Hallo, Ihr lieben Raben-Leser, endlich geht es weiter hier mit Severus und medeora, und ich bin sehr gespannt, wie Euch das neue Kapitel gefallen wird. Ich hoffe, es wird Euch gut unterhalten und auch die Gefühle kommen nicht zu kurz.

Ich bedanke mich sehr herzlich für die Reviews zum vorangegangenen Kapitel, auch wenn ich es nicht geschafft habe, alle zu beantworten.

Ich bemühe mich um Besserung.

Vielen Dank an meine bezaubernde Beta-Leserin Chromoxid.

Soundtrack: Air Supply: Making Love (Out of Nothing at All)

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Und jetzt, wenn Sie mir bitte folgen wollen und eintauchen in:

Das Prinzip Snape'scher Eleganz oder: Tee und Luftmagie

Der Rabe flog direkt zu den alten Eichen, die den Wald in Richtung von Voldemorts Burg begrenzten und setzte sich hoch auf einen Ast in der Nähe des Stammes. Sein Hals versank förmlich zwischen den hochgezogenen Flügeln und in dem aufgeplusterten Gefieder. Er war müde und erschlagen von den vielen Eindrücken der vergangenen Nacht.

Dennoch fanden Severus' Gedanken keine Ruhe.

Warum hatte Medeora nicht früher mit ihm über seinen Vater gesprochen? Vermutlich hatte sie ihn vor unüberlegten Schritten schützen wollen, aber war ihr nicht bewusst gewesen, dass er das Recht hatte, zu erfahren, wie seine Eltern gestorben waren? Wer seine Eltern gewesen waren? Warum nur hatten all die, die in den vergangenen Jahren etwas über dies Dinge gewusst hatten, nicht mit ihm gesprochen, ihn nicht aufgesucht und aufgeklärt?

Mit diesem Wissen wäre er vermutlich niemals ein Todesser geworden. Sein Leben hätte so anders verlaufen können. Er hätte vielleicht ein Mädchen finden können, eine Familie gründen….

Doch wenn er ehrlich zu sich selbst war, so hatte er gewusst, dass es falsch war, sich dem Dunklen Lord anzuschließen. Er hatte der Versuchung, Macht und verbotene Kenntnisse zu erlangen nicht widerstehen können. Es war allein seine Verantwortlichkeit gewesen, den dunklen Weg zu gehen.

Er dachte an den einen Tag, damals, bei Borgain im Kellerlabor, als die Bewahrerin aufgetaucht war und ihn zur Umkehr hatte bewegen wollen. Hätte er ihr geglaubt, wenn sie ihm damals erzählt hätte, dass der Dunkle Lord seinen Vater umgebracht hatte? Vermutlich nicht. Vielleicht hatte sie es ihm ja sagen wollen.

Ein Gedanke formte sich in seinem Kopf. Die Bewahrerin – er wollte sie aufsuchen. Er könnte tagsüber mit Lupin und den Schattenwölfen fliegen, aber nachts durften die Wölfe ihn nicht sehen, und als Mensch war er frei zu apparieren. Selena war seine einzige noch lebende engere Verwandte, und er musste versuchen, mehr über seine Wurzeln heraus zu finden.

Würde Medeora ihm zeigen, wie er Selena finden konnte? Er schüttelte sein Gefieder. Sicher würde ihm die Elfe diesen Wunsch nicht abschlagen können, er konnte jetzt schon den verständigen Blick ihrer großen grauen Augen und das resignierende Spiel ihrer Fellohren sehen. Mit diesen Gedanken trieb er hinüber in die warme Erholung des Schlafes.

Er erwachte, weil jemand oder etwas ihn anstupste. Es war eine Eule, oder eher ein Uhu, oder…bei genauerem Hinsehen war der Vogel nicht wirklich zuzuordnen. Er hatte lange fledermausartige, pelzige Ohren, große graue Augen über einem gebogenen, sehr breiten Schnabel und – Fell. Außerdem hatte das Tier einen langen braunen, in einer grünen Quaste endenden Schwanz.

„Medeora?", fragte Severus erstaunt.

„Gefalle ich dir?", fragte sie mit nur mäßig veränderter Stimme zurück. „Das ist meine Tarnkleidung für mein Wolfsprojekt."

„Kannst Du so fliegen?", Ein amüsiertes Lächeln spielte um seine Lippen. Sie flatterte auf und drehte eine Runde um den Baum. Ihr Flug hatte viel von einer Ente und wenig von der Eleganz einer Eule, aber sie konnte es.

„Ohne den Schwanz wäre es besser", sagte er und unterdrückte mühsam ein Grinsen. „Wie kommt es, dass Du Dich in eine perfekte Menschenfrau, aber nicht ordentlich in eine Eule verwandeln kannst?"

„Ich hab' die Menschin besser geübt. Es ist Übungssache, und Eule habe ich lange nicht gebraucht."

„Kannst Du einen anderen Vogel besser?"

„Ja, aber der kommt leider nicht in Frage. Oder meinst du nicht, ein Pinguin würde in Britanniens Wäldern außerordentlich auffallen?"

„Ein - Pinguin?" Ihm blieb beinahe die Luft weg. „Warum um Merlins Willen hast du denn geübt, dich in einen…" er hielt inne und wischte mit dem Flügel über den Schnabel. „Nein, lass, ich will es gar nicht wissen."

Im nächsten Moment erstarrte er. Warum konnten sie sich überhaupt unterhalten?

„Medeora, warum spreche ich?"

„Weil du mein intelligenzbefähigter Nachfahre bist?", schlug sie vor. Dann kicherte sie. „Nein, es liegt daran, dass wir beide in Tierform sind. Aber jetzt sollten wir zum Turm zurückkehren, die Anderen werden auch dort sein und die Sonne geht bald unter."

Sie nickte ihm zu und segelte nach zwei Flügelschlägen direkt und ohne Umschweife auf das Turmfenster zu. Severus steckte seine Flügel, stieß ein heiseres Krächzen aus und folgte ihr.

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Der Raum war noch genauso, wie Severus ihn am Morgen verlassen hatte. Nuriyya stand im Fels gefangen, ihr Gesicht wirkte ruhig und wie modelliert. Lupin lag vor dem fast erkalteten Kamin, immer noch zusammen gerollt wie ein Hund.

‚Der Mann braucht kein Bett, sondern ein Körbchen', durchfuhr es Severus. Medeora war von einer Sekunde zur nächsten wieder ihr elfisches Selbst und rieb sich mit schmerzverzerrtem Gesicht die Nase.

„Schnäbel sind unheimlich schwierig", sagte sie erklärend.

„Ich finde Vogel überhaupt schwierig", wollte Severus antworten, aber tatsächlich entfuhr ihm nur ein Krächzen.

Warum machte es nur so einen Unterschied, ob sie in Tierform war oder nicht? Und hatte sie keine anderen Schmerzen als nur in der Nase, fragte er sich.

Die kleine Heilerin ging zum Kamin und schürte die Flammen wieder an. Aus ihrem Gewand zog sie einen kleinen Kessel aus Kupfer, der an eisernen Ketten hing. Sie befestigte ihn über dem Feuer.

Obwohl sie leise war, wurde Lupin doch durch ihr Gewusel geweckt. Er gähnte herzhaft, sah sich dann zuerst irritiert, dann mit resigniertem Gesichtsausdruck um und richtete sich auf.

„Guten Morgen, Mr. Lupin", begrüßte Medeora den Werwolf.

„Hatte schon bessere", knurrte er, nur um sich dann offenbar seiner Kinderstube zu entsinnen und der kleinen Elfe doch noch einen guten Morgen zu wünschen.

