Hego Damask wurde langsam aber sicher müde, während die Ewoks im Kreis um ihn, Shaak Ti, den jungen Skywalker und dessen Schwester herumtanzten. Seine eigene und Shaak Tis Transformation begannen langsam, ihren Tribut zu fordern. Wie gut, dass hier niemand war, dessen Anwesenheit er fürchten musste und der seine momentane körperliche Schwäche ausnutzen würde können. Aber noch war die Nacht nicht vorbei. Also hatte er sich ein Glas Weißwein geholt, um auch den Rest der wichtigen Leute dieser Mission in Augenschein zu nehmen und einige Worte mit Admiral Ackbar oder dem Piloten Wedge Antilles zu wechseln. Befriedigt stellte er fest, wie der Wein in seinem Körper sein anregendes und geselligkeitsförderndes Werk vollzog. Ihm wurde trotz der kalten Luft von Endor warm und die ersten Sondierungsgespräche entspannen sich beinahe wie von selbst.

Schließlich deutete sogar die Stimmungskanone und der Held des Tages, der frühere Gelegenheitsgauner und jetzige Rebellengeneral Lando Calrissian an, dass er müde sei und sich zurückziehen würde. Ein Zeichen, dem umgehend viele der Rebellen folgten.

„Wir sollten uns auch zur Ruhe legen. Und ich beabsichtige nicht, auf diesem Mond zu übernachten", raunte Plagueis Shaak Ti in den Gehörgang.

„Einverstanden. Wenn Du magst, organisiere ich uns ein Schiff."

„Es wäre mir lieber, du würdest VierDe einsammeln, während ich uns das Schiff von vorhin besorge. Wir treffen uns dann in zehn Minuten in der ‚Hesperia' ", entgegnete er und der Blick seiner grünen Augen sagte ihr, dass geschehen würde, was er jetzt wünschte.

Also machte sich Shaak Ti auf, um VierDe zu suchen, im Stillen erfreut, dass Hego erneut das imperiale Luxus-Shuttle organisieren würde – nur für sie beide und den Droiden diesmal. Wäre sie nicht derart müde gewesen, hätte sie sich jetzt auf die erste wirkliche Liebesnacht ihres Lebens seit siebenunddreißig Jahren gefreut. Stattdessen hoffte sie, dass Plagueis sie für diese Nacht in Ruhe schlafen lassen würde.

Als sie mit 11-4D zum Shuttle kam, öffnete dieses wie automatisch gesteuert die Einstiegsluke. Sie ging mit dem Droiden hinein und gelangte schließlich zum zentralen Aufenthaltsraum. Niemand war dort. Also gingen sie weiter, bis sie das Cockpit erreichten. Hego Damask saß auf dem Pilotensessel und war dabei, sich in einem Büchlein Notizen zu machen. Als er der Ankömmlinge gewahr wurde, stand er auf und gab 11-4D eine Chipkarte.

„Bring uns nach oben", wies er den Droiden an.

„Zu Befehl, Magister Damask", erwiderte dieser und salutierte mit einer seiner vier Gliedmaßen.

„Wie ich sehe, hast du VierDe gut im Griff", meinte er anerkennend, während er Shaak Ti wieder aus dem Cockpit führte und der Medi-Droide das Steuer übernahm.

„Du hast ihn gut erzogen", gab sie mit einem feinen Lächeln zurück.

„Er hört nur auf mich", erwiderte er mit plötzlich härterer Stimme. „Und ab jetzt auch auf dich, solange ich ihm nichts anderes sage", setzte er etwas weicher nach.

Mittlerweile waren die Beiden im zentralen Aufenthaltsraum angelangt. Sie setzten sich, um den Start abzuwarten. Langsam gewann die „Hesperia" an Höhe. Sie schauten aus dem Panoramafenster zum Mond Endor zurück, welcher immer kleiner wurde, während dessen zugehöriger Planet gleichen Namens hinter ihm, ein grünlicher Gasriese, immer noch drei Viertel der Sichtscheibe ausfüllte. Je mehr Endor und dessen Mutterplanet sich entfernten, desto stärker fühlte Shaak Ti, wie sich die dunkle Machtpräsenz von Plagueis neben ihr entfaltete und schon bald gleich der Ihren durch das ganze Schiff waberte. So ähnlich hatte es sich angefühlt, als Starkiller auf Felucia näher und näher gekommen war. Damals hatte dessen Dunkle Präsenz ihr den Tod gebracht. Dieser Dunkelheit direkt neben sich jedoch verdankte sie ihr neues Leben.

Sie schaute ihm in die Augen. Gelb und leuchtend schauten seine Sith-Augen in ihre violetten, als wollten sie ihr sagen: ‚Das ist mein wahres Ich. Gewöhne dich daran, weil es immer so sein wird!'

Sie erwiderte seinen Blick, bemüht, diese Dunkelheit um sie herum nicht in ihr Innerstes zu lassen; sie nichtsdestotrotz zu akzeptieren, um sie später irgendwann als Normalität in ihrem Leben willkommen heißen zu können. Aber gewiss nicht jetzt!

„Und er hat dir die ‚Hesperia' einfach so überlassen?", fragte sie ihren Geliebten, um auf ein anderes Thema zu kommen.

„Luke zieht es vor, an Bord eines Rebellenschiffs weiterzufliegen. Ich nehme mal an, die ‚Hesperia' ist ein kleines Dankeschön dafür, dass ich ihm so viel über seinen Vater erzählt habe. Und ich habe ihm angeboten, dass er sich an mich wenden kann, wenn er etwas brauchen sollte. Das wirkt eigentlich immer", erwiderte er, dabei wie beiläufig das Schiff inspizierend, vor allem die Waffensysteme und -vorräte. Und die Küche nebst Speisekammer.

Schließlich waren sie in einem Schlafraum angelangt, in dessen Mitte ein komfortables, einladendes Doppelbett stand.

„Du siehst erschöpft aus. Du solltest jetzt schlafen gehen. Ich jedoch habe noch einige Dinge zu erledigen", kündigte Plagueis an und gab ihr einen zärtlichen Kuss zwischen die Montrals.

Shaak Ti beschloss, dieses Geschenk der Nachtruhe umgehend anzunehmen und zu nutzen. Sie drückte noch seine Hand zum Abschied, dann strebte sie schnell der behaglichen Lagerstatt zu, während sie sich auszog und Plagueis die Tür von außen schloss, ohne sich weiter für ihre baldige Nacktheit zu interessieren. Sie ärgerte sich etwas darüber, ihn nicht nach ihrem nächsten Reiseziel gefragt zu haben. Und darüber, dass er sie so schnell ins Bett gebracht hatte, ohne sich zu ihr zu legen. Aber höchstwahrscheinlich würde er spätestens am nächsten Morgen nach dem Aufwachen …

„Gib Kurs auf Kursid ein!", ordnete Plagueis an und 11-4D, der den Planeten bereits kannte, gab umgehend die Daten in den Navi-Computer ein.

Hego Damask sprach, bevor sie in den Hyperraum eintreten und unerreichbar sein würden, per Holoprojektor noch einige Termine auf verschiedenen Planeten ab, dann begab auch er sich ins Schlafzimmer. Shaak Ti lag in die Decke eingekuschelt auf einer Seite des Bettes und schlummerte selig. Er legte sich zu ihr. Shaak Tis Lekkus waren noch genauso weich, wie er sie vor siebenunddreißig Jahren in Erinnerung hatte, als er seinen länglichen Kopf zwischen sie schmiegte. Während er diesen ereignisreichen Tag Revue passieren ließ, fiel ihm auf, dass, nachdem er dieses eine Glas Weißwein auf Endor geleert hatte, er keinerlei Verlangen nach einem weiteren Glas verspürt hatte wie früher so oft. Ja, er hatte zwar seinen alten Körper wieder, aber dieser schien generalüberholt worden zu sein. Er nahm sich vor, diese Chance zu nutzen. Dann folgte er seiner Geliebten in die selige Schlummrigkeit.

