise. „Ich dachte, dass du verloren warst. Als Uriel mich geholt hat, war ich erleichtert. Ich war mir sicher, dass dich der dunkle Prinz irgendwie überzeugt hat. Mithilfe der Magie oder sonst wie, dass es mir irgendwie entgangen ist, wie er es getan hat. Ich habe versucht, mir dein seltsames Benehmen zu erklären. Ich dachte, dass dein Hass ihm gegenüber zu stark war und dass er die Oberhand gewonnen hat. Dass du noch immer verzweifelt deine Oma rächen wolltest. Ich habe dich auch, sobald wir in Sicherheit waren, auf Flüche getestet. Aber es schien, dass du ihm freiwillig gefolgt bist. So blieb mir die Erklärung übrig, dass du es getan hast, weil du deine Oma rächen wolltest."
„Nein, das ist es nicht," werfe ich hitzig ein.
„Also warum dann?" fragt Aberforth scharf. „Weil dir deine Engel gesagt haben, dass du eines Tages den dunklen Prinzen besiegen wirst?"
„Weil ich mich für das größere Wohl opfern möchte!" platzt es aus mir.
Ist es möglich, dass er mich trotz seines angeblichen Vertrauens noch immer als ein Kind ansieht?
„Das war meine Chance, das Böse endgültig zu vernichten! Ja, ich hab das Duell verloren. Und du hast mir das Leben gerettet. Aber es war vorausgesehen. Siehst du das nicht? Sowie es vorausgesehen ist, dass ich ihn eines Tages besiege!"
„Glaubst du nicht an das Schicksal, Aberforth?" frage ich verzweifelt.
Die lichtblauen Augen mustern mich.
„Ja," sagt er leise. „Aber ich glaube auch, dass einige Vorbedingungen erfüllt werden müssen, bevor so etwas Wichtiges passieren kann. Neville, wir reden hier über den dunklen Prinzen. Ja, vielleicht kanntest du ihn einmal..."
„Harry Potter ist tot," zische ich. „Dieses Monster ist kein Harry Potter! Und ich kenne ihn nicht!"
Sein Blick wird noch besorgter.
„Ich habe mich mit ihm für eine lange Weile duelliert, bevor du mich rausgeholt hast, oder?" werfe ich hitzig ein. „Für ein verzweifeltes Kind, das seine Oma rächen will, ist das ziemlich gut, oder?"
„Ich habe nie gesagt, dass ich dich als verzweifeltes Kind ansehe," eilt er zu sagen. „Und wir dürfen nicht ausschließen, dass er nur mit dir gespielt hat."
Schon wieder das. Bilde ich es mir nur ein, oder war all sein Glaube an meine Fähigkeiten nur gespielt? Er redet ständig über meinen Fortschritt und wie viel ich gelernt habe und jetzt zweifelt er daran, dass ich überhaupt dazu fähig bin, eine Minute des Duells mit dem dunklen Prinzen zu überleben?
„Ich werde dir die Erinnerung an das Duell zeigen," sage ich aufstehend. „Und dann werden wir sehen, wer gespielt hat. Unser Duell war ein Kampf um Leben und Tod. Und ich habe ihn überlebt. Ja, dank dir, aber trotzdem ging es mir ziemlich gut schon bevor du gekommen bist."
„Das ist eigentlich eine sehr gute Idee," meint Aberforth, den Zorn in meiner Stimme einfach ignorierend. „Wir werden uns die Erinnerung anschauen. Aber nicht bevor du mir versprichst, dass du ihm keine weiteren Briefe schicken wirst und dass du ihn nicht weiter suchen wirst."
„Das kann ich dir nicht versprechen," sage ich mit zusammengepressten Lippen.
Ja, vielleicht bin ich verrückt geworden, um alles wegzuwerfen, was ich bekommen habe. Um meinen Mentor zu verlieren und wieder alleine zu stehen. Tief in meinem Inneren weiß ich, dass ich es nicht ertragen könnte, wenn Aberforth mich verlässt. Aber ich kenne meine Pflichten und werde sie erfüllen. Ich stehe über dem kindischen Wunsch, mich irgendjemandem zu gewähren, hinweg. Ich sehe das größere Bild, wenn Aberforth es schon nicht sehen kann.
„Ich weiß, wäre ich beim Duell gestorben, wärst du sauer auf dich selbst gewesen," fahre ich schnell fort. „Und ich kann das verstehen. Aber bitte, Aberforth, verstehe doch. Ich habe dich sehr gerne; und nicht nur das. Ich betrachte dich als meinen Vater."
„Aber du kannst dich nicht von deiner Zuneigung und deinem Pflichtgefühlen mir gegenüber blenden lassen. Mir bedeutet mein Leben gar nichts, wenn ich es nicht beim Kämpfen gegen das Böse verbringe. Und das habe ich getan. Ich habe keine Angst vor dem Tod. Aber ich möchte auch den dunklen Prinzen mit mir in den Tod ziehen."
Er öffnet den Mund, um mich zu unterbrechen, aber ich schneide ihm das Wort ab.
„Ich möchte kämpfen. Ich möchte ihn besiegen. Und wenn das heißt, dass auch ich sterbe, fein. Ehe meine Engel zu mir gekommen sind war ich eh ein Nichts, ein Niemand. Mein Leben hat einen Sinn bekommen erst als ich es dem Kampf gegen die dunkle Seite gewidmet habe. Und ich möchte mein Lebensziel erreichen. Ich möchte ihn besiegen. Bitte hilf mir dabei und stoße mich nicht weg. Ich bin auch dazu bereit, alleine weiterzumachen. Ich bin bereit, was auch immer notwendig ist zu tun, um ihn zu besiegen. Aber ich würde viel mehr Chance haben zu überleben, mit dir an meiner Seite. Bitte, Aberforth. Versteh doch. Es geht nicht um Rache und es geht nicht um kindische Einbildungen, dass ich den Prinzen eigenhändig besiegen kann. Ich möchte und werde es tun. Und ich stehe nicht alleine. Meine Engel stehen zu mir und sie unterstützen mich in meinem Vorhaben. Warum kannst du nicht das gleiche tun?"
Aberforth Dumbledore hebt den Kopf und wischt sich die Tränen aus dem Gesicht. Er weint?
„Neville," flüstert er, auf mich zukommend. Und bevor ich die Chance habe, etwas zu sagen, legt er seine Arme um mich. „Natürlich sehe ich dich nicht wie ein Kind an. Du bist ein echter Held, Neville. Und ich bin stolz auf dich."
Er tätschelt meinen Rücken und ich blinzele verwirrt. Er ist stolz auf mich?
„Ich denke nicht, dass ich dir viel helfen kann," flüstert er. „Denn du entwickelst dich so schnell, dass ich nicht mithalten kann. Aber ich werde mein bestes tun, dir zu helfen, auf welche Weise auch immer. Aber eines kann ich dir nicht versprechen. Falls dir etwas passiert, werde ich es für den Rest meines Lebens bereuen."
„Vielleicht habe ich meiner Sorge für dich erlaubt, mich in die Irre zu führen," fügt er hinzu. „Aber du hast mich sehr verletzt, Neville. Ich dachte, du seist verloren. Ich habe überhaupt nicht in Betracht gezogen, dass du für ein edleres Ziel kämpfst, als für Rache. Aber das tust du. Und ich werde dich nie und nimmer wegstoßen. So unerreichbar wie mir dein Ziel auch vorkommen mag, werde ich dir helfen es zu erreichen."
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„Er ist ein Nekromantiker," sagt Aberforth ernst.
Wir stehen auf der gleichen Lichtung, auf der der dunkle Prinz und ich uns duelliert haben und schauen uns meine Erinnerung an. Aberforth mustert den schnell bewegenden Schatten, der hinter den Bäumen eine menschliche Gestalt annimmt.
„Nicht alle Nekromantiker besitzen diese Fähigkeit," fährt er nachdenklich fort.
