Disclaimer:
Okay, ich werd' langsam bescheuert mit dem Disclaimer. Also: Alle bekannten Personen, Orte etc. gehören natürlich JKR. Die Filmszene: Copyright by Warner Bros. Bonnie Tyler, Harrison Ford, Rea Garvey & Reamonn, Johnny Depp gehören auch nicht mir, sie sind reale Personen, deren Namen ich mir nur geborgt habe. Dasselbe gilt für Alan Rickman und seine Schauspielkollegen. Bei „Alice im Wunderland" meine ich den Tim Burton Film von 2010 oder so.
Und meins ist der Rest, nü? :)
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Am nächsten Tag verdonnerte Minerva alle ihre Lehrer in Paaren dazu, die Halloween-Dekoration zu planen und vorzubereiten. Dass Sayda mit Severus in einem Team war, war sicher auf den Mist der Schulleiterin gewachsen, doch Sayda war zu müde, um zu protestieren. Sie hatte die ganze Nacht wachgelegen und mit ihrem Medaillon herumgespielt, dazu wieder und wieder „Disillusion" gehört, bis sie den Text mitsingen und sich nebenbei noch über etwas anderes Gedanken machen konnte. Oder lesen. Und essen, obwohl da der Text eher in ihrem Kopf ablief, schließlich wollte sie nicht alles mit Krümeln dekorieren. Auf die Halloween-Deko hatten sie sich schnell geeinigt, ein paar Spinnen da, ein paar Fledermäuse dort und eventuell noch einige Grabsteine in den Ecken der Großen Halle. Danach mussten sie sich wohl oder übel gegenseitig bei Laune halten.
„Wie kommst du mit deinen Klassen so zurecht?", fragte Severus höflich.
Sayda zuckte mit den Schultern. „Schon in Ordnung, so im Großen und Ganzen. Manche haben tierisch einen an der Waffel, aber was soll's."
Er lächelte ein wenig und ihr lief eine Gänsehaut den Rücken hinunter.
„Wo warst du eigentlich?"
Sie hätte jetzt fragen können, wann, aber natürlich hatte sie schon vorausgeahnt, dass das kommen würde.
„In Griechenland. Sommer, Sonne, Strand und Meer. Hat was."
„Nicht El Hierro?"
„Nein. Definitiv nicht." Hm, das war jetzt vielleicht ein wenig hart gewesen, aber sie war ja nicht diejenige gewesen, die sich einfach jemand anderen geangelt hatte.
Schweigen.
Severus musterte sie und sein Blick blieb etwas länger an Saydas Hals hängen, wo er früher immer die goldene Kette hatte schimmern sehen. Er konnte nicht genau sagen, warum, doch die Tatsache, dass Sayda sie nicht mehr trug, verpasste ihm einen Stich.
„Bist du froh, wieder hier zu sein?"
„Nun, eigentlich bin ich nur wegen Minerva hier, sie wollte mich unbedingt als zweite Tränkeprofessorin. Sonst wäre ich wahrscheinlich unten geblieben."
„Mhm."
„Das wäre auch für meine Töchter praktisch gewesen, sie hätten zweisprachig aufwachsen können, sehr günstig in der heutigen Zeit." Warum musste sie eigentlich immer auf Konfrontationskurs gehen…?
Severus fühlte sich nun sichtlich unwohl in seiner Haut und nickte nur unsicher. „Ja…"
Abends hockte Sayda wieder bei der Schulleiterin im Büro und trank mit ihr Tee. Alles entspannt, ein schöner Ausklang für diesen doch relativ anstrengenden Tag, bis Minerva plötzlich unvermittelt sagte: „Severus hat dich vermisst."
„Ach, wirklich?" Sayda zog ironisch die Augenbrauen hoch, doch in ihrem Inneren rumorte es.
„Ja. Er war nicht mehr er selbst."
„Seit wann kann man bei Severus erkennen, ob er gerade er selbst ist oder nicht?"
„Du weißt, was ich meine, Sayda."
„Nein", meinte diese verstockt, was Minerva ein Lächeln entlockte.
„Doch."
