Neue und alte Probleme

Saphira stand in einem dunklen Kerkergang, der eindeutig zum Slytherin-Gemeinschaftsraum führte, nur die wenigen Leute um sie herum waren ihr gänzlich unbekannt. Neben ihr stand ein Junge, vielleicht fünfzehn oder sechzehn Jahre alt, und lehnte sich missmutig gegen eine Wand.
„Hey, Black!", erklang eine Stimme zu ihrer Rechten, woraufhin Saphira erschrocken herum fuhr und verwundert den Mund öffnete. Im flackernden Schein einer Fackel erkannte sie ein junges Mädchen, das ihrer Mutter verdammt ähnlich sah, doch offensichtlich schien diese nicht Saphira angesprochen zu haben, denn sie blickte direkt durch sie hindurch und lief zielstrebig auf den dunkelhaarigen Jungen zu.
„Zieh nicht immer ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter! Komm mit, ich zeig dir was", rief sie und griff nach seiner Hand, um ihn mit sich zu ziehen. Schon wollte Saphira ihnen neugierig folgen, doch noch bevor auch nur einen Schritt in ihre Richtung gelaufen war, verwandelte sich die Szenerie.

Der vertraute Kerker verschwamm undeutlich vor ihren Augen und nur einen Sekundenbruchteil später fand sie sich auf einer dunklen Straße wieder.
Helle Lichtblitze zuckten, begleitet von markerschütternden Schreien und ohrenbetäubendem Gepolter, durch die Luft. Saphira musste ein paar Mal blinzeln, um sich in diesem heillosen Durcheinander zu orientieren, und konnte schließlich eine Frau in der Dunkelheit ausmachen, deren lange, schwarze Locken ihr wild über die Schultern wallten, während diese den Kopf in den Nacken warf und schrill lachend Flüche ausstieß. Die Schwarzhaarige wirbelte herum und einen atemlosen Augenblick lang durchfuhr Saphira das unangenehme Gefühl, ihr stechender, fast schon irrer Blick würde sie direkt durchbohren.

„Crucio!", hallte es durch die Nacht und Saphira stieß einen panischen Schrei aus, doch kein Laut drang aus ihrem Mund, während der Fluch durch ihren Körper schoss, ohne auch nur den geringsten Schaden anzurichten. Als wäre sie gar nicht da … als hätte sie überhaupt keinen Körper.

„Es reicht, Bella!", brüllte eine männliche Stimme und Saphira wirbelte mit rasendem Pulsschlag herum. Es handelte sich um denselben jungen Mann, den sie zuvor in den Kerkern gesehen und den das blonde Mädchen mit „Black" angesprochen hatte. Er ging auf die Dunkelhaarige zu, die ihn geflissentlich ignorierte, und nun erkannte Saphira die Frau eindeutig wieder. Zwar hatte sie ihre Patentante Bellatrix Lestrange noch nie persönlich angetroffen, doch wenn sie nicht alles täuschte, sah diese Frau exakt so aus wie Bellatrix auf den Bildern ihrer Mutter.

Abermals veränderte sich das Szenario, die Schreie verstummten und plötzlich war es ganz still.
Auf einem großen Bett saßen ein Junge mit pechschwarzem Haar und stahlblauen Augen und ein Mädchen mit blonden Locken, das konzentriert auf ein Schachbrett starrte, welches zwischen ihnen stand. Der Junge grinste siegessicher und wirkte plötzlich älter, schien direkt vor Saphiras Augen zu wachsen. Das Mädchen verschwand mitsamt dem Schachbrett und nun saß er alleine da, war vielleicht etwa vierzehn Jahre alt. In der rechten Hand hielt er ein zerknittertes Foto, das eine junge Hexe darstellte, welche sich lachend mit einer Hand durch das blonde Haar fuhr; ihre Augen funkelten tiefblau. War es das gleiche Mädchen wie vorhin? Der Junge lächelte matt zurück und seufzte leise, als die Tür aufflog und ein älterer Junge ohne anzuklopfen herein platzte.
„Hau ab!", blaffte der Jüngere ihn an, was Saphira nur allzu gut verstand, denn so ungeniert gestört zu werden, konnte auch sie auf den Tod nicht ausstehen.
„Wo ist mein Besen?", herrschte der Störenfried ihn an und riss eine Schranktüre auf.
„Keine Ahnung und jetzt nimm deine dreckigen Blutsverräterfinger gefälligst von meinen Sachen!", war die unfreundliche Antwort darauf.
„Ich schwöre dir, wenn ich rausfinden sollte, dass du ihn hast, dann ..." Doch er war schon wieder verschwunden und ließ die schwere Holztüre hinter sich mit einem lauten Knall ins Schloss fallen.
Stöhnend sank der Schwarzhaarige wieder zurück auf sein Bett und schloss die Augen.