„Aber meine Engel können sich auch auf diese Weise bewegen," sage ich an meine Engel gewandt.
„Wir können schnell durch den Raum reisen, ja," sagt Michael. „Einfach weil wir kein Teil dieser Welt sind. Wir nehmen eine menschliche Gestalt an sodass wir mit den Sterblichen überhaupt kommunizieren können. Aber wenn ein Sterblicher es macht, heißt es, dass er kurz in die andere Welt eintaucht. So siehst du einen Schatten, aber derjenige, der auch in der anderen Welt getaucht ist, kann ihn problemlos sehen."
„Verstehe," murmele ich. „Das Problem ist nur, wie kann ich ihn treffen, während er sich in der anderen Welt, wie ihr sie nennt, bewegt?"
Michael zuckt mit den Schultern und scheint darüber nachzudenken. Aberforth schaut mit verengten Augen weiter zu, wie ich den dunklen Prinzen bekämpfte und er folgt jeder meiner Bewegungen. Schließlich fällt Uriel etwas ein.
„Vielleicht wäre es sehr schwierig, ihn zu treffen während er sich in der anderen Welt bewegt," sagt er. „Und ich sehe zwei Möglichkeiten. Eine davon wäre, ihn aus dieser Welt zu verdrängen. Was sich mit diesem Dämon, der immer bei ihm ist, als sehr schwer erweisen wird."
„Moment mal," unterbreche ich ihn. „Wie kommt es, dass ich ihn sehen kann? Den Dämon?"
„Ein magisches Wesen sowie einen Engel oder einen Dämon in seiner Licht- oder Schattenform zu sehen hängt nicht davon ab, ob man ein Hellmagier oder Schwarzmagier ist," sagt Uriel. „Die Dämonen können sich jemandem zeigen, wenn sie es wollen. Hauptsächlich tun sie es weil sie es mögen, Menschen mit ihrem Aussehen Furcht erregen."
„Jetzt verstehe ich," murmele ich. „Aber der dunkle Prinz kann euch nicht sehen?"
„Nein," sagt Michael mit einem Hauch von Abneigung in seiner Stimme. „Ein Sterblicher wie er würde unsere menschliche Form nie sehen können. Er sieht uns wahrscheinlich als zwei Lichtkugeln."
„Oder zwei Lichtpunkte," wirft Uriel ein.
„Die zweite Möglichkeit wäre dich in die geistige Welt hineinzuziehen, sodass du ihn dort angreifen kannst," sagt Uriel ernst. „Aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob dir das gefallen wird."
„Wir sollten es jedenfalls üben," meint Michael. „Das Gefühl kann ein wenig verwirrend sein."
„Wie fühlt sich die andere Welt an?" frage ich neugierig.
Klingt nach einer guten Lösung. Aber würde ich auch so kämpfen können?
„Was im Namen Merlins ist hier passiert?" höre ich Aberforths Stimme und drehe mich um.
Ach ja. Ich habe es beinahe vergessen.
Wir sind zum Zeitpunkt gekommen, als der dunkle Prinz und ich gleichzeitig einen Zauber auf einander schossen, wobei sich die zwei Magiestrahlen miteinander verbanden. Ich erinnere mich, dass mein Stab vibrierte und dass ich meine Hand nicht bewegen konnte.
„Keine Ahnung," sage ich achselzuckend. „Ich konnte meine Hand nicht bewegen. Und mir kam es vor, als wären unsere Zauber für eine kurze Weile verbunden. Dann aber hat er den Dämon zu sich gerufen und er hat zusammen mit meinen Engeln den Kontakt abgebrochen. Michael?"
„Der Dämon hat einen Riss erzeugt," sagt der Engel. „Einen Riss auf dieser Welt, der die Verbindung gebrochen hat. Aber ich habe gar nichts getan."
„Und du sagst, dass du deine Hand nicht bewegen konntest?" fragt Aberforth, der zuschaut, wie sein Doppelgänger aus dem Nichts auftaucht und mich mit sich zieht. Als ein blendender grüner Blitz auf die gesamte Lichtung geworfen wird, löst sich die Erinnerung auf und wir finden uns wieder in seinem Zimmer.
„Der Todesfluch," murmelt Aberforth und erschaudert.
Der mich beinahe getroffen hat.
„Ja, meine Hand war wie paralysiert. Den Rest meines Körpers konnte ich doch bewegen, aber es war, als hätte man meine Hand gefesselt," sage ich.
„Und der dunkle Prinz konnte auch seine Hand nicht bewegen?" fragt Aberforth neugierig.
„Zumindest denke ich, dass das der Fall war," sage ich nachdenklich.
Ich erinnere mich an den Zorn und die Verwirrung, die sich in seinem Gesicht spiegelten.
„Und es verwirrte ihn," fahre ich fort. „Er hat so was nicht erwartet."
„Sicherlich nicht," murmelt Aberforth. „Ich habe noch nie von so etwas gehört."
„Die wahre Frage ist, ob es noch mal passiert?" frage ich nachdenklich. „Wie kann ich es verhindern? Ob ich es irgendwie gegen ihn benutzen kann?"
„Gegen ihn benutzen?" fragt Aberforth überrascht. „Deine Denkweise gefällt mir nicht, Neville. Wir sollten an deinen Fähigkeiten arbeiten und herausfinden, was dieses Phänomen verursacht hat. So werden wir etwas erreichen, und wir sollen uns definitiv nicht den Kopf darüber zerbrechen, wie wir es gegen den Prinzen benutzen können. Das bringt uns gar nichts."
„Vielleicht würde uns der Stabhändler sagen können, warum es passiert ist," schlage ich vor, seinen Tadel weghörend. „Denn ich vermute, dass der Prinz auch seinen Stab von ihm bekommen hat."
Aberforth hält inne und schaut mich überrascht an.
„Ja, hast du es nicht bemerkt? Sein Stab ist vielleicht länger als mein Stab aber Zauberstäbe, die Edelsteine enthalten, sind ziemlich selten, oder?" frage ich.
Wie kommt es, dass er es nicht bemerkt hat?
„Bist du dir sicher?" fragt er leise.
„Ja, hundertprozentig," sage ich. „Wir sollten den Stabhändler fragen."
„Die Frage ist nur, ob der Prinz auch bemerkt hat, dass eure Stäbe ähnlich sind," meint er nachdenklich. „Wenn schon, wird er das gleiche tun. Er wird ihn suchen und wahrscheinlich auch eine Falle für uns vorbereiten. Dort auf uns warten."
„Wir können auch nicht ausschließen, dass er nächstes Mal einen anderen Stab benutzt," sagt er.
„Nicht wenn ihm dieser Stab gut dient," sage ich kopfschüttelnd. „Ich soll es wissen. Ich würde nie mit einem anderen Stab zaubern können, außer mit diesem." Ich zücke meinen Stab und begutachte ihn. „Und der Prinz ist machtbesessen. Wenn ihm sein Stab ermöglicht, besser zu zaubern, wird er nie und nimmer einen anderen Stab benutzen wollen."
„Ich habe jedoch von den Iren gehört, dass er mit zwei Stäben gekämpft hat," wirft Aberforth ein. „Einer, welcher zweifelsohne der Stab mit den Edelsteinen ist. Der andere könnte sein alter Stab sein."
„Unmöglich," sage ich. „Er hat darüber in einem seiner Briefe geschrieben. Ich habe ihn gefragt, ob Schwarzmagier Probleme mit den Stäben der anderen haben und habe ihm von dem Stab meines Vaters erzählt. Er hat mich ausgelacht. Gesagt, ein Zauberer solle seinen eigenen Stab haben. Er hat auch gesagt, dass Schwarzmagier in der Regel Zauberstäbe mit den magischen Kernen, die von dunklen magischen Geschöpfen stammen, am besten finden. Weswegen ein Schwarzmagier Probleme mit einem Zauberstab hätte, der eigentlich für Hellmagie geeignet ist."