Sayda verdrehte die Augen. „Wenn du meinst! Von mir aus hätte er ja bei Professor Ich-bin-so-geil Hauntwood bleiben können."
„Das glaubst du ja wohl selbst nicht! Artemis und Severus – das passt gar nicht."
„Ach, aber es scheint recht lange gehalten zu haben. Dafür, dass es gar nicht passt."
Minerva seufzte. „Ach Sayda… Severus war vorhin bei mir und… hat sich von der Seele geredet. Stell dir das mal vor! Und rate mal, worum es ging? Jedenfalls nicht um den fabelhaften Hintern einer gewissen rothaarigen Verteidigungsprofessorin. Um dich, Sayda, um dich!"
Ihr Gegenüber schüttelte den Kopf.
„Doch. Ich wollte es dich nur wissen lassen, damit du nicht… überrascht bist, sollte er mal bei dir auftauchen."
Sayda schwieg. Das wäre… Ja… Schwer zu sagen. Mal wieder wusste sie nicht, was sie empfinden sollte.
„Er hat dich wirklich vermisst. Aber ich habe den Eindruck, dass er sich nicht traut. Dass du ihn einschüchterst, verstehst du? Er hat Angst davor, dass du ihn anfahren könntest und er danach noch schlimmer dran ist als eh schon."
Diese Nacht war wieder Bonnie Tyler an der Reihe. Sayda lag auf ihrem Bett und kämpfte gegen ihre eigene Sturheit und Verstocktheit an, während immer dasselbe Lied auf und ab lief, in der Hoffnung, drei Stockwerke tiefer das Herz eines Mannes zu erreichen.
Some days you don't understand Don't give up and let your shadows swallow up your mind Stand up - for what you're fightin' for When accusations put you down Don't give up and let your shadows swallow up your mind Stand up - for what you're fightin' for Don't give up and let your shadows swallow up your mind Stand up - for what you're fightin' for Stand up - for what you're fightin' for Stand up
All the world looks upside down
When you're trying to be strong
Nothing ever falls in place
No, that's no way to treat yourself - just leave your doubts behind
Stand up - just don't take anymore
Stand up - for what you're fightin' for, my friends
Stand up - for what you're fightin' for
Stand up - some things you can't ignore
Stand Proud - for what your fightin' for, my friends
Oh, oh!
And people talk behind your back
Turn your head and walk away
Never let them see you frown
No, that's no way to treat yourself - just leave your doubts behind
Stand up - just don't take anymore
Stand up - for what you're fightin' for, my friends
Stand up - for what you're fightin' for
Stand up - some things you can't ignore
Stand Proud - for what your fightin' for, my friends
No, that's no way to treat yourself - just leave your doubts behind
Stand up - just don't take anymore
Stand up - for what you're fightin' for, my friends
Stand up - for what you're fightin' for
Stand up - some things you can't ignore
Stand Proud - for what your fightin' for, my friends
Stand up - just don't take anymore
Stand up - for what you're fightin' for, my friends
Stand up - for what you're fightin' for
Stand up - some things you can't ignore
Stand Proud - for what your fightin' for, my friends
Stand up
Stand proud
Stand up
Auch wenn sie dieser Tag sichtlich fertig gemacht hatte, war Sayda in der nächsten Unterrichtsstunde äußerlich wieder ganz die Alte. Sie schnauzte eine zickige kleine Gryffindor-Drittklässlerin an, weil sie Professor Sprout eine „aufgeblasene Dumpfbacke" genannt hatte (wow, einmal ein anderer Lehrer!) und verteilte viermal Nachsitzen wegen mysteriösen Gerüchten über einen gewissen Tränkemeister… Sehr lustig – Voldemort hatte angeblich einen Bruder, der über ein paar Ecken mit Severus verwandt war und damit wären ja familiäre Bande zwischen dem Dunklen Lord und ihm hergestellt. Zum Totlachen. Das Problem war nur, dass einige das wohl ernsthaft zu glauben schienen…
Extrem angenervt verließ Sayda am Ende der Stunden das Klassenzimmer und trottete wie automatisch zum Schulleiterbüro. Doch anscheinend hatte Minerva das Passwort geändert, ohne es ihr mitzuteilen, denn der hässliche Wasserspeier lachte sie nur aus und faselte mal wieder dummes Zeug. In der der Großen Schlacht hatte er wohl seine restlichen steinernen Gehirnzellen verloren. Also lief sie wartend vor der versteckten Tür auf und ab, in der Hoffnung, dass Minerva bald herauskommen und ihr das neue Passwort verraten würde.
