Kapitel 38: Das Spiel
Bella:
Kaum hatte ich die Augen aufgeschlagen, war ich total fit. Heute war das Spiel. Es ärgerte mich immer noch, dass ich nicht spielen durfte, aber wir würden hingehen. Wenigstens ein kleiner Trost.
Ich hob meinen Kopf und küsste meinen Freund….und es fühlte sich toll an. So konnte jeder Morgen beginnen.
Naja, die schöne Zeit war vorbei. Am Montag war wieder Schule. Wirklich Lust hatte ich nicht, aber Alice und Edward würden ja mit uns hin gehen. Das war der einzige Gedanke, der die Sache erträglicher machte. Ich war mir sicher, dass man mich darauf ansprechen würde, was in der Zeitung stand. Es war ein unangenehmes Gefühl, aber es löste keine Panik mehr in mir aus. Das war wohl der erste Weg zur Besserung.
„Ich geh duschen und dann müssen wir los. Wir haben viel zu lange geschlafen. Das Spiel fängt bald an." Mit diesen Worten befreite ich mich aus Edward´s Armen und rannte ins Bad.
Eine halbe Stunde später waren wir auf dem Weg zum Spiel. Edward hatte mich ziemlich verwundert angeschaut, als ich so schnell fertig war, dass ich einfach lachen musste. Er kannte es wohl nicht, dass nicht jede Frau zwei Stunden brauchte, um sich fertig zu machen. Er kannte eben vieles von mir noch nicht…aber das würde sich mit der Zeit ändern.
Als wir am Parkplatz angekommen waren, sah ich die vielen Besucher. Wir waren also wirklich spät dran. „Edward, bitte lass mich hier raus hüpfen. Ich will noch schnell in die Kabine und den Jungs Glück wünschen. Wir treffen uns dann an der Tribüne." Mit diesen Worten und einem schnellen Kuß war ich aus dem Auto gestiegen und rannte schon zu den Umkleiden. Ich hatte Glück und traf unterwegs niemanden aus meiner Klassenstufe.
Schwungvoll riß ich die Tür auf und rief: „Viel Glück Jungs!"
Erst sah ich in ein paar überraschte Gesichter. Aber dann siegte die Wiedersehensfreude, und ich wurde immer wieder umarmt. Es tat so gut zu sehen, dass sie mich vermisst hatten. Mir hatten sie auch gefehlt…
„Kleines, hast es dir anders überlegt und spielst mit? Wir können doch nicht auf dich verzichten!" hörte ich Emmet´s lachende Stimme.
„Großer, keine Chance. Du kennst deinen Bruder!" entgegnete ich ihm gefrustet.
„Hey Bells, fang," er warf mir sein Handy zu, „mach ein paar Bilder!"
„Klaro, Em, und nur welche vom schönsten und besten Spieler, oder?" lachend nahm ich sein Handy und machte mich auf den Weg zur Tribüne.
Sie hatten ja jetzt noch kurz Strategie-Besprechung.
Der wohl tollste Mann würde mich dort erwarten… Mein Herz klopfte bei dem Gedanken mal wieder schneller…aber das war ich inzwischen gewohnt…und es freute mich.
Aus der Ferne sah ich schon, dass er nicht alleine war. Neben ihm standen zwei aufgetakelte Mädchen. Ich kannte sie… Meine erste und letzte Begegnung mit den beiden hatte ich nur zu gut in Erinnerung. Sie hatten mir gedroht, dass ich mich von Emmet fern halten sollte. Da ich mir die Stimmung nicht durch eine sinnlose Streiterei kaputt machen lassen wollte, blieb ich einige Meter entfernt stehen und wartete.
Die beiden waren wirklich ätzend. Sie warfen sich ihm fast an den Hals…und er? Ich konnte mir das Lachen dann doch nicht verkneifen. Er sah so verzweifelt aus. Mein toller und selbstsichere Freund fühlte sich hilflos.