„Sie werden sich gleich sehr viel besser fühlen, wenn ich ihre Magieblockierungen gelöst habe", sagte sie fröhlich. „Leider ist der Prozess schmerzhaft und der Trank, den es zur Unterstützung braucht, nicht eben wohlschmeckend."

„Hört sich nach einem durchschnittlichen Vollmond mit Wolfsbann an.", entgegnete Lupin schulterzuckend.

Medeora holte allerlei Wurzeln, Blätter und undefinierbare Pülverchen aus den Falten ihrer bunten Tücher hervor und reihte sie vor dem Feuer auf. Severus fragte sich, wie sie es schaffte, die Kleider bei ihrer „Verwandlung" mitzunehmen. Wahrscheinlich funktionierte es so ähnlich wie bei Animagi, überlegte er.

„Muss alles gleichzeitig in den Kessel?", fragte Lupin. Severus hielt sich den Flügel vors Gesicht. Was für eine dilettantische Frage, es gab nicht einen einzigen Trank, bei dem man alles wie bei einem Eintopf gleichzeitig hinein schmiss. Das wusste doch jeder Erstklässler. Und außerdem tat man das nicht einmal bei Eintopf.

„Selbstverständlich nicht", beantwortete Medeora Remus' Frage stirnrunzelnd. „Es gibt keinen einzigen Heiltrank, bei dem man alles wie bei einem Eintopf gleichzeitig hinein wirft. Das macht man noch nicht mal bei Eintopf, da kommen auch Kartoffeln und Zwiebeln zuerst."

Severus krächzte zustimmend.

Lupin drehte sich zu ihm herum. „Spar' dir den Kommentar, Galgenvogel", sagte er sauer.

„Der Kessel hier ist erst mal für Tee", sagte Medeora und produzierte zwei Becher aus ihren Taschen hervor, in die sie ein paar Blüten warf. Sie goss mit heißem Wasser auf und ein intensiver Duft nach Lindenblüten durchzog fast augenblicklich den Raum.

Lupin hielt sich die Nase zu.

„Ich bin nicht erkältet", sagte er.

„Nein, aber Sie müssen schwitzen, dann lösen sich die Blockaden besser."

„Oh wunderbar", sagte er sarkastisch. „Severus, dir ist klar, dass du dafür bezahlen wirst, irgendwann?"

„Oh, er wird es gleich tun", zwitscherte Medeora fröhlich, „die zweite Portion Tee ist nicht für mich. Er kann ebenso wie Sie ein Aufladen seiner Magie gebrauchen. Und jetzt trinken Sie schon mal." Sie reichte Lupin den Becher mit dem profanen Lindenblütentee. Er drehte sich um und prostete Severus zu, ein triumphierendes Grinsen im schmalen Gesicht.

Niemals würde er einträchtig mit Lupin schweißtreibenden Tee trinken, schwor Severus, da konnten sie ja gleich gemeinsam in die Sauna gehen, so weit kam es noch. Während er sich noch vor Unwillen schüttelte, versank die Sonne hinter dem Horizont, und für die nächste Minute oder auch länger war er völlig mit anderen Dingen als Lindenblütentee und Aufgüssen beschäftigt.

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„Habt ihr eine Idee, was mit ihm los sein könnte?", hörte er Lupins Stimme direkt neben sich, als er langsam wieder zu sich kam.

„Severus, ist alles in Ordnung?", fragte Medeora und als er sie ansah, war ihr die Besorgnis deutlich ins Gesicht geschrieben.

Er sah sich um. Nuriyya kniete neben ihm, sie trug nur eine helle Robe ohne jede Verzierung und strich ihm mit ihren kühlen Fingern eine dunkle Strähne aus dem Gesicht. Er versuchte, sich aufzurichten, und stellte dabei fest, dass wirklich jeder Muskel in seinem Körper brannte. Irgendjemand hatte eine Decke über ihn gebreitet, sein Zauberstab lag neben ihm.

„Was ist hier los?", fragte er irritiert.

„Du hast uns einen schönen Schrecken eingejagt, Severus", sagte Lupin und auch er wirkte angespannt. „Du bist nach Deiner Verwandlung einfach umgefallen und nicht mehr zu Dir gekommen."

„Wie spät ist es?", fragte Severus.

„Die Sonne ist vor mehr als einer Stunde untergegangen" entgegnete Nuriyya, während sie ihm auf die Füße half. Dann drehten sie und Medeora sich diskret weg, und Lupin reichte ihm seine Kleidung.

„In diesem Zustand darfst du nicht riskieren, dich in feindlichem Terrain zu verwandeln", sagte Lupin. „Medeora und ich werden allein mit den Wölfen gehen."

„Das kommt überhaupt nicht in Frage." Er legte die Falten seines Umhangs zurecht. „Ich begleite Euch, zumindest tagsüber."

Keine drei Sekunden später fand er sich hart an eine Säule gepresst, Lupin hatte ihn am Kragen gepackt und das Gesicht des Werwolfs war direkt vor seinem eigenen. Er war nur wenige Zentimeter kleiner als Severus, und dieser war von der Kraft des Werwolfs überrascht, noch mehr allerdings von dem Ton, den der sonst so höfliche Gryffindor nun anschlug.

„Wenn Du glaubst, Snape, dass ich meinen Arsch riskiere, damit Du alles ruinierst, wenn du unerwartet ohnmächtig vom Baum fällst, dann hast du dich geschnitten.", knurrte Lupin.

Nuriyya packte Remus am Arm und zog ihn von Severus weg. Er kostete sie nicht den Hauch einer Anstrengung, den Werwolf zu bändigen.

„Ich denke, er hat's verstanden, Mr. Lupin. Wenn Sie ihn erwürgen, ist keinem von uns gedient." Sie wandte sich an die Heilerin:

„Medeora, ich vertröste die Nebelwölfe um eine Nacht. Heute wird keiner von uns aufbrechen. Wir müssen zuerst herausfinden, was mit Severus los ist. - Mr. Lupin, verdammt!" fauchte sie, als er bereits wieder zu Severus hinstrebte, und sie riss ihn grob in ihre Richtung.

„Was bei der dreigesichtigen Mutter hast Du ihm in den Tee getan, Medeora?"

Severus sah zu Lupin hinüber. Er sträubte sich tatsächlich gegen den Griff der Fürstin und funkelte sie mit leicht gelblich glühenden Augen an.

„Oh!", entfuhr es Severus, „das waren keine Lindenblüten. Das waren Mondviolen! Geruch wie Lindenblüten, aber sie besitzen die Kraft, die wahre Natur der Dinge hervorzuheben. Die Deine ist offenbar gewalttätig, Lupin" fügte er dem anderen Zauberer zugewandt hinzu

Dieser machte wiederum Anstalten, sich von der Fürstin loszureißen. Entnervt zerrte Nuriyya den widerstrebenden Lupin hinter sich her.

Im Vorbeigehen konnte Severus das Wort „Kindermädchen" auffangen und er musste unwillkürlich grinsen. Allerdings nur, bis Medeora mit dem vermeintlichen „Lindenblütentee" im Becher zu ihm kam.

Lunaria annua, Mondviole oder auch Silberpfennig", sagte er naserümpfend, „muss ich das wirklich trinken?"

„Vertrau' mir", sagte seine Ahnin lächelnd, „es wird dich nicht zu einem aggressiven Wolf machen, den hast du nicht in dir."

„Lupin ist eigentlich ein sehr sanfter, höflicher Mann", sagte Severus achselzuckend. „Aber wenn man „Mond" in ihn hinein schüttet, kommt „Werwolf" heraus, das hättest du doch wissen müssen."