Sie war gerade wieder einmal vorbei, als der Wasserspeier zur Seite sprang. Schnell wandte sie sich um und hatte schon beinahe den Mund offen, als sie merkte, dass es gar nicht die Schulleiterin war, die herausgetreten war. Es war Severus. Eine Weile lang sahen sie sich nur schweigend an, dann murmelte er etwas von „Milchreis" und eilte davon.
„Milchreis?", fragte Sayda laut und die geheime Tür lag vor ihr. Aha…
Minerva sah sie wissend an, als sie zur Tür herein kam.
„Habe mir schon gedacht, dass du bald wieder da bist", meinte sie mit einem Lächeln. „Tut mir leid wegen dem Passwort, aber Severus wollte eine absolut private Unterredung." Sie warf ihr einen vielsagenden Blick zu und wies auf einen Stuhl. „Setz dich doch."
Sayda zögerte kurz, doch dann stellte sie die Frage, die ihr auf der Zunge brannte: „Was wollte er denn?"
„Ähm… Ich weiß nicht, ob ich dir das sagen darf, aber eigentlich geht es ja um dich… Also gut, er hat gefragt, wie viele feste Freunde du in der Zwischenzeit hattest."
„Du hast hoffentlich keinen erfunden?", sagte Sayda stirnrunzelnd und wunderte sich insgeheim darüber, dass ein Mann wie Severus diesen Gedanken zustande brachte.
„Natürlich nicht! Er war ziemlich… neben der Spur, als er gegangen ist. Ich nehme an…"
„Ja, ich hab' ihn gesehen…" Ihre Gefühle fuhren Achterbahn. Jetzt wo sie es sich recht überlegte, hatte der Ausdruck in Severus' Augen sehr nach schlechtem Gewissen ausgesehen…
„Dann weißt du sicher auch, wie ernst es ihm ist?"
„Nein", sagte Sayda und klang nun wieder hart. „Ich bin ja normalerweise nicht nachtragend, aber das… Nein, da muss er sich schon mehr Mühe geben, um mich zu überzeugen."
Minerva versuchte noch eine Weile, ihre junge Freundin zu umzustimmen, doch das schlug gehörig fehl und irgendwann rauschte diese augenverdrehend aus dem Zimmer.
Kaum hatte Sayda die Tür zu ihrem Quartier aufgestoßen, sah sie auch schon die düstere Gestalt im Dämmerlicht auf ihrem Sofa sitzen.
„Raus!", fauchte sie und wies mit wütender Miene zur Tür. „Sofort!"
„Sayda, ich…"
„RAUS!"
„Sayda, können wir nicht ganz in Ruhe…"
„NEIN! Und jetzt hau ab!" Wütend knallte sie die Tür hinter Severus zu. Hallooo? Sonst noch was? Was machte der Kerl einfach in ihrem Wohnzimmer?
„Sayda?", klang es dumpf von draußen herein, doch sie ignorierte es, ging ins Bad, stellte ihre Musik auf höchste Lautstärke und ließ sich das heiße Wasser aus dem Duschkopf durch die Haare fließen. Hach, wie entspannend…
Nach einer guten Viertelstunde trat sie in frischen Klamotten auf den Gang hinaus, doch der war wie ausgestorben. Obwohl, nicht ganz: Auf dem steinernen Boden entdeckte sie etwas, das verdammt nach einer Feige aussah. Genauer gesagt, nach einer Feige und einer Zimtstange. Nun, die Kombi war gut und nachdem sie sowieso ein leichtes Hungergefühl verspürte, konnte sie auch gleich etwas essen. Während sie so da saß und kaute, dachte Sayda noch einmal über Minervas Worte nach, die ja irgendwie gerade eben bestätigt worden waren. War Severus am Ende doch nicht über sie hinweg? Bei dem Gedanken bekam sie eine leichte Gänsehaut. Aber wie war es mit ihr? Zugegeben, sie hatte sich alle Mühe gegeben, auf Abstand zu gehen, und war auch nicht wirklich nett zu ihm gewesen, aber wenn man es genau betrachtete, war das nicht gerade wieder ein Grund…? Oder machte sie sich gerade nur selbst ein schlechtes Gewissen?
