37. Kapitel - Auch Zauberer haben Muggel Probleme

„Oh Mann, ich weiß gar nicht, was ich auf dem Abschlussball anziehen soll.", jammerte Celina, die den Krankenflügel verlassen durfte und nun vollkommen hektisch sämtliche Kleidungsstücke aus ihrem Schrank riss.

„Mensch jetzt krieg dich mal wieder ein."; versuchte Eowyna sie zu beruhigen. „Sind doch noch ein paar Tage Zeit, bis der Ball stattfindet. Und wie viele Kleider hast du denn überhaupt dabei, die du anziehen könntest? Du wirst ja wahrscheinlich nicht in deiner Schuluniform da hingehen wollen?"

„Also ich weiß ja schon, was ich anziehe."; schmunzelte Lily stolz. „Na wie schön für dich." Celina zog einen Schmollmund. „Ich glaub ich bitte meine Mutter noch, mir mein gelbes trägerloses Kleid zu schicken…"
„Was hast du denn für eins hier?", fragte Eowyna, stand von ihrem Bett auf und ging zu Celina hinüber. „Mann, was hast du denn für Kram dabei?", entfuhr es ihr entsetzt. Sie holte fünf bodenlange Kleider aus dem Schrank hervor. Celina zuckte mit den Schultern. Nun war auch Lily neugierig geworden und schielte ihren Freundinnen über die Schulter. „Warum hast du denn so viele Kleider dabei? Wir wussten doch gar nicht vor Schuljahrsbeginn von dem Ball…"

„Ich hab meine Mutter gebeten, mir noch ein paar Kleider zu schicken. Ihr kennt mich doch und wisst, wie schwer ich mich entscheiden kann."

„Hat das vielleicht noch einen anderen Hintergrund?", fragte Eowyna grinsend. „Vielleicht ist da ja jemand, den du beeindrucken willst?", fügte Lily hinzu und legte ihren Arm um Celinas Schultern. Celinas Wangen röteten sich leicht und sie lächelte. „Ist das so offensichtlich?" „Naja wenn man dich ein bisschen kennt, dann schon.", beruhigte Lily sie. „Geht ihr dann zusammen zum Ball?" Celina schaute zu Boden. „Ich weiß nicht. Er hat mich noch nicht gefragt…"

„Dazu möchte ich dich an etwas erinnern, was du mir damals zu Sirius gesagt hast", mischte sich jetzt Eowyna ein, „selbst ist die Frau!"

„Professor Dumbledore! Professor, so warten Sie doch."; rief Remus laut hinter dem Direktor her, der gerade den Gang entlang spazierte. Der Junge rannte so schnell er konnte hinter ihm her. „So warten Sie doch auf mich, bitte.", keuchte Remus, als er endlich zu Dumbledore aufgeschlossen hatte.

„Was gibt es denn mein Junge."; fragte Dumbledore interessiert und schaute den Gryffindor Schüler freundlich an.

„Professor, was ist passiert? Warum hat Malfoy nichts erzählt? Warum hat er mich auch noch gefragt, wie es mir geht und wie ich die Attacke weggesteckt habe? Was will er von mir? Tut er so freundlich, um mir dann hintenrum das Messer in den Rücken zu rammen?", platzte es aus Remus heraus. Dumbledores Gesicht zeigte keine Regung. „Was soll Mr. Malfoy erzählt haben? Ich weiß gar nicht, was Sie haben Mr. Lupin, immerhin sind Sie und Ihre Freunde von einem Death Eater angegriffen worden und da ist es doch verständlich, dass sich die anderen Schüler auch nach Ihrem Befinden erkundigen." Der Schulleiter drehte sich auf dem Absatz um und ging pfeifend davon. Ein verdutzter Remus blieb zurück und schaute ihm hinterher. Nun verstand er die Welt wahrlich nicht mehr.

