Teil III

Kapitel 37: Die Klassenfahrt – Teil I

Jenny starrte den Zettel mit Unglauben in ihren Augen an. Was zum Teufel ist das?, fragte sie sich, als sie die ersten Zeilen wieder und wieder las und ihren Augen immer noch nicht traute. Sie bemerkte kaum das aufgeregte Geplapper, das um sie herum ausgebrochen war, als sie sich noch einmal den Zettel, der mit Schneemännern, Weihnachtsbäumen und Weihnachtsmännern zu fröhlich dekoriert war, an. Das muss doch wirklich ein Scherz sein.

Eine Klassenfahrt?

Zu einem Skiort auch noch, wenn mehr als die Hälfte der Klasse noch nicht einmal Skifahren konnte. Sie eingeschlossen.

Als sie sich das Datum anschaute, das die Lehrer für die Klassenfahrt festgesetzt hatten, runzelte sie die Stirn. Das war in einer Woche. Hätten sie ihnen das nicht früher mitteilen können? Auf diesem Zettel stand auch, dass sie sich keine Gedanken um die Kosten machen sollten, da der Ausflug von dem Bürgermeister der Westlichen Hauptstadt gefördert wurde. Er wollte den jungen Kindern offenbar etwas geben, worauf sie sich in Zeiten wie diesen freuen konnten.

Obwohl Buu schon fast drei Jahre fort war (Drei Jahre, dachte Jenny erschrocken. Sind es wirklich schon fast drei Jahre?) hatten die Menschen noch immer viele Probleme. Armut war eines davon, unter anderem. Jenny hatte Glück. Der ehemalige stellvertretende Geschäftsführer der Capsule Corporation hatte nach dem Tod von Bulma und ihrem Vater das Unternehmen übernommen und eine Summe, die groß genug war um ihre Großmutter, Vegeta und sie ohne Probleme mit allem, was sie brauchten, zu versorgen, wurde jeden Monat auf Bulmas, oder nun Vegetas, Konto überwiesen. Deshalb brauchte sie sich um Geld keine Sorgen machen, nicht so wie einige ihrer Klassenkameraden – ein weiterer Grund für sie, Jenny nicht zu mögen, nachdem sie herausgefunden hatten, wer genau ihre Stiefmutter gewesen war.

„Ihr Lieben!", rief ihre Lehrerin, Miss Katayama, über den Lärm, obwohl ein helles Lächeln auf ihrem Gesicht zu sehen war. „Ich weiß, das ist eine riesige Überraschung und ein wenig unerwartet. Der Bürgermeister entschuldigt sich auch dafür, dass es so kurzfristig ist, aber er hofft, dass ihr euch über sein kleines Geschenk freut."

„Kleines?", schrie einer der Jungs aufgeregt. „Dieses Geschenk ist genial!" Fast alle anderen Schüler stimmten ihm zu.

Nur Jenny starrte den Zettel noch immer an. Sie würde eine ganze Woche fort sein! Das bedeutete, eine ganze Woche mit dem Rest ihrer Klasse zu verbringen, mit Kindern, die sie nicht mochten, und Lehrern, die sie die ganze Zeit im Auge behalten würden. Eine ganze Woche ohne richtiges Training! Vegeta würde das nicht mögen.

Doch das schlimmste war das Datum der Klassenfahrt. 10. bis 16. Dezember. Sie hätten nicht ein noch unpassenderes Daum wählen können, oder? Nicht nur, dass es kurz vor Weihnachten war, nein, sie würde auch noch an Trunks Geburtstag fort sein, einem Tag, den sie lieber in der Capsule Corporation zusammen mit ihrer Großmutter und Vegeta verbringen würde. Sie wusste, es klang blöde, aber sie wollte nicht, dass sie an diesem Tag alleine waren – obwohl Vegeta höchstwahrscheinlich wieder verschwinden würde, so wie er es schon an den letzten beiden Geburtstagen seines Sohnes getan hatte.

„In Ordnung!", kämpfte sich Miss Katayamas Stimme wieder durch ihre Gedanken. „Bitte gebt diesen Zettel euren Eltern oder Vormündern und bringt dann den unteren Teil mit einer Unterschrift von eurem Vormund wieder mit. Ich möchte wirklich gerne, dass ihr alle mit auf diese Klassenfahrt kommt. Das ist eure große Chance, mal eine Woche rauszukommen und richtig Spaß zu haben."