Als Shaak Ti am nächsten Tag erwachte, fand sie die Betthälfte neben sich leer vor. Aber Hego musste hier geschlafen haben. Sie konnte noch seinen Körpergeruch wahrnehmen – am Laken und an ihren Lekkus. Sie schob die Decke beiseite und schaute zwischen ihre Schenkel. Alles fühlte sich trocken und halbwegs sauber an. Da war absolut nichts, was darauf schließen lassen würde, dass sie eine heiße Nacht verbracht hätte. Etwas irritiert stand sie auf, ging in den angrenzenden Duschraum. Sie duschte und schaute beim Zähneputzen in den Spiegel. Einige weiße Spritzer verirrten sich an die Spiegeloberfläche. Aber das war es nicht, was sie irritierte. Langsam ließ sie die Hand mit der Zahnbürste sinken, während ihr Mund vor Erstaunen offenblieb.

Sie hatte damals auf Felucia eine große Scheibe blankpolierten Kupfers gehabt, die ihr und Maris als Spiegel gedient hatte. So war es ihr über all die siebzehn gemeinsamen Jahre hinweg nicht aufgefallen, wie sie mit der Zeit gealtert war. Bei ihrem Tod war sie siebenundfünfzig Jahre alt gewesen. Und so hatte sie damals auch ausgesehen. Aber das Gesicht, was ihr jetzt entgegenschaute, war das Gesicht, welches sie zurzeit von Order 66 gehabt hatte! Hego hatte sie also während ihrer Widergeburt verjüngt. So wie er jetzt noch wie Mitte Fünfzig aussah, genau wie vor siebenunddreißig Jahren - obwohl er nun bereits hundertachtundzwanzig Jahre alt war! Eilig verließ sie die Dusche und zog sich an.

Sie schaute aus dem Fenster des Schlafraumes. Eine orangefarbene Sonne stand bereits hoch am Himmel. Die „Hesperia" zog weitgeschwungene Bahnen über einem braunen, ziemlich unwirtlich erscheinenden Planeten. Sie schien kein konkretes Ziel anzuvisieren. Vielmehr schien das Shuttle eine Art Aussichtsrundflug über die bewohnten Dörfer, Siedlungen und Weiler des Planeten zu absolvieren. Sie wartete noch eine Weile, ob ihr Geliebter sie irgendwann holen käme. Aber das war nicht der Fall.

Also verließ sie das Schlafzimmer und ging in den Aufenthaltsraum. VierDe wartete dort neben einem gut gedeckten Frühstückstisch.

„Guten Morgen, VierDe", begrüßte ihn die Jedi-Meisterin.

„Guten Morgen. Dann werde ich Magister Damask Bescheid geben, dass Ihr wach seid." Sprach's und rollte eilfertig davon.

Nach etwa zwei Minuten kam der getreue Droide mit Hego Damask im Schlepptau zurück. Der Muun war diesmal nicht in seine übliche Bankenclan-Tracht, sondern in eine mehrlagige schwarze Robe gekleidet. Seine schmale Taille wurde von einem breiten schwarzen Ledergürtel betont, der von einer aus ebenfalls schwarzem Metall bestehenden Spange geschlossen gehalten wurde. Und an diesem Gürtel prangte der Griff seines Lichtschwertes. ‚Sicherlich wird es in aktiviertem Zustand rot leuchten, wie als wir noch Machtgeister auf Mygeeto waren', dachte Shaak Ti bang bei sich. Sie sah in seine gelben Augen. Jetzt sah Plagueis wahrlich wie ein Sith aus.

„Tut mir leid, dass ich dich habe warten lassen, aber es gibt viel zu organisieren für unsere neue Zukunft", erklärte Plagueis mit wichtiger Miene.

„In der Tat. Wir brauchen nach all den Jahren neue Identitätskarten. Meine alte ist noch auf Felucia. Aber ich habe mich in diesen sieben Jahren nach meinem Tod doch sehr verändert, wie ich soeben festgestellt habe. Und auch du hast diese Transpiratormaske nicht mehr", meinte sie mit einem verstohlenen Halblächeln.

„Darum habe ich mich bereits gekümmert. Morgen Nachmittag hast du einen Termin bei der Einwohnermeldestelle von Shili, übermorgen fliegen wir dann wegen meiner ID-Karte nach Muunilinst. Dort werden wir dann auch unsere Tochter besuchen."

„Wie ich sehe, bist du über die Nacht sehr fleißig gewesen. Wenigstens hast Du des Nachts noch einige Stunden zumindest neben mir verbracht", meinte sie mit einem koketten Augenaufschlag.

Er schenkte ihr ein Lächeln. Dann fuhr er mit der Aufzählung seiner Arbeitsergebnisse fort.

„Luke hat mir gestern mitgeteilt, dass die neue Hauptstadt der Republik Hanna auf Chandrila sein wird. Ich denke, Hanna wäre ein guter Standort für unsere neue Klinik. Was meinst du?", fragte er.

„Das ist … fantastisch!", meinte sie andächtig. „Und wie lange wird es dauern, bis wir eine Bau- oder Bezugsgenehmigung für diesen Standort bekommen werden?"

„Die Seera-Burtoni-Klinik auf Kamino hat noch eine Lizenz für einen eigenständigen Franchise-Ableger in der Galaxis frei, die ich uns soeben reserviert habe", erwiderte er nonchalant, als habe er lediglich Tickets für ein Konzert gebucht. „Und mit Lizenz und den damit verbundenen Standardgarantien dürfte es bei vorhandenem Gebäude höchstens zwei Monate dauern, bis alles eingerichtet, das Personal angeworben und die Klinikabläufe festgeschrieben sind."

„Und woher nehmen wir die Credits dafür?", fragte sie und schaute skeptisch auf die leeren Taschen ihres braunen Umhangs. „Du wirst doch keinen Kredit vom Bankenclan aufnehmen. Ich habe gehört, die verlangen seeehr hohe Zinsen", sagte sie mit einem dramatischen Blick, den ein Halblächeln darunter Lügen strafte.

„Wir haben genügend Credits", entgegnete er souverän. „Und genau deswegen werden wir in vier Tagen einen Besuch auf Coruscant machen, damit ich dort mein Erbe antreten kann. Dieses Shuttle war davon lediglich eine Art Vorschuss. VierDe kennt bereits die relevanten Konten. Jetzt brauche ich nur noch die Papiere."

„Wen beerbst du denn? Das Imperium?", wunderte sich Shaak Ti.

„Palpatine", erwiderte er mit der größten Selbstverständlichkeit. „Er war der reichste Mann in der Galaxis. Und als er mein Schüler wurde, haben wir uns gegenseitig als Erben eingesetzt. Diese Vereinbarung werde ich geltend machen."

„Soweit ich damals mitbekommen habe, hat unsere Tochter ihn damals als deine Alleinerbin auf Herausgabe deines Vermögensanteiles verklagt und gewonnen. Ich bin mir sicher, dass für uns noch genügend übrig bleibt", meinte Shaak Ti mit einem Grinsen.

„Und dann werden wir im Anschluss nach Kamino fliegen, um dort den Vertrag für die Klinik zu unterzeichnen, bevor wir uns endgültig in Hanna auf Chandrila niederlassen", vollendete Hego Damask ihre Wochenplanung.