Am nächsten Morgen war sie jedenfalls soweit, dass sie sich während einer Freistunde in die Kerker hinunter stahl und an die schwere Holztür des Tränkeklassenzimmers klopfte.
Severus war gerade mal wieder dabei, eine 2.-Klässlerin zusammenzuscheißen.
„Herein!", rief er und klang dabei ein wenig ungehalten.
Mit einem leichten Lächeln betrat Sayda den Raum und alle Schüler starrten mit offenem Mund auf sie. Wie konnte die nur so seelenruhig hier hereinspaziert kommen, wo doch gerade die Hölle los war?
„Was wollen Sie?", fragte Severus betont gefasst.
„Ich müsste Sie mal ganz kurz sprechen", meinte Sayda und nickte mit dem Kopf zur Tür.
Severus grunzte etwas Unverständliches und rauschte hinter ihr her aus dem Raum, nicht ohne den verängstigten Kindern noch einen finsteren Blick zuzuwerfen.
„So, was ist jetzt?", erkundigte er sich etwas ungeduldig.
Sayda biss sich auf die Unterlippe.
„Es tut mir leid", murmelte sie und umarmte ihn kurz. Dann meinte sie: „Du solltest vielleicht wieder in die Klasse gehen…" Sie wandte sich um und ließ Severus völlig verblüfft zurück.
In den nächsten Tagen wich sie seinem Blick tunlichst aus und verhielt sich so kühl wie immer, als sei nie irgendetwas geschehen. Aída merkte jedenfalls nichts, nur Minerva schien wieder auf unerklärliche Art und Weise von den Vorkommnissen informiert worden zu sein. Allerdings hatte Sayda keine Lust, sich auf ein Gespräch einzulassen, das mit Sicherheit davon handeln würde, dass sie sich doch nicht so anstellen sollte, und hockte stattdessen auf ihrem Sofa, spielte wieder mal mit ihrem Medaillon und sinnierte über ihre widersprüchlichen Gefühle. Irgendwie hatte Minerva ja auch Recht, sie stellte sich schon ziemlich an, aber andererseits hatte sie absolut keinen Bock darauf, als eine von vielen in einer Reihe aus – okay, das war arrogant – gutaussehenden Frauen zu enden. Und genau das schien sich da ja anzubahnen – oder doch nicht? Schließlich war nach Artemis keine mehr gekommen… Das hieß ja dann… Sayda überfiel wieder dieses typische Gänsehaut-Herzkribbeln-Gefühl, bei dem sie sich am liebsten auf ihrem Bett einrollen wollte, aber eigentlich musste sie noch Hausaufgaben korrigieren und entschloss sich so, ins Lehrerzimmer zu gehen. Vielleicht war ja Aída da. Oder sonst jemand, mit dem man sich ein bisschen unterhalten konnte.
Tatsächlich waren einige auf die Idee gekommen, das lästige Korrigieren in Gesellschaft von Bekannten durchzuführen. Sogar Severus. Sayda setzte sich auf den letzten freien Platz, gegenüber von ihm, und packte die zwanzig Pergamentrollen ihrer 6. Klasse aus.
Langsam leerte sich der Raum und als Filius Flitwick gerade als letzter die Tür hinter sich zugezogen hatte, legte Severus seine Feder beiseite, jedoch nicht ohne vorher noch ein dickes, rotes M auf einen Aufsatz geschrieben zu haben.
„Sayda…"
Sie hob den Kopf und hielt beim Schreiben inne. Was kam jetzt?