Lucius Malfoy ging langsam die steilen Stufen zu den Kerkern der Slytherins hinunter. Seit einer Woche fühlte er sich nun schon so seltsam. Er hatte sogar freiwillig Madam Pomfrey aufgesucht, um sich ein Mittel gegen Erkältung geben zu lassen, aber die Krankenschwester war vollkommen überzeugt gewesen, dass er gesund sei. Er rieb sich die Stirn. Irgendetwas hatte er doch vergessen, aber was konnte es bloß sein? Und dann waren da auch noch Crabbe und Goyle, die ihn mit dieser blödsinnigen Geschichte von diesem unscheinbaren Gryffindor Vertrauensschüler Lupin nervten. Gut, er war ein Freund von Black und den mochte er nicht, aber deshalb musste man sich ja nicht gleich solche Absurditäten ausdenken. Außerdem, was kümmerte es ihn? Noch zwei Wochen, dann war er endlich raus aus diesem Irrenhaus. Nur noch die letzten Prüfungen und dann nie wieder Schule, nie mehr diese altklugen Lehrer und vor allem musste er dann diese ganzen Schlammblüter nicht mehr tagtäglich sehen. Nur noch Slughorns praktische Zaubertränke-Prüfung trennte ihm von seinem N.E.W.T. Zertifikat. Er war sich sicher, dass die anderen Prüfungen ziemlich glatt gelaufen waren und diese letzte sollte auch kein Problem werden. Und dann war er frei! Naja, sein Vater erwartete von ihm, dass er selbstverständlich einen vernünftigen Beruf ergreifen würde, der ihm viel Geld einbringen und der Familie weiteres Ansehen verschaffen würde. Sollte ihn seine Zukunft womöglich ins Zaubereiministerium verschlagen? Das war zumindest der Traum seines Vaters. Zaubereiminister Lucius Malfoy.

Im Gemeinschaftsraum der Slytherins saß Narcissa Black in einem dunkelgrünen, plüschigen Sessel und war in ein Buch mit dem Titel „Geheimnisvolle und fast Vergessene Tränke" vertieft. Sie fühlte, dass sie beobachtet wurde. Sie schlug das Buch zu und sah auf. Severus Snape, der ihr gegenüber saß, guckte schnell weg. Narcissa musste lächeln. „Sev, was ist denn? Kann ich dir irgendwie helfen?"

„Ähm, naja…eigentlich nicht." „Was starrst du mich denn dann so an?", fragte Narcissa, der manchmal das nötige Feingefühl fehlte und die Leute einfach direkt und ohne Umschweife ausfragte.

„Also ich hab gedacht, also mich gefragt…du und Lucius…ihr seid ja…also zumindest nicht mehr so richtig…naja und da dachte ich…du könntest…also vielleicht…mit mir auf…auf den Abschlussball…?", brachte Snape stotternd hervor. Nach der Blamage mit Lily Evans wusste er nicht so genau, wie er die Sache mit den Mädchen angehen sollte. Aber allein auf den Ball gehen, ging nun mal auch nicht. Narcissa lächelte wieder. Sie fand Snapes Schüchternheit und Unsicherheit ziemlich niedlich. Sie überlegte kurz. Sie hoffte ja immer noch darauf, dass Lucius sich bei ihr entschuldigen würde, auch wenn sie es nicht zugegeben hätte. Aber da kam ja nichts von ihm. Also antwortete sie: „Hmm…na gut, warum eigentlich nicht."

Nicht nur die Slytherins waren in ihren Gedanken mit dem nahenden Abschlussball beschäftigt. Ganz Hogwarts war voller Vorfreude. So auch Celina, die allerdings immer noch in Sorge um ihren Begleiter war. Oder vielmehr, sie sorgte sich, dass der Junge, der ihr Begleiter werden sollte, sie nicht begleiten wollte. Und sie hatte Angst, dass diese Frage eine wundervolle Freundschaft zerstören könnte. Aber konnte man denn nicht auch als Freunde auf einen Ball gehen? Eigentlich schon, oder?

„Ich hab mit Dumbledore gesprochen."

„Und was hat er gesagt?", fragte James interessiert, der mit Sirius und Peter unter ihrem Lieblingsbaum am großen See der Ländereien saß und den schönen Nachmittag genoss.

„Ihr werdet es nicht glauben.", antwortete Remus immer noch verwirrt, als er sich zu seinen Freunden setzte. „Er meinte, dass es doch normal ist, dass man sich nach meinem Wohlbefinden erkundigt, nachdem ich von einem Death Eater angegriffen worden bin. Ach ja, er hat mich noch gefragt, was Malfoy denn erzählen sollte. Er hat einfach alles geleugnet, was passiert ist." Die Marauder schauten Remus verwundert an. Das war ja ein starkes Stück. „Was in aller Welt hat Dumbledore denn getan, wenn er so reagiert?"; dachte Sirius laut nach. „Ist das nicht egal? Ist es denn nicht die Hauptsache, dass Remus hier in Ruhe weiter zur Schule gehen kann, ohne dass irgendjemand außer uns weiß, was er wirklich ist? Freuen wir uns doch lieber, dass sowohl euer Kampf mit Greyback, als auch die Malfoy-Werwolf Sache gut ausgegangen ist.", platzte es aus Peter heraus, dem ein gewaltiger Stein vom Herzen gefallen war, als er mitbekam, dass Malfoy sich nicht mehr zu erinnern schien und so auch ihn nicht mehr verpetzen konnte.