Rauskommen und Spaß haben. Jenny war sich sicher, dass das die Worte sein würden, die ihre Großmutter benutzen würde um sie zu überzeugen mitzufahren. Und das Mädchen konnte sich noch nicht einmal weigern. Die Lehrer und der Schulpsychologe beobachteten sie immer noch, deshalb musste sie sich während der ganzen Woche von ihrer besten Seite zeigen.

Die Klingel ertönte nur eine kurze Zeit später und Jenny stieß einen leisen Seufzer der Erleichterung aus, dass sie nun endlich nach Hause gehen konnte. Sie faltete sorgfältig den Zettel und steckte ihn in die vordere Tasche ihres Rucksacks, während die anderen Schüler schon das Klassenzimmer verließen. Wie gewöhnlich ließ Jenny sich Zeit, als sie alles in ihre Tasche packte und aufstand. Gerade als sie das Klassenzimmer verlassen wollte, hielt eine Stimme sie zurück.

„Jenny?", fragte ihre Lehrerin sanft. „Darf ich mit dir einen Moment sprechen?"

Ein großer Klumpen machte sich in Jennys Kehle breit, als sie einfach still nickte zu dem Lehrerpult vorne in dem Klassenraum ging. Ihre Gedanken überschlugen sich. Was konnte sie dieses Mal getan haben? Sie hatte nicht einmal eine unpassende Bemerkung gemacht, hatte keinen Streit angefangen und hatte noch nicht einmal aufgehört vorzutäuschen jeden Morgen zu beten… Sie wüsste nichts, was sie getan haben könnte.

„Ja, Miss Katayama?", murmelte sie schließlich, wobei sie sich nicht traute, in die Augen ihrer Lehrerin zu blicken.

Die junge Frau vor ihr seufzte. „Keine Angst, Jenny. Du steckst nicht in Schwierigkeiten."

„Nicht?" Das Mädchen schaute erschrocken auf. Es war ein amüsiertes Funkeln in Miss Katayamas Augen, obwohl Jenny glaubte, dass sie auch noch etwas anderes in ihnen sehen konnte. Mitleid? Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen. Jenny mochte es nicht, bemitleidet zu werden. Machte sie wirklich einen so erbärmlichen Eindruck, dass sie von ihren Lehrern bemitleidet werden musste?

Miss Katayama schüttelte ihren Kopf, als sie erklärte: „Nein. Eigentlich wollte ich mit dir über die Klassenfahrt sprechen. Ich weiß, und um ehrlich zu sein, kann ich sogar zu einem gewissen Grad verstehen, dass du dich nicht darauf freust. Es war unmöglich gewesen, nicht zu bemerken, wie die anderen Kinder dir aus dem Weg gehen und du sie meidest. Ich werde dich nicht verhätscheln und sagen, dass es nicht deine eigene Schuld ist, weil sie es ist, wenn auch nicht ganz. Wie auch immer, ich wollte dich bitten, mit deinem Stiefvater über die Klassenfahrt zu sprechen. Wir brauchen noch ein paar Begleitpersonen und da ich deinen Stiefvater noch nicht einmal gesehen habe, seit du auf diese Schule gekommen bist, möchte ich diese Chance wirklich gerne nutzen, um ihn kennen zu lernen. Wie du vielleicht weißt, war deine Großmutter immer diejenige, die zu den Elternabenden gekommen ist."

Jenny starrte sie mit weit offenem Mund an. Ihre Lehrerin wollte wirklich, dass Vegeta auf der Klassenfahrt eine Begleitperson war? War sie selbstmordgefährdet? Kein Schüler, oder Lehrer, würde diese Woche überleben! „Ich… Ich bin mir nicht so sicher, ob das eine so gute Idee ist", sagte Jenny, die über ihre eigenen Worte stolperte, als sie versuchte ihrer Lehrerin zu erklären, was sie davon hielt, in der leisen Hoffnung, sie zu überzeugen, diese verrückte Idee zu vergessen. „Vegeta ist nicht wirklich der… geselligste Typ. Er… kann sich nicht so gut mit Fremden. Außerdem ist… nun ja, der Zeitpunkt der Klassenfahrt nicht wirklich der beste. Sie müssen wissen, dass der Geburtstag seines Sohnes in der Woche ist, und seit Trunks tot ist, versucht er gewöhnlich Leuten an diesem Tag aus dem Weg zu gehen."