Flehend drehte er den Kopf in meine Richtung…seine Lippen formten Worte wie hilf mir. Aber ob ich das jetzt richtig gedeutet hatte, wusste ich nicht. Aber ich wollte mal nicht so sein, und ihm helfen…
Mit lockeren Schritten ging ich auf ihn zu und warf mich in seine Arme. Höflicherweise hatte ich den beiden noch Hallo gesagt, bevor ich Edward küsste. Wohl dankbar, dass ich ihn gerettet hatte, vertiefte er den Kuss….und ich wollte, dass er nie wieder enden würde….bis ich den Anpfiff hörte. Abrupt löste ich mich von Edward und richtete meinen Blick auf das Spiel. Die nächsten 45 Minuten würde ich mich nicht mehr ablenken lassen.
Edward:
Jetzt hatte ich doch tatsächlich diese beiden nervigen Tussis vor mir stehen, welche Bella damals bedroht hatten. Aber leider war ich zu gut erzogen worden, als dass ich ihnen ins Gesicht sagen könnte, was ich von ihnen hielt. Und niemand kam und half mir. Manchmal war das Leben schon unangenehm…
Resignierend ergab ich mich in mein Schicksal. Hoffentlich kam Bella bald wieder. Sie könnte mich doch retten.
Und da hörte ich ihr Lachen. Ich drehte den Kopf und sah sie ein paar Meter weiter stehen. Sie machte sich offensichtlich über mich lustig…. Flehend formten meine Lippen die Worte hilf mir.
Ich hoffte mit ganzem Herzen, dass sie sie verstand und mich erlösen würde…
Und dann kam sie und ihr Auftritt war einfach einmalig. Lässig sagte sie den beiden Hühnern hallo und fiel mir dann um den Hals und küsste mich. Ich erwiderte den Kuss und versuchte die hässlichen eifersüchtigen Gedanken der Beiden auszublenden. Das war echt nicht mehr schön. An solchen Tagen verfluchte ich meine Fähigkeit….
In dem Moment als der Anpfiff ertönte, drehte sich mein Engel ruckartig von mir weg und ihre Augen waren nur noch auf das Spiel fixiert.
Ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen. Sie war ja fast genauso angefressen wie Emmet.
Kein Wunder, dass sie es bis in sein Herz geschafft hatte.
Sie konnte nicht eine Minuten ruhig sitzen.
Entweder rief sie den Jungs etwas zu, oder sie zappelte herum, als ob sie den Ball selbst spielen würde. Es war einfach nur lustig, sie zu beobachten….und anstrengend. Jemand wie Bella gehörte wirklich auf das Feld, und nicht als Zuschauer an den Rand. Ich wusste gar nicht, dass sie so einen großen Wortschatz an Schimpfwörtern hatte. Diese Frau war einfach unglaublich…und sie gehörte zu mir. Und niemals würde ich sie wieder gehen lassen.
Sie war mit Emmet´s Handy zurückgekommen. Der beste Spieler musste doch fotografiert werden, waren ihre Worte gewesen. Zwischen Fluchen, Jubeln und Anfeuern machte sie verschiedene Bilder.
„Schatz, holst du mir ne Cola, biiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitte. Ich kann hier nicht weg, sonst verpaß ich noch was!" Sie hatte mich das gefragt, ohne auch nur eine einige Sekunde die Augen vom Spiel abzuwenden.
„Selbstverständlich mein Engel." Ich wusste nicht, ob sie es überhaupt gehört hatte, denn sie sah schon wieder richtig vertieft ins Spiel aus.
Also machte ich mich auf den Weg. Meine Liebste war nun mal ein Mensch und brauchte Trinken. Ich musste mich erst wieder daran gewöhnen, dass das die Notwendigkeiten eines Menschen waren…aber ich würde Rücksicht auf ihre Bedürfnisse nehmen. Ich wollte, dass es ihr gut ging.
Bella:
„Emmet, du fauler Sack, beweg dich mal ein wenig!"
„Heeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee, du Pfeife, hier wird nicht gefoult!"
„LOS, BEN, DU MACHST IHN FERTIG!"
Es war mir egal, ob mich die anderen Zuschauer anstarrten. Fußball war mein Sport…und da würde ich mich nicht für irgendwelche fremden Leute zurückhalten.
Der Platz hinter mir war leer, also war Edward mir wirklich eine Cola holen.
Er war immer so aufmerksam und schlug mir seltenen einen Wunsch ab.
Ich hatte richtiges Glück mit ihm…und mein Herz hüpfte mal wieder.
