Mut
Er hatte nicht aufgegeben, das konnte niemand von ihm behaupten.
Seine UTZ-Prüfungen hatte er besser als erwartet abgelegt, und danach im Ministerium angefangen. Er traf sich alle paar Wochen mit seinen Freunden im tropfenden Kessel, und ging hin und wieder mit einem Mädchen tanzen oder ins Kino.
Er besuchte seine Eltern regelmäßig und sogar gerne.
Er machte seinen Job gut, war nach kurzer Zeit stellvertretender Leiter der Abteilung für muggelgerechte Antworten.
Er funktionierte.
Und dann stand er eines Morgens pünktlich wie immer, mit dem Wecker auf und fasste dann beim Zähneputzen einen Entschluss.
Er schickte seine schmale braune Eule, mit einer Krankmeldung, in den dritten Stock des Ministeriums.
In den letzten vier Jahren hatte er nicht einmal gefehlt, ihn würde schon niemand vermissen.
Er apparierte in die Wohnung seiner Eltern, frühstückte langsam mit seiner Mutter um Zeit zu schinden. Und dann nahm er all seinen Mut zusammen, ging die ausgetretene Holztreppe hinauf und betrat Colins Zimmer.
Der Atem stockte ihm, und als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, erschrak er zutiefst. Es war als seien sie wieder Kinder.
Fast konnte er Colins aufgeregte Stimme hören, wie er in den Weihnachtsferien nach seinem ersten Jahr in Hogwarts von all den Wundern erzählte, die er gesehen hatte, und seine Fotos auf dem Dielenboden ausbreitete.
Er war der beste Bruder gewesen, den man sich hätte wünschen können.
Nie hatte er etwas Schlechtes über Dennis gesagt, oder ihn ausgeschlossen.
Er hatte alles mit ihm geteilt, ihm jedes Geheimnis erzählt.
Er war sein bester Freund, gewesen.
Dennis schüttelte die Nostalgie ab, und griff schnell nach dem ersten Karton.
„Hogwarts '92 + '93 Teil 1" stand darauf in Colins gerader sauberer Schrift.
Er nahm alle Kartons aus dem Zimmer mit, sogar den kleinen Schuhkarton auf dem „Privat" stand, und den Bilderrahmen vom Nachttisch.
Das Foto darin zeigte Neville, Harry, und Ron, wie sie mit Colin Snap explodier spielten.
Wieder und wieder flogen die Karten in die Luft, und Colin strahlte übers ganze Gesicht.
Die Fotos in den Kartons waren perfekt sortiert, in farbigen Umschlägen, chronologisch und nach Motiv geordnet.
Dennis verteilte sie in seinem Wohnzimmer auf allen Flächen und verwandelte damit seine Wohnung in ein übergroßes Fotoalbum.
Einige Wochen später hatte er einen großen Aktenordner mit Bildern zusammengestellt und betrat mit ihm sichtlich eingeschüchtert das Büro von Careen Figgins im obersten Stock des Goldene Feder Verlags in London.
Miss Figgins trug ihre glänzend blonden Locken in einer extravaganten Frisur auf eine Seite ihres Kopfes geföhnt.
Ihre Lippen waren perfekt in einem satten Rot geschminkt und ihr tintenblaues Kleid war aufdringlich weit ausgeschnitten.
„Der Junge mit den Fotos, nicht wahr?"
Er musste sich mehrfach räuspern bis er antworten konnte.
„Ja, Dennis Creevey, Miss."
„Na, dann zeig mal her.", sie trug ein Lächeln, das unecht wirkte, als fehle ihr die Zeit für ein echtes.
Sie schnappte ihm den Aktenordner regelrecht aus der Hand und blätterte ihn herzlosschnell durch.
Dennis knetete seine Hände.
„Dein Bruder hat das alles fotografiert?"
„Ja, mein Bruder Colin."
Sie nickte, ohne ihn anzusehen.
„Und du hast noch mehr davon, sagst du?", sie klappte den schwarzen Ordner lautstark zu.
„Oh ja, das ist nur eine Auswahl aus allen Jahren.", sagte er und in seiner zittrigen Stimme schwang etwas Stolz mit.
„Machen wir jetzt ein Buch daraus?", setzte er hinzu.
„Nein, nein, Schätzchen."
Seine Hoffnung starb eines kurzen aber schmerzhaften Todes, und seine Schultern sanken jäh herunter.
„Ich denke wir machen daraus drei Bände. '92- '95, '95-'98, und einen extra Band über das goldene Trio."
Collin strahlte, und nickte, er hätte allem zugestimmt.
„Ich stelle dir eine Redakteurin zur Seite, um die richtigen Fotos auszuwählen und einige kurze Begleittexte zu schreiben. Die Fakten müssen alle Stimmen, ich will nicht eine Falsche Jahreszahl sehen!"
Er nickte erneut.
„Wir brauchen natürlich noch ein Foto von Colin."
Dennis schlug den Ordner auf, und tippte auf das Bild, das er von Colins Nachttisch genommen hatte.
„Das kommt dann vorne auf die erste Seite, Geburts- und Sterbedatum dazu. Das wird perfekt!"
Er schluckte, Sterbedaten fand er eher weniger perfekt.
Trotzdem lächelte er.
Dennis ist zurück, und mit ihm natürlich auch Colin.
Wie immer voll Postwar Melancholie mit einem hauch Hoffnung, so mag ich das.
Ihr auch?
Ich hätte gern mal wieder eine Rückmeldung von euch, ich stochere hier so im dunkeln rum, wenn ihr mir nicht sagt was ihr davon haltet.
Also meine Lieben Reviewer und all die wunderbaren Blackreader, ich glaube an euch, meldet euch mal!
Von mir die allerliebesten Grüße
Die Alraune