Der Blick auf dem Gesicht ihrer Lehrerin war nun ein mitfühlender, als sie nickte. „Ich verstehe. Diese Tage sind schwer für uns alle. Aber frag ihn bitte trotzdem, ja? Du könntest ihm sagen, dass auch andere Eltern dabei sein werden. Vielleicht wird das helfen, ihn zu überzeugen."

Mit einem geschlagenen Seufzer nickte Jenny. Was sonst sollte sie tun? Sie würde Vegeta fragen, er würde nein sagen und sie würde das an ihre Lehrerin weitergeben. Mit einem leise gemurmelten Tschüß schwang Jenny ihren Rucksack über ihre Schulter und verließ das Klassenzimmer um nach Hause zu gehen, ihre Hausaufgaben zu machen und dann, während des Trainings, mit Vegeta zu sprechen.

Er würde nie im Leben ja sagen.

So einfach war das.


Jenny hätte wissen sollen, dass ihr Leben nie so leicht sein würde. Sie konnte nicht glauben, was sie gerade gehört hatte. Mit weiten blauen Augen, und mit einem Mund, der sich wie bei einem Fisch öffnete und wieder schloss, starrte sie den Saiyajin vor sich an. Nein, nein, nein… Das musste ein Traum sein. Das war's! Sie musste träumen.

Sie kniff sich am Oberarm und zuckte zusammen, als es wirklich wehtat. Verdammt! Kein Traum! Vegeta lehnte noch immer lässig an der Wand des Gravitationsraumes, mit einer Flasche Wasser in seiner Hand und einem Handtuch um seine Schultern gewickelt, und schaute sie mit seinem typischen Grinsen auf dem Gesicht an. Er genoss das! Er genoss es, solche Überraschungen auf sie fallen zu lassen! Oh, wie sehr sie dieses Grinsen von seinem Gesicht entfernen wollte. Ein paar gut gewählte Flüche und ein rechter Haken wären nicht zu schlecht, doch stattdessen schaffte sie nur ein schwaches: „W-wie bitte?"

„Ich sagte", wiederholte er, langsamer, als ob sie Schwierigkeiten hatte, normal gesprochene Sätze zu verstehen, wobei er sie immer noch hämisch angrinste, „dass du deiner Lehrerin ausrichten kannst, dass sie mit mir rechnen kann."

Endlich durchbrach Jenny ihre Starre und stemmte ihre Hände auf ihre Hüften. „Wer bist du und was hast du mit Vegeta angestellt?"

Vegeta schmunzelte nur und setzte die Flasche an seine Lippen, woraus er ein paar Schlucke trank, bevor er die Flasche auf den Boden stellte und seinen Mund mit seiner behandschuhten Hand abwischte. Er hatte diese Reaktion erwartet. Hätte sie ihn das nur ein paar Wochen früher gefragt, hätte er sich bestimmt geweigert, aber nun, nach dem letzten Elternabend, an dem das alte Weib teilgenommen hatte, sah es anders aus. Die Lehrer des Görs wollten den Mann kennen lernen, der so viel Einfluss auf sie hatte, und vielleicht würde das die perfekte Gelegenheit sein, es hinter sich zu bringen.

Doch das bedeutete nicht, dass er es mochte, besonders wenn er den Zeitpunkt dieser Klassenfahrt in Betracht zog, aber je schneller er es hinter sich brachte, umso besser. Immerhin würden sie aufhören, ihn zu bedrängen, wenn das vorbei war, zumindest hoffte er das. Es sollte doch möglich sein, ein paar Tage mit ein paar neugierigen Menschen zu überleben. Er lebte immerhin schon mehr als zehn Jahre auf diesem Planeten.

Mit einem süffisanten Blick auf seinem Gesicht, antwortete Vegeta schließlich: „Ich habe ihn gefoltert, getötet und dann seine Eingeweide gegessen."

„Bäh…" Jenny rümpfte ihre Nase. „Das ist eklig."

„Damit musst du leben", entgegnete Vegeta ohne jeden Gesichtsausdruck. Er zog das Handtuch von seinen Schultern und ließ es auf den Boden fallen. „So, die Pause war lang genug. Mach dich fertig. Ich will, dass du heute den Ki-Angriff meisterst, den ich dir gestern gezeigt habe."