„Es war beabsichtigt", antwortete sie leichthin, „schließlich war es Wolfsbann, der ihn so blockiert hat, also brauche ich „Mond", wie du es so treffend formulierst, um die Blockade zu lösen. Solange Nuriyya ihn in der Mangel hat, wird er schon nichts anstellen. Wir lassen ihn eine Runde mit Marti in den Ring steigen, danach dürfte er wieder zahm sein. Und jetzt trink deinen Tee, Junge, bevor er kalt wird."

Severus setzte den Becher an. Nach dem ersten Schluck sah er sie an. „Das ist Lindenblütentee".

Sie lächelte schelmisch. „Ich habe dir doch gesagt, dass der Tee keinen Wolf aus dir machen wird. Ich dachte nur, es wäre Eurer Freundschaft dienlich, wenn du etwas Solidarität beweisen würdest."

Severus schnaubte. „Du bist wirklich eine durchtriebene …" Ihm fehlten die Worte. „Einmischerin", vollendete er schließlich den Satz.

Medeora grinste bis über bei Ohren, als ob er ihr gerade ein unschlagbares Kompliment gemacht hätte. „Danke, mein Junge. Komm, lass uns eine Portion Nussspeise und Brennesselsalat essen gehen, mein Vater ist sicher unten in der Bibliothek. Er soll sich mal etwas zu deiner Ohnmacht überlegen, ich habe keine Idee, von wirklich profanen einmal abgesehen, welche Ursache sie haben könnte."

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Meister Nepomuk fuhr mit seinen kurzen, grünbraunen Fingern über Severus Stirn. Sie saßen an dem unterirdischen Teich in der Bibliothek, in dem die Lianenregale wurzelten. Loreley leistete ihnen Gesellschaft. Severus war mehr als erfreut und erstaunt gewesen, die Nixe dort anzutreffen.

Er erfuhr von ihr, dass sie sich in jedem Gewässer im Umfeld der Burg aufhalten konnte.

„Nun, Vater, was fehlt ihm?" fragte Medeora.

Nepomuk kratzte sich am Kinn und sagte dann: „Es ist wirklich profan. Sie haben zu viel magische Energie in zu kurzer Zeit verbraucht, Severus Snape. Ich befürchte, dass du noch eine Weile mit deiner Reibeisenstimme zu Recht kommen müssen wirst, meine liebe Lore" sagte er zu der Nixe gewandt.

„Was", fragte Medeora, „das war's? Der Stimmzauber?"

Nepomuk nickte. „Manchmal sind es einfache, kleine Dinge, die komplizierte Probleme verursachen. In Ihrem Fall, Severus Snape, wird ein schlichter Stärkungstrank ausreichen, um Ihre Schwäche zu beheben. Sobald Ihre Magie sich regeneriert hat, wird auch die magieabhängige Verwandlung wieder ungestört ablaufen."

Er wandte sich wieder seiner Tochter zu und gab ihr einen mit einem violetten Pulver gefüllten, ausgehöhlten Kristall. „Das ist für den Werwolf. Gib' es ihm, sobald er wieder bei Sinnen ist."

Die Elfe nickte. „Severus, wenn er das Pulver genommen hat und die Krämpfe abgeebbt sind, testen wir seine magischen Fähigkeiten. Es wäre möglich, dass er zum Zaubern einen Auslöser braucht, zum Beispiel wenn er sich verteidigen muss." Sie sah den Slytherin auffordernd an.

„Oh nein, Medeora", entgegnete Severus, als ihm klar wurde, was sie im Kopf hatte. „Ich werde ihn nicht angreifen."

„Vielleicht könntet Ihr Euch duellieren? Das ist ein fairer Kampf", schlug Loreley vor.

Severus schnaubte verächtlich. „Er hat nicht einmal im Vollbesitz seiner Kräfte eine Chance gegen mich".

„Hm", hörte er Meister Nepomuk sich räuspern, „ich hätte da eine Idee….

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Zwei Stunden später, Severus und Medeora waren mit Klumpen warmer, süßer Nussspeise im Bauch in Nuriyyas Gemächer zurück gekehrt, flog plötzlich die schwere Eichenholztür auf und Martialis kam mit einem völlig desolaten Remus Lupin herein.

„Merlin, Remus!", rief Severus angesichts der diversen blauen Flecken und blutigen Schnitte aus, die Lupin als Kampfesspuren im Gesicht trug. Dann jedoch fiel sein Blick auf Martialis, und er hatte Mühe, einen Ausruf des Erstaunens zu unterdrücken. Der Gargoyle sah mindestens so mitgenommen aus wie der Werwolf, er hatte ein phänomenales Veilchen am linken Auge, seine Hände waren voller Brand- und Bisswunden und sein Schwanz schien an einem seiner Beine festgewachsen zu sein, und außerdem stocksteif.

Medeora betrachtete die beiden, die sich gegeneinander abstützten und trotz ihrer Blessuren sehr zufrieden wirkten.

„Wie ich sehe, haben Sie ihre Zauberkräfte bereits zurück, Mr. Lupin", sagte sie freundlich.

„Bedauerlicherweise hat er das erst gemerkt, als er mir bereits den halben Arm zerfleischt hatte", knurrte Martialis.

„Das war Dein Glück", konterte Lupin, „wenn ich es sofort gewusst hätte, würdest du jetzt nicht mehr aufrecht stehen."

„Was hast du mit seinem Schwanz…Schweif…ich meine, wie hast du ihm den ans Bein gehext?", fragte Severus, und er konnte nicht verhindern, dass ein gewisses Amüsement in seiner Stimme mitschwang.

Petrificus mit Conjugatus" sagte Lupin achselzuckend, „leider beide unvollständig, dann hatte er mich."

„Ein wirklich guter, ehrenvoller Kampf", sagte der Gargoyle, verneigte sich vor dem Zauberer und reichte ihm seine Klaue.

„Pack schlägt sich, Pack verträgt sich", kommentierte Medeora kühl, dann wandte sie sich zu Remus: „Das bezieht sich selbstverständlich nur auf diesen Kindskopf hier", sagte sie und deutete auf Martialis.

„Oh, vielen Dank für die Blumen, werte Heilerin", spottete der Gargoyle.

„Du kannst froh sein, wenn ich deine Brandwunden flicke", antwortete sie, lächelte aber dabei. „Zeig' mal her".

„Was war das, ein Combustio?", fragte Severus interessiert.

„Und was für einer", entgegnete der Gargoyle. „Remus hat einen Flammenwerfer aus seinem Zauberstab gemacht, das war, als würde man gegen einen Feuervogel kämpfen."

„Ich hole Brandsalbe", sagte die Elfe, „vertragt Euch, bis ich wieder hier bin." Mit einem Wirbel war sie verschwunden.

Als sie einige Minuten später, bewaffnet mit Tiegeln und Mörsern wieder auftauchte, waren die drei Männer in eine intensive Diskussion über Kampftechniken vertieft. Sie verarztete zuerst Martialis, dessen Wunden sich unter der Salbe in Windeseile schlossen, dann Lupin und hieß ihn dann das violette Pulver aus dem Kristall in Wasser verdünnt schlucken.

„Wie schmeckt es?", fragte der Tränkemeister den Werwolf.

„Besser als dein Wolfsbann", entgegnete Remus, „die Komponente ‚nasser Hund' ist durch Vanille ersetzt und der Anteil ‚Katzenklo' durch …hm, ist das Jasmin?" Er verzog die Nase.

Severus wedelte vorsichtig etwas von dem Geruch unter sein prominentes Riechorgan. „Das ist Ylang-Ylang. Jasmin... ehrlich, und du willst eine Hundenase haben?"