„Sayda… Ich wollte dir nur sagen, dass… dass es mir leid tut, was geschehen ist. Und… und dass Artemis nichts ist… im Vergleich zu dir…"
Sayda saß stocksteif auf ihrem Stuhl und hatte das Gefühl, gleich umkippen zu müssen, als das Geständnis endlich ihren Verstand erreichte. Hin- und hergerissen fehlten ihr die Worte. Severus schluckte und wandte sich ab. Mit einer Hand kehrte er seine Sachen zusammen, stand auf und wollte gerade gehen, da erregte Sayda wieder seine Aufmerksamkeit. Sie fummelte an ihrem Kragen herum und zog – das Medaillon an der goldenen Kette aus ihrem Ausschnitt. Wie versteinert blieb er stehen und starrte auf das schimmernde Schmuckstück in ihrer Hand, bis sie es wieder unter den Stoff ihres Kleides gleiten ließ. Sie lächelte, räumte ihre Sachen zusammen und ging an ihm vorbei aus dem Raum.
Sayda überlegte, ob sie sich nach dieser Aktion nicht lieber krankmelden sollte, doch nachdem Severus die Tage irgendwie angeschlagen wirkte, ließ sie es; sie konnte Minerva ja nicht ohne Tränkelehrer lassen.
Zurück in ihrem Quartier warf sie sich aufs Sofa und zählte die Ritzen zwischen den großen Steinen in der Mauer. Doch ihre Gedanken drifteten immer wieder ab und landeten bei einer gewissen Person, die jetzt wohl ebenso verwundert ein paar Stockwerke weiter unten hockte. Sie seufzte. Jetzt musste sie sich irgendwie ablenken. Kurzentschlossen packte sie eine Prise Flohpulver und ein paar Sekunden später stand sie in Sirias und Icarus' Küche.
„Siria?", rief sie in die Stille hinein. Was, wenn ihre beste Freundin gar nicht daheim war? Doch sie hatte Glück, denn nur wenige Augenblicke später stand Siria vor ihr und sie umarmten sich lang und innig.
„Mensch, lang nicht mehr gesehen, so anstrengend, die kleinen Biester?", grinste Siria.
„Das kannst du wohl laut sagen! Und wie läuft deine Ausbildung?"
„Fast durch!" Der Stolz in ihrer Stimme war nicht zu überhören. „Nur noch eine praktische Prüfung und dann bin ich eine waschechte Aurorin!"
„Ist ja cool! Wie geht's Caru?"
„Ach, dem geht's bestens!" Sirias Augen glitzerten. „Gibt's was Neues von der Fledermaus-Front, das ich wissen müsste?"
Sayda schwieg und errötete leicht.
„Ah, ich wusste es doch! Hätt' mich auch gewundert, wenn du dich verändert hättest! Ich hab' erst vorgestern Minerva getroffen und sie hat mir erzählt, dass er ganz wild hinter dir her ist – nur du gibst ihm einen Korb nach dem anderen? Was ist, kein Geier-Kuscheln mehr?"
„Siria, du bist doof! Nein, ich weiß auch nicht… Meist nervt Severus einfach nur und dann lässt er wieder seinen Charme spielen…"
„Oh nein, bitte benutz nicht die Wörter „Severus" und „Charme" in einem Satz, solang ich dabei bin!", unterbrach Siria sie mit leicht angewidertem Gesichtsausdruck.
Sayda funkelte sie böse an, dann erzählte sie ihr von der Feigenaktion und den diversen Unterredungen mit Minerva.
„Also, wenn ich mal zusammenfassen darf: Fledermäuschen hat dir mal wieder den Kopf verdreht…" Sayda öffnete empört den Mund, doch Siria winkte ab. „… und du weißt bloß noch nicht, was du davon halten sollst?"
„Na ja, so ungefähr… Kannst du mir mal verraten, warum du immer so klar siehst und ich mir dabei immer wie ein Depperle vorkomm'?"
„Nun, ganz einfach", meinte Siria amüsiert. „Ich bin ein Seelenklempner und du nicht, beziehungsweise, du bist mein Patient. Das gehört sich dann so."
„Klaaaar!"