Grummelnd nahm das Mädchen auch ihr Handtuch weg und, nachdem sie noch einen letzten Schluck aus der Wasserflasche getrunken hatte, stellte sie sie beiseite. Als sie ihn zur Mitte des Raumes folgte, bemerkte sie sofort den Anstieg der Schwerkraft und verwandelte sich unbewusst in ihre Saiyaijnform, als sie etwa sechs Meter vor ihm stehen blieb. „Du meinst es wirklich ernst, oder?", fragte sie, als sie in eine Kampfhaltung ging. „Mit dem Begleitperson spielen, mein ich…"

„Todernst", antwortete er. Als er bemerkte, dass das Mädchen ihn noch immer argwöhnisch beäugte, stieß Vegeta einen leisen Seufzer aus. Er konnte nicht glauben, dass er schon so verweichlicht war, dass er versuchte ihre Bedenken zu zerstreuen. „Keine Angst. Deine Lehrer wollen mich nur kennen lernen."

Genau darum mach ich mir Sorgen, dachte Jenny, als sie schon einen von Vegetas Angriffen abblockte. Sie wollte jetzt mehr denn je zu Hause bleiben. Das konnte einfach kein gutes Ende nehmen. Es war einfach nicht möglich. Vegeta wusste gar nicht, worauf er sich da einließ. Doch er würde ihr eh nicht zuhören, deshalb war das einzige, was sie tun konnte, zu irgendeinem hohen Gott beten, wer auch immer nach Dendes Tod über die Erde wachte, zu beten, dass nichts allzu Schlimmes passieren würde. Vielleicht würde Vegeta versuchen, einmal nett zu sein, damit es nicht schlimmer werden konnte, als ein paar beleidigte Lehrer oder Begleitpersonen zu haben, wenn er seine Beherrschung nur ein wenig verlor.

„Außerdem, hast du wirklich geglaubt, dass ich dich eine Woche ohne Training gehen lassen würde?"

Jenny murrte ein paar gut ausgewählte Kraftausdrücke.

Sie hatte Unrecht! Es konnte schlimmer werden!


„Hab viel Spaß und benimm dich", sagte Mrs. Briefs zu Jenny, als sie am Bahnhof standen und darauf warteten, dass ihr Zug ankam. Die ältere Frau umarmte ihre Enkelin fest, ungestört von dem geschäftigen Treiben um sie herum, als die anderen Kinder sich auch von ihren Eltern oder Vormündern verabschiedeten.

Wie Jenny an dem Tag nach der Ankündigung der Klassenfahrt herausgefunden hatte, hatte der Bürgermeister anscheinend die ganze Schule, was alle Kinder der Westlichen Hauptstadt zwischen sechs und elf Jahren ausmachte, eingeladen. Etwa hundert Kinder an einem Ort. Es war sicherlich kein Wunder, dass die Lehrer so viele Begleitpersonen brauchten, da sie eindeutig zu wenig waren, um so viele Kinder auf einmal unter Kontrolle zu behalten. Jenny glaubte nicht, dass sie jemals den dankbaren und glücklichen Blick auf Miss Katayamas Gesicht vergessen würde, als sie den Zettel mit Vegetas Unterschrift abgegeben und ihr mitgeteilt hatte, dass Vegeta sie begleiten würde.

Und hier war er nun, neben ihr, gekleidet in schwarzen Jeans, Stiefeln und einer Fliegerjacke aus Leder, mit einem Seesack über seine Schulter geschwungen. Er hatte seine Hände tief in den Taschen seiner Jacke begraben und hatte bereits einen angewiderten Blick auf seinem Gesicht, als er die sich umarmenden Familien um sich herum beobachtete. Das würde lustig werden, dachte Jenny, als sie sich langsam aus der Umarmung ihrer Großmutter zog. „Um mich brauchst du dir keine Sorgen machen", sagte sie mit einem flüchtigen Seitenblick auf Vegeta. Ein tiefes Grummeln entkam seiner Kehle, als er das hörte, doch Jenny grinste ihn nur unschuldig an.

„Was auch immer", sagte er schroff. Lärm füllte den Bahnhof, als ihr Zug endlich einfuhr. „Lass uns einsteigen bevor alle guten Plätze weg sind. Ich will nicht neben so einem lauten, oder schlimmer, weinerlichen Blag sitzen."