„Es ist eine Wolfsnase", korrigierte ihn Lupin, „Und Blütendüfte gehören nicht in das Spektrum der Kategorien, in denen Caniden denken."

„Du hast die Frage aufgeworfen", konterte Severus, „ich war nur behilflich."

„Vielleicht bist du jetzt gleich mir mal behilflich, Severus?", wandte Medeora ein und trat mit einem Gefäß auf Remus zu. „Austrinken, bitte. Mr. Lupin."

Remus roch an dem Kupferbecher, und trank den Inhalt dann mit schnellen Schlucken. „Schokolade", sagte er genüsslich, und dann erstarrte er und der Becher fiel ihm aus der Hand.

„Severus, wie besprochen, der Bindezauber, jetzt!" kommandierte die kleine Elfe.

Immobilus!", rief der Slytherin, der plötzlich seinen Stab in der ausgestreckten Hand hielt.

Remus sah ihn erstaunt an, und dann quollen seine Augen plötzlich über vor Schmerz. Krämpfe rasten durch seinen Körper, und wäre er nicht durch den Bindezauber unbeweglich an Ort und Stelle gewesen, er hätte sich vermutlich fürchterlich verletzt.

„Hey, was soll das?", rief Martialis und sprang auf die Füße.

„Lass gut sein, Marti, es ist Teil der Heilung", sagte Medeora. „Ich habe Mr. Lupin schon heute Morgen davon in Kenntnis gesetzt, dass es sehr schmerzhaft sein würde. Aber es hält die Energiebahnen frei und stärkt seine Magie."

„Merlin", rief Severus aus, und auch Medeora und Martialis sahen nun, worauf sich sein Erstaunen bezog. Remus Lupin bekämpfte offensichtlich den Immobilus, denn seine Beine begannen zu zucken und er ruderte mit den Armen. Die Schmerzen mussten unerträglich sein.

„Remus, versuch dich zu entspannen", rief Severus, „wenn du den Fluch brichst, wirst du dir sämtliche Knochen brechen."

Aber Remus konnte oder wollte nicht auf ihn hören.

„Wie lange noch?", fragte der Slytherin die Heilerin gehetzt.

„Eine Weile", sagte Medeora schulterzuckend, und zog aber doch eilends eine kleine Phiole mit einem rauchig grauen Zaubertrank aus ihren Tüchern.

Zu dritt versuchten sie, Lupin das Schmerzmittel einzuflößen, doch seine Zähne waren zu fest aufeinander gepresst.

„Stinkender Schlammtroll, so was habe ich ja noch nie erlebt", fluchte die kleine Elfe. „Mach dem Elend ein Ende, Severus."

Der Tränkemeister zog abermals seinen Stab und rief laut: „Stupor!"

Ein roter Blitz zuckte aus seinem Stab empor, hüllte Lupins Gestalt ein und ließ ihn schließlich erschlaffen. Er hatte das Bewusstsein verloren.

Relaxio?", fragte er Medeora.

„Nein, lieber nicht zu viel durcheinander, er wird ohnehin höllische Muskelschmerzen haben, da braucht er nicht auch noch einen infernalischen Kater."

Martialis trug die reglose Gestalt Lupins zu den Decken am Kamin.

„Das wird er nicht toll finden, im Nachhinein", sagte er.

„Eure Medikationen sind nie toll", sagte Severus. „Gargoylemagie und Elfenheilkunst sind mit erheblichen Schmerzen verbunden, hat Euch das schon mal jemand gesagt?"

Die Elfe verzog das Gesicht. „Sei froh, dass wir diese Kräfte haben. Sieh', Martialis' Arm ist schon geheilt."

Tatsächlich waren die Brandwunden des Kriegers kaum mehr erkennbar.

„Warum musste er dieses Zeug noch nehmen, seine Kräfte waren doch bereits reaktiviert", fragte er.

„Das ist richtig, aber ich musste seinen Zustand stabilisieren. Wenn er aufwacht, wird er wieder im Vollbesitz seiner magischen Kräfte sein."

„Und vermutlich denkbar schlechter Laune", fügte Martialis hinzu, „und außerdem völlig kaputt – bei den Krämpfen."

„Nichts, was Lupin nicht jeden Monat ohnehin einmal hätte", sagte Severus trocken. „Außerdem wird er vermutlich hungrig sein."

„Ich besorge Fleisch", erbot sich Martialis.

„Nein!", erwiderten Severus und Medeora unisono.

„Sei versichert", sprach die Elfe alleine weiter, „dass Deine Art der Nahrungsbeschaffung und vor allem die Art der Nahrung dazu geeignet sein wird, ihn aufs Krankenlager zurück zu werfen"

„Soweit würde ich nicht gehen", schränkte Severus ein, „aber er wird sicher Eure Diät nicht teilen wollen."

Martialis grinste und zeigte die langen Fangzähne. „Ich dachte auch eher daran, Fleisch aus Voldemorts Küche zu besorgen."

„Bloß nicht", sagte Nuriyya, die eben zur Tür herein kam, „damit machen wir ihn nur misstrauisch."

„Er weiß ohnehin, dass wir den Werwolf in unseren Reihen haben, es schadet nichts, das Gerücht noch durch einen solchen Diebstahl zu untermauern", widersprach Martialis.

Nuriyya sah ihn stirnrunzelnd an, dann sagte sie: „Du hast Recht, Bruder. Also gut, soll ich es delegieren oder…also schön, du willst es selber machen, dann aber gleich. Lupin wird nicht mehr lange schlafen, und er wird hungrig sein, wenn er aufwacht."

Martialis erhob sich, deutete der Fürstin gegenüber eine Verbeugung an und verließ den Raum.

Medeora wandte sich wieder Tiegeln und Mörsern zu, und begann, Lupins Wunden mit grünlicher Paste einzustreichen.

Severus trank die rosafarbene Lösung, die Medeora ihm danach reichte – es war dieselbe, die sie zuvor Lupin verabreicht hatte, und er wartete angespannt auf eine Wirkung. Er verspürte jedoch keinerlei Krämpfe oder Schmerzen, sondern lediglich ein feines Kribbeln in den Fingern und Zehen sowie eine allgemeine Entspannung.

„Ohne den zweiten Trank, den sie deinem Freund gegeben hat, Severus, wirkt es einfach nur stärkend und etwas stabilisierend." Nuriyya nickte ihm aufmunternd zu, dann tippte sie mit ihrem blauen Finger an die Felswand auf das Relief eines Pferdes mit einer Krone auf dem Kopf. Auf der Wand löste sich ein quaderförmiger Stein, klappte herunter und die Rückseite erwies sich als plane Fläche mit acht mal acht hellen und dunklen Feldern. An ihrem Gürtel hing ein Beutel, den sie jetzt öffnete und aus welchem sie Figuren aus hellem Marmor und dunklem Graphit entnahm.

„Eine Partie Schach, Severus?"

Er hob erstaunt eine Augenbraue, trat jedoch zu ihr und setzte sich auf einen schmalen steinernen Sims, der sich mittlerweile ebenfalls aus der Wand hervor geschoben hatte.

„Schwarz für den Raben?", fragte Nuriyya und lächelte, wobei sie ihre langen Zähne sehen ließ.

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„Schach", sagte der Tränkemeister eine gute Stunde später, und diesmal hatte sein Lächeln den Anflug eines raubtierhaften Grinsens.

Nuriyya lachte laut und kehlig und legte ihren König flach aufs Brett. „Matt, Zauberer, und nichts anderes hatte ich von Dir erwartet."