„Nun das erklärt, warum Sirius Black es mied, Magie zu benutzen," schlussfolgert Aberforth. „Denn ich habe einen Stab für ihn besorgt, der keinesfalls als schwarzmagisch bezeichnet werden konnte. Er ist ein Schwarzmagier und konnte deswegen mit diesem Stab gar nichts anfangen."
Er hebt den Blick und schaut mich durchdringend an.
„Das nächste Mal, wenn du einen Brief von ihm bekommst, möchte ich ihn lesen," sagt er entschlossen. „Ich kann es nicht abstreiten, dass du auf diese Weise viel über ihn und seine Denkweise gelernt hast – was dein Duell mit ihm deutlich beweist – aber trotzdem würde ich gerne wissen, worüber er schreibt."
„Ja, klar," sage ich.
Es fühlt sich so gut an, mit ihm ehrlich sein zu können. Mir hat es das Herz zerrissen, ihn belügen zu müssen. Vielleicht habe ich ihn unterschätzt. Vielleicht hätte ich ihm doch von allem erzählen sollen. Andererseits scheint er erst jetzt bereit zu sein, mich in der Sache zu unterstützen, als er mich beim Duellieren mit dem Prinzen gesehen hat und als ich ihm gesagt habe, wofür ich eigentlich kämpfe.
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/Harrys Sicht
„Mein Prinz!" ertönt eine überraschte Stimme. „Welche Ehre! Brauchen Sie einen Ersatzstab?"
Ich rümpfe die Nase als sich Ollivander vor mir tief verbeugt. Severus hat ihm nur ungern einen Raum hinter seinem Labor überlassen, wo er arbeiten kann. Und gäbe es nicht Draco, der auch hier oft arbeitet, hätte ich Severus befohlen, seine Arbeit zu Hause zu erledigen. In letzter Zeit erlaubt Draco Severus nicht, sich in sein Tränkebrauen einzumischen. Severus macht Tränke, die häufig gesucht sind, sowie zum Beispiel Schmerztränke. Aber wenn es um kompliziertere Tränke geht, bevorzugt Draco sie alleine zu brauen. Es scheint dass er Severus nicht mehr vertraut, seit er sich in Dracos Augen unwürdig des Heilertitels erwiesen hat.
„Nein," sage ich entschlossen. „Ich möchte dich etwas fragen."
Ich setze mich auf den Hochstuhl in seinem Labor und begutachte die vielen Gläser, die magische Stabkerne enthalten. Ollivanders Augen leuchten als er sich auch setzt und mich erwartungsvoll anschaut.
„Während ich mich mit einem Hellmagier duelliert habe, ist etwas seltsames passiert," fange ich an. „Als wir gleichzeitig Flüche auf einander schossen, haben sie sich um einander geschlungen. Ich konnte die Hand die meinen Stab hielt nicht bewegen, meine andere Hand jedoch schon. Mein Begleiter hat die Flüche getrennt aber ich würde gerne wissen, warum es passiert ist."
Mit jedem meiner Worte werden Ollivander Augen größer und größer.
„Das ist faszinierend," platzt es aus ihm. „Ich habe noch nie von so etwas..."
„Ja, lass das," schneide ich ihm das Wort wütend ab. „Warum ist es passiert? Was denkst du?"
„Nun, zuerst würde ich gerne wissen, um welche Stäbe es sich handelt," sagt Ollivander.
„Meinen Stab darfst du untersuchen, aber den anderen Stab kriegen wir nicht," sage ich kopfschüttelnd. „Gab es denn keinen Vorfall, bei dem etwas Ähnliches passiert ist?"
„Dass zwei Stäbe derart auf einander reagieren, grenzt an ein Wunder, mein Prinz," sagt Ollivander. „Klar, manche Stabkerne scheinen aufeinander zu reagieren, aber dabei kommt es nicht zu einer Verbindung, die Sie gerade beschrieben haben."
„Einer Verbindung?" wiederhole ich und verenge die Augen. „Denkst du, dass es sich um eine Verbindung handelt?"
„Der Beschreibung nach zu schließen, ja," sagt der Stabhändler. „Die Tatsache, dass Sie ihre Hand die den Stab hielt, nicht bewegen konnten, beweist es. Und alles deutet auf eine sehr ungewöhnliche gegenseitige Reaktion der zwei magischen Kerne hin. Nichts dergleichen passierte früher beim Kampf mit diesem Hellmagier? Wie lange hat es gedauert?"
"Für eine Weile," sage ich ausweichend. „Aber nein, nichts dergleichen passierte früher. Es geschah erst wenn wir Flüche gleichzeitig auf aneinander schossen."
„Faszinierend," wiederholt der Zauberer noch mal. „Dass sich zwei magische Kerne so benehmen ist wirklich faszinierend."
„Also wie kann ich das verhindern?" frage ich genervt.
„Außer dem offensichtlichen gibt es keinen anderen Weg," behauptet Ollivander. „Sie können aber Ihren Ersatzstab benutzen."
„Das war einmal mein Ersatzstab, den ich jetzt jeden Tag benutze," sage ich. „Ich benutze den anderen nur wenn ich mit zwei Stäben kämpfen will. Aber dann halte ich den anderen in meiner linken Hand, die nicht so geschickte beim Zaubern ist wie meine rechte."
„Sie kämpfen mit zwei Stäben?" wiederholt Ollivander. „Das ist..."
„Faszinierend, ja, klar," unterbreche ich ihn wieder ungeduldig. „Und wenn du so weitermachst, werde ich dir zeigen, wie gut mein neuer Stab meine Magie kanalisieren kann."
Ollivander atmet tief durch und senkt den Kopf. Er scheint unfähig zu sein, seiner Neugier zu widerstehen.
„Es tut mir leid, mein Prinz," sage er schnell. „Ich werde mein bestes tun. Wenn Sie mir Ihren Stab doch geben können, um ihn zu untersuchen, würde ich Ihnen vielleicht auch ein paar Antworten geben können. Und ich würde gerne eine Beschreibung des anderen Stabes haben."
„Er schien von dem gleichen Stabhändler zu stammen," sage ich, meinen Stab zückend.
Ollivander nimmt ihn mit beiden Händen und gesenktem Kopf von mir entgegen, hält aber inne.
„Von dem gleichen Stabhändler?" wiederholt er. Er schaut auf den Stab hinunter und pfeift. „Ja, ich kenne den Mann! Ich kenne seine Kunst!"
Fasziniert blickt er über meinen Stab und ich verdrehe die Augen. Wenn ihn der dunkle Orden nicht bräuchte, hätte ich ihm seit langem den Hals umgedreht. So nervig wird man geboren.
„Und ich kann mit ihm darüber reden," sagt Ollivander, der noch kaum ruhig sitzen kann und scheint so aufgeregt zu sein, dass er am liebsten auf die Decke springen würde. „Wissen Sie womöglich, wie ihr Gegner heißt?"
„Neville Longbottom," sage ich scharf. „Und wieso denkst du, dass er mit dir reden würde?"
„Weil wir... verwandt sind," sagt Ollivander. „Er wird mir bestimmt die Wahrheit sagen, keine Sorge, mein Prinz. Sie können sich auf mich verlassen. Ich rede mit ihm und melde mich bei Ihnen sobald ich Neuigkeiten habe."
„Tu das," sage ich abwinkend.
Ich möchte nur ein paar Antworten bekommen und schere mich gar nicht um Ollivander und seinen Verwandten. Aber etwas sagt mir, dass er nicht sein Cousin ist, sondern etwas ganz anderes. Aber Ollivander kann seine Geheimnisse ruhig behalten. Ich habe kein Interesse an ihnen.
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/Nevilles Sicht
Aberforth geht zur Mitte des Raumes und bleibt vor mir stehen, während Tonks beiseite tritt.
„Ich bin bereit," sage ich, dabei tapferer klingend als ich mich fühle.