Jenny verdrehte ihre Augen und winkte ihrer Großmutter schnell zu, da Vegeta sie schon auf eine der offenen Türen des Zuges zuzerrte. Also wirklich, was hatte er erwartet? Nur weil sie ruhiger und erwachsener war als die anderen Kinder, hätte er nicht annehmen sollen, dass alle so wie sie wären. Keiner von ihnen trug die Last zweier Welten auf ihren Schultern und bestimmt floss bei keinem von ihnen Saiyajinblut durch ihre Adern.

Als der Zug abrupt anfuhr und seine Reise zu den verschneiten Bergen begann, fanden sie endlich ein leeres Abteil und, nachdem sie ihre Jacke ausgezogen und ihren Rucksack und ihre Jacke auf die Gepäckablage gepackt hatte, ließ Jenny sich auf einen der Sitze neben dem Fenster sinken und beobachtete neugierig, wie Vegeta das gleiche tat. Sie runzelte die Stirn. „Sollst du nicht eigentlich bei den Lehrern und anderen Begleitpersonen oder so sitzen?"

Vegeta zuckte einfach gleichgültig mit den Schultern. „Es hat mir keiner gesagt, wo ich sitzen sollte. Es ist ruhig hier, deshalb werde ich bleiben."

„Ich könnte anfangen laut und weinerlich zu werden." Jenny warf ihm ein herausforderndes Grinsen zu.

Es war ein gefährliches Funkeln in seinen Augen, als er es erwiderte. Vegeta hatte sich auf ihre Herausforderung eingelassen und lehnte sich mit vor der Brust verschränkten Armen in seinem Sitz zurück. „Willst du mich loswerden?"

Mit einem Schulterzucken, neigte Jenny ihren Kopf zur einen Seite und antwortete, noch immer grinsend: „Vielleicht. Wie auch immer, Miss Katayama hat dich immer noch nicht kennen gelernt und ich hab mich nur gefragt, wann du dich ihr vorstellen willst."

„Gör", schnaubte er. „Ich bin der Prinz aller Saiyajins. Ich muss mich nicht einem einfachen Menschen vorstellen. Deine Lehrerin muss zu mir kommen, wenn sie etwas will."

In genau diesem Augenblick öffnete sich die Tür zu ihrem Abteil und niemand geringeres als Jennys Lehrerin Miss Katayama steckte ihren Kopf hinein. Ein Lächeln erhellte ihr Gesicht, als sie Jenny und Vegeta erblickte, und öffnete die Tür weiter um in die Kabine zu treten.

Jenny konnte das Grinsen, das über ihr Gesicht huschte, nicht unterdrücken, als sie sah, wie ihre Lehrerin Vegetas sehr deutlichen Muskeln unter seinem engen schwarzen Pullover sehnsüchtig beäugte. „Hallo, Miss Katayama", riss Jenny sie aus ihren Gedanken und ersparte Vegeta somit weitere Verlegenheit. Erst einmal. Vielleicht, dachte sie, mit einem schelmischen Funkeln in ihren Augen, wird das doch lustiger, als ich gedacht hatte.

„Hallo Jenny", sagte die junge Frau ein wenig benommen, wobei sie nicht einmal ihre Augen von dem Mann, der scheinbar der Stiefvater des Mädchens war, abwandte. Hätte sie gewusst, dass dieser Mann so attraktiv war, hätte sie ihn viel früher eingeladen.

Jenny musste ein Kichern unterdrücken, als sie bemerkte, wie Vegetas Gesicht sich mit jeder vergehenden Sekunde, die ihre Lehrerin ihn offen anstarrte, verfinsterte. „Miss Katayama, das ist Vegeta. Vegeta, das ist Miss Katayama, meine Lehrerin."

„Es freut mich, Mr. Briefs", hauchte die Frau und streckte ihre Hand aus. Die Hand schwebte etwa dreißig Sekunden in der Luft – Jenny hätte die Zeit wirklich mit ihrer Armbanduhr stoppen sollen – bis ihre Lehrerin bemerkte, dass der Mann vor ihr ihre Geste offensichtlich nicht erwidern würde. Eine tiefe Röte stieg in den Wangen der Frau auf, als sie ihre Hand senkte und sich räusperte. „Nun… öhm… die anderen Lehrer und Begleitpersonen sind im Großraumwagen weiter unten im Zug, um sich gegenseitig kennen zu lernen und… äh… weitere Dinge für die Klassenfahrt zu besprechen." Vegeta bewegte sich nicht und hob stattdessen seine Augenbraue, als ob er sie frage, was er damit zu tun hatte. Miss Katayama wurde sogar noch nervöser, als sie erklärte: „Die-die anderen warten auf Sie, damit wir anfangen können. Sie-Sie dürfen natürlich hier her zurückkommen, wenn wir fertig sind."

