Puh... gerade noch geschafft ;)

Es ist zwar schon kurz nach acht, aber immer noch Sonntag ;)

Vielen vielen Dank für die Reviews!

Ihr habt die 100-Marke geknackt! Wahnsinn :D

Da fehlen mir echt die Worte...

Und schon wieder wurde ein Fehler entdeckt... Bellas Nebensitzer in Englisch hat auf mysteriöse Weise seinen Namen gewechselt... Dankeschön ;) Ist mir Mal wieder gar nicht aufgefallen

Viel Spaß beim Lesen!


Carlisle betrat wenig später das Zimmer und untersuchte mich kurz. Er erklärte sich schließlich einverstanden, dass mich die anderen wenn sie von der Schule kamen, abholten. Seine Versuche, mich dazu zu Bewegen, noch einen Tag länger zu bleiben, waren zum Scheitern verurteilt.

Das Krankenhausessen war für jemanden, der an Bellas Kochkünste gewöhnt war, nur schwer zu ertragen, doch insgesamt verbesserte sich meine Laune im Laufe des Tages und ich fand mit der Zeit sogar Gefallen an der Unterhaltung mit Mr. Morgan.

Nach dem ich die Krankenschwester mühsam davon überzeugt hatte, dass ich mich sehr wohl alleine von diesem peinlichen Nachthemd entledigen und meine normalen Klamotten anziehen konnte, saß ich auf der Bettkante und plauderte mit Mr. Morgan. Das Umziehen hatte zwar recht viel Zeit in Anspruch genommen und das Sitzen war alles andere als bequem, ganz zu schweigen wie es um Stehen oder gar Gehen stand, doch ich konnte es kaum abwarten, endlich nach hause zu kommen.

Um kurz vor vier klopfte es zaghaft an der Türe und Bella trat zögernd ein. ein scheues Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus, als sie mich sah.

Sie trug ein weißes Oberteil, an dessen Ausschnitt silberne Steinchen angebracht waren, Jeans und Chucks. Die mahagonifarbenen Locken waren zu einer hübschen Flechtfrisur hochgesteckt worden, was mit Sicherheit Alices Werk war.

"Hey." Ihre Wangen röteten sich, sie war verlegen. "Hey", erwiderte ich. "Oh, hallo. Ich bin Mr. Morgan, der bemitleidenswerte Kerl, der den ganzen Tag den Launen ihres Freundes ausgesetzt war. Ein Glück, dass Sie ihn mitnehmen", sagte Mr. Morgan vergnügt. Bellas Wangen färbten sich eine Spur dunkler. "Oh, wir sind nicht..." Mr. Morgan lachte und zwinkerte ihr zu. Ich warf ihm einen missbilligenden Blick zu. "Wie schade für ihn... Sie sind ein hübsches Mädchen." Bella senkte verlegen den Blick. Ihr war das Kompliment augenscheinlich unangenehm. Sie war viel zu schüchtern, als dass es ihr schmeicheln konnte.

"Dein T-Shirt ist dreckig", sagte sie an mich gewandt und betrachtete das braun verkrustete Blut auf dem hellen Stoff. "Das ist mir lieber als dieses bescheuerte Nachthemd", antwortete ich grinsend. "Wenn du erst Mal in mein Alter kommst, fühlst du dich nicht mehr zu männlich für Nachthemden", mischte sich Mr. Morgan lachend ein. Bella überraschte mich, indem sie schmunzelnd erwiderte: "Das bezweifle ich."

Ich beeilte mich, aufzustehen bevor Mr. Morgan weitere Anspielungen auf unsere Unterhaltung machte und biss die Zähne zusammen, als ich in kleinen Schritten auf Bella zuging, bemüht jegliche unnötige Bewegung zu vermeiden.

Bella sah mich besorgt an. "Soll ich dir helfen?"

