Prompt: Chemie zwischen zwei Personen

EpisodenTAG zu 2.06 Over my dead Body

Zeit: prä Serie


„Würdest du das übernehmen, Kleiner?" Sergeant Wu winkte in die Richtung einer jungen Frau, die unschlüssig nahe des Krankenwagens stand, in den gerade das Opfer geladen wurde.

Nick nickte und marschierte strammen Schrittes hinüber zu der Fremden. „Sind Sie die Zeugin, die den Unfall gemeldet hat?" fragte er und setzte sein bestes, freundliches Lächeln auf.

Sie blickte zu ihm hoch, die Augen voller Tränen, das hübsche Gesicht bleich unter dem Make up. „Silverton, Juliette Silverton", flüsterte sie und nickte.

Nick zückte seinen Notizblock. „Officer Burkhardt", stellte er sich vor und wies kurz zum Krankenwagen, in dem Wu verschwunden war. „Mein Kollege kümmert sich um den Verletzten. Sieht aber doch … recht gut aus."

Hatte sie das Zögern bemerkt? Er hoffte nicht.

Die Sanitäter, mit denen Wu und er zuerst gesprochen hatten, waren sich relativ sicher, daß der Verletzte, ein Schüler, eine Rückenmarksverletzung hatte und vermutlich den Rest seines Lebens im Rollstuhl verbringen würde. Nick hoffte, das würde sich als Fehleinschätzung herausstellen. Aber sicher war sicher, und er wollte die Zeugin jetzt nicht verlieren, weil sie sich zu viele Gedanken machte. Sie brauchten ihre Aussage, um den flüchtigen Fahrer hoffentlich überführen zu können …

„Was ist passiert?" fragte er, so ruhig und sanft wie möglich.

Die Zeugin, Miss Silverton (hoffentlich eine Miss! wisperte eine winzige Stimme in Nicks Kopf), blinzelte die Tränen fort. „Wir standen an der Ampel, dann wurde es grün – für die Fußgänger. Und dann kam dieser Wagen um die Ecke ..."

Nick notierte sich das nötigste. Soweit hatten sie sich das allerdins auch schon zurechtlegen können, mußte er enttäuscht erkennen.

„Wissen Sie noch, was für ein Wagen es war?" erkundigte er sich sanft. „Hersteller? Model? Farbe?"

Die Zeugin zögerte wieder, dann nickte sie. „ein dunkelblauer Ford Focus", antwortete sie. „Gott, der Wagen ist um Haaresbreite an mir vorbei! Der Junge hatte keine Chance!" Sie keuchte.

Nick sah sie an.

Ehrlich, sie war hübsch, wirklich schön in seinen Augen. Ihr rotbraunes Haar war leicht gewellt und floß über ihre Schultern. Ihre Augen, so traurig und voller Tränen, schienen wie die eines Rehs auf ihn im Moment.

„Ford Focus", wiederholte er, „dunkelblau."

Sie nickte und schniefte leise. „Entschuldigung", flüsterte sie dann und öffnete die Tasche an ihrem Arm. Ihre Finger zitterten, als sie hineingriff und zu wühlen begann.

Nick begriff, wonach sie suchte und zückte sein Taschentuch. „Bitte sehr, Miss Silverton", sagte er und reichte es ihr mit einem weiteren Lächeln, während er im Stillen betete, daß sie ihn nicht berichtigen würde.

Sie blickte auf – und die Bläße wich zwei kleinen roten Flecken auf ihren Wangen. Als sie nach dem Taschentuch griff streiften sich kurz ihre Finger, und die Farbe ihrer Wangen wurde intensiver. „Entschuldigung", wiederholte sie.

Nicks Lächeln wurde breiter.

Sie hatte ihn nicht berichtigt!

„Kein Problem. Ich kann das verstehen", sagte er freundlich.

Und sie blickte wieder auf, in sein Gesicht, in seine Augen, und er fühlte, wie auch seine Wangen zu glühen begannen.

„Es ist nett, einen netten Mann zu treffen", sagte sie leise.

„Oh, das nett steht bei mir ganz groß", scherzte Nick. „Meine Tante hat mich zur Nettigkeit in Person erzogen."

„Ihre Tante?" Sie hob die Brauen.

Verdammt! Mußte er sich eigentlich immer gleich verquatschen? Es würde aussehen, als wolle er ihr Mitleid, wenn er ihr die Wahrheit sagte! Andererseits …

Nick nickte. „Meine Eltern sind bei einem Unfall umgekommen, als ich noch ein Kind war", erklärte er. „Einer der Gründe, warum ich Polizist geworden bin, wissen Sie? Meine Tante zog mich daraufhin auf."

Sie sah zu ihm auf und lächelte. „Dann hatten Sie eine sehr freundliche Tante", stellte sie ruhig fest, und Nicks Herz hüpfte.

„Habe. Sie lebt noch", korrigierte er.

„Das freut mich", lächelte sie. „Und, oh, wissen Sie, ich glaube mich erinnern zu können, daß der Ford Nummernschilder aus Washington State trug."

Das half doch schon um einiges, hoffte Nick und machte sich weiter Notizen.

„Und … und der Fahrer war mittelalt. Ich hab ihn nicht ganz gesehen, aber ich glaube, ich könnte ihn doch wiedererkennen", fuhr sie fort. „Und ich würde wirklich gern Ihre Tante kennenlernen, Officer."

Als er aufblickte lächelte sie, und er lächelte zurück.

„Sie wird demnächst einmal zu Besuch kommen", erklärte er. „Wissen Sie, ich bin selbst gerade hergezogen."

„Wirklich? Warum?" Sie schien ehrlich interessiert.

Nick zuckte mit den Schultern. „Karriere. Ich mache gerade meine Detective-Prüfung. In meinem alten Revier war kein Platz für noch einen Detective, also bin ich hergekommen."

„Dann werden Sie bald keine Uniform mehr tragen ..." Sie musterte ihn von Kopf bis Fuß, blickte dann wieder auf. „Schade ..."

Nick errötete bis unter die Haarspitzen. „Äh … danke."

„Hey, Romeo, wir müssen los!" rief in diesem Moment Wu hinter seinem Rücken. „Die SpuSi wird das hier fertigmachen."

Nick zögerte, während er langsam seinen Notizblock zuklappte.

Juliette Silvertons Augen wanderten zwischen dem Block und seinem Gesicht hin und her. Dann, endlich, fragte sie: „Müssen Sie noch lange arbeiten, Officer Burkhardt?"

Nick schüttelte den Kopf. „Vermutlich nicht lange. Mein regulärer Dienst endet in einer Stunde."

Und Juliette lächelte. „Ich schulde Ihnen noch etwas, Officer. Wie wäre es, für den Anfang, mit einer Tasse Kaffee nach Dienstschluß?"

Und Nick strahlte ...