Das Spiel war gerade in seiner heißesten Phase. Die Gegner faulten andauernd. Wir mussten bereit zwei Spieler wegen Verletzung auswechseln. Es saßen noch zwei auf der Ersatzbank. Wenn das weiter so brutal verlaufen würde, dann würden die Ersatzspieler gar nicht ausreichen. Dabei mussten wir unbedingt das Spiel gewinnen… Oh man, das war ein ätzendes Gefühl, hier zu stehen, und nichts ausrichten zu können.
Gerade als ich ein Photo von Emmet beim Rückfallzieher machen wollte, klingelte sein Handy in meinen Händen.
Irritiert schaute ich es an. Wieso klingelte es genau jetzt? Natürlich war der Moment zum Foto machen vorbei.
Ärgerlich entschied ich mich das Telefon abzunehmen. Mal schauen, wer es gewagt hatte, mir meinen Schnappschuss zu zerstören.
„Hallo?" fragte ich.
„Ähm…hallo. Ist Emmet zu sprechen?" fragte mich eine mir unbekannte Stimme.
„Nein, tut mir leid, der spielt gerade… Soll ich ihm was ausrichten?" entgegnete ich ihr höflich.
„Wie er spielt?" fragte sie in einem gereizten Tonfall.
„Na, Fußball. Wir haben gerade ein ganz wichtiges Spiel…und du störst mich gerade beim Zuschauen" warf ich ihr genervt vor. Sollte sie doch endlich sagen, was sie wollte.
„Wie wir? Sag mal, wer bist du überhaupt?" zickte sie mich an.
Jetzt reichte es mir. Was glaubte die eigentlich, wer sie war? So eine dumme Ziege. Ich antwortete ihr brav und höflich und die macht mich dumm an. Tz….
„Wir, ist unsere Schulmannschaft, und ich bin Bella. Und mit wem habe ich das Vergnügen?" Meine Stimme war jetzt eiskalt. Von oben herab musste ich mich nicht behandeln lassen.
„Rosalie, aber das geht dich ja wohl nichts an, Du Stück. Wieso hat er dir sein Handy gegeben? Das gibt er sonst nie jemandem." Ihre Stimme wurde immer bissiger. Was hatte ich ihr denn getan.
„Man, ich glaub, das geht dich rein gar nichts an. Aber damit du heute Nacht gut schlafen kannst, ich bin seine Freundin. Und jetzt will ich das Spiel weiter schauen. Ruf in zwei Stunden noch mal an!" und dann legte ich auf. Zum Schluß hatte ich wohl wirklich zickig geklungen, aber sie hatte mich echt aufgeregt.
Aus den Augenwinkeln sah ich, wie mich jemand aus der gegnerischen Mannschaft beobachtete. Überrascht schaute ich ihn direkt an, als ich ihn erkannt hatte. Wieso spielte er gegen uns? Er ging doch jetzt auch hier zur Schule? Er müsste doch wenn, dann für uns spielen.
Ein Blick auf das Trikot beantwortete mir meine Frage: Sein Vater war ihr Sponsor.
Wütend ballte ich die Hände zu Fäusten.
Und ich durfte jetzt nicht spielen. Ich würde ihn fertig machen, würde er mir gegenüber stehen.
Ich steigerte mich wirklich rein. Erst diese Unbekannte und jetzt ER.
Zwei Arme legten sich um meine Taille und eine Cola kam zum Vorschein. Er war genau zum richtigen Zeitpunkt gekommen. Dankbar drehte ich mich zu ihm, schenkte ihm mein schönstes Lächeln und küsste ihn schnell auf die Wange.
„Süße, wieso bist du so wütend? Sie führen doch" hörte ich seine samtene Stimme.
„Ach, Emmet´s Handy hatte geklingelt, und ich hab abgenommen, und dann war da irgendeine Frau dran, und die war wirklich gehässig und arrogant!" erzählte ich sauer. Weswegen ich noch wütend war, wollte ich ihm nicht sagen…
Er schaute mich verwundert an und fragte: „Hat sie gesagt, wie sie heißt?"
„Ja, aber das würde mich nichts angehen, hatte sie mir gesagt. Sie heißt Rosalie."