Wieder sah sie Bellatrix, die gellend lachte, während ein kleines Kind weinte, zwischen drei Leichen auf dem Boden kauerte und in instinktiver Todesangst um sein Leben schrie – vergeblich.

Das Wohnzimmer in der Villa, in welcher Saphira mit ihrer Mutter lebte, darin ihre Mutter, nur sehr viel jünger. Sie sprach mit ungewohnt sanfter Stimme, während sie in den Armen eines gutaussehenden, jungen Mannes lag und an einem Glas Wein nippte. Handelte es sich um denselben Mann, der sie durch all diese Szenarien begleitet hatte? Diese eine Konstante, die stetig anwesend zu sein schien?

Kapuzengestalten in der Dunkelheit ...
Schreie und angsterfülltes Geflüster ...
Das Meer.

Eine eiskalte, stockfinstere Höhle ...
Wesen im Wasser ...

Dem Tode so nah …

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Schweißgebadet schreckte Saphira hoch, rang nach Luft und brauchte einige Minuten, um sich zu beschwichtigen und ihre Panik in den Griff zu bekommen. Allmählich wurde sie sich gewahr, dass es nichts zu befürchten gab, sie in Sicherheit war und in ihrem Bett in Hogwarts lag.

Was sie erlebt hatte, war nicht real, nichts weiter als zusammenhangloser Unsinn, den ihr verwirrtes Unbewusstsein sich im Schlaf zusammengereimt hatte. Nur ein Traum ohne Bezug zur Wirklichkeit. Jedenfalls glaubte sie das ...
Der Blick auf die Uhr verriet ihr, dass es noch mitten in der Nacht war. Drei Uhr siebenunddreißig, um genau zu sein. An Schlaf war jedoch nicht mehr zu denken, also stand sie so leise wie irgend möglich auf und begab sich auf Zehenspitzen in den Waschraum, um unter der Dusche den Angstschweiß abzuwaschen und ihren Kopf freizubekommen.

Das kühle Wasser tat seine Wirkung. Endlich war die junge Hexe wieder fähig, frei und ruhig zu atmen, ihre kindischen Ängste vor imaginären Schattengestalten ihrer Phantasie waren fortgespült worden, doch nun war sie hellwach. Was sollte sie tun?

Nachdem sie sich angekleidet hatte, ging sie unsicher hinunter in den Gemeinschaftsraum, doch dort unten befand sich natürlich niemand mehr und auch das Feuer war bereits erloschen, weshalb es in dem Raum unter dem See ungemütlich kühl war. Leicht fröstelnd zog sie den dünnen Morgenmantel ein wenig enger um den dürren Körper und beschloss, in den Jungenschlafsaal zu gehen und die verbliebenen Stunden bis zum Aufstehen bei ihrem Freund zu verbringen. Dort fühlte Saphira sich vermutlich nicht allzu einsam und Dracos tiefen Schlaf störte sie sicherlich nicht.

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Gelangweilt starrte Blaise im Schein einer Kerze auf das Buch, welches in seinem Schoß lag, ohne die Wörter zu begreifen, die undeutlich vor seinen Augen verschwammen. Als er das Klicken des Türschlosses und leise Schritte auf dem steinernen Boden hörte, zog er den Vorhang des Bettes zurück und staunte nicht schlecht, da sein Blick auf seine beste Freundin fiel, die ihn ebenso verwundert ansah.
„Was machst du denn hier?", fragte er und lächelte leicht. Anstatt zu antworten zuckte Saphira nur mit den Schultern.
„Kannst du auch nicht schlafen, oder habe ich dich geweckt?", fragte sie schließlich, da seine Augen noch immer unverwandt fragend auf ihr ruhten.
„Bei Vollmond kann ich nie schlafen", erwiderte Blaise und winkte sie zu sich aufs Bett.
„Das wusste ich gar nicht", sagte Saphira, ließ sich neben ihm auf der Matratze nieder, hob die Decke an und schlüpfte darunter. Einen kurzen Augenblick lang hielt der Slytherin die Luft an, als ihre nackten Beine die seinen streiften und sagte dann rasch:
„Es ist auch nicht unbedingt das Erste, was du jemandem erzählst, wenn du ihn kennenlernst: Hi, ich kann bei Vollmond nicht schlafen und wie heißt du?"
Leiche kichernd ließ Saphira sich gegen seinen Oberkörper sinken. Blaise nahm sie in den Arm und atmete den Geruch ihrer Haare ein. Bei Salazar, wieso um alles in der Welt war sein körperliches und emotionales Verlangen nach ihr ausgerechnet dann entfacht worden, als sie sich auf Malfoy eingelassen hatte? Vorher hatte er sich doch auch nicht für Saphira interessiert. Jedenfalls nicht auf diese Weise, nur im freundschaftlichen Sinne. War es schlicht und ergreifend der Reiz des Verbotenen? Begehrte er nur die Dinge, die er nicht haben konnte? Und wieso war sie überhaupt noch mit diesem Idioten zusammen?