Shaak Tis Überraschung wich wachsender Begeisterung für ihre neue Zukunft.

„Du hast unsere Zukunft also schon komplett durchgeplant."

„Langfristige, gut durchdachte Pläne und ihre effektive Umsetzung sind das Geheimnis für die Überlegenheit unserer Spezies."

Shaak Ti spürte, dass dieses „unsere Spezies" sie nicht mit einschloss. Aber sie war seine Gefährtin. Und diese Klinik, die er ihr damals auf Mygeeto versprochen hatte, hatte sich dann und wann in ihre Tag- und Nachtträume geschlichen. Ein weiteres Versprechen, das Hego Damask jetzt nach ihrer Wiederauferstehung konsequent in die Tat umsetzen würde. Da war jedoch eine Frage, die sie noch umtrieb.

„Was soll ich denn Maris sagen, wenn sie mich jetzt so sieht? Sie weiß, wie ich gealtert bin. Sie wird misstrauisch werden", gab sie zu bedenken.

„Der Imperator hat vielerlei Experimente veranstaltet, um sein eigenes Überleben und seine Zukunft zu sichern. Eines dieser Experimente warst dann wohl auch du. Wie schade, dass er die Früchte seines Strebens nicht mehr genießen konnte", meinte Hego in gespieltem Bedauern.

„So etwas hat er wirklich getan?", fragte Shaak Ti neugierig.

„Ich habe ihn beobachtet", erwiderte Plagueis. „Allerdings hat er sich dabei zumeist auf das Klonen verlassen. Machtunsensitive Wissenschaft eben. Und was er mit Dir veranstaltet hat – keine Ahnung", fügte er mit weit aufgerissenen Augen und ostentativem Schulterzucken hinzu.

Jetzt musste Shaak Ti über ihr ganzes Gesicht lächeln.

„Aber, so sage mir doch jetzt bitte, was das hier für ein Planet ist und was wir hier wollen?", kam sie nun zu dem Anliegen, welches sie nach dem ersten Blick aus dem Schlafzimmerfenster beschäftigt hatte.

„Wir sind über Kursid."

„Kursid? Davon habe ich noch nie gehört. Aber ich spüre, dass dieser Planet die Dunkle Seite der Macht atmet. Ist Kursid auch so eine für Jedi verbotene Welt wie Korriban oder Malachor?"

„Kursid ist viel zu unbedeutend, als dass sich die Jedi je darum geschert hätten. Hier gibt es keine Sith-Tempel, Artefakte oder auch nur nennenswert entwickelte Zivilisation. Aber genau deshalb ist Kursid in der Vergangenheit auch ein idealer Zufluchtsort für Sith gewesen. Und heute wollen wir beide hier unbehelligt ein wenig jagen, um uns zu entspannen", erklärte er beinahe heiter.

Shaak Ti überlegte. Es war sieben Jahre her, dass sie das letzte Mal gejagt hatte. Sie hatte seit ihrer Kindheit stets gerne gejagt. Und das Wort „unbehelligt" weckte weitere Sehnsüchte in ihr. Aber warum hatte Hego sie dafür ausgerechnet auf diesen Nexus der Dunklen Seite entführt? Es musste irgendeinen Haken bei der Sache geben. Es war an ihr, herauszufinden, was und wo dieser Haken war.

„Womit jagen wir? Damit?" Sie wies bei dieser Frage auf ihr ebenfalls wiedererstandenes Lichtschwert.

„Das nehmen wir nur für Ausnahmefälle mit. Aber eigentlich werden wir damit jagen."

Er gab 11-4D einen Wink und der Droide präsentierte mit zwei seiner vier Arme zwei Energiepiken, welche er aus der Waffenkammer der „Hesperia" geholt hatte. Shaak Ti wusste, dass diese Lanzen früher auch von Echani und den Senatswachen getragen wurden. Diese Energiepiken waren mit Betäubungsmodulspitzen versehen, die dem Opfer einen Elektroschock versetzten, der das Nervensystem der meisten empfindungsfähigen Wesen außer Gefecht setzte, ohne dauerhafte Schäden zu verursachen. Shaak Ti atmete erleichtert auf, als sie erkannte, dass Plagueis offenbar nicht vorhatte, auf Kursid mit seinem Lichtschwert ein blutrünstiges Gemetzel zu veranstalten.

„Was hattest du denn gedacht, meine Liebe?", fragte er in liebevollem Spott. „Auch die Sith sind keine blutrünstigen Schlächter wie einige ihrer Zunft in der Vergangenheit. Und wir Beide sind Architekten der Zukunft", sagte er mahnend und verheißungsvoll zugleich, ging auf sie zu und seine Hände fassten die ihren.

Für einen Moment versank ihr Blick in dem Seinen.

„Jetzt sollten wir uns aber stärken, bevor unser Schiff in der Nähe der Hauptsiedlung landen wird", schlug er vor und ließ ihre Hände wieder los.

Jetzt erst setzten sie sich an den Tisch und frühstückten ausgiebig, während Shaak Ti dachte, dass sie eigentlich auch gerne etwas Richtiges jagen wollte. Etwas, woraus sie später eine leckere Fleischmalzeit zubereiten würde können. Ob ihr Geliebter als Muun etwas davon essen würde? Wo doch die Muuns in der gesamten Galaxis als Vegetarier bekannt waren? Damals vor siebenunddreißig Jahren jedenfalls hatte es im Kaldani-Turm kein Fleisch gegeben. Weder zum Abendbrot noch zum Frühstück am nächsten Morgen.

Die „Hesperia" senkte sich zum Landeanflug am Rande eines weiten, flachen, von einer Bergkette umgebenen Felsplateaus herab, welches sich in etwa einem Kilometer Entfernung von der kleinstadtartigen Hauptsiedlung befand. Shaak Ti hatte zuvor während des Rundfluges vom Fenster aus gesehen, dass diese Kleinstadt von einer steinernen Burgmauer umwehrt war, auf deren Türmen katapult- und kanonenartige Verteidigungsinstallationen zu erkennen waren. Nichts, was auf moderne Waffensysteme hindeutete, die sie von Kamino oder Kuat kannte. Sie sah, dass die Bevölkerung der für sie namenlosen Stadt in Händler, Bauern und spirituell-religiöse Würdenträger gegliedert war – zumindest der Kleidung nach zu urteilen.

Die „Hesperia" setzte auf dem Boden des Planeten Kursid auf – direkt neben dem Berghang, welcher das Felsplateau umgab. Zumeist bestand dieses Plateau aus nacktem schwarzem Stein. Aber vereinzelt waren Grasinseln mit Sträuchern zu sehen. Auf einigen dieser Grasinseln waren hohe Heuhaufen aufgeschichtet worden. Shaak Ti nahm an, dass später Heu in die Scheunen eingefahren werden würde.

„Sie betrachten uns als eine Art Götter, die es ihnen ermöglicht, von Zeit zu Zeit eine ganz besondere Art von Initiationsritus für ihre jungen Krieger zu vollziehen", erklärte Plagueis, kurz bevor sich die Einstiegsrampe für das Paar öffnete.