"So weit kommt es noch, dass ich mir von Mädchen beim Laufen helfen lassen", knurrte ich durch meine zusammen gebissenen Zähne. Mr. Morgan lachte. "Er würde sich selbst dann nicht helfen lassen, wenn er zwei gebrochene Beine hätte. So ist das mit dem Stolz", meinte er an Bella gewandt. Sie schmunzelte. "Vielleicht kann ich ihn noch überzeugen."

"Ich hasse es, wenn man über mich in der dritten Person spricht", warf ich ärgerlich ein.

"Auf wieder sehen, Mr. Cullen. Ich wünsche Ihnen eine baldige Genesung und eine nervenstarke Krankenschwester." Er schenkte Bella ein breites Lächeln. "Ms. Swan" Er deutete mit einem Kopfnicken eine Verbeugung an. Bella verabschiedete sich herzlich von meinem Bettnachbarn und hielt mir die Zimmertüre auf. Ich fühlte mich wie ein Senior. Langsam und gebeugt machte ich einen Schritt nach dem anderen, fühlte bei jeder Bewegung, dass mir der Unfall noch in den Knochen steckte. "Soll ich dir doch helfen?", fragte Bella besorgt, als wir nebeneinander den steril wirkenden Flur entlang gingen.

"Ich kann sehr wohl alleine gehen", knurrte ich. "Das bezweifle ich auch gar nicht. Ich denke nur, dass es angenehmer wäre, wenn ich dich stützen würde. Du musst nicht den Helden spielen", beharrte Bella.

"Weiß du wie viel ich wiege?"

"Ähm, nein." Bella sah mich von der Seite an. "Sei dir sicher, dass es dein Körpergewicht um einiges übersteigt."

"Ich werde dich ja auch nicht tragen", widersprach sie lächelnd. Der Schmerz und der Gedanke, dass Bella mich anfassen könnte, wenn auch nur aus Besorgnis aber aus freien Stücken, besiegte meinen Stolz, dem es überhaupt nicht zusagte, sich von einem Mädchen stützen zu lassen.

"Also gut, wenn du darauf bestehst" Bella warf mir ein kleines triumphierendes Lächeln zu. Ich legte ihr vorsichtig einen Arm um die schmalen Schultern, bemüht ihr nicht zu viel Gewicht zuzumuten. Bella ging trotzdem ein Stück in die Knie. Ich schmunzelte. "Zu schwer?" Sie ächzte. "Nein, gar nicht." Ich lachte und versuchte zu ignorieren, dass das hier das erste Mal war, dass ich sie richtig berührte. Na ja, das erste Mal war es eigentlich nicht, aber das erste Mal, dass sie es freiwillig tat.

Während wir durch die Flure wankten, stellte ich beruhigt fest, dass Bella den beinahe Kuss mit keinem Wort erwähnte und auch ihre Körpersprache entspannt wirkte, als würde sie sich gar nicht mehr daran erinnern. Das wiederum verstimmte mich. War es möglich, dass Bella der beinahe Kuss überhaupt nicht beschäftigte?

Ich war wie vor den Kopf gestoßen. Egal mit was ich gerechnet hatte, dies übertraf mein Vorstellungsvermögen. Ich warf Bella einen prüfenden Blick von der Seite zu. Sie wirkte völlig entspannt. Ich hatte viel Zeit darauf verwendet, mir ihre möglichen Reaktionen auszumalen; letztendlich hatte ich zwischen kalt und abweisend, aber in Wahrheit verletzt und total verlegen, weil durcheinander geschwankt. Eingetroffen war nichts davon. Stattdessen war Bella völlig unbefangen. Meine zahlreichen Entschuldigungsreden, die ich mir vor dem Einschlafen ausgedacht hatte, waren vollkommen unnötig. Bella verhielt sich mir gegenüber nicht eine Spur beleidigt. Vielleicht war sie sogar offener als vorher. Durch ihr Verhalten war unser Beziehungsstatus, es mangelt einer besseren Bezeichnung, deutlich auf "Kumpel" eingegrenzt worden. Wer sollte bitteschön aus diesem Mädchen schlau werden? Es ärgerte mich, wie wenig Bella von dem Beinahekuss beeindruckt war. Nicht die Spur von Unbehagen oder Gekränktheit fand sich darin wieder. Sie wirkte noch nicht einmal aus dem Gleichgewicht gebracht.