Severus wandte sich an Medeora, die längst damit fertig war, Lupin zu verarzten und mit einer Tasse Tee am Kaminfeuer saß, den Kopf des Werwolfs in ihrem Schoß, wo sie ihn hingebungsvoll kraulte.

„Er ist kein Hund, das ist dir schon klar?" fragte der Slytherin seine Ahnin. „Für diese Rolle hat der Orden einen anderen Spezialisten." - Dann wechselte er abrupt das Thema. „Ich möchte die Bewahrerin sehen."

Medeora und Nuriyya tauschten einen überraschten Blick.

„Gegen Selena wirst du aber beim Schach vermutlich verlieren, Severus", sagte die Elfe kühl.

„Ich habe ihm von seinem Vater erzählt", bemerkte Nuriyya. „Ich dachte, er hat ein Recht, die Wahrheit zu erfahren."

„So wie Mr. Lupin?", fragte die Elfe provozierend.

„Diese Diskussion ist hier nicht zielführend", wandte Severus ein, bevor die Fürstin antworten konnte. „Außerdem weiß Remus genau, dass Ihr ihn als Köder benutzt. Er ist nicht auf den Kopf gefallen, Fürstin. Aber die Bewahrerin ist meine Cousine, und ich möchte zumindest mit ihr gesprochen haben, bevor wir den letzten Akt dieses ganzen Dramas einläuten."

Medeora legte vorsichtig Lupins Kopf ab, und sammelte ihre Trankzutaten wieder ein, die sie dort früher am Abend aufgereiht hatte. Sie blickte nur kurz von ihrer Tätigkeit auf, während sie sagte: „Ich wollte dir von deinem Vater erzählen, Severus, aber ich dachte, es sei in deinem ureigensten Interesse, wenn du beim Umgang mit Riddle einen kühlen Kopf bewahrst.

Was ein Gespräch mit Selena angeht, so habe ich keinerlei Einwände. In deiner menschlichen Gestalt kannst du uns ohnehin nicht folgen. Wenn der Zeitpunkt während unseres Weges mit den Wölfen passend ist, werde ich Dich zu ihr bringen. Nur bitte überlasse mir die Wahl dieses Zeitpunkts."

Severus sah ihr zu, wie sie das letzte Säckchen Blütenknospen in einer ihrer Taschen verstaute und nickte ihr dann zu.

„Gut, Medeora, aber vergiss es nicht. Ich werde warten."

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Zwei Stunden später, Mitternacht war lange vorbei, begann Lupin langsam zu erwachen. Alle außer Severus hatten den Raum verlassen, um ihren Tätigkeiten nachzugehen, und der Tränkemeister las in einem der ovalen Bücher, die Medeora ihm aus der Bibliothek gebracht hatte.

Als der andere Zauberer sich zu regen begann, legte er das Buch fort und trat zum Kamin. Er schöpfte einen Trank aus dem Kessel auf dem Feuer und reichte ihm einen Becher.

„Versuch das, Lupin, und keine Sorge, es ist kein Elfengebräu sondern ein mit ehrlicher Magie gebrauter Dolorcalmus."

Er half dem Werwolf in eine halbsitzende Position und rettete den Becher, bevor er dem Anderen aus der zitternden Hand fallen konnte. Severus setzte ihm den Becher an die Lippen und nach drei Schlucken setzte die Wirkung offensichtlich bereits ein, denn Lupin nahm das Gefäß nun selbst und stellte es vorsichtig neben sich ab.

„Ihr habt mich von etwas Großem überrennen lassen", sagte er heiser. „Gib' es zu, Severus, das war ein Drache oder mindestens eine Manticora."

„Ah, du bist schon wieder zum Scherzen aufgelegt, Lupin. Wie fühlst du dich?" Er betrachtete das schmale Gesicht seines Gegenübers, das langsam wieder etwas Farbe annahm.

„Wie nach Vollmond ohne Wolfsbann. Merlin, was war das für ein Gebräu, das Deine Urgroßmutter mir da eingeflößt hat?" Er nahm noch einen Schluck von dem Dolorcalmus und rieb sich die offenbar immer noch schmerzenden Schläfen."

„Es stabilisiert deine Magie", entgegnete Severus, „Du bist ihr lieber dankbar."

„Ich liege euch allen hier zu Füßen", bemerkte Remus sarkastisch und rappelte sich auf. Eine Sekunde später hatte er seinen Stab in der Hand und zielte auf den Tränkemeister. „Auris batrix" traf Severus der Fluch. „Das wollte ich schon lange einmal ausprobieren" sagte Lupin nicht ohne Befriedigung.

„Sehr witzig", bemerkte Snape bissig und griff sich an die spitzen Fledermausohren, die ihm zwischen den langen Haaren hervor gewachsen waren.

Er holte seinen eigenen Stab hervor und richtete ihn auf sein linkes Ohr.

Finite dracularis".

Das Ohr schrumpfte und verschwand unter seinem Schopf. Das gleiche geschah nach dem Gegenfluch auch mit seinem anderen Ohr.

„Ein Wort zu Medeora über Familienähnlichkeiten und du bist ein toter Wolf, Lupin" knurrte er, und versuchte es wie seinen vollen Ernst klingen zu lassen. Es fiel ihm nicht schwer.

Aber Remus lachte und hielt sich den Bauch. Dann wurde er plötzlich ernst.

„Was weißt du über Vampirflüche, Severus?"

„Wie meinst du das? Verteidigungszauber oder das Beschwören von Holzpflöcken?"

„Nein, ich habe mich nur gerade gefragt – könnte man sie über die wahre Natur eines Wesens täuschen? Erkennen sie einen Menschen als solchen, wenn er aussieht, als wäre er ein Vampir?" Der Werwolf sah ihn fragend an.

„Denk' nicht einmal dran", entgegnete Severus.

„Warum nicht?", verlangte Lupin zu wissen.

„Erstens werde ich mich niemals, hörst du, niemals von dir in einen Vampir verwandeln lassen, ich habe deine Verwandlungskünste im Unterricht nicht umsonst sieben Jahre lang verspottet, und zweitens würden sie es vermutlich riechen, wenn du nicht die richtige Note „Moder" an dir hast."

„Ich bin besser geworden", sagte Lupin, „und den Geruch bekommen wir schon hin."

„Wer hat hier olfaktorische Probleme?", fragte Medeora von der Tür her.

„Niemand", sagten die beiden Zauberer in verdächtiger Eintracht.

Lupin räusperte sich. „Ich muss mich bei Ihnen bedanken, Medeora. Ich hatte mich beinahe schon damit abgefunden, ohne Magie auszukommen, aber es fühlt sich gut an, wieder zaubern zu können – sogar komplexe Verwandlungen sind wieder möglich."

„Versuch nur keine allzu Komplexen", schnarrte der Slytherin warnend.

„Sie brauchen mir nicht zu danken, Mr. Lupin. Was die Gargoyles von Ihnen verlangen, erfordert alle Ihre Fähigkeiten. Und auch sonst würde ich für Harriets Mann jederzeit alles tun, was in meiner Macht steht."

Dann räusperte sie sich.

„Unten in der Halle gibt es Unmengen von Essen: Tierfleisch und Fisch und noch ein paar Unaussprechlichkeiten. Sie sind sicher hungrig, und ich denke, Martialis wird Sie gerne zum Essen begleiten. Er sitzt unten im Turmzimmer und arbeitet an irgendwelchen Plänen."

Lupin nickte und warf einen Clarifico über sich. „Soll ich Dir etwas mitbringen, Severus? Ich gehe davon aus, dass du dich nicht in der Halle sehen lassen kannst."