Eine Schar von etwa dreihundert humanoiden Kriegern war im Halbkreis angetreten, um die neuangekommenen vermeintlichen Götter zu begrüßen. Ihre bronzefarbenen Leiber waren mit Mustern aus verschiedenen Pflanzen- und Erdfarben bemalt. Ihre Mitte wurde von einem Lendenschurz bedeckt, während sie barfüßig auf die Neuankömmlinge zuliefen. Ihre Hände reckten Lanzen und Hellebarden, gefertigt aus dunklem Holz und Eisen, in die Höhe. Shaak Ti konnte sich des Eindruckes nicht erwehren, es in dieser Situation mit einer Neuauflage ihres Kampfes mit Grievous' Magna-Garden während Palpatines Entführung zu tun zu haben. Genauso viele und beinahe genauso tödlich bewaffnet, während sie diesmal ihr Lichtschwert nur für den von Plagueis angekündigten Notfall bei sich trug. Aber im Gegensatz zu damals vor vierundzwanzig Jahren war sie nun nicht allein. Ihr Geliebter war bei ihr und in einem respektvollen Abstand von den Kriegern auf den das Plateau umrahmenden Berghängen konnte sie Frauen, Kinder und andere Männer dieses urwüchsigen Volkes ausmachen, welche gekommen waren, um dem Spektakel beizuwohnen.

„Die nächsten paar Stunden werden die Grenzen deiner Agilität, deiner Schnelligkeit und deiner Treffsicherheit auf die Probe stellen", sagte Plagueis, während die Krieger, befeuert vom lärmenden Dröhnen von Trommeln und dem urwüchsigen Geheul der Zuschauer angriffen. „Diese Wesen werden auf ihre Art dazu beitragen, dass wir das instinktive Handeln und Kämpfen nicht verlernen und die Macht der Schwarmintelligenz erfassen und nutzen können."

Shaak Ti hatte Mühe, so schnell nach ihrer Wiedergeburt derart viele Gegner auf einmal zu bekämpfen und gleichzeitig Plagueis' Ausführungen zu lauschen, welche nicht nur vom Kriegsgeschrei ihrer Angreifer, sondern auch noch von den düsteren und feierlichen Gesängen der Zuschauer auf den Tribünen der Berghänge lautstark untermalt wurden. Ihr wurde klar, dass dies hier ein Test für sie war. Auch wenn das Jagdvergnügen außerordentlich war. Das gemeinsame Agieren dieser bronzefarbenen Wesen war um einiges unmittelbarer und vor allem fließender, als sie es auf Shili unter ihresgleichen in Erinnerung hatte. Die sich wie aus sich selbst ergebende, aus der Natur selbst zu entspringen scheinende Koordination der Krieger erinnerte sie an die Schwarmintelligenz, die sie vor vierzehn Jahren bei den Marschphantomen auf Abraxin kennengelernt hatte, wenngleich deren Schnelligkeit durch die Trägheit der Sümpfe jenes Planeten abgeschwächt worden war.

Endlich hörte Plagueis auf zu reden.

Die Beiden fingen mit ihren Energiepiken die glänzenden Pfeil- und Speerspitzen ab, die auf sie niederprasselten. Sie fälschten die Hiebe der Streitäxte mit den bloßen Schäften ihrer Piken ab, sandten ab und an gezielte Machtstöße aus, um mehrere Angreifer auf einmal von sich wegzustoßen und gleichzeitig mit ihren verhältnismäßig schlichten Waffen einen Krieger nach dem anderen in die vorübergehende Bewusstlosigkeit zu schicken. Hin und wieder registrierte Shaak Ti, wie einige Krieger von ihr weggeschleudert wurden, ohne dass sie dies veranlasst hatte. Kein Zweifel: Plagueis schaffte es zwischendurch auch noch, ihr Deckung zu geben.

Nach und nach wurde das Felsplateau von den noch zuckenden, sich in Schmerzen windenden Leibern der Krieger bedeckt, welche alsbald in vorübergehender Bewusstlosigkeit Ruhe fanden. Von oben gesehen war auf dem schwarzen, gelegentlich grün gesprenkelten Plateau jetzt ein dunkel-bronzefarbener gefüllter Kreis mit einem Durchmesser von etwa fünfhundert Standardmetern zu sehen, in welchem feine Linien in rot, grün und gelb eingearbeitet waren. Die Kriegsbemalung der am Boden Liegenden. In der Mitte dieser Scheibe standen zwei Gestalten, die eine in einen schwarzen, die andere in einen braunen Umhang gewandet. Während sich zusätzlich zu diesen Beiden noch ein bronzefarbener Punkt in der rechten Hälfte des Kreises bewegte.

Der übriggebliebene Krieger stand wackelig, aber aufrecht. In der Hand hielt er seine Streitaxt. Plagueis hatte seine Energiepike bereits deaktiviert. Er schaute kurz zu Shaak Ti, welche instinktiv verspürt hatte, dass ihr Geliebter den Kampf bereits für beendet erklärt hatte, ohne auch nur ein Wort zu sagen. Er hatte anerkennend registriert, dass seine Kampfgefährtin nur den Bruchteil einer Standardsekunde später ihre Pike ebenfalls deaktiviert hatte. Jetzt stand Shaak Ti entspannt und gelöst neben ihm, genoss das Ende der Jagd, weidete sich an ihrem Werk und harrte der Dinge, die er mit dem letzten Krieger vorhaben könnte.

Dies war der Moment, in welchem Plagueis seine Energiepike achtlos zur Seite warf. Er aktivierte stattdessen seine blutrote Sith-Klinge, während die an den Berghängen versammelte Menge auf einmal in kollektives Wehklagen ausbrach.

Shaak Ti erstarrte. Jetzt erst wurde ihr klar, dass der knapp zweistündige Kampf eben nur das Vorspiel gewesen war. Der Hauptakt des Spektakels jedoch begann – genau jetzt.

Plagueis schleuderte den verbliebenen Krieger mit einem Machtstoß auf den Boden. Dann schritt er mit aktiviertem Lichtschwert zu ihm, öffnete mit ein paar geschickten Schnitten den Brustkorb seines Opfers und riss ihm bei lebendigem Leibe das Herz heraus. Er hielt das blutverschmierte, noch pochende und zuckende Organ einen Moment lang über seinem Kopf in die Höhe, während die Totenklage der Menge schriller wurde, um in jenem Moment abrupt in ohrenbetäubender Stille zu ersticken, in welchem der Muun seine Hand mit dem Kriegerherzen wieder sinken ließ.

Shaak Ti hatte während dieses Aktes sprachlos einer Salzsäule gleich erstarrt inmitten der Szenerie gestanden. Aber jetzt kam Plagueis auf sie zu. Er würde jetzt etwas zu ihr sagen. Irgendetwas von ihr erwarten. Aber was? Sie beruhigte sich mit dem Gedanken, dass all dies, was sie soeben erlebt hatte, ein seit Jahrhunderten eingespieltes Ritual war. Diese Leute und Krieger hatten seit langem erwartet, was sie nun bekommen hatten. Es stand ihr nicht zu, jetzt daran irgendetwas zu ändern. Oder auch nur zweifelnde Fragen darüber zu stellen. Aber warum nur hatte Plagueis sie hierher mitgenommen? Sie hatte bislang nicht das Gefühl gehabt, dass er sie zu seiner Schülerin machen wollte. Oder etwa doch? Er war hier schon einmal gewesen, so routiniert, wie er diese Show vollzogen hatte. So viel stand für sie fest.

„Dieses Herz ist das Symbol des Opfers, welches erbracht werden muss, um Fortschritt und Freiheit zu erlangen", hörte sie ihn nun sagen. „Diese Leute hier haben das schon seit langem begriffen. Ich habe während meines Lebens immer wieder darüber gestaunt, wie bereitwillig Wesen niederer Spezies mit geringen Aufstiegschancen mir Platz gemacht haben, mir gar geholfen haben, weil sie in mir das Symbol und den Schlüssel für ihre Errettung – für ihr Heil sahen. Während jene, die, sei es nun verdienter- oder unverdientermaßen, an Privilegien klebten, jedoch allgemein als wissend und erfolgreich galten, mir die Anerkennung verweigert haben, die mir und meinen Mitstreitern gebührt hätte."