Ich wollte es nicht wahr haben, dass mein Charme bei Bella möglicherweise versagte. Und die ganze Angelegenheit wurde um so ärgerlicher, wenn man in betracht zog, wie lange und intensiv ich darüber nach gegrübelt hatte, während sie scheinbar keinen Gedanken daran verschwendet hatte. Diese Coolness muss vorgetäuscht sein, schoss es mir durch den Kopf. Ich wäre sofort bereit gewesen, dieser Vermutung Glauben zu schenken, wenn ich auch nur einen einzigen Hinweis, eine kleine Unsicherheit in ihrem Verhalten wieder gefunden hätte, aber da dies nicht der Fall war, beschloss ich, sie vorerst weiter zu beobachten, denn ich war nicht bereit, diese Unbefangenheit im Bezug auf den Beinahekuss hinzunehmen. Irgendeine Reaktion musste doch aus ihr herauszubekommen sein.

Als wir den nervigen Papierkram erledigt hatten, ließen wir das Krankenhaus hinter uns. Bella fühlte sich zart und warm an. Sie legte schüchtern eine Hand um meine Mitte. Ich hatte es nicht für Möglich gehalten, dass ich beim verlassen des Krankenhauses noch schlechter gelaunt war, als bei meiner Ankunft. Und daran war niemand anderes Schuld als Bella, oder besser gesagt Bellas Verhalten. Sie reagierte falsch und das frustrierte mich unheimlich. Bellas ganze Person frustrierte mich. Mit ihr war nichts einfach, dafür sorgte sie schon. Eigentlich seltsam, wie viel schwieriger es sein konnte, mit einem... ruhigeren Gemüt zusammen zu leben, als mit einem impulsiven.

Arm in Arm traten wir auf den Parkplatz, wo ich meine Brüder bereits neben Emmetts Jeep stehen sah. Wenn meine Nähe zu Bella keine Notwendigkeit gewesen wäre, um mich heil zum Auto zu bringen und mich ihr Verhalten nicht so sehr geärgert hätte, hätte sie mir wesentlich besser gefallen. "Schade, dass ich keinen Foto dabei habe, um den Moment für die Ewigkeit festzuhalten", rief Emmett zu uns herüber.

Bella

Ich beschloss kein Mitleid mit Edward zu haben, als er sich mit schmerzverzerrtem Gesicht und zusammen gepressten Lippen auf den Beifahrersitz des Jeeps niederließ, schließlich hatte er die ihm angebotene Hilfe von seinen Brüdern und mir beharrlich abgelehnt. Doch ich erwischte meine Gedanken trotzdem dabei, wie sie im Zusammenhang mit dem Unfall einen besorgten ton annahmen. Über Nacht hatte sich meine Verwirrung in Erleichterung verwandelt, dass Edward den Unfall leicht verletzt überstanden hatte und dass er schon gestern wieder so fit sein konnte, um mich aufzuziehen.

Was er nicht ahnen konnte, war, wie nahe mir dieser Scherz mit dem Beinahekuss gegangen war. Ich war so durcheinander, verletzt und in meinem Stolz gekränkt, dass ich vor dem Einschlafen alle möglichen Konsequenzen durchgegangen war, mit denen ich Edward mehr oder weniger bestrafen konnte. Von der Flucht nach Phoenix bis zum Ignorieren Edwards bis ans Ende seiner Tage, war alles dabei gewesen. Doch nach stunden langem Wachliegen ohne irgendeine verhältnismäßig vernünftige Lösung zu finden, begann ich, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Wenn ich Edward ignorierte, ihn kalt und abweisend behandelte, könnte ich mir genauso gut ein Schild um den Hals hängen, auf dem in roten Großbuchstaben geschrieben stand: Verliebt und verletzt von einem Vollidioten.

