Ihr Lieben!
Eines der ersten Enden – die Nachhilfestunden sind jetzt zu Ende. Nächstes Mal gibt es dann endlich den Osterausflug und ein paar Verwicklungen dazu
Liebe Grüße
Euer Kleines
Kapitel 37: Erfreuliche Enden
Im Kerker war es totenstill. Dampfschwaden stiegen aus den Kesseln auf und ab und zu hörte man das leise „klink" eines Rührstabs, der gegen die Kesselwand stieß oder ein Messer, das über die Arbeitstische schleifte.
Hermine saß entspannt auf dem Lehrerpult und ließ die Füße baumeln. So ruhig sie äußerlich auch aussah, war sie doch innerlich angespannt. Immer wieder ließ sie ihre Blicke über ihre Schützlinge schweifen, die allesamt fleißig am Arbeiten waren und deren Konzentration so hoch war wie selten.
Severus saß auf seinem üblichen Platz am Ende des Kerkers und dem äußeren Anschein nach korrigierte er ebenso hochkonzentriert Aufsätze, aber auch er wachte mit Adleraugen über die Schüler. Sowohl er als auch Hermine wussten, dass Unfälle heute besonders katastrophal wären: Ein Trank gegen Furunkel sollte man einfach nicht mit dem Mutatis Mutandi mischen.
Als Hermine ihm seelenruhig erklärt hatte, was sie in ihrer letzten Nachhilfestunde vorhatte, wäre Severus am liebsten in Ohnmacht gefallen: Jeder Schüler bekam je nach Alter, Können und daher Klassenstufe einen anderen Trank, den er als Abschlusstest brauen sollte. Wenn auch nur eine Kleinigkeit schiefgehen sollte, waren die Überlebenschancen nicht sonderlich gut. Aber Hermine war so überzeugt von dem Können ihrer Schüler, dass sie sich von ihrem Vorhaben nicht hatte abbringen lassen und schließlich war Severus gar nichts anderes übrig geblieben, als zuzustimmen. Ohne Hermines Wissen hatte er allerdings Schutzbanne um jeden einzelnen Arbeitsplatz gelegt und allein das Aufrechterhalten dieser Zauber kostete ihn schon seine ganze Konzentration, aber er hing nicht nur an seinem eigenen Leben, sondern auch an Hermines.
Ohne Severus' Wissen hatte auch Hermine Schutzvorkehrungen getroffen: Ihr Zauber verhinderte, dass auch nur ein einziger Kessel überkochen konnte, aber auch dieser kleine Trick kostete sie magische Kraft und ihre äußerliche Gelassenheit tat das Übrige, sodass sie erleichtert und froh war, als endlich alle Phiolen ordentlich verkorkt und gegen Unfälle magisch geschützt auf dem Pult aufgereiht standen.
„Wunderbar! Das habt ihr sehr gut gemacht!", lobte Hermine überschwänglich und versuchte, sich von ihrer Erleichterung nicht mitreißen zu lassen.
Alle – sogar Rebecca! – strahlten und begannen ihre Arbeitstische aufzuräumen und sauberzumachen, was Hermine die Gelegenheit gab, ihren Zauber rückgängig zu machen während Severus seinen Bann zur Sicherheit noch aufrecht erhielt. Als endlich alle fertig waren, war es nach zehn Uhr und die Sperrstunde hatte schon begonnen. Ohne großes Federlesen hexte Severus eine schriftliche Entschuldigung von ihm in die Runde, mit der jeder ohne Punktverlust oder Strafarbeit zurück in seinen Gemeinschaftsraum käme.
Die Schüler aus den anderen Häusern sahen überrascht über so viel Entgegenkommen aus, während Rebecca den Zettel nur mit ausdrucksloser Miene einsteckte. Aber keiner der Gruppe machte Anstalten, den Raum zu verlassen, sondern sie sahen alle Hermine erwartungsvoll an.
„Was gibt's also noch?", fragte Hermine lächelnd in die Runde und Charles meldete sich schüchtern, aber als erster zu Wort: „Naja, wir dachten, dass Du vielleicht schon die Tests von letzter Woche nachgeschaut hast?"