Michael und Uriel packen mich unter den Armen und ich spüre einen heftigen Ruck, wobei ich den Eindruck habe, dass ich aus einer Kanone hoch über die Erde geschleudert werde und kaum noch weiß, wo meine Füße und wo mein Kopf sind. Mit aller Kraft versuchend, meine Augen nicht zusammenzukneifen, umklammere ich meinen Stab fester. Als das spinnende Gefühl endlich etwas nachlässt, fühle ich mich, als besitze ich keinen Körper mehr.
Das Gefühl kann sich mit keinem anderen vergleichen. Ich kann zwar meine Arme und Beine bewegen, aber dabei habe ich nicht das Gefühl, als gehören sie mir. Sie gehorchen mir wenn ich ihnen befehle, sich zu bewegen. Ich kann sie auch sehen, aber sie kommen mir vor, als seien sie eher aus Licht als aus Fleisch und Blut. Und ich sehe vage etwas schimmerndes direkt vor mir.
„Ich kann Aberforth nicht sehen," sage ich verzweifelt zu meinen Engeln.
Ich schaue mich um und stelle fest, dass mich meine Engel aus der Nähe anschauen. Der erste Gedanke, der mir durch den Kopf geht, ist, dass sie einfach wunderschön sind. Es geht hier nicht um ihr Äußeres, denn sie besitzen so gut wie keine Körper, sondern eher um das, was sie ausstrahlen. Sie sind Lichtwesen, welche Schönheit derart ausstrahlen, dass ihre bloße Gegenwart beinahe überwältigend ist. Ich kann nur ihre Blicke spüren, kann sie aber nicht deutlich sehen.
„Siehst du seine Seele nicht?" fragt Michael.
Seele. Ach ja. In der geistigen Welt kann man nicht den Körper sehen, sondern nur die Seele. Dies ist die Welt der Dämonen und Engel, in dem es nichts Materielles gibt. Der Raum ist ein Ganzes, durch das, laut meinen Erzengeln, man sich schnell bewegen kann, weil hier keine Gesetze der materiellen Welt gelten. Aber meine Engel werden die ganze Zeit, jede Sekunde, bei mir sein müssen, sodass ich in dieser Welt überhaupt bleiben kann. Alleine schaffe ich es nicht, aber der dunkle Prinz kann nach Belieben in diese Welt sinken.
„Komm schon, greife mich an," höre ich Aberforths Stimme.
Aber mir kommt es, als spüre ich eher seine Stimme und höre sie nicht.
Ich hebe meinen Stab und versuche einen Betäubungszauber auf ihn zu schicken. Nichts passiert.
„Benutze deine Magie," sagt Uriel ernst. „Stell dir vor, wie du den Zauber benutzt. Anders geht es nicht."
Ich kneife die Augen zusammen und stelle mir mich vor, wie ich einen Betäubungszauber ausführe. Und gleich spüre ich, wie sich Magie aus meinem Stab löst und auf Aberforth saust.
„Sehr gut," spüre ich seine Stimme. „Jetzt greife ich dich an."
„Stell dir vor, wie du seinen Zauber abwehrst und schicke deine Magie ihm entgegen," weist mich Uriel an.
Vielleicht ist es besser, wenn ich die Augen schließe. Denn ich kann eh nichts sehen. In der geistigen Welt kommt alles darauf an, ob man etwas spürt oder nicht. Meine Augen und meine Ohren scheinen mir von keinem Nutzen zu sein.
Ich stelle mir einen großen, leuchtenden Schild vor, der sich um mich herum bildet. Ich spüre deutlich Magie, die versucht einzudringen, die jedoch gegen meine Magie prallt. Danach höre ich einen überraschten Ruf.
„Sehr gut!" spüre ich Aberforth sagen. „Sehr gut, Neville!"
„Gehen wir zurück," sage ich zu meinen Engeln.
Sie nicken und ziehen mich nach unten. Ich falle mit einer halsbrecherischen Geschwindigkeit tiefer und tiefer, dabei versuchend, nicht verzweifelt zu schreien oder mich zu übergeben. Das ist unerträglich.
Allmählich wird mir klar, dass ich wieder sichtbare Beine besitze und atme tief durch. Denn in der geistigen Welt scheint man nicht atmen zu müssen. Die geistige Welt scheint im Allgemeinen so verwirrend und so seltsam zu sein dass ich keine Lust habe, dorthin zurückzukehren.
„Das war," keuche ich und spüre, wie mich meine Engel loslassen, „die verrückteste Sache, die ich je erlebt habe."
Aberforth scheint von innen zu glühen.
„Du hast es geschafft," sagt er glücklich, mir die Schulter drückend.
„Unglaublich," sagt Tonks grinsend. „Eine Sekunde bist du da und die andere bist du eine schimmernde Gestalt. Unglaublich, Neville!"
„Aber ich werde mich an das Gefühl noch gewöhnen müssen," sage ich, mir den Schweiß von der Stirn wischend. „Da kann ich nicht sehen und nicht hören. Alles kommt auf mein Gefühl an. Ich kann auch nicht zaubern, kann mir aber vorstellen, wie ich zaubere und es passiert."
„Das wird schon," sagt Aberforth grinsend. „Und du konntest mich sehen?"
„Nicht gerade sehen," sage ich verwirrt. „Sondern eher spüren. Ich konnte deine Seele sehen."
„Aber ich frage mich, ob ich die Seele des dunklen Prinzen sehen könnte?" murmele ich.
Meine Engel wechseln Blicke.
„Wenn er noch eine hat, dann schon," sagt Michael. „Wenn er nicht seine ganze Seele dem Dämon gegeben hat."
„Aber ich muss es wissen," sage ich kopfschüttelnd. „Sonst ist all diese Arbeit umsonst. Ihr habt gesagt, ihr könntet ihn aus seiner Schattenform verdrängen? Wie denn? Funktioniert das nur bei Menschen?"
„Mit einem Dämon zum Beispiel könnten wir gar nichts anfangen," meint Michael.
Ich weiß, wie sehr sie es hassen, über Dämonen reden zu müssen und mir tut es leid, sie ständig erwähnen zu müssen. Aber was soll man tun.
„Aber mit einem Mensch, der eine Seele hat, können wir doch etwas anfangen," sagt Michael. „Das Problem ist nur..."
Er schaut zu Uriel, der sich räuspert.
„Es war meine Idee," sagt er. „Ich werde Verantwortung für sie tragen."
„Sicherlich ist es in Ordnung, wenn wir dadurch unserem Schützling helfen," sagt Michael, hört sich aber noch immer ein wenig besorgt an.
„Welche Verantwortung?" frage ich.
„Es ist gegen die Gesetze des Paradieses, einen Menschen zu etwas zu zwingen," sagt Michael ernst. „Natürlich können wir jemandem etwas raten, aber zwingen können wir keinen. Du hast beispielsweise den Wunsch ausgedrückt, in die geistige Welt zu gehen und wir haben dir geholfen. Aber da der Schwarzmagier natürlich nicht wollen würde, die geistige Welt zu verlassen, wäre es gegen alle Gesetze, ihn dazu zu zwingen."
„Aber da wir dich dadurch beschützen und dir helfen, wäre es in Ordnung," sagt Uriel. „Ich habe es vorgeschlagen und ich werde es tun. Ich wollte nicht, dass du dir darum Sorgen machst und deswegen habe ich es nicht früher erwähnt. Aber es ist in Ordnung."
Ich stöhne und setze mich auf den Boden. Ich sehe ja ihre Logik aber sie gefällt mir nicht. Gesetze, Prinzipien, Ideale... Alles kommt auf Prinzipien und Gesetze an. Ein Teil von mir wünscht sich brennend, ich wäre ein Schwarzmagier, der gar keine Probleme damit hätte. Zweifelsohne ist es erfrischend, sich darum keine Gedanken machen zu müssen. Natürlich könnte man eine Ausnahme machen. Aber wenn man einmal eine Ausnahme macht, kann man sie wieder machen. Und wieder.