„Ja, im Ernst! Und wo wir gerade bei „Ernst" sind – hast du den neuen Artikel von Alechia gelesen?"
„Welchen – den mit den Gummischnecken oder den mit den Warzen?"
„Weder noch." Siria klang jetzt fast ein wenig besorgt. „Ich mein' den, in dem sie damit droht, Hogwartsschüler zu entführen, wenn..."
„Entführen? Wenn was?"
„Wenn Severus nicht von seinem Posten zurücktritt."
„Himmel, was haben die eigentlich mit ihm?! Sonst waren sie doch immer hinter mir her!", rief Sayda aufgebracht.
„Tja, er hat sich ein bisschen unbeliebt gemacht, hier und dort einen Kommentar zu viel abgegeben und dann gemerkt, dass es vielleicht doch nicht so eine gute Idee gewesen ist. Hast du von dem Schwindel mit dem Tränkemeister-Bankett gehört? Die haben's ihm ganz schön gezeigt, aber glaubst' es? – Der Mann lernt nicht dazu!"
„Ähm, eins versteh' ich ja immer noch nicht. Worum geht es bei diesen Streitigkeiten eigentlich immer?", fragte Sayda stirnrunzelnd.
„Streitigkeiten – du bist gut! Kleinkrieg würde es wahrscheinlich besser treffen! Nun, es geht um dich. Severus hat sich irgendwann, kurz nachdem du weg gegangen bist, in den Kopf gesetzt, bei den Gerüchten mitmischen zu müssen – und im Frühjahr hat er dann eine 180°-Wende eingelegt und faucht Alechia seitdem an wie eine tollwütige Schlange. Nur sollte man das bei der halt nicht machen. Außerdem hat sich Alechia noch eine Komplizin gekrallt, die wohl ein bisschen sehr hinter Geld her ist und ein reges Interesse an den angeblich noch vollständigen 10 000 Galleonen hat, die im Snape'schen Verlies in Gringotts lagern sollen."
Sayda verdrehte die Augen, einmal mehr an diesem Tag. Das war ja alles noch viel komplizierter, als es aussah! Nur ein bisschen blöd, dass von den 10 000 Galleonen nicht mehr ganz so viele übrig waren. Doch wer die Komplizin war, wusste sie ja bereits.
„Artemis Hauntwood", berichtete sie ihrer Freundin, „derzeit Verteidigungsprofessorin in Hogwarts. Minni würde im Moment nichts lieber tun, als sie rauszuschmeißen, auch wenn das hieße, dass sie den Job selbst übernehmen muss."
„Ja, sie scheint sowas wie Alechias rechte Hand zu sein – und eine echt miese Folterknechtin dazu, sie soll schon mal einige Monate in Askaban eingesessen haben, wegen irgendwelchen dunklen Machenschaften. Ist schon lange her, aber die Leute sagen, sie hätte sich keinen Deut gebessert."
„Klingt verdammt nach ihr."
„Sag ich's nich'?"
Die beiden schwiegen einige Zeit, dann meinte Sayda: „Hat Alechia eigentlich gesagt, wann das Ultimatum abgelaufen ist?"
„Ja, soweit ich weiß am 17. Oktober."
Sayda starrte sie entgeistert an. „Spinnst du?! Warum hast du mir das nicht früher gesagt, verflucht!" Sie sprang auf und lief suchend durch den Raum.
„Hey, was hast du denn? Was machst du für einen Aufstand?", fragte Siria irritiert.
„Hast du hier so etwas wie einen Kalender – ach da…" Sayda riss einige Blätter ab, bis nur noch eine blanke, schwarze 17 zu sehen war. „Weißt du, was das bedeutet?!"
Siria blieb der Mund offen stehen. „Heute? Heute will Alechia in Hogwarts eindringen?"
„Anscheinend! Verdammt, ich muss Minni warnen! War nett, dich mal wieder zu sehen, ja? Auch wenn du ein bisschen aktueller sein könntest, das nächste Mal…" Und mit diesen Worten verschwand sie in den grünen Flammen.
Sie hastete die Treppen hinauf, bis sie vor dem Wasserspeier angekommen war.