„Danke, aber ich habe bereits gegessen" entgegnete der Tränkemeister. „Medeora, ich würde gerne noch etwas in der Bibliothek arbeiten, wenn das möglich ist. Und es erscheint mir sinnvoll dies zu tun, solange ich die Seiten nicht mit dem Schnabel umblättern muss."

„Ich bringe dich hinunter", stimmte die Elfe zu und zog ihn in ihre wirbelnde Umarmung.

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Severus verbrachte die letzten Stunden der Nacht in der Bibliothek und wälzte Bücher über Vampire und ihre Abwehr. Er stellte fest, dass die Zauberer sich erstaunlich wenig mit ihnen befasst hatten. Er vermutete, dass es daran lag, dass die Blutsauger grundsätzlich magische Häuser mieden. Die meisten Zauberer beherrschten Abwehrflüche, zudem waren ihre Behausungen gesichert, und Muggel waren einfachere Opfer, die weniger Risiko bedeuteten. Severus selbst hatte mehrmals mit zu Voldemorts Zirkel zugehörigen Vampiren gearbeitet, und er war jedes Mal wieder erstaunt über die Grausamkeit, mit der die Schattengewordenen vorgingen, sobald sie freie Bahn hatten. Das tragisch-melancholische Bild, welches sich manche Muggel von ihnen machten, war völlig unzutreffend.

Ein Vampir tötete immer, wenn sich die Möglichkeit bot. Und sie alle achteten sehr darauf, keine neuen Vampire zu erschaffen. Das Gleichgewicht zwischen Jägern und Beute sollte nicht verschoben werden.

Ihre einzigen natürlichen Feinde waren das Sonnenlicht und - Wölfe. Anders als es der Volksglauben darstellte, befehligten Vampire die Wölfe nicht als „Kinder der Nacht", sondern die beiden Spezies waren erbitterte Feinde. Wölfe wurden deshalb so manches Mal mit Vampiren gesichtet, weil sie sie jagten. Muggel vergangener Jahrhunderte hatten diese Nähe missverstanden.

Und es war jede Art von Wölfen – natürliche, Nebelwölfe, Werwölfe – die einen Vampir jagten, wenn er sich in ihre Nähe wagte. Ihr Instinkt trieb sie dazu an, unwiderstehlich.

„Severus", hörte er eine rauchige Stimme und sah von seiner Lektüre auf. Loreley hatte sich auf die Wurzeln gestützt und ihren Körper zur Hälfte aus dem Wasser gezogen.

„Hallo Loreley", sagte er sanft, und legte das Buch weg, um zum Wasser zu gehen. „Fast schon ‚guten Morgen'."

Sie lachte. „Was tust du? Vampirbücher wälzen?"

„Wir versuchen, das Pergament zu holen." Dann fiel ihm ein, dass sie vielleicht überhaupt nicht eingeweiht war.

Als hätte sie seine Gedanken gelesen, sagte sie: „Ich weiß bescheid, Severus. Ich habe Euch vor zwei Tagen schon hier unten in der Bibliothek gesehen und gehört. Und es tut mir leid, dass Ihr eine so gefährliche Mission zu bestehen habt, du und dein Freund."

„Er ist nicht mein…" Er hielt mitten im Satz inne. Es war keineswegs notwendig, ihr und sich selbst etwas vorzumachen, er hatte eine Ahnung, dass sie die wahre Natur der Dinge ohnehin erspürte. „Vielleicht ist er doch mittlerweile so etwas wie ein Freund."

Sie hatte ihre grünen Augen ernst auf sein Gesicht gerichtet, und er spürte, wie ihm die Knie weich wurden. Er setzte sich zur ihr ans Wasser und sie nahm seine Hand wie selbstverständlich.

„Du bist voller Sorgen, Severus", sagte sie. „Du fühlst dich innen an wie Lapidis, er ist auch so besorgt. Aber ihr solltet ein bisschen Zuversicht in Euch tragen. Jedes Risiko enthält tausend Chancen."

„Dein Optimismus ist angesichts der Umstände bemerkens- und bewundernswert", entgegnete er. „Spürst du immer das Innere der Menschen, die du berührst?" fragte er sie.

„Bis zum Grund der Seele, ja. Ich kann mich dem nicht verschließen. Es ist Segen und Fluch." Sie wrang ihre Haare aus, von denen es auf den Boden der Bibliothek tropfte und die sich an der Luft zu kräuseln begannen.

Er schwieg einen Moment. Er musste an den Dunklen Lord denken. Nuriyya hatte gesagt, dass auch er regelmäßig in die Felsenhöhle hinunter stieg, um sie singen zu hören. Doch war das alles? Und wenn es nicht alles war, wie sehr musste es ein Fluch für sie sein, in die schwarze Seele Lord Voldemorts hineingezogen zu werden?

„Wie ist es, wenn….wenn der Dunkle Lord zu Dir kommt?", fragte er schließlich.

Das beschäftigt dich? Ich darf dir keinen Einblick in die Seele eines Anderen gewähren, Severus. Ich bin eine Schweigende." Sie legte einen Finger an ihre Lippen. Ihre permuttfarbenen Nägel schimmerten auf dem Dunkelrot ihres Mundes.

Severus beugte sich vor, zog sie ein Stück zu sich heran und küsste sie. Der Raum begann sich aufzulösen um ihn herum. „Zu wenig Zeit bis zum Sonnenaufgang", durchfuhr es ihn plötzlich, und widerstrebend löste er sich aus ihrer betörenden, feuchten Umarmung.

„Du hast mir etwas über Lapidis gesagt", setzte er zögernd ihre Unterhaltung fort.

„Nichts, was du nicht ohnehin wissen kannst", antwortete sie.

„Dann sag' mir, was ich ohnehin über den Dunklen Lord wissen könnte", forderte er sie auf.

Ihre Augen wurden schmal, dann jedoch seufzte sie und gab nach. „Es ist lange her, dass Tom meine Nähe gesucht hat. Seit er sich „Lord Voldemort" nennt, vermeidet er meine Hände wie der Teufel das Weihwasser."

Severus konnte nicht umhin, diese Äußerung mit einer gewissen Erleichterung aufzunehmen.

„Mir ist bewusst, dass er niemanden in Reichweite seiner Seele dulden will. Es ist sehr lange her, dass ich einen Blick in die dunklen Tunnel seiner Psyche geworfen habe. Doch es ist wie bei Salazar in seinen späteren Jahren, da ist nichts mehr, was mein Zauber zu heilen vermag. Als Tom jung war, als er zum ersten Mal von diesem Schloss hier erfuhr und es in Besitz nahm, kam er gelegentlich, um mit mir zu schwimmen. Doch es gab nichts, das genug gewesen wäre, die Leere in ihm zu füllen außer purer Macht, von der ich, wie du ja weißt, nichts besitze. Ich hätte ihn lieben können, doch auf der Erde seines Wesens vermochten meine Blumen nicht zu wurzeln. Ich habe ihn so sehr bedauert, und das war es wohl, was er am allerwenigsten aushalten konnte. Schließlich entschied er, dass er die „Magie der Nixe", wie er es nannte, ausreichend erfahren hätte. Von da an kam er nur noch, um mich singen zu hören. Ästhetisches Empfinden ist das Einzige, um dessentwillen er einen Teil der Schöpfung erhalten wollen könnte."

Als Loreley geendet hatte, verharrten sie in Schweigen. Schließlich sagte Severus:

„Dumbledore spricht immer von der Liebe als der ultimativen Waffe gegen den Dunklen Lord. Nachdem, was du mir eben berichtet hast, hege ich erhebliche Zweifel an dieser Theorie."