Wie soll ich bitteschön den nächsten Kampf gewinnen? Natürlich kann man die Idee, den Prinzen aus der geistigen Welt zu verdrängen als Mogeln betrachten, aber ich denke nicht, dass ich den Prinzen anders besiegen kann. Ja, meine Engel haben mir gesagt, dass meine Menschlichkeit meine Stärke ist. Aber wie soll ich sie benutzen? Soll ich ihn umarmen und ihn auf die Wange küssen? Lächerlich.
Es gibt keine andere Möglichkeit. Ich muss dieses verrückte Spiel mit dem Prinzen spielen. Sonst werden wir ihn nie alleine kriegen. Es ist der einzige Weg, mitzuspielen. Aber...
„Eine Frage," sage ich, den Boden dumpf anstarrend. „Wenn Aberforth den gleichen Wunsch hätte, die geistige Welt besuchen zu können, würdet ihr auch ihm helfen?"
„Aber natürlich," sagt Uriel sofort. „Er ist der Vertreter des Lichtes und dein Mentor. Natürlich würden wir ihm helfen, aber er hat uns bisher um nichts gebeten."
„Was hast du vor?" fragt Aberforth argwöhnisch, auf mich zukommend.
Ich erdulde jeden Tag seine Kritiken, dass ich wie ein Schwarzmagier denke und dass ich mich lieber auf mein Training konzentrieren und weiter an meinen Kampffähigkeiten arbeiten soll, aber ich sehe einfach nicht, wie mir das weiterhelfen soll. Ich werde nie so schnell und so mächtig sein können, wie der dunkle Prinz. Ich werde mich nie so gut in der geistigen Welt orientieren und zaubern können, wie er. Ich kann nicht erklären, wie er in so kurzer Zeit so viel erreicht hat, aber das interessiert mich momentan nicht. Und wenn ich nicht mächtiger und schneller werden kann, kann ich nur mogeln. Denn sonst kann ich nicht gewinnen.
„Vielleicht ist es mir dieses Mal gelungen, mich in der geistigen Welt zu bewegen und zu zaubern," sage ich langsam. „Und vielleicht wäre ich nach vielen Momentan imstande, auch zu kämpfen. Aber so viel Zeit habe ich nicht und außerdem werde ich nie so gut sein wie er. Ich werde ihn nie auf diese Weise schlagen können."
Ich hebe den Blick und schaue meinem Mentor in die Augen.
„Bitte brülle mich nicht an," sage ich verzweifelt. „Ich habe einen Vorschlag."
„Ich werde dich nicht anbrüllen, Neville," sagt mein Mentor sanft.
Der Vorfall in Amerika war eine sehr wichtige Lektion für uns beide. Ich habe gelernt, dass ich meinen Mentor nie anlügen soll und Aberforth hat gelernt, dass in mir viel mehr steckt, als er vermutet hat. Aber er hat auch – hoffentlich – gelernt, dass er mir seine Regeln und seine Ideen nicht aufzwingen soll, weil ich auf eine andere Weise funktioniere. Und dass er etwas Vertrauen in meine eigenen Ideen haben soll. So verrückt wie sich dieses Spiel anhört, ist ihm endlich klargeworden, dass schwierige Zeiten entsprechende Maßnahmen erfordern.
„Denkst du, dass du es schaffst? In der geistigen Welt zu kämpfen?" frage ich.
„Ich würde mich daran gewöhnen müssen, wie du," sagt er langsam. „Aber ich sehe nicht, warum es unmöglich wäre."
Ich nicke ernst.
„Wir werden mogeln," sage ich entschlossen. „Wahrscheinlich wirst du mich jetzt beschuldigen, dass ich wie ein Schwarzmagier denke, aber anders geht es nicht."
Aberforth seufzt und fährt sich durch sein weißes Haar.
„Lass uns deinen Vorschlag hören," sagt er müde. „Dann werden wir entschieden, was weiter zu tun ist."
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/Harrys Sicht
„Was ist deine Meinung dazu?" frage ich den Dämon, der mir gegenüber sitzt.
Draco ist mit seinen Patienten beschäftigt und ich habe zusammen mit Memphisto einen Ausflug zu einer Höhle gemacht, wo wir ungestört von Voldemort, Todessern und Draco reden können. Denn sonst kriege ich keine Sekunde Ruhe.
„Zu dem kleinen Weißmagier?" fragt der Dämon. Ich nicke.
Er brummt und kratzt sich am schwarzen Kinn.
„Er scheint viel über dich und über deinen Kampfstil gelernt zu haben," sagt der Dämon. „Aber er ist einfach viel zu schwach, um es mit dir aufzunehmen. Er verlässt sich auf seine Begleiter und sie helfen ihm ja auch. Vielleicht verlässt er sich zu viel auf sie. Sicherlich hast du bemerkt, dass sie sich vor ihm aufstellen, wenn sie sehen, dass der Junge sonst unfähig wäre, sich gegen deine Magie zu wehren."
„Ja," sage ich nachdenklich. „Dass Dumbledore Nummer zwei ihn gerettet hat war schade. Ich war gerade dabei ihn zu erledigen."
„Einer der Engel ging, um ihn zu holen," sagt der Herrscher der Hölle. „Das macht nichts, Erbe der Dunkelheit. Du kriegst ihn das nächste Mal."
„Nein, ich hab was anderes vor," sage ich, meine Beine streckend. Der Dämon schaut mich überrascht an. „Darüber werden wir mit dem dunklen Lord nicht reden. Keiner kann davon wissen, außer dir und mir. Verstanden?"
„Natürlich," sagt der Erzdämon.
„Also, so wie ich die Zukunft sehe, ist sie eine Reihenfolge der Ereignisse, die im Voraus bestimmt ist. Das heißt, alles was ich bisher getan habe und geplant habe, führt in diese Richtung. Täte man gar nichts dagegen und würde man einfach so weitermachen wie früher, würde diese Zukunft verwirklicht werden. Aber wenn ich jetzt versuche die Zukunft zu ändern, würde die schon vorhergesagte Zukunft eine andere Gestalt annehmen und vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt stattfinden, von dem ich nichts weiß. Also wäre es eher logisch, der schon bestimmten Reihenfolge der Ereignisse zu folgen, die zu etwas bekanntem führt, statt in eine ganz neue Richtung zu gehen und von der Katastrophe überrascht zu werden. Oder?"
Der Erzdämon grinst breit und nickt.
„Ich bin kein Dämon wie du und habe nicht deine Macht, um meine Zukunft mit einem Wink der Hand vollkommen zu ändern," fahre ich fort. „Aber ich kann das eine, schon vorausgesehene Ereignis ändern, aber nur wenn es dazu kommt."
„Ja," sagt Memphisto. „Also machen wir einfach weiter, als wäre nichts passiert?"
„Genau," sage ich. „Und wir erzählen keinem davon. Ich habe schon alle möglichen Maßnahmen getroffen, habe dabei aber nichts gemacht, was ich an meiner Stelle tun würde, wüsste ich nicht von der Zukunft, die auf mich zukommt."
„Ich werde Draco heiraten – habe es sowieso geplant," sage ich. „Und ich habe Hermine und ihn zu meinen Stellvertretern ernannt. Das war eh offensichtlich, aber ich habe es bekannt gegeben, sodass sich jeder Todesser dieser Tatsache bewusst ist. Ich werde so weitermachen, als wüsste ich nichts. Und wenn die Zeit dafür kommt, werde ich mein Leben auf den Kopf stellen. Das heißt, ich werde den Tod austricksen."
„Eins verstehe ich noch immer nicht," sagt mein Begleiter. „Wieso ist deinen Liebhaber zu heiraten eine Sicherheitsmaßnahme?"
„Weil ich durch das Hochzeitsritual eine Verbindung mit ihm bekommen werde, die mir weiterhin sehr hilfreich sein wird," sage ich ernst.
„Ja, ein schwarzmagisches Hochzeitsritual," sagt Memphisto begeistert. „Ich habe darüber schon gelesen. Aber warum ist diese Verbindung notwendig?"