„Warum haben Sie das nicht gleich gesagt?"

Jenny konnte fast sehen, wie sich die Beine ihrer Lehrer in Wackelpudding verwandelten, als sie Vegetas tiefe Stimme hörte, egal wie spottend sie klang. Mit seinem Verhalten rächte er sich dafür, dass sie ihn so angestarrt hatte. Der Saiyajin stand von seinem Sitz auf, wobei seine Muskeln unter seinem Pullover spielten, und drängte sich an ihr vorbei ihn den mit Schülern beladenen Flur. Das Mädchen erwartete fast, dass Miss Katayama ohnmächtig wurde, doch die Frau murmelte bloß: „Was für ein Mann!"

Jenny klammerte ihre Hände über ihren Mund, um sich davon abzuhalten laus loszulachen, besonders als die Spitzen von Vegetas Ohren rot wurden. Erst als die Tür wieder zu war und sie glaubte, dass die beiden Erwachsenen außer Hörweite waren, gab sie dem Lachanfall nach.


Vegeta biss die Zähne zusammen, als er entschlossen durch den Flur im Zug zurück zu seinem und dem Görs Abteil schritt. Was zum Teufel hatte ihn besessen, dass er dem zugestimmt hatte? Er hätte zu Hause bleiben sollen. Er wusste nicht, wie er eine ganze Wochen mit diesen Leuten überleben sollte! Nicht nur waren sie zu fröhlich, nein, sie waren alle auch extrem neugierig, besonders die Frauen, die natürlich gewusst hatten, dass er Witwer war und offensichtlich dachten, dass er bereit sein sollte, nach zwei Jahren, sieben Monaten und drei Tagen ein neues Leben zu beginnen.

Er schüttelte seinen Kopf. Das war wirklich erbärmlich. Er sollte wirklich aufhören die Tage ohne seine Partnerin zu zählen. Es würde ihm am Ende noch in den Wahnsinn treiben. Es gab nun wichtigere Sachen, um die er sich sorgen musste, wie diese Woche zu ertragen ohne seine Beherrschung zu verlieren und jemanden ernsthaft zu verletzen, oder schlimmer noch, aus Versehen jemandem zu töten. Diese Weiber wussten natürlich nicht, dass er kein einfacher Witwer war, sie wusste nicht, dass er, als er sein Weib verloren hatte, auch ein Teil von sich verloren hatte. Er musste sich nur immer wieder sagen, dass sie es nicht wissen konnten und sie ignorieren, bis alles vorbei war.

Nur wenige Minuten später stand Vegeta vor dem Abteil von sich und dem Gör. Doch bevor er die Tür öffnete, konzentrierte er sich kurz auf das Ki von dem Gör, wobei er sofort bemerkte, dass sie schlief. Leise öffnete er die Tür, schlüpfte in das Abteil und schloss schließlich die Tür wieder ohne ein Geräusch, womit er den ganzen Lärm der Schüler in dem Flur ausschloss.

Sie war noch immer alleine. Keine anderen Kinder waren zu ihr gestoßen. Das Gör hatte angedeutet, dass so etwas höchstwahrscheinlich passieren würde, doch er hatte ehrlich nicht erwartet, dass scheinbar niemand sie genug mochte, um zumindest ein wenig Zeit mit ihr zu verbringen.

Auf der gesamten Länge der gepolsterten Bank ausgebreitet, schnarchte das Mädchen leise mit ihrem Gesicht zur Wand gedreht. Ein Buch war zu Boden gefallen und Vegeta bückte sich leise um es aufzuheben. Die Seite, die offen lag, zeigte ein paar Matheaufgaben und er schüttelte seinen Kopf, als er das Buch umdrehte und auf dem Bucheinband las, dass es in der Tat ein Schulbuch war – für die sechste Klasse. Sie war den Mitschülern in ihrer Klasse schon zwei Jahre voraus. Das Mädchen ähnelte ihrem großen Bruder wirklich zu sehr.