Sie ließ sich wieder ins Wasser gleiten, hielt jedoch weiter seine Hände und sagte zu ihm:

„Ich teile des alten Mannes Einschätzung. Dumbledore hat trotz allem Recht. Tatsächlich war es Liebe, die Tom schon einmal besiegt hat. Du kennst ja die Geschichte von Lilli, die ihren kleinen Sohn so sehr liebte, dass sie sich zwischen ihn und den Tod gestellt hat. Es ist die Liebe eines Menschen, die dies bewirkt, Severus. Meine Liebe ist aus Magie gestrickt, menschliche Liebe hat eine andere Qualität. Sie kann Magie gebären, neu erschaffen. Ich nehme nur von der Magie, die ohnehin vorhanden ist. Der Unterschied ist fein und durchaus philosophischer Natur, und dennoch ist er strukturell."

Der Tränkemeister dachte über ihre Worte nach, aber es fiel ihm schwer, sie zu verstehen. War Lillis Liebe von so anderer Art gewesen als Loreleys? Und wenn menschliche Liebe so anderer Natur war als die magischer Wesen, wie verhielt es sich dann mit den Gefühlen der Gargoyles oder gar denen des Werwolfs. Konnten sie wahre Liebe empfinden, oder war das, was sie als ‚Liebe' bezeichneten, nur eine Spielart der Magie? Immerhin waren sie alle einmal menschlich gewesen.

Ein Brennen zog ihm den Boden unter den Füßen weg und er wusste, dass draußen über dem Horizont die Sonne aufging. Ihm lieb keine Zeit mehr, sich hinter eines der Regale zurückzuziehen, der Rabe schrie mit alles beherrschender Macht nach ihm und zwang ihn schließlich in seine fedrige Tierform.

Er konnte nicht sagen, ob er wirklich das Bewusstsein verloren hatte, aber das erste, was er sah, als der dunkle Nebel, der den grellen Explosionen gefolgt war, sich über seinen Augen lichtete, war ein Sonnenaufgang.

Goldene Funken erwachten in einem grünen Bergsee zum Leben, und Loreleys Strahlen geleitete ihn in einen neuen Rabentag.

„Du bist der schönste Rabe, Severus, den ich je gesehen habe", sagte sie. „Zugegeben, du hast nicht Munins Anmut und dein Gefieder ist ein bisschen struppig, aber du hast etwas herrlich Irdisches an dir."

Sie lachte, als er seinen Protest krächzte. Mangelnde Eleganz gehörte normalerweise nicht zu den Dingen, die man ihm vorwarf.

„Wir bekommen Besuch", bemerkte Loreley in diesem Augenblick, und tatsächlich öffnete sich die Tür der Bibliothek und Medeora erschien mit Remus im Schlepptau.

„Wirklich, Medeora, ich weiß nicht, ob das eine besonders gute Idee ist" sagte Lupin gerade. „Severus wird nicht begeistert sein.".

Alarmiert blickte der Rabe auf. Das klang nach Elfen-Ärger a la Medeora.

„Guten Morgen, meine Liebe", begrüßte die Heilerin Loreley, „ah, hallo Severus, ich dachte mir, dass ich dich hier finde." Sie grinste ihn an.

„Mr. Lupin, darf ich ihnen die Schwester der hohen Fürstin vorstellen, dies hier ist Loreley."

Lupin starrte die Neyridin an. In seinem Blick lag Erstaunen und Bewunderung.

Severus beobachtete argwöhnisch, wie Lupin sich nach unten beugte, um der Nixe, die im Wasser zu schweben schien, die Hand zu reichen. Als sich ihre Hände berührten, verschlangen sich die Blicke Loreleys und des Werwolfs ineinander. Severus hatte das Gefühl, als ob irgendjemand ein glühendes Messer in seine Eingeweide gestoßen hätte. Es dauerte eine geraume Weile, bis die Hände der beiden Fabelwesen sich lösten, dann hörte er Lupins sanfte Stimme: „Es ist mir eine Freude, Ihre Bekanntschaft zu machen, Loreley. Mein Name ist Remus Lupin."

„Das ist ein sehr passender Name für einen Fenris-Sohn", entgegnete die Nixe, „und die Freude ist ganz meinerseits."

Dann griff sie über den Uferrand und mit einer schnellen Bewegung hatte sie den Raben auf ihre Schulter gesetzt. Sie neigte sich zu ihm und hauchte ihm einen Kuss aufs Gefieder, woraufhin der glühende Dolch wieder aus seinen Eingeweide verschwand. Sie flüsterte ihm ins Ohr. „Es gibt keinen Grund, so eifersüchtig zu sein, Severus. Es gibt nichts, was ich Remus Lupin geben könnte, das er nicht schon im Überfluss besäße."

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„Severus, wie bist über die Verwandlung gekommen? Keine Aussetzer?" erkundigte sich Medeora, während sie die Robe des Tränkemeisters und seine übrige Kleidung einsammelte und zusammen legte.

Der Rabe schüttelte den Kopf und Loreley sagte: „Nein, er war sofort wieder bei Bewusstsein nach Abschluss der Wandlung."

Sie wandte sich dem Raben zu. „Deine Krallen pieksen ziemlich. Meinst du, du könntest wieder am Ufer sitzen?"

Er nickte und flog auf, um sich auf eine der mächtigen Luftwurzeln zu setzen.

„Lorchen" sagte die Bergelfe, „du klingst immer noch ziemlich schrecklich, ich dachte, dass es ein guter Test für Mr. Lupins Zauberkräfte wäre, den Stimmzauber fortzuwirken, den Severus begonnen hat."

„Und ich glaube immer noch, dass das keine besonders gute Idee ist", widersprach Lupin. „Meine Heilzauber waren immer…eher rudimentär. Medeora, Sie wissen, wir können warten, bis Severus heute Abend wieder selbst zaubern kann. Ich würde nur sehr ungern einen Schaden anrichten, den er dann erst wieder mühsam reparieren muss, oder der am Ende gar bleibende Folgen verursacht."

„Papperlapapp, ‚bleibende Schäden'," wischte die Elfe seine Bedenken mit einer Handbewegung fort. „Es ist nur ein einfacher Stimmzauber, ein bisschen Luftmagie für Anfänger. Am besten nehmen sie diesen Stab hier, er ist zum Heilen bestens geeignet."

Sie zog aus ihren Gewändern einen vornehmen Gehstock hervor, an dessen Spitze ein silberner Knauf blinkte, unter dem ein Wappen eingraviert war.

Severus starrte auf die Schlange, die sich vor grünem Grund um einen Äskulapstab wand, darunter eine Burg auf grünem Grund. Das Familienwappen der Malfoys! Natürlich, mit einem so mächtigen Stab würde selbst Lupin der Nixe die Stimme zurückgeben können, aber bei Merlin! – sie durften doch die Spuren dieses Zaubers nicht in Malfoys Stab zurück lassen. Wie konnte die Elfe nur so nachlässig sein, bisher ahnte der Dunkle Lord doch nichts davon, dass sie ihre Stimme verloren hatte. Wenn er das erfuhr, würde er Nachforschungen anstellen, und Severus war sich sicher, dass Lucius seinen Stab regelmäßig überprüfte.

Lupin zog den Stab aus dem Futeral des Gehstocks.

„Ich weiß nicht, irgendwo habe ich diesen Stab schon einmal gesehen." Er drehte ihn zwischen den Fingern. Der Rabe stieß ein warnendes Krächzen aus. Lupin sah zu ihm hin. „Wo haben Sie diesen Zauberstab her?" erkundigte sich Lupin bei der Heilerin.

„Martialis hat ihn besorgt. Er gehört Riddles Haus- und Hofheiler. Es ist ein mächtiger Stab zum Heilen." Medeora nickte Lupin ermutigend zu.