„Sie ist nicht im Sinne notwendig, dass sie für die Umsetzung meines Plans entscheidend ist," sage ich lächelnd. „Mein Plan würde auch ohne Draco und ohne unsere baldige Verbindung klappen. Aber sie könnte mir dabei helfen, doch diesen Körper zu behalten."
„Ach so," sagt der Herrscher der Hölle. „Verstehe."
„Und wir machen alles so, wie es vorhergesagt worden ist," fahre ich fort. „Ich treffe mich mit dem Weißmagier bei diesem Haus, das von Anna beschrieben worden ist. Bis dahin muss ich herausfinden, wo dieses Haus ist, aber höchstwahrscheinlich werde ich einfach darauf stoßen, wenn ich so weitermache wie früher. Und du wirst meine Seele mit dir in die Hölle nehmen, genauso wie Anna es gesehen hat."
„Deine Seele soll drei Tage bei mir sein?" fragt der Dämon. Ich nicke. „Hoffentlich dauert es nicht so lange."
„Tja, ich kann mir immer einen neuen Körper besorgen," sage ich. „Der dunkle Lord wird es ohnehin tun, denn wir hatten eine Abmachung. Aber dieser Körper gefällt mir und ich möchte ihn behalten, vielen Dank."
Der Dämon lacht.
„Ja, vielleicht ist es am besten, wenn ich deine Seele in Sicherheit bringe," murmelt er. „Die Engel können nicht ihre ach so heiligen Gesetze brechen – Trottel..." Er schüttelt den Kopf. „Aber dem alten Weißmagier würde ich es schon zutrauen. Er mag sich wie ein Weißmagier anstellen, aber so unschuldig ist er doch nicht. Hab mir seine Seele angeschaut."
„Was meinst du?" frage ich neugierig.
„Einfach dass seine Seele nicht pures Licht ist und dass es auch graue Stellen darauf gibt," meint Memphisto. „Die Seele des kleinen Weißmagiers schon. Sie ist eklig. Aber die Seele des Alten hingegen..."
„Kannst du mir sagen, was diese grauen Stellen verursacht hat?" frage ich.
„Etwas, was er in der Vergangenheit getan hat, denn die Flecken sind ziemlich alt," meint der Dämon. „Er hat natürlich versucht, seine Seele zu reinigen, aber so leicht ist es nicht. Die Seele von einem ist sein Buch des Lebens. Es kann sein, dass diese Flecken aus seinem früheren Leben stammen, sicher können wir es nicht wissen. Aber eins ist doch sicher, der Alte ist kein Heiliger, für den er sich ausgibt."
Sehr interessant.
„Es kommt darauf an, wie man die Grenze zwischen Schwarzmagie und Weißmagie zieht," sagt der Dämon. „Manchmal ist es unmöglich eine zu ziehen. Denn eine gewisse Tat kann nicht ohne den Hintergrund betrachtet werden, der etwas auf den ersten Blick ganz unschuldiges in etwas ernstes verwandelt."
„Mit anderen Worten kann auch ein Weißmagier, der nur das gute erzielen will, Schwarzmagie benutzen, obwohl er sie ursprünglich als Weißmagie verwendet hat," sage ich nachdenklich.
„Genau," sagt der Dämon.
Mit Memphisto kann man über allerlei Sachen reden und es wird nie langweilig. Schließlich ist er so alt wie die Welt selbst.
„Aber nur ein Weißmagier stellt Grenzen für sich," sagt Mephisto. „Ein Schwarzmagier kann auch Weißmagie benutzen, aber umgedreht geht es nicht. Das zu Grunde liegende Prinzip der Schwarzmagie ist – keine Grenzen für sich zu stellen, was auch unter uns Dämonen merkbar ist."
„Nun ich freue mich endlich die Hölle sehen zu können," sage ich nach einer Weile.
Der Dämon grinst breit.
„Ich kann dich jederzeit dorthin bringen," sagt Memphisto „Aber das Erlebnis wird zweifelsohne spannender sein, da du deinen Körper zurücklassen wirst. Du wirst sozusagen tot sein."
„Ja und dadurch wird diese Vision verwirklicht werden," sage ich. „Das möchte ich erzielen. Die Zukunft bleibt so, wie sie vorausgesehen worden ist, aber ich werde das Ende ein wenig bearbeiten."
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/Nevilles Sicht
„Für eine Weile wird der dunkle Orden ruhig bleiben," sagt mein Mentor. „Und jetzt haben wir die Zeit, alles gut und ins Kleinste vorauszuplanen."
Nach einer langen Diskussion sind wir in sein Wohnzimmer umgezogen und trinken Tee. Mein Mentor schlug vor, dass wir etwas essen gehen, aber ich habe keine Lust zu essen. Obwohl mein Magen leer ist, ist mir übel. Von früh bis spät kann ich nur daran denken, was auf mich zukommt und das Essen ist sicherlich das Letzte, wonach mir der Kopf steht.
Im Endeffekt weiß ich, dass es an ein Wunder grenzt, dass mein Mentor meinem verrückten Plan überhaupt zugestimmt hat, aber das hat er. Wir haben alles besprochen und er hat meinen Vorschlag – aber nicht ohne viele Einwände – akzeptiert. Jetzt müssen wir alles sorgfältig vorbereiten. Ich habe wie ein Schwarzmagier gehandelt, aber ich werde mich schon damit abfinden. Und Aberforth auch. Wir sind zusammen zum Schluss gekommen, dass dies keine Zeit ist, um den angenehmsten und besten Weg zu nehmen. Sondern den Weg, der uns zum Ziel führt. Sowie Michael uns trocken darauf aufmerksam gemacht hat, dass dies das Letzte ist, was die dunkle Seite von uns erwarten wird.
„Vielleicht könnten wir versuchen, ins Schloss einzudringen," behaupte ich.
„Nein," sagt Aberforth entschlossen. „Kommt nicht in Frage. Wir brauchen Zeit, alles gut vorzubereiten und momentan ist ein Duell mit dem Prinzen das Letzte, was du brauchst. Lass das, Neville. Manchmal ist es viel wertvoller die Sachen ruhen zu lassen als voreilig zu handeln."
„In Ordnung," sage ich seufzend. „Aber in der Zwischenzeit muss ich mir ein paar schwarzmagische Gegner beschaffen, sodass ich weiter üben kann. Das Duell mit dem dunklen Prinzen hat mir bewiesen, dass sich mein Training mit euch mit einem Kampf gegen einen echten Schwarzmagier nicht vergleichen kann. Es ist nicht nur, dass ein Schwarzmagier eine andere Art der Magie benutzt, sondern dass sich auch sein Kampfstil und seine Denkweise im Allgemeinen von den hellmagischen unterscheiden."
„Ja," murmelt Aberforth nachdenklich. „Ich stimme zu. Ich werde mit dem Minister darüber sprechen, vielleicht hätte er eine Idee. Immerhin können wir irgendwohin reisen und Schwarzmagier suchen."
„Klingt nach einem guten Plan, Aberforth," sage ich grinsend.
Es fühlt sich so gut an, meinen Mentor wieder dabei zu haben. Im Nachhinein denke ich, dass mir mein Traum gerade diese Botschaft übermitteln wollte. Dass ich nicht meinen Freunden den Rücken kehren soll, weil sie viel wertvoller als irgendwelche Mächte oder Zauber sind. Dass sie der wahre Grund sein werden, warum ich eines Tages den Prinzen besiegen werde. Schließlich könnte ich meinen Plan nicht ohne Aberforth in die Tat umsetzen. Wir werden zusammenarbeiten, wie ein Team und so hätte es von Anfang an sein sollen. Ich war einfach zu blind und sehnte mich nach dem Erfolg so sehr, dass ich es nicht gesehen habe. Und es tut mir leid. Ich hätte ihm vertrauen sollen, stattdessen habe ich ihn betrogen.