Ich habe ihm doch bereits versprochen, bei ihm zu bleiben. Was will er jetzt von mir? Anerkennung dafür, dass er dem armen Teufel das Herz aus dem Leibe gerissen hat?', fragte Shaak Ti sich mit Unbehagen.

„Und auch das Leben dieser Leute hier hat sich seit den über hundert Jahren, als ich sie das erste Mal besuchte, enorm verbessert. Damals haben sie uns mit einfachen Holzknüppeln angegriffen. Jetzt hingegen können sie Metall bearbeiten und auf mannigfaltige Art und Weise nutzen. Sie sind uns dankbar dafür. Sieh nur die Nachbildungen der Schiffe, die im Laufe der Jahrhunderte hier gelandet sind, die sie aus Stein erschaffen haben. Sieh auf die Opfergaben, die sie vor diesen Schiffsnachbildungen abgelegt haben, um uns zu ehren!"

Shaak Tis lilane Augen folgten Plagueis' weit ausholender Geste und sie wandte sich um. Dort, direkt vor dem Berghang, stand neben der „Hesperia" eine Nachbildung eines ähnlichen Shuttles, daneben eine steinerne Nachbildung eines Schiffes, das von Sienar Systems zu stammen schien. Es hatte markant gebogene Seitenflügel. Es könnte sich um ein Vorbild für imperiale Tie-Jäger handeln, schoss es ihr durch den Kopf. Aber sie hatte anderswo noch nie ein Modell wie dieses hier gesehen. Eine Sonderanfertigung? Für die vor den Schiffen abgelegten Opfergaben mannigfaltigster Art hatte sie jetzt keinen Blick.

Sie drehte sich wieder zu ihrem Geliebten um. Plagueis hielt nach wie vor das Herz des stärksten Kriegerkämpfers dieses Planeten in der Hand.

„Durch uns werden die Kräfte des Chaos gezügelt und nutzbar gemacht. Gewöhnliche Wesen pflegen gewöhnliche Anführer zu wählen. Wir jedoch wurden durch die Macht erwählt."

„Aber du hast mir doch damals auf Mygeeto erklärt, dass du mich erwählt hattest, nicht die Macht", erwiderte sie, aus ihrer Schockstarre erwachend.

Plagueis ließ ein kurzes warmes Lachen vernehmen. Dann wurde er wieder ernst.

„Ja, du hast vollkommen Recht."

Er ließ nach diesem Satz eine kurze Kunstpause, um es der Togruta zu ermöglichen, in ihrem kleinen Triumph zu schwelgen.

„Und um unsere Ziele zu erreichen, müssen wir manchmal zu wilden Biestern werden. So wie jetzt."

Er führte die Hand mit dem bluttriefenden Organ des Kriegers zum Mund und biss einmal herzhaft hinein. Verblüfft und schockiert nahm Shaak Ti wahr, wie der ansonsten vegetarische Muun den Bissen zerkaute und hinunterschluckte. Etwas Blut aus dem Herz war an Plagueis' dünnen Lippen kleben geblieben. Auf einmal fiel ihr ein, dass sie aus der lang zurückliegenden Zeit ihrer Kindheit eine Legende kannte, wo jemand das Herz eines Feindes – nur angebissen oder gar ganz aufgegessen hatte? Sie war sich nicht mehr sicher. Aber sie war sich absolut sicher, damals ein seltsames Gefühl der Erregung verspürt zu haben. Und jetzt kämpfte sich plötzlich ein archaisches Gefühl in ihr nach oben, welches sie nach ihrer Jedimeisterprüfung längst besiegt zu haben glaubte. Instinkte ihrer früheren Raubtierspezies waren dabei, sich Bahn zu brechen!

„Shaak Ti, willst du meine Frau werden?", hörte sie Plagueis sie nun direkt fragen.

Sie sah, wie er ihr das blutverschmierte Herz darbot. Endlich begriff sie, wozu das ganze Spektakel auf Kursid gedient hatte. Zumindest jetzt. Nein, ein Sith würde so etwas niemals fragen. Sith hatten weder Ehefrau noch Familie.

„Ja, ich will", antwortete sie ihm feierlich.

Dann nahm sie ihm das Herz aus der Hand und öffnete ihren Mund. Plagueis konnte dabei ihre spitzen Eckzähne sehen – ein markantes Merkmal der früheren Raubtierspezies Togruta. Gleich würde sie hineinbeißen. Die sinnliche Erregung, die er seit ihrer beider Widergeburt peinlich unterdrückt hatte, war nun dabei, mit voller animalischer Wucht in ihm aufzusteigen, seit er in das Herz gebissen hatte. Er hatte es seiner Anima endlich gestattet, zu wuchern. Nun jedoch, bei Shaak Tis Biss in das Herz, machte diese erotische Aufwallung einen spontanen Sprung in schwindelnde Höhen. Ja! Shaak Ti biss ebenso genüsslich in das Organ hinein, wie er es zuvor getan hatte!

Shaak Ti schämte sich dafür, dass sie sich in diesem Moment überhaupt nicht dafür schämte, in dieses ihnen geopferte primär lebenswichtige Organ zu beißen. Das Herz, welches noch vor fünf Minuten in der Brust des Kriegers geschlagen hatte, schmeckte nach dem puren Leben, nach Kraft, nach Macht … und auf eine gewisse Art und Weise süßlich, wie sie nach einigem Kauen feststellte.

Sie ließ, während sie kaute, kurz ihren Blick in die Umgebung schweifen. Jetzt, nachdem sie von dem Herz abgebissen hatte, eilte die Menge der Zuschauer zum Schauplatz des Kampfes, um die sich langsam wieder aufrappelnden Krieger einzusammeln und auf dem Weg zurück in die Stadt zu begleiten, während sie dabei einen Gesang anstimmte, der in seiner erhabenen Schwere und Strenge dem ähnelte, den sie bereits vor und während des Kampfes von den Tribünen der Berghänge gesungen hatte.

„Was machen wir denn jetzt mit dem Herz?", fragte Shaak Ti, ihm das Organ wieder zurückgebend, nachdem sie den Bissen vollständig zerkaut und hinuntergeschluckt hatte.

„Wir legen es vorerst hier unter den Busch, bevor wir es begraben. Aber jetzt möchte ich etwas anderes", schnurrte er und sie sah seine blutverschmierten Lippen nur ein Stück auf sie zukommen, während in seinen gelben Augen ein intensives Funkeln lag.

Ihr wurde heiß. Sie durchzuckte der Gedanke, dass ihre eigenen Lippen jetzt mindestens genauso blutverschmiert sein mussten wie die Seinen. Sie wandte den Blick von ihm ab und schaute in die Richtung, in welche die Menge mit den wiedererwachten Kriegern heimging. Plagueis tat es ihr gleich. Er nutzte die folgenden Minuten, um in der Vorfreude dessen zu schwelgen, was er für Shaak Ti und sich als nächstes geplant hatte. Nach etwa fünf Minuten waren die Leute bereits etwa siebenhundert Standardmeter von ihnen entfernt. Sie hatten auch die Leiche ihres gefallenen Kameraden mitgenommen. Niemand der Einheimischen sah sich mehr nach dem Machtbenutzer-Pärchen um. Plagueis entschied in diesem Augenblick, dass jetzt die Zeit des Unbehelligtseins angebrochen war.