Hatte sie auch nur den Hauch einer Ahnung davon, was in ihrem besten Freund vor sich ging, wie sehr ihn ihre sachten Berührungen reizten, schier in den Wahnsinn trieben …?

„Jetzt mal Spass beiseite, was ist denn bei dir los? Wieso bist du nicht mehr in deinem Bett?", wollte er von ihr wissen und bemühte sich darum, seine Gedanken wieder in weniger gefährliche Bahnen zu lenken. Dennoch strich er mit einer Hand über das Stück nackte Haut in ihrem Nacken, ertastete ihre Wirbelsäule unter dem Nachthemd und unterdrückte ein sehnsüchtiges Seufzen.

Reiß dich zusammen, Mann! Es ist nur Saphira und so toll ist sie nun wirklich nicht, ermahnte er sich und richtete seinen Blick auf das Fußende des Bettes. Nur nicht allzu lange Saphira anstarrten …
„Ach, nichts Besonderes. Ich hatte einen seltsamen Alptraum und konnte nicht mehr schlafen", murmelte die Blonde und beschrieb eine wegwerfende Geste mit der Hand.
„Was hast du denn geträumt?", hakte Blaise nach und war froh, dass sie zu ihm und nicht zu Malfoy gekommen war. Die Tatsache, dass dieser Umstand eher dem Zufall und seiner eigenen Schlaflosigkeit zuzuschreiben war, ignorierte er geflissentlich.
„Komische Sachen ... Es war ein bisschen ... so wie ... Es kam mir nicht vor wie ein Traum. Ich meine, es wirkte so ... mhh, ach keine Ahnung, ich kann mich nicht mehr daran erinnern", log sie. Warum sie nicht fähig war, weiter zu sprechen und ihre Vermutungen – von real existierenden Personen, welche sie größtenteils überhaupt nicht kannte, geträumt zu haben – vor ihrem besten Freund verschwieg, vermochte Saphira nicht zu definieren.
„Hast du was dagegen, wenn ich heute Nacht hier bleibe?", fragte sie und der Blick aus ihren großen, grünen Augen traf ihn mitten ins Herz. Blaise schüttelte den Kopf, schluckte und drückte sie noch ein wenig fester an sich.

Leise ausatmend schmiegte die Blonde sich enger an ihn und der junge Zabini hatte Mühe, ein leises Stöhnen zu unterdrücken, als sich ihre kühlen Beine erneut an seinen rieben.
Denk gefälligst mit deinem Kopf und nicht mit deinem ..., rief er sich zur Vernunft und versuchte verzweifelt zu verhindern, dass sich sein Blut an einer Stelle seines Körpers sammelte, wo es jetzt gerade leider nichts zu suchen hatte.

Saphira ging so unglaublich selbstverständlich mit ihm um, als würde sie die Möglichkeit, er fände sie mehr als einfach nur nett, vollkommen ausschließen. Und vermutlich war dem auch so. Wahrscheinlich war es in ihren Augen abwegig, ja geradezu absurd, dass zwischen ihnen beiden jemals etwas laufen könnte.
„Ich bin froh, dass ich dich habe. Du bist der allerbeste Freund, den ich mir wünschen kann", flüsterte die Blonde leise.
Blaise nickte und wandte den Kopf ab, damit sie die Verbitterung in seinem Blick nicht sah. Wenn sie nur ein winziges Bisschen mehr für ihn empfinden würde, anstatt ihre Zeit mit einem untreuen Arschloch wie Malfoy zu vergeuden ...
Einige Minuten später schlief Saphira schließlich doch noch in seinen Armen ein und Blaise betrachtete sie bis zum Morgengrauen, wehmütig über ihr langes Haar und ihre weiße Haut streichelnd.