Nachdem er das Buch geschlossen und es auf einen der leeren Sitze neben sich gelegt hatte, setzte Vegeta sich wieder beim Fenster hin und schaute hinaus. Die Sonne ging bereits unter und es würde bald dunkel sein. In etwa zwei Stunden würden sie an ihrem Ziel ankommen, wo Kleinbusse auf sie warteten um sie zu dem Skiort zu bringen. Eine weitere halbe Stunde später würden sie dort ankommen, gerade rechtzeitig zum Abendessen.

Vegeta runzelte die Stirn. Er hoffte, das Essen dort würde genug sein um die Mägen von sich und dem Gör zu befriedigen. Nun, selbst wenn es das nicht tat, hatte Mrs. Briefs ihnen genug Vorräte eingepackt, um die ganze Woche damit auszukommen.

Seine Augen wanderten wieder zu dem schlafenden Mädchen ihm gegenüber, als sie sich umdrehte und jetzt mit dem Gesicht zu ihm lag. Ihre Arme wurden als provisorisches Kissen benutzt und etwa die Hälfte von ihrem Gesicht war in der Beuge ihres Ellenbogens begraben. Sein Seufzer entkam ihren geöffneten Lippen, ein wenig gedämpft durch den Stoff ihres Sweatshirts. Vegeta bemerkte, dass sie friedlich aussah; es zog sogar ein kleines Lächeln an ihren Lippen.

Das Lachen von diesem Nachmittag war noch immer in seinen Ohren. Das Gör dachte wahrscheinlich, dass er sie nicht gehört hatte, doch das hatte er und, zu seiner großen Überraschung, war er nicht wütend. Das war das sorgloseste Geräusch gewesen, das er seit einer langen Zeit von ihr gehört hatte.

Was ist geschehen, was sie so traurig macht?

Er konnte die Frage des Jungen nicht vergessen. Er konnte auch seine Bitte nicht vergessen, eine Bitte, die Vegeta versuchte zu erfüllen. Nur dass er nicht wusste, was genau das Mädchen glücklich machte. Ihre Großmutter hatte das gleiche versucht, indem sie dem Mädchen angeboten hatte, rauszugehen, sei es zum Park, einkaufen oder andere Dinge, die man als Spaß bezeichnen könnte.

Doch wie konnten sie dem Gör helfen, wenn sie immer ihre Angebote ablehnte? Das einzige, was sie je tat, war zur Schule zu gehen, ihre Hausaufgaben zu machen und zu trainieren. Nur während des Trainings schien sie aufzuleben, also tat er das, was er am besten konnte – er trainierte sie und lehrte sie alles, was er wusste, um sie auf ihren Kampf vorzubereiten, und doch war es nicht genug, damit sie glücklich wurde.

Etwas fehlte und langsam fing Vegeta an zu verstehen, was es war.

Wenn er sie genau anschaute, konnte er immer häufiger etwas in ihren Augen sehen, etwas, an das er sich gewöhnt hatte, wann immer er in einen Spiegel geschaut hatte, bevor das Weib es irgendwie geschafft hatte, sich einen Platz in seinem Leben zu sichern, und jetzt wieder, wo sie fort war.

Es war so offensichtlich. Die einzigen Personen, denen Jenny nahe stand, waren die alte Frau und er selbst. Ihre Brüder waren beide tot, genauso wie ihre Eltern, obwohl sie diese nie richtig kennen gelernt hatte, und sie hatte in der Schule keine Freunde oder sogar Bekanntschaften.

Es war einfach, wirklich.

Es war nicht nur die Schuld oder die Prophezeiung. Nein, das Gör war einsam.

Vegeta schloss seine Augen und lehnte sich zurück gegen die weiche Kopfstütze. Er würde sie noch nicht wecken. Das Gör verdiente ein bisschen mehr von dem Frieden, den sie in ihrem Schlaf erlebte, bevor sie wieder zurück in die Realität gestoßen wurde.

Währenddessen würde er sich eine Möglichkeit überlegen, sie aus dieser Situation herauszubekommen. Eine kleine Idee entstand schon langsam in seinem Kopf, doch er brauchte noch ein paar Tage, bis er sicher sein konnte, dass diese Idee ihnen – ihr – helfen würde.