Er wandte sich erneut Shaak Ti zu, welche ihm in stummer Bejahung ihren blau-weiß-umrahmten Kopf zudrehte. Endlich fanden seine Lippen ihr Ziel. Plagueis' Zähne zogen, Plagueis' Lippen saugten an ihren Lippen, gaben ihr schließlich einen langen, heißen Kuss, der sie alles um sich herum vergessen machte. Auch das Herz des unglücklichen Kriegers, welches sie gerade eben noch mit eben jenen Lippen berührt hatte, welche nun so bereitwillig des Kriegers Mörder zurückküssten. Genauso ein Kuss hatte damals vor siebenunddreißig Jahren im Kaldani-Turm noch gefehlt.

„Endlich kann ich dir den Kuss von damals wieder zurückgeben", flüsterte er heiser, nachdem sich ihre Lippen wieder voneinander gelöst hatten.

Als hätte er ihre Gedanken gelesen. Hatte er ihre Gedanken gelesen?

„Es ist jetzt zweiundachtzig Jahre her, dass du jemanden geküsst hast, richtig?"

„Und auch daran kannst du dich noch erinnern", presste er erregt hervor und zog sie erneut zu sich heran, um ihren Mund ein zweites Mal zu plündern. Sie fühlte, wie bei diesem zweiten Kuss seine Zunge in ihren Mund wanderte. Sie umschmeichelte sie mit ihrer eigenen Zunge und ließ dabei ein kehliges Stöhnen hören. Ja, jetzt fühlte sich alles voll, echt und richtig an. War es richtig?

„Und es wird niemand kommen?", fragte sie atemlos.

„Seit wann kümmert es wilde brünstige Tiere, ob ihnen jemand bei ihrem Treiben zuschaut?", stieß er mit rauer, von Begehren erfüllter Stimme hervor. „Aber wenn du es wünschst, kann ich die Krieger gerne zurückrufen."

Shaak Ti zog es vor, von nun an zu schweigen. Er führte sie zügig zu einer der Grasinseln mit einem Heuhaufen in der Mitte.

Ein unerwarteter Schubs von Plagueis ließ sie mit dem Rücken nach unten in die Mitte des Heuhaufens plumpsen. Noch während sie in der Luft war, hörte sie das metallisch klingende Geräusch, welches entstand, als er mit seinen langen Händen seinen Gürtel löste, welcher die Lagen seiner schwarzen Tunika zusammenhielt. Nur einen Moment später fühlte sie das Gewicht seines Körpers, welcher plötzlich auf sie niedergefallen war. Plagueis war im wahrsten Sinne des Wortes dabei, sie zu bespringen! Hastig schob er die braunen Lagen ihres Jedi-Gewandes nach oben, zog energisch an ihrem Unterhöschen, so dass es zerriss.

„Wie ein wildes Biest, ja?", presste sie hervor.

„Jaaa!", erwiderte er mit rauer kehliger Stimme, spreizte ihre Beine und drang schnell und heftig in sie ein.

Sie spürte seine Dunkle Macht gegen ihren Körper fluten. So wie damals. Ja, Plagueis hatte sich, seit die „Hesperia" von Endor abgehoben hatte, nicht mehr die Mühe gemacht, seine Machtpräsenz vor ihr zu verbergen. Trotzdem war seine plötzliche körperliche Nähe für Shaak Ti geradezu überwältigend. Gerade, weil er jetzt so über sie herfiel. Ob es wohl genau das war, was er mit dieser Art Überfall beabsichtigte? Sie fühlte, wie etwas in ihr in leichtem Schmerz riss. Natürlich! Mit ihrer Wiedergeburt war auch ihre Jungfräulichkeit wieder intakt gewesen. Bis jetzt.

Plagueis hielt einen Moment lang inne, nachdem er gewahr wurde, dass er Shaak Ti erneut entjungfert hatte. Er setzte sich auf ihrem Körper auf und betrachtete versonnen ihre nun vereinte Mitte. Er fühlte, wie seine Geliebte unter ihm zitterte. Er sondierte die Macht um sie beide herum. Shaak Ti war die Erregung selbst. Er fühlte eine unglaubliche Stärke von ihr ausgehen. Gerade, weil sie so erregt war. Er hatte bereits damals im Kaldani-Turm gespürt, wie stark die Macht in Shaak Ti war. Und jetzt hatte sich in dieses ihr Aufgepeitschtsein noch etwas Angst gemischt. Ein faszinierender unwiderstehlicher Cocktail bestehend aus Macht, Schönheit und wilden, ungezügelten Emotionen! Er schwelgte eine Weile in dieser Vermischung der Gefühle, im Surren und Schwirren der Midichlorianer um ihre vereinten Körper herum. Dann beschloss er, ihr ihre Angst zu nehmen.

Er beugte sich zu ihr herunter und gab ihr einen sanften Kuss. Streichelte ihre Montrals. Er sah in ihre lilanen Augen, die ihn anschauten, als würde er das erste Mal auf diese Weise mit ihr vereint sein. Was ja in gewisser Weise auch zutraf. Er spürte, wie sich ihre Angst nach und nach legte, während er sie erneut küsste und dabei sachte ihre Lekkus streichelte. Eine Wärmewelle stieg ihm von seiner Geliebten entgegen, um ihn willkommen zu heißen. Er setzte sich erneut auf und machte sich an den oberen Lagen ihres Gewandes zu schaffen.

Shaak Ti schaute in den blauen wolkenlosen Nachmittagshimmel von Kursid, als sie spürte, dass Plagueis gerade ihre rechte Brust freigelegt hatte. Die Linke folgte umgehend. Sie fühlte, wie seine langen Finger ihre Brustwarzen zwirbelten, die schon hart gewesen sein mussten, bevor Plagueis seine zukünftige Ehefrau in den Heuhaufen befördert hatte. Gerade als sie das Gefühl bekam, dieses Zwirbeln nicht mehr aushalten zu können – so intensiv war sein Berührung geworden – ließ er von ihren Brüsten ab und begann erneut, zuerst langsamer, schon bald jedoch schneller werdend, in sie hineinzustoßen, während die Lagen seines schwarzen Gewandes seinen alabasterfarbenen Körper von beiden Seiten einrahmten und bei jedem seiner Stöße vor- und zurückschwangen.

Bereits nach einigen Minuten waren Plagueis' Stöße wild und stakkatoartig geworden. Er hielt inne, erzitterte kurz. Dann stieß er einen kurzen Schrei aus und ergoss er sich in Shaak Ti unter ihm. Sie stöhnte leise dabei.

Sie fand es angenehm, als er danach auf sie niederfiel und sie seinen Geruch in sich einsog. Gierig umschlang sie ihn mit ihren Armen, die noch in ihrer Jedi-Robe steckten. Nein, sie war dieses Mal nicht mit ihm zum Höhepunkt gekommen. Aber wieso sollte es auch immer so sein, dass beide Partner gleichzeitig zum Orgasmus kamen? Wo sie bis vor siebenunddreißig Jahren noch nicht einmal gewusst hatte, dass solch ein gemeinsamer Orgasmus überhaupt möglich war.

Shaak Ti war nicht darüber verwundert, dass ihr zukünftiger Ehemann auch diese Erwartung ihrerseits erspürt hatte. Nach einer Weile des Auf-ihr-liegens wanderten seine Lippen zwischen ihre Schenkel, um ihre Mitte mit nur ein paar Bewegungen dick und heiß zu saugen. Es schien Plagueis dabei nicht das Geringste auszumachen, dabei auch seinen eigenen Saft zu kosten, wie sie mit einem schelmischen Lächeln dachte. Um wie viel schneller sie doch zu Hochtouren auflief, wenn er es ihr derart mit dem Mund besorgte anstatt mit der Hand wie damals vor siebenunddreißig Jahren. Auch wenn es damals schön gewesen war, gerade weil es so lang gedauert hatte … Nein! Ein ordinäres Biest würde sich nie und nimmer derart um ihr leibliches Wohl kümmern!