„Was denkst du, wo wird der dunkle Orden als nächstes zuschlagen?" frage ich.
„Ägypten, würde ich sagen," meint mein Mentor. „Die politische Lage in Ägypten ist im besten Fall angespannt. Nicht nur die Schwarzmagier sind keine Fans der heutigen ägyptischen Regierung, sondern auch manche Hellmagier. Leider hat die Regierung einige Entscheidungen getroffen, die keinem gefallen. Und es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Anhänger von Voldemort die Kontrolle übernehmen. Die dunkle Seite wird kaum einen Finger krümmen müssen, um Ägypten einzunehmen."
Der dunkle Prinz scheint ein guter Politiker zu sein. Das heißt, er besitzt die Fähigkeit, Menschen das hören zu lassen, was sie hören wollen und bietet ihnen genau das, was sie brauchen. Oder er lässt sie denken, dass sie es brauchen wobei sie direkt in seiner Falle landen. Es scheint, dass Schwarzmagier im Allgemeinen politisch veranlagt sind, wegen ihrer Denk- und Handlungsweise. Denn das Volk hat kein Interesse an der Wahrheit sondern sehnt sich nach Veränderungen. Wohin auch immer dieser Weg führt. Der Vorfall beim Fest in Frankreich beweist, dass der dunkle Prinz genau das sagen kann, was die Menschen hören wollen. Aber ob dem wirklich so ist? Er lässt Menschen wissen, dass er um das französische Volk besorgt ist und die Lage im Land verbessern möchte. Aber aber so wie Lacroix ist er nur um sich selbst bedacht, hat seine egoistischen Ziele im Kopf und sicherlich nicht das Wohlergehen des Volkes.
Als wir so weiter Tee trinken und über Politik reden, klopft es ans Fenster und wir springen auf die Füße. Eine Eule steht auf dem Fenstersims und schaut mich ohne zu blinzeln an.
„Sein Brief," sage ich, das Fenster öffnend.
Die Eule fliegt direkt auf den Tisch zu und lässt sich darauf nieder, mir das Bein mit einem daran befestigten schwarzen Umschlag entgegen streckend.
„Lass mich den Brief checken," sagt Aberforth, der den Brief auf den Tisch schweben lässt.
Ich setze mich zu ihm und werfe für die Eule einen Kuchen auf den Teller, die sich, etwas von dieser großzügigen Belohnung überrascht, schnell an die Arbeit macht. Die französischen Ministerialbeamten, die sich um die Eulen des Ministers kümmern, scheinen die Tiere verhungern zu lassen, denn die Eulen die meine Briefe liefern sind immer hungrig. Andererseits kann es sein, dass sie einfach erschöpft von der Reise sind.
„Keine Flüche," stellt Aberforth fest und reicht mir den Brief.
Etwas überrascht, dass er mir den Brief überlasst und ihn nicht selbst liest, breche ich das Siegel des Prinzen und ziehe den Brief hervor. Er kann seine Briefe einfach nicht in einen normalen Umschlag legen, sondern muss auch seine eigenen Umschläge haben. Er ist ein Größenwahnsinniger. Isst er aus schwarzen Tellern mit einem Schlangenmuster? Es würde mich auch nicht wundern.
„Longbottom," lese ich laut vor. „Ich bin von dir sehr enttäuscht. Kannst du einfach nichts ohne deinen Meister machen? Putzt er dir auch den Arsch? Muss er dich überall hin begleiten?
So wie die Lage jetzt steht, sind wir bei: der Erbe der Dunkelheit: 1, der Erbe des Lichtes: 0. Mit einem gelben Karton für dich, weil du ja mitgekommen bist und ihn hinterlassen hast. Ich muss auch vermuten, dass er dich selbst suchen ging, schließe aber nicht aus, dass eines der beflügelten Kinder etwas damit zu tun hatte. Du sollst deinen Begleitern erklären, was der Begriff 'Gehorsamkeit' heißt.
Trotz allem habe ich unser Duell sehr genossen. Zudem bist du nicht gleich umgekippt, was mich freut. Du hast dich als ein interessanter Gegner erwiesen und ich hoffe, dass du bis zum nächsten Duell mehr lernst, sodass ich mehr Spaß haben kann.
Und nun meine Fragen an dich: Wenn ich einen magischen Schwur ablegen würde, dass sich die dunkle Seite zurückzieht und ihr Ziel aufgibt, falls du vor mir einen Selbstmord begehst, würdest du es tun?
Die zweite Frage: Träumst du von mir? Hast du Albträume? Träumst du von meinen Augen, die dich überall hin begleiten? Denkst du an mich, Erbe des Lichtes?
Richte meine Grüße deinem Meister aus und sag ihm, er solle sich da raus halten wenn er möchte, dass wir weiter spielen. Und du möchtest weiterspielen, oder Neville? Wenn ja, schau dir mal die Weltkarte an und versuche zu raten, welcher Ort meine Aufmerksamkeit angezogen hat. Und denk nicht wie ein Hellmagier, denn so erreichst du gar nichts. Versuch dich doch in mich hineinzuversetzen und wie ich zu denken.
Ich freue mich auf deinen nächsten Zug. Der dunkle Prinz."
„Jemand soll ihm Manieren beibringen," knurre ich. „Aber so schreibt er immer."
Spürend, dass mich Aberforth schweigend anschaut, hebe ich den Blick.
„Du scheinst dich tatsächlich auf seine Briefe zu freuen," bemerkt er. „Macht dir diese Korrespondenz Spaß? Du hast auch 'so schreibt er immer' gesagt, als schreibt ihr euch seit einer Ewigkeit."
„Natürlich nicht," sage ich schnell, spüre aber, dass meine Wangen leicht rosa werden.
Warum denn? Mir machen seine Briefe keinen Spaß. Er ist ein Größenwahnsinniger, ein Massenmörder und ein Monster. Ich schreibe zurück nur weil ich mehr über ihn herausfinden möchte, unter dem Vorwand, dass mir seine Briefe tatsächlich Spaß machen. Dabei stelle ich mich wie ein naiver Junge an und stelle Trickfragen, die der dunkle Prinz trotz allem beantwortet. Ob er es liebt über sich selbst zu schreiben oder macht er das weil er denkt, dass ich zu dumm bin um seine Antworten für meine eigenen Zwecke zu benutzen, ist mir schleierhaft.
Aber seine zweite Frage hat mich aus der Bahn geworfen. Wie kann er nur wissen, dass ich von ihm träume? Hat er eine Möglichkeit gefunden, um sich meine Albträume anzuschauen? Wie denn? Meine Engel würden es nie zulassen.
Als ich den Brief weglege, obwohl es mir an den Fingern juckt ihn nochmal durchzulesen, sowie [so wie] ich es immer tue, huscht ein Bild von seinem blassen Gesicht und seinen blutroten Augen an meinem geistigen Auge vorbei.
'Träumst du von meinen Augen, die dich überall hin begleiten?'
Wie kannst du nur wissen...
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/Harrys Sicht
Ich lehne mich gegen das Fenster und schaue auf den Brief in meiner Hand hinunter. Ich lächle.
Der Wunderjunge schreibt noch immer zurück. Eigentlich bin ich gar nicht überrascht.
„Dunkler Prinz,
Trotz dem, was du denkst, habe ich mich an mein Versprechen gehalten. Doch du hast gut geraten, meine Engel haben meinen Mentor gerufen (wann wirst du dir merken, dass ich ihn nicht 'Meister' nenne?) Ich hatte aber nichts damit zu tun.
Mir tut es leid, dass mich mein Mentor raus geholt hat. Aber ich werde dich finden, dunkler Prinz. Und dich für alle Grausamkeiten, die du begangen hast, büßen lassen. Ich werde Aberforth entkommen, um mich alleine mit dir zu treffen. Und [. Dann] dann werden wir sehen, wer gewinnt. Aber halte Aberforth da raus.