„Mi-Milchreis!", keuchte sie und stürmte die Treppe hinauf. Sie klopfte nur kurz und riss die Tür.
Minerva sprang erschrocken auf, als Sayda plötzlich in ihr Büro geplatzt kam.
„Merlin, Sayda! Was ist denn jetzt passiert?"
„Minni, Alechia will heute Nacht hier herkommen und Schüler entführen!"
„Alechia? Du meinst… Nein, das kann doch nicht dein Ernst sein! Woher willst du das denn wissen?"
„Sie hat es in einem Nebensatz in irgendeinem von ihren schwachsinnigen Artikeln erwähnt und Siria meint, dass es vielleicht nicht schaden könnte, auf Nummer sicher zu gehen."
„Nein, in der Tat nicht… In Ordnung, in zwei Minuten im Lehrerzimmer, ja? Ich trommel alle Lehrer zusammen."
Wenige Minuten später war die gesamte Hogwartsbelegschaft im Lehrerzimmer versammelt – mit einer Ausnahme: Artemis Hauntwood schien keiner gefunden zu haben. Oder vielleicht hatte sie ja auch keiner finden wollen… Mit ein paar schnellen Worten klärte Minerva ihre Lehrer auf und teilte sie dann in Pärchen auf, die überall im Schloss Wache halten sollten. Bei Aída zögerte sie ein wenig, bevor sie sie mit Pomona Sprout zusammen steckte – was Severus und Sayda übrig ließ. Letztere konnte sich gerade noch ein genervtes Augenrollen verkneifen, als sie aus der Tür trat, um ihren Posten auf dem kleinen Turm, dessen Balkon direkt zum Haupttor zeigte, zu beziehen. Severus tauchte nur wenig später auf und gemeinsam vollzogen sie die Magie-Aufspür-Zauber, die einen Alarm in Minervas Büro auslösten, sobald gezaubert wurde. Schließlich hockten sie ein Stück voneinander entfernt auf dem steinernen Boden und warteten.
Langsam kroch Sayda die Kälte in den Beinen hoch. Hätte sie doch nur an einen Mantel oder so etwas gedacht, jetzt war es zu spät. Sollte sie auch nur einen Aufwärm-Zauber sprechen, würde Minerva innerhalb von Sekunden vor ihr stehen und ganz und gar nicht erfreut sein. Allerdings wusste sie jetzt zumindest, wieso Severus ein wenig später gekommen war: Er schien seine sieben Gehirnzellen noch beisammen gehabt zu haben und hatte sich seinen Winterumhang geholt. Bibbernd warf sie ihm zum wiederholten Male einen Blick aus dem Augenwinkel zu, mit dem Unterschied, dass er es diesmal bemerkte.
„Hier", meinte er nur und hielt seinen Umhang für sie auf.
Sayda zögerte kurz, dann krabbelte sie zu ihm hinüber. Severus legte seinen Arm mit dem Umhang behutsam um sie und sie konnte nicht wiederstehen und rückte ein wenig näher an ihn heran. Vorsichtig lehnte sie sich gegen ihn und lächelte ein wenig, als er sie kurz drückte. Zum ersten Mal seit Monaten gestand sie sich ein, dass sie dieses Gefühl vermisst hatte.
Es ging auf Mitternacht zu und noch immer war nichts passiert. So langsam hegte Sayda den Verdacht, dass Alechia sie nur einfach wieder verarscht hatte und jetzt in ihrem Versteck saß und sich bei der Vorstellung, dass Minerva ihre Kollegen in der Kälte Wache schieben ließ, einen Ast lachte. An Severus leicht genervten Blick konnte sie erkennen, dass ihm wahrscheinlich ähnliches durch den Kopf ging. Irgendwann konnte sie ihre Augen nicht mehr offen halten und langsam rutschte sie an seiner Seite hinunter. Ihr Kopf fiel in seinen Schoß und noch bevor sie es merkte, war sie eingeschlafen.
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A/N: Disillusion hatten wir ja schon im Kapitel davor. Dann folgt Stand Up von Bonnie Tyler.