Plagueis schien mindestens zwei neuralgische Punkte auf einmal mit seinen Lippen zu massieren. Jetzt fühlte sie, wie überdies seine Zunge in sie eindrang und dabei sanft vibrierte, während seine Lippen an ihrem Kitzler und weiter davor fortfuhren, ihr aufregendes Werk zu verrichten. Diese plötzliche Dreifachstimulanz war zu viel für Shaak Ti. Sie bäumte sich auf und kam mit einem langen, lauten Schrei. Ein paar Augenblicke hielt das Hochgefühl an. Dann kippte es abrupt in sein Gegenteil. Sie versuchte, ihre Mitte von seinem Mund wegzubekommen, aber er hielt sie an den Hüften fest und saugte und leckte weiter an ihr herum. Die Lust von eben verwandelte sich in einen bittersüßen, dabei stetig bitterer werdenden intensiven Schmerz. Es wurde zu intensiv – unerträglich!

Sie presste ihre Oberschenkel zusammen, geradeso, als könne sie seinen Kopf auf diese Weise von sich wegquetschen. Sie schrie erneut – diesmal vor Schmerz. Er stöhnte ob dieser ihrer brutalen Umarmung seines langgezogenen Kopfes lustvoll auf. Dann ließ er von ihr ab. Shaak Ti ließ ihren Oberkörper erschöpft und erleichtert zurück ins Heu fallen. Der Schmerz war wie fortgeblasen, sobald Plagueis' Lippen und Zunge ihre Mitte hatten fahren lassen. Jetzt waren da nur noch Leichtigkeit, Glück und … Frieden … ja, auch auf dem von dunkler Macht umwölkten Kursid gab es so etwas. Plagueis hatte ihr vor der Landung erzählt, dass die Bewohner dieses Planeten weitgehend in Frieden miteinander lebten. Trotz oder womöglich gar gerade wegen ihrer archaischen Opfertraditionen ...

Das also war die unbehelligte Entspannung, die Plagueis ihr vor dem Ausstieg versprochen hatte. Shaak Ti lächelte selig.

Ein Kuss ihres Geliebten riss sie aus ihrer Kontemplation. Jetzt schmeckte auch Shaak Ti von dem Sperma, welches jetzt in ihr war. Es schmeckte süßlich, viel süßer noch als das Fleisch des Herzens, von welchem sie beide vor ihrem wilden Liebesakt gekostet hatten. Shaak Ti vermeinte, neben Plagueis' und ihrem eigenen Saft auch noch etwas von dem Blut des getöteten Kriegers auf ihrer beider Zungen zu schmecken. Sie hatte das Gefühl, noch nie derart intensiv gelebt zu haben wie in diesem Moment! Gerade wegen dem fremden Blut an ihnen beiden. Sie hatte spontan das Bedürfnis, ihren Geliebten an ihren Gefühlen teilhaben zu lassen. Zu diesem Zweck musste sie den Kuss unterbrechen.

„So nah also liegen Leben und Tod beieinander. Das ist … schauerlich schön."

„Ja, das ist es", erwiderte er mit einer Intensität in der Stimme, die ihr einen leichten Schauer das Rückgrat hinunterfahren ließ.

Sie sah in seine goldenen Augen. Sie waren ihr nicht mehr fremd. Kein Zweifel, Plagueis verstand, was sie fühlte, soeben gefühlt hatte. Genau das hatte er ihr heute zeigen gewollt. Spontan bot sie ihm erneut ihre Lippen dar, um diesen einzigartigen Kuss fortzusetzen. Als seine Lippen erneut die Ihren berührten, war alles wieder perfekt … rund … intakt. Shaak Ti hatte das Gefühl, Plagueis erst jetzt richtig in seiner Gesamtheit zu erkennen. Kannte sie ihn? Während in ihr selbst etwas erweckt worden war. Der Wecker schrillte einen stummen Alarm! Wie auf Kommando eines Dritten lösten sie synchron ihre Lippen voneinander.

Der Kuss war beendet.

„Wir sollten jetzt das Herz begraben und dann zum Schiff zurückkehren. Wir müssen uns frischmachen, wo uns die Einheimischen doch zum Abendessen erwarten", sagte Plagueis nach den gefühlten fünf Minuten, die dieser schleimig-schlüpfrige Kuss zwischen ihnen angedauert hatte.

Eilig standen sie auf. Nachdem sie ihre Kleidung gerichtet und von dieser den Staub abgeklopft hatten, schauten sie zu der Stelle, wo noch vor zwanzig Minuten das Kriegerherz gelegen hatte. Es war verschwunden. Nur eine im Versickern begriffene ovale Blutlache kündete von seinem kurzen Verweilen an jenem Ort.

„Wahrscheinlich hat es ein wildes Tier gefressen", mutmaßte Shaaak Ti.

„Eine bessere Endverwertung lässt sich schwerlich denken", meinte Plagueis.

„Und wie wird die dazugehörige Leiche … verwertet?", fragte sie, das letzte Wort dabei extra dehnend.

„Er wird in allen Ehren bestattet werden und fortan als Held gelten, den die Götter auserwählt haben …"

Noch ein Auserwählter', dachte Shaak Ti sarkastisch zurück.

„… und es wird ihm zu Ehren in der Hauptstadt eine prächtige Steinstele aufgestellt werden, die bis in ferne Zeiten von seinem heldenhaften Opfer künden wird", beendete Plagueis seine Erklärung, während sie sich auf den Rückweg zur „Hesperia" machten, um zu duschen und sich neu einzukleiden.

Der Festsaal in der Burg mitten in der Kleinstadt war gut gefüllt. Das Paar saß an der großen viereckigen gut gefüllten Tafel. Rechts neben Shaak Ti saß eine ältere Frau mit langem dunkelbraunem Haar. Links von Plagueis saß der Ortsvorsteher, ein ebenfalls bronzefarbener Einheimischer mit hellbraunem Haar und Lederschmuck an Ohren und Hals.

„Wir hätten ja nicht gedacht, Euch jemals wieder zu Gesicht zu bekommen, wo doch die meisten Eurer Art bislang nur zweimal, manche gar nur einmal hier aufgetaucht sind", sagte der Ortsvorsteher zu Plagueis und Shaak Ti und seine grünen Augen glänzten lebhaft bei dieser Plauderei aus dem Nähkästchen der Sith.

„Wir Zwei werden euch von nun an genau aller dreißig Kursid-Jahre immer wieder besuchen kommen, damit ihr in Zukunft mehr Planungssicherheit habt", erwiderte Plagueis huldvoll.

Die Menge verfiel ob dieser seiner Worte in ein ehrfürchtiges Raunen.

„Dann gehe ich davon aus, dass wir Euren letzten Schüler niemals wiedersehen werden. Er war immerhin bereits vier Mal hier", erklärte der Ortsvorsteher mit einem schelmischen Lächeln, während Shaak Ti etwas mulmig bei dem Gedanken wurde, bei diesen Leuten nun als Plagueis' Schülerin zu gelten.

„So erzählt doch bitte", forderte Plagueis ihn auf.

„Etwa zwanzig Jahre, nachdem Ihr den Menschen bei uns eingeführt hattet, er hatte da noch rote Haare, kam er mit einem roten, schwarz tätowierten Zabrak hierher. Der Bursche hat gleich das ganze restliche Herz verspeist, nachdem Euer Schüler es ihm nach seinem Bissen gereicht hatte. Der Zabrak hat es regelrecht heruntergeschlungen, so ausgehungert muss der arme Junge gewesen sein."