Wolltest du mich wirklich umbringen? Und doch du sagst, dass du das Duell mit mir genossen hast. Wünschst du dir nicht, es hätte länger dauern können?
Zu deiner ersten Frage: Ich bin fest davon überzeugt, dass die dunkle Seite nie mit dem Kämpfen aufhören würde. Auch wenn du mir magisch schwörst, du würdest auf weiteres Kämpfen verzichten, würde der dunkle Lord weitermachen. Aus welchem Grund es keinen Sinn ergibt, über die Antwort auf deine Frage nachzudenken.
Zu deiner zweiten Frage: Du bist mein Feind und natürlich denke ich oft an dich und wie ich dich besiegen kann. Und ich weiß, dass du auch oft an mich denkst.
Und hier ist eine Frage an dich: Warum ändert sich deine Augenfarbe? Ist sie eine Folge deines Paktes mit dem Dämon? Oder zauberst du deine Augen rot, um Menschen Angst einzujagen?
Meine zweite Frage an dich: Wenn sich die dunkle Seite um nichts und niemanden schert, warum bist du nach Amerika gereist um deine Todesser zu befreien? Ist es möglich, dass du dir um sie Sorgen gemacht hast? Und doch weißt du, dass die Behörden die Zwangsmittel sowie Folter nie und nimmer benutzen würden.
Ich freue mich auf deinen nächsten Brief, dunkler Prinz.
Der Erbe des Lichtes."
Ich grinse breit und schüttele den Kopf. Er hat meine Frage zu seinen Albträumen nicht beantwortet, was darauf hindeutet, dass die Antwort ja ist. Sehr interessant. Und ich denke nicht, dass er imstande wäre, einen Selbstmord zu begehen, auch wenn es 'für das größere Wohl' wäre. Wenn er doch im Kampf stirbt, wäre das etwas anderes. Aber Longbottom ist zu feige, um sich selbst umzubringen.
Dass er meine Augen erwähnt hat, deutet auch darauf hin, dass er oft darüber nachdenkt. Das, worüber man oft nachdenkt, rutscht einem einfach heraus.
Ich lache und fahre mir durchs Haar. In diesem Moment guckt Draco in mein Arbeitszimmer und schaut mich vorsichtig an.
„Erebus," fängt er leise an. „Kann ich dich etwas fragen?"
„Frage," sage ich abwinkend.
Er schluckt und macht einen Schritt in Richtung Schreibtisch.
„Nun, es geht um die Hochzeit," sagt er.
Ich drehe den Kopf und verenge die Augen. Hätte mir denken können. Die Verrücktheit breitet sich wie ein Virus aus und es scheint kein Gegenmittel zu geben.
„Ich wollte dich fragen, ob ich den Ort, wo du das Ritual ausführen willst, ein wenig... na ja, schmücken kann," fragt er, mich dabei vorsichtig anschauend, für den Fall, dass ich ausraste.
„Was hast du vor?" frage ich.
„Nun..." Er leckt sich die Lippen. „Ich dachte ein paar Blumen wären schön."
„Nein," sage ich scharf. „Blumen kommen nicht in Frage. Ich werde nicht zulassen, dass man daraus einen Zirkus macht."
Aber es ist doch eine Tradition, steht ihm auf der Stirn geschrieben. Wenn er bisher nicht gelernt hat, dass ich mich um Traditionen keinen Dreck schere, dann weiß ich auch nicht.
„In Ordnung," sagt er resigniert. „Aber... eine Torte wäre doch in Ordnung, oder? Und es wird keine Zuckerblumen geben, ich schwöre es."
„Sehr witzig," knurre ich und stehe auf.
„Ich möchte keinen Zirkus und werde auch keine Witzfigur spielen," sage ich scharf. „Wir werden meinen Geburtstag feiern aber ich möchte, dass nur meine Anhänger und ein paar Todesser, die ich persönlich einlade, anwesend sein werden. Um Mitternacht werden wir das Hochzeitsritual ausführen. Und es wird keine Blumen und keine Hochzeitsmusik geben. Und den Brauch, dass das Paar danach tanzt, kannst du ruhig vergessen. Ich tanze wann und wo ich will. Und werde nicht zulassen, dass irgendwelcher lächerlicher Brauch mir diktiert, was ich tun soll und was nicht."
Denn darüber hat er nachgedacht. Er senkt resigniert den Blick und nickt.
„Was auch immer du willst, Erebus," sagt er sehr leise, kann aber seine Enttäuschung nicht verbergen.
Warum ist all das für ihn so wichtig? Warum würde ihn, solch einen Zirkus zu veranstalten, glücklich machen? Und warum kann er einfach nicht über die Bräuche und Traditionen, die ihm beigebracht worden waren, hinweg sehen? Warum fühlt er sich dazu verpflichtet ihnen weiter zu folgen? Auch wenn er ein freier Schwarzmagier ist, der sein Leben so führt wie er will?
Ich verstehe das einfach nicht.
„Wir werden so heiraten, wie ich will," sage ich. „Du darfst den Garten, denn wir werden das Ritual im Garten durchführen, passend schmücken. Das heißt, bloß keine Blumen und keine lächerliche Musik. Mir gefiel es, wir ihr letztes Jahr den Salon geschmückt habt. Das darfst du tun. Aber keine lächerlichen Bräuche und ich werde bestimmt keine Torte schneiden."
„Du kannst sie in die Luft jagen, wenn es dir lieb ist," murmelt er. Als ich aber herausfordernd die Augenbrauen in die Höhe ziehe, eilt er sich zu entschuldigen. „Tut mir leid, Erebus. Es war nur ein Scherz. Danke. Ich werde den Garten in etwas verwandeln, was dir bestimmt gefallen wird, glaub mir. Und es wird keine Blumen geben."
„Gut," sage ich zufrieden.
„Ich hätte noch eine Frage," sagt er vorsichtig.
„Mach schnell," knurre ich, mich wieder an den Schreibtisch setzend.
„Was ist mit der Kleidung?" fragt er.
„Was soll damit sein?" stelle ich die Gegenfrage.
„Ich meine, was wir für das Ritual anziehen werden," erklärt er.
„Roben," sage ich sofort. „Was sonst?"
„Aber für die Party? Wir können ja nicht in unseren Ritualroben herumlaufen," hakt er nach.
Ich stöhne und presse die Finger gegen meine Nasenwurzel.
„Andererseits ist es gar nicht wichtig," höre ich seine entfernende Stimme.
Als ich einen Fluch in Richtung Tür abschieße, ist er schon weg. Draco weiß sehr wohl, wann er sich aus dem Staub machen soll.
„WENN ICH NOCH EINE FRAGE ZUM THEMA HOCHZEIT HÖRE, WERDE ICH DEN FRAGER AUS DEM FENSTER WERFEN, WER AUCH IMMER ER IST!" brülle ich ihm wütend hinterher. „IST DAS KLAR?"
„Ja, Erebus," höre ich seine zitternde Stimme aus dem Wohnzimmer.
„UND JETZT LASS MICH VERDAMMT NOCH MAL IN RUHE!" brülle ich weiter.
„Kein Problem, Erebus," kommt sofort die Antwort.
Ich schüttele den Kopf und schnappe mir eine Feder. Unglaublich. Hätte ich gewusst, dass ihn die bloße Erwähnung der Hochzeit in den Wahnsinn treiben wird, hätte ich es nicht getan. Denn Draco kann offensichtlich über nichts anderes nachdenken seit ich ihm gesagt habe, dass ich ihn heiraten möchte. Und er wird auch mich mit seinen unendlichen Fragen in den Wahnsinn treiben. Ich hätte ihn auf den Kopf schlagen, in die Ritualkammer schleifen und ihm befehlen sollen, das Ritual zusammen mit mir ausführen. Punkt. Keine Probleme, kein Drama aus der Gestaltung des Gartens und sicherlich keine beschissenen Torten.
Ich habe gedacht, dass ich Frauen gar nicht verstehe, aber offensichtlich verstehe ich auch Männer nicht.