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Einige Stunden zuvor im Gryffindor-Gemeinschaftsraum knieten Harry, Ron und Hermione auf den Kaminvorleger und starrten in die Flammen, wo soeben der Kopf von Sirius Black erschienen war.
„Wie steht's?", fragte dieser und grinste seinen Patensohn schief an.
„Nicht so gut", erwiderte Harry. „Das Ministerium hat schon wieder einen Erlass durchgesetzt, mit dem sie unsere Quidditch-Mannschaften verbieten. Die Slytherins dürfen natürlich weiterspielen ..."
„Und Geheimgruppen für Verteidigung gegen die Dunklen Künste sind ebenfalls verboten worden", ergänzte Sirius wissend.
„Woher weißt du das?", fragte Harry verdutzt und starrte ihn mit offenem Mund an.
„Mundungus hat euch belauscht", erklärte er. „Molly ist selbstverständlich dagegen, aber versteht mich nicht falsch, ich finde die Idee klasse. Wer macht denn alles mit?"
„Unerwarteterweise eine ganze Menge Leute", murmelte Harry kopfschüttelnd. „Ginny, Fred, George, Cho, Neville, Dean, Lavender, die Patil Zwillinge, Luna, Katie, Alicia, die Creeveys ... Wir haben eine elendig lange Liste ... Damit hätte ich nie gerechnet."
„Ich habe von Ginny gehört, dass Luna deine Nichte auch fragen will", warf Hermione plötzlich ein und sah Sirius prüfend an. In den ganzen Sommerferien hatte er Saphira Black mit keinem Wort erwähnt und auch ihren Namen auf dem Stammbaum völlig außer Acht gelassen, als er ihn Harry erläutert hatte.
„Seid ihr euch sicher, dass das eine gute Idee ist?", fragte Sirius skeptisch.
Harry verzog das Gesicht. „Sie ist mit Malfoy zusammen. Mehr muss ich dazu nicht sagen, oder?"
Sirius nickte zustimmend. „Kann ich gut verstehen. Ich hätte auch keine Lust, eine von den Schlangen dabei zu haben. An eurer Stelle wäre ich vorsichtiger, denn die Wahrscheinlichkeit, dass sie euch verrät, ist sehr hoch, meinst du nicht?"
„Vielleicht sollten wir ihr eine Chance geben. Wenn sie unterschreibt und uns dennoch verrät, wird sie die Konsequenzen tragen müssen und ich sage euch, das wird ihrem hübschen, vornehmen Näschen sicherlich nicht gut tun", meinte Hermione und lächelte geheimnisvoll.
„Ich weiß nicht ...", überlegte Harry.
„Äußere dich doch auch endlich mal dazu, Ron!", herrschte Hermione den Rothaarigen an und warf ihm dabei einen eindringlichen Blick zu.
„Ähmm, ja. Hübsch ist sie ...", murmelte Ron abwesend und Hermione verdrehte genervt die Augen.
„Hörst du eigentlich jemals zu?", fragte sie gereizt und fühlte sich wieder einmal, als wäre sie ausschließlich von Idioten umgeben ... Irgendetwas hatte sie in ihrem Leben definitiv falsch gemacht.

Am nächsten Morgen, noch bevor irgendjemand anderes im Jungenschlafsaal der Fünftklässler erwachte, dachte Blaise darüber nach, was er nun tun sollte. Es gab genau zwei Möglichkeiten für ihn:
Die erste bestand darin, Saphira zu wecken und sie darauf aufmerksam zu machen, dass ihr werter Freund sicherlich nicht sonderlich viel davon halten würde, sie hier in seinem Bett vorzufinden.
Die zweite Möglichkeit war, einfach abzuwarten und sich daran zu erfreuen, Malfoy eins auszuwischen. Der blonde Troll war davon überzeugt, dass Blaise die kleine Crouch nicht würde flachlegen können und nun war sogar seine eigene Freundin in Blaise' Bett gelandet – wenn auch nicht auf die Weise, wie er es sich wünschen würde, aber immerhin in seinem Bett ... Wenn das kein Triumph war, wusste der junge Zabini es auch nicht.