Shaak Ti und Plagueis sahen sich an. Sie wussten beide genau, dass von Darth Maul die Rede war. Dann setzte der Ortsvorsteher seine Rede fort, während eine junge Frau herumging, um einen schweren würzigen Lokalwein auszuschenken. Plagueis und Shaak Ti prosteten sich zu und nahmen einen herzhaften Schluck aus ihrem Tonbecher. Dann lauschten sie weiter.

„Der zweite Schüler war ein ziemlich alter Mensch. Nur drei Jahre, nachdem er mit dem Zabrak hier gewesen war, hat er seinen Speziesgenossen hergebracht. Dieser war mindestens zwanzig Jahre älter als der Meister. Er hat sich während des Kampfes wacker geschlagen, sich aber ziemlich geziert, als er vom Herz abbeißen sollte. Euer Schüler hat ihm dann etwas ins Ohr gezischt, dann hat er endlich abgebissen. Ihr hättet mal sein Gesicht sehen sollen. Derart piekfein und angewidert – eine Schande für Euch!"

Einige Anwesende begannen ob dieses Teiles der Erzählung zu kichern und zu glucksen.

„Aber am unheimlichsten war der dritte Schüler, den er zwölf Jahre nach dem Vorigen hergebracht hat. So ein ziemlich Großer von unbekannter Spezies. In einen schwarzen Lederanzug mit so einem Knopfgürtel und Brustplatte, ebenfalls mit Knöpfen übersät. Wir konnten sein Gesicht nicht sehen, denn er trug einen Helm und eine Atemmaske. Er hatte einen unheimlichen Atem. So laut und rasselnd …"

Plagueis unterdrückte ein Gähnen. Shaak Ti sah ihn in unterdrückter Langeweile an. Beide wussten bereits, dass der Mann von Darth Vader sprach.

„Er hat, nachdem Euer Schüler ihm das Herz gegeben hatte, so einen durchsichtigen Zylinder aus seiner Tasche geholt. Dann hat er das Herz dort hineingestopft und einen Knopf betätigt. Es hat gebrummt. Alle konnten sehen, wie das Herz zu einem Brei zermahlen wurde. Dann hat er den Zylinder wieder geöffnet, einen Trinkhalm hineingesteckt und durch seine Atemmaske hindurch das Herz getrunken. Es hat solche blubbernden Geräusche gemacht, während er aus dem Zylinder gesaugt hat. Einige Leute von uns fanden das derart abscheulich, dass sie spontan in Ohnmacht gefallen sind. So schrecklich war das. So etwas hat es hier noch nie gegeben!"

So also hat Darth Vader die Galaxis in Angst und Schrecken versetzt', dachte Shaak Ti, angeregt durch den fast vollständigen Genuss ihres zweiten Bechers Wein.

Die Feiergesellschaft wurde zunehmend ausgelassener. Immer mehr Weinbecher wurden geleert.

„So sagt mir doch, war mein Meister auch nur zweimal hier gewesen?", wollte Plagueis von dem Ortsvorsteher wissen.

„Er war dreimal hier. Einmal vor knapp hundertdreißig Jahren als Schüler mit seinem Twi'lek-Meister. Dann vor etwa hundert Jahren mit Euch. Und dann noch einmal zwanzig Jahre später mit einem anderen jüngeren Bith. Da dachten wir schon, Ihr wärt tot."

Plagueis schaute Shaak Ti angewidert an. Diese nickte wissend. Sie wusste, dass sich ihr Geliebter durch die Anwesenheit von Darth Venamis auf Kursid von seinem Meister erniedrigt fühlen musste.

Nach etwa einer halben Stunde kam das Paar überein, die Festlichkeit ihnen zu Ehren und den Planeten Kursid zu verlassen.

„Du hattest doch vorhin gesagt, dass die Macht uns erwählt hat. Aber du bist doch jetzt gar kein Sith mehr. Wofür genau hat uns die Macht denn erwählt?", fragte Shaak Ti, während die beiden Machtbenutzer eilig und leicht angeschwippst zurück zur „Hesperia" strebten.

„Sie hat uns auserkoren, um die Anderen, die Führung benötigen, anzuleiten und das Gleichgewicht in der Macht wieder herzustellen und zu bewahren", erwiderte er, erneut in dieser Selbstverständlichkeit, die sie stets von neuem verblüffte.

„Hat dir dein Meister das so gesagt?"

„Tenebrous hat einfach gesagt, dass die Sith die Macht erringen müssen, um Ordnung herzustellen. Die Worte meines Vaters hingegen, die ich dir soeben gesagt habe, hätte er als romantischen Schwachsinn abgetan", entgegnete Plagueis mit Bitterkeit.

„Du … hast deinen Vater solange gekannt, dass du mit ihm solche hochphilosophischen Gespräche führen konntest? Wo dich Tenebrous doch bereits im Alter von fünf Jahren zu sich genommen hatte?"

„Ich hatte in meiner Jugend einige Jahre bei meinem Vater auf Muunilinst verbracht, um mir meine zivile Identität aufzubauen, bevor er schließlich starb und mir diese Worte auf dem Sterbebett mit auf den Weg gegeben hat."

„Immerhin kanntest du ihn ziemlich lange. Und du sprichst so liebevoll von ihm, während ich gar nichts über meinen Vater weiß", meinte sie etwas wehmütig.

Er sagte nichts dazu, sondern wandte den Blick von ihr ab. Also wechselte sie das Thema, um ihn nicht in weitere Verlegenheit zu bringen.

„Aber wie willst du denn Andere anleiten, wenn wir später diese Klinik betreiben? Oder strebst du so ganz nebenbei noch das Amt des Kanzlers an, um später Imperator zu werden, egal ob Sith oder nicht?", fragte sie ihn zweifelnd.

„Du und ich haben ja selbst erlebt, wohin das führt. Nein, wir werden das viel subtiler und vor allem viel schöner machen. Du wirst schon bald sehen, wie genau", beruhigte er sie mit geheimnisvoller Stimme, die vor Zuversicht nur so strotzte. Shaak Ti sah keinen Grund, ihm nicht zu glauben.

11-4D hatte bereits alles für die kommende Nachtruhe vorbereitet, als Plagueis und Shaak Ti das Shuttle betraten. Sobald er das Paar begrüßt hatte, rollte der Medi-Droide eilfertig zurück ins Cockpit, um das Abheben von Kursid und den darauffolgenden Sprung in den Hyperraum vorzubereiten, ohne dass zwischen ihm und Plagueis auch nur ein weiteres Wort gefallen wäre. Shaak Ti hegte keinerlei Zweifel daran, dass der Droide bereits über alle weiteren Reiseplanungen des Muun, womöglich auch über dessen Zukunftspläne, bestens im Bilde war. Das Paar fiel umgehend ins Bett. Shaak Ti schmiegte sich an Plagueis und leckte dabei sanft mit ihrer Zunge über seine weiße Brust. Eng aneinander gekuschelt schliefen beide nahezu gleichzeitig ein.


Note der Autorin: Die Szene auf Endor ist der Szene im Lego-Mini-Film aus den Yoda-Chroniken „Angriff der Jedi-Ritter" nachempfunden. Wer sich für die Stelle interessiert, auf die sich Shaak Ti bezieht, wenn sie von Hegos letztem Kuss vor zweiundachtzig Jahren spricht, sei auf Kap. 28 dieser Geschichte, „Der Eiskönig" verwiesen. Die Geschichte auf Kursid kann man in abgewandelter Version auch im Darth-Plagueis-Roman von James Luceno nachlesen, wo ich mich wieder einmal an Zitaten und Beschreibungen bedient habe. Außerdem hat mich die Geschichte "Become as Beasts" von Darth Videtur dazu inspiriert.