Wenn ich Edward darin bestätigen wollte, dass ich genauso leicht zu manipulieren war, wie es all die anderen Mädchen seiner Meinung nach waren, sollte ich genau das tun. Doch das war die abgestumpfte Handlungsweise, vielleicht die einfachste, weil sie meinen Gefühlen entsprach, aber auch die... unbesonnenste, die womöglich schlimme Konsequenzen für mich mit sich brachte.

Edward würde sofort eins und eins zusammenzählen, wenn ich ihm zeigte, wie sehr mich der Beinahekuss verwirrt hatte. Er verabscheute dieses zur Schaustellen der Gefühle aber gleichzeitig erwartete er es wahrscheinlich von mir. Was gab es schöneres, als seine Erwartungshaltung zu zerstören? Entgegen seiner Vermutungen zu handeln, und mich weitgehend normal zu verhalten, erschien mir objektiv betrachtete, als die beste Lösung. Sie war um einiges besser dafür geeignet, es ihm gründlich heimzuzahlen, als ihm die kalte Schulter zu zeigen. Ich würde Edward nicht die Genugtuung geben, ihm zu bestätigen, dass ich im Grunde genauso fasziniert von ihm war wie alles andere weibliche.

Wenn ich seine Meinung vom weiblichen Geschlecht auch nicht revidieren konnte, musste ich ihm noch lange keine Bestätigung dafür liefern. Ich konnte mir nicht viel zugute halten, jedoch war ich nie naiv gewesen. Wenn Edward seine Spielchen spielen wollte, schien es mir das sinnvollste zu sein, ihn mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Ich würde keine Schwäche zeigen und mich genau gegensätzlich zu meinen Gefühlen verhalten.

Und so hatte ich mich bereitwillig einverstanden erklärt, als Emmett und Jasper mich baten, Edward aus dem Krankenhaus abzuholen, während sie auf dem Parkplatz warteten. Es war sinnlos, ihm vorerst aus dem Weg zu gehen. Mit ihm allein zu sein, war der Härtetest für meinen Plan. Es fiel mir schwer, die Unbefangenheit aufrecht zu erhalten, doch der Gedanke, Edward mit meinem Verhalten zu verwirren oder allenfalls zu überraschen, beflügelte mich und ich fand schließlich sogar Gefallen daran, der Situation so erhaben gegenüberzutreten.

"Hast du eigentlich gerade Stress mit Tanya?", fragte Emmett seinen Bruder unvermittelt. Ich horchte unwillkürlich auf. Mein Blick fixierte Edwards Hinterkopf und das verwuschelte bronzene Haar, als ich angespannt auf seine Antwort lauschte.

"Sie ist im Moment ein Bisschen launisch, aber das wird schon wieder." In dem Augenblick, als die Worte seinen Mund verließen, fiel es mir schwer, einen neutralen Gesichtsausdruck beizubehalten. "Dass heißt, sie ist es noch wert, wenn du weißt was ich meine?", hakte Emmett breit grinsend nach. Edward lachte kurz auf. "Definitiv." Ich senkte den Blick auf meine Finger, die sich in meinem Schoß ineinander verkrampften und atmete tief durch. Ich durfte jetzt nicht die Fassung verlieren, auch wenn seine Worte mir bestätigten, dass er mich mit diesem Beinahekuss nur aufziehen und provozieren wollte. Zu meiner Scham brannten Tränen in meinen Augen, doch es gelang mir, sie zu unterdrücken. Ich drehte den Kopf zum Fenster, beobachtete die vorbei fliegende Landschaft und versuchte Jaspers mitfühlende Blicke zu ignorieren.


Hoffe euch hats gefallen !

Wir lesen uns hoffentlich wieder am Mittwoch ;)