„Wormtail hat Recht.", stimmte ihm James zu. „Es gib wichtigere Dinge. Da zum Beispiel, Moony. Schau mal, wer da auf dich zugestürmt kommt."

„Hey Jungs, wie geht's, wie steht's?", fragte Celina, die sich den Maraudern genähert hatte und nun etwas verschämt auf ihre Füße starrte. „Na klar ist bei uns alles super, aber was ist denn mit dir? Du siehst etwas bleich um die Nase aus. Oder sind das noch die Nachwirkungen von den Verletzungen?", grinste James. Remus warf ihm einen vernichtenden Blick zu und Celina wurde knallrot im Gesicht. Sirius biss sich auf die Unterlippe, um ein Lachen zu unterdrücken. Obwohl er ja gar nicht lachen brauchte, da er sich bei Eowyna auch ziemlich blöd angestellt hatte. Aber es sah nun mal ein Blinder mit dem Krückstock, dass die beiden ineinander verschossen waren.

„Ähm, nein alles gut bei mir. Remus, hast du mal kurz Zeit, ich möchte was mit dir besprechen." Celina schaute etwas unsicher drein, als Remus keine Anstalten machte, aufzustehen. Sie wollte doch nicht hier vor den ganzen Maraudern loslegen. „Was gibt's denn?", fragte Remus und guckte Celina erwartungsvoll an. James und Sirius tauschten einen schnellen Blick. „Prongs, Wormtail, wir wollten doch noch mal schauen, ob in der Bibliothek dieses Buch gibt.", sagte Sirius, stand auf und zog Peter mit sich. „Vermassel es nicht.", flüsterte James Remus zu, als dieser seinen Freunden in Richtung Schloss folgte.

„Gut, dass du hergekommen bist, ich wollte auch mit dir sprechen.", begann Remus. „Echt? Was wolltest du denn?", fragte Celina hoffnungsvoll. „Ähm, ich möchte mich nicht vordrängen…also fang ruhig an." Celina atmete tief durch. Na gut, dann also los. „Ich wollte dich fragen, ob du mit mir auf den Abschlussball gehen möchtest…also…" „Ja klar, natürlich möchte ich das. Das wollte ich dich doch auch fragen.", lachte Remus erleichtert und Celina fiel in sein Lachen mit ein. „Dann sind wir uns ja einig."

Lucius Malfoy betrat gerade den Gemeinschaftsraum der Slytherins. Sein Blick fiel auf die lesende Narcissa. Er spannte seine Schultern. Da gab es doch noch etwas, was er in Ordnung bringen musste. Auch wenn er es nie jemandem gestehen würde, musste er doch zugeben, dass es schon an ihm nagte, dass Narcissa ihm die kalte Schulter zeigte.

„Hey Narcissa, hast du einen Moment Zeit?", fragte er. Wieder schlug Narcissa ihr Buch zu und schaute Lucius interessiert an. „Ich hab hier übrigens ein interessantes Buch über Zaubertränke, wenn du möchtest kann ich es dir ausleihen, wo du doch deine Prüfung nächste Woche hast.", begann Narcissa das Gespräch mit einem Friedensangebot. Lucius setzte sich in den freien Stuhl neben ihr.

„Hör mal", fing er an, „ich möchte, dass du weißt, dass ich weiß, dass ich mich blöd benommen habe." Narcissa spitzte die Ohren. Das war ja was.

„Und ich will, dass wir wieder zusammen sind und dass wir zusammen auf den Ball gehen und dass du mich in den Ferien besuchen kommst." Narcissa musste sich zusammenreißen, weil ihr ansonsten der Unterkiefer heruntergeklappt wäre. Und obwohl Lucius genau das sagte, was Narcissa hören wollte, sagte er es in seinem altbekannten Ton, der keinen Widerspruch zuließ. Andererseits hatte er noch nie vergleichbares gesagt, also konnte man das schon als Fortschritt ansehen. Trotzdem hörte er sich an wie ein kleiner schmollender Junge, dem man seine Spielzeugautos geklaut hatte. Und was war mit Snape? Dem hatte sie doch gesagt, dass sie mit ihm auf den Ball geht! Aber bevor Narcissa ihre Gedanken zu Ende führen konnte, antwortete sie auch schon: „Das will ich doch auch Lucius."

Lucius grinste zufrieden, schlang seinen Arm um Narcissas Schultern und küsste sie auf den Mund.

Severus Snape, der gerade aus seinem Schlafsaal kam, blieb auf dem Absatz stehen und starrte das sich küssende Pärchen an. So etwas war ja mal wieder typisch für ihn…