Bei dem Gedanken an Malfoys dummes Gesicht, was dieser sicherlich machen würde, sähe er das hier, lachte Blaise leise. Ja, diese Vorstellung war schlicht und ergreifend zum Niederknien.
Andererseits ... Saphira wirkte gestern Nacht ohnehin schon durch den Wind und ein Streit mit Draco würde sie mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit vollkommen aus der Bahn werfen. Wenn sie ihm nicht so verdammt viel bedeuten würde, wäre es wesentlich leichter. Seufzend und verärgert über sich selbst rüttelte Blaise leicht an Saphiras Schulter und sie schlug müde die Augen auf.
„Vielleicht solltest du lieber deinen Freundwecken, der verschläft nämlich regelmäßig", sagte Blaise mit säuerlichem Gesichtsausdruck und konnte den Unmut, der in seiner Stimme mitschwang, nicht zur Gänze verbergen.
„Danke", flüsterte die Blonde, drückte ihn noch einmal kurz und begab sich dann hinüber zu Draco.

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Saphira saß in der Bibliothek und beendete gerade ihren Zaubertrankaufsatz für Professor Snape, als zwei gleichsam bekannte, wie verabscheute Stimmen an ihr Ohr drangen.
„Was findest du eigentlich an diesem Malfoy?", fragte Ariadne Crouch skeptisch und schüttelte dabei ungläubig den Kopf.
„Ich weiß nicht ... einfach alles! Wie er aussieht, wie er redet, was er sagt, seine unglaublichen Augen, seine Hände ..." Astoria seufzte und in ihre Augen war ein verträumter Ausdruck getreten.
„Vielleicht musst du einfach mehr in die Offensive gehen, Toria. Ich meine, bisher weiß er ja kaum von deiner Existenz, mach dich bemerkbar, sonst hast du keine Chance", riet Crouch ihr und versank schon wieder halb hinter einem ihrer Bücher, als Astoria die Hände theatralisch in die Luft warf und deutlich vernehmbar „Aber er hat eine Freundin!", ausrief, was ihr einige böse Blicke von lernenden Schülern einbrachte, weshalb sie nun etwas leiser fortfuhr:
„Und zwar schon seit ... seit ... ach schon ewig! Ich hasse diese blöde Kuh! Was hat dieses verhungerte Rippengestell, was ich nicht habe?"
Sie hält die Klappe, quietscht nicht andauernd herum, stammt aus einer besseren Familie, hat mehr Geld, macht vermutlich jeden Abend für ihn die Beine breit ..., schoss es Ariadne durch den Kopf, doch stattdessen sagte sie nur:
„Wen interessiert das? Ehrlich mal Toria, willst du ihn, oder willst du ihn nicht?", stöhnte Crouch genervt von dem Verhalten der Freundin und Astoria nickte lebhaft.
„Dann musst du die Initiative ergreifen, von alleine kommt er nicht. Zeig dieser Ziege einfach, dass sie sich etwas einfallen lassen muss, wenn sie ihn dir nicht kampflos überlassen will."
„Ja, das versuche ich doch die ganze Zeit, aber er beachtet mich einfach nicht. Ich verstehe das nicht. Ich meine, guck sie dir an! Die hat doch null Oberweite und dann diese Kleider, die sie trägt ... im Ernst, wenn der sie flach legen will, muss er erstmal mindestens eine halbe Stunde an ihr herumschnüren."
Crouch rollte mit den Augen und zog ernsthaft in Erwägung, Astoria mit einem Schweigezauber zu belegen. Manchmal fragte sie sich wirklich, warum sie sich derartige Gespräche überhaupt antat. Astoria konnte einem gehörig auf die Nerven gehen!
„Schreib deinen Aufsatz und halt den Mund", zischte sie, was Astoria dazu brachte, ihr Buch zuzuknallen und sich an einen anderen Tisch, zu einigen Mädchen ihres Jahrgangs zu setzen. Vermutlich, um mit denen weiter zu tratschen und dies sollte Ariadne nur recht sein, so hatte sie wenigstens ihre Ruhe.

Saphira ballte die Hände zu Fäusten und sah zu, dass sie weg kam, ehe sie den beiden noch den Kopf abriss ... Das war nun wirklich die Höhe! Aber Draco würde doch nicht ... Sie dachte kurz an Astoria und schluckte ihre Wut herunter. Nein, das würde er sicher nicht tun. Zwar sah die junge Greengrass nicht schlecht aus, hatte eine sehr weibliche Figur, worauf die meisten Kerle vermutlich standen, aber was Saphira und Draco verband war doch viel mehr als reine Körperlichkeit. Er hatte gesagt, dass er sie liebte … Und Saphira glaubte ihm. Weshalb sollte er sich also auf diese hohle Zicke einlassen?

Ein winziger Restzweifel blieb dennoch vorhanden … Denn was wäre, wenn er sich nicht geändert hätte, oder Saphira ihm allmählich zu langweilig wurde?