Hermine sah so aus, als hätte sie keine Ahnung, wovon Charles sprach und Rebecca hatte schon verächtlich das Gesicht verzogen, als Severus sich aus seiner dunklen Ecke zu Wort meldete: „Sie ahmen Miss Granger schon gekonnt nach – so begierig nach guten Noten!" und mit dieser kryptischen Anmerkung zauberte er einen Stapel Pergamentblätter in die Runde.
„Bitte beachten Sie alle, dass der Test in die Endbewertung des Schuljahres aufgenommen wird!", setzte Severus trocken nach und ging nach vorne zum Lehrerpult, wo Hermine immer noch stand und aussah, als wüsste sie nicht ganz, worum es ging.
„Einen guten Abend!", entließ Severus bestimmt die Schüler, die sich auch folgsam auf den Weg zu ihren Gemeinschaftsräumen machen wollten.
„Einen Moment noch!", fand nun endlich Hermine ihre Sprache wieder: „Das war die letzte Nachhilfestunde von mir an euch und die Ergebnisse der Tränke werde ich euch per Briefchen mitteilen. Ich danke euch für das konstruktive Miteinander, ich hoffe, die Zeit hier hat euch etwas gebracht. Ich habe auf jeden Fall viel gelernt und hatte auch sehr viel Spaß. Ich wünsche euch alles Gute!"
Spontan brach wilder Jubel und Applaus los, der auch verstärkt wurde durch die guten Noten in dem theoretischen Test, und Hermine strahlte. Severus schaute in die Runde und mit einer minimalen Geste war der Raum wieder still. „Da das hier nun also die letzte Stunde war, möchte ich auch gerne noch etwas dazu sagen. Ich bin beeindruckt von dem Fleiß und Arbeitswillen, den Sie alle an den Tag gelegt haben. 20 Punkte für jedes Haus"
Alle starrten ihren Zaubertranklehrer fassungslos und fast entsetzt an, aber Severus war noch nicht fertig mit seinen Überraschungen: „Miss Granger, eine sehr gute Reihe. Ich bin stolz auf Sie. 50 Punkte für Gryffindor!"
Charles hatte sich als erster gefasst und brach wieder in wilden Applaus aus, in den die anderen schnell folgten, während es Hermine wirklich die Sprache verschlagen hatte. Rebecca sah ziemlich säuerlich aus, aber sie hielt ihren Mund.
„So, und nun genug von den Sentimentalitäten! Ihre Tränke werde ich benoten und ebenso verfahren wie mit den schriftlichen Tests. Und jetzt raus mit Ihnen allen – und wehe, ich erwische einen beim Streunen!" und mit diesen wenig freundlichen Worten waren die Nachhilfestunden beendet und Severus wandte sich Hermine zu.
„Hier ist die Liste mit den Ergebnissen der schriftlichen Tests. Alle Deine Schützlinge haben extrem gut abgeschnitten – Du kannst stolz sein."
Hermine schnappte sich begierig die Liste und strahlte schon wieder während Severus sich das Grinsen verbeißen musste.
„Danke, dass Du mir die Arbeit abgenommen hast, aber das war wirklich nicht nötig. Ich wollte schl-…"
„Hermine, ich hatte von Anfang an vor, die Noten in die Endbewertung zu übernehmen und dann ist es doch auch nur richtig, dass ich die Ergebnisse korrigiere. Also ist das abgehakt und wir können uns endlich um unseren Farbtrank kümmern."
Und mit diesen Worten drehte Severus sich um und ging hinüber zum Durchgang in seine privaten Räumlichkeiten: „Kommst Du?", fragte er noch über die Schulter und war dann in seinem Wohnzimmer verschwunden.
Hermine sah ihm einen Moment nach und murmelte: „Weißt Du, Severus, Du bist ein so lieber Mensch, aber Du lässt es Dir einfach nicht anmerken."
„Das habe ich gehört!", schallte es aus dem Wohnzimmer herüber und Hermine kommentierte lachend: „Das solltest Du auch!" und folgte ihm dann in seine Räumlichkeiten.