Wieder krächzte der Rabe.

„Ich weiß nicht", sagte Lupin, „Severus ist offensichtlich nicht der Ansicht, dass ich diesen Stab benutzen sollte."

„Ach, der hat nur seine trotzigen fünf Minuten", sagte die Elfe leicht hin.

Lupin sah fragend zu dem Raben hinüber. Severus schüttelte den Kopf. Als Lupin den Stab immer noch in den Fingern wog, flatterte er schließlich auf, setzte sich auf den Unterarm des anderen Zauberers und biss ihn schmerzhaft in die Stabhand.

Lupin fluchte. „Lass das, Severus, ich habe schon verstanden. Es tut mir leid, Medeora. Aber ich werde hier keinen Zauber ausführen, der ohnehin noch warten kann, solange ich nicht weiß, warum Severus offenbar solche Bedenken hat."

„Ich meine auch wir sollten auf ihn hören", wandte jetzt Loreley mit heiserer Stimme ein. „Ich kann bis heute Abend warten. Selbst wenn Ihr beiden noch vor Sonnenuntergang mit den Nebelwölfen loszieht, kann Severus nachkommen."

„Ich weiß nicht, ob das funktionieren wird", erwiderte Lupin. „In seiner Rabengestalt wäre das vermutlich kein Problem, aber als Zauberer kann er nicht von hier weg apparieren, und du kannst ihn nicht holen, Medeora, weil du in der Nähe der Wölfe nicht zuviel Elfenmagie wirken kannst, sie würden dich irgendwann spüren. Nein, wenn du uns begleiten willst, Severus", er wandte sich jetzt direkt dem Raben zu, „dann musst du heute Nachmittag fliegen, wenn wir aufbrechen. Und du kannst erst zur Burg zurückkehren, wenn wir unsere Aufgabe erfüllt haben oder Medeora sich gemeinsam mit Dir von mir und den anderen Wölfen trennt. Entscheide es selbst."

Severus überlegte nur einen Moment. Er hatte Medeora und Lupin zugesagt, sie zu begleiten, aber der Stimmzauber war notwendig, denn der Dunkle Lord konnte jeden Tag auf die Idee kommen, Loreley hören zu wollen. Und er wollte sich nicht vorstellen, was er der Nixe antun würde, wenn sie ihm nicht mit ihrer Kunst zu Willen sein konnte. Bei dem Gedanken daran schnürte ihm etwas den Atem ab. Auf keinen Fall durfte er riskieren, dass ihr etwas geschah.

Tatsächlich gab es nur eine Möglichkeit. Er flog zu Lupin hinüber und zog mit dem Schnabel dessen Zauberstab aus der Tasche seiner Robe. Er nahm ihn vorsichtig in den Schnabel und ließ ihn vor Lupin auf den Boden fallen.

„Meinen eigenen Stab soll ich benutzen?" fragte der Werwolf skeptisch. „Warte mal!" entfuhr es ihm dann. „Severus hat Recht! Es geht ja nicht um Heilkraft, sondern um Luftmagie", fügte sie hinzu. „Vielleicht ist es ganz geschickt, wenn man keinen starken Heilstab, sondern einen eher arithmantisch orientierten benutzt."

Lupin hob seinen Stab auf und drehte ihn zwischen den Fingern. „Arithmantisch orientiert, hm?" sagte er, sah den Raben an und ein Lächeln breitete sich über sein Gesicht aus. Dann schwang er den Zauberstab in der Luft und plötzlich war der Raum erfüllt vom Klang eines unsichtbaren Orchesters. Loreleys Augen weiteten sich in Entzücken, als sie die Musik erkannte, und sie begann, im Rhythmus des Dreivierteltakts von „An der schönen blauen Donau" wie ein glitzernder Delfin durch das Becken zu tanzen und zu springen. Die anderen sahen ihr eine geraume Weile gebannt zu, Medeora lächelte. Langsam ließ Lupin die Musik verebben.

Severus war beeindruckt, nicht nur, weil es ein glänzend und mit Leichtigkeit ausgeführter Musicus war, sondern auch, weil er als Inbegriff der Luftmagie so eng mit dem Stimmzauber verwandt war. Eine perfekte Wahl für einen Test.

„Sie sind ja ein Künstler, Mr. Lupin", sagte Medeora und auch ihre großen grauen Augen leuchteten vor Begeisterung.

„Sicher nicht", entgegnete dieser. „Eher ein solider Handwerker. Gut, Loreley, wenn Sie dann bereit sind?" Er sah die Nixe an.

Sie nickte, während das Wasser in dem Teich noch Wellen schlug von ihrem wilden Tanz. Sie fasste ihr Haar und legte es nach hinten über ihre Schultern, so dass nun Hals und Brüste unbedeckt waren.

Severus wurde heiß, als sie sich entblößte, und er registrierte sehr genau, dass auch Lupin für eine Sekunde den Atem anhielt, bevor er sich auf seine Sprucharbeit zu konzentrieren begann.

Seine Stabbewegungen waren exakt, auch wenn er angespannt dabei wirkte. Er hatte nichts von der Snape'schen Eleganz, aber er arbeitete genau und sorgfältig.

Vox sanata!" Seine Stimme war klar und deutlich, als er die Formel sprach. Lupin hielt den Zauber für etwa zwei Minuten, dann sank sein Arm nach unten.

„Versuchen Sie es mal", sagte er zu Loreley, und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Sein Atem ging schwer und schnell. Sie nickte und wurde sehr still, die schönen Hände vor dem Körper verschränkt sammelte sie ihre Magie. Und dann begann sie zu singen.

Es war die Weise von der bösen Loreley, die auf ihrem Felsen hoch über dem Rhein thront und singend ihr goldenes Haar kämmt, um die Fischerboote in die Untiefen der Klippen zu locken, wo sie zerschellen und die Seeleute den Tod finden.

Severus spürte die Wirkung ihres Gesangs, seine Brust wurde eng und etwas in ihm tat weh, weil die Schönheit ihrer Stimme kaum zu ertragen war. Und was sein Rabenkörper nicht zeigte an Wirkung, war vom Gesicht Lupins mit Leichtigkeit abzulesen, dem die Tränen die Wangen hinunter liefen, während er der Nixe zuhörte.

Lediglich Medeora, die offenbar etwas anders gestrickt war als die beiden Männer, klatschte in ihre Hände, als Loreley ihr Lied beendet hatte, und sagte:

„Bravo, Schätzchen, welch ein Comeback, und dann noch mit soviel Selbstironie. Du bist wirklich meine Lieblingssirene."

Loreley verbeugte sich lachend und reichte dem Zauberer dann die Hand. „Vielen Dank, Remus Lupin, dass Sie Severus' Zauber so wunderbar vollendet haben. Es war nur noch ein kleiner Schritt, aber ich bin sehr froh, dass Sie so mutig waren, ihn zu tun."

„Mir scheint", entgegnete Lupin, „dass man eine Menge erreichen kann, wenn die Brillanz des Hauses Slytherin und der Mut von Gryffindor sich verbinden, und sicher nicht nur in einem Stimmzauber, so berührend das Ergebnis in diesem Fall auch ist."

Er verabschiedete sich von der Nixe, nickte dem Raben zu und verließ mit der Heilerin die Bibliothek.

Der silbergraue Umhang blähte sich hinter ihm in einer unsichtbaren Brise. Es war ein Abgang, der trotz seines leicht hinkenden Gangs nichts von Snape'scher Eleganz vermissen ließ.

TBC

Ich liebe diesen Wolf. Aber sein wir ehrlich – wer tut das nicht?